Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 9 (3.3.1938)
- Date
- 1938-03-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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TL.. Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitnng " Personen-Hafen Tel-Aviv Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter . Tel-Aviv, Ende Februar 1938. In der Entwicklung des jungen Hafens von Tel-Aviv ist ein wichtiger Schritt nach vorwärts getan worden. Nachdem die Anlagen allmählich soweit ausgebaut worden waren, dass Güter aller Art ein- und ausgeladen werden konnten, wurden nunmehr auch die notwendigen Einrichtungen für den Personenverkehr geschaffen. Die amtliche Genehmigung für die Aufnahme des Personenverkehrs wurde zunächst nur für Touristen — palästinensische und auswärtige — erteilt für die Ausbootung von Einwanderern muss erst noch die Quarantänestation auegebaut werden, doch hofft man, auch diese Arbeiten im Laufe des kommenden Monats beenden zu können. Die Einweihung sollte ein besonderer Festtag für Tel-Aviv werden. Die amtlichen Gebäude sowie die meisten Autos trugen Flaggenschmuck, das Gebäude der Stadtverwaltung war mit symbolischen Schildern verziert und auf dem zentralen Platz der Stadt ragte ein Schiffsmast mit blauweissem Wimpel, dessen Taue mit Glühbirnen besetzt waren. Der jüdisch-palästinensische Dampfer „Har Zion" sollte als erster zur Ausbootung von Passagiere anlegen. Aber das Wetter störte die Durchführung des Programms. Am Vortrage des Festes erhob sich ein von Regen und Hagelschauern begleiteter Sturm, der sowohl in Tel-Aviv wie in Jaffa zur Einstellung der Arbeiten zwang. So musste die Einweihung ohne Schiffe und ohne Passagiere, gleichsam nur sinnbildlicherweise durchgeführt werden. Trotzdem strömten Zehntausende von Menschen zur festgesetzten Stunde zum Hafen, die Spitzen der jüdischen Behörden sowie die Konsuln fremder Mächte waren anwesend und um halb zwölf Uhr erschien der High Commissioner, um persönlich die neuen Anlagen einzuweihen. Der neue Abschnitt in der Geschichte des Hafens stelt auch neue finanzielle Anforderungen an die Hafengesellschaft und so wurde dieser Anlass benutzt, um in einer gross angelegten Aktion für die Zeichnung neuer Hafenaktien zu werben- Einige Zahlen mögen die bisherige Entwicklung des kaum zwanzig Monate alten Hafens veranschaulichen. Im Jahre 1937 betrug der Güterumschlag 125 000 Tonnen, die Zahl der ■beschäftigten Arbeiter und Angestellten rund 1500. Das bedeutet: Wenn es gelingt — und das Gelingen liegt durchaus im Bereich der Wahr- Tel-Aviv, Februar 1938. Ueberbliekt man die .schweren Sorgen und Kampfe der Stunde, so könnte es auf den ersten Blick als eine Uebertreibung erscheinen, wenn man trotz alledem an der Behauptung festhält, dass sich — im Grossen gesehen — das Wachstum der palästinensischen "Wirtschaft zwar erheblich verlangsamt hat, dass aber weder von einem Stillstand noch gar von einem Rückschritt die Rede sein kann. Aber der Widerspruch klärt sich schon weitgehend auf, wenn man sich erinnert, dass die Prosperity zum guten Teil eine Aufbau- und Baukoniunktur war und dass jetzt gerade die Wirtschaftskreise, die mit der Bau- und Investitionstätigkeit zu tun hatten, am schwersten unter der Krise leiden. Das zeigt auch die neue- Arbeitslosenstatisti.k von Tel-Aviv, die gerade in der letzten Woche einen betrüblichen Rekord zu verzeichnen hatte. Zum ersten Mal hat die Zahl der Arbeitsuchenden, die auf den