Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 31 (7.8.1938)
- Date
- 1938-08-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278219--13048-2291934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 31 * 4. August 1938 C.-V>-Zeitung Seite 17 Jüdische Grabstätten einst und heute die eine gute Zeichnung liefern würden, und an einem Wettbewerb für ein würdiges Denkmal, den etwa die Jüdische Gemeinde einmal ausschreiben könnte, würden sich sicherlich alle beteiligen, die heute auch auf diesem Gebiet eine einheitliche Linie suchen. Von Dr. Olga Bloch 'Auf dem alten Judenkirchhof in Worms ragen aus dem wild wuchernden Gras und Gesträuch Grabsteine, die für die Toten der Gegend in mittelalterlichen Tagen errichtet wurden. Es sind schlichte Denkmäler, zumeist aus Sandstein, nicht hoch, nicht allzu breit; sie tragen in hebräischen Lettern Namen, Tag und Jahreszahl, sie berichten in aller Kürze, J*ä$5s^?VVV **jw*p •■ - 2 * \i£ dass sie dazu bestimmt sind, das Gedenken und die Erinnerung wachzuhalten. Wer weiterwandert durch die Friedhöfe der Juden in Deutschland und auch jenseits der Grenzen, kommt zur Erkenntnis, dass im Laufe der Jahrhunderte die Grabmalkunst eigenste Wege ging. Denn um die Zeit, in der Menschen auf dem Friedhof in Hotzenplotz bei Troppau zur ewigen Ruhe gebettet wurden, schuf man für sie Grabsteine, die in der Um- ■weli kaum ihresgleichen haben. Es ist die Zeit der späteren Renaissance und des beginnenden Barock, da auf italienischem Boden der Dom von St. Peter mit seinen Denkmälern fertig wurde, da — um nur ein Beispiel zu nennen — die fast als Friedhofsarchitekturen zu bezeichnenden Grabstätten auf den Kirch- 'höfen zu Genua oder Florenz oder Pisa ihre Entstehungiszeit hatten. Aber die jüdischen Grabstätten bleiben ganz einfach, allein die Form ist das Entscheidende, die Dekoration beschränkt sich auf jene Schrift, die aus dem Material, Sandstein, Granit und Marmor, herausgemeisselt wird; je verwitterter der Stein wird im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte, desto wirkungsvoller für den Besucher des alten Friedhofes; Symbole beleben hin und wieder die geschwungenen Profile der Steine, und ihre Gestaltungen kommen vom Renaissancehaften zum sich steigernden Formgefühl des Barock. Dann kommt eine Zeit, die auf dem Gebiet der Grabstättenkunst ganz neue Wege geht. Wir wundern uns heute, dass die Angehörigen des Verstorbenen sich derart nach aussenhin aussprachen, dass sie auf dem Friedhof Ruhestätten in Gestalt von Häusern bauen Messen, Baulichkeiten, die man innen mit künstlicher Beleuchtung, deren Decken man mit Mosaiken in der Erinnerung an Reiseeindrücke an San Marco in Venedig dekorieren Hess. Man wählte neben dem jüdischen Symbol, dem Magen David oder den segnenden Händen des Kohen, oftmals Motive als Schmuck, die auf das berufliche Leben des Toten bezug hatten. Maurische Stilformen, die manchmal gut durchgearbeitet sind, Muschelkalk und gefärbter Schiefer waren hier an der Tagesordnung. Eine neue Friedhofsordnung, die Umfang und Grösse eines modernen Grabsteines beeinilusst, berührt sich gedanklich mit dem Empfinden, auf dem Friedhof nicht mehr eine prunkvolle Erinnerungsstätte für die Verstorbenen zu schaffen. Aus der hohen Form des Obelisken, die uns hin und wieder in den neuen Teilen unserer Friedhöfe noch begegnet, werden jene niedrigeren Grabsteine, die man ohne bekrönende Spitzen arbeitet. Man greift mehr zu Profilen der Antike und der Renaissance. Gut durchgearbeitet müssen sie sein, nicht nur dekorativ anmuten. Flache Steine mit herübergezogenen Pfeilen widersprechen den Prinzipien der Architektur auf dem Gebiet der Grabmalkunst. Man kommt wieder zum Ornament, wählt oftmals ornamentale Motive statt der schablonenhaft anmutenden Schrift. Wieviel ist gerade hier verfehlt gewesen! Buchstaben gibt es, die im Handel käuflich sind, wieviel schöner sind eingemeisselte oder aus dem Stein herausgeholte Schrift! Sie