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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-28 · 17 (28.4.1938) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
17 (28.4.1938)
Date
1938-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 C.-V.-Zeftung Nr>17*2&ApriI1933 Ernte war Spott oder eisige Ablehnung. Nur das Band des Gehorsams hält noch von ihm zu ihnen. Wie lange noch? Wann wird auch das zerreissen in dieser mörderischen Glut, in dieser Einsamkeit, in der einer dem andern zur Last fällt und jeder sich selber? Sein Blick läuft über die lange Gest-alt des Bobadilla hinüber, wo die Bucht in dem Kap endet, überall eingerahmt von dem Wald, überall umschlossen von dem Geheimnis. Er sieht, wie die Finger des Waldes nach ihnen greifen, sie zu fassen und zu erdrücken. Gibt es denn keine Flucht aus dieser Verdammnis von Glut, Wasser, Sand und Einsamkeit? Torres sieht über die Mauer des Waldes hinaus. Da ist die Linie der Berge. Er fühlt die Kühle der Abende dort oben, er ahnt das Rauschen der Bäche, er spürt den kühleren Wind. Er weiss, dass da oben das Band sich enger knüpfen muss, das hier zerrissen ist, dass gemeinsame Tat Fremdestes eint. „Leutnant", ruft er — und seine Stimme ist so scharf wie an dem Tag, da ihm der Admiral das Kommando übergab, weil er als Erster an Land gesprungen war — Bobadilla ist von dem unerwarteten Klang hochgesprungen, „Leutnant, morgen früh vor Tagesanbruch marschieren wir." S ie marschieren. Nur ein paar Kranke und Lahme sind als Wache zurückgeblieben. Sie schlagen mit den Aexten Breschen in den Wald, einen schmalen Pfad, der sich hinter ihnen schliesst. Die Sonne leuchtet kaum durch das Dickicht am helleu Mittag. Schritt für Schritt arbeiten sie sich vor'i einer hinter dem andern. Die Freudigkeit der ersten Stunden ist von ihnen abgefallen. Die feuchte Hitze des Waldes ist ihnen gefährlicher als der Trübsinn an der Bucht es war. Sie sind beladen mit Helm, Schwert und Hakenbüchse. Sie bleiben in dem Boden stecken, sie stapfen stumm hintereinander her, eine Schar, die ins Verderben zieht. Gegen Nachmittag öffnet eine Lichtung den Blick. Noch immer sind die Berge in weiter Ferne. Noch immer findet das Auge vor sich Wald, immer neuen Wald, der nicht enden will. Als die Sonne sinkt, erreichen sie das erste Dorf. Ein paar Strohhütten stehen leer. Aber es ist ein Brunnen da, spärliche Felder, und sie sind endlich heraus aus dem Wald, der sie gefangen hatte. Vor ihnen liegt hügeliges Gelände, gerodet, im letzten Sonnenschein sind die Berge näher gerückt. Sie strecken sich, streichen durch die Hütten, finden da und dort etwas Frucht. Sie fühlen sich geborgen, nur weil sie wissen, dass sie dem Wald entronnen sind. Auch die Zucht stellt sich wieder ein. Mürrisch, aber gehorsam, nimmt Bobadilla die Befehle entgegen, Posten stehen an den vier Enden des Orts, ein grosses Feuer leuchtet, da es Nacht wird, in die tiefe Dunkelheit. Einer beginnt zu singen, die anderen brummen mit Der Mond ist aufgegangen und hängt schwer und gelb am HimmeL Torres, so müde, ja müder als die anderen, kommt nicht zur Ruhe. Er visitiert die Wachen, er betrachtet die Schlafenden, er spricht mit einem und dem anderen. Der Leutnant träumt mit offenen Augen neben dem Feuer. „Leutnant"', sagt Torres, und legt ihm die Hand auf die Schulter, „Leutnant, wir haben doch jetzt ein Schicksal, ist es so? Wollen wir es als Kameraden tragen?" Bobadilla sieht ihn lange an, ehe er antwortet. „Müssen's wohl versuchen, Capitan", sagt er dann. , : -„Wir-wollen beide vergessen, was uns getrennt hat", sagt Torres, „es wird wohl am besten so sein4*' — und hält ihm die Hand hin. „Einstweilen" — lächelt Bobadilla, und schlägt ein. Torres wirft sich neben ihm auf den Boden und spricht zu ihm. „Du musst wissen"', sagt er, „ich