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Central-Verein-Zeitung · 1938-01-27 · 4 (27.1.1938) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
4 (27.1.1938)
Date
1938-01-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr.4 * 3. Beiblatt CYZeitunq 27. Januar 1938 * Seite 11] Zum ersten Male Werf eis „In einer Nacht" im Kulturbund Rhein-Ruhr Nach der Wiener Uraufführung unter Max Reinhardt irn Herbst 1937 brachte der Kulturbund Rhein-Ruhr das neue Schauspiel Franz Werfeis zur erfolgreichen Erstaufführung. Das Stück liegt in Werfeis Linie bewusster Abkehr vom Aeusserlich - Alltäglichen, weniger durch die Wahl des Stoffes — es bandelt sich um die Spannung zwischen drei Menschen — als in der Art, wie der Dichter die Beziehungen zum Anlass seelischer Tiefenmessung nimmt. Nach >echs Jahren kehrt Gabriel zum Jugendfreund Eduard und dessen Frau, seiner Freundin Felicitas, zurück. Er wird erschossen, nicht Aveil er versucht, Felicitas zu sich herüberzuziehen, sondern weil der Mann fühlt und nicht verzeihen kann, dass Felicitas Gabriel liebt. Eduard sucht Befreiung durch Mord, weil die Spannung ihm nicht mehr erträglich scheint; eine impulsive Handlung aus einem verhängnisvollen Irren heraus. Mord könne Lösung sein. Gleich w-elcher Art, er ist allenfalls „Aktschluss", immer Verbrechen — und endet nicht mit der Tat. Zwischen diesen Kämpfen und Ereignissen steht die Gestalt der Felicitas, der Frau, die einen begangenen Fehler büsst, hoffnungslos, aber bewusst und darum stark. Durch die Tat ihres Mannes wird sie frei für den Geliebten, und sie macht von dieser Freiheit den wirklichsten Gebrauch. Alles Geschehen drängt sich, als Rahmen, zusammen auf eine Nacht, die Triebkräfte und deren Analyse werden zur Dichtung selbst. In schöner, unerbittlich klarer Sprache rollt ein Werk ab. dessen faszinierendes Hell dunkel nach der Absicht des Dichters bis ins Bühnenbild hinein zu wahren ist. Die Töne der Szene, von Egon Markus in 'dunkelgrau und rot gehalten, umhüllen die Ereignisse und haben zugleich die Schwere der Distanz. Friedl M ü n z e r entwickelt die Rolle der Felicitas organisch von den Anfängen gestörter Resignation bis zur Vollendung bekennerischer Freiheit und meistert den Wandel seelischer Situationen. Die Passivität der Figur ist ihr Vorlage zu einer Gestaltung eigener künstlerischer Prägung — ein Gewinn, zumal sie nicht allzu häufig dergleichen schauspielerische Aufgaben hat. Als Gabriel lernen wir in Alexander L i p s e h i t z einen ausgezeichneten Sprecher kennen, der dem Erfordernis seiner Rolle, was Durchsichtigkeit und innere Leuchtkraft angeht, nichts schuldig bleibt. Etwas männlichere Haltung — bei einem in der Fremde und in der Arbeit so erfolgreichen Menschen — wäre indessen begrüssenswert .und noch kein Gegensatz zu dem, was Werfel vorgeschwebt haben mag. Max S c h e i g e spielt den Eduard, den Menschen, in dem die gegensätzlichsten Gefühle sich treffen und zur Explosion drängen. Es. ist die vielleicht farbigste Gestalt des Stückes, stark in Liebe, in Freundschaft,- in Hass — und schwach vor dem Schicksal, das ihm versagt, was er will, und w-orum er Jahre hindurch gekämpft hat. Eduard, der primitivste der Drei, verlangt für die Darstellung ein Höchstmass an innerem Beteiligtsein und an künstlerischer Ueberlegenheit. Scheige spielte einen kraftvollen, um die rechte Durchformung bemühten Eduard. Dem Dämonischen der Gestalt wäre — durch Dämpfung im Ganzen — noch näherzukommen. Als Bezirksarzt Dr. Grundgeyer gibt Alfons Fi.nk eine vollendete künstlerische Leistung, die keine Wünsche offen lässt. Auch Fraenkels Studie — der Diener Klima — ist ein interessanter, positiver Azent, der in dem jungen, devoten