Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278192--12529-2291381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr.l * 3. Beiblatt 6. Januar 1938 * Seite 11 Dr. Elias Hurwicz: Ch. N. Bialik pflegte in Privatgesprächen die Entwicklung einer Sprache mit dem Wachstum des Waldes zu vergleichen:' zuerst sind einige wenige Stämme da, daneben ein paar zartere Pflanzen, die Stämme, setzen Zweige an, breiten ihre Wurzeln aus, die Pflanzen vermehren sich — und so entfaltet und vergrößert sich das Ganze, bis es als eine Einheit dasteht. Dieser Vergleich ist kennzeichnend für den Dichter, der veeniger zum abstrakten Denken, als zum bildhaften Sehen und Begreifen neigte. Aber das Bild trifft auch objektiv zu: denn jede Sprache ist eine lebendige, organische Einheit. Wie soll nun ein Organismus in einen anderen verpflanzt werden? Dies ist es aber doch, was man von einem Uebersetzer, anscheinend, verlangt. Seine Arbeit, das Uebersetzen. scheint mechanischer Art zu sein. In Wahrheit muss sie, soll sie etwas taugen, ihre mechanische Aufgabe so bewältigen, dass etwas Organisches entsteht. Das aber ist nur im Wege eines dreistufigen sonderbaren Prozesses möglich: 1. man muss sich in die sprachlichen Eigen- Üimlichkeiten des Originals vertiefen, um 2. den dein Verfasser vorschwebenden- Gedanken möglichst genau, auch der Nuance nach, zu erfassen, dann muss man 3. jene sprachlichen Eigentümlichkeiten des Originals völlig beiseiteschieben, ja vergessen, um nur den Gedanken und die Schatiienmgen des Gedankens in die andere Sprache zu übertragen. Es ist beinahe so, wie mit der modernen Photographie und den Frauen: sie wollen beileibe kein mechanisch-getreues Bild des Gesichts haben, vielmehr soll nur die Eigentümlichkeit desselben zum Ausdruck kommen, und vor allem — soll das Bild schön sein. In der Tat erschien mir das Wort „Uebersetzen*' stets hasslich: „Uebertragen", — das ist schon' etwas annehmbarer, und weil mich stets die psychologischen Eigentümlichkeiten der Völker interessierten, wrusste ich auch um das Band, das zwischen der Sprache und den geistigen Neigungen jedes Volkes besteht. Ich bedauerte daher stets, dass er mir nur gelegentlich vergönnt war, aus dem Englischen zu übersetzen, das ebenso nüchtern ist, wie der englische Volksoharakter selbst und daher auch bei der Ueber- Iragung in andere Sprachen relativ die geringsten Schwierigkeiten bietet. Ich aber musste mich als "Uebersetzer mein Leben lang vor allem mit der russischen Sprache herumschlagen, die überaus blumig ist, in Bildern, schwelgt, der Genauigkeit aber weniger Beachtung schenkt, während das Deutsche, in das ich aus dem Russischen zu: übertragen hatte, ebenso, methodisch, genau, ein wenig schwerfällig, wie der deutsche Mensch selbst ist. Andere Unterschiede fühlt der Uebersetzer aus . dem - Deutschen ins Französische — und umgekehrt. Wie. in der Kunst und dem Leben der Franzosen das abstrakte, ordnende Prinzip über das intuitive, spontane, konkrete vorherrscht, so in der Sprache. Sie drückt jede Art von Gedanken auf eine wunderbar mannigfaltige Weise aus; in Bezeichnungen der Schall- und Lichtwirkungen aber z. B. ist sie arm. In den letzten Jahren haben mich — theoretisch und praktisch — Probleme der Uebertragimg aus dem Hebräischen ins Deutsche uud