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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-23 · 25 (23.6.1938) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
25 (23.6.1938)
Date
1938-06-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr.25 * 23.Juni!938 3. Beiblatt* C-V.-Zeitung Seite IV mUBGR (DERlkABBÄLA DER £ X Von Leo Rein I. Die Kabbala als mystische Philosophie der Schöpfung (Theoretische Kabbala) Die Anfänge W' ie das verschleierte Bild zu Sais steht die Kabbala im Bewusstsein der Menschen: dunkel, geheimnisvoll, von tausend Schwierigkeiten umzäunt, schwer durchdringlich, widerspruchsvoll und von Rätseih umwoben. Einst eine Geheimwissenschaft, beschränkt sich ihre Kenntnis auch heute wieder, selbst unter Juden, auf einige wenige Gelehrte. Wir aber wollen eine kleine Pforte in dies zauberhafte Labyrinth öffnen . . . Obwohl die Kabbala mannigfache nichtjüdische Ableger gezeitigt hat, ist sie doch — was bei uns besonders ins Gewicht fällt — im ganzen eine jüdische Schöpfung, der man, trotz ihrer zahlreichen Beeinflussungen von aussen, scharf nmrissene Originalität nicht absprechen kann. Besonders in der neueren Zeit ist sie als der magisch-mythische Unterstrom erkannt worden, der durch etwa anderthalb Jahrtausende jüdischer Geschichte fliegst. Zuzeiten von den Führern rationalerer Auffassungen innerhalb des Judentums angefeindet und in der Tat oft eine mehr oder weniger verhüllte Gegnerschaft wider das offizielle Judentum, gegen seine rationale, im Talmudstudium wurzelnde Richtung, bildend, gewann die Kabbala doch, besonders in der. Zeit vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, einen gewaltigen Einfluss auf den jüdischen Geist, der sich bis auf das Gebetsritual und das Brauchtum erstreckte. Die Kabbala gehört zu dem Wirbel mystisch-magischer Strömungen, welche, ursprünglich dem Orient entstammend, doch das europäische Mittelalter " weitgehend beeinflussten. Sie ist gewissermassen die mittelalterliche jüdische Romantik — und das jüdische Mittelalter dauerte lange. Man kann sie, die aus mystischer „innerer Schau" aufsteigt, eine dichtende Philosophie nennen, aus der heute eine philosophische Dichtung geschaffen werden könnte, deren Stoff wieder einmal Gott und die Welt ist. Wohl steht in ihr, für unsern heutigen Geschmack, Erhabenes neben Lächerlichem, Tiefsinniges gegen Naiv-Kindlichem, helle Erkenntnis neben dunkelstem mittelalterlichem Aberglauben. Aber gehört ihr Gutes zum Bestand der Religionsphilosophie, so gehört ihr dunkel-abstruses Phantasieren zur Geschichte des menschlichen Irrens und somit zur Kulturgeschichte. Einst wurde sie ernsthaft als geheime Offenbarung betrachtet: und wenn sie auch heute in ihrer ursprünglichen Bedeutung als Religionsphilosophie zurücktreten müsste, würde das heutige Bewusstsein gerade von ihrem mythisch-magischen Element angezogen werden, mit dem sie, verfolgt man ihre Quellen, in älteste Zeiten der Menschheitsgeschichte hinabreicht. In ihrem Exil in Babylonien und Persien hatten die Juden den Parsismus, die Lehre Zoroasters, kennengelernt. In ihr erscheint der Dämonenglaube des primitiven vorgeschichtlichen Menschen geläutert und aristokratisiert: Licht und Finsternis, repräsentiert durch die Götter Ormuzd und Ahriman, kämpfen in derWelt um die Herrschaft; zugleich ist das Licht das Symbol des sittlich