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Central-Verein-Zeitung · 1936-09-16 · 38 (16.9.1936) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Gemeindeangehörigen im einzelnen nicht überblick! mrvivn feinu. niin'i ec- „i einer 2!ngelegenbeit der mKlufiH'neii- Giemcindeddzernnle. Da ist man Gebrirts''all. .'Steuerzahler, Hciralsllistiger, SL*dter vinee .'d)ii[fiiif'e-:-, . 2iinnqoi'icnhciuri>rr, ildofilfnhrt.c-cmie-Tdnticr, Todesfall, aber man ist'! nicht (oder minf i iien-j im' Junftiimiercn des Ber-, /wa.llungsapparates niriit)- -r Mensch. Tie Leben»-. ■-XtTicfi 11 n;T-'iisind versachlicht, das' bewegende per» ' sächliche ETIebui». lritl als Berwattniigsvvrgang. ^litane, der Lebcnsn'H'g ist ein Aktemveg. Zugleich freilich fordert dieie t'lrt der.Gemeindeverwaltung (sie ist die zunächst notwendige,imlimgäiigl-icljef ein große» verioalliingslechnistlies. Köniieu und'ein be-- .' f.ondercs 'organiiatoriich'es Geschick.- Aber die kebensmäßige '-lst'rbnndeliheit einer folchen GroßgemeindeverwälliiNg mit dem tvemeindemilalied und insv!,ch'de''en and, 'eine C otcvioiüu-jfcit »nd Einsatzfähigkeit — das alles steht dahin. \ . III. War es iiolwendig. diele besondere venvaltiingstccljinleljc Trageflellniig .per (örvßgeineindearbeit niisznrvllen. >vv. es um die Bezielinng zur oiincut» geht? Wir gl>uibei!.- ja. Tenn soll die.(nitivick- . Ium] Zngend nnd (Gemeinde endgültig zlisanunenführen, sottnüsien in die zuliilistige Planung des Geineiiideleben» jene Bedingtlieiteii eingestellt >verden, nnler denen allein die juna.e Generativ» sieh ihr Tas'ein zu formen gmvillt ift. Diese Bedingtheiten aber sind: inenseljlielie Beziehniigen inid, in - deren Torfwirken, soziale OscrechligkeitZ Zcne persönliche Eriaiinng des bch>,„eindemitichie.des in der Totalität.seines Lebens durch die Gemeinde, nste ' sie in der Zleingeuieinde möglich und gewohnt, in der Grvhgemeinde aber so außerordentlich schwierig ist, wird für die Engend üinerlaftlidje Tvrderiiug am alle gemcindliche Arbeit sein. Läsrt diese Tvrdcrnng siel) vcrwirklichen oder ist sie ein iliierreichbarcs Ziclf Mit dieser ,Trage tritt unsere Betrachtung in das entscheidende Stadium. Schwierigkeiten sind immer dann groß, wenn inan aus das Gi„l-nwär1ige in seiner vielfältigen Gcwordenheii id>ant: denn -das seheint immer nn- . überwindlich. Erst die Rückbesinnnng aus die Grundlagen,denen dus Gewordene entwuchs. inacht eine 'Renorienliernng .inöglich, Die jüdische Gemeinde ift die Erislenzsorin des in der Zcriireining . lebenden Zndentiims. Als der erste Tempel zerstört und das Herzstück das Gottesdienstes, das tTpier, srl,einbar mnviederbringlieh in Tort fall' geraten tvar. fanden siel) die in. der babplvnisehen . Grsangensebaft lebenden -Znden täglich zu gattesdienstlirher Hebung zusammen. Rach der 3i,ickkehr nach Jerusalem und der Wiederaufnahme des Lpserdienstes im zweiteil Tempel erhielt sich der neue Brauch, iind er gewann an Straft, bi-i er nach der ziveiten Tempelzerstörnng als einzige kultische Form nbrigvlieb und sv das Judentum vor dem Zerfall bewahrte. . Die geniale Reu- . schöpsmig der politisch zerfallenen Zudenhcit. das Lehrhaus, fand hier schon den organisatorischen Nahmen bereit.. Die von der Dempelstätte und dem heiligen Boden räumlich getrennte, nur auf