Ueoersetzen umgekehrt beschäftigt. Hier wird die Aufgabe des Uebersetzers besonders schwierig, weil ja das Hebräische in.seinem Grundstock die Bibelsprache bedeutet, und es, selbst wenn man auch, was unvermeidlich ist, die nachbiblische Spraehentwicklung hinzunimmt, doch eine antike Sprache in all seinen Wendungen bleibt Freilich, manch einer erleichtert sich, die Aufgabe, wenn er sich das modernisierte europäisierte Zeitunsshebräisch zum Vorbild nimmt. Ich halte Jules Romains: Die Demütigen Verlag Ernest Flamarion, Paris. Mit diesem grossen Romanwerk des Franzosen, dessen deutsche Uebersetzung im Verlag Ernst "Rowohlt, Berlin, erscheint, ergeht es einem nachgerade so. wie mit guten Freunden in der Ferne, von denen man nur selten' Nachricht erhält — Nachricht, auf die man gewartet hat, Nachricht, die man sofort mit grösstem Interesse liest. Jetzt ist, nach mehr als halbjähriger Pause, ein neuer Band erschienen, der sechste der deutschen Ausgabe. In Frankreich gibt es bereits zwölf; wieviel es im ganzen werden, das weis niemand — vielleicht weiss es Jules Romains. Der neue Band führt den Titel „Die Demütige nu — in scharfem Kontrast zum vorigen Band, dessen Titel „Die Hochmütigen" lautete. Es handelt sich da um eine Grenze zwischen Menschenschichten, die tiefer reicht als soziale Klassen. Nur häufig, keineswegs immer, fällt der Unterschied der Hochmütigen und der Demütigen mit dem der Reichen und der Armen zusammen. Aber die agressiven, stolzen, herausfordernden Naturen stehen im tiefsten Gegensatz zu den Duldenden, Weichenden, Beirachtsamen. — Man entsinnt sich, dass in dem grossen Werk Romains, das am 6. Oktober des Jahres 1908 beginnt, der eigentliche Heid die Stadt Paris ist, und dass in einer Art von Filmtechnik zahlreiche, zunächst einander völlig verschiedene Gruppen in dieser Stadt sich abwechseln. Sehr langsam, wir haben noch immer kein ganzes Jahr zurückgelegt, schieben sich die einzelnen Schicksalsläufe nebeneinander, sich nur selten berührend, vorwärts. Im Bande der Hochmütigen war die Rede von dem Grundstücksmakler Haverkamp, der ganz gross ins Geschäft kommt — vom Abgeordneten Gurau, der nach der politischen Macht strebt —, von dem Grossindustriellen Sainecaud, der Marie, die Frau seines Geschäftsfreundes, des Grafen Champcenais, gewinnt. Von dieser „grossen Welt" kommen wir heute zu den Kleinen Leuten: der Knabe Bastide, der mit dem reizendsten Kapitel des ersten Bandes sichtbar wurde, als er mit seinem Reifen die „grosse Reise*"' durchs nördliche Paris auf den Gipfeln des Montmartre machte, tritt wieder in den Vordergrund. Sein Vater, ein besserer Arbeiter, ist stellungslos geworden — und der Kleine benimmt sich sehr rührend und sehr tapfer in dieser Krise. Aber der Blick wird noch in tiefere Schichten des Elends geführt: der junge Jerphanion, den wir als Schüler der Ecole Normale schon lange kennen (es ist das grosse französische Lehrerseminar), macht einen. Spaziergang in der Nähe des Gare du Lyon und bekommt in diesen Vorstadtstrassen so Furchtbares zu sehen, dass revolutionärer Wille in ihm reift. Aber auch Marie de Champcenais kommt mit dem Bereich der Demütigen in eine es aber lieber mit dem Vorbild Bialiks, der dieses mechanische und geistesfremde Nachahmen immer wieder verwarf und der selbst als Uebersetzer