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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-12 · 19 (12.5.1938) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Hr. 19 * 2. Beiblatt CMZfiiü 12.MaiT938 » Seite5 Palästina-Unruhen auf der Bühne Zur Erstaufführung des „Gerieht" im Berliner Kulturhund Dieser Abend der Berliner Kulturbundbühne trug ein besonderes programmatisches Geprägeer sollte, in seinem materiellen Ergebnis, dem Aufbauwerk Palästinas dienen, auf dessen boden ständige Entwicklung die Hoffnungen und Wünsche von Millionen Juden aus aller Weit gerichtet sind; er sollte ferner, optisch und sselisch, durch ein Stück Zeilgeschehen die Eindrücke vermitteln, die das Leben unserer heutigen palästinensischen Mitbrüder in Not und Gefahr, in Kampf und Abwehr, aber auch in der tiefen und zukunftsfreudigen Gläubigkeit einer nachwachsenden, jungen Generation widerspiegeln. Auf diese beiden Zwecke einer aktiven Mithilfe und einer schicksalhaften Belehrung durch das Stück selbst waren die warmherzigen Worte abgestimmt, die Dr. Michael Traub und Dr. Kurt Singer der ersten Aufführung als eine Art sinnbildlichen Kommentars vorangehen Hessen. Und dann zog, nach feierlichem Chorgesang, die Folge von sechs Szenenbildern an uns vorüber, die eine in Palästina heimische Frau. Bat D o r i, aus persönlichem Erleben des Jahres 1936 zusammengestellt und die Herbert Friedenthas für die Uraufführung in deutscher Sprache eingerichtet hat. Zeitstücke haben sich stets mehr durch den aufflammenden Ernst der Gesinnung, die hinter ihnen stand, durch das Herausstellen ethisch gesammelter, proklarna'.orisch verkündeter Kräfte beglaubigt als durch absichtslose, künstlerisch distanzierte Gestaltung. Und Frauenstücke haben immer wieder gelehrt, dass das weibliche Naturell viel enger mit der angesponnenen, unbegrenzten Kunst des Erzählens verwandt ist als mit der geballten, in sich creresteten Form des Dramas. Die Verfasserin dieses Zeitstückes bestätigt eine solche Erfahrung. Sie zeigt uns. nicht ohne leidenschaftliche Anteilnahme, einen Ausschnitt palästinensischer Wirklichkeit mit ihren Aengsten. Schrecken und täglichen Gefahren: Juden, Araber. Engländer miteinander im Kampf; Wald angezündet; mühsame Siedlungsarbeit zerstört; Gewehre entladen; drei Tote — aber diese grausam bewegte Wirklichkeit wird als filmartige, radiotelephonische, photographische Reportage über ein Kollektivschicksal und seine einzelnen Opfer dargestellt, nicht als zwangsläufige, durch Zeit und Umwelt bestimmte Tragik eines konsequent entwickelten und dramatisch zugespitzten individuellen Geschicks. Vielleicht lag es in der Absicht der Verfasserin, den primitiven Stil des dramatischen Berichts einem höheren, künstlerischen Niveau anzugleichen: mitten in das realistische Geschehen stellt sie einige visionäre Bilder, in denen die Getöteten wieder auferstehen, vor dem Beauftragten eines „Gerichts" als Schuldige erscheinen und sich ihr bisheriges Lebensschicksal aus einer entfernter oder näher zurückliegender. Vergangenheit enthüllt. Aber diese Visionen schaffen keine ersichtlichen Unterschiede; sie setzen die Realität der Begebenheiten nur fort, statt sie stilistisch umzubilden und sie etwa in jener Leuchtkraft aufglänzen zu lassen, wie sie von Strindbergs ..Traumspiel" geheimnisvoll ausstrahlt Und schliesslich scheint das schöne menschliche Ethos der Dichterin sich doch wieder in eine erhöhte, reale