bin nicht anders als du und Juan und Pepe und Felipe da drüben. Was ist an mir Besonderes? Meine Haare sind wie eure, meine Augen die gleichen wie ihr sie habt Ist meine Sprache anders? Formei] meine Lippen die Sprache schlechter als deine? Bin ich der Königin weniger Untertan? Hast du mich verzagt gesehen? Hab ich dem Admiral nicht die Treue gehalten wie du? Lass dir nicht einreden, Kamerad, wir zwei sind einer Art, heut und in Ewigkeit." Warum sagt er mir das, fragt sich Bobadüla, wenn es wirklich so ist? Würde ich das Juan und Pepe und Felipe auch sagen? Welchen Sinn hätte es? Ich glaube ihm nicht. Aber ich will sein Kamerad sein — und er ist der Capitan. „Ja, Kamerad", sagt er und reisst sich zusammen. „Bis in den Tod?"^fragt Torres. „Bis in. den Tod!" Welche Frage, denkt Bobadilla, selbstverständlich bis in den Tod. Was wäre sonst Kameradschaft Aber der Tod ist weit Bis dahin kann sich vieles ändern. Der Admiral kann zurückkommen, schon morgen können seine Segel am Himmel stehen. Ob der Capitan dann Rechenschaft legen kann, ob ihm einer glauben wird, dass er kein Gold gefunden hat, dass diese verfluchten Indios nichts verraten haben, auch als man ihnen die glühenden Scheite unter die Sohlen hielt? Ob ihm nicht einer sagen wird: Capitan, du lügst, du stinkst nach Gold, wo hast dus vergraben? Ob sie's ihm hingehen lassen werden, dass er keine einzige Seele für den Glauben gerettet hat? Und wenn sie ihn, Bobadilla, als Zeugen rufen, zu wem wird er halten? Wie ist es dann mit der Kameradschaft? Armseliges Wort, das ihm der Capitan als Köder hinwirft, xAnbeissen will er, aber an der Angel hängt er nicht, er, Bobadilla, nicht. Bis in den Tod? W7arum nicht? Aber ein Leben lang? Leben löst die Treue, die der Tod angeknüpft? Seltsam, aber es ist so. Bobadilla lächelt: „Glaubt Ihr, Capitan, dass es weit ist bis dahin?" „Es ist mir, als ob wir schon tot wären", sagt Torres. „Das hat nichts Wirkliches, dass wir hier in diesem verlassenen Dorf sitzen, wo heute noch fremde Menschen waren, für die wir unbekannte Götter sind, die sie fürchten und denen sie nicht trauen." „Das ist das Wesen aller Götter", lacht Bobadilla, „man fürchtet sie und traut* ihnen nicht. Gute Nacht, Capitan, wir werden morgen einen heissen Tag haben." „Gute Naeht, Leutnant." Torres starrt in das Feuer. Er findet keinen Schlaf trotz seiner Müdigkeit, sieht, wie die Flamme sich in das Holz hineinfrisst, jetzt hochschlägt, jetzt niedersinkt, jetzt einen Sprühregen von Funken ausbläst, und weiss: Das hat er schon einmal erlebt, das ist ihm vertraut wie sein eigen Blut. Aber er weiss nicht, was er damit beginnen soll. Was ist das nur? Was ist das nur? fragt er — und findet keine Antwort Gegen Morgen, als der Holzstoss fest ausgebrannt ist und die letzten Sterne an dem blauwerdenden Himmel verlöschen, schleicht es heran. Die Wachen dämmern in das Dunkel hinaus, sie hören nichts, ihre halbe Wachheit sieht es nicht kommen: und da ist es über ihnen. Sehrille Rufe, Schwirren von gefiederten Pfeilen, Tod, der anfliegt, dunkle Leiber, die sich gegen sie vorwerfen, zehn gegen einem Ehe sie schwerfällig zum Schuss kommen, liegen sie am Boden. Ehe sie zur Waffe greifen, sitzt ihnen der Pfeil in der Kehle.s Und dann bricht es in roter Flut in das Lager ein und* nieder auf die Schlafenden, nieder auf die< Erwachenden, die in ewigen Schlaf zurücktaumeln. Torres hat den ersten erstickten Schrei gehört, rüttelt den Leutnant. „Zu den Waffen!" brüllt er, springt von Mann zu Mann; doch schon sieht er den Feind, die bemalten Fratzen, die in den Kriegsfarben leuchten, schon hört er das erste Stöhnen, da reisst er den Leutnant an sich heran, zieht das Schwert, ruft: „Zum Wald! Alles zum Wald zurück!" und schlägt sich Bahn. Rechts und links hinein in die Leiber, die an ihn