Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 13 (31.3.1938)
- Date
- 1938-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, VertriebsabteUung): Berlin W15, Emser Str. 42. Fernspr.: 928141—45. TelegT.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag 7721S, Zürich VIII26 363. Bankkonto: Mosler, Süsskind & Co., Berlin. W8. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die. Post, db die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljähr]. 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährl. 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rnf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höh. Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlief, od. Rückvergütung der gezahlten: Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grandpreise s. Preisl. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszahl. — Aazeigenscbluss: Dienstag. Plate-u. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Oeffiieii sich die Tore? Appell an itetmimdzwarazig Staaten Amerika Was der Einwanderer wissen sollte Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung Dr. Bruno Sommerfeld, der unseren Lesern aus manchen interessanten Aufsätzen, besonders zur Frage der Berufspolitik, noch in Erinnerung sein wird, studiert seit etwa einem Jahr in Amerika. Er schildert in einer Aufsatzreihe, mit deren Veröffentlichung wir heute' beginnen, die politischen Gegebenheiten Amerikas, die jeder Einwanderer . erkennen und zur Grundlage, seines Lebens dort machen sollte. In den weiteren Aufsätzen wird er von den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Einordnung der Einwanderer unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftlage Amerikas berichten. Die Redaktion. Berkeley (Kai.), im März 193S. Vorwort für jeden Amerikabericht. Die Menschen wissen herzlich wenig voneinander ünd werden sich wahrscheinlich nie richtig kennenlernen. Technisch sind die Erdbewohner heute schön Nachbarn. Sie können praktisch zu jeder Zeit hören und sehen,-was an den vier Endender Welt vorgeht Menschlich sind sie sich seit geraumer Zeit nicht wesentlich näher gekommen. ~ Diese Erkenntnis sollte jedem Bericht über fremde Menschen und Länder vorangehen. Bei einem Bericht über Amerika erscheint die Besinnung auf die Grenzen unseres Einfühlungsvermögens und die. Urteilsfähigkeit über fremde Volkscharaktere besonders geboten. ■ Amerika. hat das zweifelhafte Vergnügen gehabt, am häufigsten der internationalen Kritik ausgesetzt worden zu sein. Mit einem Langmut ohnegleichen haben die Amerikaner Jahr für -Jahr die unrichtigsten Darstellungen über sich ergehen lassen. Ja. sie haben förmlich mit den Europäern gewetteifert in der Verzeichnung des Porträts von „Onkel Sam". Und wo die Meister von der literarischen Zunft nicht scharf genug pointiert zu haben schienen, sprang der amerikanische Tourist bereitwilligst ein und spielte der Welt den „Yankee"' vor, den man endgültig in ein internationales Wachsfigurenkabinett neben „Marianne". ..Michel" und „John Bull" steilen sollte. Denn der amerikanische Tourist, den wir gewöhnlich in Europa kennenlernen, ist nichts weniger als repräsentativ für Amerika. Es scheint zwei Hauptarten von Amerikanern zu geben: den reisenden Amerikaner und den Amerikaner. Wer, nachdem er eine Zeitlang mit wachen Augen im Lande gelebt hat, sich durch die Bibliotheken der Amerikaliteratur hindurcharbeitet, stösst auf Schritt und Tritt auf die gröbsten Zerrbilder und Missverständnisse. Der Europäer hat bis vor kurzem Amerika mit einem gewissen Hochmut als ein unmündiges Europa betrachtet. Bis dann vor einigen Jahren der Franzose Andre Siegfried in seinem bekannten Buch „America Comes of Age" (Amerika wird mündig) Amerika gewissermassen für volljährig erklärt-hat. Der Europäer sollte sich bei seinen Vergleichen zwischen der Alten und der Neuen Welt an den Gedanken gewöhnen, dass Amerika weder ein unmündiges noch ein besseres oder schlechteres In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Die Aufsätze: Fritz Friedlaender: Hermann Cohen zum 20. Todestag — Ignaz May bäum: Diaspora- Zerstreuung — Dr. Kurt Aron: Porto einst und jetzt — Dr. Ernst Schaefer: Vom internationalen Privatrecht — Moritz Kaswan und Alfred Mayer, Träger des Erzählerpreises der C.-V.-Zeitung Die Beilagen: Buch und Kunst — Wirtschaft der Woche Sporfblatt—-Palästina-Umschau Ueberall in der Welt haben die Regierungen und die jüdischen Hilfsorganisationen zu dem Emigrantenproblem, wie es sich aus der neuen Lage in Mitteleuropa ergibt, Stellung genommen. Die grösste Beachtung findet in allen beteiligten Kreisen eine Mitteilung, die Staatssekretär Cordeil H u 11 am 25. März im Auftrag des Staatsdepartements in Washington bekannt gab. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat 29 Nationen vorgeschlagen, sich in einem internationalen Ausschuss zu vereinigen, um die Einwanderung von Flüchtlingen aus Deutschland und Oesterreich zu erleichtern. Die diplomatischen Vertreter Amerikas haben diese Anregung allen südamerikanischen Staaten sowie Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Norwegen, Schweden und der Schweiz zugeleitet. .Die belgische Regierung hat sich bereits zustimmend geäussert, der Quai d'Orsay hat die Anregung aufgegriffen und teilt mit, dass die französische Regierung " inernsthafte -Beratungen eingetreten sei. Während der holländische Minister Pati j n die -Stellungnahme seiner Regierung für England Im englischen Unterhaus äusserte sich in Beantwortung einer Anfrage der Innenminister Sir Samuel Hoare zum österreichischen Flüchtlingsproblem. Die Regierung Sr. Majestät werde die Frage des Asylrechts wohlwollend und sorgfältig prüfen, sie werde ihre traditionelle Haltung bewahren und allen denen Aufenthalt gewähren, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen ihre Heimat verlassen müssten. Andererseits aber sei das Problem auch vom Gesichtspunkt des internationalen Friedens und unter Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit des Landes zu betrachten. Es müsse der Eindruck vermieden werden, dass England jeder Einwanderung Tür und Tor öffne. In erster Linie werde man solchen Personen Einlass gewähren, deren Arbeiten auf den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst, des Handels und der Industrie dem Lande nützlich sein könnten. Die'Einbürgerungsanträge bereits in England ansässiger Oesterreicher werde man wohlwollend behandeln. Sir Samuel Hoare fuhr fort, dass sich die Notwendigkeit zur Schaffung einer besonderen Organisation ergeben habe, um die einreisenden Flüchtlinge über die Möglichkeiten Europa ist,, sondern ein Staats- und Volksgebilde eigener Art, das nur aus seiner Entwicklungsgeschichte heraus begriffen werden kann. Sollte, hiermit eine Fehlerquelle aufgedeckt werden, die jeden Amerikabericht trüben kann, so muss noch ein besonderes Warnungszeichen für den jüdischen Berichterstatter einer jüdischen Zeitung aufgestellt werden. Er müss die allgemeinen Erscheinungen schildern, wie. sie sieh irr. Gesamtrahmen abspielen, und wie sie auf Mr. John und Mr. Smith, nicht aber nur wie sie auf ihn selbst wirken. Wenn er wie die jüdische. Mutter in dem bekannten New-. Yorker Volksstück „Bronx-Express" bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit fragt: „Ist das gut für die Juden?", wird er schwerlich ein objektives Bild von der amerikanischen Wirklichkeit gewinnen. die allernächste Zeit ankündigte, hat Italien eine Beteiligung abgelehnt. Im einzelnen erfährt man, dass private . Mittel aufgebracht werden sollen, um in jedem der Länder, die sich an der Aktion beteiligen wollen, den Flüchtlingen Hilfe gewähren zu können. Staatssekretär Huli erklärte, Roosevelt habe diesen Vorschlag gemacht, weil er die Dringlichkeit des Auswanderungsproblems in seiner ganzen Bedeutung erkannt habe. Was die Vereinigten Staaten selbst betreffe, so sei nicht beabsichtigt, die bestehenden Einwanderungsbestimmungen zu ändern. Er weise aber darauf hin, dass bis zum Ablauf der gegenwärtigen Einwanderungsperiode am 1. Juli 1938 unter Ausnutzung der noch verfügbaren Kontingente 16 953 Emigranten aus Deutschland und etwa 1000 aus Oesterreich Aufnahme finden könnten. In den jüdischen Kreisen, Arne- - rikas hat die Bekanntgabe dieses Schrittes grösstes Interesse und lebhafte -Anteilnahme erweckt. Die jüdischen Organisationen -Amerikas haben ihre Hilfe und Mitarbeit für dieses Werk .zum Teil in Telegrammen, zum Teil in ^us.chriftön a"n Minister Hull und an den Präsidenten Roosevelt selbst zum. Ausdruck gebracht. . ihres Aufenthaltes und ihres Fortkommens zu informieren. In die Erwägungen' der Regierung würden auch die Dominien miteinbezogen werden. Es müsse geprüft werden, wieweit auch dort Aufnahmemöglichkeiten vorhanden seien. Falls englische Familien Bürgschaften für Flüchtlinge übernähmen, werde die Regierung diese anerkennen. Der Aussenminister Lord Halifax hat M. L. Perlzweig empfangen und mit ihm über die Lage der Juden in Zentral- und Osteuropa gesprochen. Frankreich Der Unterstaatssekretär für Inneres Philip Serre empfing in Paris