Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Grundpreise s.PreisI. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszahl. — Anzeigenschlnss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit, Wmmehem MaximiiiM nnd MiniiMiiiti ©rsüsby-Gore am W&ndit©pe Englischen Pressemeldungen zufolge ist am 3. Januar abends eine Botschaft des Kolonienministers Ormsby-Gore an den in den Ruhestand-tretenden High Commissioner von Palästina, Sir Arthur W a u c h o p e, veröffentlicht worden. Die Botschaft trägt die Form eines Weissbuches. Es kommt darin u. a. zum Ausdruck, dass die Regierung zwar ihre allgemeine Zustimmung zu dem Plan der Peel-Kommission gegeben habe, na«h dem eine Dreiteilung des Landes das beste Schema darstelle. Der Kolonienminister betont jedoch ausdrücklich, dass sich die Regierung Sr. Majestät in keinem Sinne zur Billigung des Planes verpflichtet fühle. So habe sie z. B. den Vorschlag der Umsiedlung von Arabern aus dem jüdischen in den arabischen Gebietsteil noch keineswegs angenommen. Wie bereits bekanntgegeben worden sei, werde eine neue Kommission für Palästina ernannt werden. Schlussfolgerungen würden sich dann nach Vorlage in Gen! und nach einer weiteren Zeitspanne ergeben. Wie schon in unserer vorigen Ausgabe kurz angedeutet wurde, mehrten sich bereits in den letzten Wochen die englischen Stimmen, die von einer Aufgabe des Peel- Planes seitens der britischen Regierung wissen wollten. Nachdem zunächst „E v.ei» i n g Standard" mitgeteilt hatte, dass eine beachtliche Gruppe im Auswärtigen Amt aus Besorgnis vor einer weiter fortschreitenden Verstimmung der Araber dem Teilungsplan entgegenarbeite, vervollständigte ,,D a i 1 y Her a 1 d" diese Informationen noch nach der Richtung, dass mehrere Mitglieder des Kabinetts in bezug auf die Palästinapolitik einen radikalen Kurswechsel vorbereiten und sich bemühen, den ' Premierminister Chamberlain in; diesem Sinne zu beeinflussen. Unter den dissentierenden Kabinettsmitgliedern wurden yor allem genannt: der Innenminister Sir Samuel Hoare, Lord Winterton, der Earl of Zetland sowie Lord Halifax. Als Inhalt des von dieser Gruppe vorgeschlagenen Palästinaprogramms wurde die Beschränkung des jüdischen Status in einem gesamtarabischen Palästinastaat unter Ablehnung sowohl des Teilungspians wie auch der Schaffung eines Jüdischen Nationalheims genannt. Obgleich, wie es wyeiter hiess, Aussenminister Eden trotz gewisser Bedenken, die auch ihm hinsichtlich, des Peel-Planes gekommen seien, die bisherige Linie des Kolonienministeriums weiter zu stützen bereit sei, wurde doch ein Rücktritt des Kolonienministers Ormsby-Gore als Folge dieser Differenzen für möglich bezeichnet. In alle diese Kombinationen hat die oben wiedergegebene. Kundgebung des Kolonienministers zum ersten Mal einige Klarheit gebracht. Es seheint danach festzustehen, dass die neue, in den nächsten Tagen zu ernennende Kommission, die ursprünglich nur technische Funktionen in Ausführung des Teilungsplanes durchzuführen bestimmt war, wahrscheinlich mit Vollmachten ausgestattet werden wird, die so weit gehen, dass sie auch die Ausarbeitimg völlig neuer Lösungsmöglichkeiten umfassen werden. Die Umstände, unter denen diese schrittweise Abkehr von dem seitens der Regierung zunächst mit so eiserner In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Max Osborri: Wie die Kunstfälscher arbeiten — Margarete Steinberg: Adolf Goldschmidt 75 Jahre — Max Liebermann an „Kind aus seiner Klasse" — Eiias Hurwicz: Vom üebersetzen — Julius Bab: Die Demütigen — Lutz Weltmann-. Franz Molnar — Was wird aus den rumänischen Juden? Die Beilagen: Wirtschaft der Woche — Palästina-Umschau — Sportblait — Schachecke Von-jetzt an jede Woche „Gottesdienste in Berlin" Energie vertretenen Programm vor sich geht, geben zu der Besorgnis Anlass, dass es sich um eine Kursänderung zu Ungunsten der. jüdischen Interessen handeln dürfte. Zwar wird . von bestimmter Seite der Gesichtspunkt in den Vordergrund geschoben, dass die.Revisionsgedanken innerhalb der britischen Regierung ihren Ausgang vom Kriegsministerium nehmen und. dass-dort srrategisch'e, also in ihrer Konsequenz den Juden günstige Momente ausschlagebend seien. Es wird darauf hingewiesen, dass der kürzlich erfolgte Wechsel im Generalstab insofern nicht nur einen Wechsel von Personen, sondern auch der prinzipiellen Strategie bedeute, als die neuen Männer vor allem die Wertlosigkeit der sogenannten „Punktstrategie", d. h. der Festungen ohne Hinterland, betonten. Das