Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 15 (14.4.1938)
- Date
- 1938-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Xm Jahrg. / Nr. lt Berlin, 14. Aprü 1938 Preis 1® Pfennig ALLGEN EIN E ZEITUNG DES JUDENTUMS SSSSf?!?11» T?1"12?' Schnftleitang, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 42. Fernspr.: 928141—45. Telegr.-Adr.: Centraiglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag 77218, Zürich Vlll 26 d63 Bankkonto: Mosler, Susskind & Co., Berlin W8. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Kedaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, dij die Gebuhren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährl. 81 Rpf. (einschl. 22,74 Epf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestelleeid; Für Ausland vierteljährl. 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswahrung) einschl. Zustellgebühren. , Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höh. Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlief, od. Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebiihren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., f. Stellengesuche 10 Rpf,, f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit ermäss. Grundpreise s. PreisI. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszahl. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Amg®l@hmt Die Antwort der Fünfwndzwaiizi| A.H. Am Pessach ist Festesfreude geboten. Hat befohlene Freudigkeit einen inneren Sinn?" wird man als Einwand hören. Sicherlieh gibt es Juden in der Welt, viele Juden, wenn man genau nachrechnete, eine Anzahl Millionen, / die nach ihrer eigenen Lage Anlass hätten, sich in unbefangener Fröhlichkeit dem Pessach mit seinen Forderungen und Gebräuehen hinzugeben. Aber auf ihre Helligkeit wirft das Judenschicksal anderer Zonen ihre NO V E t L F VON M O ß l T 2 KASWAN Mit dieser Novelle beginnt die G.-V.-Zeitung die Veröffentlichung der bei ihrem Erzähler-Preisausschreiben ausgezeichneten Arbeiten i I i it ii um r i Mrt i i Schatten. ' Und welche Stimmung muss erst bei den -Juden 'herrschen, die selbst im Schatten leben? Versuchen , wir, wenigstens mit Abstrichen; in die Pessachatmosphäre hineinzukommen, und beginnen •. wir, aus dem Festsmn Inhalt für uns zu deuten. Denn darauf wollen wir selbst irrr trübsten Dasein achten, dass nicht Hoffnungslosigkeit und Müdigkeit wie die Flut an einem flachen Strand widerstandslos Stück an Stück aus unserem Bestand und Halt fortreissen, sondern dass von Zeit zu Zeit seelische Wellenbrecher da sind, hinter denen man Ruhe und Sicherheit zum Nachdenken, zur Besinnung, zu sinnvollem Wollen und hoffnungsvollem Tun hat. Ganz ohne Gewaltsamkeit, ganz ohne bequemen Coueismus — wir fühlen von Tag zu Tag Jüdischer und damit wird die Welt von Tag zu Tag erträglicher! — wollen .wir an einem solchen Feste seine Bedeutung für uns festhalten. Vielleicht geht es danach wieder eine Weile gefestigter weiter. Die Erfahrung im Leben der Völker zeigt, dass prägender als ihre wirkliche Vorgeschichte die Deutung ist, die ein Volk seiner Entstehung in dem Augenblicke gibt, der den Beginn seiner bewussten Geschichte darstellt. -Mit dem Auszug aus Aegypten beginnt unsere Volksgeschiehte. auf den tiefen Fundamenten der Schicksale unserer Stammväter. Die Forschung mag die Angaben: unserer heiligen Zeugnisse bestätigen oder widerlegen. Eine Vorstellung, die während Jahrtausenden wirkte, kann nicht, durch- Stelen oder Papyrusdokumente kraftlos werden. Für uns ist - wahr, dass unsere Väter in Aegypten eines Nachts als Knechte aufbrachen und als Angehörige eines freien Volkes wenige Wochen später der. Gesetzgebung am Sinai gewürdigt wurden. Denn wir leben als Juden noch heute und glauben — und nicht nur wir- — an