Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 3 (20.1.1938)
- Date
- 1938-01-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Wrocław 2× ep/1002369
- Bruno Gimpel 1× ep/1037501
- Eduard Fuchs 1× ep/1026063
- Ignaz Maybaum 1× ep/1002573
- Isaac Heinemann 1× ep/1002810
- Isaac Israëls 1× ep/1030694
- Jacques Offenbach 1× ep/1025436
- Jozef Israëls 1× ep/1026415
- Lord Byron 1× ep/1024863
- Moses Mendelssohn 1× ep/1006237
- Moshe Spitzer 1× ep/1009247
- Rainer Maria Rilke 1× ep/1025518
- Regina Jonas 1× ep/1002901
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Seite 12 C-V.-Zeifung Nr. 3* 20. Januar 1938 - jüdischer Geist Künstlermittagstisches. Das . stilistisch etwas gleichförmige Programm (je zwei Duos von C. Frank und Saint-Sa'ens, ein Trio von Smetana) wäre durch ein Werk alter Musik knapper und kontrastreicher gestaltet worden. Das achtbare Können der Triopartner verspricht, wenn gewisse Unausgeglichenherten im einzelnen und in der klanglichen Gesamtabstufung überwunden werden, ein erfreuliches künstlerisches Resultat. Unter den Gesangschülern, die Dora Bernstein-Börner an einem Abend im Klubheim des Jüdischen Frauenbundes vorstellte, erschien die mit schönem Material begabte Annemarie Elias als die Fortgeschrittenste. Käthe Lesser besitzt Anlage für das Koloraturfach. Das Jüllige Organ Samuel Amtmanns lohnt gründliche Weiterarbeit; auch Siegmund Zwie.- bel wäre als befähigt zu nennen. Wilhelm S. Cchn-Collin begleitete mit Geschmack. « EL Fr. Das Orchester des Breslauer Jüdischen Musikvereiiis wird seit etwa vier Monaten von Berthold Sander, Berlin, betreut Er hat in dieser kurzen Zeit unsere Musiker, wieder um ein so beträchtliches Stück vorwärtsgebracht, dass im 4. Abonnementskonzert das Wagnis einer Aufführung der Streicher-Serenade von Tschaikowsky und der h-moll-Sinfonie von Schubert •unternommen werden konnte. Die grossen technischen Schwierigkeiten, zumal in dem Werk des Russen, wurden mit erstaunlicher Sicherheit überwunden, und nur einige im Verhältnis zur Gesamtleistung unerhebliche Details Hessen erkennen, dass es noch manches zu erarbeiten gilt. Auch die Tonkultur bewegt sich in aufsteigender Linie. Der Solist Leo Roßtal (Violoncello), den wir in Werken von Saint-Saens und dem englischen Barockmeister Eccles hörten, erwies sich als ein feinnerviger Künstler. Hff. Vor den Mitglieder des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr sprach Dr. Anneliese Landau über „Die jüdischen Meister der Operette". Merkwürdigerweise beschränkte sich die Rednerin auf einen bestimmten Berliner Kreis von Operetten- und Sehlagerkomponisten und gedachte infolgedessen der wirklich bedeutenden Meister Leo Fall und Emerich Kaiman überhaupt nicht. Die den Vortrag erläuternden Kostproben wurden von der Sopranistin Mascha B e n j a - k o n s k i und dem Tenor Max H e i t n e r dargeboten; die Begleitung hatte Kapellmeister [Wilhelm A 11 m a n n. —yo— Das erste Frankfurter Kulturbundkonzert im Kalenderjahr bedeutete einen vollen künstlerischen' Erfolg. In der Besetzung für Streichorchester liess Professor Julius Prüwef Mendelssohns frisches melodienfrohes Jugendwerk, das Oktett, echt kämmermusikalisch und leinsinnig abgestuft' erklingen, und eine würdige Aufführung von Mozarts Jupiter-Sinfonie zeigte das Orchester, dem mit seinem Dirigenten herzliche Anerkennung zuteil wurde, in guter Form. 