Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 12 C-V.-Zeifung Nr. 19 *12.MaI1938 3a einen Papiersack gesteckt, mein Name stand 'dara.nl und meine Nummer als Gefangener. Das war alles in Ordnung. Aber jetzt, als ich entlassen werden sollte, fehlen Rock, Weste, Hose. Meine Sachen sind verschwunden. In den aeht Jahren sind dort viele hineinspaziert. Und viele haben das Gehen wieder richtig gelernt Für alle die Leute hat man die Sachen ordentlich aufbewahrt. Aber für mich, den sie dort aus Versehen acht Jahre haben älter werden lassen, für mich hat es nicht gereicht. Die Sachen sind nicht bloss zum Anziehen gewesen: da steckte ja mein früheres Leben drin. Verstehen Sie, -was das für mich bedeutet? Es mag mit diesem früheren Leben nicht weit bergewesen sein. Ich habe meine Mutler zu Grabe getragen, ich habe den letzten Pessach gefeiert, ich habe mit Riwkele Guttmann im Walde gesessen, alles in diesem Anzüge. Er war noch fast neu. Und wenn er auch alt gewesen wäre, dort, wo ich in diesem Anzüge aufgehört hatte zu leben, wollte ich wieder anfangen! Er hätte mich wieder angefügt an die leichten Jahre, an die freien Jahre! Er wäre wie ein Wunder in der Wüste gewesen! Alle waren sie mir gestorben oder sie lebten irgendwo unbekannt in Russland oder im Auslande. Ich habe nur den einen Vetter Mendel, da kann ich nicht wieder hin. Wegen meiner Stimme trau ich mich nicht hin, das kleine Mädchen könnte wieder fragen. Und was soll man dem Kinde auf eine so schwere Frage antworten? Aber die Jacke und die Weste und die Hose — sehen Sie, etwas, was mir Freude macht, muss ich doch schliesslich haben! Man muss doch elwas haben, das man liebt! Man kann doch nicht wie ein Stück Sache in der Welt dastehen! Es ist so viel in einem gestaut. Ich hätte die Sachen streicheln mögen, ja, wenn es mich überfallen hätte, an die Lippen drücken können. Sie werden mich für einen überschwenglichen Menschen halten, Herr Rechtsanwalt. Ach nein, ich bin nur zu lange allein gewesen. Ich bin im übrigen so gesund wie Sie. Aber Sie können vielleicht das alles nicht begreifen, weil Sie alles nur von aussen, von sich aus, sehen können und nicht wissen, wie es in mir selbst aussieht, leb mochte vor Ihnen nicht lächerlich erscheinen, obwohl es mir ja gleichgültig sein könnte, was Sie von mir denken, wenn ich mich nur habe. Aber ich muss es Ihnen sagen: ich — liebe die Sachen. Jetzt wird es Ihnen klar sein, warum ich meine Sachen wieder haben muss. Aber die waren nicht mehr zu finden. Die waren eben auch gestorben. Und ich schwebe jetzt allein in der Luft. Das ist ein grosses Leid, dass ich nichts mehr habe von meinem früheren Leben. Ich werde jetzt den Staat verklagen. Es muss überall nachgesucht werden. Denn die Sachen müssen noch da sein. Und wenn ich eine richtige Klage durch Sie machen lasse, dann werden Sie noch einmal überall nachsuchen. Sie dürfen mir doch nicht so grosses Unrecht antun und meinen Anzug sich behalten! Und dann sollen Sie auch Berufung einlegen, Herr Rechtsanwalt, wegen der 100 Rubel Geldstrafe, die ich heute vormittag bekommen habe. Ich hatte wegen der Sachen eine Eingabe gemacht. Da haben sie mir Geld angeboten: Es ist die Stätte, wo die Chassidim, die Anhänger der Lehre Rabbi Israel Baal-Scherns, leben. Leben, mit dei ganzen Seele und der