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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-24 · 12 (24.3.1938) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
12 (24.3.1938)
Date
1938-03-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Subjektives und objektives Judentum Das März-Heft des „Morgen" Das soeben erschienene Märzheft bietet wieder eine Fülle gedanklicher Anregungen innerhalb der jüdischen Problematik unserer Tage. Hardi Swarsensky leitete es mit „Gedanken zur Berufswahl" ein, in denen er von den schwierigen Aufgaben der beruflichen Lenkung der 4000 jüdischen Jugendlichen spricht, die in diesen Wochen die Schule verlassen. Auch Werner Rosenstocks ausgezeichneter Aufsatz über „Die subjektive Judenfrage" beleuchtet ein sehr schwieriges Kapitel der inneren jüdischen Situation. Er versteht unter der subjektiven Judenfrage den Komplex all der Spannungen, die das Leben des Juden durch sein Reagieren auf die Tatsache seines Judeseins erfüllen. Infolge der Dissimilierung durch die Umwelt ist jene Spannung, die einst den be- . sonderen Reiz der jüdischen Haltung als einer — subjektiv gesehen — freiwilligen ausmachte, geschwunden. Im Leben der Auswanderer nach Üebersee bricht die subjektive Judenfrage aufs neue auf. Mit Recht fordert der Verfasser darum, dass gerade denen, die den bisherigen Lebensbezirk verlassen, „die objektive Judezifrage" nahegebracht wird, vor der es kein Entweichen gibt. Es würde sehr zur Klärung beitragen und die sich ergebenden Aufgaben deutlicher hervortreten lassen, wenn im Anschluss an die beachtlichen Ausführungen Rosenstocks ausführlich dargelegt würde, worin die in dem vorliegenden Aufsatz nur angedeutete objektive Judenfrage besteht, um zu erkennen, welche ihrer Elemente heute als wesentlich zum Aufbau eines jüdischen Sinnzusammenhanges erlebt werden können. Stärker in die „objektive Judenfrage" führen die Gedanken Ignaz Mayb a u m s. Sein Aufsatz „Zionismus und Zionsliebe" setzt die von ihm in früheren Aufsätzen im „Morgen" vertretenen Auffassungen fort. Das zionistische Hochgefühl von 1933, so meint er, hat weithin den Blick versperrt für die objektiven Notwendigkeiten echter jüdischer. Entscheidungen. Er zeigt dies an der einseitigen Deutung, die der in unseren Tagen neu entdeckte ..Prophet. der Tröstung Israels", der 2. Jesaja, gefunden hat. Maybaum weist darauf hin, dass Deuterojesaja die. ""Synthese von einer bisher unübertroffenen Zionsliebe und einer universalistischen Weltzugewandtheit vereint. So wie die Zionsliebe kein Produkt des neuzeitlichen Zionismus;" ist, so ist die Missionsidee des Judentums nicht erst im 19. Jahrhundert ein Gedanke des religiös-liberalen Judentums. Beide Ideen sind im Kerne des'Judentums keimhaft enthalten und zumal von dem unbekannten Propheten des Exils klassisch formuliert worden. Jüdische Galut-Existenz ist darum in ihren wesentlichen inneren Voraussetzungen nicht prinzipiell von der in Palästina unterschieden. „Auch in Palästina ist der Jude nur das, was er überall unter den Völkern sein kann und muss — Knecht Gottes.. Nicht als Eroberer und nicht als Bettler, sondern als Priester, an dem der Adel der Erwählung und Demut des Dienens vereint sind, als Mensch, der zwar Brot sucht, aber auch dem Lande, das ihm Brot gibt, sein will, was ihm verheissen ist: Segenbringer. Als Knecht Gottes klopft der Jude an die Türen