muss über den ganzen Stein verteilt und künstlerisch würdevoll angeordnet sein, wie bei den alten Grabdenkmälern auf den jüdischen Friedhöfen. Oft wurde gerade in letzter Zeit die Fläche mit der Schrift glatt behauen, ein unpolierier Streifen geschaffen, er erhöht die Wirkung, weil er mit Schattenreflexen arbeitet. Mannigfach ist ja der Werkstoff, der dem Architekten zur Verfügung steht: roter und weisser Granit, Travertin, den man gern unpoliert verwendet — wird er poliert, bekommt er eine braune Färbung —, auch Marmor findet Verwendung, und man soll gerade bei der Auswahl der Materialien künstlerisch wägen. Kalkstein und Muschelkalk sehen wir öfter, und nicht zu vergessen jene Findlingsblöcke, die gar nicht bearbeitet sind. Rote Sandsteinblöcke verwendet man in dem Zustand, wie sie aus dem Steinbruch in die Werkstatt kommen. Die Arbeiten der Architekten Max Landsb e r g, Paul Levy. Max G o 1 d s t e i n auf Berliner Friedhöfen sind ein guter Anfang auf dem Gebiet des künstlerischeren Grabmals. Vielleicht sollten sich die Werkstätten für Grabmalkunst, über das rein Handwerkliche hinausgehen^, Berater aus den Reihen der Architekten wählen, Nordafrikanische Judaica aus Berliner Privatbesitz In Berliner Privatbesitz sind einige Judaica zu bewundern, die dem nordafrikanischen Kunst- und Kulturkreis entstammen und von besonderem Interesse sind. Es handelt eich in erster Linie um einen siebenarm igen Leuchter aus gebranntem Ton, der dem geschwungenen- Henkel durch die rote Färbung des Werkstoffs eine eigenartige Haltung gibt. Dieser Leuchterhenkel wird unterbrochen von einer zweiteiligen Schale. Noch ist es ungewiss, ob sie als Oelschale oder nur als Stütze des Henkels gedient hat. Merkwürdig wirkt auch jenes Loch an der Schauseite des siebenarmigen Leuchters, das möglicherweise ein rein dekoratives Element bei der Dekoration dieses Kultgeräts bildet. Die roten Tonflächen an diesem jüdischen Gerät werden durch ausgesparte Felder unterbrochen, die mit primitiv gehaltenem Ornament ähnlich wie an den Ritzarbeiten der Naturvölker verziert sind. Arabischer Einfluss und nordafrikanische Anregungen scheinen hier berüberzublicken: Marokko. Algier, Tunis, aber auch Ostafrika kann dieses jüdische Kultgerät beeinflusst haben. In diesem Zusammenhang könnte man auf den Gedanken kommen. A b e s s i n i e n als das Entstehungsland des siebenarmigen Leuchters anzusehen. Man denkt an Aksum, die heilige Stadt, die lange als Krönungsstadt galt und als Allerheiligs'tes ihres Tempels die zu prüfen. Jahrhundertelang im Kloster eingeschlossen gew Oberpriester hatte Zutritt in d; heiligste Gemach. Niemand ha berate g. SCHEIN "eteraä^ Carl Zobel ESÄ?io7 ™. 242953 Feine Herrenu. Darnenkleidung nachMass. Gr. Stoffauswah!. Bundeslade als das Original der von dem Sohn der Königin von Saba und Salomo in Jerusalem entwendeten Bundeslade besitzt. Die jahrtausendealten archäologischen Schätze Aksums wurden durch eine Expedition im Jahre 1906 wieder an das Tageslicht gefördert und dem wissenschaftlichen Studium zugänglich gemacht. Man bewundert heute noch die Riesenstelen mit ihren zahlreichen Stockwerken, die fast an die waren di« esen. und as seheims tt-e "die Tai : Tafeln nur der?te und ein be- Fvt. (6) Gielt Kar plus ÜÄ£ ¥&S£y. vÄv Minaretts der Moscheen oder die Glockentürme, die Campaniii der frühen italienischen Gotteshäuser erinnern. Man erkennt das weite Stelenfeld und den Bezirk der — allerdings später gestifteten — abendländischen Zionskirche. Aksum lag seit mehr als hundert Jahren im tiefsten Märchenschlaf. Als am Ende des vergangenen Jahrhunderts nach dem Tode Kaiser Theodors II. der Negus Johannes auf den abessinisehen Thron kam, war er ein eifriger Förderer der kulturellen Bestrebungen seines Landes. Auf Grund eigener Quellenstudien Hess er sich, wie es heisst, auch den Königssitz nach dem Muster des Salomonischen Thrones schmieden. Demselben Kunstkreis mag die M e s u s