Glut des Herzens leben und nicht nur beten. Hier verbringen sie ihre ganze freie Zeit, hier verleben sie ihre glücklichsten Stunden. Es ist eine Art höheren Famiiienheims, das sie sich hier geschaffen haben. Je kleiner der Raum, desto grösser die Intimität, je beschränkter der Kreis, desto grösser die Herzlichkeit. Es sind 60 bis 70 Männer, die zum ,.Stübr* gehören, verschieden nach Reichtum und Gelehrsamkeit, nach Herkunft und sozialer Stellung, aber verbunden durch eine gemeinsame beglückende Weltanschauung, durch eine tiefe religiöse Sehnsucht, die in allen lodert und ihnen eine neue Welt voll mystischer Herrlichkeiten öffnet. Das ,,Stübi'' führt den Namen des Zaddiks, dessen Anhänger die Leute sind. Und dieser Rabbi, der fern weilt und ihnen seelisch nahe ist, ist der grosse Wegweiser zum Himmel oben und unten (Gan eden hatachton). Er ist der gewaltige Führer durch die Wirrnisse des Lebens, •der wie ein Vater alle liebt und alle ihre irdischen und göttlichen Interessen in seiner Hand jiat. Er ist der ,,Uebermensch", wie ihn sich ein .Nietzsche idealer nie hätte träumen können. Er •ist die Verkörperung des Chassidismus. der Mittelpunkt aller religiösen und seelischen Hoffnungen. Die Gemeinde bildet einen religiösen Orden, aber ohne Regeln, ohne Zwang und ohne äussere Uniformierung. Und auch ohne Weltflucht. Die Welt fliehen? Nein, es gibt etwas Höheres, sie mit heiliger Glut erfüllen, sie durch den gewaltigen Willen, durch die reine Tat mit Gott verbinden. Die Mitglieder des ..Stübl" stehen trotz aller Verschiedenheit des Alters und des Standes auf du und du miteinander. Es gibt keine Kasten und keine Grade. Der eine ist gelehrter und frömmer, das schätzt man. Um so glücklicher ist er, dass er den Brüdern vom Reichtum seines Geistes spenden kann. Der andere ist reich, das weiss man. Um so mehr muss er für die Armen hergeben — nicht als Almosen, sondern als recht- Zwanzig Rubel: Als ob man das Unsichtbare vom Anzüge;- das die Hauptsache ist, bezahlen könnte! Ich schrieb zurück, warum ich so wenig bekommen solle, wenn man den Anzug schon bezahlen wolle. Da erhielt ich ein Schreiben vom Gefängnisinspektor: Der Anzug war nicht mehr wert als zwanzig Rubel. Hören Sie: war — nicht — mehr — wert — als — zwanzig Rubel! Das ist ja schlimmer als die Schläge mit dem Eisenstock auf meinen linken Arm in Kischinew, dachte ich. Da verlor ich die Geduld und schrieb, der Gefängnisinspektor sei in meinen Augen ein gemeiner Lügner! Hundert Rubel Geldstrafe wegen Beleidigung eines Beamten hat mir der Richter dafür gegeben. Es handele sich nicht um eine Bagatellsache, sagte er. Da habe ich ihn gefragt: Und mein Anzug, Herr Richter, ist denn der eine Bagatellsache?! Da hat er die Achseln gezuckt. Wahrhaftig, ich bin ein gesunder Mensch, ein geduldiger, rechtlicher Mensch. Andere schreien um ihren Hund, der gestohlen worden ist. Ich schreie um meinen Anzug, um mein verlorenes Leben! Um mein Leben, das sie mir gestohlen haben! Schliesslich bin ich doch noch auf der Erde, trotz der acht Jahre Zuchthaus. Warum haben sie die nicht aufgerechnet mit der Strafe! Sind denn die acht Jahre nicht so viel wie hundert Rubel?! Verstehen Sie also, Herr Rechtsanwalt, diese Jüdisches Leben Dresden Das Jüdische Lehrhaus hat auch in diesem •Semester wertvolle