Wachtmeister Kova<£ — gespielt von Heinz Kahnemann — den rechten Gegensatz erhält. Die Differenziertheit des Werfeischen Seelendramas kam unter Ben Spaniers Spielleitung überzeugend zum Ausdruck. Lotte Siegel. Molnars „Delila" im Hamburger Kulturbund Der Jüdische Kulturbund Hamburg trat mit der zweiten Erstaufführung in seinem neuen Haus vor ein erwartungsvolles Publikum. Nach der Tragödie folgte jetzt die Komödie. Nach Shakespeares ewiger Dichtung Romeo und Julia, die, keinen literarischen Anspruch erhebende Uraufführung eines neuen Molnarschen Lustspiels. Nach der höchsten Anspannung die vollkommene Entspannung. „Delila:" Die Tat dieser biblischen Frauengestalt, die dem Simson mit dem Raub seiner Locken seine Kraft nahm, hat Molnar in sicherer und humorvoller und in durchaus nicht frivoler Weise aus der antik-tragischen Sphäre in die Knüpfung eines modernen Lustspiels, hinübergeleitet. An Stelle der Magie des gottgeweihten Haarwuchses ist ein — Sparkassenbuch getreten. An Stelle der Philister gefährdet eine kokette Serviennamsell den liebesblinden heutzeitigen Simson, wobei sein 38 000 Pengö enthaltendes Sparkassenbuch die Hauptanziehungskraft für die lockende Philisterin bildet. Aus der ränkevollen Delila selbst ist aber eine kluge' und gereifte Frau gew-orden, die ihren Mann, indem sie ihm dieser seiner besonderen Anziehungskraft in Gestalt seines 38 OOO-Pengö-Guthabens beraubt, ihn damit aus den Händen der alias Philister, hier der Kellnerin Ilonka, rettet. Die Art, wie Molnar den Geldmaterialismus-in seiner heutigen nackten Form, in Gestalt des hochwertigen Sparkassenbuches, in das Herz des Spiels und des Zuschauers mit soviel leichter, takt- undspielgeschickter Fingerfertigkeit hineinzaubert, stellt einen bleibenden artistischen Genuss dar. Die Aufführung : Vier, in bunten Farben der Charakteristik schillernde Hauptrollen wer- ' den von den Darstellern und von der Regie Dr. Hans Buxbaums in ihren schauspielerischen ' Möglichkeiten entfaltet. Nicht alle Register dieses sehr empfindlichen Lustspiels wurden gezogen. Da ist die Frage der Rollenbesetzung: Ruth Manheimer als Frau Marianne, Ursula Liebli c h als schnippisch schlaue Ilonka: zwei Blondinen stehen sich gegenüber, zwei blondine Stimmen durchkreuzen den Raum. Auf ein brünettes 'Kolorit, den Reiz seiner Gegensätzlichkeit hatte man verzichtet. Als Kellnerin Ilonka stellte sich die 17jährige Ursula Lieblich erstmalig dem jüdischen Hamburger Publikum vor. Ihre Ilonka ist eine grosse, naiv freche, stattliche ..Person". Ueppige weisse Schultern, schwerer sprechender Augenaüfschlag und,, vor allem in Ausbrüchen der Impertinenz, eine Fähigkeit, treffend aus dem Tonfall zu illustrieren. Gestalt, Bewegungen, die Hilflosigkeit der Hände sind noch ungeschult. Dabei ist eine allgemeine und spontane Wirkung vielversprechend. Dieser Ilonka gegenüber das scheinbar so zerbrechliche und doch so gespannte Temperament Ruth Manheimers als Frau Marianne; die gehaltene, den Bühnenraum so eindrucksvoll teilende und gestaltende Linie ihrer Bewegungen, die in den schön bestimmten Gesten ihrer Hände ausklingen. Aus diesen Mitteln gestaltet sie die Frau Marianne: mehr eine elastische junge Salondame von edler Anziehungskraft, als die ehemalige menschenerfahrene Kammerfrau und Der Landesverband Gross-Berlin des Jüdischen Central- Vereins leitete seine Vortragsabende für die zweite Hälfte des Winters mit einer wohlgelungenen, ausgezeichnet besuchten Veranstaltung ein, in. deren Mittelpunkt der Dichter Jakob Picard stand. Picard ist den Lesern der C.-V.