Arbeitsämtern der Histadruth eingeschrieben sind, die Grenze von- Zweitausend überschritten und zusammen mit den Arbeitslosen anderer, kleinerer Organisationen sowie mit denen, die sich nirgends haben eintragen lassen, wird die Gesamtzahl der Arbeitslosen auf etwas über dreitausend veranschlagt, wozu — als Halberwerbslose — noch etwa dreitausend Kurzarbeiter hinzuzurechnen sind.. Aber in Tel-Aviv ist die Arbeitslosigkeit absolut und prozentual weitaus am stärksten, nicht nur, weil es die grösste jüdische' Siedlung des Landes überhaupt fei, sondern weil es seiner Struktur nach die Krise vielleicht am deutlichsten spürt, wie es ja auch die Prosperity stärker ausgenutzt hat als andere Städte. Gegenwärtig ist auf dem Lande der Arbeitsmarkt, infolge der Orangen ernte, in der „guten Saison", und in den Städten des Landes hat sich die Konjunktur in flacheren Kurven bewegt. Dreitausend Arbeitslose in Tel- Aviv dürfte höchstens fünftausend Arbeitslose im ganzen Lande bedeuten, bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung von mehr als 405 000 Seelen mit ausserordentlich hohem Anteil der berufstätigen und berufsfähigen Altersstufen kein allzu hoher Prozentsatz, wenn man . internationale Krisenmassstäbe anlegt Aber hoch genug ist die Zahl für ein Land, das sich feiernde Hände weniger leisten kann als irgend ein anderes und — das keinerlei Versicherung oder sonstigen Schutz gegen Arbeitslosigkeit kennt Und noch ein anderer Faktor ist zu beachten, der Belastung und Entlastung zugleich darstellt Nicht alle Arbeitslosen der Statistik stammen aus der Arbeiterschaft Vielmehr hat an diesen Ziffern eine.gewisse Proletarisierung des Mittelstandes einen erheblichen Anteil. Allein im letzten Monat haben sich etwa fünfhundert Menschen, denen ihre selbständige Existenz als Handwerker, Agent oder Kleinhändler gescheitert ist oder die erst den Aufbau einer echeinlichkeit —, und wenn sich nach dem Programm von Generaldirektor Hoofjen von der Anglo Palestine Bank der Hafenverkehr in Tel- Aviv verdoppelt, dass ungefähr ein Viertel der Arbeitslosen, die in einem besonders ungünstigen Zeitpunkt gezählt worden sind, wieder in den Arbeitsprozess eingeschaltet werden könnte. Bisher wurden im Hafen rund 250 000 LP investiert, die restlos vom jüdischen Palästina aufgebracht worden sind. Man denkt jetzt daran, auch gewisse Kreise der Diaspora für diese Anlage zu interessieren und vor allem die Regierung, die im . letzten Jahre' aus dem Hafen von Tel-Aviv 200 000 LP Einnahmen erzielt hat, wenigstens zu den in den anderen palästinensischen Häfen üblichen Rückerstattungen zu veranlassen, ganz abgesehen davon, dass der Staat für den Ausbau des Konkurrenzhafens von Jaffa erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt hat, für Tel-Aviv aber bisher nichts. Die Aufnahme des Personenverkehrs bedeudet jetzt, dass Tel-Aviv auch verkehrstechnisch das wird, was es-' allgemeinwirtschaftlich und soziologisch schon lange ist: Das Bingangstor für einen erheblichen Teil der Ali ja. Gewiss sind noch Schwierigkeiten zu überwinden und Probleme zu lösen. Eine angemessene Rückerstattung der von der Regierung erhobenen Gebühren würde auch eine Verbilligung der allgemeinen' Hafengebühr ermöglichen und damit Tel-Aviv konkurrenzfähiger machen. Auch die Verhandlungen um den Posten des Kafendirektors, die leider einen stark parteipolitischen Einschlag bekommen haben, und die damit zusammenhängenden organisatorischen Fragen harren noch der