auch von „Wilhelm Teil'* und „Don Quichotte" ins Hebräische bekannt ist. Trotz oder vielmehr gerade angesichts seiner Meisterschaft ist es sicher kein Zufall, dass die -zweite ihm weitaus besser gelang. Wir sehen an diesem Fall, wie wichtig für die Kunst der Uebertragung die Kongenialität des Uebersetzers mit der Originalschöpfung ist; in anderen Fällen vollbringt die geistige Interessengemeinschaft oder Problemgemeinsamkeit ein Aehnliches. schmerzliche Berührung: Wir sehen, wie sie von der „Weisen Frau"', die die Folgen ihres ausserehelichen Verhältnisses beseitigen soll, zur Kartenlegerin gerät. Aus dem Bereich der Demut tun wir in diesem Band nur wenige Blicke heraus; aus dem Gespräch zweier wackerer Handwerksmeister, die wir schon aus früheren Bänden kennen, erfahren wir, dass Gurau bei der letzten Kabinettskrisewirklich Minister geworden ist, und in einem kurzen Kapitel hören wir auch wieder von Quinette, diesem Mörder aus Neugier. —- Aber der Hauptteil dieses Bandes gehört nun einer neuen Gestalt, die als die liebenswürdigste und reinste im Bereich der Demut erscheint. Es ist der Abbe Jeanne. Er ist offenbar als Kontrastfigur angelegt zu einem schon früher gezeigten Abbe, der wohl eine grosse weltliche Karriere vor sich hat. Abbe"Jeanne wird schwerlich „Karriere machen""; er ist eine religiöse Natur im Sinne der Demut, der selbstlosen Hingabe. Abbe Jeanne spricht mit seinem Gott, und ihm ist als sagte er: „Aengstige dich nicht! Ich bin mit dir und denen, die dir gleichen. Lass den Vordergrund dieser Welt den Hochmütigen, beneide sie nicht. Das ist das Buch von den Demütigen. Keineswegs von all den Menschen, mit denen Jules Romains uns schon bekanntgemacht hat, bringt es Nachricht. Aber es ist ein schönes Buch, aus dem die Kraft des „guten Willens'' mit besonderer Innigkeit spricht. Julius Bah. E. P. O'Donneil: Das grosse Delta. Benmann-Fischer Verlag, Wien 1937. Aeusserlich gesehen ist dieser Roman zunächst gar kein Roman, sondern eine Reihe von Bildern und Szenen aus dem Leben der Menschen im grossen Delta des Mississippi. Erst allmählich schält sich die Gestalt der Frau heraus, die in all ihrer 'Fremdartigkeit und starken Individualität symbolhaft ist für das Leben auf dem Grasrande am Ufer des gewaltigen Flusses — und symbolhaft auch für die Frau schlechthin. Sie hat gelernt, zu warten, und sie weiss, dass eine Frau immer nur warten muss. So lange, bis einer kommt, der das Feuer löscht und ihr die Angst ums tägliche Brot abnimmt. Essen und ein Dach überm Kopf — dafür kämpft sie, zäh, Schritt um Schritt, für sich'und'das Kind, das sie von einem fremden Mann auf einem fremden Lögger empfangen hat, und das ihr niemand nehmen darf. O'Donneil erzählt mit wahrhaft epischer Breite, die auf kein noch so kleines Detail, und sei es auch nur das eines Kochrezeptes, verzichtet, und doch ergibt sich ein abenteuerliches Buch —■ tausendfältig das grosse Abenteuer „Leben" beleuchtend, das hier in allen Farben des Spektrums strahlt, und das in dem verlassenen, an öder Stelle restgemachten Hausboot der weissen Negerin ITnga Januar ebenso ausgekämpft werden muss, wie in dem Haus der Sister Kala- Vvitsch, der eigentlichen Heldin. Sister — das ist Schwester, und sie ist auch die grosse kameradschaftliche Schwester all dieser