Lebenssphäre zurückzufinden, wenn sie im letzten der sechs Bilder, wie von Nathan-Gedanken' berührt den drei jungen Soldaten, die das blutvolie Erbe der vorangegangenen Generation auf dem Boden Palästinas angetreten haben, hoffnungsfroh den Weg in eine versöhnliche und befriedete Zukunft weist. Fritz Wisten, der Regisseur der wundervoll ausgerichteten, farbigen, dynamisch aufs feinste gestuften Aufführung (er war zugleich Rundfunksprecher, Conferencier zwischen Bühne und Publikum und Inquisitor des Gerichts), bemühte sich nach Kräften, die dramatische Maschinerie des Stückes bis zum Schluss in Schwung zu halten und auch der schauspielerischen Gesamtphysiognomie festere Umrisslinien zu geben, als sie ihm in der Charakteristik vorgezeichnet waren. Wo ihn die Verfasserin auch sonst im Stich liess — wie besonders in den Uebergängen und der Gestaltung der drei Visionsbilder — schuf er eigenes aus technischen Hilfsmitteln, aus Lichtwirkungen, aus der Verwendung schwarzer Vorhänge, aber auch aus leisen, sprachlichen Akzentuierungen und dem Spiel der Maske — so im vierten Bilde, in dem der Darsteller des visionären Engländers plötzlich auf eine unheimliche Weise zu erstarren schien. Diesen Engländer wusste Karl Hans Rosenberg im zweiten, dem Wirklichkeitsbilde, als echten Volkstypus — ernstes Phlegma ohne •sentimentalen üeberschwang — lebendig zu machen. Der junge jüdische Siedler, der, wie der englische Soldat, dem Araberangriff erliegt, war Alfred Berliner — voll anhänglicher Liebe zu dem Boden, den er mitgepflanzt, voll jauchzend-realer Freudigkeit noch in der Vision. Der Araber Alfred Lichtenste ins bestach durch die rein ziselierte Gegensätzlichkeit von verhaltener Ruhe und ausbrechender Entschlusskraft. Aus den zahlreichen übrigen Rollen, für E. S€üg§9i ,«VV 15, DnisburgPT Str. 1 I TELEFON: Q2423I die fast das gesamte Schauspielpersonal der Kullurbundbühne aufgeboten wurde, die indes in der Oekonomie des Stückes über die Bedeutung schmächtiger Episoden kaum hinauskommen, seien noch im einzelnen hervorgehoben: Jenny Bernstein, die ungemein vielseitige und wandlungsfähige, als still verängstigte Mutter de3 Engländers; die Channah von Gina Friedman, deren gespannte Vitalität das erste Bild wirksam zusammenhielt; Siegmund Nunberg in der Doppelrolle eines ebenso gemessenen wie verschlagenen arabischen Scheichs und eines — freilich ganz unvisionären — Versicherungsvertreters: Lilly Kann in der gebrochenen Haltung der um Mann und Kind besorgten Araberfrau. Die anderen, die aus der Atmosphäre und Tendenz des Stückes durchweg „Das Gericht" Von LmJ?s nach rechis: Beri Baer, Alfred Berliner, Gina Friedmann, Herbert Grünbaum, Marlin Brandt, Wolfgang Bernstein, Rutk Condell Fot. Abraham einen offensichtlichen Auftrieb erhielten, mögen sich mit einer Gesamtanerkennung begnügen: Herbert Grünbaum, Martin Brandt, Siegfried Urias, Willy Prager, Wollgang Bernstein, Fritz L i o n , Walter Herz, Kurt Süssmann, Bert B a e r, Berthold Segall, Wolfgang C h a s s e 1, Gerda Klein, Ruth Condell, Eva B a r u c h. Die Bühnengestallung lag in den bewährten Händen von Heinz Condell: er hatte die Szene geschickt bis in das Orchester vorgeschoben, über dessen eine Hälfte sich ein eingebauter Schützengraben hinzog; der Bühnenraum selbst war zweigeteilt — entsprechend den beiden Spielwelten des Stückes — und wurde im wesentlichen durch die kleine Siedlungshütte ausgefüllt, von der sich im Hintergründe die