endgültigen Entscheidung. Dem High Commissioner, der sich bei dieser Gelegenheit von der Stadt Tel-Aviv verabschiedete, ist es hoch angerechnet worden, dass er trotz der. bekannten politischen Schwierigkeiten dem Tel-Äviver Hafen gegenüber eine verständnisvolle Loyalität bewiesen und dem jungen Werk einen fairen Start gegeben hat. Das endgültige rechtliche Verhältnis des Hafens zur Regierung muss freilich noch geklärt werden. Am gleichen Tage legte der High Commissioner auch den Grundstein zu der neuen Brücke über den Jarkon, welche die Stadt mit dem neuen Ruthenberg-Elektrizitätswerk, der Lord-Reading-Kraftstation, verbindet und die den Namen „Wauchope-Brücke" tragen wird. solchen Existenz vergeblich versucht haben, als Arbeitsuchende eintragen lassen. Derbekannte Publizist Klinow, der diese Verhältnisse im „Haarez" einer eingehenden Analyse unterzieht, weist übrigens darauf hin, dass sich die Einwanderung aus Deutschland und aus den orientalischen Ländern auf dem Arbeitsmarkt verhältnismässig als krisenfester erwiesen hat, als die grösste Einwandererschicht, die polnischen Juden. Die Anspruchslosen, an ein hartes Leben gewöhnten Orientalen nehmen jede Gelegenheitsarbeit an und haben so manche Möglichkeit zu kleinen Nebenverdiensten, auch während sie — mit Recht — als stellungslos in den Listen des Arbeitsamtes erscheinen. Unier den Juden aus Deutschland dagegen gibt es verhältnismässig zahlreiche Menschen mit guter Ausbildung und Erfahrung in bestimmten Spezialbenifen, die sich eben dadurch auch im verschärften Konkurrenzkampf der Krise einigermassen behaupten konnten, unddann ist ja der Anteil der Einwanderer, die einige Reserven mitgebracht haben, in dieser Schicht besonders-gross. Immerhin wird man diese Feststellungen, nicht allzusehr verallgemeinern dürfen. Die Einwanderer aus Deutschland haben weder in Berufswahl noch in Kapitalanlage immer ein besonders glückliche Hand gehabt. In manchen solchen Notfällen, mit denen man beruflich oder privat zu tun hat, ist man nicht nur über das traurige Einzelschicksal erschüttert, sondern auch über die Ahnungslosigkeit und Inkonsequenz, mit denen hier ein so schwieriges Problem wie die Einordnung in Palästina angegriffen wurde. Selbst wo Zeit und Mittel vorhanden waren, wurde auf das Erlernen der Sprache und auf das Studium der Landesverhältnisse, auf Vervollliommnung der beruflichen Ausbildung und auf Erforschung der beruflichen Möglichkeiten nicht immer die erforderliche Energie und Aufmerksamkeit verwandt Man glaubte, mit dem Vorhandenen auskommen' zu können und oft fehlte es sogar an der erforderlichen Selbstkritik, um erkennen zu können, wie verzweifelt wenig das war. Diese Feststellungen mögen hart und ungerecht klingen und sicher sind sie nicht zu verallgemeinern. Ebenso sicher aber ist es, dass ein Teil der Krisenopfer vermeidbar gewesen wäre, wenn nicht bei vielen Leuten — selbst solchen, die in der alten Heimat ihren Platz gut ausgefüllt haben. — die wirtschaftlichen Ueberlegungen hier so erstaunlich primitiv gewesen wären, wenn nicht der Nachahmungs- oder Beharrungstrieb stärkeren Anteil an der Wahl des Berufes und der Branche gehabt hätten, als eigene Prüfung und selbständiges Urteil, wenn nicht mancher sich darauf verlassen hätte, „es würde schon so weiter gehen", nämlich ohne die Sprache und ohne eine neue Lehrzeit auf manchen Gebieten. Dieses ist eine der härtesten Lehren dieser Krise, aber vielleicht auch eine ihrer fruchtbarsten und es