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Central-Verein-Zeitung · 1938-07-07 · 27 (7.7.1938) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 C.-V.-Zeifung Nr.27*7Juii193a Den Beweis dafür, dass trotz aller blutigen Zwischenfälle die friedliche Aufbauarbeit immer weitergeht, bedeutet die Errichtung einer neuen jüdischen Siedlung im E-mek durch Juden aus Deutschland, die bisher dem Kibbuz Alonim angehörten. Die neue Siedlung umfasst 2000 Dunam Boden, die früher Gegenstand eines jüdisch-arabischen Rechtsstreites waren, vom Gericht aber den Juden zugesprochen wurden. * In den südöstlichen Aussenbezirken von Haifa wurden die Vorarbeiten für die Errichtung einer Oelraffinerie vollendet. Der Bau der Raffinerie wird voraussichtlich drei Jahre währen. Die Kosten betragen mehrer« Millionen Pfund. Die anfängliche Fassungskraft soll zwei Millionen Tonnen betragen, d. h. das gesamte gegenwärtige Förderquantum def Mossul-Oeifelder. In der neuen Gesellschaft sind englische, französische und amerikanische Interessen vertreten. * Aus Jerusalem wird der Tod des 72jährigen Levi Levine -Epstein, eines der Gründerdes Misrachi, berichtet. Der Verstorbene stammt aus Litauen und war der Leiter eines Warschauer Verlagshauses iür hebräische und jiddische Literatur. Trauertag und Tag der Unruhe Von unserem # - P a lä st in a - B er i ch t e r s t a 11 e r Tel-Aviv, 30. Juni. Am Mittwoch Morgen um acht Uhr wurde Schlomoh Ben Josef im Hefe des Gefängnisses von Akko hingerichtet. Es ist begreiflich, dass der erste Fall dieser Art im Lande eine besondere Erregung auslöste, die erste Hinrichtung eines Juden seit Bestehen des britischen Mandates und noch dazu in einem Falle, in dem, wie der Oberrabbiner von Palästina in seinem Gnadenappell erklärte, ein gütiges Geschick den Angeklagten davor bewahrt hat, im Angriff Menschenblut zu vergiessen. Allerdings wurde und wird die Tat des Verstorbenen von der überwältigenden Mehrheit des organisierten jüdischen Palästina missbilligt, und an der Rechtsgrundlage des Urteils und seiner Vollstreckung besteht keinerlei Zweifel. Aber so oft sich auch gerade in letzter Zeit die Haltung der revisionistischen Gruppe zu wichtigen nationalen Fragen in Widerspruch mit Ueberzeugungen der Volksmehrheit befand, so bestand doch über alles Trennende hinaus eine gemeinsame Trauer um diesen irregeleiteten jungen Juden. Der gemeinsame Ausdruck dieses gemeinsamen Empfindens aber wurde durch mancherlei Missverständnisse getrübt, die namentlich in der grössten reinjüdischen Stadt Tel-Aviv zu turbulenten Vorfällen führte. Die Kritik, die an dem Urteil und seiner Vollstreckung geübt wurde, sowie die Bitte um Begnadigung Ben Josefs wurde von allen Parteien namentlich mit zwei Argumenten gestützt: Vor allen Dingen wurde darauf hingewiesen, dass die Ausnahmegesetze doch nur zur Abschreckung der Terroristen die Todesstrafe auch für solche Vergehen androhen, bei denen keine Menschenleben geopfert wurden; die Juden aber, die als Angegriffene unter schwersten Terror seit zweieinhalb Jahren eine selbst von der Königlichen Kommission hoch anerkannte Selbstbeherrschung übten, bedürften einer solchen Ersiehung durch Abschreckung nicht, selbst wenn sin mal bei einigen wenigen die. Selbstbeherrschung vor der ständigen Provokation nicht standhalten sollte. Sodann aber wurde von der Oeffentlichkeit auf die Gefahr hingewiesen, dass ein solcher Fall nicht nur die innerpolitischen Spannungen, die sich ohnehin schon durch manche