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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-03 · 9 (3.3.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
9 (3.3.1938)
Date
1938-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVII. Jahrgang / Nr. 9 Berlin, 3 März 193S Preis 10 Pfennig ALL6EN EINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, "Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emser Str. 42. Fernspr.: 928141-45. Telegr.-Adr.: Centralglanben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin *0o44, Prag 7<218, Zürich VI Ii 26363. Bankkonto: Gebr. Arnhoid, Berlin W8. Die C.-V.-Zeitang erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschlass: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Znsteilung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis Vierteljahr], 81 Rpf. (einschl. 22,74 ßpf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährl. 2,30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einsohl. Zustellgebühren Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höh. Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlief, od. Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebhhren: Preisliste 6 gültig. Ue 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preisl. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszabl. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. MeTwf mmd Bildung ' A. H. Es gibt termingebundene Probleme. Sie bestehen als solche zwar immer und ohne Unterbrechung. Aber nur zu bestimmten Zeitpunkten treten sie in den Vordergrund des Bewusstseins und Handelns. Niemals hören die Fragen der Berufswahl für unsere Jugend, die Fragen nach der Bedeutsamkeit der Bildung für sie auf. Aber um das Datum der Schulentlassung herum beschäftigen sie uns besonders. Und je ausschlaggebender unsere Antwort für das Schicksal unserer jungen Generation, für die Aussichten ihres Zukunftsweges ist, um so verpflichtender wird für uns der Zwang, uns Klarheit über die Voraussetzungen und die Zielsetzung zu verschaffen. Früher fand man viel häufiger die Wortsusammenstellung „Besitz und Bildung" als „Beruf und Bildung". Der Zusammenhang bedarf nur kurzer Beleuchtung. Es herrschte die Auffassung, dass es von den materiellen Möglichkeiten abhänge, ob man Bildung erwerben könne. Bildung erschien als ein käuflicher Faktor, gleich den. übrigen bezahlbaren Gütern des Lebens. Aber schon die Vorstellung vom „gebildeten Menschen",zielte auf eine sehr wesentlich andere Erscheinung hin. Hier war keine" mechanische Verbindung von Mensch und Bildungsstoff mehr gemeint, sondern eine Durchtränkung und Durchdringung des Menschen mit lehrbarem Geistesgut. Erschien Bildungsbesitz als ein fast nach statistischen Massstäben auf Menschen inmitten einer bestimmten Gruppe errechenbares Quantum, war er also Ausdruck der Möglichkeiten einer Gemeinschaft, die ihre Struktur nach allgemeinen Massstäben bestimmen liess, so war der „gebildete Mensch" immer Individualität. Wie viele es innerhalb einer bestimmten Gruppe gab und gibt, hing kaum von deren gruppenmässigen Voraussetzungen ab. Der Ueberfluss an hervorragenden Spezialisten und der Mangel an Persönlichkeiten mit umfassendem Blick ist ein Charakteristikum^ jener Epoche, in der ein „gebildeter" Beruf sozusagen bezahlt werden konnte. Die Gruppenvoraussetzungen innerhalb unsrer jüdischen Gemeinschaft haben sich in den letzten Jahren auch für das Problem von Bildung und Besitz umgestaltet. Besitz als Bildungsvoraussetzung ist seltener geworden, und selbst v/o er besteht, liegt es seltener in der Möglichkeit der Besitzenden, den vorher normal - entsprechenden Bildungsverlauf sicherzustellen. Die Berufswahl muss daher aus dem zu bewältigenden Lebensweg der Jungen und nicht aus dem Erfolgsbestand der Alten abgeleitet werden. Wo die Vermögenssubstanz der Eltern kaum je in der Lage ist, Versager In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Vor der Berufsentscheidung mit Beiträgen von Hannah Karminski und Dr. Ernst G. Löwenthal Die Aufsätze: Leo Hirsch: Josef Popper - Lynkeus — Dr. Immanuel Bentfeld:. Hundert Jahre Zunz-Blbel — Romane des Lebens mit Beiträgen von Dr. Hugo Lachmanski, Hans Oppenheimer, Dr. Ernst Reichmann, Käte Wienskowitz Die Beilagen: Wirtschaft der Woche — Sportblarr — Buch und Kunst — Palästina - Umschau I Tr" Buc in der Entscheidung der Jüngeren zu berichtigen, mindert sich, das Einfiussrecht der. Aelteren auf den Bildungsweg und wächst die Ernsthaftigkeit der Berufsentscheidung. Nicht der zurückgelegte Bestand der Eltern, sondern die vorzuweisende Fähigkeit