Bildungsarbeit sowohl an Erwachsenen wie an der Jugend geleistet. Rabbiner Dr. Albert W o 1 f gab in seinem einjährigen Kursus über Jüdische Geschichte'" unter Berücksichtigung der Weltgeschichte eine lückenlose Uebersicht, Siegfried Lewy hielt einen Einfiihrungskursus in die Chemie ünd die modernen Arbeitsweisen dieser Wissenschaft, Eva Büttner führte ihre Arbeitsgemeinschaft über „Jüdische Liturgiedurch, Oberkantor Hof st ein schloss diesen Kurs mit einem Vortragsabend echter Nigunirn ab, Meir Steinhart gab eine Reihe „Was bedeuten uns die Psalmen?1', und Rabbiner Dr. D. Ochs ('Leipzig) sprach über „Religiöses Leben in Erez Israel"". Gemeinde und Ortsausschuß der Jüdischen Jugendverbände Dresden organisierten die Arbeit des J u g e n d- L e h r h a u s es, in dem Rabbiner Dr. Wolf über „Jüdische Entwicklungsgeschichte'1 sprach, Dr. Alice Apt eine Einführung in die Weltliteratur gab, und die verschiedene Jugendführer zu lebhafter Diskussion über jüdisches Leben und Erziehungsaufgaben anregten. E. B. Frankfurt a. Main Das Jüdische Lehrhaus hat seine Arbeit wieder aufgenommen. Folgende Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften beginnen in der nächsten Woche: Dr. L e i 1> o w i t z : „Buch Esra", Rabbiner Dr. Neuh a u s : ,.5fischno Schabbös", Dr. E s c h w e g e : „Religiöse Vorschrift und Brauch", Professor Dr. Werner: Französische und englische Uebungen für Fortgeschrittene, Rabbiner Dr. Salzberger: ..Propheten Israels1', Studienrat Dr. M. Salomon: Englisch-amerikanische Konversation und Lektüre des „Babbit", Dr. Weil: „Xahrungsmittelchemie*". Karlsruhe Das Jüdische Lehrhaus veranstaltete eine von Dr. Arnold Berney .(Berlin) geleitete Lerngemeinschaft, deren Thema „Von den Möglichkeiten geschichtlicher Selbstbildung" massigen Teil der Gesamtheit. Mehr Rechte aber darf niemand für sich in Anspruch nehmen. Alle sind gleiche Chassidim, alle fahren zu demselben Zaddik. Dieses Prinzip der Gleichheit ist in allern durchgeführt. Es gibt keinen Raw. keinen berufsmässigen Chasan und keinen Maggid. Jeder ist aktiv, jeder gibt der Gemeinde, was er kann und was er hat. Und auch mit Gott stehen diese Menschen auf du und du. Sie wollen Gott nicht aus der Ferne anbeten, sondern in seiner Nähe sein, mit ihm zur höchsten Harmonie verschmelzen. Und können sie nicht in den Himmel dringen, dann muss der Alierheiligste von seiner Höhe zu ihnen hinabsteigen. Die Himmelsleiter ist das Gebet, und die Sprossen beissen Liebe, Sehnsucht, religiöse Glut. Nicht in Trübsal und im zagen Bangen sucht man Gott, sondern in freudiger Hingabe, in Verzückung und Ekstase. Nicht auf den Sinn des Wortes kommt es an, sondern auf die „Kavanah", auf die Seele des Gebetes, die sich mit dem betenden Individuum verbindet. Die „Hitdabkut", die Vermählung mit Gott, ist die höchste Stufe religiöser Weihe. Was ist ein kaltes Beten ohne Seele, ohne Herzenserguss? Nur die „Hitlahabuth", die Entflammung, bahnt den Weg zur göttlichen Gnade. Es ist eine Kabbala in neuer Gestalt, die der Seelenmeister Israel Baal-Schern und der gewaltige Kenner, der „Raw" (Rabbi Schneur Salmen) den Chassidim schenkten, eine Kabbala fürs Volk, die alle Scheuer und alle Gefahren verlor und das ganze Herz erhellt und mit hehren Freuden beglückt Wozu der lange mühselige Weg der Gelehrsamkeit? Wozu