bedeute aber im Hinblick auf Palästina eine möglichst weife Ausdehnimg des jüdischen Hinterlandes von Haifa. Abgesehen jedoch von dieser Einzelerwägung ist die Revisionsbestimmung ini allgemeinen so deutlich von dem Wunsch getragen, die umworbene arabische Welt endlich zu einem modus vivendi zu bringen, dass es ein unverzeihlicher Optimismus wäre, von ihr eine Verbesserung der jüdischen Chancen zu erhoffen. Symptomatisch dafür ist vor allem die Stimme der Zeitschrift „Great B.ritain and th e East", die sich immer für den Peel-Plan-stark gemacht hatte und auch jetzt grundsätzlich noch daran festhält, die jedoch gewisse Modifikationen, mit denen manden Beschwerden der Araber entgegenkommen könne, auch bei dieser Grundhaltung durchaus als im Bereich des Möglichen liegend betrachtet. Angesichts dieser Situation ist es kein Wunder, dass die Zionistischen Organisationen und darüber hinaus die jüdischen Kreise allerorten die Entwicklung mit äusserster.Besorgnis betrachten. Die Englische Zionistische Föderation hat in einer unter dem Vorsitz von Lady Reading stehenden Versammlung am 3. Januar eine Entschliessung angenommen, in der sie sich feierlich jeder Lösung des Palästinaproblems auf dem Status einer dauernden Minderheit der Juden widersetzt, das historische Recht des jüdischen Volkes auf die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina erneut feststellt und die Einverleibung des jüdischen Teils des Landes in das Empire fordert. Weniger, erfreulich als diese klare und selbstbewusste Erklärung des der britischen Politik am engsten benachbarten Teiles der Zionistischen Weltorganisation sind die Plänkeleien, zu denen die neueste Entwicklung innerhalb der jüdischen Reihen Ahlass gegeben hat. In England haben offenbar einige jüdische Finanziers, die dem Judenstaatsgedanken grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, die entstandene Unklarheit benutzt, um ihren Standpunkt in unsachlicher Verallgemeinerung durch Fühlungnahme mit den Teilungsgegnern innerhalb der Regierung in den Vordergrund zu rücken. Dieses Verhalten, von dem nicht entschieden genug abgerückt werden kann, ist allerdings nicht zu verwechseln mit den Kräften, die angesichts der sich immer schwieriger gestaltenden Allgemeinlage immer noch und immer wieder darauf hinweisen, dass eine eigentliche Lösung ■nur von einer Kooperation zu erhoffen ist. Der gegenwärtige Augenblick ist dadurch gekennzeichnet, dass die Teilung Palästinas, zu der sich in Zürich die berufenen Vertreter der Judenheit nur teilweise und unter stärkstem Zögern verstanden haben, weil sie darin ein Minimum des Notwendigen und Erreichbaren erblickten, im Laufe der letzten Monate zu einem Maximum geworden ist, um das man heute schon schwer ringen muss, wreil es von einer weit ungünstigeren Alternative bedroht erscheint. Diese Entwicklung sollte zu denken geben. An anderer Stelle dieses Blattes ist ausgeführt, dass es drei Etappen jüdisch-arabischer Verhandlungen gegeben hat: bei Ausbruch der Unruhen wurde über einen Zehnjahresplan verhandelt, an dessen Ende sich das Zahlenverhältnis der Bevölkerungsgruppen erheblich zugunsten der Juden gebessert haben würde. Bei der Abreise der Peel- Kommission wurde über eine Verständigungsbasis verhandelt, in deren Mittelpunkt die politische Parität "und die Autonomie der 3üc.vrhen Bevölkerung-stehen - sollte. Auch heute ist wieder verhandelt worden. Die Basis hat sich wieder verschlechtert, denn man spricht von der Einverleibung der Juden Palästinas in eine arabische Staatenföderation. Aber es ist auch davon die Rede, dass auf diese Weise eine Million Juden in absehbarer Zeit nach Palästina und eine weitere Million in die arabischen Nachbarstaaten einwandern könnten — wanderungspolitische Vorteile immerhin, die in einer verriegelten Welt ins Gewicht fallen. Auch wird in diesem System wieder eine weitgehende Autonomie der Juden in Aussicht genommen. Sämtliche Etappen solcher Verhandlungen sind zur Zeit, als sie geführt wurden, dementiert und wohl auch als Defaitismus verdächtigt worden. Auch heute wieder jagt ein Dementi und eine unentwegte Proklamation die andere. Zuletzt hat der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, Ben Gurion, wiederum erklärt, und zwar in einer Versammlung, in der Beschlüsse für die Schekelkampagne zum nächsten Zionistenkongress gefasst wurden, dass die . „Feinde des Zionismus" ihr äusserstes tun, um den geplanten Judenstaat zu verhindern, dass es aber nur die Alternative: Judenstaat in