Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 3 (20.1.1938)
- Date
- 1938-01-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.S Beiblatt Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitnmg Seite 14 20. Januar 1938 Erregender Schwebezustand Die 14 Tage, die nach der Veröffentlichung des neuen Palästina-Weissbuches ins Land gegangen sind, haben genügt, um die ersten Entrüstungsstürme zur Ruhe kommen zu lassen. Wenn man von dem einzigen äusserlich feststeilbaren Erfolg bzw. Misserfolg auf die Wirkung der gesamten jüdischen Protestaktion schliessen müsste, so -wäre das Ergebnis bedauerlich: die technische Kommission, deren Zusammensetzung als unmittelbar bevorstehend bezeichnet -wurde, ist bis heute nicht ernannt worden. Das Drängen auf Beschleunigung der zu erwartenden politischen Massnahmen, das den einmütigen Grundton sämtlicher Erklärungen bildete, hat also bisher kein Echo gefundenT Das fortdauernde politische Vakuum fördert verständlich erweise die Richtungslosigkeit und die inneren Auseinandersetzungen. In dem Masse, in dem England als eigentlich legitimierter Träger der Palästinapolitik sich im Hintergrunde hält, bemühen sich andere Kreise, die Initiative zu übernehmen. Man hört, dass sich der ehemalige irakische Aussenminister Nuri Pascha, der sich zuletzt in Kairo aufhielt, und dort wiederholt politische Aktivität entfaltet hat, nach London begeben hat, um an zuständiger Stelle Verhandlungen über die Palästinafrage aufzunehmen. Die Presse kommentiert diesen Besuch dahin, dass Nuri Pascha beabsichtige, den Zusammenschluss von Palästina, Transjordanien und dem Irak zu einem grossarabischen Reich unter dem König Ghazi, dem Sohne König Feisals, vorzuschlagen. Als Entschädigung für den Einschluss Palästinas in diesen arabischen Staatenbund solle eine Einwanderung bis zu 2 Millionen Juden in das gesamte Gebiet gewährleistet werden. Um die gleiche Problematik, wie sie durch diese Gerüchte um die Reise Nuri Paschas wieder angeschnitten wird, kreist auch eine Meinungsäusserung des Schriftstellers Rabbi Benjamin "in der Tel - Aviver Monatsschrift ,,M o s n a j i m". Rabbi Benjamin bemüht sich in seinen Ausführungen, die Fronten der Ja- und Neinsager, die in einer bestimmten Phraseologie zu ersfarren drohen, aufzulockern, indem er sowohl das Ja wie das Nein auf ihre spezifischen Inhalte hin untersuchi. Das Ziel der Neinsager, an der Spitze Lord Samuels .Absicht, sei darin zu sehen, dass man einen Bevölkerungsanteil von 40 Prozent Juden in ganz Palästina einem zweifelhaften Judenstaat in einem kleinen Teil vorziehe. Den Jasagern wirft er insofern Demagogie vor, als sie sich bemühen, die Teilung des Landes als einen vorläufigen Zustand, ein eventuelles Abkommen mit den Arabern aber als etwas Endgültiges darzustellen. Er betont dann, dass die Möglichkeit von Verhandlungen wiederholt gegeben war, ja, dass noch während des letzten Kongresses die Araber der Muftipartei Verhandlungen angeboten hätten. Er warnt vor einer Teilung im Zeichen jüdischarabischer Feindschaft und bezeichnet es als Leichtsinn, sich dafür einzusetzen. Einen radikal entgegengesetzten Standpunkt bezieht M. A s s a f im „D a w a r". Er bestreitet, dass die Möglichkeit jüdisch-arabischer Verhandlungen überhaupt noch gegeben sei. Sie existierte vielleicht einmal, bevor der politische Extremismus die Welt erfasst habe. Heute sei sie eine Illusion. Auch die arabische Zeitung „F e 1 e s t i n" lässt wiederum einen Wortführer der