Marc J a r b 1 u m , den Präsidenten des Verbandes der jüdischen Vereinigungen Frankreichs. Er erklärte, dass die französische Regierung im Hinblick auf die besondere Lage des mittel- und osteuropäischen Judentums bereit sei, die illegalen jüdischen Einwanderer nicht, wie beabsichtigt, zu deportieren, sondern in Frankreich selbst anzusiedeln, sofern "die hierfür erforderlichen Kapitalien von den jüdischen Organisationen aufgebracht würden. Man schätzt, dass etwa 8000 Juden unter diese Massnahme fallen werden. Der Verband der jüdischen Vereini- Der Berichterstatter dieser Zeilen wird bemüht sein, nicht voreilig von der Fassade auf die Bewohner des Hauses zu schliessen. Diese Absicht macht mitunter historische und sozialpsychologische Ausflüge notwendig, um einen Zug des heutigen \merika zu verstehen. Ber Amerika-Mythus Seit vor rund dreihundert Jahren die .Pilgerväter" in der neuen Welt ihren „Bund" der Freiheit und Gerechtigkeit gegründet hatten, steht Amerika als das. Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglich- ■■ keiten vor den Augen der Menschheit. Die europamüden Massen der religiös Verfolgten und wirtschaftlich Unterdrückten, die verarmten Bauern und bankerotten Händler, die sich im Herzen Europas die blutiggungen Frankreichs hat der Regierung eine Dankesbotschaft übermittelt Holland Bericht unseres Amsterdamer H.-Korrespcmdenten . Die holländische Regierung sah sich durch den erneuten Zustrom von Emigranten aus Oesterreich und unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage des Landes veranlasst, ihre Haltung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen zu präzisieren. In einer Sonderausgabe des Polizeiverordnungsblattes wird ein Schreiben des Justizministers an die Polizeibeamten veröffentlicht, das in fünf Punkten die Bestimmungen, unter denen Oesterreichern die Zulassung gestattet werden soll, zusammenfasst. Es wird der Besitz eines noch mindestens zwei Monate gültigen Passes verlangt und die Vorlage einer Erklärung der deutschen Behörden, dass der Passinhaber, ungehindert nach Deutschland bzw. Oesterreich zurückkehren kann* sofern er gezwungen ist, Hollami wieder zu verlassen. Für einen begrenzten Auf enthält im" Lande wird der Nachweis eines Kapitals von 500 Schillingen, bei einem Gesuch für einen Dauerauf enthalt von 10000 holländischen Gulden verlangt. Die Zulassung unter diesen Voraussetzungen bedeutet noch nicht die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt, über den erst in einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Hierzu muss der Zweck der Niederlassung -glaubhaft, begründet werden. Die Einreise; muss über eine amtliche Grenzstation erfolgen, der Pass den Stempel der Grenzstation tragen. Unter besonderen Umständen „.werden Ausnahmen zugelassen, über die die Fremdenpolizei im Einvernehmen mit dem zuständigen Ministerium entscheidet. * Neben diesen konkreten Massnahmen stehen mancherlei Projekte, die in der ausländischen jüdischen Presse erörtert werden. . Ein besonders interessanter Plan wird aus Amerika berichtet. Dort hat eine Monatsschrift Unterschriften für eine Petition an den Präsidenten Roosevelt ge^ sammelt, damit er bei der mexikanischen Regierung die Schaffung eines jüdischen Heimes in Südkalifornien erwirke. Dieser Bezirk soll eine autonome Verwaltung erhalten, dem Staate Mexiko eingegliedert werden, und seine Unverletzlichkeit sollen die panamerikanischen Staaten garantieren. Südkalifornien wird als ein noch völlig uiierschlossenes Land bezeichnet, dessen Gebiet sechsmal so gross wie Palästina sei und bisher nur eine Bevölkerung von etwa 100 000 Menschen aufweise. In einem weiteren Aufsatz wird die klimatische Situation des Landes als besonders günstig bezeichnet. sten Kämpfe lieferten, sahen wieder einen goldenen Hoffnungsschimmer am Horizont. Was wussten sie — so weit vom Schuss — von den harten Kämpfen der Pioniere in dem kalten, ungastlichen Lande. Sie hörten mir von dem endlichen Triumph der frommen Siedler. Gewaltige Räume taten sich auf, die wie nach dem Naturgesetz des Vakuums Müde und Verzweifelte, Idealisten und Geschäftemacher, Abenteurer und echte Pioniere anzogen. Leichten Herzens hatten die ersten Auswanderer den Staub Europas von den Füssen geschüttelt, denn sie hatten nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. In der neuen Welt starteten sie alle mit gleichen oder doch annähernd gleichen Chancen. Sie wurden nicht in einen bestimmten Stand, eine bestimmte Gesellschaftsschicht hinein- Diskussioit .um die' Flfi.cbtliiige:'