die zehn Gebote vom Sinai. Es gibt im Menschenleben ebensowenig wie im Völkerleben eine Masseinheit für Schicksal und Geschichte, wie sie für Länge, Temperatur, Schwingung vorhanden ist. Niemand vermag deshalb Regeln aufzustellen, mit deren Hilfe er durch Tabellen und Statistiken das Wunder aus der Welt herausrechnen könnte. Wohl aber kann man einen Erlebnismassstab schaffen, nach dem man eine Ordnung aufstellt, was wichtig und was Staatssekretär Cordeil Hull teilt offiziell mit, dass 25 Staaten den Vorschlag des Präsidenten Roosevelt, die Frage" der jüdischen Einwanderer aus Oesterreich.und Deutschland auf einer internationalen Konferenz zu klären, zustimmend beantwortet haben. Der . Ort, der Zeitpunkt und die Dauer der Konferenz hoffe er in Kürze bekanntgeben zu können. Noch nicht geantwortet *haben: Ecuador, die Schweiz und die britischen Dominions. Am 13. Aprü empfing Präsident Franklin D. Roosevelt Vertreter von protestantischen, katholischen und jüdischen Organisationen, unter denen sich Henry Morgentbau sen., Bernhard Baruch, Mgr. Rummel (New Orleans) und James MacDonald (der erste Hohe Kommissar des Völkerbundes für Flüchtlingsfragen) befanden, im Weissen Haus, um mit ihnen die Fragen der internationalen Konferenz und vor allem die Finanzierung des geplanten Hilfswerks zu besprechen. Europa :Im Senat in- Brüssel verlas Aussenmiaister Sp.aak am 7. April die Antwort der bel - gischen Regierung. Er erklärte, dass die Initiative des Präsidenten begrüsst werde, und dass man bereit sei, ihren Anregungen in' humanem Geiste zu folgen, wenn, auch auf die wirtschaftlichen Verh.StmWe des Landes Rücksicht'genommen'werden'müsse. In der Antwort, die Aussenminister Lord H a 1 i f a x dem amerikanischen Gesandten in London übermittelte, heisst es, es sei der Wunsch der britischen Regierung, so umfassend wie möglich mit den Vereinigten Staaten und den'-übrigen Ländern, die sich an der Konferenz beteiligen würden, zusammenzuarbeiten. Die. Regierung .Sr. Majestät begreife die Gründe, welche die Vereinigten Staaten veranlasst hätten, ■ diese Anregung zu geben. Grossbritannien habe den Wunsch," mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften an der Verwirklichung dieser Pläne mitzuarbeiten. Die britische Regierung sei selbst mit der Prüfung dieser Frage beschäftigt und hoffe, bald konkrete Vorschläge machen zu können. Mordamer Ika "Die Presse• beschäftigt sich nach wie vor mit der Flüchtlingskonferenz;. " Nachdem dieser Plan allgemein begrüsst worden ist, beginnt man jetzt das Problem in seinen Einzelheiten zu erörtern. Dass hierbei auch warnende Stimmen laut wer- . den, kann nicht erstaunen, und unterstreicht nur die in der C.-V.-Zeitung schon wiederholt ausgesprochene Auffassung, die Hoffnungen auf den Erfolg der Rooseveltschen Aktion nicht zu hoch zu schrauben. Man weist darauf hin. dass die Arbeitslosigkeit in USA zur Zeit etwa 12 Millionen beträgt und dass dem wirtschaftlichen Aufschwung eine Zeit des' Stillstandes, wenn nicht sogar der Depression gefolgt sei. Man erinnert daran, dass es in New-York schätzungsweise 125 000-unterstützungsbedürftige Juden gibt. Die jüdischen Komitees stellen Berechnungen über die Mittel an, welche, im Jahre 1938 aufgebracht werden sollen. Das National Coordinating Com-- mittee for Aid to Refugees and Emigrants coming from Germany beabsichtigt 750 000 Dollars aufzubringen. Das Joint Distribution Committee hofft 3 bis 4 Millionen Dollars sammeln zu können, während der United Palestine Appeal mit 2 bis 2Yz Millionen Dollars rechnet. Dass diese Summe von insgesamt 6 bis 7 Millionen Dollars sich in europäischen Augen recht stattlich ausnimmt ändert nichts an der Tatsache ihrer Unzulänglichkeit gegenüber den Notwendigkeiten. Man hofft aber, dass der Rooseveltsche Appell auch nach dieser Richtung positive Ergebnisse zeitigen wird. Südamerika Von unserem K.J.R.