geistige Gemei.»sel>aft gerichtete' gottesdienstliche Versammlung ist die.Urform jüdische» gemeindlichen Lebens-. Die Beter umschlingt das Band gemeinschaftlicher Hingabe vor Gott, und diese Gemeinschaft bewahrt sich, weil sie auch Gemeinschaft des Lernens und der lebendigen Berwirklichnng ist. noch vor dem äußeren Leben.' Ans der ^gottesdienstlichen Drdnnng wird so im Laufe der . Zeit--die weltliche Drganisatioiissvrm. der Gemeinde. der lioliilloli, in die mit der Kraft des Gebetes nnd der gläubigen Berivirklichmng des Neligivnsgesehcs ein Stück Eivigkeit eingeht. LevölksrunZsrikkern . heim, die 5,7 Prozent der Gesamtbevätkerung lUQLsQlLbr ^I6Hl61NQ6N X bildeten. 1010 waren es 6402 oder 3,3 Prozent. ^"-1925 6972 oder 2.6 Prozent. 1933 6402 Personen Breslau Aach einer. Zählung der Verwaltung der Snaagogengeineinde betrug die Zahl der ' Zuden in Breslau am. l 1,Z»ni 1934 1.9 590: Am 3!. März .. 1933 loaren 1-<67.6 -Personenvorhanden -und..am- - 31.'JJuu'v 1930 16 243. Zm zweiten Bierteliahr des laufenden-Jahres.waren durch Tortzug-.' Ans--: loauderniig, Tod und Austritt 612'Abgänge, durch Zuzug, Geburten uind Bststder^eintrilt 4 ln ,Z ii ga.» g e zu verzeichn in. Z > > der gleichen. Teck des Boriahres betrug' die hchhl der- Agigange 297, .die Tglü der Abgänge 3.W9. ATm .ziveiten Bierleljaljr 1936 lhit danach die Breslauer 'vienieinde 2>>2- : Deelen gegenüber I«>2 in der gleiche» Peit 1937, verloren. Am 30. Juni 1930 wurden 1S U41 3.Uit. glieder gezählt. J Frankfurt a. M. Im zogen 367 Personen ZN und 430 Persvneii fort. Bon den .PlZiebenden kamen aus Gelueiiideu innerhalb Deiitsclilaiids 321 'Persvueii. l^ach lDrten innerhalb Teutschlauds verzogen 134. nach dem Ausland 17,0 iind mit unbekanntem ,Ziel - 1-10. Unter den nach dem Ausland A u s g e iv a n - derten besandeii sich 49 ledige Pläniier und 44 ledige Trauen, sowie 37 Tamilien init 26 'Männern und 31 Trauen. G? hvre n worden sind im 'Monat v'\ 11 ti drei .ginder, g e ft o r b e n find 22 Personen. Tie Zahl der G. h e schlies;nngen hat 'sich gegenüber dem'Monat x'\tili verringert isiebeil gegenüber ll» im Tut! v. T-b Dieter hsückgang der Gheschlieftiingen mar. U'-!6 sortge'el.t zubeobachten. Während im, Mai noch 26 trhcn geschlossen wurden, loaren es im T»ui mir noch 17., Die Zahl der Znnnd'Tvrtzüge hielt sich in den Monaten Mai bis Zuli ungefähr das Eleichgeivicht. Die betrug 902 bzw. 911. oder ' 2.3 Prozent und im Zähre'. 193'b rund 500n Personen oder 1,-6 Prozent der GesamtbevÖlkerung. Die Konzentration der Juden in der größten Stadt Badens war alfo fleincr als die allgemeine Bevölkernngseiitivicklung 'Mann-. Seit. 1925 üt. neben der?lbnahme des prozentualen Anteils auch eilt tatsächlicher Rückgang der Zahl der Mannheimer Juden zu verzeichnen. Tiefer Rückgang betrug von 1927, bis 1933 6 .Prozent und von 1933 bis 1936 weitere 20 Prozent: Zn Mannheim ivokmen etwa ein Drittel der in Baden ansaüigen Zllden. Bis znnr 1. Znli. 1930 unb feit 1933 find ungefähr 1250 Perionen abg e iva n d er t. Außerdem in der natürliche Abgang durch Sterbesälle großer als der Zugang Stettin Zn der. Snnagogengemeinde Stettin, die am 31. Dezember 1935 217.3 Personen zählte, sind im ersten Biertetjahr 1936 '25, Z n g ä ii ge und. '9V. Abgänge zu verzeichnen, (fs zogen 19 Personen :zn und 65. darunter 51 Männer, fort. Die Zahl der T o d e s s ä l l e betrug. 