-Zeitung als Lyriker, Fat. Sonnen feld jetzige distinguierte Wirtin mit warmer! fraulicher und reifer Klugheit. Fritz Melchior Wirt: eine aus Temperament und Charakteristik leidenschaftlich eindeutige Gestalt aus einem Guss; ein sicherer und wandlungsfähiger Gestalter. Julius Kobler als ungarischer Schankbursch mit der hochgekämmten Haartolle des Pfiffikus, pfiffig und schlau . . . und gutherzig verliebt . . . hat ganz die Herzen der Zuschauer. Auffallend farblos der junge Bereny des sonst so begabten Hans Heinz Friedeb e r g. In kleinen Rollen sind May Wächter und Kurt Schindler mit Wirkung eingesetzt. Das Bühnenbild, für das Anny G o w a zeichnet, trägt mit seiner leichten und lustigen Helligkeit des ersten und dritten Aktes, sowie mit seiner intimeren Gestaltung des zweiten den Erfordernissen des Stückes stilbewusst Rechnung. Der Spielfreudigkeit, die die ganze Aufführung atmete, der spürbaren Sorgfalt, mit der sie in ihren Einzelheiten von der Regie Dr. Buxbaums geführt wurde, standen auf der Seite des ausverkauften Hauses das Vergnügen des Publikums und seine Beifallskundgebungen gegenüber. Erika Gütermann Essayist und Erzähler von Eigenwuchs nicht unbekannt; sein Novellenband ..Der Gezeichnete4', der sich in seinem ruhigen, leidenschaftslosen, immer etwas lehr haft-räsoni er enden Stilcharakter wie eine Sammlung jüdischer Chroniken liest, ist ausserdem von jüdischen Lesern mit besonderem Interesse aufgenommen. Aus dieser Reihe jüdischer Geschichten, über der als Motto das Bekenntnis aus Picards „Sonetten der Klage" „Wir sind von altem, blutgeeintem Stamme" stehen könnte, las der Dichter ein Bruchstück der Titelnovelle, das er durch einige einleitende Wrorte. orientierend ergänzte. Es ist eine Dorfgeschichte, in der das Landschaftliche, weit über eine beengte Milieuschilderung hinaus, den farbigen Hintergrund abgibt für ein gequältes Menschen- Schicksal, einen unscheinbaren, in seiner Kehilla missachteten Einzelgänger und bemitleidenswerten SchlemÄl, der schliesslich seiner Erniedrigung entläuft und in der Welt irgendwo untertaucht. Und es ist das Besondere dieser Erzählung, dass sie ein durchaus jüdisches Gepräge hat und doch zu allgemein-menschlicher Bedeutung emporwachst — im Gegensatz zu den im Grunde ganz unjüdischen, vag idealisierenden und stilisierenden Dorfgeschichten Berthold Auerbachs, mit dem man Picard zu Unrecht mehrfach verglichen hat. Ausser dem „Gezeichneten" las der Dichter 'dann noch, die kleine, symbolhafte Geschichte von dem alten, bedrückten Mendele Weil, der eines Tages den „Ruf" Gottes zu vernehmen glaubt und sich nun als ein Auserwählter unter allen für alle Ewigkeit fühlt. Für den formgewandten Lyriker Picard sprachen schliesslich ein paar Gedichte, ein im Ton heldenhaftes von Bar Kochba, dem Sternensohn, und eine mahnende Jakob Picard liest aus eigenen Werken Eine Veranstaltung des Jüdischen Central-Vereins in Berlin Jüdisches Leben — jüdischer Geist Berlin Aerzte sprechen Von den wissenschaftlichen Vortragsabenden, die die Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde zu ärztlichen Forthildungszwecken gegenwärtig in der Aula der •loseph-Leh'manh-Scbule veranstaltet, verdient der letzte um seiner auch für Laien bemerkenswerten Tagesordnung eine kurze Wiedergabe. Das erste Thema, zu dem Dr. Ernst Zadek, früher Assistent am Westend-Krankenhaus, das Wort nahm, behandelt eine Gruppe von Krankheitserscheinungen, die gerade heute als eine Art Niederschlag der für uns harten und schwierigen Lebensbedingungen gelten können und deshalb anscheinend "häufiger beobachtet werden. Es ist ein Krankheitsbild, das der Arzt als eine Verengerung oder — wie der wissenschaftliche Ausdruck lautet — als eine Stenose oder Sklerose der Kranzgefäße am Herzen bezeichnet. Die Symptome, die diese Veränderung macht, werden unter dem Begriff der Angina pectoris