der Jungen bestimmt die Lebenschance. Aber der Beruf als Voraussetzung der Zukunft und nicht als Nebenprodukt einer materiellen Situation ist darum auch mit anderen Augen zu betrachten als zuvor. Der durchschnittliche Mensch wuchs in eine ihm gemässe durchschnittliche Berufssituation hinein. Der Beruf war seine öffentliche Sphäre, die Bildung seine private. Die Individualität hat neben der durchschnittlichen Erscheinung seine Berechtigung. Der Genius fügt sich keiner Statistik, aber die geformte Persönlichkeit ist das Produkt eines gesellschaftlichen Zustandes. Der uomo universale, der Mensch, den umfassendes Wissen nicht aus seiner Persönlichkeit hinausdrängte, sondern mit ihr zur Einheit veFwuchs, ist nurin einer Zeit vorstellbar, in der die Elemente seines Seins auch die Grundstoffe einer ganzen Schicht bedeüien. Nun zerfällt die Gruppe unseres Judentums hier. Von allem Materiellen abgesehen: allein die Tatsache, dass es in einer Fülle von Betätigungen keine Nachfolge gibt, reicht hin, um die Berufs- und Bildungssituation zu verändern. Und es vollzieht sich, unter dem Gesichtspunkt der Berufsausübung ausserhalb des Bereiches der Berufs Vorbereitung, der Vorgang, dass zwar die Gemeinschaft als solche auf die Berufsentscheidung ihres Nachwuchses Einfluss nimmt, dass deren Verwirklichung sich aber ausserhalb ihrer Reihen vollziehen wird. Der einzelne soll sich draussen durchsetzen, während die Voraussetzungen für den Lebensgang von der Gemeinschaftserwägung her bestimmt werden. Hier ergeben sich die Grenzen der Befugnis, aus der Situation hier eine Art Vorsehung spielen zu wollen für die Verwirklichung draussen. Was man jetzt häufig beobachtet, ist die Pflege einer Berufswahl, die inmitten einer bestehenden, vielgestaltigen Gruppe vertretbar wäre, die aber nicht ohne Bedenken akzeptiert werden darf, wo die Menschen als einzelne in eine vielgestaltige, fremde und nicht als Gruppe in eine vorbestimmte Gemeinschaft ziehen. Der Zusammenhang von Beruf und Bildung muss somit neu gesehen werden. Und da aus materiellen Gründen — auch die Zeit rechnet hierher — kein Nacheinander in der Durchführung der Berufs-. Vorbereitung und der Persönlichkeitsbildung zulässig erscheint, muss die Qualität der Beruf svorbreitung nach der Bildungsseite hin gesteigert werden, soweit die geistige Aufnahmefähigkeit der Jungen und die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinschaft reichen. Aus den Ausbildungsstätten hört man immer wieder von Jahr zu Jahr verstärkt die Klage über den Niveauschwund der in die Berufsvorbereitung tretenden Jugend. Es gibt vielfältige Begründungen hierfür, aber keine Entschuldigung/In der Art und Weise, wie unsere jüdische Jugend während der Schuljahre „gebildet" wird, müssen Mängel enthalten sein. Es wird kein Vorwurf erhoben, dass stoffliche Lücken vorhanden sind, die aus der Struktur der Schule und der finanziellen Engnis entspringen. Aber dass die Mehrzahl der jungen Menschen kein Verhältnis mehr zur Bildung als Persönliohkeitsvoraussetzung hat und so oft die Berufsvorbereitung als Austrittsbillett aus der westeuropäischen Kultur ansieht — um ein berühmtes Wort zu variieren —, das kann nur zu einem Teil an den Jungen liegen. Daran tragen viel stärker die Aelteren, Eltern und Lehrer die Schuld. Die unterbewusste Vorstellung, dass all die Arbeit ohne Zukunft hier ist, führt dazu, dass ihr Sinn für eine Zukunft schlechthin vermindert wird. Die Gruppensituation der Judenheit hier schwächt die Lebenstüehtigkeit des Individuums für draussen. Auch ein Primitivitätskult, der meint, dass der Aufbau eines in eigenen Grenzen zu formenden füdischen Volkstums durch Bildungsballast nur kompliziert werden könnte, muss abgelehnt werden. Nur ein jüdisches Volk, das aus eigenem Denken zur Leistung und zum Opfer befähigt ist, wird einen jüdischen Staat oder eine staatsähnliche jüdische Gemeinschaft aufbauen können. Und was sogar für die am stärksten nach Gemeinschaftsgesichtspunkten auszurichtende Erziehungsarbeit, die für Palästina, gilt, erzwingt für die ausserpalästinensische Wanderung . um so kräftigere Berücksichtigung. Man erinnere sich der wenig erwünschten Nachwirkungen, die jüdische W7anderungen herbeiführten, deren Träger zu deutliche Niveauunterschiede gegenüber dem Standard der Einwanderungsländer aufwiesen. Wir werden durch Minderleistung bestimmt nicht di« Widerstände vermeiden, die manche durch Qualitätsleistung zu wecken befürchten. [ii!iii:!iiiiii!ii:in:uiin:iiniuiiiii!iiiiii![imi[iiiiiuii!iii!iiiitii!(iiuiii Landesverband Gross-Beriin des Jüdischen C.