10: im ersten Biertelsahr 1937» wurden dagegen 35 Zugänge nnd mir 60 Abgänge, darunter 53 durch Tortzug. registriert. Zu den Monaten April Pis'Zuui 1936 zogen 34 Perfoneu zu und >2 fort. Die Suinme der Zugänge betrug'insgesamt 37, die Zahl der Atizzänge 66. Zn den gleichen Monaten des Zahres. 1935 betrug die Zahl der Zugänge 27 und die 'Zahl der Abgänge 66. Zm ersten halben Zahr 1936 hat danach die Gemeinde Slettin um 02 Personen zugenvmmen. dagegen um 164 abgenommen, Der Gefamtverlnft beträgt also 122 'Perwnen in einem - halben Zabre. Am l.Zuli'- ll'36-hat die Gemeinde 2o3l Seelen umfaßt. Bon dieser Konzeption her läßt sich auch aus die Trage der Gegenwart.'wie. ivir sie.'lcltt.en,eine 'Ant.ivorl geben. 6j„e .görperfchaft. die zchntan'-end oder gar mehr als hmiderktausend Menschen um-- saßt — das ist keine keliiliol,. das kann kdine fein. Geineilide ist mir dort, wo betende '.Olen''dien ohne die Scham vor der entliiillendeii Himieigiing zu Gott liebeiieinanderstetien. ivo sie ohne die -falte Tremdheit der grosistädtüchcii 'Atinvsphäre mitein- . ander lernen iind leben. Darum ivird die jüdische '.Ge.meinde der Znknnst nicht-, um ein Ber-. waltnngsgebände, sondern n m d i e' S v n a g o ge n n d d a s L e l, r 1) n u s g e l> a nt. werden inüssen. Die Lrganisatioiistorin der inoderiieu' Grvßgemeinde darf mit ihren Bedürfnissen diele Plaünng von inneii!>er nicht hindern und nicht zerstören. 'Als Ber'waltnngskörperlchast muß sie . erhalten werden, aber von .zentraler- Stelle her.' werdi'n neben der allgemeinen Lcitnng der 6'eineindeangelegenheitcii mir mehr die finanziellen, die wirtschastlichen uhd die sozialvoliliidien Tragen geregelt iverden düysim. .Oleingemeiiiden. nach der .Wohndichte über die Großstadt verteilt, höchsten» 300«) bis 7,000 Ptenschen Iimlasfend Iliid damit nach fast sv groß ivie die 6>emeiliden von Stlittgart oder .Düsseldorf, von ein bis ' zwei Rabbinern betreut, losen j,n engeren -greife und in Selbstverwaltung 'die kiiltnrellen -und ivvhlsahrtspllegerischen Aufgaben ihres Bezirkes. Zm Bereich des modernen. Staates, in größerem Maßüabe freilich, treuen wir ein ähnliches Berivaltiings'hstem an. das in seinen Anfängen ans englische Borbilder und die Reformen des Treiherr vom. Stein i.n Preußen zurückgeht. Auch hier flehen -gonzentrativn nnd Dezentralisation einander gegenüber, avobei der zentralen Sberinftauz die aligemeineu und übergreiseude»/ der lokalen Berivaltungskörverschast die besonderen und engeren Tragen ihre» Bezirkes überlanen bleiben. Der Sinn dieser Drdnnng in es, den Geineindebürger vorn Berwaltiiiigsobjekt zmn unmittelbar nnd tätig Beteiligten, zn machen. 91 Ile schöpferische Kraft, die im forgendN« nnd nmsdiaiienden Ptenfchen lehendig i't. soll in-der Tvrin der SeLbsiverioaltnng tür die engere und damit IcUtlich and, flir die weitere Gemeinschaft srnchtbar werden. Zn. einem ähnlichen, die zwischenmenschlichen Krä'le einschaltenden Sinn aber kennt auch die jüdische Zngend der Gegenwart gemeindliche Grisienz. Sie hat - diese Lebeicsfvrm freilich unter Beichränkmig auf die eigene Generation unter zeitgebundenen Aspekten in den Bünden geprägt nnd sich zugeeignet. Wenn sic zur Gemeinde kommt, soll sie sich