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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-10 · 10 (10.3.1938) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
10 (10.3.1938)
Date
1938-03-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 10 .10. März .1937 JÜDISCHE GEHEINDE Seite 1Z 5. Beiblatt C-V.- Zeitung Die jüdische Gemeinde in Offenbach a. M. / Notar a.D. Dr. S. Guggenheim In den Jahrhunderten des Mittelalters und der frühen Neuzeit zog das nahe Frankfurt alles Jüdische aus dem Maingebiet an sich, aber selbst das unweit Offenbachs gelegene Dorf Bürgel weist altere Spuren jüdischer Seßhaftigkeit auf. Offenbach hat erst verhältnismässig spät eine eigene Synagoge und einen eigenen Friedhof erhalten, und etwa ein Jahrhundert hindurch haben die Offenbacher Juden in Bürgel ihre Toten bestattet und ihre Gebete abgehalten. Die nur etwa zwei Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückreichende Geschichte der Offenbacher Gemeinde begann vermutlich im Anfang des 17. Jahrhunderts. Die im Protokollbuch des alten . Offenbacher Schöffengerichts enthaltene Niederschrift eines Judeneids lässt auf eine bereits vorhandene Siedlung von Juden schliessen. Sie wurde stärker, als im Jahre 1614 der bekannte Fettmilch-Aufstand die Juden vorübergehend aus Frankfurt a. M. vertrieb. Die Fliehenden suchten in den Städten und Dörfern der Umgebung Schutz und mitunter eine neue Heimat. Für 1623 ist nachgewiesen, dass der Rosskamm Lazarus Judt in Offenbach gräflich isenburgischen Schutz genoss. Nachdem auch er in der unruhigen Zeit des Dreissigjährigen Krieges zeitweilig hatte fliehen müssen, wurde er 1628 gegen 30 Reichstaler Einzugsgeld und ebensoviel jährliches Schutzgeld wieder in die Stadt auf¬ Synagoge in Offenbach a. M. (Innenansicht) Fot. (2) H. Theiler genommen. Dann aber schweigt die Geschichte längere Zeit. Die bisher nur spärlichen Berichte über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Offenbach haben durch die Auffindung des Offenbacher Memorbuchs eine wesentliche Bereicherung erfahren. Dieses Memorbuch, dessen erste Eintragung aus dem Jahre 1641 datiert, befand sich ursprünglich im Besitze der Gemeinden von Speyer und Hanau. In ihm finden sich auch Eintragungen über die Geschichte dieser beiden Gemeinden, und es darf hieraus wohl gefolgert werden, dass Juden aus Speyer das Buch bei ihrem Zuzüge nach Offenbach mitgebracht haben. Das Offenbacher Memorbuch verbürgt, dass auch in den sechs Jahrzehnten nach dem Einzüge Lazarus Judts Juden in Offenbach gewohnt haben. Aber erst eine am 24. April 1693 ausgestellte Urkunde des Grafen Johann Philipp von Isenburg und Büdingen bezeugt die Neuansiedlung zweier aus Osthofen vertriebener Juden in Offenbach. In dem ihnen ausgestellten Schutzbrief findet »ich die ausdrückliche Bestimmung, das« ihnen zugunsten der früher am Ort ansässigen Juden der Handel verboten sei. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die junge Gemeinde nicht unbeträchtlich. 1702 erhielt die Schäfergasse den Namen „Judengasse", und 1708 wurde eigens eine Judengasse angelegt, die von der älteren „kleinen" als „grosse Judengasse" unterschieden wurde. In diesen Jahren empfing die Offenbacher Gemeinde aus der Hand des Grafen Johann Philipp Statut und Privilegien. Doch das Privileg von 1708 ging verloren, ebenso ein zweites von 1715. Beide finden Erwähnung in einem dritten überlieferten Privilegium von 1719, das 1764 erneuert und in der Urschrift zu den Akten der Offenbacher Gemeinde gegeben wurde, in denen es noch heute erhalten ist. Das Privileg von 1719 bescheinigt, dass „gemeldete Judenschaft zur Aufnahme des Fleckens Offenbach ein Ziemliches beigetragen hat". Etwa ein Jahrhundert hindurch blieben diese Privilegien die Grundlage des jüdischen Lebens der Stadt. Erst von 1803 an, nachdem durch die Bemühungen des Offenbacher Juden Wolf Breidenbach in ganz Deutschland der Leibzoll zu fallen begann, wurde ein Stück nach dem anderen aus dem Gefüge dieser altertümlichen Bestimmungen, die genaue Richtlinien über Synagoge und Friedhof, Rabbiner und Schulkläpper, Vorsänger und „Schulessezer" und vieles andere enthielten, herausgebrochen. 