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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-28 · 17 (28.4.1938) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
17 (28.4.1938)
Date
1938-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4 C.-V.-Zeitung Nr.17*28.Aprin938 Ein Streit um Mendelssohn Auf einer Zusammenkunft der Genootschap voor de Joodsche Wetenschap in Nederland sprach kürzlich in Amsterdam Dr. Felix Falk (Haag) über „Rijklof Michael van Goens im Streit um Moses Mendelssohns Schrift: Ueber das Erhabene und Naive in den schönen Wissenschaften". Aus einem Brief, den Mendelssohn am 14. Dezember 1770 an den Utrechter Professor van Goens richtete, wissen wir, dass dieser Mendelssohns, zuerst 1758 in der Bibliothek der schönen Wissenschaften veröffentlichte Abhandlung ine Holländische übersetzte und sie mit einer Vorrede und selbständigen Anmerkungen versah, in denen er die von Mendelssohn als Belege für dessen Begriffsbestimmungen angeführten Beispiele um zahlreiche neue vermehrte. Ein literarisch-religiöser Streit, bei dem Mendelssohn sozusagen im Hintergrunde stand, brach in den Niederlanden im Jahre 1775 wegen der Brief marken-FaluailtfMr^^i van Goens'schen üebersetzung aus. Rijklof Michael van Goens, der mit 18 Jahren bereits einen solchen wissenschaftlichen Ruf genoss, dass ihn die Kuratoren der Universität Utrecht zum ausserordentlichen Professor der Geschichte, Beredsamkeit, Altertumskunde und griechischen Sprache ernannten, hatte unter dem Pseudonym Le Philosophe sans fard in der Zeitschrift „Nieuwe Bijdrage tot opbouw der letterkunde" Aufsätze zur Aesthetik und Literaturgeschichte veröffentlicht, in denen er gegen die Vorurteile auf dem Gebiete des Geschmacks zu Felde zog. Goens hatte die Bedeutung der Meudelssohnschen Abhandlung, die für die damalige Zeit neue Wege wies, sofort erkannt. Die deutschen Blätter spendeten seiner Üebersetzung das grösste Lob, während die Zeitschrift „Nederlandsche Bibliotheek", hinter der orthodoxe protestantische Kreise standen, sie zum Anlass nahmen, einen Streit gegen von Goens zu entfesseln, der bei ihnen wegen seiner freimütigen Aeusserungen schon lange schlecht angeschrieben war. Die gegen ihn in der Rezension erhobenen Vorwürfe waren so schwerwiegend, dass er den Schutz des Magistrats anrief, der an seine Seite trat und erklärte, er könne eine derartige Verhöhnung und Verleumdung eines Professors, durch welche die ganze Hochschule getroffen werde, nicht zulassen. Die Zeitschrift wurde verboten. Damit hatte man Oel ins Feuer gegossen, denn jetzt brach der Kampf erst recht los. In . zahlreichen Flugschriften, aus denen Falk interessante Stellen vorlas, brachten zum grössten Teil anonyme Verfasser ihre mehr oder minder massgebenden Meinungen zum Ausdruck. Van Goens holte zum Gegenschlage aus und veröffentlichte einen etwa 350 Druckseiten umfassenden Bericht, der in. seiner Sachlichkeit, Klarheit; Gelehrsamkeit und Dokumentation zu den besten Streitschriften des 18. Jahrhunderts gehört. Der Schwerpunkt des. ganzen Streites hatte sich inzwischen verschoben: Im Vordergrund stand schliesslich das Problem der Toleranz. Bei seiner Erörterung lernen wir van Goens nicht bloss als einen Freund Moses Mendelssohns, sondern auch als einen warmen Verteidiger der Juden kennen. Obwohl van Goens alle gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen widerlegen konnte, unterlag er in diesem Streit. Ein Jahr nacb dem Erscheinen seiner Verteidigungsschrift reichte er seine Entlassung ein und wurde von dem Prinzen Wilhelm V. zum Mitglied des Magistrats ernannt. Damit begann für van Goens die politische Karriere. Der Kampf, den er auszufechten hatte, erinnert, wie Falk am Schluss seiner Ausführungen zeigte, lebhaft an Gotthold Ephraim Lessmgs Streit mit dem Hauptpastor