wiederfinden, Bund und kohilloh, zeitliche nnd zeitlose jüdische Lebensform, liegen hier ans der gleichen Linie, um )veniges nur unterschieden. Da»" ist'eine ungeheure Chance, die nicht verloren gehen darf. Die .Tordernng der Zeit nnd de» Rationalismus moderner Berwaltiingstechuik haben die Großgemeiikd.e zu dem feingliederigeu. mit zahlreichen Räderu iueinaudergreifendeu Gebilde gemacht, das sie heute-iü. Der neue Weg iu einer veräuderteu Zeit -nihrt sie. die sich beivahren muß. was sie in ihrer Gntwicklnng gewann. über andere Tvrmi-n hinweg zn ihrem heiligen llr'vrnng zurück — der Zngend entgegen. vr. Kurt Julius Riesner . durch Geburten, 1935 betrug die Zahl der Geburten 22. die Zahl der S t e r b e' a l I e - Znterenaut in. daß es in Blannhenn mmr ledige als verheiratete Zuden gibt In der A tn - stufe von 25 bis 30 Zähren und ber den Manucrn nur 7 5 Prozent, in der Altersstufe von _->o bis 35- Zähren , nur 29 Prozent verheiratet, -r ie bi» 40-jährigen Männer sind noch zur valtte unverheiratet. ' Cs gibt im' Alter von 4« G. 60 Zähren iait io viele Personen wie zivnchen -0 und 40 Vahren. Die. Zahl' der iiber ^'.cbzlg- ' jährigen iN wehr als doppelt-so groß wie die der Zinder -bis zu. 5' Zähren, 8xna§v§en-lul)iläum in Köln Die Svnäg'oge in der. Glockengasse z» Nöln. eine. -Stiitu'nq des 'Gelzeimen Zominerzienra-ts Treu , Herrn Abraham von Oppenheim, des Znhabers de» bekannten aleichnamigen Bankhames. konnte Cnde August auf ihr 7 5 j ä h r i g c s B e st e h e n zurückvlicken. Aus diesem 'Anlaß fand am l2,ccptember ein TeügoNcsdiciist statt, nnd das ..Gemeindeblatt für die jüdiiichen büemeinde'n m Rheinland nnd Westfalen" gab eine besondere Gedenkbei läge heraus. An ihr haben führende, Person-- lichkeiten des Kölner Gemeindelebens mitgearbeitet. Der Bvrsivende dcs Boritandes der Sunagvgengemeinde. Albert B e n d i r . stellt an -Zaand alter Akten Daten zur Bauvvrgeschichte zusammen, viemeinderabbiner Dr. Ludwig 3t v i e n t h a l. der seit Zahrzehnten gerade in diesem Gotteshaus - aintiert, gibt einen Rückblick auf die Entwicklung im lebten Bierteliahrhnndert. Zn die Geichichte der Zudeu in Köln führt eine Betrachtung von Genieinderabbiner Dr. Adolf 9 v b e r „Pvn der Reugründunq der indischen Gemeinde Zoln bi» zur ’ Weihe des Gotteshauses". Robert S t e r n beschäftigt sich mit der Architektonik de» übrigen» bis heute unverändert erhalten gebliebenen, im inailriseheu Stil erbauten Gotteshauses, '-lbeitere 'Beitrage zu dem Gedenkblatt steuern bei die rheinischen tli-abbiner Dr, 'Mar G s eh e l b a ch e r . Dnsseldvrs. Dr. '.'lrthnr B l u h in. Krefeld, Dr. S e l i g s v h n . Bonn, Dr. Z. C a r v und Dr. Dünner. Köln, svivie Stiidiendireklvr Dr, Erich Z l.i b a -n s k h . - Alfred A ll e r h a ch . L. E h a i m , Engen Zacv b i und Professor Dr. Bruno Kisch. E. G. L. Leo Kreindler, der. Hauptschristleiter des „Züdi scheu Gemeiudebiattes". Berlin, wird am 23. Sevlcmber 50 Zähre alt. Er ist wohl der dienitälteste jüdische Zviiriialist im e i g t u 11 i ch e n Diliiic des Worte», nämlich als Schriftleiter einer.jüdisehen Zeitung. Sv ergab sieh mit Sittbstverstäudlichleit. daß er in .Trageil feiner Beruss. genossen immer— a-ir führender Stelle mitivirkte . iind für die jüngeren Kollegen und. Mitarbeiter der jüdischen