zusammengefasst. Ist dieses Leiden, das unter den Herzkranken heute eine so besondere Rolle spielt, wirklich häufiger geworden? Oder werden — wie Zadek hervorhebt — dank der verfeinerten Untersuchungsmethodik auch die leichteren Fälle besser erkannt, vielleicht auch jene, die unter dem Sammelbegriff der Herzneurose bei älteren Leuten angenommen werden? Jedenfalls hat die genauere Kenntnis der Zusammenhänge. auch prognostisch, d. h. in bezug auf die Beurteilung der Lebens- und Berufsfähigkeit, ihren Vorteil. Die schnellere Aufdeckung des Einzelfalles verbessert naturgemäss die Behandlungsaussichten und drückt die früher als sehr ungünstig bezeichnete Sterblichkeitsziffer herab. Eingehend besprach. Zadek die Gesichtspunkte, nach denen der Arzt die Lebensaussichten und die Arbeitsfähigkeit zu bewerten hat. Zweifellos sind jene Fälle von Angina pectoris im allgemeinen etwas günstiger zu beurteilen, die "durch seelisch-nervöse Momente ausgelöst werden; sie bilden §9 (!) Prozent der Fälle. Im übrigen ist die Thrombose, die Gerinnung des Blutes und die dadurch bedingte Verstopfung der Kranzgefässe die Hauptgefahr, besonders vor dem 45. Lebensjahr. Alles in allem aber hat die Krankheit gegen früher viel von ihrem Schrecken verloren; ein Grund zum Fatalismus liegt jedenfalls nicht vor. Der zweite Vortrag des Abends gab dem bekannten Berliner Chirurgen, Professor Dr. Ernst U n g e r, Gelegenheit zu einem für Aerzte besonders lehrreichen Vortrag über „Fortschritte der Chirurgie in den letzten -Jahren". Sie sind zum Teil bedingt durch unsere bessere Einsicht in das Wesen der experimentellen Krebsforschung und der Hormonlehre. Die mehr oder weniger fachwissenschaftlichen Ausführungen Ungers eignen sich nicht zur Wiedergabe an dieser Stelle. Erwähnenswert aus dem Kapitel über das Krebsproblem auch für Laien ist die den Aerzten bekannte Tatsache, dass manche physikalische und chemische Faktoren Krebs hervorrufen, aber auch heilen können, wie z. B. die Röntgenstrahlen. Vor Beginn der Sitzung gedachte Dr. J o - s e p h, leitender Arzt der Frauenabteilung am jüdischen Krankenhaus, mit warmen Worten des bekannten — anlässlich seines 70. Geburtstages auch von uns gewürdigten — Berliner Chirurgen Geheimrat Moritz B o r c h a r d t und übermittelte die Glückwünsche der jüdischen Gemeinde. B. * Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eröffnete ihre diesjährigen Montags-Vorlesüngen mit einem bedeutsamen Vortrag von Dozent Dr. Arnold B erri ey über die „Entwicklung des jüdischen Geschichtsbewusstseins in der Neuzeit". Jedes geschichtliche BewTisetsein orientiert sich zu Beginn an seiner allernächsten Umgebung. Dementsprechend sahen die Juden mit fortschreitender Emanzipation das Weltgeschehen immer weniger unter jüdischen Aspekten und immer mehr mit den Augen ihrer Umwelt. Dieses Geschichtsbild war seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in steigendem Masse ein rationalistisches. Die abendländische Gottgläubigkeit wurde immer stärker in Frage gestellt, die Zuständigkeit des Schöpfers immer mehr eingeengt: der Glaube an die Vorsehung wich dem Glauben an die eigene Vernunft. Das Ergebnis wrar eine immer stärkere Entgöttlichung des Weltbildes. Die Ursachen für den Verfall der schöpferischen Kraft, besonders in den Künsten, suchte man nicht in einem Versiegen, der religiös gespeisten Quellen, sondern in den Fehlern einzelner Klassen. Das jüdische Moment spielte in diesem Geschichtsbild nur eine geringe Rolle: es war antiquarischer Besitz, aber kein eigenes Erleben mehr. Man huldigte dem Fortschrittsglauben, nicht aber dem Glauben an eine eigene jüdische Aufgabe. Diese Sachlage änderte sich mit den Ereignissen des Jahres 