Göze. Der Dichter Lessing hat den Toleranzgedanken in seiner dramatischen Dichtung ,.Nathan der Weise" verewigt, der aufrechte Niederländer und Gelehrte van Goens in seiner Verteidigungsschrift. — x Dr. Paul Alsberg: Das Menschheitsrätsel. Versuch einer biologischen Lösung. Sensenverlag, Wien. Ein Vortrag des Berliner Frauenarztes Dr. Paul Alsberg „Ueber Wesen und Ursprung des Mensehen" wurde in einem Werk ..Das Menschheitsrätsel" niedergelegt, in dem es dem Verfasser, wie er in seinem Vorwort schreibt, vor allem darauf ankam, den Menschen in alte Rechte und Vorrechte wiedereinzusetzen, um die ihn eine irrtümliche Auslegung der Entwicklungslehre gebracht hat. Dieses Buch, völlig umgearbeitet und dem heutigen Stand des Wissens an- Polsierwaren Eigene Werkst. Umarbeitung I. Hojda Weissensee, Berliner Allee 255 56 38 58 gepasst, scharf zusammengefasst, spannend und im besten Sinne allgemeinverständlich, liegt nun in einer trefflichen Ausgabe vor. Wie lebendig das Problem der Menschwerdung und der Aufbau einer sinnvollen Theorie von der Entstehung des Mensehen, die begriffliche und biologische Abtrennung des „letzten Tieres" vom „ersten Menschen" ist, zeigt die originelle und interessante Darstellung des Verfassers, der ebenso kühn wie logisch schlusssicher seine Entwicklungslehre aufbaut. Es ist nicht etwa ein langweiliges Lehrbuch, sondern bei aller Geistigkeit und wissenschaftlichen Universität ein auch den Laien in hohem Masse fesselndes Werk, das uns ganz neue und überraschende Aufschlüsse und einen überwältigenden Stoff zum Nachdenken auf einem Gebiet gibt, das die grossen Geister aller Zeiten beschäftigt hat. Der Bedeutung dieser Neuerscbei- Yerkaufsstellen der C.-V.-Zeifung nur für jüdische Interessenten befinden sich bei folgenden Jüdischen Büchvertrieben Berlin.- Philo, W15, Poriser Sfr. 44 Kedem, Charl., Dahlmannstr. 8 Gerhard Fuchs, W62, Wormser Strosse 6a Breslau: J. B. Brandeis, Karlstr, I Frieda Lichtenstein, Kaiser-Wiihelm-Str. 116 Frankfurt a. M.: A.J. Hofmann, Gr. Wollgraben 41 Hugo Oppenheimer, Rücke rtstrasse 57 Hamburg: Eva von der Dunk, Haiiersfr. 76 Köln: Wolf Topilowsky, Benesisstr. 49 Stettin: Eberhard Burgheim, König- Aibert-Str. 39 nung entspricht es durchaus, dass gleichzeitig eine englische Ausgabe erscheint, die der Professor an der Harvard-Universität, Dr. Earnest A. Hooton, mit folgenden Worten einleitet: „Diese kraftvolle und glänzende Darstellung einer Theorie der menschlichen Entwicklung verdient die sorgfältigste Beachtung aller mit dem Problem der menschlichen Abstammung beschäftigten Forscher . Das Buch ist klar und zwingend geschrieben und gibt die fruchtbaren Gedankengänge eines wohlgeschulten und reifen Geistes wieder." F. G. Geheimrat Hermann Strauss 70 Jahre Wenn Menschen noch so im Vollbesitz ihrer Schaffenskraft wie Hermann Strauss ihren 70. Geburtstag feiern, dann bringen wir aus freudigem Herzen unsere Glückwünsche dar. Nicht nur die Fügung eines glücklichen Geschicks hat ihn so jung gehalten bis auf den heutigen Tag, sondern vielmehr sein unverwüstlicher Optimismus, sein Schaffensdrang, sein starkes Temperament haben ihm seine Elastizi- Fot. Sonnenfeld tat die Jahrzehnte hindurch bewahrt. So ist er nie müde geworden, im Dienst der medizinischen Wissenschaft zu arbeiten. Sein Name ist ein Begriff in der medizinischen Wissenschaft, man kennt ihn in allen Teilen der ETde. Wenn man ein Lehrbuch über innere Medizin aufschlägt, stösst man ständig auf seinen Namen. Zu allen wichtigen Problemen hat er Stellung genommen und ideenreiche Beiträge geliefert. Vor allem den Magen- und Darmkrankheiten, den Erkrankungen des Gefässapparates, den Nierenkrankheiten galt seine Arbeit. Seine Schriften und sein Lehrbuch über Nierenkrankheiten sind wegweisend, sie sinddas Resultat einer langjährigen, mühevollen Forscherarbeit. Die salzlose Diät, heute für uns ein selbstverständliches Rüstzeug bei der Behandlung der Nierenerkrankungen, ist von ihm geschaffen. Seine akademische Laufbahn hat Strauss in Glessen unter Riegel begonnen. Dann kam er nach Berlin an das Augusta-Hospital zu seinem grossen Lehrer Ewald und hat dann jahrelang die Stelle eines Oberarztes an der dritten medizinischen Universitätsklinik der Charite innegehabt. Hier ist einer der bedeutendsten Internisten — Senator .