Verständigung zwischen Juden und Arabern, St. John Phiiiby, zu Wort kommen. Dieser erklärt, dass ein Abkommen auf der Grundlage eines unabhängigen Palästinas und der Gleichberechtigung von Juden und Arabern keine Schwierigkeiten machen würde. Wenn es nicht unmittelbar zustande gebracht werden könne, so müsse ihm ein Kongress der moslemischen Führer und dann ein Kongress der jüdischen Führer den Weg bereiten. Die Kongresse sollten durch Ibn Saud ausdrücklich zu dem Zwecke einberufen werden, um ein Abkommen zwischen Juden und Arabern zu beschliessen und zu ratifizieren. Einen gewissen Niederschlag hat die vorstehende Auseinandersetzung um die Fragen, die die einzig mögliche Alternative zu der offiziellen englischen Palästinapolitik betreffen, auch in einer Debatte der Spitzenorganisation englischer Juden, des Board of Deputies, gefunden. Es handelte sich um die Formulierimg einer zeitlich etwas nachhinkenden, aber in Anbetracht der beschliessenden Körperschaft besonders beachtlichen Resolution zum Palästina-Weissbuch. Punkt 2 und 3 der Resolution, in denen die „unnachgiebige Opposition gegen jede Lösung des Paiästinaprobiems" erklärt wurde, „die der palästinensischen Judenheit den status einer permanenten Minderheit auferlegen würde" und in der ferner eine Lösung gutgeheissen würde, „die die Errichtung eines Jüdischen Dominions innerhalb des Britischen Empire ins Auge fasst", wurden von sieben prominenten Vertretern der Non-Zionists heftig kritisiert. Obgleich die kritischen Gesichtspunkte nicht völlig" übereinstimmten, lag ihnen doch ziemlich eindeutig der Wunsch zugrunde, bei jeder künftigen Lösung auch den Arabern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und so durch vernünftigen Ausgleich zu einer dauernden Lösung zu gelangen. Am Schiuss der Sitzung legte Lionel Cohen, einer der Wortführer der Opposition, seinen Sitz als Vizepräsident des Board of Deputies nieder. Der Vorsitzende, Neville Laski, der von dieser Demission Kenntnis gab, fügte hinzu, dass sie mit der vorangegangenen Debatte nichts zu tun habe. Terror Im Zusammenhang mit der Ermordung des englischen Archäologen J. L. Starkey in der Nähe von Hebron wurden drei bewaffnete Araber verhaftet. Die Polizei hatte auf Grund einer Information ein Kaus umstellt und die darin befindliche Bande aufgefordert, sich zu ergeben. Als die Terroristen sich weigerten, der Aufforderung nachzukommen, setzte ein halbstündiger Schusswechsel ein, bei dem die Polizei auch Tränengas verwendete. An anderer Stelle kam es auf der Suche nach den Mördern Starkeys zu einem Gefecht, bei dem ein britischer'Polizist und ein Araber getötet wurden. Der Bezirkskommissar von Jerusalem, Keith Roach. drohte dem ganzen Bezirk Hebron scharfe Strafen für den Fall, dass die Mörder Starkeys nicht ausgeliefert werden. Im Norden Palästinas war es wieder unruhig, und es wurden militärische Verstärkungen hingesandt. In der Nähe von Megiddo kam es zu einem Gefecht, bei dem die arabischen Banden in die Flucht geschlagen wurden. Sie liessen 600 Patronen zurück. Am 16. Januar wnirde in einer Vorstadt Jerusalems der jüdische Hilfspolizist Samuel Levi getötet und ein anderer Hilfspolizist verwundet. In der Ben-Jehuda-Strasse explodierte eine Bombe, ohne Schaden anzurichten. In der Altstadt wurden ein arabischer Polizist und edn Jude schwer verletzt. In Haifa wurde .eine Bombe auf "einen jüdischen Autobus auf der Fahrt nach Hadar Harcamel geworfen- Ein Passagier wurde leicht verletzt. In