Meinungsverschiedenheiten über die zweckmässigste Äbwehrmethode ergeben haben, verschärfen müsste, sondern in gewissen Kreisen auch Erbitterung gegen die Mandatarmacht auslösen würde. Eine nicht-revisionistische Tageszeitung schrieb etwa: Der Verstand kann es fassen, dass die Rechtsprechung ihren durch das Gesetz vorgeschriebenen Weg gehen musste. aber das Herz wird es niemals begreifen, dass nach den hunderten jüdischen Blutopfer des arabischen Terrors nun noch ein weiteres Opfer durch die Hand des staatlichen Henkers fallen soll. Die Zentralinstanzen hatten die Bevölkerung ermahnt, ihrer Trauer einen würdigen, ruhigen 'Ausdruck zu geben und die tägliche Arbeit nicht zu unterbrechen- Aber schon in den frühen Morgenstunden wurde in Tel-Aviv ein Teil der Geschäfte und Büros geschlossen, und im Laufe des Tages wurden die übrigen durch herum- Ei eh ende Trupps meist jugendlicher Menschen veranlasst oder auch durch Drohung gezwungen, die Arbeit ebenfalls zu unterbrechen. Auch' der Verkehr war auf diese Weise so -zahlreichen Störungen ausgesetzt, dass er schliesslich ganz unterbrochen wurde. Neue Anweisungen von zentraler Stelle lagen nicht vor, und so kam es auf den Strassen, die sich eben infolge der Geschäfts- und Verkehrsunterbrechung mit wachsenden Menschenmassen bevölkerten, vielfach zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Juden und Juden. Die Polizei wurde zunächst aus den Reihen der Feuerwehr und der Pfadfinder, dann durch Heranziehung von Hilfspolizisten aus den benachbarten jüdischen Kolonien und schliesslich durch britische Polizisten und Soldaten, mit Gewehr und Stahlhelm bewaffnet, verstärkt. Als es bei der Zerstreuung von Ansammlungen und Demonstrationszügen zu Zusammenstössen mit der Polizei kam, bei denen die Polizei tätlich angegriffen und mehrere Demonstranten verletzt wurden, verhängte der Distrikt-Commissioner für Tel-Aviv •und Jerusalem völlige Strassensperre ab 7 Uhr abends. Mangel an zentraler Leitung und politische Ueberreiztheit einiger Gruppen trübten so das Gesamtbild der trauernden und erbitterten Stadt. Die hebräische Stunde des Radiosenders Jerusalem trug — obwohl eigentlich eine staatliche Einrichtung — ^dem Empfinden des jüdischen Palästina Rechnung. An Steile der im Programmvorgesehenen Volkslieder sandten sie- Beethovens 7. Sinfonie auf Schallplatteriunter Leitung von Toscanini mit ihrem heroischen Trauermarsch und ihrem kraftvollen Ausklang. « Die jüngsten Vorfälle an der Grenze von Jaffa und Tel-Aviv, bei denen mehrere Juden und Araber ums Leben kamen, haben die Stadtverwaltung veranlasst, nochmals energisch eine Neuregelung der kommunalen Zuständigkeiten zu verlangen. Die beiden Städte sind in der Gegend des Karmeimarktes so ineinander-. gewachsen, dass Verkehr und Geschäftsleben die Grenze völlig verwischt haben. Für die Tel- Aviver Polizei aber besteht diese Grenze in voller Schärfe; selbst bei drohender Gefahr darf sie Jaffaer Gebiet nicht amtlich betreten, obwohl es sich zum grossen Teil um rein jüdische, stellenweise allerdings unvermittelt in arabisches Gebiet übergehende Wohn- und Handwerksviertet handelt. Die abendliche Grenzsperre, die infoige der letzten Vorfälle verhängt werden musste, hat gewissermassen Tel-Aviv in zwei Teile gespalten. Ein Sonderkonflikt entstand aus der Forderung der jüdischen Bezirke, zur Vermeidung von Reibungen in ihrem Gebiet wenigstens eigene jüdische Strassenkehrer zu beschäftigen.. Mit polizeilicher Hilfe wurden die arabischen