1810. fielen der Sortengulden, die Weinzapf- Akzise, das Musik- und Federlappengeld, später die Hundeverpflegungsabgabe und der Pfarrgulden. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Fürstentum Isenburg mediatisiert und dem Grossherzogtum Hessen einverleibt. Die hessische Verfassung von 1820 und ein Gesetz von 1S40, da6 Juden zu Staatsbürgern erklärte, entzogen den alten Privilegien den Boden. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kam es auch zu einer völligen Neuordnung der Gemeindeverhältnisse. Ein aus fünf Männern bestehender Gemeindevorstand hat in der Zeit von 1S21 bis 1843 die Gemeindeverwaltung nach modernen Gesichtspunkten umgestaltet. Er ordnete das Finanzwesen, vollzog einen Umbau des Schulwesens, schuf eine Friedhofsordnung und trug für die Neugestaltung des Gottesdienstes Sorge. Bei allen diesen Bemühungen stand den Gemeindevorstehern der aus Offenbach gebürtige, im Jahre 1S32 an die Gemeinde berufene Rabbiner Dr. Salomo Form Stecher zur Seite. Die Bedeutung Formstechers in der jüdischen Reformbewegung ist bekannt und bedarf keiner Hervorhebung. Auch als Schriftsteller hat Formstecher sich einen Namen zu machen gewusst. Sein Hauptwerk, „Die Religion des Geistes", das eine wissenschaftliche Darstellung des Judentums nach seinem Charakter, Entwicklungsgang und Berufe in der Menschheit enthält, erschien 1841. Gemeinsam mit dem Rabbiner Leopold Stein gab Formstecher die Familienzeitschrift „Freitag-Abend", ferner die „Israelitische Wochenschrift" heraus. Eine Reihe bedeutender Rabbiner hat vor und nach Formstecher an der Offenbacher Gemeinde amtiert. Von 1707 bis 1750 war der ursprünglich in Frankfurt ansässige Rabbiner Michel Oppenheim er im Amte. Ihm folgten Jecheskel F r e c h t (1750 bis 1752), Ahron S c h 1 o s s (1752 bis 1786), Ansehet Metz (1786 bis 1821) und Gottlieb Metz (1821 bis 1842). Synagoge m Offenbach a. M. Auf Formstecher, der bis 3S89 im Amte war, folgte Dr. Israel G o 1 d s c h m i d t (1889 bis 1919), seither übt Rabbiner Dr. Max Dienemann die Tätigkeit des Offenbacher Bezirksrabbiners aus. Die Bemühungen um die Hebung der kulturellen und sozialen Verhältnisse der Judenheit fanden ihren Ausdruck in zwei Verordnungen, von 1830 und 1841, betreffend „die Bildung der Vorstände der israelitischen Religionsgemeinde und die Verwaltung des Vermögens derselben". Die letzte der beiden Verordnungen ist noch heute ergänzend in Kraft; sie enthält eigenartige, den Zeitströmungen entsprechende Bestimmungen, so etwa die, dass die Vorstandsmitglieder „aus den angesehensten, rechtlichsten und gebildetsten, namentlich auch mit der Kenntnis im deutschen Lesen, Schreiben und in der gewöhnlichen Rechenkunde begabten Mitgliedern der Gemeinde zu entnehmen sind", und zwar aus der höchstbesteuerten Hälfte. Die Verordnungen von 1830 und 1841 wurden dann im Verlaufe der Zeit aufgehoben und durch andere abgelöst. Die Gemeindesatzung „über den Vorstand und die Steuervertretung der israelitischen Gemeinde in Offenbach a. M. von 1932" ist am 21. Mai 1937 dahin geändert worden, dass der Vorstand unter radikalem Bruch mit den bisherigen Gepflogenheiten in Zukunft nicht mehr gewählt wird, sondern sich durch Selbstzuwahl ergänzt. Zur Anlage eines Friedhofs und zum Bau einer Synagoge ist es — wie schon erwähnt — in Offenbach erst spät gekommen. Auf dem Offenbacher Friedhof fand nach einem Bericht des Memorbuches 1709 die erste Beerdigung statt. 