— sein Lehrmeister gewesen. Von dort ging Strauss an den Aufbau einer eigenen Poliklinik und leitete diese, bis er im Jahre 1910 an das Krankenbaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin berufen wurde. Hier konnte er seine klinische Arbeit von neuem aufnehmen und seine wissenschaftlichen Forschungen fortsetzen. Den Namen Langenbeck und Israel, die dieses Haus bekanntgemacht haben, reiht sich der Name #Malerarbeiten / Eduard Glaser Berlin NO 55, Greifs-walder Strasse 88. 53 50 59. Hermann Strauss würdig an. Hier hat er eine umfassende Lehrtätigkeit entfaltet, und eine grosse Anzahl von Schülern verdankt ihm ihr Wissen. Aus dem Ausland versammelten sich um ihn stets zahlreiche Aerzte, um von ihm :m lernen und sieh sein Können und seine Erfahrungen nutzbar zu machen Geheimrat Strauss gehört zu den grossen Aerzten, die, je reicher sie an Kenntnissen und Erfahrungen werden, um so deutlicher die Grenzen sehen, die ihnen von der Natur gesteckt sind. Immer zurückhaltend in seinem Urteil, abwägend, voll scharfer Kritik, sagt er nie mehr, als uns die objektiven Symptome des Krankheitsbildes zu sagen erlauben. Das ist die Bescheidenheit der •grossen, an Erfahrungen und Wissen reichen Aerzte. Bei jedem Zusammentreffen am Krankenbett hat er einem etwas Neues, Anregendes zu sagen. Das Judentum kann stolz auf Hermann Strauss sein, er gehört zu seinen Besten, nicht festhaltend an den starren "äusseren Formen, aber festverwurzelt mit allem, was jüdisch heisst. Jüdisch-sozialen Fragen bat er immer sein Augenmerk geschenkt, und er ist immer bereit, seine ganze Persönlichkeit einzusetzen, wenn es zu helfen und jüdische Not zu lindern gilt. Zahlreiche v/ohltätige Institutionen zählen ihn zu ihrem eifrigen Förderer und Mitarbeiter. Der 70. Geburtstag von Professor Strauss am 28. April ist ein Ehrentag für die jüdische Gemeinschaft. Möge er der Judenheit in Deutschland, die arm geworden ist an solchen Männern. Teppich- Ulillu Daptrav NO, Greifswalder Str. 13 / 533S71 Einigung Hilly UGtiKGI,Kunststopferei Entmoüiing.Au<bewahrungelc noch lange erhalten bleiben, zum Wohle der Kranken und im Dienste an der jüdischen Gemeinschaftsarbeit. Das ist unser aller Wunsch zu seinem Ehrentag. Dr. Otto Lucas (Berlin). Aus den Familien Hermann F r i e d 1 ä n d e r (Danzigj beging' asn S. März seinen TO.'Geburtstag. — Max Ca!m"(Berlin-Charlottenburg) vollendet am 4. Mai sein 70. Lebensjahr. — Emil B e b r. erster Vorsitzender des Israelitischen Altersheim für die Pfalz in Neustadt;i. d. Hardt,, und Frau feiern am 29. April ihre goldene Hochzeit. — Israel Nachmann und Frau Dora (Berlin-Köpenick) begehen am 2. Mai ihre goldene Hochzeit. — Dr. med. dent. Hugo Götzel (Krefeld) begeht am 28. April sein 40jäbriges Bevufsjubiläum als Zahnarzt. Enri«o S o n n e m a,n n, Besitzer der Firma Son & Man, Rom, wurde jüngst zum Cavaliere della Corona d'Italia ernannt. Unsere stillen Abenteuer Betrachtung von Werner Bukofzer Wenn nach Stunden der Unrast, dem Wirbel des Alltags und seinen Nöten zeitweilig enthoben, wieder einmal die Windstille der Seele einkehrt und mit ihr die schweifende Erinnerung, dann werden bei all denen, die noch zu träumen und zu schauen verstehen, nicht die lauten, nicht die vorüberstürzenden und sich überstürzenden Ereignisse es sein, sondern die unaufdringlichen