Strassenkehrer der Stadt Jaffa zurückgebracht und die jüdischen an der Ausübung ihrer Tätigkeit verhindert. Bei dieser Gelegenheit kam es zu neuen Zusammenstössen. Neben der Neuregelung der Grenzbestimmungen wurde auch eine Verstärkung der Städtpolizei von Tel- Aviv bei den Behörden beantragt. «. Die Stadtverordneten von Tel-Aviv haben sieh, allen innerpolitisehen Konflikten zum Trotz, einmütig auf ein weiteres Programm zur Durchfuhrung produktiver - ö ff entlieh.ex- Arbeiten geeinigt. Voraussetzung dafür ist, wie Bürgermeister. .Rok a c h ausführte, die- Mitwirkung -der ■.Jewish Agency, mit der die Verbandlungen bereits aufgenommen worden sind, und die Auflegung einer 10- bis 15jährigen Anleih e.von 10Ü 000 LP. Die Kanalisationsarbeiten können, entgegen den Erwartungen, wahrscheinlich erst nach dem Oktober in grösserem Umfang aufgenommen werden. Auch die Hoffnung auf nennenswerte Belebung der privaten Bautätigkeit, die gegenwärtig nur 20 Prozent der gesamten Bautätigkeit ausmacht,' hat sich bisher •nicht erfüllt. Bei neuen Arbeiten, sollen neben dringend erforderlichen Arbeiten für die Fertigstellung gewisser Grünflächen sowie Instandhaltungarbeiten am Strand namentlich Applanierungsarheiten in den Aussenbezirken, als Vorbereitung geplanter Siedlung»- und Strassenbauten, bevorzugt werden, da hierbei der grösste Arbeitseinsatz möglich ist. Die Verwirklichung des vorgesehenen Programms würde über die 1300 schon jetzt mit öffentlichen Arbeiten beschäftigten Menschen hinaus die Einstellung von weiteren 1000 Arbeitern ermöglichen. Damit würden, nach dem heutigen Stand der Eintragungen auf den Arbeitsämtern, noch 1500 Arbeitslose, d. b. weniger als l°/oo der Gesamtbevölkerung übrigbleiben. * ' Der Einfuhr umscb la g der palästinensischen Häfen ist nach amtlichen statistischen Ziffern in den ersten vier Monaten 1938 um 85 000 Tonnen oder um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, und zwar auf 241 000 Tonnen. Während der Rückgang in H a i f a am stärksten war, nämlich von 254 000 auf 171:000 Tonnen, und in Jaffa der Umschlag von 48000 auf 36 000 Tonnen sank, hat der Einfuhrumschlag in Tel-Aviv von 21500 auf 32 000 Tonnen zugenommen. Dagegen hat der Ladeuro s c h 1 a g. der hauptsächlich aus Zitrusverschiffungen bestand, keine wesentliche Veränderung erfahren. Aber auch hierbei ist bemerkenswert, dass, während Haifa ein wenig verloren hat und Jaffa gleichgeblieben ist, der Ladeumschlag von Tel-Aviv sich fast verdoppelt hat, und zwar von 13 000 auf rund 27 000 Tonnen. M. Eröffnung der Palästinamesse in London In London fand in Anwesenheit des Abgeordneten Amery und Chaim Weizmanns die feierliche Eröffnung der Palästinamesse statt. Trotz der gegenwärtig schwierigen Zeit in Palästina erklärte Weizmann, dass an dem weiteren Aufbau des jüdischen Nationalheims kein Zweifel bestehe. Er bezeichnete den Bodenkauf, der die Voraussetzung für die weitere Ansiedlung von Menschen im Land© sei, als die Hauptaufgabe der Stunde. In einem Schlussappell mahnte er die Anwesenden, trotz aller Kritik im einzelnen niemals zu vergessen, dass England das einzige Land gewesen sei, das in den letzten zwanzig ..Jahren beträchtlich zur Lösung des jüdischen Problems beigetragen habe. Amery erklärte die Teilung des Landes als die beste der sichtbaren Lösungen, jedoch sei eine rasche Entscheidung eine dringende Notwendigkeit- Er verglich die gegenwärtige Zeit mit der Epoche, in der Jerusalem unter Nehemia wieder aufgebaut worden