wird an den kommenden Einwanderern liegen, aus ihr Nutzen zu ziehen. Selbstverständlich kann ein solches subjektives „Verschulden" nur im Einzelfall zur Erklärung herangezogen werden. Weit stärker, ja ausschlaggebend sind die objektiven, allgemeinen Umstände für die gegenwärtige Lage verantwortlich, und unter diesen allgemeinen Umständen haben wir wieder zwei Gruppen zu unterscheiden: Wirklich objektive Faktoren, force majeur, die zum mindesten die Judenheit Palästinas nicht ändern kann, und Fälle „kollektiven Verschuldens", das heisst Mängel der Wirtschaftspolitik in der Selbstverwaltung und Selbstdisziplin, in denen der Jischuw und seine Organe Wandel schaffen könnten. Einer der stärksten ganz objektiven Faktoren aber ist die Preisschere, die sich gegenwärtig zu Palästinas Ungunsten geöffnet hat. Der strenge Theoretiker wird im heutigen Palästina eines der wichtigsten und üblichsten Krisensymptome vermissen: Den Preisrückgang- Und der Wirtschaftspolitiker wird diese Erscheinung noch mehr bedauern als der Wirtschaftstheoretiker, denn, genau wie das Fieber im menschlichen Körper, ist der Preisrückgang ja nicht nur ein Krankheitssymptom, s.d.. .. er bahnt zugleich wieder den Gesundungsprozess an. In Palästina aber sehen wir — im grooen Dureiischnitt — steigende Preise und sinkende Löhne. Beide Bewegungen halten sich in verhältnismässig engen Grenzen. Aber schon die blosse Tatsache eines solchen Gegensatzes verschärft den Druck auf den einzelnen, beeinträchtigt die Massenkaufkraft und erschwert damit die Wiederausweitung der Produktion. Während der Prosperity war alles teuer, was n u r in Palästina — und auch hier nur in begrenztem Umfang — zu haben war, in erster Linie Boden und Arbeitskraft. Aber den grössten Teil der Investitionsgüter und der Lebensmittel, Eisen und . Butter, Maschinen und Anzugstoffe, importierten wir, und die Importgüter waren billig, weil in den wichtigsten Industrie- und Agrarländern der Welt damals eine wirtschaftliche Depression herrschte. Jetzt ist im Ausland Konjunktur und in Palästina Krise oder Depression — die Gelehrten sind sich nicht ganz einig. Die inlandgebundenen Preise und Kosten gingen in der Tat zurück, insbesondere die Löhne und die Mieten, obwohl diese noch immer einen unverhältnismässig hohen Teil eines angemessenen palästinensischen Durchschnittseinkommens beanspruchen. Auch in den Saison- und Inventurausverkäufen, die diesmal besonders zahlreich und besonders gut organisiert sind, sowie in den gelegentlichen Liquidationsverkäufen — auch diese, obzwar nicht allzu häufig, ein Zeichen der Zeit — kann man recht vorteilhaft einkaufen. Aber alle Einfuhrwaren, die noch immer mehr als die Hälfte unserer gesamten Warenversorgung bestreiten, haben sich gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 18 Prozent verteuert, und auch im Zinsfuss ist, entsprechend dem verminderten Kapitalimport und der verminderten Anlagelust des privaten Kapitals, keine Entlastung zu verspüren. Der hohe Preis aller Investitionsgüter — sowohl der Maschinen wie des Geldes — sowie der Rohstoffe und der zahlreichen sonstigen Waren, die wir aus dem Ausland beziehen müssen — steht natürlich in einem Widerspruch zu der verminderten Massenkaufkraft, die an sich ein billiges Preisniveau erfordern würde. Die bescheidene Senkung der Lebenshaltungskosten, die sich im Dezember anzubahnen schien, dürfte inzwischen durch die Erhöhung der Fleisch- und Brotpreise wieder wettgemacht worden