Zvnrnalistik ein wertvvlleo und fördernder Berater geworden ist. Wir erinnern . uns bei diesem freudigen. Anlaß auch gern, daß. Leo Krei'.idler die jonrnalislische Unabhängigkeit besessen hat. seine positive Einstellim'g znm Eentral-Berein schon zu einem Zeitpunkt journatistisch zn vertreten, in dem die Meiiiiingssreiheit de» Schriftleiters gegenüber dem Verleger in Gesiinningsfragen noch nicht geiebgeberisch geregelt war. Wir wünschen nnierm Kollegen Kreindler. dessen Lebensgangs und Berdienste wir vor nicht langer Zeit an» Anlaß seines. Amtsjnbiläiims in der Berivaltnng als Lberbeamter der jüdischen- Gemeinde r'übmend gedacht haben, weiter erfolgreiches Schaffen. . ' , ... Hebräische Lehranstalt der Ziidischen Gemeinde zu Berlin, Große Hamburger Straße 27 und stlopstockstraße 7,6. Rach den Teiertagen beginnt da» Wintersemester. Es -werden neue ^lassen für Anfänger esngeriehtet. Zn allen Stufen für T>-'rt- , geschrittene sind 'Renansnahmen - möglich. A'ninel-' düngen an Rinan Berggrün. Berlin-Eharlottenburg. Kaiserdamm litt.'(Telephon: J 3, 1490.) ,,Jud Michel“, der erste jüdische Hausbesitzer Berlins 'Michael Znda, Pom Bolksmunde im ganzen Del'itschen-Reiclie'halb spotliscl). halb aiierkeniicnd „Znd 'vlichel" genannt, lebte in den Bierziger Zährendes l>>. Zahrhlinderts in der ttlosicrstraße in Berlin und ist der erste Ziide, von dein' mit Sid,erl,eit feststem', daß er in. Berlin ein eigenes Hans besißen dürfte. Er ist in mancher. Hinsicht ein norddeutsches Gcgensttick zu seinem in Siiddeiltschland tebenden, etwas älteren Zeitgenosien. dem lingleich berühmteren Zoselümnn von Rosheim, . Llber wirkte Zoselmann ' durch tmermüdliclie Bitlsd:r>ilcu, "Eingaben, persönliche - Besuche ganz Peicuisil für seine GlauPeusgenossen, so üble 'Mldicl. vtnie es auchAnur zn beabsichtigen, einen ähnlicli gimsligen Einfluß durch seine offene, unbekümmerte Lebensführung ans. Run waren allerdings bei ihm wie bei kamn einem anderen Zuden die Boraussei.mngen für ein sir'ieres Auitreten gegeben:., denn er. ivird übereinslimmeiid nicht nur ols ein sehr reickier-, sondern auch alsein körperlich 'migeioölmlid, . staltliclier Ptauir von geradezu reckenhaftem Aussehen geschildert.. /Dieser llmstand. der den herköiuiulichen Borsteiliuigeu von' der körpertichen . "Beschasfenheit der Zuden strikt zuividerlief. be- '.loirkte. .daß sich schoii zu feine» Lebzeiten ein großer Legendenkranz mn il,n bildete: mau behauptete. er fei der unehelidie-Sohu eines Grafen , von ~ lAegeuuein oder vom Rrinfeid. .Diese - Legendenbildimgtourde dadurdi begünstigt, daß , „lau über Midaels' Herklins.t nicht viel wüßte.' Rach einer 'Aiindn uni ov aus Dereuberg bei Halbernadt stammen. und vom "Hüu' zog 'Etichoum Brannsdnoeig gablenverg zmn ..Tmanzrat" -ge-', macht worden sein: nach einer anderen Ansieht soll er ans Riirubcrg ftaminen und nach der 1536 erfolgten Bertreibnng der' Zuden ans R'ürnberg zmiädift. in' Türtü mit zwei Ge'ellichaftern eine .Ha'nde!sge'el!''diäst gegründet baden. Ten' steht.jedenfalls.' daß-er ungefähr von 1540 bis zn feinem 15,9 'erfolgten' lode in Berlin lebte, und ztvar ganz in der Art eines großen Herrn: er hatte eine große 'Anzahl.'von Dienern, ,Unechten, Reisigen-in seinen .Diensten und nnlerliielt einen kleinen MarstaU. Außer in Berlin