sei, und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass die Juden, wenn ihnen nur ein angemessener Raum zur Verfügung gestellt werden würde, wiederum einen Wunderstäat im wahrsten Sinne des Wortes aufbauen würden. Mitgliedsbeiträge für den Jüdischen Central-Verein Landesverband Gross-Berlin auf Postscheckkonto Berlin:: 115 501 ' lilOllüli!, Nachdem Mrs. Sie ff den Rednern gedankt hatte und mitgeteilt hatte, dass bereits , eine Summe von 8000 Pfund für den Bodenkauf in Palästina gesammelt worden-sei, erklärte. Amejv die Ausstellung für eröffnet. '■'-''. Das neuzeitliche Schulwesen in Palästina Von unser ein Dr. E. R.—z-Paläst ina-Berichterstatter Jerusalem, 1. Juli. Seit mehr als zwei Jahren steht die Einwanderung nach Palästina unter dem negativen Vorzeichen erst praktischer und dann gesetzlicher Hemmungen. Für eine wichtige Gruppe von Einwanderern sind jedoch die Einwanderungsbestimmungen nicht geändert worden: das ist für Schulkinder und für Studenten, für die besondere Regeln in der Kategorie B 3 der-Einwanderungsbedingungen der Mandatsregierung aufgestellt sind. Danach dürfen Schüler und Schülerinnen ebenso wie Studenten, die. in eine palästinensische Schule, in ein Seminar oder in eine Fach- oder Hochschule ordnungsgemäss aufgenommen sind, dann ' einwandern, wenn ihr Lebensunierhalt bis zu dem Zeitpunkt gesichert ist, von dem ab sie ihn voraussichtlich selbst verdienen können. Es erscheint im gegenwärtigen Zeitpunkt nützlich, .diese Bestimmungen einer erleichterten Einwanderung für Schulkinder und Studenten auf ihren konkreten Inhalt näher zu untersuchen mit dem Ziel, Eltern zur Prüfung der Frage anzuregen, inwieweit sie für ihre eigenen Kinder davon Gebrauch machen könnten. . Der E.ntschluss, sich von seinen Kindern zu trennen und sie in ein anderes Land, fern von der elterlichen Hand und dem elterlichen Herz, zur Erziehung zu geben, ist gewiss für alle Teile schwer; aber er wird den Eltern dann leichter werden,, wenn sie sich dabei zwei Tatsachen vergegenwärtigen, die Palästina vor vielen anderen Einwanderungsländernvoraus hat: -die erste ist allgemeiner Art und wohlbekannt, dass nämlich Zehntausende von Juden aus Deutschland hier im Lande leben, allein rund 12 500 in Tel-Aviv, über 8000 in Haifa, über . 4QQ0 . in Jerusalem, über 7500 in den Kolonien und kleineren Städten und schliesslich 4500 der jüngeren Generation in Kwuzot und Kibuzim. Ein. teil -dieser jüdischen Menschen aus Deutschland — besonders wenn er dazu aufgerufen -wird —- ist gewiss bereit, Kinder, die ohne ihre Eltern nach Palästina kommen, um hier die Schule zu •besuchen, die Einordnung zu erleichtern und die erste seelische Hilfe zu geben, wenn schon leider eine materielle nur in den wenigsten Fällen möglich sein kann. Sie werden gern mithelfen, diesen Kindern, die mit ihnen in ihrer vertrauten Muttersprache sprechen können, den Uebergang in die andere Umgebung und das andersartige Leben zu erleichtern, bei ihnen -werden die Kinder in der Freizeit, am Schabat, wenigstens ein paar Stunden, lang eine Umgebung finden, die an. das Milieu im. eigenen Elternhaus erinnert. Trotz ihrer eigenen Existenzsorgen werden sich viele der hier lebenden Juden aus Deutschland bemühen, das seelische und geistige Band zwischen den Eitern in Deutschland und den Kindern, die hier im Lande erzogen werden sollen, zu erhalten. Und das zweite, da? den Enlschluss der Eltern in Deutschland erleichtern kann, ist die. Tatsache, dass sie Vertrauen zu dem Schulwesen in Palästina