Lotsen und Trapper, Austernfischer und Farmer, die dieses Buch beleben, ihm schillernde Farbe verleihen. Da schimmert es vom Weiss der Europäer bis zum Braun des Negers Bonus, der einen Mann erschlagen hat und "geruhsame Zwiesprache hält mit dem Geist des "Toten, und die Lichter der Stadt New-Orieans stehen gegen das gewaltige Toben einer Sturmnacht draussen über dem Fluss, die die Menschen in Furcht und Schauer zusammenreisst und sie all ihrer Habe beraubt. Das ist packend gesehen und gemalt — wie man überhaupt an manchen Stellen glauben möchte, dass ein Malerauge diesen Griffel geführt habe. Es ist ein schönes, kraftvolles Buch, gleicher-, masseu erregend durch den steten Kampf seiner Menschen gegen die Ungesichertheit des Lebens, wie erlösend durch die Siege, die eine grossmütige Natur sich wieder und wieder abgewinnen lässt. Der nun schon namhaft gewordene Uebersetzer Hans Reisiger hat auch hier wieder ausgezeichnete Arbeit geleistet: das Buch liest sich wie ein Original, Vera Craener Abraham Berliner: Aus dem Leben der Juden Deutschlands im Mittelalter. In neuer Fassung herausgegeben von Ismar Elbogen. Schocken-Verlag, Berlin 1937. Als im Jahre 1871 Abraham Berliner sein Buch „Aus dem inneren Leben der deutschen Juden im Mittelalter*' erscheinen liess, betrat er damit ein für die jüdische Geschichtswissenschaft fast neu entdecktes Gebiet. Mit unendlichem Fleiss und Spürsinn hatte Berliner, der niemals eine schulmässige historische Ausbildung erfahren hatte, aus der halachischen Literatur uud den uns überkommenen Responsenwerken der mittelalterlichen Rabbinen besonders West- und Süddeutschlands sowie Oesterreichs die Bausteine zu seinem Werk zusammengetragen, das 1900 in 2. Auflage erschien und im gleichen Jahre noch von S. Bernfeld ins Hebräische übersetzt wurde. Der einstige Lehrer und Prediger der alten jüdischen Gemeinde Arnswalde in der Mark, der später nach Berlin an das Rabbinerseminar als Dozent für jüdische Geschichte und Literatur berufen wurde, hat für seine Forscher-. Tätigkeit reichste Anerkennung gefunden. Die Leipziger Universität verlieh ihm das Ehrendoktorat, und' zu seinem 70. Geburtstag wurdo ihm der Titel Professor verliehen. In einer Zeit wo der Wunsch nach Vertiefung im Judentum als „ein Gewordenes" überall lebendig ist, wird man dem Schocken-Verlag Dank dafür sagen müssen, dass er Berliners kulturgeschichtliches Werk in einer durch die Zeit und den Fortschritt der Wissenschaft bedingten neuen Fassung herausgebracht hat, und dass der Verlag Ismar Elbogen, den Geschichtsschreiber der Juden in Deutschland, mit dieser Aufgabe betraut hat, wird man besonders begrüssen. Elbogen hat Berliners Buch, das früher deutlich' die Spuren seiner Entstehung, aus Vorträgen zeigte, durch eine straffere Behandlung dereinzelnen Lebensgebiete der mittelalterlichen Juden Deutschlands dem Zweck der Neuausgabe im Rahmen der Schocken-Bücherei angepasst* ohne dabei das Charakteristische an Berliners Stil und Auffassung aufzugeben. Berliners Buch," ~ in einer allgemein- und jüdisch-geschichtlich ganz anders gearteten Zeit entstanden, wird auch heute noch oder besser gerade heute wieder den jüdischen Menschen in Deutschland als religions- und geschichtsverbundener Gemeinschaft Deuter des Vergangenen und Mahner für das