mächtig aufstrebenden, die Handlung sinnvoll illustrierenden Projektionsbilder abhoben. Das Publikum, zunächst andachtsvoll schweigend, wurde von der unverhüliten Gegenwärtigkeit der Bühnenvorgänge mehr und mehr angepackt und rief zum Schluss alle tragenden Kräfte des Stückes stürmisch vor den Vorhang. Dr. Hugo Lachmanski. * In unmittelbarem Zusammenhang mit der deutschsprachigen Uraufführung des Palästina- Spiels „Das Gericht" veranstaltete der Berliner Kulturbund eine Sonder-Matinee, die — wie die Aufführung — unter dem Kennwort „Lebendiges Palästina" stand. Waren es dort die szenischen Mittel der Bühne, die uns palästinensische Wirklichkeit sinnfällig machen sollten, so gab hier Wort und Ton den Grundakkord, den die einleitende Ansprache Dr. Hans Friedenthals in einer Mahnung an die Juden zur Selbstbesinnung, zur Selbsterweckung. zur Selbstentfaltung auf dem. neu zu schaffenden Boden Erez Israels aufklingen liess. 'Herbert Friedenthai wandte sich im Speziellen der Aufführung des Palästina-Stückes zu, analysierte es als ein Stück modernen, aus einer älteren Tradition stammenden Zeittheaters und erörterte kurz auch das Regieproblem, das auf verschiedenen, gegeneinander abgesetzten Spielebenen zu lösen, war. In den dichterischen Bereich des lebendigen Palästina führte Herbert Grün bäum: er" rezitierte — hebräisch und deutsch — Gedichte von Rachel Bluwstein und Bialik, deren eruptive Kraft und Leidenschaft durch den Sprecher zu elementarem Ausdruck kam. Den FS ALICE SERTOS, WSO B@CiCs©rI Passaiw Sirass-3. 24 9231. Chemische Relnig-ang — Fürben — Enffleckesu musikalischen Teil der Veranstaltung bestritten Mascha B e n j a k o n s k y, die mit ungemeia ansprechender heller Sopranstimme zwei im Farbenklang charakteristische hebräische Lieder von Jakob Schönberg zu Begleitung von Bratsche (Alired Schlesinger) und Flöte (Günther Gpldschmidt) sang, sowie der Opernchor des Jüdischen Kulturbundes, dessen oft gerühmte Vortragskxmst — unter Leitung von Berthold Sander — man wiederum an der rhythmisch präzisen und schwungvollen Wiedergabe einiger volkstümlicher palästinensischer Lieder (am Flügel: Wilhelm Alt« mann) bewundern durfte. H. L. Mr-lly P i c o a , die Hauptdarstellerin des Films „Idl rmt*n Fidr\ der gegenwärtig im Berliner Kulturbund läuft, hat im Xew-Yorker Pubhc-Theater in „Bublitchki" einen grossen Erfolg zu verzeichnen. Nach dem Echo des Films in London und Amerika erhielt die Künstlerin Engagements an das Londoner Kolosseum. Die Knasterkurve Von Mala Laaser Es handelt sich um keine Rennbahnstrecke; keiner der internationalen Kerrenfahrer ist jemals über sie bingebraust. Es ist auch kein weltberühmtes Skigeiände, etwa zwischen St. Moritz und Zürich Wer da annimmt, die Knasterkurve läge auf dem Gotthard, diesem iunneiboblen Riesen, der befindet sich in einem Irrtum; sie ist nichts weiter als ein guter Titel und im übertragenen Sinn die graphische Darstellunii einer veränderten Lebenslage. Als Zeichnung also ist sie Lebngut der Mathematik, eine crSnz gewöhnliche Parabel. Lediglich drei Punkte sind fixiert; einer links, ziemlich hoch, aber auf absteigendem Kurvenarm. Dann der Tiefpunkt am Fuss der Kurve, schliesslich rechts nie erste sichtbare Station des Wiederaufstiegs. Faktisch isi jeder der drei Punkte ein Bericht. Die Kürvc selbst ziehe der Erzähler mit vorsichtig: geführtem Strich. Die unfixierten Zwischenräume nehme man als Ueberblendungen, wie man sie im