aber dauerhaften Dinge, die stillen Abenteuer, denen ausschliesslich unsere Liebe und unser Verweilen gilt. Ein Tag wie alle Tage vielleicht ging vorbei und mit ihm die Bedrängnis und die unvermeidliche Jagd um die Erhaltung der Existenz. Und nun gehört der Mensch, der in die Tretmühlen eingespannt war, sieh selber, der Geschäftigkeit folgt die Beschaulichkeit, dem äusseren Tempo aber, das ihm den Atem verschlug, ein inneres, mit dem er schneller und weiter zu fahren vermag als das modernste Vehikel es vermöchte. Denn der Geist allein besitzt die Gabe, im Nu über Länder und Zeiten und Menschenwege hinzuwandern, er fliegt in alle Dimensionen, er bahnt sich den WTeg. er, nur er erschafft sich diese Freiheit, er sondert aus und verweilt und streichelt die Bilder, die ihm lieb sind. So war es immer, und so wird es immer sein. (Beiläufig bemerkt: eng verknüpft mit diesem von keiner Technik und Zivilisierung besiegbaren Grundzustand der Menschheit ist auch das Wesen der lyrischen Kunst, der von falschen Propheten und lahmen Schrittmachern der Zeit gerade in den letzten Jahrzehnten so oft und so vergeblich der Tod angekündigt wurde.) Bei allen auf das Wesentliche ausgerichteten Menschen finden wir diesen Zug und Drang, des gesteigerten Lebens teilhaftig zu werden. Dieser Drang bedeutet durchaus oiebt Flucht Otts dem Alltag und Flucht aus der Gemeinschaft und damit aus der Schicksalsgemeinschaft; er bedeutet Verinnerlichung, Durchdringung. Es ist keine feige und träge Einsamkeit, die sich in sich selbst einlullt, sondern eine behütende, weltoffene, weltfromme, die auf Menschen und Dingen ruht gleich einer dankbaren Erinnerung an „Abende, wo nichts geschah, doch Töne und Blicke fielen ewigen Angedenkens". Gerade dieses Fast-Nichts. dieses beinah Unstoifliehe der Vorgänge, das Nichtzubescbreibende, weil Ungreifbare im Ausbleiben jeglichen Effekts ist es, woran das Herz sich bindet. Es ist keineswegs unkörperlich, keineswegs abstrakt, es wird mit den Sinnen wahrgenommen, mit Auge, Ohr, Geruch, Geschmack. Getast, mit der ganzen Skala des reagierenden Gefühls, denn wo die Sinne nicht hingelangen, dort ist für das Leben (wie für die Kunst) kein Raum. Gehen nicht auch die höchsten, die geistigsten Genüsse durch den Körper uns ein? Wie sollten sie uns denn anders eingehen! Gibt es überhaupt zweierlei Genüsse? Oder gibt es vielleicht nur durch Abstufung und Grade der Verfeinerung hundertfach verschiedene Genüsse, immer aber gedanklich und leiblich unlösbar aneinandergebunden? S Ich glaube, dass zumal wir Juden durch Instinktverkümmerung infolge der langen Ghettozeit und als Umhergeworiene ohne Boden viel vom Eigentlichen verlernt haben, notgedrungen verlernen und versäumen mussten, was erst nach Generationen, falls ein gnädiges Geschick es zu- Lässt, einigermassen wieder eingerenkt werden kann. Fischt der Menschengeist jahrhundertelang im Abstrakten, wohin soll er transzendieren; so sehr auch Sehnsucht und fromme Haltung der Antrieb gewesen sein mochten. Erstarrte Formen aber lassen sich schwer lösen, das Religiöse allein führt sie dem Leben nicht wieder zu, weil ihm grundlegende Baustoffe aus einer frühen Schiebt entzogen sind. Die reine naive Anschauung ging uns zum grossen Teil verloren; wir sind motorisch, wir sind gehirngetrieben. Es ist eine zivilisatorische Entwicklungstatsache, eine gefährliche, die in eine Sackgasse führt. Das Nichtersiairte und die reine Anschauung aber findet sich immer dort, wo Dasein unverbildet waltet. Unverbildet, das heisst: mit einem Blick aus uralten und zugleich ganz jungen Augen. Dass diese Welt-Abenteuer nicht vom Leben abgetrennt, nicht isolieri, nicht für sieb selbst bestehend immer wieder im Menschen wirken, beweist z. B. die Tatsache, dass ein grosser Dichter durch den Anblick einiger Felsbildungen im