die lebenszermürbende Busse und Entbehrung? Gott ist nah, gütig. Er verlangt das warme Herz und nicht das kalte Gehirn, die jauchzende Seele und nicht den gequälten Leib. Die Religiosität soll erheben und nicht demütigen, beglücken und nicht erdrücken. Suchet nicht das Glück auf fernen Wegen, das höchste göttliche Glück ist auch allen nahe, macht es euch zu eigen! Seid wieder Kinder, gläubige, fröhliche und fromme Kinder, die in Gott den Vater, in der Religion die Mutter glühend lieben! Streift alles Fremde und Steife ab, verscheucht beiden Sachen sollen Sie als mein Verteidiger führen! Was meinen Sie dazu? WTarum antworten Sie jetzt nicht? Vorhin haben Sie mich unterbrochen, jetzt schweigen Sie! Wollen Sie meine Prozesse führen? Ich will doch nur, dass Recht geschieht. Sagten Sie etwas? ... Ich habe Sie nicht verstanden . . . Sie schütteln den Kopf! Was sagen Sie: Sie möchten mir helfen? Nicht als Rechtsanwalt, sondern als Mensch! Wie soll ich das nur verstehen? Sie möchten ... Sie möchten sehr gut zu mir sein! Ich soll Ihnen meine Hand reichen... Ach, Sie Lieber ... Sie möchten sehr gut zu mir sein! . . . Darauf muss ich wohl gewartet haben, dass einer so zu mir spricht ... Sie Lieber! .... Lassen wir ruhig den Anzug! . . . Die hundert Rubel werde ich auch bezahlen! Sie möchten sehr . . . gut ... zu mir sein! . . . Muss ich nicht vor Freude lachen . . . Muss ich nicht vor Freude aufschreien: Sie möchten sehr gut zu mir sein ...!!! Meine Stimme, Herr Rechtsanwalt!! Haben Sie gehört?! Meine Stimme hat einen anderen Klang bekommen!! Einen Spiegel!! Geben Sie mir schnell einen Spiegel! . . , Ich muss meine Augen sehen ... - jüdischer Geist lautete. Die Lerngemeinschafi befasste sich an vier Abenden mit der Entwicklung jüdischer Geschichte. Von den Völkerbewegungen der geschichtlichen Anfangszeit führte Berney hin zum Mittelalter, um diese Periode mit den Auswirkungen der Kreuzzüge besonders zu betrachten. Das Thema Kreuzzüge fand dann eine Abwandlung in jüdischer Beziehung durch Heranziehung der Darstellung in den bedeutenden jüdischen Geschichtswerken. Der Schluss der Lerngemeinschaft galt dann dem Versuch, Geschichtsdarstellung wissenschaftlich würdigen zu lernen Stg. Semestereröffnung am Rabbinerseminar Berlin Das Sommersemester des Rabbinersem Lnars zu Berlin wurde am 3. Mai mit einer Feierstunde eröffnet. Namens des Dozentenkollegiums begrüsste der Rektor des Rabbinerseminars, Rabbiner Dr. W e i n b e r g , in hebräischer Sprache die anwesenden Gäste und Hörer, besonders aber die Neuein tretenden. Um das Bildungsniveau der heranwachsenden Rabbinergeneration zu erhalten, hat man nach langen Verhandlungen die allgemein-wissenschaftlichen Kurse für die Hörer beider Rabbinerlehranstalten geschaffen. Für eine Ausweitung des geistigen Horizontes künftiger jüdischer Lehrer sind sie gerade in heutiger Zeit von besonderer Wichtigkeit Dr. Weinberg zeichnete in einigen Strichen das Persönlichkeitsbild des verewigten Seminardozenten Rabbiner Dr. Jakob Freimann. Eine Fluchtbewegung in das Judentum hinein muss der gleichen Ablehnung begegnen wie eine Fluchtbewegung aus dem Judentum heraus. Aufgabe des Rabbiners von heute ist es darum, jüdische Menschen neuzugestalten und sie zu Trägern jüdischer Weltanschauung zu die kleinen Sorgen