sein. Und gerade die Tel-Aviver Brotpreiserhöhung ist nach allgemeiner Ansicht ein Schulbeispiel für Wirtschaftseinflüsse, die nicht widerstandslos hingenommen zu werden brauchten, bei denen es sich um ein „kollektives Verschulden" oder wenigstens um kollektive Unterlassungssünden handelt. Die Stadtverwaltung bat daher auch bei der Regierung den Antrag gestellt ibr denErlass und die Durchführung einer Preis-Ueberwachungsverordnimg zu erteilen. Und ganz allgemein sind in Industrie und Landwirtschaft eifrige Bestrebungen im Gange, um durch bessere Marktordnung die Verteilungs-' kosten zu senken und trotzdem den Erlös des Erzeugers auf angemessener Höhe zu halten. Obwohl all diese Spannungen und Widersprüche auch auf manchen Gebieten der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion Rückgänge gebracht haben, hat sich das Gesamtvolumen der jüdischenProduktion in Palästina behauptet, und die vereinzelten Stillegungen oder Liquidationen sind durch Neugründungen mehr als kompensiert worden. Die Einfuhr war, selbst unter Berücksichtigung der Preisveränderungen, annähernd ebenso gross wie im Vorjahr, und die Gesamtsumme der jüdischen Investitionen im Jahre 1937 wird auf rund sechs Millionen LP veranschlagt, ein deutliches Zeichen dafür, dass keineswegs nur die laufenden Ergänzungs- und Erneuerungsinvestitionen vorgenommen worden sind, sondern darüber hinaus neue Siedlungen, neue Werke und neuer Wohnraum geschaffen wurden. In planvollem Zusammenwirken der zentralen Instanzen und der grossen Finanzinstitute isteine rationellere Kapital- und Kreditverteilung angebahnt worden. Man verkleinert die gegenwärtigen Sorgen und Probleme keineswegs, wenn man feststellt, dass die palästinensische Wirtschaft zwar vielfach seltsame und dem Europäer ungewohnte Wege geht, dass sie aber gerade in dem letzten Jahre ihre Widerstandsfähigkeit und ihre Aufnahmefähigkeit erneut bewiesen hat. Trotz aller Reibungen und aller äusseren Störungen konnte der Aufbau fortgesetzt werden, trotz allem haben beute mehr jüdische Menschen Arbeit und Brot als vor dem Ausbruch der Unruhen. Viele von ihnen haben bitter schwer zu kämpfen, im wörtlichen und im wirtschaftlichen Sinne. Die Wirtschaft allein wird auch kaum imstande sein, einen entscheidenden Wandel herbeizuführen. Vielmehr rückt, wie in allen Ländern, auch hier das nationale Kapital, in erster Linie die beiden zentralen Fonds, in den Vordergrund. Obwohl in letzter Zeit aussichtsreiche Versuche unternommen worden sind, auch die Mandatsregierung wirtschaftspolitiscb zu aktivieren, und der neue Wirtschaftsberater des High Commissioners das bisher noch völlig fehlende Wirtschaftsministerium M. M.WARBURG&CO. GEGRÜNDET 1797 HAMBURG PER Dl NANDSTR. 75 BERLINER EURO: TS EROART EN STR. Sb der Palästina-Regierung ersetzen soll, so liegt doch die wirtschaftspolitische Verantwortung für den jüdischen Sektor zum guten Teil bei den jüdischen Stellen. Sie müssen freilich zum grossen Teil durch Geld ersetzen, was ihnen an politischer und administrativer Macht noch versagt ist, und gerade deshalb sind die erhöhten Einnahmen der Fonds sowie die neuen Anleihen für die Städte Tel-Aviv, Haifa und Petach Tikwah so besonders wichtig für eine zielklare jüdisch-palästinensische Wirtschaftspolitik. 