der Weltvölker/' Er glaubt daher, dass wir in Palästina nur durch ein Konkordat mit einer nichtjüdischen Macht bestehen werden, wobei der unverrückbare Wille des jüdischen Volkes vorausgesetzt werden muss. niemals zu einem Weltvolk zu werden, wie es dies auch in der Vergangenheit nie gewesen ist. Diese Gedanken, für die der Verfasser z. T. ausgezeichnete Formulierungen findet, dürften ohne Zweifel einer echten innerjüdischen Diskussion standhalten, wie wir sie schon lange schmerzlich vermissen. Von Maybaums Gedankengängen aus könnte sie entscheidende Anregungen erfahren und auch dem Zionismus die so notwendige dogmatische Wandlung erleichtern. Das Andenken an den vor fünf Jahren verstorbenen Freund Franz Rosenzweigs, Rudolf Hallo, erneut der Wiederabdruck seiner 1927 im „Morgen" erschienenen Arbeit „Der Psalter". Hallo versucht analog den 5 Büchern Mose, die die „Propheten"' einleiten, die 5 Bücher der Psalmen als Einleitung der „Schriften" zu deuten. Obwohl dieses Bemühen manche auffällige Parallelen aufweisen kann, deren Wahrheitsgehalt durch die innere Struktur der entsprechenden 5 Bücher erhärtet wird, so kann doch die Beweisführung nicht als so zwingend erscheinen, dass nicht der Gedanke einer Harmonisierung nahetritt. Mala L a a s e r hat diesem Heft eine eiudrucksstarke Erzählung von der Heimkehr des alten Juden „Erkel Gawlick" zu seinen Vätern beigesteuert. Berichte, u. a. von vier Vorträgen Berliner Rabbiner über die Krise der Religion, Glossen und Buchbesprechungen sowie einige Gedichte vervollständigen das auch diesmal sehr anregende neue Heft des „Morgen". Dr. Manfred Swarsenskv. Menschenwege I. Hugo v. Hofmamisthal Das Werk Hugo v. Hofmannsthals ist noch nicht abgeschlossen. Den vor zwei Jahren erschienenen Jugendbriefen lässt der Verlag nun die Briefe aus den Jahren 1900 bis 1909 (Berman-Fischer Verlag, Wien, 1937) nachfolgen. In ihnen ersteht die Epoche, in der der früh ans Licht getretene jugendliche Lyriker zum Mann und reifen Künstler heranwächst, neu vor den Augen des Lesers. Langsam erobert sich Hofmannsthal in diesem Zeitabschnitt die grosse dramatische Form und seine Prosa er-, reicht die vorbildhafte stilistische Reinheit, die den späteren Essayisten vorbereitet. Er beginnt mit den Bemühungen um die Bearbeitung des „Geretteten. Venedig" von Oiway, eines merkwürdigen Stückes aus der Nähe Shakespeares, dessen Wiederbelebung eine schöne und hochgesteckte Aufgabe für" das Theater des Kulturbundes sein würde. Vielleicht begreifen wir heute Lebenden, warum es zu seiner Zeit, nicht richtig verstanden werden konnte. Es folgen „Elektra", „Oedipus" und schliesslich „Jedermann", das ihm der Freund Clemens v. Franckenstein, der spätere. Münchener Intendant, aus London vermittelt. Die Zusammenarbeit mit Richard Strauss, der Eckstein seiner europäischen Berühmtheit, deutet sich an. Es ist zugleich die glückliche Zeit seiner jungen Ehe und der Gründung eines eigenen Hausstandes in dem schönen theresianischen Herrensitz Rodaun in der Nähe von Wien. Unter den Briefen befinden sich viele an die bedeutendsten Künstler der Zeit, nicht zum wenigsten auch an die jüdischen unter ihnen wie Beer-Hofmann, Schnitzler, Wassermann und Rudolf Borchardt, aber doch gegenüber dem früheren Band mit einer bemerkenswerten Abdämpfung des Tons. Dies gilt vor allem für die alten wienerischen Freunde, deren persönlicher und