der Nähe des Dorfes Illar griffen fünf Araber drei Araber an und töteten zwei von ihnen. Der dritte wurde verwundet. In einem Dorfe in der Nähe von Nablus wurde das Haus eines arabischen Notabeln von arabischen Terroristen umstellt und in Brand gesteckt. Es wurde gleichzeitig auf das Haus geschossen. Die Nashashibi-Gruppe hat beschlossen. Massnahmen gegen den Terror zu ergreifen. Charakteristischerweise wird dieser Beschluss in geheimen Versammlungen durchgeführt, in denen die arabischen Führer auf die schädlichen Auswirkungen des Terrors hingewiesen werden. * Die Militärgerichte waren erfreulicherweise in der vergangenen Woche nicht genötigt, Todesurteile zu fällen. Immerhin kam es zur Verkündung mehrerer Gefängnisstrafen wegen Waffenbesitzes. Ein Todesurteil wurde Von Generalmajor Wavell auf zehn Jahre Gefängnis gemildert. Auch ein Jude,. Jakob Segal, ein Wächter der Egged-Omnibusgesellschaft, wurde vom Bezirksgericht wegen unbefugten Waffenbesitzes zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richter gab zwar zu, dass der Angeklagte die Waffe wahrscheinlich nur zur Selbstverteidigung getragen habe. Er erklärte sich aber ausserstande, von den gesetzlichen Vorschriften abzuweichen. Aus. den Distrikten Jerusalem und Hebron sind 22 arabische Terroristen in das Konzentrationslager Akko geschafft worden. Einem Dorf in der Nähe von Nablus wurde eine Kollektivstrafe von 200 Pfund wegen Beschädigung der Pipeline auferlegt. Presseschau .Das Dilemma, in dem sich die britische Politik gegenüber dem Palästina-Problem befindet, wird in einem Aufsatz analysiert, der in der letzten Nummer der englischen Zeitschrift „Round Table" enthalten ist und den jüdisch-arabischen Fragenkomplex in seine wirtschaftlichen, strategischen und weltpolitischen Zusammenhänge einarbeitet. In wirtschaftlicher Beziehung wird nach Meinung des Verfassers die Existenz des jüdischen Palästina davon abhängen, ob es möglich sein wird, der rasch entwickelten Produktion des Landes ausreichenden Absatz zu verschaffen. Voraussetzung dafür ist, dass es den jüdischen Produzenten gelingt, den Fellachen nicht nur Palästinas, sondern auch der arabischen Nachbarstaaten, aus einem Selbstversorger in ihren Kunden zu verwandeln. — Aber schon diese volkswirtschaftliehe Minimalforderung ist, wie der Verfasser hinzufügt, zur Zeit eine Utopie, deren Verwirklichung von schwer überwindbaren politischen Hindernissen blockiert wird: Im Klima nationaler Spannungen können auch vitale wirtschaftliche Annäherungsversuche nur zweideutig erscheinen, auch wenn beide Partner dabei gewinnen würden. Handelt es eich bei der Wirtschaft noch um eine jüdisch-arabische Angelegenheit, so ist die militärische Lage des Landes nach Meinung des Verfassers für eine voraussichtlich noch unabsehbar lange Zeit eine innerbritische Angelegenheit. Dies ist, wie der Verfasser hinzufügt, für die Engländer nur ein geringer Anlass zur Genugtuung, denn die Verteidigung Palästinas belastet die britische Reichsverteidigung in einer äusserst heiklen, und der Kleinheit des zu. verteidigenden Gebiets wenig angemessenen. Weise. Die scheinbare Paradoxie dieses Zustands erklärt sich daraus, dass sich die britische Verteidigungslage seit dem Weltkrieg in ihrer Gesamtheit verschlechtert habe: Die Hilfsquellen der Verteidigung sind zwischen zahlreicheren strategischen Punkten aufzuteilen als vor dem Kriege; die grössere Anzahl möglicher Gegner lässt einen noch weniger lokalisierten Kriegsschauplatz