des Alltags — und ihr seid glückliche Menschen! Alle Philosophie und Gedankentiefe, alle Hoheit und Schönheit löst sich im Begriffe „Kinder Gottes" auf. Jüdische Brüder sind es, die der Zaddik sichtbar und unsichtbar leitet, beschützt und behütet. Und aus dieser Ideenwelt fliesst ein Strom, der wärmt und läutert und den Menschen über alles Niedrige erhebt und alles mit einem himmlischen Glänze bestrahlt. Es ist frühmorgens, die Sonne ist kaum aufgegangen. Die Leute sind eben aus dem Quellbad, das neben dem Stübl ist, gekommen. Denn gebadet wird vor dem Gebete, Sommer und Winter.. Man muss ja den Leib, die Hülle der Seele reinigen, wenn man auf den Flügeln des Gebetes in die hohen WTelten (Olamot haeljonot) eindringen will. Man geht im „Stübl" auf und ab, man bereitet sich für das Gebet vor. Und immer wärmer wird es, die Gesichter entflammen in Erinnerung und Sehnsucht. Und plötzlich tritt einer vor den Omee und beginnt mit dem Morgengebet. Das ist kein Beten, sondern ein Frohlocken in Gott, ein beglückendes Hinausrufen der Huldigung. Und die.. Gemeinde setzt in voller Begeisterung ein, in singendem, jubelndem Tone. Und alles klatscht in die Hände und bewegt sich mit ganzem .Leibe und hüpft voller Ekstase. Und es ist ein Gottesdienst, man dient Gott mit ganzem Herzen, mit aller Freude der Seele. Man gibt ihm alles, um noch Höheres zu empfangen. Man hat alle Sinne verseelt, alles in Reinheit und Heiligkeit.gewandelt, man ist glücklich in Gott. Nach dem Gebet gibt es ein „Pidjon". Irgendeiner aus der Gemeinde hat Jahrzeit und spendet Schnaps und Honigkuchen für alle, und man „lernt" zusammen. Und dann erst geht man dem Tageswerk, der ^Nebenbeschäftigung" nach. Es ist Dämmerstunde, zwischen Mincha- und Maariwgebet. Die Leute sitzen um den grossen warmen Ofen, keine Beleuchtung stört die Stimmung. Sie erzählen sich vom Rabbi und von seinen Vorfahren, den heiligen Zaddikim oder gar vom Baal-Schern selbst Gleichnisse und Sprüche würzen die Unterhaltung. Plötzlich schlägt einer Verkaufsstellen der C.-V.-Zeitung nur für jüdische Interessenten befinden sich bei folgenden Judischen Buchvertrieben Beriin: Philo, W 15, Pariser Str. 44 Kedem, Chari., Dahlmannstr. 8 Gerhard Fuchs, W62, Wormser Stresse 6a M. Gonczer, N 4, Oranienburger Strasse 26 Breslau: J. B. Brandeis, Karlstr. 1 Frieda Lichfenstein, Kaiser-Wühelm-Str. 116 Frankfurt a. M.: AJ.Hofmann, Gr.Wollgraben41 Hugo Oppenheimer, Rückertstrasse 57 J. Kauffmann, Schillerstr. '19 Hamburg: Eva von der Dunk, Halierstr. 76 Köln: Wolf Topilowsky, Benesisstr. 49 Mönchen: Luise Bing, Herrnstr. 46 Stettin: Eberhard Burgheim, König- A!bert-Str. 39 machen. Oberkantor Apfel sang nach der Rede des Rektors das El mole rachamini auf Rabbiner Dr. Freimann. Den wissenschaftlichen Eröffnungsvortag bei Seminarbeginn hielt Dozent Dr. Samuel Grünberg über „Das'■ Problem der hebräischen Vokalisation". K. K. Vereinigung jüdischer Kantoren In Berlin fand eine Mitgliederversammlung der Vereinigung jüdischer Kantoren in Deutschland statt Ünter der Leitung des Vorsitzenden, Oberkantor Leon Kornitzer (Hamburg), wurde ein arbeitsreiches Programm abgewickelt, das in der Hauptsache der Frage galt, wie die Arbeit der Vereinigung und die Aufrechterhaltung des Fachorgans „Der jüdische Kantor" zu bewerkstelligen sei. Es wurde beschlossen, die Arbeiten der Vereinigung im Interesse der Mitglieder fortzuführen. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein wissenschaftlicher Fortbildungsvortrag von Oberkantor Lampe! (Leipzig) über „Die alten Tonarten und ihre Verwendung in der Synagoge". Ein Antrag, mit den zuständigen Stellenw Verhandlungen aufzu« nehmen, um Vakanzen im Ausland zur Kenntnis bringen zu können, wurde angenommen. . Die Neuwahl des Ausschusses (Vorstandes), aus dem Gutmann (Potsdam), Kaiser (Berlin); und Gollanin (Berlin), nachdem ihnen der Vorsitzende den Dank für ihre Mitarbeit aus» gesprochen hatte, ausschieden, hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Leon Kornitzer (Hamburg); Stellvertreter Masnus Davidsohn (Berlin); 1. Schriftführer: Bernhard Alt (Aachen); Stellvertreter: James R a i n o w i t % (Stettin); Kassierer: Berthold Friedmauu (Berlin). Dem Ausschuss gehören ferner an: Eschwege (Würzburg), Lampel (Leipzig), John (Jakobsohn) - Berlin und Mendel (Bochum). ' # ' Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentnms, Berlin N 4, Artilleriestr. 14. Die beiden in der Reihe der Montagsvorlesungen ausgefallenen Vorträge -werden im Mai nachgeholt. Am 16. Mai, 20% Uhr, spricht Kammergerichtsrat a, D. Dr. Friedrich Caro über „Die Entwicklung des. Rechts aus der Religion". eine Melodie, den letzten Nigun, den er beim Rabbi gehört, an. Und alle singen mit, immer wärmer, immer begeisterter, und die grosse Sehnsucht nach Hoheit und nach warmem Glück steigt auf, und man ist im Geiste um den Rabbi versammelt, sieht sein strahlendes Antlitz, hört seine süsse Stimme und fühlt sich geborgen vor allen Anfechtungen, geschützt vor allem drohenden Kummer. Es ist Sabbatnachmittag. Einer trägt aus dem Sohar vor. Es ist kein kalter Sing-Sang wie beim Talmudlernen, es ist ein freudiges Geniessen, ein Schöpfen aus der Tiefe, ein Sehauen in den Quell des Lichtes. Und alles bewegt sich freudig und nimmt innigen Teil an diesem seelischen Erlebnis. Aber es gibt auch heilige Stunden, wo man Gott in Einsamkeit sucht — die „Hitbodedut". Da weicht das Irdische ganz, und irgendwo ia einem versteckten Winkel des Waldes, der Welt entrückt, verbringt man weihevolle Stunden, in denen man sich in höchster Ekstase Gott vermählt und alle Wonnen einer tiefen mysteriösen Liebe auskostet. Und man wundert sich nicht im „Stübl", wenn einer für Tage verschwindet; und wenn er zurückkommt, wird er nicht ausgefragt. Aber sein Gesicht strahlt, als wenn er einen verborgenen Schatz ausgegraben hätte. Er hat tief geschürft und ist den höchsten Regionen nähergekommen. Gibt es eine Familienfestlichkeit, dann nimmt selbstverständlich, ohne besondere Einladung, die ganze Bruderschaft daran teil. Und ist jemand ta Bedrängnis geraten, dann wird nicht gebettelt, sondern es wird jedem genommen, was er für den Augenblick entbehren kann, um Hilfe zu schaffen. Und alles das geht im kleinen „Stübl" vor sich. Und die Grenzen zwischen dem fanen und Heiligen schwinden. Soziales und Religiöses verschmilzt miteinander im Leben und Denken des wahren Chassidismus. Sehet, das ist das Chassidim-Stübl. Am 6. Mai starb Andreas Nagv der als Romandichter und Dramatiker, vor allem aber als Conferencier und Kabarettdirektor in weiten ••Kreisen Ungarns bekannt war. .