'Als Solist spielte Erich Landerer mit .Kraft, Eleganz und leichtem Anschlag Liszts Es-dur- Klavierkonzert. Auch seine treffliche Leistung fand starken Beifall, dem der Künstler mit einer Zugabe (von da Falia); begegnete. — Ein Heinrich""-S e i n e -^A'bend der „J ü d i seh e n T o nkünstier Frankfurts" vereinte eine glücklich getroffene Auswahl aus der Lyrik lind der scherzhaft ironischen Sphäre des Dichters, in Wort und Ton. . Edith Baum., kürzlich als begabte Sopranistin hier gewürdigt, sang Lieder von .Mendelssohn, Schubert, Wolf, Liszt und Rubinstein und zeigte sich, von Dr. W7illy S a 1 om o n am Flügel bestens unterstützt, zumal dem Stil der späteren Meister vertraut. Eine Reihe von Gedichten, manche darunter, die Heines enge Beziehungen zu jüdischer Tradition bekunden, sprach mit liebenswürdiger Anmut und Mickiewicz mit den Ehrennamen eines russischen und eines polnischen Byron ausgezeichnet worden — und das Schrifttum aller jungen Völker, der slawischen zumal, kennt einen Byron mit dem Beinamen des betreffenden Landes —, so ist Heine für eine lange Zeit der Erbe seines Ruhms geworden. Andre M a u r o i s hat uns in unseren. Tagen jene Monographie geschenkt, durch die Byron als Gestalt uns wieder gegenwärtig ist und als vorläufig Letzter dieser Reihe bringt uns Ernst B1 a s s durch eine schöpferische Uebertragung des „Kain" den Dichter Byron näher. Dr. Lutz Weltmann. # Im Berliner Kulturbund sprach Dr. Lutz Weltmann über Lord Byron und weckte damit das Andenken an eine Dichterpersönlichkeit, von deren Ruhm einst ganz Europa erfüllt war und die heute, nach 15Ö Jahren, fast zum Mythos geworden ist. In seinen klaren, präzis formulierten, zum Wesentlichen vordringenden Ausführungen hielt sich Weltmann vor allem an den Dichter biblischer Motive. Im Anschiuss an Weltmanns fesselnde Darlegungen las der Dichter Ernst Blase, den ersten Akt aus seiner neuen Uebersetzung von Byrons „Kain", einen beachtlichen Versuch, den rhetorischen Glanz des Originals auf eine möglichst prunklcse Schlichtheit des sprachlichen Ausdrucks zurückzuführen. E. L. Januar - Ausstellung im Kulturbund Sekretariat für Bildende Kunst Unter den drei Künstlern, die in der Ausstellung im Klubheim des Frauenbundes, Berlin, Marburger Strasse 5, mit Arbeiten zu sehen sind, nimmt die aus Breslau stammende Malerin Käthe Schuf tan die führende Stellung ein. Ihre Kunst ist ganz auf Ausdruck gestellt, alles, was sie in den Aquarellen, Bleistift- und Kohlezeichnungen ' oder in den mit Tusche ausgeführten Blättern sagt, ist im besten Sinne expressiv. Da hängt der „Fahnenträger", ein gespritztes Aquarell voller Bewegung, da hängt ein Bild „Die Frierende", ebenfalls ein Aquarell: leichtem Humor Sofie Selig mann. Die drei Mitwirkenden 6angen, rezitierten, spielten ihren zahlreichen Hörern zur Freude und zum Donk. —tt. Im Karlsruher Verein für jüdische Geschichte und Literatur (Kulturbund) konzertierte das Orchester der jüdischen Kulturbünde unter Leitung des Karlsruher Kapellmeisters Cutt Stern. Die Vortragsfolge brachte Mendelssohns Ouvertüre „Schöne Melusine", Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit", Mendelssohns Oktett