künstlerischer Weg sich von dem seinigen entfernt, während manche neue Gestalt wie "die Rudolf Alexander Schröders dafür mit um so grösserer Intensität erfasst wird. Briefe an Verleger und Herausgeber wie Oskar Bie, Otto Brahm, Moritz Heimann schliessen sich an. Daneben bleiben freilieh die wundervollen Briefe an den Baron Georg von Franckenstein in voller Gültigkeit bestehen. Ein feinsinniger Briefwechsel verbindet ihn schliesslich mit einigen klugen Frauen und nicht weniger reizvollst das-"helle, impressionistische Bild der Stadt Paris, das in Briefen an die Eltern gezeichnet wird. Das Nachlassen der lyrischen Gestaltungskraft zugunsten . der dramatischen ist ein Zeichen der Männlichkeit;, aber die lyrische Grundanlage des Verfassers entschädigt uns überdies durch einen Briefstil von kostbarem Glanz, ein seltenes Geschenk in einer, wie Hofmannsthal selbst es ausdrückt, „so dissoluten Zeit". Dieser Briefstil und zugleich dieses Zeitbewusstsein hält den Augenblick fest, in dem sich im leichten Wellengekräusel einer noch beruhigten Oberfläche für die feiner Empfindenden schon die Erschütterungen ankündigen, an denen unser Leben inzwischen so reich geworden ist. II. Franz Rosenzweig Noch zu seinen Lebzeiten hat Franz Rosettzweig einige Aufsätze und Rezensionen zu einem Buch vereinigt, das damals unter dem Namen :,Zweistromland" im Philo Verlag erschien und seit einicer Zeit vergriffen ist. Nun bringt der Schocken-Verlag (Berlin 1937) alle ..Kleineren Schriften" in einem ansehnlichen Band heraus. Er vereinigt alle Ab- Jüdische Buch er W62, Wormser Strasse 6a. am Wittenbergplatz, Ruf 2470 22 Gebhard fuchs Handlungen, Aufsätze, Nachrufe, Antworten und Besprechungen, die er vou seinem 27. Lebensjahr an bis zu seinem Tod im Jahr 1929 veröffentlicht oder in der Absicht auf Veröffentlichung niedergeschrieben bat. Nimmt man diese „Schriften" und die schon früher herausgekommenen „Briefe" zusammen, so hat man die Biographie eines auf reichsdeutschem Boden lebenden, aus assimiliertem Bürgerhaus stammenden, humanistisch gebildeten jungen Juden der Jahrhundertwende, eines von „Bildung und kein Ende" Ergriffenen, der, ohne dass ein innerer Bruch in seiner Entwicklung sichtbar würde, mit unheimlicher Sicherheit vom Allgemeinen zum- Besonderen, vom Humanen zum Jüdischen weiterschreitet, bis er schliesslich als der Weggenosse Martin Bubers, über die Seiten des tenach, der hebräischen Bibel, gebeugt, unter unendlichen physischen Leiden seine Strasse zu Ende geht. Aber seinen Mund hat er nicht geschlossen, er hat ihn vielmehr, wie er selbst vorausgesagt hat, „erst posthum" ganz geöffnet. So kommt es, dass von den sieben Abteilungen, in welche die Herausgeberin und Lebensgefährtin Edith Rosenzweig den Nachlass einteilt, die mittlere, „Vom alten zum neuen Denken", das Kernstück des von Inhalt übervollen Bandes ist. Denn sie beginnt mit der im Sommer 1914 geschriebenen und auf uns Nachlebende wie eine Grabschrift wirkende Abhandlung über „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus*' und zugleich mit dem im nämlichen Jahr verfassten Aufsatz über „Atheistische Theologie", der damals mit Recht nicht gedruckt wurde, wreil er kommende geistige Entwicklungen aus vergangenen allzu hellseherisch erschloss. Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ der erheblichste Beitrag ist dann die Einleitung zu Hermann Cohens .Jüdischen Schriften, welche., die bisher einzige zulängliche .. Wesensdarstellung dieses grossen Denkers und Lehrers enthält. Der „Urzelle. des. Sterns der Erlösung" genannte Brief an Rudolf Ehrenberg und endlich die nachträgliche Interpretation eben dieses von ■Rosenzweig als sein Hauptwerk empfundenen Buches, der 1925 im „Morgen" erstmalig erschienene Aufsatz „Neues Denken", reiben sich abschliessend an und vollenden so den inneren Ring, der „vom Palast ins enge Haus" führt und von dort aus einen, wenn auch nicht weiteren, so doch tieferen Blick in die Urgründe eröffnet. Wir müssen uns eine eingehendere Analyse (fiSftiz^^ /<lufgezeichLizßt von. jCkoTßvScfo. 1. Fortsetzung. Zeichnungen von Horst Moratz. Gut, dass wir beide heute abend allein sind, denn ich muss dir einmal die Leviten lesen. Für jede grosse und schöne Idee, die sich nicht sogleich in bare Münze umtauschen lässt, hast>;du den Don Quichotte bei der Hand. Jeden Versuch, aus uns mehr herauszuholen, als es der Reklamechef eines Warenhauses vermöchte, nennst du Donquichotterie. Und damit meinst du dann, schon was Rechtes und Endgültiges gesagt und getan zu haben. Schon das ist billig, und übrigens zweifle ich, ob du den Don. Quichotte überhaupt gelesen hast. Wie? Und ob ich ihn gelesen habe! Ich kenne ihn seit meiner Kindheit. Er begleitet mich geradezu durchs Leben. Von den zehn Büchern, 4/// ii' die ich auf jede Reise mitnehme (denn ich muss immer ein Minjan von Büchern bei mir haben), ist er das zweite. Ich bilde mir sogar ein, ein bevorzugter Kenner und Liebhaber seines genialen Vaters Cervantes heissen zu dürfen. So. Und dann nennst du jeden Versuch, was aus uns zu machen, donquichottesk und meinst damit.: lächerlich? Ja, und ich habe den Cervantes auf meiner Seite. Er selbst hat den Don Quichotte lächerlich gemacht. Das ist wohl nicht zu bestreiten. Und es sind die gröbsten und, wie du sagen würdest, die billigsten Scherze, mit-denen er die Lächerlichkeit seines Helden ausstaffiert hat. Meine Auffassung ist also autorisiert. Ebenso autorisiert wie jede üble Nachrede, die man aus bester Quelle hat. Versetze dich in die Lage des Cervantes, stell dir vor, er sässe unter uns und hörte dich über Don Quichotte lachen: so wäre er doch in der Lage einer Mutter, die selbst dies und das über ihr Kind gesagt hat, aber wehe dem Fremden, der dasselbe zu sagen wagte! Du willst also das Geschöpf vor seinem Schöpfer in Schutz nehmen? Vorausgesetzt, dass Cervantes überhaupt der Schöpfer zu nennen ist und dass seine Figur als sein ewiges Eigentum anzusehen wäre, was nicht der Fall ist. Ich meine, die Figuren, wenn sie erst einmal wirklich auf der Welt sind, haben ein Eigenleben, sie wandeln sich, sie wachsen sogar noch. Dann gibts eine Figur beim Cervantes, der ich ein Eigenleben wünschte. Pass auf, das geht dich an, denn es ist der einzige Jude, der in allen Werken Cervantes auftritt. Beim Kadi, nämlich in der „Geschichte vom grossmütigen Liebhaber" tritt ,,ein Tschausch, das heisst ein Türhüter ein, und meldet, es sei ein Jude vor der Zeltpforte, der eine wunderschöne Sklavin zu verkaufen habe". Du erinnerst dich vielleicht, es ist die kostbar und prachtvoll in Berbertracht gekleidete Sizilianerin, die von den Mauren entführt wurde und um die dann die türkischen Herren und die christlichen Gefangenen die ebenso romantische wie blutrünstige Intrige spinnen, bis