Guten, die Finsternis das Zeichen des moralisch Schlechten. Die Welt ist bevölkert mit zahllosen Lichtgeistern auf der einen, mit Nachtgespenstern und Dämonen auf der andern Seite. Der Licht- und Sonnenkult der Parsen beeinflusste die Juden ungemein; sie nahmen zahlreiche Erinnerungen an ihren Aufenthalt in Persien in der Gestalt von Volksbräuchen mit nach Palästina, als sie dorthin zurückkehren durften. Wir werden die Lichtmystik und Lichtsymbolik, die für das Göttliche - eintritt, in der Kabbala wiederfinden. Auch der Dämonenglaube der Parsen wirkt auf die jüdische Weltanschauung ein; soll doch der Asmodai mancher jüdischen Sage eigentlich der Aeschma der parsischen Mythologie sein. Als Alexander der Grosse seine Heere nach dem Osten führte, hatte dies weltgeschichtliche Ereignis nicht nur politische Folgen: auf der einen Seite brachte er die bessere Kenntnis dieses Ostens und seiner Kultur nach Griechenland, auf der anderen Seite breiteten er und seine Nachfolger griechische Kultur im vorderasiatischen Gebiet aus. Das Zeitalter des Hellenismus, der Durchdringung der antiken Welt mit griechischer Kultur, begann. Das kleine jüdische Gemeinwesen am östlichen Mittelmeer widerstand diesen Einflüssen lange genug, ohne sich ihnen jedochauf die Dauer völlig entziehen zu können. Griechische Philosophie, griechische Literatur wirkte auf das spätbiblische und das Judentum der ersten Jahrhunderte nach der neuen Zeitrechnung bedeutend ein. Der Dichter Homer ist dem Talmud ebensowenig unbekannt wie der „filosof joni", der jonische Philosoph. So wird auch die Zahlenlehre der Pythagoräer zu den Juden gedrungen 6ein. Sie lehrte, die Zahl nicht nur als den Massstab, sondern auch als das eigentliche innere Wesen aller Dinge zu betrachten. Die Freude, in der Zahl ein Prinzip des Masses gefunden zu haben, überschritt, wie so oft, ihre Grenzen: die Zahlen traten für die Dinge ein, eine Anschauung, die auch in der Zahlenmystik der Kabbala sich findet. Wie der jüdische Geist die Philosophie Piatos mit ihrer Aufrichtung eines Reiches vollkommener Ideen als erhabener Urbilder und Vorbilder einer unvollkommenen Wirklichkeit aufnahm, zeigt die Erscheinung des Philosophen Philo, der die jüdische Lehre mit der Lehre Piatos zu versöhnen suchte. Im erneuerten Piatonismus, der immer mehr mystische und magische Elemente in sich aufnahm, war auch jene dem Orient entstammende Lehre von der Emanation oder der Ausstrahlung der göttlichen Kräfte wieder erschienen, die in der Kabbala eine so grosse Rolle spielen sollte: Die Welt ist die Ausströmung Gottes; die höhere Ausstrahlung setzt eine niedere in Bewegung, bis eine Rangordnung von Welten entsteht, in der die Materie oder die sinnliche Welt die unterste, das göttliche Lichtreich die oberste Stufe darstellt, — eine Lehre, an welche sich schliesslich die Verachtung der Materie und des Sinnlichen, die Askese mit allen ihren Folgen, knüpfte. Der Neuplatonismus kannte auch den seelischen Zustand der Ekstasis und des Enthusiasmus, des mystischen „Schauens", in dem das begriffliche Denken aufhörte und die Trennung zwischen Erkennendem und Erkanntem schwand, eine Vereinigung beider eintrat. Der eine, unfassbare Gott wird geahnt; aber noch macht sich, bei den Denkern der Epoche, das Bestreben geltend, die Kluft zwischen ihm und der Welt durch Vorstellungen von Wesen