für Streicher op. 20 und Mozarts Jupitersinfonie C-dur. Das zahlreiche Publikum zeigte sich sichtlich dankbar. Stg. Der Tanzabend von Ruth Cond eil und Nelly Hirsch im Kulturbund Hannover brachte eine erfreuliche Abwechslung in der Reihe der künstlerischen Veranstaltungen. Die Körperdisziplin, die Anmut und köstlichen Einfälle der beiden phantasiebegabten und gut aufeinander abgestimmten Tänzerinnen wurden viel bewundert. Rudi Lehmann war als Begleiter den Tänzerinnen eine wertvolle Stütze und bereicherte das Programm durch einige virtuos gespielte Soli. 0. Bstn. Im Kulturbund Königsberg i. Pr. sang Alexander Kipnis Arien und Lieder. Das hingerissene und spontanen Beifall spendende Publikum erbat und — erhielt Zugabe auf Zugabe. Jedes seiner Lieder erlebt er immer wieder von neuem, und dem Zuhörer geht es nicht anders. Am Flügel begleitete verständnisvoll Wolfgang Rose. — Otto Bernstein sprach Werfel und Emil Bernhard Cohn. Seine" plastische, aufwühlende Art, zu sprechen, begleitet von einer gerade in ihrer Reserviertheit äusserst eindrucksvollen Mimik, begeisterte und erschütterte sein Publikum. " L. Lck. Neue SehäUpIatten Artur Schnabel spielt Beethovens Klaviersonaten op. 7 und op. 31,1 auf His-Masters-Voice- Platt-en. Carl F I e s c h und J. Szigeti spielen Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen auf Columbia- Platten (LX 659/60); das begleitende Orchester dirigiert Walter Göhr. Wladimir Horowitz ist mit Chopins e-moll- Seherzo auf His Masters Voice (DB 3205) zu hören. Jüdischer Kulturbund Berlin TVochenplao Theater in der Kommandantenstrasse 57, 20 Uhr;,.,Vis I Lärm um nichts":- 22. Januar (Abt. 3. 13), 23. Januar. 15 Uhr {Abt. 50. 60), 20 Uhr (Abt. 8, IS). 24. Januar (Abt. 2, 12), 25. Januar (Abt 4, 14), 26. Januar (Abt. 5, 15), 27. Januar (Abt. 6, 16). Eulturbundsaal, Kcimnaixdantensträsse 58/59, 20 Uhr 15 Min.: Kleinkunstbühne: 22. u. 23. Januar; 20 . Uhr: 24., 25., 26., 27. Januar: Vortrag Dr. Anneliese Landau. Ladislaus Bus-Fekete, der Verfasser der . Komödie'-„Jean", die mit-grossem Erfolg aufgeführtwurde, istauch der Autor der Komödie .,K a p der guten Hoffnung", die demnächst gespielt wird, nachdem-sie-bereits in Wien und Budapest erfolgreich in Szene gegangen ist. ,JDie Psalmen in der Musik." Im Rahmen des Kulturbundes findet unter dieser Bezeichnung eine Vortrags- und Konzertveranstaltung am 22. Januar, 20 Uhr, in der Synagoge Fasanenstrasse, statt. Mitwirkende: Rabbiner Dr. Swarsensky, Oberkantor Davidsohn, Ilse I n - t r a t o r und Organist Richard Altmann.' Eintritt nur für Mitglieder des Kulturbundes kostenlos. wie die Künstlerin den Kampf und Krampf der Arme, Beine, wie sie das Physiognomische zur Darstellung gebracht,., ist ein starker Eindruck. Wenn die beiden Menschen, die auf einem anderen Aquarell „Paar auf der Strasse" als Rückenfiguren nur sichtbar werden, dahinschreiten, so sind auch sie, deren Gesichter dem Betrachter unbekannt bleiben, in der Haltung voller Bewegung, voller Ausdruck. Der besondere Reiz dieses Bildes von Käthe Schuftan liegt in dieser Ausdrucksmöglichkeit, die in dem stillen Beieinander der Gestalten sich zur Ausdruckskunst steigert. Die ruhige Pinselführung kommt natürlich hinzu, um bei dem ..Hippodrom" und dem „Fabeltier", zwei