erwarten als im Weltkrieg. Technisch gesehen, würde die Teilung das militärische Problem in Palästina erleichtern, denn an Stelle einer über das Land verstreuten Polizeimacht wäre nur noch ein, wenn auch starker Grenzschutz nötig, der allerdings auch mit der arabischen Minderheit zu rechnen hätte. Entscheidend für die Beurteilung der militärischen Situation Palästinas ist vom englischen Standpunkt aus jedenfalls die Tatsache, dass auch ein äusserst dichtbevölkerter jüdischer Staat sich nicht gegen eine feindselige arabische Welt halten könnte, die vom Persischen Golf bis zur afrikanischen Westküste reicht. Ohne Hilfe wäre der Judenstaat dem Schicksal wirtschaftlicher Abwürgung und militärischer Vernichtung ausgesetzt. Diese Erwägungen führen den Verfasser zu der These, dass der Schlüssel zum Palästina- Problem nicht bei den Juden, sondern in den Beziehungen zwischen dem britischen Weitreich und den arabischen Ländern zu suchen ist: Ohne zu mindesten die passive Zustimmung der arabischen Völker wäre der Aufbau des Judenstaates politisch nicht zu rechtfertigen. Ueber die passive Zustimmung hinaus ist aber die tätige Mitarbeit dieser Länder nötig, wenn die wirtschaftlichen und strategischen Probleme des neuen Palästina gelöst werden sollen. Der Aufsatz schliesst mit einer Mahnung an die Araber. Die Grundlage der englischarabischen Beziehungen müsste seit dem Kriege die Tatsache bilden, dass eine Reihe arabischer Staaten den Engländern ihre Unabhängigkeit verdankt. Die englischen Verpflichtungen gegenüber Irak und Aegypten sind damit ebenso eingelöst worden, wie sie durch die Gewährung eines kleinen Staatswesens den Juden gegenüber erfüllt werden sollen. Gewiss ist zu erwarten, dass die Iraker und Aegypter die nationalen Kämpfe ihrer palästinensischen Stammesgenossen mit bitteren Gefühlen gegenüber England verfolgen. Aber da es sich "nur um einen winzigen Bruchteil arabischen Gebietes handelt, wäre es unsinnig und für beide Teile verderblich, über einer lokalen Streitfrage die Zusammenarbeit Englands und der arabischen Welt zu zerstören. Denn bei der ausserordentlichen strategischen Bedeutung der meisten arabischen Länder können an "einer solchen Gestaltung der Dinge nur Aussenstehende ein zielbewusstes Interesse haben. E. H- Das Hebräische Technion in Haifa hat einen deutschsprachigen Bericht seiner 25. Jahresfeier am 5. April 1937 herausgegeben. Aus ihm ergibt sich unter anderm, dass im Jahre 1935 neun Dozenten aus Deutschland ein Lehramt übernommen haben. Eine Ansprache des High Commissioner Sir Arthur Waucbope unterstreicht die Bedeutung der Anstalt für den Aufbau des Landes. Die Ausgrabungen in Palästina Wenn man die jüdische Presse der letzten Jahre genauer verfolgt, so trifft man ziemlich häufig auf Notizen, kleinere Aufsätze und Abhandfungen, in denen von erfolgreichen Ausgrabungen in den verschiedensten Teilen Palästinas gesprochen wird. Es wird da von mühseligen Schürfungen berichtet, von Funden selbst, die auch oft abgebildet werden, vor allem aber von der Bedeutung dieser Grabungen für die Geschichte des Landes wie auch für die der Juden. Vergleicht man diese Notizen mit der archäologischen Tätigkeit in den übrigen Gebieten des nahen Ostens — also vor allem in Aegypten und im Irak —, so kommt man zu einer ganz merkwürdigen Erkenntnis: man konstatiert einen Wettkampf der Gelehrten, bei dem jeder Archäologe sein Aeusserstes daran setzt, durch die eigenen Grabungen die Geschichtsforschung über sein