einem Teil des Landes oder Minderheit in einem Araberstaat gebe. Uns seheint, dass mit derartigen starren Festlegungen in einem Augenblick, in dem unserem Einfluss entrückten geschichtliche Kräfte die Entwicklung wieder einmal in Fluss gebracht haben, nicht viel gewonnen ist. Die neue Unsicherheit ist von jüdischer Seite nicht verschuldet worden. Sie wnrd als verhängnisvoll empfunden und man strebt, sie so schnell wie möglich zu beenden. Aber es müsste das Ziel einer wahrhaft staatsmännischen Bewältigung der neugeschaffenen Lage sein, sie nicht unter unverhältnismässigem Kraftaufwand schematisch auf eine Etappe zurückführen zu wollen, die vor ganz kurzer Zeit noch als schwer erträgliche Kompromisslösung, empfunden wurde. Die kurze, aber in ihrer abgleitenden Kurve aufschlussreiche Geschichte der jüdisch-arabischen Verhandlungen sollte als Warnung dienen. Sie weist dringend darauf hin, dass eine Lösungsform gefunden werden muss, die in den Interessen beider widerstrebender Parteien so fest verankert ist, dass nicht wiederum wenige Monate genügen, um einen heute vielleicht noch "erreichbaren Ausweg zu einer unerreichbaren Illusion zu machen — immer vorausgesetzt freilich, dass die europäische Orientpolitik eine Auflage überhaupt, ermöglicht. B. R.-J. €hron£k i. A. H. Zu Beginn des sechsten Jahres unseres Schicksalsweges um eine Gesamtschau bemüht, sehen wir unser äusseres Dasein in fast allen seinen Erscheinungsformen der Zielsetzung immer näher, die man sich für uns vorgenommen hat. Eine Aufzählung dieser Entwicklung im ein einen förderte aber nicht die Kräfte, die wir um so stärker brauchen, je mehr wir;uuf uns selbst gestellt sind. Viel wichtiger ist die Feststellung dessen, was aus eigener Leistung noch zu tun bleibt oder neu getan werden muss. Wesentlicher fast als die schmerzliche Verringerung unserer Möglichkeiten in diesem oder jenem Sektor wird da die Frage, wie wir der bedrohlichen Verschmälerung unserer seelischen Existenzbasis entgegenwirken können. Ein unerwarteter Faktor ist dabei neu aufgetreten: Rumänien. Es erscheint vielen fast als eine Bestätigung, unserer eigenen Situation, dass im * Südosten Europas eine uns an Zahl vielfach übertreffende, von kultureller und materieller Tradition im Durchschnitt wenigerer füllte Judenheit auch te. einen dunkln Strudel hinabgezogen zu werden -scheint. Die eigene Erfahrung übernimmt vertraute Symptome leicht ohne nähere Prüfung, und sieht bereits den Ablauf, wo kaum erst ein Anfang deutlich wird.4 Es gibt eben keine schlechteren Diagnostiker als Kranke, da sie überall auf Anzeichen, ihres eigenen Leidens zw treffen meinen. Gewiss, wenn man liest, wie sich die Absichten der rumänischen Regierung äussern, fühlt man sich zumindest berechtigt, nachempfinden zu können, was in der Seele der rumänischen Juden vorgeht Aber vielleicht stimmt auch das nur zum Teil. Denn was dort genommen werden soll, haben die meisten in Wirklichkeit kaum je besessen. Und der aufmerksamere Blick findet Erscheinungen in- und ausserhalbder rumänischen Grenzen, die sich dem ungehemmten Abrollen der gegen die Juden gerichteten Pläne entgegenstemmen könnten, und die sorgfältiger Beobachtung bedürfen. ■ Wir merken gerade bei Gelegenheiten wie dieser, was aus unserer Gemeinschaft hier geworden ist, wenn wir uns vergegenwärtigen, mit welcher Kraft und mit welchem Erfolg in früheren Jahrzehnten Juden unseres Kreises für die rumänischen Schicksalsbrüder eingetreten sind — vielleicht ist das das einzige, worin wir jenen voraus sind, das stärkere Bewusstsein eben ' dieser Schicksalsbrüderschaft —, während wir diesmal fast allein darum besorgt sein müssen, dass die Parallelität dieser oder jener Entwicklung nicht wechselseitig zur seelischen Schwächung führt. Es gibt -" Wenn es erlaubt ist, diesen Begriff zu wählen — keine Konkurrenz von Juden gegenüber Juden auf dem Markte, wo die Hilfe für Judennot notiert wird, solange sie als P a r t n e r der Hilfe auftreten und an sich und auf sich halten, um nicht ihr O b j e k t zu werden. Das Neuauftreten von 800 000 Juden schwächt nicht etwa die Hilfsfähigkeit der grossen jüdischen Hilfsorganisationen, oder müsste sie halbieren oder dritteln. Wenn, was als dunkle Wolke seit langem am jüdischen Himmel hing, die Riesenmassen der östlichen Judenheiten in Bewegung zu geraten drohen, so sind sie nicht mit den Mitteln aufzufangen oder umzuleiten, die, wie wir gesehen haben und täglich wieder sehen, kaum für die wanderungsfähigen Menschen unseres Kreise?