Kino sieht. Sie sind die Technik 'te? zerschnittenen Zusammenhangs und der Trick verwischter Uebergänge. Keine Sorge, liebe? Leser, nur die Einführung ist schwierig. F>ie Knasterkurve zeigt sich klar. Jemand, den wir Shadow nennen wollen, wurde im Oktober 1932 — beiläufig gesagt, am 7. — zum Abendessen im Haus des Historikers Büke erwartet. Shadow heisst Schatten; dieser Name >ol: besagen, dass es dem Chronisten nicht darauf ankommt, diesen Menschen zu beschreiben, noch ^•'h selbst oder auch nur eine bestimmte Persön- Üchkeit mit ihm zu identifizieren. Shadow ist Shadow; das mag genügen. Justus Jacob* Büke ist Professor an der Universität in X.; seine Vorlesungen sind besucht; zwar nicht sehr, aber immerhin befriedigend, frtlke ist Jude, 48 Jahre alt. em kultivierter "chianker Mann. Seine Hände sind vollkommen modelliert, festschmal, sprechend und behaart; antike Meister hätten keine schöneren gemeisselt. Sein dunkler, gutgeformter Kopf ist mit den Zügen einer angenehmen Hässlichkeit begabt; er trägt eine Brille, hat dünne, etwas schiefgelegene Lippen und eine' grobe, breitgestossene Nase. Wenn er die Brille vom Gesicht tut. ähnelt er entfernt dem Zwerg Sebastian des Velasquez. Er bewohnt mit seiner schönen Gattin und dreien seiner sechs Kinder den linken Flügel eines Zweiiamilienhäuschens; seine Aeltesten sind ' Drillinge und studieren einträchtig in München. An jenem Tag erscheint Shadow pünktlich um 7 Uhr 30 zum Abendbrot Büke selbst empfängt den Gast, nimmt ihm die mitgebrachten Blumen ab und überreicht sie ohne Redensarten seiner Frau. Im „SessePzimmer — einem Raum, in dem nichts weiter steht als ein riesiger Barockschrank und ein niederer Tisch mit ungezählten tiefen Sesseln — hat Shadow noch Gelegenheit, die Kinder vor dem Schlafengehen zu begrüssen. Inzwischen ist nebenan im kleinen Speisezimmer das Abendessen angerichtet. Es gibt braungebackene Stralsunder mit einem beeterverzierten Kartoffelsalat, ferner Käse, Butter, Pumpernickel. Man trinkt sanften Weisswein. Beim Essen wird nicht gross erzählt, das ist Hausgesetz bei Büke. Wie denn überhaupt die Einladung zum Essen nur ein Vorwand für das Nachspiel ist: man sättigt sich, sagt „Mahlzeit" und verlässt das Speisezimmer, um sich drüben um den Tisch zu setzen. Der Wein und die Gläser wandern mit. Nun pflegt der Augenblick zu kommen, da Büke das geschnitzte Kästchen von der Tischplatte nimmt, mit leichtem Fingerdruck den Deckel lüpft und feierlich die Nachtischzigarette bietet. Frau Professor Büke dankt;' sie hat noch niemals einen Zug genommen. Trotzdem wird ihr Mann es Die versäumen, ihr als Erster das Kästchen hinzuhalten. Shadow ist Raucher und bedient sich, das heisst er nimmt eine Zigarette und schiebt sie einfach in den Mund. Büke aber greift danach, dreht die weisse Stange zärtlich zwischen den schönen Fingern, gibt ihr zart und prüfend Form und legt sie vorsichtig, als Kostbarkeit, zwischen seine beiden Lippen. Wie er dem Gast das Zündholz unter die Nase hält und sich danach selbst die Zigarette entzündet — das ist fast eine kultische Handlung. Und dann lehnt er sich wohlig zurück und saugt geniessend den ersten Zug in die Lungen. Es ist ein guter Tabak, den er raucht, eine duftend-edle Orientmischung, faserig und dunkelbraun; dieses ist sein einziger Luxus. „Wie anders", sagt Büke nachdenklich, ..hätte wohl das berühmte Gastmahl beim Agathon ausgesehen, wenn Sokrates, anstatt seine Freunde in den