-Berichterstatter Buenos Aires, 5. April. Die Anregung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat die Kanzleien verschiedener südamerikanischer Regierungen veranlasst, mit weiteren Erklärungen an die Oeffentliehkeit zu treten. Während einige Länder ihre Zustimmung jetzt erst bekunden, veröffentlichen andere nähere Erläuterungen zu ihrer positiven Stellungnahme. Trotz gelegentlicher Vorbehalte hat sich bisher kein südamerikanisches Land gegen den nordamerikanischen Plan ausgesprochen. Die Regierung von Uruguay hat in ihrer Note an Washington zum. Ausdruck gebracht, dass das Land dem Vorschlage, unbeschadet seiner Mitarbeit an anderen internationalen Institutionen, mit besonderer Sympathie gegenüberstehe, und dass es im Rahmen der verfassungsmässigen Grenzen seine entschiedene Mitarbeit zur Verfügung stelle. Der Artikel 36 der urugtfayschen Verfassung erklärt, dass das Betreten des nationalen Territoriums, der Aufenthalt in ihm und das Verlassen desselben, mit seinem Vermögen jedermann freistehe, dass die Einwanderung in diesem Sinne durch das Gesetz geregelt werde, dass aber die Einwanderung von Personen mit physischen, geistigen oder moralischen gesellscbaftsschädlichen Defekten in jedem Fall verboten sei. Chile betont in seiner Antwortnote, dass sein Beitrag zur Lösung des Problems begrenzt sein müsse mit Rücksicht auf die Tatsache, dass das Land für die Einwanderung nur ein geringes Fassungsvermögen aufweise und bereits Massnahmen gegen den ungewöhnlichen Zustrom von politischen Auswanderfern aus Europa habe ergreifen müssen. Der chilenische Minister für Landwirtschaft und Siedlung hat in einem Interview hierzu erklärt, dass das Gebiet von .Aysenum- 10 Prozent grösser sei als Oesterreich, und dass hier geeignete österreichische Einwanderer, die. aber Landarbeiter sein müssten, angesetzt werden könnten; das Land sei bergig und biete daher Schwierigkeiten. Der Aussenminister von Chile hat jedoch nochmals der Presse gegenüber betont, dass die Annahme der nordamerikanischen Einladung humanitäre Motive habe, dass' aber das Land in einer besonderen Lage sei und deutsche und österreichische Auswanderer nicht unbegrenzt zulassen könne. -Offenbar in unmittelbarem Zusammenhang mit der von Nordamerika angeregten Inangriffnahme der Auswanderungsfrage "bat der chilenische Minister, für Landwirtschaft und Siedlung eine ausführliche Denkschrift an den Aussenminister des Landes gerichtet, in der er seine einem Journa-: listen gegenüber geäusserte bejahende Stellungnahme zur landwirtschaftlichen Ansiedlung von Auswanderern aus Oesterreich in Chile "näher weniger wichtig ist, was standhält und was verschwimmt, was als Bewährung und was als Versagen anzusehen, sei. Unsere Geschichte gibt solche Massstäbe, solche Ordnung, solchen Seder. Wir stehen nicht isoliert in der Zeit und inmitten ihrer Kräfteströmungen. Wir sind an unsere Geschichte wie an eine riesenhafte Säule angelehnt, auf der die Ereignisse unserer Vergangenheit vermerkt sind. Wie tief sie verankert ist? Niemand weiss es. Wie hoch sie emporragt? Niemand sieht ihre Spitze. ■ Wii sehen und wissen aber das eine: es ist., noch viel Platz für Inschriften, und nichts zwing! uns anzunehmen, dass in unserer Zeit de; Wechsel von trüben und freudigen Vorgängen auf dem Wege unserer Gemeinschaft durch die Geschichte endet. Wie weit und wohin auch immer der Weg . in die Welt Juden führt, die Säule bleibt, sichtbar, wenn man sich zu ihr hinwendet und sie sehen will. Pessach sei Zwang dazu für den, der nicht aus freiem Stolz sich seiner Geschichte bewusst ist. Zum Stolz kann man noch weniger als zur Freude zwingen.. Aber