heranwallen. Er fühlt Bobadilla neben sich und zwei, auch drei andere. Sie hauen sich durch wie durch eine enge Gasse, hauen sich durch bis zum Wald, der sie aufnimmt, nun ihr Freund, so wie er gestern ihr Feind war. Endlos lang ist der Tag. Sie ahnen, dass sie gehetzt wew. den ohne den Feind zu sehen. Das Knacken der Zweiges ein Schatten, der über ihnen hängt, ein Laut, den sie nicht verstehen, lässt sie fühlen, dass überall um sie her Lauscher, sind. Sie brauchen keinen Kommandoruf, keine Wegweiser*, Es gibt nur eine Richtung, nach der sie hasten. Torres zählt nach. Er kann es an den Fingern abzählen, Vier Mann sind sie, dazu sechs, die er in der Siedlung zurückgelassen hat: Zehn Mann, zehn einsame Männer allein auf der Welt, für die es nur zwei Dinge gibt: Durchbeissen Dd.er Sterben. Beides schreckt ihn nicht, wenn er daran denkt Der Gedanke des Sterbens schreckt nicht, solange es noch einen Ausweg gibt. Eine Hoffnung ist der Admiral, der ihn nicht im Stich lassen kann. Eine Hoffnung ist die Feigheit der Indios, die sich nicht aus dem Wald trauen werden. Eine Hoffnung sind die Palisaden, ist das Blei, das sie noch für die Büchsen haben, ist die Bombarde, sind die steinernen Kugeln, die in Haufen auf dem Hof geschichtet sind. Eine letzte Hoffnung ist der Turm, der die Fahne beider Kastilien birgt, die man ihnen als Heiligtum dagelassen. In Bobadilla ist nichts als Wut, zähe Wut Dass er geschlafen hat, dass die Wachen nicht gemeldet haben, dass diese Hunde von Indios es gewagt haben sich über sie herzumachen. Er denkt nicht an das Ende wie Torres. Er denkt an das nächste, wie er sie zusammenhauen, wie er sie abknallen wird, einen wie den andern, wenn sie sich aus dem Wald wagen. Und deshalb hastet er weiter, nicht aus Furcht, nicht kopflos, nein, zurück um auf sich selbst zu stehen, aus der Umklammerung des Wäldes hinaus. Sie schaffen es. Schaffen es, noch bevor die Dunkelheit einbricht. Keuchend, mit wunden Füssen, zerfetzt, ohne Atem, ohne Waffen, erreichen sie den Strand. Ein paar IVIeilen abseits zwar, aber sie sehen die Hütten, werden von dem Turm gesehen, sie wanken durch den Sand, ein paar kommen ihnen entgegen. Sie sind gerettet, für diese Nacht Nie greift der Indio nachts an. Er fürchtet die Geister. Es gibt keine Feindschaft in gemeiner Gefahr. Die zehn Männer der Veste gehören zusammen für den Rest ihres Daseins. Torres sieht seine Leute an. Es ist nicht viel mit ihnen anzufangen, wenn die Indios kommen. Aber der, Indio ist feige, hofft Torres, er wird glauben, dass der Hunger besser angreift als der tapferste Krieger. /\.m dritten Tage gegen Morgen, in der Stunde, die nicht mehr Nacht und noch nicht Tag ist, kriecht es aus dem Wald hervor, ein dunkler Streifen von Leibern, bedeckt schwarz den hellen Saum des Sandes. Aber nun wird er gesehen; Ein schwerer Schuss schlägt in die Luft, Schreie, Vor-i wärtsdrängen, ein zweiter Schuss, ein Aufbrüllen, ein; dritter, und wie ein Spuk verschwunden ist, was eben noch' hereinbrach. ' Mit dem ersten Schuss war Torres aufgesprungen, miS dem zweiten steht er an den Palisaden und starrt hinaus, wo der Haufe der Indios vergeht Sie waren also doch gekommen. Dann kam mit ihnen das Ende. Dann konnten sie hier in diesem verfluchten Land ihre Knochen lassen. Dann war der Traum von Gold undt Weibern ausgeträumt Er sieht neben sich Bobadilla stehen.; „Wie oft werden sie noch angreifen?" fragt er ihn undi ist blass geworden. „Weiss der Teufel, Capitan. Vielleicht haben sie an dem einen Mal genug. Hoffe nur,' dass ich noch viele zum Teufel schicke, bevor sie mir den Garaus machen. Habt Ihr Angst, Capitan? Muss ich Euch Mut zusprechen, weil's ans Stei> ben geht? Verdammt, Capitan, hab' mir's gleich gedacht. Kommando führen, das geht zur Not noch. Aber sterben können und bis zum