oder mindestens vergöttlichten Eigenschaften auszufüllen, denen man ein Mittleramt zutraute: Es ist einmal die Vernunft oder die Weisheit (Sophia), ein andermal das schöpferische Wort, der Logos, der in der griechischen Sprache sowohl Gedanke wie Bild, Erscheinung bedeutet und" seine schärfste Ausprägung in den berühmten Worten findet: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort..." In der Gnosis ist es, neben dem unsichtbaren Gotte und dem niedriger stehenden Weltschöpfer- und Gesetzgeber-Gott (Demiurgos), vorzüglich die Lehre von den Aeonen, •die einmal grosse, unbestimmte Zeiträume, später aber göttliche Kräfte bedeuteten. Im Judentum, dessen Gottesvorstelluug ja bereite klar und bestimmt ist, wird die Lehre von den Engeln ausgebaut — in der Kabbala erinnert.- der Engel mit dem griechischen Namen Metatron (der hinter dem — göttlichen — Thron Stehende) an diese Epoche, während die ältere Generation der Engel bekanntlich durch hebräische Namen mit der das Göttliche bezeichnenden Silbe ,,el*' charakterisiert wird. Alle diese mystischen Strömungen entspringen dem Erlösungsbedürfnis einer innerlich wie äusserlich tiefaufgewühlten Zeit, die sich von der unbefriedigenden Gestaltung der Gegenwart abwendet, einer geahnten höheren und reineren Welt zu. In den niedergedrückten Gemütern entstehen jene dunklen Befürchtungen vom Untergang der Welt, die in der Apokalypse ihren Niederschlag finden; aber auch der jüdisch-prophetische Messianismus erfährt seine Ausformung nach recht verschiedenen Richtungen. Hier werden die Theorien geboren, die das junge Christentum bilden sollen; zahlreiche Sekten, in denen Heidnisches Christliches und Jüdisches oft abenteuerliche Verbindungen und Mischungen eingeht, sind der Ausdruck der suchenden und irrenden Stimmung der Zeit, — bis eine reinliche Scheidung die Dinge klärt und auf einen neuen Ort stellt. Sicher ist eines: dass die nicht jüdischen Wurzeln der Kabbala in diesen mystisch-gnostisch-neuplatonischen Strömungen der ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt liegen. Diese grossartige Anregung der griechischorientalischen Philosophie ergreift den Stoff, der ja in der Bibel und in den Sagen der mündlichen Ueberlieferung in reichlichem Masse vorhanden war, zu eigener jüdischer Formung. Hier waren es besonders zwei Materien, die immer wieder Gegenstand tiefsinnigster Medi- Die ezechielische Vision Die Stimme im Nebel Von Margarete Liebmaim Diese Novelle wurde beim Erzählerwelt' r hewerb der C.-U.-Zeitung mit einem. Preis ausgezeichnet. iE s war in der Frühe gegen 8 Uhr, als der Hausierer vor die Türe des Gasthofes trat, prüfend einen Moment in die Runde schaute, in der leise Nebel schleierhaft wallten, zu der Silberscheibe des Himmels aufsah und sich in Gedanken den Weg aufzeichnete, der sich in leicht gewundenen Kehren über den Kamm des Gebirges zog, bis er, allmählich sich abwärts neigend, wieder der glatteren Ebene zustrebte. Er kannte den Weg, und er war wetterkundig. Konnte er noch rechtzeitig den Marktflecken erreichen, w-ürde er vor Sonnenuntergang zu Hause sein. Es war Freitag, und nichts konnte ihn zurückhalten. Er zog den Riemen fester über die Schulter, öffnete den Deckel des länglichen Kastens, der, wie eine Kommode in Fächer eingeteilt, vor seinem Leibe niederhing, blickte hinein, ordnete noch einmal Band und Garnrollen, dass