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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-05 · 18 (5.5.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
18 (5.5.1938)
Date
1938-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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s r r\!\ XVTCI. Jahrg. / Nr. 18 Berlin, 5. Mai 193S Preis 10 Pfennig ALLGEN EIN E ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilong): Berlin W15, Emser Str. 42. Fernspr.: 92 Sl 41-45. Teiegr.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postseheckkonten: Berlin 70344, Prag 77218, Zuriefe VIII 26 363 Bankkonto: Mosler, Süsskind & Co., Berlin W8. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschlass: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zostellnng erfolgt darch die Post, dij die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährl. 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuziigl. 18Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährl. 2,30RM (umgerechnet in die Landes» Währung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnammer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höh. Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlief, od. Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzelgengebühren: Preisliste 6 Di« 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preisl. Einzelanzeigen nur geg. VorauszahL — Anzeigenschlass: Dienstag. Platzn. Datenvorschnften ohne verbind]ichkeu. Aus einer Ansprache Die Reichsvertretung der Juden in ■Deutschland veranstaltete am 2. Mai in Gemeinschaft mit der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main eine Kundgebung, in deren Mittelpunkt eine Aufführung des Films „Schaffender Wille" stand. Die Kundgebung stand unter Leitung des Gemeindevorstandes, Sanitätsrats Dr. E1t1 i n g e r.. Sie fand in der Westendsynagoge statt Rabbiner Dr. Max Grünewald, Mitglied des Präsidial-Ausschusses der Reichsvertretung der Juden in Deutsehland, und Dr. Alfred' Hirschberg hielten Ansprachen. Aus der Rede des letzteren geben wir hiermit einen Teil wieder. A. H. Es wird jetzt oft darüber diskutiert, ob es für unsere umgeschichteten Menschen und für unsere in neue Berufe gehende Jugend möglich sei, ohne eine Ideologie unter den schweren Verhältnissen draussen ein jüdisches Dasein zu führen, und man unterscheidet da zwischen Palästinawanderung und Ueberseewanderung und sagt, sicherlich nicht mit Unrecht, dass die jüdische Stützung der Menschen in Palästina leichter und gesicherter wäre als in Uebersee. Vernebelt man nicht, wie so oft, durch die Aufstellung von Ideologien auch hier einen klaren Tatbestand? Es handelt steh weniger darum, in welche Ideologie man sieh hineinbegibt, oder aus welcher man sich herausbegibt, sondern mit welcher Gesinnung der einzelne für sich und innerhalb der Gesamtheit seine Arbeit zu leisten und sein Leben durchzuhalten entschlossen ist Man sollte vermeiden, Ideologie zu sagen, wo man besser von Charakter spricht. Denn unser Schicksal hier und in der Welt wird durch Charaktere und nicht durch Ideologien gemeistert Es ist zu fordern, dass man quantitative Vorstellungen, wie z. B. Ort und Zahl, nicht qualitative Eigenschaften, wie Lebenswille und Niveau, überschatten lassen darf. Ohne Frage ist die ununterbrochene Verminderung unserer Gemeinschaft durch Abwanderung jüngerer Menschen und lebenskräftiger und zukunftsfreudiger Aeiterer von grossem Einfluss auf den Gesamtzustand unseres jüdischen Gemeinschaftslebens. Unter Umständen, wie sie vor' 1933 die Regel waren, hätten Tausende von Juden weggehen können, ohne dass das jüdische