-V. Der für den 10. März angekündigte dritte Vortragsabend muss wegen Erkrankung . eines Referenten verlegt werden. Der neue Termin wird noch bekanntgegeben. uHiimmmmuimmmimmmmmmmmtummimmmmmmmummimmiummmmm: Wenn manche meinen, es sei unvermeidbar, dass Juden, überall wohin sie gehen, Gefühle einer Spannung erwecken, so wünschen wir jedenfalls, dass diese Empfmduogen erst in letzter Linie solche der Verachtung seien. Dies alles möge von Eltern und Lehrern bedacht werden. . . . * (Weitere Aufsätze zur Berukenlschcidufig: 2. Beiblatt, S. 5 und 6) Die neue Palästmakommission In der Unterhaussitzung vom 28. Februar gab der Kolonienminister Or.msb y- Gore die Namen von drei Mitgliedern der neuen Palästinakommission bekannt. Die Kommission wird unter dem Vorsitz von Sir John Woodhead stehen, der ein höherer Beamter des indischen Zivildienstes ist. Zwei weitere Mitglieder der Kommission sind Sir Alison Russell, der aus seiner letzten Tätigkeit als Oberrichter in Tanganyika in enger Fühlung zu dem neuen High Commissioner MacMichael steht und A. P- Waterfield, ein Beamter des britischen Schatzamtes. Es wird erwartet, dass die Kommission nach Entgegennahme von Informationen in London nach Ostern in Jerusalem eintreffen wird. * Der neue High Commissioner Sir Harold MacMichael trifft in diesen Tagen an Bord des Kriegsschiffes „Enterprise" in Haifa ein. Kurz vor seiner Abreise aus London veranstaltete die Royal Empire Society ein Frühstück, bei dem neben anderen hohen Beamten des Kolonienministeriums auch der Minister Ormsby-Gore anwesend war. In seinem Trinkspruch hob der Minister die Eigenschaften des neuen High Commissioners hervor, die ihn zu der Uebernahme des schweren Amtes als besonders geeignet erscheinen lassen. „Sir Harold MacMichael", so sagte Ormsby-Gore, „ist ein erstklassiger Gouverneur von Tanganyika gewesen. Als ein Mann von hervorragendem Charakter, Mut und Erfahrung ist er wie niemand aus der Kolonialbeamtenschaft geeignet, ein Amt zu übernehmen, das eine so grosse Verantwortung in sich schiiesst, wie das bei der Regierung von Palästina der Fall ist." Er sprach dann von dem einzigartigen Charakter der palästinensischen Aufgabe und sagte u.a.: „Aus zwei Gründen ist Palästina anders als alle anderen Länder: es hat mehr Geschichte erlebt als irgendein anderes Land in der Welt und es hat ein einzigartiges Werk hervorgebracht: die Bibel." Als die Aufgabe Englands, das von der Kulturwelt mit der Verantwortung für dieses Land betraut worden sei, bezeichnete er es „im Laufe der Zeit — und es mag eine lange Zeit sein — auf die eine oder andere Art in dem gemeinsamen Heiligen Lande Frieden zu schaffen zwischen Juden, Christen und Mosfpms." Sir Harold MacMichael sprach in seiner Erwiderung davon, dass er der Aufnahme seiner Arbeit in Palästina mit starker Ungeduld entgegensehe. Als seine erste und wesentlichste Aufgabe bezeichnete er es, Gesetz und Ordnung wiederherzustellen. Er erklärte es weiter für wichtig. Kontakt mit den Bewohnern des Landes zu gewinnen, und zwar nicht nur mit den Führern der öffentlichen Meinung, sondern gerade mit den einfachen, unbekannten Menschen im Lande. Er sei restlos bereit, jede ■ Verantwortung zu übernehmen, die man ihm zu überlassen, für richtig finde. Die letzten Tage des aus dem Amte scheidenden High Commissioner Sir Arthur Wauchope waren mit einer grossen Reihe von Abschiedsveranstaltungen ausgefüllt. In einer Teegesellschaft im King David Hotel in Jerusalem, die der Bezirkskommissar Keith Roach für ihn veranstaltete, gab Sir Arthur der Hoffnung Ausdruck, dass Ruhe und Ordnung im Lande bald wiederhergestellt würden, und dass Jerusalem und das ganze Land wieder aufblühen mögen. (Palcor.) .* Mr. Edwin Samuel, der älteste Sohn von Sir Herbert Samuel, wurde in der Nähe von Ramien bei einem Autounfall verletzt. Das Unglück passierte, als die Gesellschaft bei strömendem Regen von der Eröffnungsfeierlichkeit im Hafen von Tel-Aviv zurückkehrte. Ein arabischer Lastwagen geriet tut II Ms mm 1. Afttii Bestellzettel auf Seite 2 auf der nassen Strasse ins Schleudern, so dass das Auto der Samuels in den Lastwagen hineinfuhr. Der Chauffeur wurde getötet, Mrs. Samuel erhielt leichte Verletzungen, und eine Schwägerin der Samuels, die gleichfalls im Wagen sass, wurde schwer verwundet. (Palcor.) Am 8. März 1938 wird eine Tagung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation in London stattfinden. Anschliessend tritt das Administrative Committe der Jewish Agency zu einer Tagung zusammen, die für den 13. März in London angesetzt ist.

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