haben können, das —- in d.pn letzten Jahren besonders — einer grundlegenden Modernisierung und Ausgestaltung unterzogen worden ist. Es hat einen sichtbaren Aufschwung genommen, es ist so vielgestaltig wie irgendmöglich, lückenlos von der K i n d e r g a r t e n - V o r s c b ti 1 e bis z u in U n i v e r s i t ä t s t u d i u m. Die verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung und Erziehung geben bei sorgfältiger Auswahl der Schule die Gewähr, die Kinder nach der pädagogischen Seite in so guten Händen zu wissen, als es in einem Aufbaulande mit so. starker europäischer Einwanderung nur möglich ist. Natürlich ist die Grundtendenz der Srhulerziehung in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Schulen streng jüdisch-national, wie man . das hier im Lande auch gar nicht, anders erwarten kann; aber es "gibt daneben--auch jüdisch-religiös betonte Anstalten, die deshalb in ihren Lehrplänen, was den Unterricht in allgemeinen Fächern anbelangt, nicht stark von den national betonten Schulen, abweichen. Eine Generalisierung ist jedoch sehr schwer; denn jede Schule hat entweder ihre Tradition, die sie auch bei neuzeitlicher Umgestaltung in gewissem Umfange weiterpflegt, oder sie ist in den höheren Klassen einer speziellen Aufgabe zugewandt, die schon aus Fachgründen heraus das Schritthalten mit allgemeinen, modernen Erziehungserfahrungen erfordert. Alle Schulen haben in Palästina letztlich das Ziel, ihre Zöglinge zu produktiven Gliedern einer gleichsprachigen jüdischen Volksgesamtheit zu erziehen, und viele Anstalten bemühen sich besonders, Einwandererkindern die sprachlichen Anfangsschwierigkeiten so weit wie möglich zu erleichtern und die Kinder allmählich in Verbindung mit den anderen jüdischen Schichten im Lande zu bringen, die ihre künftige, jüdische Umweli bilden. Dieses so ausgerichtete jüdische Schulwesen " in Palästina wird nachfolgend in seinem-Aufbau behandelt. Dabei werden gewisse wichtige Einzelheiten herausgehoben und auch die Kostenfragen für die verschiedenen Schulkategorien behandelt. Möglichkeiten und Grössenordnungen für die ' Fach- und Hochschulausbildung in' Palästina sollen in einem besonderen Artikel behandelt werden und das praktische-pädagogisebe Gegenwartsbild für Palästina vervollständigen. /. Der allgemeine Aufbau des palästinensischen Schulwesens Es besteht keine g e's e t zIi c h e'S c h u'lpflicht in Palästina. Aber, dennoch gemessen - bis auf eine ganz -kleine Ausnahme alle jüdi-" sehen Kinder des Landes zumindest einige Jahre lang eine elementare Schulaüsbildung. Ebenso selbstverständlich ist es, -dass alle" Kinder von Einwanderern aus Deutschland . die - Schule weiter besuchen bzw. eingeschult werdem als wenn Schulpflicht bestände; aber auch für die eingesessenen und die aus orientalischen Ländern kommenden. Juden ist die Frage der 'Schul-, erziehung nur eine der finanziellen Möglichkeit, nicht aber eine des gesetzlichen'■ Zwanges. Das Gesamtschulwesen in Palästina, das jüdische wie das arabische, stehen' unter .der Oberaufsicht eines besonderen Regierungsdepartements. Die Regierungsschulen 'sind jedoch fast ausschliesslich für Araber bestimmt. Von den jüdischen Schulen erhält', nur. ein kleiner Teil geringe Regierungszuschiisse, .'imwesentlichen werden die jüdischen Schulen durch eigene jüdische Mittel, 'durch\ Schu-lgeldei: und durch Zuwendungen ausländischer religio öser oder kultureller Organisationen aufrechterhalten. Im Rahmen des jüdischen Schulwesens hat man