Schlaf zu trinken, ein Kenner und Liebhaber des Tabakrauchens hätte sein können. Haben Sie das Bild vor Äugen, Shadow? Dort — Agaihon, einem Sklaven den Papyros aus den Händen nehmend; dort — Aristophanes, den seinen in weitem Bogen hinter sein Lager schleudernd; Alkibiades. mit unruhigen Händen die Asche auf seine Toga schüttend; und Sokrates, gelassen schmauchend, mit einer Zigarette im bärtigen Gesicht. Ja, Sie lachen — aber bedenken Sie: Piatons Gastmahl, nicht im Weinrausch endend, wie's zum griechischen Gebrauch gehörte, sondern endend in rauch durch dünsteter Wachheit. Ist das nicht ein köstlicher Gedanke, eine unbeschreibliche Veredelung der antiken Gastlichkeit? In diesem einen Punkt dürfen wir Heutigen uns den Alten gegenüber überlegen fühlen: wir haben den Tabak, und wir rauchen ihn und sind in der Lage, unseren Zusammenkünften durch den stillen und belebenden Genuss des Rauchens die trübungslose Klarheit und Schönheit des Gesprächs zu bewahren." Lächelnd betrachtet er seinen Gast über die Brille, beugt sich zum Aschenbecher und drückt vorsichtig die abgerauchte Zigarette aus.-- * XM den 5. September 1934. Schwalbengasse 47, vorn 2 Treppen. Lieber Herr Shadow! Falls dieses Schreiben sie noch hier unter Ihrer alten Adresse erreicht nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir Sie am Mittwoch dieser Woche nach dem Abendessen zu einer zeitgemässen Tasse Tee erwarten. Üeber allen Kümmernissen wollen wir dennoch nicht den Zusammenhang mit unseren alten Freunden verlieren. Uebrigens sind wir umgezogen — darauf mache ich Sie aufmerksam. Meine Frau lässt bestens grüssen und bittet mich, Ihnen mitzuteilen, dass sie sich herzlich auf Ihr Kommen freut. Inzwischen verbleibe ich Ihr sehr ergebener Büke. Sie wohnen jetzt ein wenig eng und eingeschachtelt. Shadow kommt um 8 Uhr 30; er hat wieder Blumen mitgebracht. „Wie unrecht von Ihnen", sagt die Hausfrau. Sie geht voraus und führt den Gast In einem regellos möblierten Zimmer steht der Teetisch am Kamin. Büke ist recht alt geworden, grauhaarig und flackernd vor Unruhe. Alle nehmen in den Sesseln Platz — Frau Professor schenkt den Tee ein; die Kinder sind wohl schon im Bett Auf einer Kristallschale in der Tischmitte liegen zierliche Tee-Bisquiis, dazwischen noch etwas Russenbrot. Auch das Tabakkästchen ist noch da. Büke nestelt an dem Knopf, seine Hände haben die schöne Gleichmut verloren. Endlich springt der Deckel auf. Hastig bietet Büke an. Der Gast sieht verwundert, dass die Hausfrau sich eine Zigarette nimmt; dankend greift er selbst zu, wobei er natürlich vermeidet, auf die Marke zu achten. Büke langt sich seine Zigarette überstürzt, fast wirft er sie zum Mund empor. Beim Streichholzzünden brechen ihm zwei Hölzchen; das dritte reicht er hastig herum, Er raucht jetzt in kurzen, qualmenden Zügen. Sein Tabak ist Konsumgemisch, nicht sehr gut und nicht sehr schlecht. Shadow schmeckt das. er pflegt ihn selbst zu rauchen. Da es hier auf ihn, den Gast, nicht ankommt, fragt er ohne Umschweife nach dem Ergehen der Familie, insonderheit nach den Planen der erwachsenen Bilke-Kinder. „Nun — wir tasten vor", sagt der Professor. „Das Mädel sitzt in München auf der Dolmetsch- Schule; ein Junge in Mittweida auf dem Technikum, hat das erste praktische Jahr schon hinter sich Der zweite ist unter die Zinnien erpo-ansren, lebt in Schlesien - auf Hacbschara. Die Kleinen

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