Zukünftige sein. Dr. Ernst Fraenkel." T' 'heater der Menschlichkeiten Zum 60. Geburtstag Franz Molnars am 12. Januar ,,Feines kleines Gartenrestaurant nach französischem Vorbild an der Autostrasse zum Plattensee" —' so lautet die szenische Anweisung in Molnars letztem Bühnenwerk „Delila*". Französisch — Autostrasse — Plattensee-, drei symbolische Merkmale Molnarscher Kunst, die gesellschaftlich, modern und ungarisch ist. Er hat — nach dem Vorläufer Franz Kerczeg — das ungarische Theaterstück international gemacht. Einmal hat er nach ungarischem klassischen Erbe gegriffen, von Emmerich Madachs „Tragödie des Menschen" ausgehend, eine Art ungarischen -Peer Gynt" schreiben wollen, aber seine „Rote Mühle" ist ein prätentiös aufgeplustertes Drama geworden, das aus seinem Schaffen ziemlich herausfällt Es ist in den zwanziger Jahren mit Er- Mg am Burgtheater gegeben worden, aber er hat dem Burgtheater mehr gegeben, als er mit meinem Komtessensiück „Der Schwan-' einem Spätling alter Burgtheaterkultur, schuf. Die jüdische Komponente in Molnars Kunst, nm auch diesen Zug nicht zu vergessen, ist, wenn wir vorsichtig vorgehen, neben seiner Mittlerstellung am ehesten in einer gewissen Dialektik zu suchen. Etwa wenn in seinem hübschen Einakter „Das Veilchen'', das die Orska gespielt hat, die kleine Choristin, die mit jedem Theaterdirektor ein Verhältnis anfängt und — aus diesem Grande keine Karriere macht; denn die Theaterdirektoren wollen sie immer zu einer grossen Künstlerin ausbilden und dabei stellt sich ihre völlige Talentlosigkeit heraus. Solche Dialektik gibt meist den Rahmen seiner Mimodramen ab, die teils richtige Zeitungsfeuilletons in Dialogform sind, teils Einakter wie das „Souper", das mit. Bressart gegeben worden ist, oder ausgewachsene Dreiakter wie „Olympia", dieses Beispie! männlicher Rache, das mit des Autors letzter Gattin, LiJy Darvas, der Verwirklicheriii vieler seiner Gestalten, und Ernst Deutsch aufgeführt wurde: darin wird ein bürgerlicher Offizier von einer adelsstolzen Dame abgewiesen, aber als er sich als Hochstapler ausgibt, schenkt sie ihm, um sein Schweigen zu erkaufen, eine Liebesnacht und, da er sich ohne Uniform bewährt, ihre Hand ... worauf hin er ihr den „Handschuh ins Gesicht wirft". Jüdisch ist vielleicht auch sein Gefühl für Aktuelles: Seine commedia deli'arte „Eins, zwei, drei'", in der ein Bankdirektor (eine Glanzleistung Pallenbergs!) in einer Stunde einen Autochauffeur in den fashionablen Schwiegersohn eines amerikanischen Millionärs verwandeln muss, macht das Erlebnis des „Tempos" für die Komik fruchtbar, und sein neben „Harmonie" schwächstes Stück, „Die Fee" (Grete Mosheim war es), hat die „sachliche" Liebe zum Thema, für welche die Heldin nicht geschaffen ist. Sie verfällt auf die Idee, dass eine Eingabe zum Besten eines anderen leichter ist und wählt einen ihr bis dahin unbekannten armen Mann aus, den sie als Geliebte eines Reichen glücklich macht Dessen Anständigkeit bleibt aber in seinem. Glücke nicht ganz taktfest, uud er ist ziemlich empört, als die Fee mit dem reichen Wohltäter bricht. Dass es sich bei Molnar immer um Erotik dreht, ist ungarisches Erbe, dass es keine Mikosch-Witze werden, französisches Vorbild: Molnars gallischer Esprit vergeistigt noch das Schlüpfrigste durch seinen Witz. Die