grundverschiedene Themen für eine Darstellung" im Verein mit gedämpften Farben den Eindruck von Ruhe in der Bewegung zu vermitteln. Nicht zu vergessen, eine doppelte Fassung des „Puppenspielers"; in beiden Darstellungen liegt etwas Naives und doch Ernstes, dem Käthe Schuftan koloristisch und kompositionell Ausdruck verleiht. Hier ist eine Malerin am Werk, die uns wirklich etwas zu sagen hat. Weiter dann Hans Michaeleon mit Gemälden jeglichen Formates. Jeglichen äusseren und inneren Formates! Eine herbe Kunst spricht sowohl farbig wie kompositionell in den Bildern „Fischer" und „Vesper", einfach gesehene und einfach gegebene, auf die Leinwand gebrachte Menschen. Es sind vielleicht die besten Bilder Michaelsons, die er in der Ausstellung zeigt, sie haben etwas Rustikales, Gesundes, das uns klar anspricht. Das gilt nicht von den Studien aus Karlsbad, die wie die Bilder „Dampfer" und „Aufsicht auf eine Bade-Anstalt" schon koloristisch den Betrachter nicht recht zur Ruhe kommen lassen. Anders dann wieder „Am See", wo der Maler 6ich Stimmungshaft festgelegt, den Kontrast von Gelb, im Dach des Bootshauses, von Rot, im Anstrich des Bootes, von Grün, in der Darstellung des bewaldeten Berges, mit dem Blau des Wassers glücklich zu versöhnen wusste. Sein „Interieur" ist auch eine Porträtstudie, breiter PinseLstrich fällt hier auf. Von vielen Bildnissen Hans Michaelsons ist das Porträt W. H. als klar und sprechend hervorzuheben. Als dritter in dieser Ausstellung kommt der Berliner Maler Georg Wolff zu Worte. Bei ihm ist alles klar und einfach, man braucht nicht erst nach dem Kontakt zu suchen. Seine Aquarelle aus Alt-Berlin, die Darstellungen des Jüdisches Leben Mannheim Im Jüdischen Lehrhaus sprach Dr. Margot Riess (Frankfurt am Main) über „Rainer Maria Rilke und wir". Die Vortragende zeigte dabei u.a. die überraschend vielen inneren Beziehungen Rilkes zum Judentum. Noch bedeutsamer als die Tatsache, dass er eine Anzahl Gestalten des alten Testamentes dichterisch behandelte, ist seine Hinwendung zu dem „uralten Gott", bei dem man nicht des Mittlers bedürfe. Rilke spricht sein tiefes Vertrauen zu den Völkern aus, die „nicht durch Glauben an Gott geraten sind, sondern Gott durch ihr eigenstes Volkstum erfuhren". Zu diesen gottursprünglichen Völkern zählt er u.a. die Juden, die Araber, die orthodoxen Russen. Zur neuen jüdischen Lyrik hatte Rilke, wie seine Begeisterung für „Mirjams Schlaflied" beweist, lebendige Beziehung. Ausser in seinen Gedichten spricht er in dem Briefe des jungen Arbeiters und in der Schilderung der Werkstatiarbeit Rodins am deutlichsten von seinem frommen Bekenntnis zum „Hiesigen", so, wie es unsere werkfrohe Jugend heute wieder begreift. — Nachhaltiger Beifall und der Dank des Leiters des Lehrhauses, Professor Dr. B i 11 i g h e i m e r, folgte dem fesselnden Vortrage. so. Berlin Rabbiner über den Rabbiner Die zweite Semesterhälfte des Jüdischen Lehrhauses begann verheissungsvoll mit einem Zwiegespräch der Rabbiner Manfred Swarsensky und Ignaz Maybaum über Wesen und Aufgabe ihres Berufes. Beide Redner sprachen vom Standpunkt des liberalen Rabbiners. Von hier aus wurde zunächst der Unterschied des heutigen zum mittelalterichen Rabbiner untersucht. Während Swarsensky ihn als-einen prinzipiellen