sie sich strammer aneinander fügten,' fühlte nach dem Brotsack, dessen schmalerer Riemen seine andere Schulter überkreuzte und setzte seine Füsse gleichmässig in. Bewegung. Da es vorerst nur aufwärts ging, musste er von vorneherein seine Kräfte einteilen. Fing er schnell an, waren sie auch schnell zu Ende. Setzte er jedoch in abgewogener Ruhe grade jetzt im Anfang Schritt vor Schritt, schwingend und regelmässig ausgreifend, hielt er es lange mit dem Atem' aus und kam dabei gut und sicher vorwärts. . Das kleine Gasthaus, das er verliess, lag noch still vor dem aufsteigenden Tage. Im leichten Nebel sah die Landschaft frostig, fast blau aus. Der Herbst hatte noch hier und da Blättchen hängen lassen, die von den Zweigen wie von dürren Krallen festgehalten wurden. - Die Wege sahen feucht, doch . schon frostgehärtet aus. Es kam alles darauf an, ob der Nebel sich hob-- Wer jetzt dem Wandernden nachgesehen hätte, dem wäre es erschienen, als ob ein grosser, schwarzer Vogel sich zwischen leise dahinziehenden Wolken bewegte, oder als ob die Landschaft ein riesenhaftes Spinnennetz wäre, in dessen Mitte ein einziger Körper sich regte. Noch sah man die Berge in verschwimmenden Umrissen. Der Hausierer, eine magere, schmale Gestalt, strebte vorwärts wie ein sachte dahingleitendes . Segel. Sein schwingender kleiner Laden störte ihn nicht. Die Brottasche, die leise an seinen Rücken anschlug, war wie ein Freund, der ihm beruhigend auf die Schulter klopfte und ihm sagte, dass er nicht zu verhungern brauchte.. Er stieg und stieg wohl schon mehrere Stunden, während die Silberscheibe am Himmel immer mehr erblindete. Schliesslich war sie nur noch ein verstecktes Licht, das ab und zu ein verschwimmendes Grau durchblitzte. Doch noch schimmerte es gelbgrün von verwelkten Grasbüscheln zwischen dem nassen, unter dem Fuss rutschenden Geröll, noch war der Umkreis des Blickes nicht ganz geschlossen. Jedoch die Nebel wuchsen und rückten näher heran. Schliesslich war es, als erstarrten sie in ihrem Tanz, reckten sich unaufhaltsam ins Riesenhafte empor, gingen in Unbeweglichkeit über und schlössen sich zu festen, undurchsichtigen Wänden um einen Pfad, zu dem sie die Welt zusammendrängten. Trotzdem fühlte der Hausierer sich nicht verzagt. Zu genau kannte er die Wege des Gebirges, die er unzählige Male gegangen war. . Seine Lippen murmelten Zahlen vor sich hin. Knöpfe, Band und Garn waren teurer geworden. Der Nutzen beim Verkauf allzu gering. Immer häufiger wehrten rasch zugeschlagene Türen ihn als lästig unerwünschten Bittsteller ab. Die Bauersfrauen fuhren lieber in die Marktflecken, wo ihnen neben dem Einkauf auf den Quartalsmärkten allerlei begehrte Vergnügungen winkten. Mühsam nur fand sich Groschen zu Groschen. Und die Kinder brauchten so dringend Schuhe! Es schnitt ihm ins Herz, wenn er die zierliche Elisa ungeschickt in den viel zu grossen Erwachsenenstiefeln laufen sah, die die Mutter auf einer Waschstelle geschenkt bekommen hatte. Und die Miete für diesen Monat war noch nicht beisammen. Aber heute, am Ende der durchwanderten Woche, lag der ruhevolle Freitagabend vor ihm, an dem die Lichte über, dem Schnee des Tischtuches blitzten, auf dem die Suppe in der Terrine dampfte und die Kinder fröhlich um ihn herum sassen. Er und seine getreue, geduldige Hannah hoben ihre stille Sabbathfreude wie einen