Spannweite seines Talents bezeichnen „Spiel im Schloss" nach dem Technisch-Artistischen der Szenenführung und der Brill-ance des Dialogs hin und, als dichterischer Gegenpol, das Volksstück „Liliom"'. Wie sich dieser Apache den lieben Gott^iur als Schupomann vorstellen kann, wie er, aus dem Himmel noch einmal auf die Erde entlassen, für seine Tochter einen Stern klaut, und wie das Mädchen den Schlag des ihr unbekannten Vaters als eine Liebkosung empfindet wie einst die Mutter . . ., das sind wirklich begnadete, köstliche Einfälle. Schon in dem dramatischen Erstling „Der Teufel" baute der neuuundzwanzigjährige Molnar einen Ur-Fall als Sinnbild ein: hier aoeh schwach die Betätigung des Teufels als Kuppler in der grossstädtischen Gesellschaft. In seinem bisher letzten Opus schert eine „Delüa" ihrem Manne die Locken, indem sie sich als Scheidungsabfiudung einen unvermuteten Lotteriegewinn verschreiben lässt, mit dem ihr Simson nichts anderes anzufangen weiss, als sich von einer Kellnerin kapern zu lassen. Sie schenkt das Geld dem armen Verlobten der Kellnerin (daß Märchenhafte wird in Molnars „SpätsüT immer stärker) — und dadurch kommt es nicht zur Scheidung. Es gehört aber zu Molnars Theater der Menschlichkeiten, dass die Kellnerin von dem verheirateten Manne nicht nur deshalb ablässt, weil er durch den Kunstgriff seiner Frau nicht genug Geld mehr hat, vielmehr weil sie weiss, dass er sie nicht mehr lieben wird, wenn er kein Luxusweibchen aus ihr machen kann. Im „Leibgardist" ist der Ur-Fall eine mittelalterliche Schwanksituation von Frauenlist: ein Mann stellt sich tot, seine Frau jubelt, wird von ihm zur Rede gestellt und behauptet seine Verstellung sofort bemerkt zu haben. Daraus wird bei Molnar die Verkleidung eines Ehemannes, der die, Treue seiner Frau auf die Probe steilen will, eich nach dem negativen Resultat zu erkennen gibt und die gleiche Antwort erhält wie sein Leidensgefährte im mittelalterlichen Schwank. Besonders gern überträgt Molnar Märchen in die Gegenwart. Zynisch noch im „Märchen vom Wolf*. Da erzählt ein Vater seinem Kinde von Rotkäppchen und dem Wolf, und seiner Frau, der er grundlos misstraut, naht sich der verführerischste Verehrer im Traum in viererlei Gestalt: in Wirklichkeit widerspricht er so sehr den Lockungen ihres Traumgesichts, dass sie ihn fortschickt und der Gatte weder von ihren unbefriedigten Wünschen noch von ihrer Enttäuschung erfährt. Molnars „Alterstil" gehört die im Kulturbund gespielte „Grosse Liebe" an, in der sich Märchenhaftes, Menschliches und Zeitgemässcs besonders reizvoll vereinen Märchenhaft 'ist die Aschenbrödelrigur der Modistin (schon 3%35'« V , . -& Ißi sm DUrcelj a Kr e-s cüsort ment <£er GvVrZ eltun$ 011 BESTELLZETTEL' Senden Sie mir b?s auf Widerruf die C-V.-Zeifung 99 Pfennig für Januar, Februar, März und eine einmalige postalische Verspätungsgebühr von 20 Pf. zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Name:__ Ort . Strasse:- Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert (oder unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W 15. Emser Strasse 42. 92 81 41-45 im „Gläsernen Pantoffel** hatte Molnar das Aschenputteithema, allerdings unzulänglich, behandelt), zeitgemäss die Gestalt des Jungen, der die „Krise" bejaht, weil er nichts anderes