ansieht, indem an Stelle der totalitären Funktion des mittelalterlichen Rabbiners eine Beschränkung auf rituelle und kultische Handlungen eingetreten sei, bezeichnet ihn Maybaum als einen graduellen, da zwar die weltliche, insbesondere juristische Funktion der Rabbinertätigkeit emanzipiert sei, dieser Vorgang aber in den anderen Konfessionen seine Entsprechungen finde. Im Zusammenhang hiermit wurde die Frage der Fortbildung und Neubildung der Halacha geprüft, über deren Notwendigkeit beide Redner sich einig waren. Die grundsätzlichen Untersuchungen wurden von Swarsensky mit der Feststellung abgeschlossen, dass der Typ des Rabbiners sich je nach der Zeit und dem Milieu ändere, während Maybaum seine abweichende Ansicht dahin formulierte: „In allen Aenderungen hat sich nichts geändert!" In der zweiten Hälfte des Gesprächs, in dem von den Einzelaufgaben des heutigen Rabbiners die Rede war, herrschte Einigkeit in dem Willen des Zurückführens und Hinlenkens zum Judentum. Als Lehrer hat der .Rabbiner darauf zu achten, dass die jüdische Haltung auch in den nichtreligiösen Unterrichtsfächern stets gewahrt wird." Die soziale Tätigkeit gehört zur seelsorgerischen Arbeit des Rabbiners, die sich im Unsichtbaren vollzieht. Eine besondere Rolle spielt die Predigt, die, wie Swarsensky ausführte, niemals in billige Rhetorik ausarten darf. Die Frage, ob sie von einem Text oder einem Thema ausgehen soll, ist von untergeordneter Bedeutung. Dagegen kommt es nicht nur auf das „Was", sondern auch auf das „Wie" einer Predigt an. Dass in Amerika häufig Tagesereignisse zum Gegenstand einer Predigt ge¬ Ephraim-Palais, des Krögel-und der alten Spreebrücken, sind alte Bekannte von früher her. In der Mafburger Strasse hängen neben diesen mit. leichtem Pinselstrieh und gutem Sinn für das Atmosphärische ausgeführten Aquarellen eine Zeichnung, ein Selbstporträt des fleissigen Georg Wolff, und ein dem Leben abgelauschtes Pastell „Typen der Grenadierstrasse". Dr. O. B. Julie Wolfthorn. Kaum glaublich erscheint es, dass die Malerin mit dem jungen Gemüt, die Porträtistin der Frauen aller Formate, Julie W o l'f - thorn, in die Reihe der Siebzigerinnen tritt. Man kennt sie doch, die immer Temperamentvolle, allem Neuen Zugängliche. Ihre grosse Kunst ist schon oft gewürdigt worden. Was soll man' noch hinzufügen? Wenn man die Pastelle und Aquarelle, die Zeichnungen und Oelbilder betrachtet, empfindet man stets von neuem jene schmeichelnde Weichheit in den Zügen der dargestellten Menschen, man möchte so gern wissen, woher diese weichen Töne in den Gesichtern der jungen Mädchen und der älteren Frauen kommen. Es sind alles Proben eines grossen Könnens, sie setzen eine starke Einfühlungsgabe in die Modelle voraus. Doch neben den Bildnissen stehen die Landschaften und Blumenbilder, auch das -Freitag-Abend-Bild, das bei einem Wettbewerb im Jahre 1935 preisgekrönt wurde. Beim Eintritt in das siebente Jahrzehnt werden sich viele gute Wünsche bei Julie Wolfthorn einfinden, auch von den Maler- Kollegen und -Kolleginnen, denen sie immer eine Beraterin und verständnisvolle Betreuerin ist. Die Wünsche will man nicht einzeln aufzählen, man will sich kurz fassen und ihr alles das wünschen, was zu einem guten Lebensabend gehört. _ Dr. Olga Bloch. Kunstnachrichten