Leben dadurch im Kern beeinflusst worden wäre. Denn dasjenige, was damals jüdisches Leben war, umfasste, im Grunde genommen, nur einen kleinen Bezirk. Ihn zu betreuen, reichten die Mensehen hin, die sich ihm sehon damals verbunden fühlten, und die Aufgaben, die auf diesem Gebiete erwuchsen, waren auch mit Menschen zu meistern, die nach Zahl und Fälligkeit geringer geworden wären. Anders jetzt Wenn wir heute von jüdischen Aufgaben reden, meinen wir so- In dieser Nummer finden unsere Leser u.a.: Die Aufsätze: New-Yorker Tagebuch V: Prüfung der Geprüfren von Friedrich S. Brodnitz — Torres (Schluss) von Alfred Mayer — „Doch bleibt es ewig neu .. .1 von Gabri Rosenthal, Jerusalem — Patent und Auswanderer von Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligschn, Berlin — Radioerlebnisse in Tel-Aviv von Dr. Alfred Goftheiner Die Beilagen: Die Wanderung — Blatt der jüdischen Frau — Wirtschaft der Woche — Palästina-Umschau — Sportblatt — Schachecke wohl spezifisch-jüdische Aufgaben als auch' solche allgemeinen Aufgaben, die uns zur Regelung durch Juden und für Juden in unserem Bezirk zugewiesen sind. Und hier macht sich der Ausfall fähiger, lebensvoller Menschen begreiflicherweise sehr bemerkbar. Aber ebenso wie es für einen charaktervollen Menschen eine Selbstverständlichkeit ist, bis zum letzten Pfennig ehrenhaft zu bleiben, so muss es für die auf diesem Gebiet verantwortlichen Juden ausser Frage stehen, dass für die Gemeinschaft auch der nur 300 000 und weniger die gleichen Kräfte des Herzens und des Verstandes einzusetzen sind, wie früher für die halbe Million. Je dünner ein Fluss fliesst, um so sorgfältiger muss man mit seinem Wasser umgehen. Lebenswille äussert sich nicht nur bei der Gestaltung eigener Zukunft. In einer so schicksalsverknüpften Gemeinschaft wie der unserigen kann auch bei persönlichem Verzicht und vielleicht gerade d a n n der stärkere Lebenswille für andere zum Durchbruch kommen. Es gab nach 1933 Zeitabschnitte, da man in hitzigen Diskussionen Wertunterschiede schuf, je nachdem, wo der einzelne Jude seine jüdische Arbeit verrichte, ob hier oder draussen. Auch über diese ideologischen Erörterungen, mit denen sich mitunter auch praktisch-persönliche Vorstellungen verknüpften, sind wir hinaus. Man soll dort arbeiten, wo man am ökonomisch» sten für die Gesamtheit wirken kann und mit einem Mindestmass an Aufwand das Höchstmass an allgemeinem Nutzen erreicht. Und das hängt nicht nur von der. persönlichen Befähigung, sondern auch von der menschlichen Haltung ab. Aber eines wollen wir ganz klar fordern: wer eingesetzt ist, um Rat zu geben, muss immer um einen Grad ruhiger, geduldiger und weniger nervös sein als derjenige, der sich den Rat holt. Und den Schreibtisch können wir nicht als jüdische Schicksalsbarriere anerkennen. Die Grenzlinien der persönlichen Schicksalswege zwischen Juden verlaufen ganz anders, als die Arbeitstische in den Räumen stehen, an denen auf der einen Seite der Berater, an deren anderen Seite der Ratsuchende sitzt. Es gibt wohl keinen Arbeiter am jüdischen Werk, der nicht in diesen Zeiten mehr oder weniger oft in diesem oder jenem Falle diesem oder jenem Menschen erklären musste, dass er ihm keinen Rat geben könne. Aber wenn er dies ausspricht, muss der andere dabei wenigstens das Empfinden haben, dass jener nicht froh ist, ein schwieriges Aktenstück rasch weglegen zu können, sondern dass er sich in tiefer Verbundenheit mit einem Mensehenschicksal fühlt, das sich ihm anvertraute, und dass er den unberaten Entlassenen als Schicksalsgenosse im Geiste begleitet. Damit stellen wir nichts anderes als eine nuancenreiche Skala