zwei grosse'Gruppen zu unterscheiden, die' in ihrer Zielsetzung und damit in ihren' Lehrplänen verschieden sind. ' Die erste, bei weitem grössere Gruppe, sind-die sogenannten Oeff em t.i-.i &ii je n\5...S c b u 1 e n , die unterkamen! besonderen jüdischen Erzieh ungsministeriurm; wenn man es so nennen darf, zusammengefasst sind, nämüch dem Department öf Educatibn ol the• ^aad Le.unii {ErziVhüngsabteiluhg;des Gene-; rairates 'der Jüdischem Gemeinden ihlPalästinä).' In diesen-Schulen, die der Oberaufsicht des' Waad Leumi unterstehen, ist das Hebräische-- alleinige Unterrichtssprache, der Tenacn än weitestem Umfange Grundlage des Unterrichts als solchem/beides .mit dem Ziel, die hebräische Sprache und das. überkommene jüdische Geistesgut _ in der Jugend aller'Altersgruppen,-aller. Schichten, so fest zu verankern, dass es unverrückbarer Wesensbestandteil der jungen .Menschen und damit der künftigen Generation über-' haupt wird. In diesen Schulen des öffentlichen Schulsystems (darunter werden hier in Zukunft; immer die Schulen, die -"dem .Waad Leumi unter- . stehen, verstanden) gi.bt es,-was Sprache: an-- langt, keine Konzession. Hier wird konsequent,- ohne Rücksicht, auf die-Umwelt der Kinder; ohne Rücksicht auf die Vergangenheit das .von. der zionistischen. Bewegung - aus nationalen. Gründen propagierte Ziel der sprachlichen'Verschmelzung, und der Wiedergeburt des Hebräischen und seiner Literatur gepflegt, ein fiel' das manchem einseitig erscheinen mag, das aber'' in der Grösse des Gedankens, ob man ihn für' richtig hält oder nicht, seine Recbtierti<mn0/ findet '? p Die zweite Hauptgruppe im jüdischen Schulwesen sind die sogenannten N i c h t öffentlichen Schulen, die nur deshalb unter - diesem Namen zusammengefasst sind, weil sie nicht der Aufsicht, des Waad Leumi unterstehen; sondern nur direkt der Begierungsaufsicht, -'-"irr sich ist diese zweite Gruppe keineswegs gleichartig, weder in den Lehrplänen noch fm Schu]- z-iei. noch in der Ausschliesslichkeit der hebräischen Unterrichtssprache. Die liberalen Schulen der Alliance Israelite zum Beispiel gehören ebenso hierzu wie die im letzten Jahrzehnt g*-: gründeten vielen Pn'vatschulen verschiedenster nationaler oder religiöser Färbung oder di> orthodoxen Agudat-Schuien. die in bezug auf die Innehaltung der letzten religiösen" Vorschriften keine Ausnahme inachen. Hierauf wird noch näher eingegangen. Die Tatsache, dass fast alle jüdischen Kinder im Lande eine .Schulausbildung gemessen ohm» dass Schulpflicht besteht, klingf dem Europäer sehr selbstverständlich; sie ist es aber keineswegs, wenn man die arabische Umwelt de* Landes betrachte*. Von der arabischen iUgxeAd ]m SchuIalter können nur knapp ein Drittel Schulen besuchen, wobei weiterhin, di* Qualität dieser Schulen mit der der jüdischen ment verglichen werden kann. Für die absolute Grössenordnung einige wenige, aber'aufschlussreiche Zahlen für.Mitte-193S: Bevölkerungsgruppe Kind3rrm Schulalter (5-15 Jahr.) inSchuIen unterrichtete Kinder Juden ............ rd. .68 000 rd.- 268 000rd. 71 500 rd. 81 000 Araber (Mohammedaner und Christen zus)- Dass die festgestellte Zahl der - jüdischen Schulkinder grösser ist als die Zahl der jüdischen Kinder im Schulalter.von 5 bis." 1.5 Jahrenergibt «ich daraus; dass diese Altersgrenzen teilweise unter-, teilweise überschritten werden. In jüdischen Kindergärten-Vorschulen sind viele Kinder unter fünf Jahren und andererseits, ja-

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