vergraben gewesenen goldenen Schatz aus den Fetzen des elenden Alltages empor und duldeten keinen Flecken an ihm. — Der Hausierer setzte immer noch rüstig Schritt vor Schritt. Die Nebelmassen hatten sich nun fast ganz geschlossen. — Er war allein, der einzige Mensch in der Welt. Seine Füsse schienen wie in Watte gewickelt. Er war allein. Er wanderte durch Wolken--- P lötzlich war es ihm, als hörte er ein Geräusch. Sollte er in der Nähe eines Gehöftes sein? Es schien, als erweckten seine Schritte ein Echo. Dann war es, als klängen Schritte mit den seinen zusammen. Er blieb stehen, da schwieg auch das begleitende Geräusch. Er ging, da schien es, als ob es neben ihm tappte. Seine Augen erblickten nichts als nur fliessendes Grau. Da, ganz plötzlich, hörte er neben sich eine Stimme, ohne einen Menschen sehen zu können: „Ist hier jemand?" fragte die körperlose Stimme. Sein Atem stockte vor siedendheissem Schreck. „Warum antwortest du nicht?" erklang es von neuem. „Ja", sagte der Hausierer, „ein Mensch ist noch hier." Dabei streckte er die Hand aus, die nur Feuchtigkeit fühlte. „Achte gut auf den Weg", sprach die Stimme wieder, „wir sind jetzt weit ab von Menschen und Gehöften. Und die Nebel werden sieh nicht vor Abend heben--" Die Stimme schwieg. Das leise Tappen erklang, als ginge es manchmal nebenan,' bald so, als bewegte es sich im Kreise. ..Erzähle, wer du bist!*' tönte die Stimme von neuem. „Was treibt dich, hier im Nebel übers Gebirge zu gehen?" Die Stimme, bald näher, bald fernerklingend, kam losgelöst durch den Nebel geschwommen. — — Der Hausierer hatte nun seinen Schreck überwunden. Wie der Gesang von Vögeln, die tief im Gebüsch sitzen und einander zusingen, sich aber nicht sehen, trafen sich durch die Luft die wie verzauberten Laute. „0, ich denke, ich weiss es, wer du bist", sprach die losgelöste Stimme von neuem. Ich hörte dich schon früher, als du vor mir gingst. Du schleifst etwas beim gehen, du musst schwer tragen. Vielleicht nicht allzu r.~hwer, aber die Zeit steigert die Last.x Und du trittst ungleich auf. Ich sah dich vor der Türe des Gasthofes stehen. Ein Wanderer bist du, ein jüdischer Hausierer. Du wanderst und wanderst und blickst den Leuten nach den Augen, denn du bist arm, musst verdienen und hast Frau und Kinder. Geduldig bist du und gottergeben. Erzähle mir etwas von deiner Kindheit. Das wird dir den Weg verkürzen helfen!" Die Stimme war manchmal wie rieselndes Wasser, manchmal wie dumpf anschwellender Gesang. Nun hörte der Hausierer seine eigene Stimme. Aber die Laute wrehten um ihn wie Daunenfedern, die von ihm fortspielten und wieder zurückkehrten. „Fünf Jahre bin ich wohl gewesen, als eines Morgens mein Grossvater zu uns kam, ein paar Worte zu meiner Mutter sprach, mich bei der Hand nahm und mit sich fortführte. Mein Grossvater war ein jüdischer Gelehrter, der als Lehrer eine kleine Schule unterhielt. Er war ein, grosser, hagerer Mann mit einem Bart wie rieselnder Schnee und Locken, die sein schwarzseidenes Käppchen umkränzten. Die grosse 'Brille über seinen Augen machte es wohl, dass sie mir sehr streng erschienen. Wenn er sie abnahm, erstaunte ich über ihren sanften Blick. Ich war sehr stolz darauf, so früh schon zur Schule zu dürfen. Mein Vater kaufte mir eine lederne Schulmappe, mit der ich so glücklich

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