der Forderung nach Niveau auf. Auch hierbei drängen sich zuweilen begriffsfremde Elemente ein, die Niveau als orts- und zeitgebunden ansehen und meinen: cessat causa, cessat effectus, . das heisst: habe ich meine alte Stellung nicht mehr, dann brauche ich mich auch nicht mehr gut zu benehmen. Das ist ein sehr ernstes Kapitel; denn es ist nicht nur da ein Ghetto, wo es dumpf und dunkel und schmutzig ist, sondern auch in hellen Wohnungen mit allen hygienischen Einrichtungen der Neuzeit kann jener dumpfe, kleinliche, unfrohe und unfreie Geist entstehen, der. als Ghettogeist generationenlang, oft Die ungarischen Judengeseize Das ungarische Judengesetz, das den jüdischen Anteil in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur auf 20 Prozent beschränken will, wurde, wie bereits in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung berichtet wurde, in einer gemeinsamen Sitzung der vier Parlamentsausschüsse mit überwältigender Mehrheit angenommen. In der letzten Sitzung verbreitete sich der ungarische Justizjninister Dr. Mikeez noch einmal in längerer Rede über die Grundlagen des Gesetzesantrages. Er führte unter anderm aus, dass die Mehrheit der Abgeordneten die Meinung teile, dass eine Judenfrage in Ungarn existiere, und dass diese Frage gelöst werden müsse. Die Lösung, die nunmehr vorgeschlagen sei, entspringe nicht dem Gefühl des Hasses oder irgendeiner antijüdischen Gesinnung. Wenn die Vorlage vom Hass diktiert worden wäre, so würde sie ganz anders aussehen. Dr. Mikeez wies weiter darauf hin, dass in manchen wichtigen Gebieten des öffentlichen Lebens die Juden mit einem weit geringeren Prozentsatz, als er ihnen jetzt zugebilligt werden solle, vertreten seien. Allerdings bedeute dieser Prozentsatz von 20 Prozent nicht wie die 80 Prozent der christlichen Bevölkerung ein unbedingt einzuhaltendes Minimum, sondern ein Maximum der jüdischen AuteUnahme. Das Gesetz fusse, wie Dr. Mikeez weiter -ausführte, nicht auf rassischen, sondern auf religiösen Prinzipien. Es bestehe kein Zweifel darüber, dass die ungarischen Juden ein Element bilden, das sich in bestimmter' Beziehung von den Nichtjuden unterscheid«. Andererseits seien die Juden keineswegs als eine homogene Gruppe zu betrachten. Es gebe solche, deren Assimilation noch sehr wenig fortgeschritten sei, und andere, die mit diesen Nichtassimilierten kaum etwas gemein hätten. Der Gesetzesvorschlag werde die Interessen, derjenigen Juden schützen, die danach streben, mit dem ungarischen Volke in engster Harmonie zu-leben. Die Tatsache, dass auch die assimilierten Juden, die das Gesetz gar nicht zu treffen beabsichtige, ihm feindlich gegenüberstehen, beweise, dass zwischen den verschiedenen Schichten der jüdischen Bevölkerung eine allzu enge Verbindung bestehe. Zum Sc'hfuss wies Dr. ^Mikecs darauf hin, dass es sich nicht darum handele, 16 000 bis 17 000 Menschen zur Veränderung ihrer gegenwärtigen Position zu zwingen, sondern darum, eine befriedigende Basis für eine ungarische Führerschaften Handel und Industrie zu schaffen. Ein Jüdischer Appell Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi, der Vorsitzende der Vereinigung Ungarischer Rabbiner, und Hofrat Samuel Stern, der Vorsitzende der Vereinigung ungarischer Juden, haben im Auftrage der Pester Jüdischen Gemeinde einen Aufruf au die ungarischen Juden "gerichtet, in dem sie sie zur Treue und Standhaft! gkeit ermahnen. Sie warnen vor" TJebTereilungen und Ungeduld und fordern Umsicht und Vertrauen zur jüdischen Führung. Kommission für kolonisatorische Wanderung? / W. GENF. 3. Mai. Beim Internationalen Arbeitsamt hatte Anfang- März eine „Expertenkonferenz zum Studium der Internationalen Zusammenarbeit zur Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung und Wanderung" — kurz Wanderungskonferenz genannt — stattgefunden. Es war der Entwurf einer Konvention zur internationalen Zusammenarbeit auf den Gebieten der landwirtschaftlichen Siedlung und Wanderung entstanden, der in 12 Paragraphen alle einschlägigen Fragen eingehend behandelte. Wir hatten darüber in Nr. 10 der C.