halte er auch in T^ankfurt a. d. D. Bentumgeu. Beim regierenden Utirfürsten von Brandenburg. Zoaehim ll.. war er hochaugesehen. , Aus seinen Reisen trat er ruistgroßem Pomp auf. Sv wird z. B. berichtet.' daß er' , auf dem hleichstag zu . V'lugslmrg 1546 konbar .gekleidet. eine sehivere gvl- ■: dcuc Kette' um deu Hals, auf einem reich ausstajsierteii Pferde und umgeben von einem Dutzend gut ausgerüsteter 'Reisiger 'erschien, so .daß der .alte kiirzsichtige Erbmar'cbaU von -PavpenhetUk' ihn für einen hohen Turften hiebt, zur Seite trat und die Rtiitze vor ihm zog: auf seinen -Zrrtum aufiuertiam -gemacht, loiinidite der Erb- marsthall dem ..alten fchelmi'cheu Zuden" humorvöU-kuo'rrig ein heftiges. -Donnerwetter an den Zopf. Er ahnte wohl kaum,,'wie .'rasch -fein'Wunsch -in Ersi'illmig gehen tollte. . Mieljel' avurde nämlich - auf' einer Reife überfallen und gefangengeuem-. .iiieil. doch gelang es ilnii.sdiließlidi. sich zu befreien: die Teiliiehiiier an dem Ileber'ait ivurden'"avegeu-, Berletzcilig des 'Landfriedensluiigerichtet. Aiich dirfcs Ereignis ist in zivei verfduedeueu Bernoueu ' überliefert: nach der einen ivurde Rlidtel bei Torgan Überfällen und entkam, ivahrend feine Zeiowe bei einem., guten Tropfen eine Siegesfeier veraustatteten: nad, der andern soll der Heöera!!' beim Tor'c Erodcn ' im '.'Aagdel'lirgi'ehen slatrgeflmden Aiaben»nd Rlichel dadurchentkommen sein, daß « cinige vorbeikouuitende Bauern diircl, " die' Beliaiipnuig. er fei c-in'-. brandenburgi'etiec Hailptruann. zu feiner Befreiung vcrairlaßle. Zotig un Zacob Samdt becicnlet in feinen ini Zabre 1717 evfdiieiieneu ..Z'udi'ehen' Merkwürdigkeiten" ' «IV. Teil. 6." B'.'.shj 2!. ttaoitei.' r 13, gletchnerrdo- Ilebertle'eriuige:!. ioobei er Rttchel als ..einen der- .vvrnelmi''teu unter'den Zuden ihren Rabbi iiitd Kurze Zeit darauf fand Micliel ein betrubtidies Ende: .er fiel iu, fernem Berliner Haufe eine. Treppe Himmler• und' brach sich den Hals. Sehiidl. der iogar das Datum — den 12, 'Mai 1549 — zu berichten tveiß. läßt diesen Unglück». fall zur Erhöhung feiner dramatischen Wirkling unmittelbar nach der geglückten Befreiung skaltfinden. — Das erste Brich über 'Btichel ..Bon Michel Zudeu todt" erfchicn bereits, iu seinem Todesjahr 1549 in: Marbach.. OüuUier Luoser. Ein mnerjüdischer Konflikt vor 125 Jahren 'T6er üch iiäher mit der Geschichte 'nuferer Genieinden in -vergangenen Zeilen befaßt, wird immer wieder aus Streitfälle stoßen,.die recht . häufig zu be'vndereii Staatsaktionen aufgeblasen iviirden und nicht selten sogar in jahrelange.. .. Streitigkeiten vor den Behörden ausarteten. Der Aiilaß ivar oft von läch.erlicher Richtigkeit: einmal ioar es der Schmuck der Svnagogeiiplätze zn zn Sihoim'ianß «io vor 120 Zähren in der alten oberpfälzndien - Gemeinde Tloß>. ein .andermal die Anbriiigiing einer Tiraßenlaterne. und nicht zuletzt waren es häufig ttleider- und Etikeit-Tra-. gen. Bekamit ist der -Konflikt, der, mn die 'Witte des vergangenen Zalirlumderrs in der Grvßgemeind.e Breslau eiit'tand. als Abraham- Geiger für sich-als Rabbiner anc neue Gewandung eiufnorle und deshalb von Gegnern angezeigl und von der Behörde mit Berwels belegt wurde. Zn ge'.ri''er Hinsicht ähu.elr die'ein „Talk" ein Vorkommnis. da» uns ans Bamberg überliefert ist. ' -?:e Zeit'chnft ^.Sulamill','. die David T r a e nkel > Dc'fanin den ersten Zabren des 19, Zahrl'undert» berausgav. bar uns hierüber in aller '.'lusstihrlichkeil berichtet. 