1933. Die Frage nach dem Sinn unseres Daseins w-urde neu gesteilt, sie mit lediglich rationalistisch-kausalen Erklärungen zu beantworten, ist nicht angängig. Sache des einzelnen ist es, ob er seine Stellungnahme unter weltgeschichtlichem Aspekt vornimmt, ob unter dem national-geschichtlichen Willen zur Selbstbehauptung oder schliesslich unter dem geistesgeschichtlichen Gesichtspunkt des Strebens nach Verwirklichung des biblisch vorgezeichneten Judentums. Wir spüren die alte Mitte neu, wir fühlen, dass wir als Juden aufgespart sind für ein Leben und Sichbewähren in dieser Welt. Kein grösseres Werk können wir tun, als dass wir den Schutt mindern, der die religiösen Quellen überdeckt, und die Pfade bahnen helfen, die zu erneuerter geschichtlicher Bewusstheit führen. Gü.Lo. Jüdisches Lehrhails. Montagsreihe: 3.1. Januar, 20.30 Uhr, (Joachimsthaler Strasse 13), Georg Lubinski: „Moses - Montefiore — oder über das Wesen der jüdischen Wohltätigkeit". Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften: Beginn jeweils 20.30 Uhr.' '31. Januar: Fritz Eise ri b e r g : „Uebungen in freier Rede" (Fäsanenstrasse 80). 1. Februar: Julius Bab: „Franz Werfeis Höret die Stimme!" (Fäsanenstrasse . SO, 17.30 Uhr!);; Erich Lö we n t h a 1 : „Bibel und Juden von heute" (Rosenthaler Strasse 44). 2. Februar: Arthur Prinz : ,Judenprobleme in den überseeischen Einwanderungsländern" (Fäsanenstrasse 80); Fritz Joseph: „Quellen zur Geschichte der Juden in hellenistischer und römischer Zeit" (Marburger Strasse 5): Regina Jonas: „Lektüre und Besprechungen' der'Sprüche der Väter" (Oranienburger Strasse 29). Auskünfte über Arbeitsgemeinschaften, Vorlesungen, Sprachkurse usw. und Anmeldungen Montag bis Donnerstag, 10 bis 13 Uhr, 16 ^bis 18 Uhr, Marburger Strasse 5, III. Telephon: 24 55 87. Breslau Im Religiös-Liberalen Verein der Synagogengemeinde sprach Hans Joachim Schoeps zur jüdisch-religiösen Gegenwartslage. Der Redner rührte u. a. aus, die Krise der Religion sei auch im Judentum spürbar. Eine Rückkehr zum Alten in diesem Sinne sei unmöglich. Nach dem Verlust des Staates habe sich das Judentum 1700 Jahre lang durch die in Jawne aufgestellte These erhalten, dass der Judenstaat (der Gottesstaat) noch bestehe und die Bundesverfassung (das Gesetz) noch weiter ausgebaut werden müsse. Die Absonderung werde dem Juden immer wieder aufgezwungen, auch wenn er sich ihrer zu entledigen suche. Assimilation sei weder für den einzelnen noch für das jüdische Volk als Gesamtheit, wie sie der Zionismus erstrebe, möglich. Das Gesetz sei die Kristallisationsform des göttlichen Gebotes. Es umfasse den ethischen und den kultischen Teil. Das Ethische sei dem Kultischen voranzustellen. An Hand der geschichtlichen und religiösen Tatsachen könne man den einzelnen Juden das Bewusstsein ihrer Erwählung und das Verständnis für deren Sinn wiedergeben, dagegen sei der Versuch, sie zur Gläubigkeit zurückzuführen, problematisch. * Das Jüdische Lehrhaus eröffnete am 17. Januar sein 38. Halbsemester mit einem Vortrag von Professor F.Oppenheim er : „Jüdisches Schicksal im Mittelalter". Der Redner schilderte einleitend die Verhältnisse der Römerzeit, die durch das Auftreten des Christentums entstehenden Schwierigkeiten und den jüdischen Handel unter der Araberherrschaft und befasste sich dann eingehend mit den Ursachen, die zur Verschlechterung der Verhältnisse der Juden im späteren Mittelalter führten. Der Vorsitzende des Lehrhauses, Dozent Dr. Lewkowitz,, eröffnete und schloss den Abend. Sch>vt Wiesbaden 'Am 11. Januar sprach im jüdischen Lehrhaus Dr. Hans Pom c ranz über „Weizmann, der Staatsmann". Der Vortrag gab weniger die Bio-

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