a entstammen, die aus fremdem, hartem Holz, vielleicht aus Zedernholz, geschaffen, schon durch den Werkstoff an ein fernes Land erinnert. Knochenschnitzereien bilden einen interessanten Dekor. Um den Rahmen herum erkennt man zwei Friese mit ornamentalen Verzierungen; in der Hauptsache sind es Arabesken, die sich in strenger Gliederung um die in der Mitte befindliche Tafel herumziehen. Der Schubdeckel weist wieder ein ganz anderes Ornament auf, während die durch drei Spitzen gehaltene Bekrönung der Mesusa auf die strenge Stilisierung des Rahmens in der Form, wenn auch nicht in Einzelheiten, zurückg-reift. Die Entstehungszeit der Tafel ist unbestimmt. Man weiss, dass nach der Eroberung Abessiniens durch die Italiener eine päpstliche Kommission nach Aksum ging, um die Geschichte der koptischen Kirche zu studieren. Man war vor allen Dingen bestrebt, die im Kloster von Aksum vprborgen gehaltenen angeblichen Originaltafeln der biblischen „Zehn Gebote" auf ihre Echtheit hin Siebenarmiger Leuchter (Keramik) Mesusa mit reicher Ornamentik Fot. (2) Grete Kar plus schrieben, ausser einigen christlichen Missionaren, die sie im 17. Jahrhundert gesehen und als die „echten Tafeln" bestätigt haben sollen. Die Tafeln sind nach der abessinischen Legende anlässlich des Besuches der Königin von Saba bei König Salomo in Jerusalem von ihren Dienern gestohlen worden. Dt, 0. B. Kiiestiiachrichtee In London wird demnächst eine Ausstellung jüdischer Kunst eröffnet. Aus den Erträgnissen soll ein Fonds für jüdische Kinder geschaffen werden. Plan und Organisation der Ausstellung sind der Zusammenarbeit verschiedener Zweige der Kirche zu verdanken; sie wird von ihren Organisatoren als eine alle kirchliche Anschauungen umfassende „Geste der Freundlichkeit gegenüber einer religiösen Minderheit" bezeichnet. Die Ausstellung wird unter anderem unterstützt von dem Erzbischof von Canterbury und dem katholischen Erzbischof Kardinal Hinsley, der Herzogin von Atholl, Lady Diana Cooper, der Gräfin von Oxford und Asquith, dem Erzbischof von York, den Bisehöfen von Ely, Southwak. Rochester und Chelmsford, dem Dechanten von Westminster, Sir Harry Twyford, dem Oberbürgermeister von London, Sir Ronald Storrs, Sir Arthur Stanley, Arthur Henderson und dem Hochkommissar von Neu-Seeland, W. I. Jordan. Juden werden zur Teilnahme nicht aufgefordert. Als Ausstellungsort bemüht man sich um die Royal Academy. * Die Malerin Martha F r i e dlän d e r-L ew e n z aus Berlin hatte in K o b e (Japan) mit einer Ausstellung neuer Arbeiten viel Erfolg. * In M a i 1 a n d hat sich kürzlich die Künstlervereinigung „Gruppo Italiano deli'Ex Libris e Bianco Nero" gebildet, bei der der aus Berlin stammende Maler Michael Fingesten zusammen mit Attilio Cavallini den "Vorsitz führt. Die durch verschiedene Ausstellungen bekannt gewordene Vereinigung versendet einen Katalog, in dem u. a. die Graphiker Giovanni Krohn, Erna Friedländer und Istvan Lustig genannt und mit Proben der Ex-Libris-Kunst abgebildet werden. %■ Die Malerin Nan Ronsheim-Herzberg aus Hannover stellte in Durban im Rahmen der „Natal Society of Artists Show" (Kunstausstellung) im Juli drei Aquarelle (Porträts) aus, die in der Presse besondere Beachtung fanden. Nan Ronsheim ist wie ihre Mutter eine Schülerin Carrie von Biernas. Die Leitung des ungarischen Journalistenvereins hat an ihren Ehrenpräsidenten Hofrat Max Markus anlässlich dessen 70. Geburtstages ein Glückwunschtelegramm gerichtet, in dem es heisst: Dankbar gedenken wir Deiner im Interesse der Journalistengarde oin Vierteljahrhundert hindurch geleisteten opferwilligen Arbeit und ihrer Resultate und bitten Dich. Dein Interesse und Deine Liebe auch weiterhin für die Jnurnalistengemeinsehaft zu bewahren. Mit aufrichtiger IWnschätzuns im Namen des Ungarischen Journalistenvereins Deine Pich verehrenden Getreuen: Ladislaus Töth, Präsident: Ladislaus Borns, Vizepräsident-Generalsekretär; Karl v. Lovik, Sekretär.