Gebiet an die erste Stelle zu bringen, den Zeitpunkt, der durch die Funde belegt ist, so früh wie nur irgend möglich anzusetzen. Aber es gibt noch ungeheuer viele Fragen und Probleme, die noch unerforscht, ungelöst sind, und wenn innerhalb des kleinen Palästina, wie man oft annimmt, an sechs oder acht Stellen zugleich von Wissenschaftlern gearbeitet wird, so darf man über diesen „Massenbetrieb" im Interesse der Forschung nur erfreut sein. Es ist ausserordentlich zu begrüssen, dass sich schon frühzeitig auch die massgebenden politischen Instanzen mit der Frage befasst haben, v/er graben darf, wohin die Funde gebracht werden ..müssen, und ob sie auch a u s g e f ü h r t werden dürfen. Schon der M a n d a t s v e r t r a g für Palästina sah in Artikel 21 den Schutz der Altertümer vor. Bereits zwei Jahre früher, 1920, war seitens der Militärverwaltung das Department of A n l i q u i l* es ins Leben gerufen worden, das in folgende fünf Abteilungen gegliedert ist: 1. Inspektion für Neuentdeckungen und Erhaltung der Kulturdenkmäler; 2. Bibliothek und Archiv zwecks Sammlung und Registrierung aller Funde, Denkmäler, Photographien solcher, Auskunfterteilung; 3. Laboratorium zur Reinigung und Pflege der Funde; 4. photographische Abteilung; 5. Palästinensisches Museum, enthaltend die im Lande gefundenen Stücke, Karten und Photographien von Ausgrabungen usw. Dieses Department of Antiquities untersteht einem vom High Commissioner ernannten Direktor, dem wieder ein „Archaeological Advisory Board" beigegeben ist. Die bereits 1920 erlassene Antiquities Ordinance wurde im Jahre 1929 durch ein gleichnamiges ausführliches Gesetz ersetzt, das sich auf die einzelnen Bestimmungen des Artikels 21 des Mandatsvertrags stützt, aber die einzelnen Fragen eingehend behandelt und abgrenzt. Die Vielheit der Grabungen bedingt nun nicht immer auch allerorts einen archäologischen Erfolg. Die Berichte der einzelnen Expeditionen erzählen häufig von jahrelanger Tätigkeit, bevor wesentliche Ergebnisse erzielt wurden. Englische, amerikanische, deutsche, französische, italienische Gelehrte haben nicht nur vor dem Weltkrieg, sondern vor allem auch nach 1920, in den verschiedensten Teilen des Landes Ausgrabungen vorgenommen, vor allem aber sind es auch seit den letzten zehn Jahren jüdische Gesellschaften, insbesondere die Hebräische Universität, die sich immer mehr mit historischen Fragen befassen. Daneben forschte z. B. der englische Professor Garstang in Jericho, wo er für die Erkenntnis der vorisraelitischen und der israelitischen Perioden wertvolle Funde machte. Sein Landsmann Professor A11 b r i g h t arbeitete in Beth-Zur, auf der Strecke Hebron—Bethlehem; es gelang ihm hier, eine Festung aus biblischer Zeit auszugraben, die schon bei Josua XV, 58, und II. Chron. XI, 7, erwähnt wird, später von Juda Makkabi, Antiochus Eupator bzw. Simon Makkabi erfolgreich belagert wurde. In Bet- ' Schemesch, einem seinerzeit wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Waffenplatz, arbeitete der Archäologe Dr. Grand. Selbstverständlich betätigen sich auch die Forscher in der Philisterstadt Gaza. Der deutschamerikanische Gelehrte Professor Bade hatte besonderen Erfolg bei seinen Untersuchungen in Mizpa in Benjamin, wo er, ähnlich den einzelnen Schichten von Troja, Trümmer verschiedener Städte übereinander finden und zeitlich bestimmen konnte. Die Dominikaner arbeiten, wie neuere Berichte mitteilen, in En Duk (arabisch Ain Duq)' im Auftrage der Ecole