letzten Atemzug um Euch hauen, das liegt Euch nun einmal nicht. Nun, Ihr werdet Euch drein finden müssen. Es lernt sich alles. Capitan, auch das Sterben." (Fortsetzung folgt) Eine cfaassidische Erzählung ..Man soll keine Gelegenheit vorübergehen lassen, den Namen Gottes zu segnen." So lehrte einst ein chassidischer Rabbi. Eines Tages — es waren unruhige und kriegerische Zeiten — berichtete man ihm, dass der Gememdediener die Kasse des Rabbis gestohlen habe und entilohen sei. ..Fluche ihm, Rabbi", so sagten die Schüler, aber der Rabbi sprach das Gebet „baure peri hoadomoir, das ist der Segensspruch, den zu sprechen geboten ist über die Früchte des Bodens. ..Rabbi", sagte man ihm, „er hat auch das Geld mitgenommen, das gesammelt war und bereitstand für die Armen der Gemeinde. Rabbi, fluche ihm.'' Aber der Rabbi sprach das Gebet ..schehecbionu, wekihimonu . . .". das ist der Segensspruch, den zu sprechen geboten ist bei etwas Neuem und dem Anblick gewaltiger Dinge. Und als ihn die Schüler beiragten, warum er statt einer Verdammung Segenssprüche und gerade diese gewählt hzfbe, da antwortete er: ..Dass der Dieb mein Geld mitnahm, war eine Gemeinheit. Gemeinheit aber ist nun leider einmal die Frucht dieser Erde, also sprach ich den Segensspruch über die Früchte der Erde. — Dass ich. aber den Segensspruch schehechionu sprach,.hat auch seinen Sinn, denn die Mitnahme des Geldes der Armen geht über das Mass einer normalen Gemeinheit hinaus:, das war schon (wie es auch'mein Segensspruch. andeutete) etwas .ganz Neues' und eine überlebensgrosse Gemeinheit/' Während sie noch so sprachen, stellte sich heraus, dass der Gememdediener gar nicht geflohen war, auch nichts entwendet hatte; er hatte vielmehr wegen der unruhigen Zeiten das G»*ld. das ihm nicht gut genug verwahrt schien,;'■!> dem Hause des Rabbi weggenommen und hatte es, treu und redlich, in sichere Obhut gebracht. Als er zurückkehrte, rief der Rabbi seinen Schülern zu: „Seht, jetzt ist er wirklich ein Dieb, denn gestohlen hat er uns allen die Möglichkeit, uns für besser zu halten als er.*' ..Und welchen Segensspruch wirst du jetzt sagen?'4 fragte man den Rabbi. Da sprach der Rabbi das Gebet .,baure peri hagofen" und erklärte lächelnd: „Das ist der Segensspruch über die Flasche Wein, die wir jetzt mit ihm trinken werden."' m. e. Judaica Martin Buber: Das Buch der Gleichsprüche. Schocken-Verlag, Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938. Als Band fünfzehn der Bibelübertragung bietet Martin Buber die Spruchsammlung dar. Ein beigegebenes Blatt erklärt die Wortwahl des Titels aus der Form jener Sprüche, die jeweils zwei Dinge einander gleichsetzen — ein sinnliches Bild etwa und einen geistigen Vorgang — oder die rhythmisch parallel gebaut sind u. ä., doch selten ohne antithetische Zuspitzung. In dem Kampf zwischen der ..Weisheit" — der Erkenntnis von Gottes Wegen — und der „Torheit" — dem Abirren von diesen Wegen — sieht Buber das innere Prinzip dieser Spruchsammlung und darüber hinaus das originale Moment: altorientalische, z. B. ägyptische 'Weisheitssprüche wurden bei der Ueberaahme einer Wandlung und Vertiefung in diesem Sinne unterworfen und damit neu geprägt. Noch jetzt spürt man der Sammlung die ganz verschiedene Herkunft vieler einzelner Spruche an: manche scheinen vom langen Gebrauch als Sprichwörter glattgeschlii'fen wie Bachkiesel, anderen haftet noch die persönliche Erschütterung eben erlebter Erkenntnis an. Es ist, im Durchschnitt, die Weisheit eines Bauernvolkes, worin ausser der Beziehung aller Dinge des täglichen Wandels auf Gott die Bewahrung des Eigenen nach aussen, Warnung vor der „ausheimischen" Frau, das Fürsichbleiben, eine derbe Methode der Kindererziehung gepriesen und vor — Faulheit gewarnt wird. Nur die von König Chiskija "veranstaltete