-V.-Zeitung vom 10. März ausführlich berichtet. Im Rahmen dieses Vorschlags wurden auch gewisse finanzielle Hilfsmassnahmen vorgesehen, die dazu dienen sollten, die neuen Siedler bzw. die in Frage kommenden Siedlungsgesellschaften in den Stand zu setzen, ihre Arbeit in dem Einwanderimgsland zu beginnen und durchzuführen. Ihr Hauptzweck soll die Beschaffung langfristiger Kredite innerhalb oder auch ausserhalb der direkt beteiligten Länder sein. Das Protokoll dieser Wanderungskonferenz war nun am 29. April Gegenstand einer Sitzung des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts. Da aber die von de.r Wanderungskonferenz vorgeschlagenen finanziellen Massnahmen ausserhalb des Tätigkeitsbereichs des Internationalen Arbeitsamts liegen, hat der Verwaltungsrat den Direktor des Internationalen Arbeitsamts beauftragt, mit dem Generalsekretär des Völkerbundes in Verbindung zu treten, um mit ihm einen geeigneten Weg für die Zusammenarbeit beider Organisationen in einer ständigen Kommission für kolonisatorisches Wanderungsw e s e n, deren Schaffung von der Experten- Konferenz empfohlen worden war, zu vereinbaren. Gleichzeitig hat der Verwaltungsrat be- Das Ergebnis der internationalen Wanderungskonferenz schlössen, den Bericht der Expertenkonferenz den Regierungen aller Mitgliedsstaaten der internationalen Arbeitsorganisation zugängig zu machen. Der Bericht der Wanderungskonferenz war bereits bei seiner damaligen Veröffentlichung von allen Beteiligten' als ein erster Schritt angesehen werden, um die Ansiedlung neuer Einwanderer in bisher ungenützten Landstrichen, besonders Südamerikas, zu erleichtern. Die Wirtschaftslage in Argentinien Sonderbericht für die C.V.-Zeitung K.J. R. BUENOS AIRES, Ende April 1938. Die argentinische Zeitung „La Prensa" gibt an hervorragender' Stelle kommentarlos die Untersuchungen wieder, die das portugiesische Blatt „Diario de Lisboa" über die wirtschaftliche Situation Argentiniens angestellt hat. In dem Aufsatz der portugiesischen Zeitung wird davon ausgegangen, dass in Argentinien bis zum Ende des vergangenen Jahres Prosperität herrschte, und dass infolgedessen die finanzielle Situation befriedigend war. Die Produktion des Landes habe sich ständig vermehrt, ebenso sein Aussenhandel und die Edelmetallreserven der Zentralbank. In wenigen Wochen sei hierin ein Wandel eingetreten. Der wirtschaftliche Aufschwung und das Vertrauen der ausländischen Gläubiger seien verschwunden, "und der Wert des argentinschen Pesos sei an den ausländischen Börsen schnell abgesunken. Die schlechte übertrieben, durch unsere Erörterungen ging. Und der soll jetzt nicht unfrohe Auferstehung feiern. Vieles in unserem jüdischen Leben des letzten Jahrhunderts ist dadurch so geworden, wie es heute in die Erscheinung tritt, dass die meisten zugleich mit den Mauern des Ghetto den Zaun um die Lehre zerbrochen haben. Es wäre unheilvoll, die Mauern wieder aufzurichten, aber den Zaun zerstört liegen zu lassen, den Zaun um die Lehre. Wir meinen Lehre im engeren und im weiteren Sinne, unsere jüdische Bindung sowohl als auch die Verpflichtung gegenüber einem allgemein-menschlich-bindenden Geiste .

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