Eine Ausstellung von Dresdener Kunstgewerblern konnte in dem neuausgebauten Untergesehoss des Gemeindeanwesens besichtigt werden. Besonders gefielen handwerklich hervorragend gearbeitet« Holzleuchter und -Schalen von Drechslermeister Lampen, sowie Spitzenarbeiten von Frau S'zybilski und Decken von Ruth H e i 1 b r o n n. Der Graveurmacht werden, wurde von Maybaum mit der andersartigen soziologischen und kulturellen Zusammensetzung der dortigen Judenheit erklärt Swarsensky schnitt die Frage der Stellung des Rabbiners als Gemeindebeamten sowie des Rabbinats als körperschaftlicher Institution an und führte aus, der Rabbiner müsse das beamtete Gewissen der Gemeinde sein. Maybaum erklärte demgegenüber, der Rabbiner müsse vor allem Einzelperson sein, die sich gegen Verbeamtung einerseits und gegen Verkirchlichung durch ein Gesamtrabbinaf andererseits wehren müsse. Damit war die Frage der Autorität des Rabbiners gestellt "Swarsensky wies darauf hin, dass der heutige Rabbiner Autorität kraft Amtes nur in bedingtem Masse besitze und erst durch seine Leistung Autorität erringen müsse. Mit einem Bekenntnis zu Rabbiner Dr. Leo Baeck, der sich durch seine Leistung diese Autorität errungen hat, und durch das Vertrauen und die Achtung seiner jüdischen Mitbürger an ihre Spitze berufen worden ist, und mit dem Hinweis, dass das Judentum ausserhalb Deutschlands in seiner schwersten Stunde weder von einem Gelehrten noch von einem Mann der Wirtschaft, sondern von einem Rabbiner repräsentiert wird, schloss der ebenso interessante wie anregende Abend. Günther Looser. . * DonnerstagTeihe: Wirken in der jüdischen Oeffentlichkeit, 27. Januar, 20.30 Uhr (Brüdervereinshaus, Kurfürstenstr. 115/116), Dreigespräch „Der jüdische Verleger" zwischen Hans Bach, Erwin S a e n g e r und Moritz Spitzer. Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften: Montag, 50.30 Uhr: Franz Po Hack „Weltwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft" (Auguststr. 17); Simon Nathan „Chemische Reinigung und Färberei" (Marburger Strasse .5). Dienstag, 20.30 Ühr: „Instrumentalgemeinscbaft" (Fasanenstr. 80); Erich Löwenthal: „Bibel und Juden von heute" (Rosenthaler Strasse 44). Mittwoch. 20.30 ühr: Regina Jonas: „Lektüre und Besprechung der . Sprüche der Väter" (Oranienburger Str. 29). Auskünfte und Anmeldungen: Montag bis Donnerstag 10—13, 16—18 Uhr im Sekretariat, W 50, Marburger Str. 5, Tel. 24 55 S7. Breslau Das Jüdische Lehrhaus veröffentlicht sein Programm für die Monate Januar, Februar und März 1938. Die Eröffnung des Halbsemesters fand am 17. Januar mit einem Vortrag Professor Dr. Franz Oppenheimers (Berlin) über „Jüdisches Schicksal im Mittelalter" statt. Zum Thema „Palästina in. Geschichte und Gegenwart" sprechen Dr. Emst Fischer, Dr. Willi Cohn, Dr. Isaak Heinemann und Dr. Moses Hoffmann; zum Thema „Aus der Welt der jüdischen Bräuche" Dr. Ernst Hoffmann; über „Jüdische Frauengestalten in der. Dichtung" Bett}' F o e r d e r; über „Europäertum:ünd Judentum in der hebräischen Literatur der Gegenwart" Dr. Sehiomoh Geld. Dr. Karl Adler (Stuttgart) und Werner Sander leiten einen „Singkreis für die jüdische Jugend". — Innerhalb der . allgemeinwissenschaftlichen Vortragsfolge sprechen zum Thema Psychologie Dr. Sofie Blumenthal, über