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Kinderblatt · 1938-01-13 · 1 (13.1.1938) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1938
Issue
1 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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— tytudfoiWt HI 5^3 5 w fm? 4w MW MMMMMM Ihr werdet sicher in der Schule öfters von eurem Musiklehrer nach den Tonarten und deren Vorzeichen gefragt, z. B.: wieviel Kreuze hat G-dur? Antwort: eins. Aber es gibt auch Tonarten mit sechs Kreuzen oder mit sechs b’s. Dabei kann man sich leicht irren. Hier habt ihr ein Mittel, das das langweilige Auswendiglernen erspart. Schneidet die beiden Zeichnungen sorgfältig aus und klebt sie vorsichtig auf Pappe. Dann schneidet aus Fig, B. die schwarzen Dreiecke aus. Nun legt ihr Fig. B Fie. a auf Fig. A; durch den Mittelpunkt M wird eine 11 eisszwecke gesteckt, die in einen alten Korken gesteckt wird. Jetzt könnt ihr Fig. B. drehen. In den ausgeschnittenen Dreiecken erscheint oben die Tonart, der kleine Buchstabe darunter nennt die zu ihr gehörige Molltonart, und unten seht ihr die Anzahl und Art der Vorzeichen. Wenn ihr euch das öfter anseht, könnt ihr’s bestimmt bald —- ohne Pauken. Nun versucht’s einmall Margarete Cohn. jf^Szeitung Beilage^ 4, Beiblatt Berlin, 13. Januar 1938 MW Als Gerda am letzten Ferientage so gegen neun Uhr ins Esszimmer kam, lag neben ihrer einsam auf sie wartenden Frühstückstasse ein Brief. „Ila, eine ausländische Marke. Brasilien! Knorke!“ Und ritsch ratsch, war die Marke abgerissen. Dann erst stellte Gerda mit grosser Freude fest, dass der Brief an sie persönlich gerichtet war: Fräulein Gerda Colin, Berlin-Karlshorst. „Von Fritz! Ein langer Brief. Kolossal anständig!“ Gerda schwenkte den Brief und hüpfte mindestens zehnmal um den Tisch herum. Schliesslich rannte sie in ihr Stübchen, ihr „little room“, wie sie’s nach dem Gedicht aus der englischen Stunde nannte, schwang sich auf die Ko mode und las, während sie, um den Genuss zu erhöhen, ein Stück von der „Freitagabend“-Schokolade knabberte (inzwischen wurde das Frühstück natürlich kalt), den auf ganz feinem, aber festem Papier gescliriebenenBrief: Liebe Gerda! Hier hast Du die versprochene brasilianische Marke, auf die Du Dich, wie ich Dich kenne, mit Begeisterung stürzen wirst, („Stimmt auffallend“) und als Anhängsel einen Brief — Ansichtskarten gibt's nämlich noch nicht von unserer Siedlung, die den wundervollenNamen„Bello Horizonte“ hat. Doch habe ich ein paar schöne Zeichnungen angefertigt, damit Du einen kleinen Begriff bekommst, wie’s hier aussieht. Mir geht es nach wie vor sehr gut, und ich kann nur immer wieder sagen, dass ich mich liier draussen sehr wohl fühle. Ich habe eine interessante Arbeit, die genau so leicht oder so schwer ist, wie sie drüben wäre. Aus Steppe und Weide ist in fünf Monaten eine tadellose Siedlung gemacht worden. Täglich wird gebaut, werden Brunnen gebohrt und die Siedlung vergrößert. Um V26 stehen wir auf, auch Sonntags, dann wird gemolken. Wir haben schon neun Kühe und acht Kälber. Dann wird gefrülislückt und danach im Garten oder beim Vieh gearbeitet. Um 10Uhr gibt’s Imbiss, 1*2 Kaffee, um 6 Uhr warmes Essen. Ich selbst stehe mitten in unserem Wirtschaftsbetrieb und gelte schon als Fachmann, da ich vieles verstehe, was die Gärtnerei betrifft und die Leute hier nicht kennen. Alles, aber auch alles wird hier anders als drüben gemacht, und man muss versuchen, aus beiden Möglichkeiten einen Salat zu machen, wie es am besten geht. Ganz neu ist für mich das Melken, auch gibt es hier ganz andere Futterarten. Das Melken ist sehr ulkig. Die Kühe werden an den beiden Hinterbeinen gefesselt, und dann lässt man das Kalb an jedem Strick ein bisschen ansaugen. Das Kalb wird am Vorderbein der Kuh angebunden. Wird das nicht gemacht, gibt die Kuh keinen Tropfen Milch heraus und lässt niemanden an sich heran. Deshalb kann man auch nur Kühe mit einem Kalb kaufen. Stirbt mal ein Kalb, so ist das sehr schwer. Die Kuh muss vor jedem Melken mit dem Lasso eingefangen werden, und es dauert lange, bis sie einigermaßen Milch gibt. Eventuell gewöhnt sich die Kuh auch daran, sich später ohne Lasso binden und melken zu lassen. Die Kühe sind alle wilde Tiere, die den ganzen Tag auf riesigen Weiden herumlaufen und nur zum Melken hereingeholt werden. Mit ein paar Kühen und einem Stück Weide kann man sich schon ernähren, trotzdem die Kuh nur ungefähr fünf Liter pro Tag gibt (in Mitteleuropa ungefähr 20 bis 30 Liter). Aber der Preis für die Milch ist ganz gut, ebenso für Gartenerzeugnisse, die nur von sehr wenig Leuten angebaut werden. Die meisten verstehen es nicht, und ausserdem macht es doch Arbeit, und die ist bei den hiesigen Leuten unbeliebt. Es gibt viele Leute, die nur arbeiten, wenn sie Geld gebrauchen. Das ist mit ein Grund, weshalb Ausländer immer wieder Beschäftigung finden können, wenn sie nicht gerade iti Rio oder Sao Paulo bleiben wollen, sondern ins Innere gehen. Unsere Kolonie liegt etwa fünf bis zehn Kilometer von der Stadt weg, je nach Lage der einzelnen Siedlung. Rezende ist ein kleines, ganz hübsches Städtchen mit ungefähr 8000 Einwohnern und liegt an der Bahn Rio de Janeiro (5 St.) und Sao Paulo (8 St.). Das Klima ist warm, aber gesund. Nachts ist es jetzt sogar sehr empfindlich kühl. Nur wenn es geregnet hat, ist es weniger.

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