300154 jüdische Einwanderer. in achtzehn Jahren Die Jewish Agency veröffentlichte statistische Aufstellungen, aus denen zu ersehen ist, dass in den letzten achtzehn Jahren 300 154 Juden nach Palästina einwanderten. Von diesen kamen 175 000 während der letzten fünf Jahre in das Land. Von 10 537 Juden, die im Jahre 1937 nach Palästina einwanderten, gehörten 21 % der Kapitalistenkategorie an. Kleine politische Nachrichten Auf dem einzigen nicht remjüdiscben Teil der Chaussee Tel-Aviv—Haifa, in der Nähe von Atlit, wurden mehrere Autos beschossen; ein englischer Militärarzt wurde getötet, eine in demselben Wagen fahrende Schwester vom englischen Militäriazarett in Jaffa sowie ein jüdischer Chauffeur wurden verwundet. Polizei und Truppen haben mehrere grössere Aktionen unternommen. Das Dorf, in das die Spuren der Mörder führten, wurde mit einer schweren Kollektivstrafe belegt, einige Häuser, die von den Polizeihunden besonders verbellt worden waren, wurden zerstört eine bewaffnete Bande zersprengt. In der Oeffentlichkeit wird aber nach wie vor der Standpunkt vertreten, dass wirklich durchgreifende Erfolge nur zu erzielen sind, wenn die Nordgrenze Palästinas so stark gesichert wird, dass Waffenschmuggel und Uebertritte bewaffneter Scharen unmöglich werden. Angeblich soll jetzt ein elektrisch geladener Stacheldrahtverhau errichtet werden. * Bei der allgemeinen Hypothekenbank befindet sich ein Programm in Bearbeitung, das j'n der bevorstehenden Bausaison die Bereitstellung von 60 000 LP zur Errichtung von 300 Wohnungen vorsieht. * Als Nachfolger des verstorbenen Dr. L u r i © wurde der Direktor und Mitgründer des Herzl- Gymnasiums, Dr. Mossinsohn, zum Leiter des Erziehungsdepartements des Waad Leumi, der obersten jüdischen Schulbehörde, ernannt. * „Wir ziehen in das Land". Am Sonntag, dem 27. Februar, veranstaltete 'die Jugendalija eine Abschiedsfeier für 150 Jugendliehe, die wieder zur Alija gehen. Dr. Max Grünewald verabschiedete die Jungen und Mädel in einer kurzen Ansprache und versuchte ihnen die grosse Chance GetacMofleK°~l noch einmal vor Augen zu führen, die allen Menschen gegeben ist, deren Wanderungsziel mit ihrer Weltanschauung und ihrer Erziehung übereinstimmt. Der Chor der Jugend-Aiija-Schule und der Sprechchor der Theodor-Herzl-Scbule brachten den Zuhörern den Geist der Auswandemden nahe, während die Jugend-Alija-Ausstellung. die den Besuchern des Kulturbundtbeaters während des Monats März zugänglich sein wird, ein Bild der Leistungen zu entwerfen sucht, die aus diesem Geist bisher entstanden sind. — r. * Palästina-Pavillon auf der New-Yorker Weltausstellung 1939. Auf der im Jahre 1939 in New-York stattfindenden Weltausstellung wird Palästina mit einem eigenen Pavillon vertreten sein. Schon jetzt werden die Vorbereitungen getroffen, um eine entsprechend reichhaltige Darstellung des palästinensischen Lebens und der palästinensischen Wirtschaft in der Schau zu gewährleisten. * Zn dem Aufsatz von Hans Lamm ,.Vora Werden eines Jagenddorfes" in Nr. 2 der C.-V.-Zeitung wird auf die Feststellung Wert gelegt, dass die gesamte Innenwie Aussenpianung^des Kfar Noar von Architekt Ing. Ben-Uri (Wasbutzki) vorgenommen wurde. Weizmann „Reden und Aufsätze" 1901 bis 1936. Wie uns der Jüdische Buchverlag Erwin Löwe mitteilt, hat er die Rechte an obigem Werk "für Deutschland erworben und wird das Buch in bester Ausstattung am 1. April 1938 herausbringen. Das Buch wird einen Umfang von etwa 324 Seiten haben. Wir haben dem bedeutsamen Werke bereits eine eingehende Besprechung gewidmet. (V<rl. „Zwanzig Jahre", C-V.-Ztg.» Nr. U vom i. Nov. 1937.) Widerstandsfähige Wirtschaft Von unserem '-Palästina-Berichterstatter