Naturwissenschaft und Philosophie Dr.' Frieda G o 1 d m a n n , über die Kunst des Sprechens und Singens Elfriede K o b e r, über Physik im Alltag Dr. P o 11 a c k, - über musikalische Themen Erich Werner. Mainz Das Programm für die zweite Hälfte des Winters sieht am 27. Januar einen Vortrag von Rabbiner Dr. R o t h s c h x I d (Saarbrücken) über „Jüdische Geschichtsschreiber" und am 3. Februar von M. Vogel „Ueber jüdische Wohlfahrtspflege in Lehre und Leben" vor. Am 30. Januar findet in Ingelheim eine Weihestunde statt. Arbeitsgemeinschaften veranstalten E. Vogel über „Das Lied im Leben der Völker" sowie über „Jacques Offenbach" und E. Schlösser über „Sozialrecht". meister Curt H e p n e r hat unter anderem kunstvolle Siegel, Stempel und Briefköpfe ausgestellt: auch sein Kupferstich von Moses Mendelssohn nach Chodowieckis Rötel verdient weite Verbreitung. Schliesslich fesselte eine grosse Reihe lebensvoller prächtiger Lahdschafts-Aquarelle von'Bruno Gimpel fDresden). E. B. * In Berlin kamen die ostasiatischen Sammlungen von Dr. Eduard Fuchs bei Lepke unter den Hammer. Der Sammler, ein guter Kenner der chinesischen und japanischen Kultur, hat vieles über seine Sammelgebiete veröffentlicht. Es erschienen von ihm „Dachreiter und verwandte chinesische Keramik des 15. bis IS. Jahrhunderts" (1924), „Täng-Plastik und chinesische Grabkeramik des 7. bis 10. Jahrhunderts" (1924) und zwei Bücher über die Holzschnitte und Litographien von Honore Daumier (1918 und 1926). # In der Versteigerung der Sammlung W. F. van H e u k e I o m bei Mensing & Sohn in Amsterdam kamen zwei Werke von I s a a c und vier von iJozef Israels zum Verkauf. Der „Javanische Tänzer", ein Oelgemälde, und die „Kinderfrau", ein Aquarell, von Isaac Israels wurden zu guten Preisen von holländischen Sammlern ersteigert. Der Verkauf der Werke des Sohnes brachte hohe Preise: es gab 4100 fl. (holländische Gulden) für das im Format grosse Fischerbild von Jozef Israels, 925 fl., 800 fl. und 725 fl. für das Bild „Die Nachbarn", das früher in der englischen Sammlung John C. Day beheimatete Gemälde „Mutter und Kind" und für ein ErntebUd. # Im H e r b s t s a 1 o n , der historischen Pariser Kunstschau, haben einige jüdische Künstler, die aus Berlin bekannt sind, ausgestellt und grossen Erfolg gehabt. Erich W o 1 f s f e 1 d wurde von den Pariser Kunstzeitschriften eifrig besprochen, man stellte die „grosse Klaue" eines grossen Künstlers fest. Lotte Lasersteins gepflegte Malereien fanden begeistertes Verständnis, Käthe Münzer-Keum a n n interessierte lebhaft durch ihre frischen, lebendigen Arbeiten, Eugen Spiro, seit langem in Paris bekannt, zeigte virtuose Malereien. Die Pariser Galerie Billiet-Worms stellt Arbeiten des palästinensischen Malers Menahem S c h m i t aus. Der Künstler, der als Theatermaler bei der Habima von sich reden -nachte, zeigt in der französischen Hauptstadt Torträts und Interieurs, die, wie Kritiken hervorheben, Anklänge an Utrillo und Bonnard verraten. 100 Jahre jüdische Kunst Des grossen Erfolges wegen ist die Ausstellung im Jüdischen Museum, Berlin N 4, Oranienburger Strasse 31, gemeinsam mit der Ausstellung „Rabbi A k i b a Eger" bis zum 6. Februar einschliesslich verlängert worden. Täglich, ausser Sonnabend, 10—14 Uhr.