Sammlung fällt sichtbar aus dem Rahmen. Hier finden sich Sprüche, die ein König geprägt haben kann, die jedenfalls Politiker aufzeichneten. Die Wertschätzung der Frau aber zieht sich durch die ganze Sammlung hindurch und verleiht ihr, nicht nur der" orientalischen Umgebung gegenüber, sondern in manchen Zügen selbst heute noch, eine Würde und Weihe ohnegleichen. Einige Proben mögen den Klang der neuen Uebertragung vermitteln: Ein frohes Herz macht das Angesicht heiter, bei Herzens Trübsal ist auch der Geist geknickt. Goldäpfel in silbernen Schaugeräten: eine Rede, geredet gemäss ihren Bedingnissen. Weise ist ein reicher Mann in seinen eigenen Augen, aber ein geringer, der verständig ist, kann ihn ergründen. Ist's Gottes Ehre, eine Sache verbergen, des Königs Ehre ist's, eine Sache erforschen. Durch Langatmigkeit wird ein Schöffe erweichU eine linde Zunge bricht einen Knochen. Wer seinem Genossen mit überlauter Stimme in der Morgenfrühe den Segensgruss bietet, als Fluch wird's ihm angerechnet. Der Tiegel fürs Silber, der Ofen fürs Gold, ein Mann aber gilt danach, worein er seinen Ruhm setzt. —a— Jewish Studies in Memory of George A. Kohut, herausgegeben von Salo W. Baron and Alexander Marx. The Alexander Kohut Memorial Foundation, New-York. In diesem fast 800 Seiten umfassenden, wie eine üniversitas jüdischer Wissenschaft anmutenden Sammelband zum Gedächtnis von George Alesander Kohut liefert fast jede Abhandlung einen wertvollen Beitrag für die Forschung in einem Spezialgebiet, ob es sich um T'nacb. "um Talmud. Midrasch oder Haggada. Palästina. Religionsphilosophie. Folklore, Wirtschaftsgeschichte. Hebräische Sprache und Poesie alter und neuer Zeit, Kulturgeschichte und Briefwechsel von literarischem Werte handelt. Lehrer und Schüler Kohuts, alte und junge Freunde bauen Kohut ein würdiges Denkmal als Dank gleichsam für die 636 Arbeiten, die nach C o 1 e - mans Darstellung; Kohut in 43 Jahren segensreicher Arbeit (1890 bis 1933) aus seiner Studierstube hat 'oinausgehen lassen. Aber mehr als das: das Leben der jüdischen Wissenschaft im 19. Jahrhundert ersteht beim Lesen dieses Buches von neuem. Man wird an die Wegbereiter unserer Wissenschaft erinnert Da erscheint S. D. L u z a 11 o in einem hebräischen Aufsatz von Spiegel, Rappoport in einer erstmalig veröffentlichten Korrespondenz, Steinschneider in sehr interessanten Briefen, Dokumenten und Bruchstücken aus seinem Lebensalbum, aus seinem Nachlass zur Verfügung gestellt von Adeline G o 1 d b e r g und herausgegeben von Alexander Marx, wobei auch Leopold Z u n z in den Gedankenkreis unserer Erinnerungen tritt. Alle übrigen Mitarbeiter sind Schüler dieser Männer, die Lehrer an den jüdischen Hochschulen hüben und drüben. Es belehrt uns M. G a s t e r über das Maassehbuch und den Brantspiegel, Immanuel Low gibt das Kapitel „Salz" aus seinen „Mineralien der Juden". Elkan N. Adler spricht über Talmud-Inkunabeln aus Spanien und Portugal, Ismar E1 b o ge n über Kalir, D. Yellin bringt zwanzig hebräische Gedichte von Israel Najara usw. Man hat das sichere Gefühl: die Wissenschaft des Judentums lebt. J. Friedländer. Kunstnachrichten Die Londoner Galerie Tooth, Arthur & Sons stellt Gemälde des italienisch-jüdischen Malers Amadeo Modigliani aus. Der seit dem Jahre 1906 in Paris tätige Künstler erweist sieb in den Bildnissen und Akten als sehr eigenwilliger und konsequenter Vertreter des Expressionismus. # Die National Gallery in London erwarb ein Predellabild von Giovanni di Paolo, das sich früher in der bekannten Privatsammlung Otto Kahn in New-York befand. .* Die interessanten Judaica-Sammlungen des früher in München beheimateten Dr.'Heinrich Feucbtw a n g e r befinden sich augenblicklich als Leihgabe im Museum in Jerusalem,

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