erziehen kann man zum einen, um dadurch zum anderen zu gelangen. Wenige Festtage voll freudigen Stolzes können ein Kraftquell für lange Wochen und Monate ernsten und schweren Lebens erläutert.. Er bringt darin —- wohl in einem gewissen Gegensatz zu der vom Aussenminister vertretenen Auffassung — zum Ausdruck, dass man österreichische "Auswanderer ins Land bringen könne, die den produktiven Berufen angehörten und über ein geringes Anfangskapital verfügten, das ihnen die Aufnahme. ihrer Tätigkeit ermögliche. Der Minister fügt hinzu, dass die für eine' Kolonisation geeigneten Gebiete Puguhuapi, die Magdalenen-Insel und" die Täler von Palena seien. In seinem Interview hatte der Minister ausserdem das Gebiet von Aysen genannt. Panama hat seiner Zustimmung die Bemerkung angefügt, dass die Finanzierung seiner Hilfsmassnahmen privaten Organisationen überlassen bleiben müsse. Venezuela hat sich insbesondere das Recht vorbehalten, unter den Einwanderern eine scharfe Auswahl zu treffen. Paraguay hat der nordamerikanischen Anregung" ohne Vorbehalt zugestimmt. Costar i c a hat gleichfalls seine "volle Mitarbeit zur Verfügung gestellt. Australien -Ein Vorschlag, in K i m-b e r l e y Juden aus Mittel- und Osteuropa m grösserem Umfange anzusiedeln, wird in der allgemeinen und in der jüdischen 'l4;es^::,diskutiert; : Es-.-wi-rd u. a. die Frage aufgeworfen, ob die Schaffung einer „Kolonie in einer Kolonie* sich mit den naüo- - nalen Gesichtspunkten des Landesvereinbaren lasse. Es wird betont, dass der Plan der-Regierung erst dann unterbreitet und mit ihr'diskutiert werden könne, wenn .genaue .Vorschläge über die Zahl der Einwanderer, die Art ihrer Finanzierung gemacht würden, und wenn die Siedlungspläne in Uebereinstimmung mit den tatsächlichen Gegebenheiten Nordaustraliens stünden. Es wird die Ansicht vertreten, dass der Plan nur dann Aussicht auf Erfolg habe, wenn jüdische und britische Einwanderer gemeinsam an diesem Unternehmen arbeiteten und wenn es gemeinsam von jüdischen und englischen Organisationen finanziert würde. Man kann wohl annehmen, das» diese Gedankengänge nicht zuletzt durch Roosevelts Einladung an die 29 Staaten angeregt worden 6ind Die „Interparlamentarische Union" in Genf hat auf einer ihrer letzten Sitzungen eine Resolution angenommen; die eine internationale Aktion zum Schutze der nationalen Minderheiten verlangt und folgende Forderungen aufstellt: Verallgemeinerung des juristischen Systems der Minderheiten in allen Ländern, d. hl,-das« die Kodifikation .dieses Gesetzes für die Welt die einzige Basis für. die aktuelle und formelle Förderung des in Frage befindlichen Systems darstellen soll; die Verallgemeinerung dieses Systems soll gleichzeitig mit einer Reform, des Völkerbundes durchgeführt werden; um eine aktuelle Befriedung zu erreichen, soll .ein System von zweiseitigen Verträgen geschaffen werden.mit dem Ziel, ein System wirksamerer Harmonie und Zusammenarbeit zwischen der Majorität und. ihren Minderheiten zu gewährleisten, das auf Initiative des betreffenden Staates auszuarbeiten wäre; das Problem der Menschenrechte soll Gegenstand einer internationalen Konferenz sein, die die verschiedenen komplexen Erscheinungen dieser Frage zu prüfen hätte,' insbesondere ihre wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte. In dieser Nummer finden .unsere Leser u.' d.: Die Aufsätze; Entwurf eines Judengesetzes in Ungarn Richard Wildem Alice Berend — -Heinrich Reisner: ingenieurarbeit im alten Palästina — Dr. E. R-z.: Wirtschaffsbeziehungen des Vorderen Orient — Ulli Szkolny: Kreuz und quer durch London— -Bruno Sommerfeld: Amerika, was der Einwanderer wissen sollte — F. B.: Der „andere Heinrich" Die Beilagen: ■ Palästina-Umschau — Wirtschaft der Woche — Kinderblatt — SportbiaH