1860 musste er wegen Erweiterung des Stadtbauplans und infolge des Baues einer Eisenbahnlinie geschlossen werden. Die Synagoge an der Grossen Marktstrasse und der Hintergasse wurde in den Jahren 1728 und 1729 erbaut. Zwei Jahrhunderte hindurch blieb sie der Mittelpunkt der Offenbacher Judengemeinde. Sie wurde verschiedentlich umgebaut und erweitert, am stärksten im Jahre 1832, als ein Neubau für die Frauensynagoge vorgenommen wurde, um Raum zu gewinnen. Erst 1916 ist ein Neubau errichtet worden, dem sich Räume für Unterricht und Geselligkeit angliederten. Im Anschluss an den Synagogenneubau ist in einem später angekauften Anwesen in der Kaiserstrasse die Jüdische Bezirks s c h u 1 e und die Jüdische Gemeinde b i b 1 i o t h e k unterr gebracht worden. Nahe der alten Synagoge wurde 1751 ein Haus erworben, in dem man das Hospital „für Gebrechliche und Kranke" unterbrachte. 1770 wurde ein benachbartes Hau« als Gemeindehaus hinzugekauft. Unter den Gemeindeeinrichtungea sind die Krankenkasse und das Hospital besonders erwähnenswert. Eine „ältere Männerkrankenkasse" gewährte den Gemeindemitgliedern seit 1750 freie ärztliche und wundärztliche Behandlung, Heilmittel, Krankenwärter und zwei Gulden Unterstützung für die Woche. Diese Männerkrankenkasse besteht noch heute als „kleinerer Verein" im Sinne des Gesetzes über die Versicherungsunternehmen fort. Eine gleichfalls um 1750 gegründete Frauenkrankenkasse, die ähnliche Leistungen gewährte, hat dagegen zu bestehen aufgehört. Das Hospital der Gemeinde ist 1719 zum ersten Male urkundlich erwähnt, ist aber wohl früher gegründet worden. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es aufgelöst, das Gebäude wurde durah! einen Neubau in der Hintergasse ersetzt, der bis zur Einweihung der neuen Synagoge.' Schul- und Verwaltungszwecken gewidmet war. Auch eine Chewra besteht seit alten Zeiten, ihre Satzungen sind aber nur seit 1867 erhalten. Eine gewisse Berühmtheit hat Offenbach auf dem Gebiete des Druckereigewerbes erlangt. Seit 1714 wurde dort mit hebräischen Lettern gedruckt. Da die Errichtung hebräischer Druckereien in Frankfurt a. M. nicht möglich war, mussten sich die Frankfurter Juden mit niehtjüdischen Druckereien ausserhalb Frankfurts in Verbindung setzen. So erlangten Officine wie Hanau, Homburg v. d. H., Rödelheim und Offenbach ihre Bedeutung. Seligmann Reis und sein Sohn Hirz Reis brachten 1714 mehrere jüdisch-deutsche Drucke heraus, so die Historie vom Ritter Sigismund, die Geschichten von Floris und Blanche Fioeur, von König Artus' Hof und manches andere mehr. 1719 begann Israel ben Mose seine Tätigkeit in der Druckerei des Bonaventura de Launoy, aus der eine grosse Zahl grammatischer, ethischer und halachischer Werke hervorging. Um 1767 druckte Hirsch Spitz aus Pressburg mit seinem Sohn Abraham in Offenbach. Diese Druckerei OFFENBACH wmssm JHadehaus Stein ■«! 1!nh. Rose! Stein I 1 Frankfurter Strasse 31 g GEBR. DONYI Kleiderstoffe, Herrenstefffe, Wäsche 1 bekannt für gut und billig | Berger & Schmelzer Herrenu. Knabenkleidung Offenbach — Hanau Läwenbergera Scheuer Feinleder für Portefeuilles-Zwecke r > StcaußsSckuhe jp.ce.Uwzd und schön EfKIMO-lchuhfabrik Albert Levy & Co., Offenbach a. Main Hersteller von: Kamelhaarhausschuhen Lederhausschuhen Sandaletten Nathan Meyer G.m.b.H. Feinleder für Portefeuillezwecke C.-T.. Zeitung Ihr Borater REUE^ÖRO l ■11 Jk^aM H%1 i|jsäw. ft^^H MWii;MM J itifTOa^a» B^B^aBaBSi^^^^^Hj B^B^aVBnBHBlMfcbfcMl^ ~^B^H S. Wolf Manufaktur- und Weisswaren Frankfurter Str. 17 Heisch & Gumb Offenbach/Main ^. J für Sommer und Winter M fl j M. & S. GOTTLOB j 1 feinteder für Portefeuillezwecke I 1 HOSPITAL-DROGERIE 1 ■ Ititi. E. 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