Engadin zu einem seiner Grundwerke inspiriert wurde. Ein anderer, ein jüdischer Erzählen wurde zu der Planung eines grossangelegten Romans angeregt durch einige verstreut umherliegende Backsteine in der Anneleutegegend einer Weltstadt. Wiederum ein Beweis dafür, dass der, der mit aufgeschlossenen Sinnen und mit Phantasie begabt ist, auch die sogenannten anorganischen Stoffe der Natur nicht als leblose Masse empfindet, sondern als ein ausdrucksvolles und bewegendes Erlebnis im Haushalt Gottes. Dass es immer nur wenige sind, die an den heimlichen Beständen teilhaben und ihre den Mitmenschen meist verborgene Magie offenbaren, stellt ja weder den Bestand noch die Magie in Frage. Dieses Wesenbafte, dem gerade in unserer Zeit bedeutende Künstler mitunter auf eine panische Weise bisher unbetretene Gebiete erschlossen haben, fand icb charakteristisch und subtil ausgedeutet in einem „Gespräch über Gedichte" von Hugo v. Hofmannsthal; darin sagt er: „Sind nicht die Gefühle, die Halbgefühle, alle die geheimsten und tiefsten Zustände unseres Inneren in der seltsamsten Weise mit einer Landschaft verflochten, mit einer Jahreszeit, mit einer Beschaffenheit der Luft, mit einem Hauch? Eine gewisse Bewegung, mit der du von einem hohen Wagen abspringst; eine schwüle, sternlose Sommernacht; der Geruch feuchter Steine in einem Hausflur; das Gefühl eisigen Wassers, das aus einem Laufbrunnen über deine Händo sprüht: an ein paar Tausend solcher Erdendinge ist dein ganzer innerer Besitz geknüpft, alle deine Aufschwünge, alle deine Sehnsucht, alle deine Trunkenheiten. Mehr als geknüpft: mit den Wurzeln ihres Lebens festgewaebsen daran, dass — schnittest du sie mit dem Messer von diesem Grunde ab, sie in sich zusammenschrumpften und dir zwischen den Händen zu nichts vergingen." An ein paar Tausend solcher Erdendinge also — das ist alles. Anderes gibt es nicht, mehr gibt es nicht aber es ist ungeheuer viel. Ich möchte es die eigentlichen, die einzigen Abenteuer unseres Daseins nennen. Es ist das Anonyme in den Erscheinungen, sein ganzer Zauber. Dem sind wir verfallen, dem sind die Unvergesslichkeiten unseres Lebens gewidmet. Hierin ist bereits alles enthalten: unsere Liebe, unsere Demut, das Religiöse, die metaphysische Sehnsucht des Menschen, seine Sehnsucht nach Schönheit, sein Verewigungstrieb. Alles, was das Leben kostbar macht. Der Blick einer Frau, unvergesslich in seinem ganz bestimmten und doch nicht wiederzugebenden und auch wohl nie so wiederkehrenden Ausdruck, der Duft einer Pflanze, die Farben des Meeres, die Glut der Klänge, der Druck einer Hand, jede Süssigkeit die sie umschliesst, und. jede Schwermut, und überhaupt: aller heimlichen Grüsse Gruss und Gegengruss auf dieser Erde. Das ist alles. Saemy Japhet Am 1. Mai begeht Bankier Saemy Japhet. der Gründer des Bankhauses S. Japbet & Coin L o n d o n, seinen 80. Geburtstag. Saemy Japbet, der am jüdischen Leben Londons reger. Anteil nimmt, hat sein besonderes, Interesse dem Jews College, dem englischen Rabbinerseminar, gewidmet, Er ist seit vielen Jahren chairman des College, ein Amt, zu dem er auf Grund seines , allseitigen geistigen Interesses und seines tiefen jüdischen Wissens hervorragend berufen ist. Er hat in unermüdlicher Hingabe wesentlich dazu beigetragen, die Bedeutung des College als geistig-religiöses Erziehungszentrum der englischen Judenheit zu heben und zu festigen. Dieser Aufgabe widmet er sich in unverminderter körperlicher Frische und geistiger Spannkraft Seine besondere Aufmerksamkeit ist dem Wohl und der Förderung der Studenten des College gewidmet. Auch die Judenheit ausserhalb England? fühlt sich dem grosszügigen Philanthropen zu grossem Dank verpflichtet den sie mit den herzlichsten Wünschen für den Jubilar verbindet

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