1606 leien wir auf den Sei:enn>0 l'.'u im ersten Band des 2. Zahrgangs. ..Bambrrg. Seil geraumer Zeit hielten fnebrere lucstge Zud^iZdie' über die Rtligionsbranaie ihrer Borfahren eine dem Geiste des > Zpnali-.-r» angemestene Denkart hegten, mit den ...E brrste.»—iiu c legan t.en ,..7Am-Zi4zzs--nMd^I'Nl'M7M^' gleuoeii S-ÄrillT Auch trugen . sie keine Bedenken, mit runden Hüten und Stiefeln die Svnaaoae ur betreten.' oder die sonst gewöt'mciche 'a-:oarze sstrrbe im Anzüge mit den herr- 'aienden caode'arben zn wechseln. Dieß alles ' bat bisher, wie es schien, kein Aufsehen erregt, '.'lber am '.euren Dster'esteließ der Rabbiner '9 Trmgcister mir Rangiiinbeiiikieidern. Sti-e.'etn und runden Hüten bei ErlgeiMug -dc» augeinelNLN Segen» vorübergehen. ohne sie dieses Glüeke? theilhaftrg zu machen. Diese Berdamiiiteii ivendeten sieh nun an die Koni gl., baieriscste Landesdirektion imd baten sowohl um tsteinigtl,niiiig. als auch um Abschafsnng verschiedener 'Mißbrämche. Der König!. Pvlizehdireklivn gieng hieraus die Weisung zu» ' die dem Geiste der Zeit und den Grundsützen der liberalen Regierung Baierns' geniäßen Berstiglingen zn treffen. Aber was geschah? Wider alles Beriiiiithcn las der Schnlklvpser in Anwesenheit eines Pvlizeiofsfzianten lind Pvlizeifoldaten den Befehl der Zöniglichen Pvlizeidirektion öffentlich ab: „daß es künftig keinem verheuratheten Zndeii mehr erlaubt sehn sollte, sich an halben Teiertagen. den Bartabnehmen zn lasten, noch am Samstag mit Stiefeln, rnndem Hute etc. in der Spnagoge zn erscheinen, - woiern er sich nicht die schärfste Ahndung zuzieheu ivolte." Die betheiligten Ziidividuen verlangten sogleich eine legale Abschrift dieser im Zahre 1606 merkwürdigen Beryrdniuig. welche ihnen aber abgeschlagen ward.' Hierauf ivendeten sie sich.von Renem an die aller- ' höchste Stelle, nnd man siehct dem Ausgang . .begierig entgegen." Wir können mit den Lesern der „Sulamith" von 1606 di? nngeheure Erregung verstehen, mit der man dem -'Wort her „allerhöchsten Stelle" entgegensieberle. Glücklicherweise können wir diese Spannung sofort lösen: die Leser der „Sulannth" freilich hatten es nicht iv gut: sie mußten etwa ein Jahr, warten, mn dann aus Seite 423 des zweiten Bandes des 2. Jahrganges wiederum „Aus Baiern" folgendes zu vernehmen: „ „schreiben aus Bamberg. Die in der hiesigen Spnagoge vorgefallenc Streitigkeitssackie (m.s. Sulamith 2ten Zahrg. 3tes Heft Seite 169) ist nun beendigt, Tie bekannte Parthei der Tanatiker hat von'München ans zur Treude aller derjenigen, welche selbstständig bleiben wollen, einen Beriveis bekommen So kleinlich auch die ganze Lrreiriache'linmerhln sNswnmny— so wichtig ist sie hingegen in Ansehung der Tolgen. Atchrere Thatsachen. die angeführt iverden konnten, überzeugen einen Jeden, wie nachlheilig der Vorfall in der Synagoge hätte werden können, ivenn die Sache nicht eine andere Wendung genommen hätte. Durch die Zeitungen daräns aufmerksam gemacht, ließ das Ministerinm ein Resultat erfolgen, das man mit Recht von der Regierung Baierns erwarten konnte." EL l

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