endlich der grossmütige Liebhaber Ricardo sie heimführen darf. Nun, der Tschausch geht hinaus und kommt sogleich „in Gesellschaft eines ehrwürdigen Juden" wieder, der die Sizilianerin Leonissa an der Hand führt. Ueberrascht und entzückt befahlen der Kadi und die beiden Paschas dem Juden, er möge die Sklavin das Gesicht enthüllen lassen, worauf alle Anwesenden, die Türken wie ihre Sklaven, von der „Gewalt der Liebe" entflammt sind' und den Juden, ohne ihn weiter nach Leonissas Herkunft auszuforschen, nach dem Preis fragen. „Der Jude", erzählt Cervantes weiter, „der einen Gewinn nicht verschmähte, antwortete: viertausend Dublonen-, das sind etwa soviel wie zweitausend Taler". Ali Pascha will den Preis sogleich zahlen, Hassan Pascha erst recht, um Leonissa dem Sultan zu schenken, was, wie er einwirft, auch Alis Absicht wäre, sie streiten, der Kadi tritt schlau dazwischen, worauf jeder von den beiden Paschas dem Juden zweitausend Dublonen zahlt. Der Jude erklärt, Leonissas Kostüm mit all seinen Kostbarkeiten und Perlenschnüren sei nicht inbegriffen, und der Kadi zahlt selbst ^noch zweitausend Dublonen drauf, denn „es schien allen, der Jude sei im Preis, den er für ihr Kostüm forderte, noch massig".- Das ist alles, was Cervantes von dem Juden berichtet: dass er ehrwürdig in seiner Erscheinung und massig in seinem Handel ist. Leonissa. das Objekt des Handels, gesteht später dem Ricardo noch einiges: Der Jude sei „ein sehr reicher Kaufherr", importiere Waren aus der Berberei nach der Levante, und zwar Stoffe, „mit denen die Juden gewöhnlich Handel treiben", offenbar geizig, denn, wie Leonissa gesteht, „allein die Liebe, die mir der Jude selbst gestand, machte ihn freigebig", Aber die Sizilianerin weist ihn zurück wie zuvor den grossmütigen Liebhaber und danach die Paschas und den Kadi. Der Jude beschiiesst also, sich ihrer „bei der ersten besten Gelegenheit zu entledigen", was für mein Gefühl eher für den Besitzer einer so schönen Sklavin spricht, und verschwindet nach dem erwähnten Handelsabschluss für immer aus der Geschichte. Da du nun sagst, die Figuren hätten ihr Eigenleben, so würde mich das des einzigen Juden bei Cervantes fast ebenso interessieren wie das seines oder deines Don Quichotte. .Man könnte versuchen, es sich vorzustellen oder ihm nachzugehen, aber du würdest solch einen Versuch doch gewiss eine Don Quichotterie nennen. Uebrigens meinte ich aber nicht ein auszudenkendes Eigen- oder gar Nachleben, sondern das eigene Sein und Leben des Don Quichotte. Aber in allem, was von dem Juden gesagt ist und was verschwiegen wird, und vor allem in dem denkbaren und notwendigen, wenn auch verschwiegenen Verhalten eines Mannes wie Cervantes zu seinem einzigen Juden, stecken ■doch Motive und Probleme! Du musst bedenken, Cervantes kannte diesen Juden, er kannte die Juden der Berberei und der Levante, er war fünfeinhalb Jahre selbst maurischer Gefangener, was ihn, wie er sagt, ,,Geduld im Unglück lehrte" und damit vielleicht auch Verständnis für „ehrwürdige", „massige", ja sogar geizige und verliebte Juden! Und was für ein Kerl überhaupt! Stolz auf den Verlust seiner linken Hand, die ihm bei Lepanto abgeschossen wurde, eine „Verstümmelung, die er trotz ihrer scheinbaren Hässlichkeit für etwas Schönes hält", und vor allem, wie er dann weiter sagt, „genötigt,

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