Biblique in Jerusalem. Das Museum der Universität von Pennsylvanien liess bei Bet Schan von 1921 bis 1923 durch C. S. Fisher, ab 1925 durch Alan Ro^e Ausgrabungen vornehmen, bei denen Funde aus der späten Königszeit gemacht wurden, die beachtenswerte Rückschlüsse gestatteten. Der weltberühmte Gelehrte, Professor James H. Breasted, bekannt durch seine Forschungen in Aegypten, in Kleinasien und im Irak, sowie durch seine Untersuchungen in den Vereinigten Staaten, hat z. B. in Megiddo im Auftrage des Oriental Institute of the University of Ghicago umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt, und hatte Gräber freigelegt sowie Felseninschriften entdeckt, deren Alter auf fast 5000 Jahre geschätzt wird. Ab 1929 standen die Schürfungen unter der Leitung von Mr. P. L. O. G u y. Die Görres-Gesellschaft betraute 1926 bis 1928 Dr. A. E. M a d e r mit Ausgrabungen bei Hebron, der Gelehrte Hans K j a e r vom National-Museum in Kopenhagen arbeitete für das Dänische Ausgrabungs-Komitee in Silo, Pater A. Mallon entdeckte 1924 die Grabstätten von Shuqba, wo auch später, 1928, Miss D. A. E. G a r r o d auf Veranlassung der British School of Archaeology in Jerusalem drei Schichten der Besiedlung vorfand. Endlich seien noch Namen von Weltruf, wie Flinders, Petrie, Fisher, Macalister, Mackenzie, Schumacher, genannt, deren Träger für die Geschichte der Erforschung Palästinas grösste Bedeutung haben. Aber auch jüdische Forschung hat erfolgreich gearbeitet. Von 1925 bis 1927 liessen die Palestine Jewish Exploration Society und die Hebräische Universität durch die Doktoren L. A. Mayer und E. L. Sukenik an der Nordmauer Jerusalems Grabungen vornehmen, die Exploration Society veranlasste 1920 und 1921 Dr. N. S1 o u s c h z zu Ausgrabungen in Hammath bei Tiberias, wo eine alte Synagoge gefunden wurde; gleichfalls eine gut erhaltene Synagoge fand Dr. Sukenik 1929 bei Bet Alpha, später noch eine andere mit zwei grösseren Inschriften in al-Hamme (Hamat-Geder). Professor Sellin grub 1914, 1926 und 1927 in Balata bei Sichern, W e i 11 im Jahre 1913 und 1923 am Südost-Hügel von Jerusalem. Nach dem bekannten „Handbook of Palestine and Transjordan" von Sir Harry Luke und Edward Keith-Roach ßind im Läufe der letzten Jahre neun Gesellschaften in Palästina mit Ausgrabungen beschäftigt gewesen. Hiervon waren zwei jüdisch: The Hebrew University, The Jewish Palestine Exploration Society. Sieben waren nichtjüdiseh: The British School of Archaeology in Jerusalem, The Palestine Exploration Fund, Ecole Biblique et Archeologique Francaise, The American School of Oriental Research, The Oriental Institute of the University of Chicago, Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, The Oriental Institute of the Goerresgesellschaft. Als zehntes Unternehmen ist noch das bereits erwähnte Department of Antiquities der palästinensischen Regierung anzusehen. Ausser diesen gelehrten Gesellschaften gab es aber auch private Mäzene, die das Ausgrabungswesen in Palästina stark unterstützten. Zu ihnen waren vor allem James Simon zu rechnen, weiterhin Jakob Schiff und Baron Edmend de R o t h s c h i 1 d. Es ist eine kulturhistorische Aufgabe der gesamten Judenheit, ihre eigene Geschichte und die ihres Landes zu erforschen, und nur eine eigenartige geographische und wirtschaftliche Konstellation mag die Ursache dafür sein, dass die Betätigung der Juden selbst auf diesem Gebiet so gering ist und so geringen Widerhall in den eigenen Reihen findet. L.