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Central-Verein-Zeitung · 1936-09-16 · 38 (16.9.1936) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Francesco Ruschi, italienischer Barockmaler Vor ii’entocn iaqm ftarb in Berlin der -' Kunsthistoriker, , Tr. E-rin't --".»di cii n l f f i im. Alter von 35 ^iiiirni. irr l'atte «eine verutliche Laufbahn in' Trer-den begonnen. >xnr dann bis 1933 Privatdezent an der Hniucrfität München und i>£ den iüdiiäien Kniiilsreunden i» Berlin im leinen Lstinter .besonders durch eigenartige; Und geistvolle Bortrage bekannt geworden. Tie nachfolgende Arbeit nber'^den s italienischen Barockinaler .iiiC'iühcr Abstainmring Francesco Nm'chi hatte uns (ytnft Illichalski kurz vor. seiner Erkrankung, znr Ber-- fiigung gestellt. Wir verlnientlichen sie nun zu seinem Gedächtnis in tierer Trauer um den hochbegabten feinsinnigen Vlenschen. - - ■ Tie Lchrntleitwig.. Fn eiitein Viannikript dev "Biarkiis- Biblivchck in Venedig, ivelclies 311 den wichtigsten Quellen .dev venetianischen Knnstg c'sei lichte de-:' Barock gehört, in den 17 SS er- schieiienen ..Vita dbi. Pittorii Vonoti“ des Natale "Melchiori wird vermerkt, dev aus Rom stammende. aber in der zeitgenösnuhen - •Unnft der. Lagiiiienstadt eine bedenlianie slcolle spielende Maler Francesevlicnschi oder st-nsea sei als Sohn des indischen Arztes Camillo Muschi geboren ivorden. Es besteht keine Ursache, an dieser Angabe des in seinen Bekundungen ans; er st zuverlässigen , Chronisten zn ziveiseln. Tie moderne, italienische Kunstgeschichte hat daher auch die jüdische Abstammnng des Francesco -Knfclji als Tatsache übernommen. an der jüdischen Künstgeschichtsschreibnng jedochist der Von Ernst M i c h a I s k i Venedigs, .Boscinnis „Kirche >l>iuu a üclln - Pi It ura Yeneziana" |1664) führt sogar -Knfdii-g Hauptwerke einzeln ans. Rus;hi wurde einer der ineisi beschüftigtln Kirchen- / maler 'einer Generation. Er arbeitete nielit nur in Venedig selbst, sondern, and, ans dem Festland, vor allem .in Vicenza und in Trc- . Wie die überwiegende Bkehrheit der vcne-.^* - lianisäien Künstler seiner Zeit war er ein V Eklektiker. Das Venedig des 17. Fahrlmndetss' hatte seine Fnhrerstellnng iilnockhalb Tee italienischen Kunst, die cs im V7ettkarnps init Florenz das 1-7.. und. 16. Falir- Inmdert liindurch iminer wieder zn erolu'rn .vermvelit. Hatte, ansgegeben. Der venetia- 'Nische Barock trug keine eigenen -Züge. Erst im 1*. Jahrhundert erreichte Venedig von 'neuem seinen früheren Rang. Als die glanzvolle. F-estlieiikeit des Rokoko den schiveren. Bomb des Barock abgelöst hatte, erhob siet, . die von jener ein spezifisch malerisches Sehen .bevorzugende venetianneNe -Kunst in Kleistern ivie Tiepolo. Gnardi, Piazzetta lind .- Longlii zur alten Größe. Fm 17. Führ- - hundert dagegen Halle Vom. die Stadt des Vapsttumes. die F-nl,rnng der vom Geiste der l^egenresormalion eriüllten Barockknnst an s'.cit gezvgeit. Dort waren die Hanpliverke.Euravaggios entständen. der zivar ans Dberitalien stantinte. aber sich erst in Rom zum größt eit malerischen Genie des italie- Francesco Rusebi: David und Abigail, Sammlung Pollitzer,. Triest Maler, soweit ich sehe, bisher nicht berücksichtigt worden. Wenn seine künstlerische Qualität ihn auch -keineswegs in die vorderste Reihe rückt, iü seine Persönlichkeit doch interessant genug, um eine kurze, Betrachtung ziu verdienen.. Wenig ist über das Leben des Francesco Ruschi bekannt geworden. Das Fahr seiner Geburt kennen wir? nicht, mtiir sein Todesjahr ist nicht überliefert. Melchiors '• erwähnt mir noch, daß Camillo Ruschi. der Vater., bereits zum Christentum übergetreten sei. Eine ziveite wichtige Quelle, der ..Xibaldons diMeninrie ■ st.oriehe“ des Tommaso Tcmanza st.'.'cannskript in der RiElioteea do-I Seniinario patriarcale, Venedig > vermerkt, der junge Künstler habe seine erste malerische Unterweisung.'in RBm bei Giu'evpe Cesari, dem Cavaliere d'Arpinv, erhalten, der, auch als der.erste Lehrer des großen Caravaggio überliefert ist. Hierdurch tritt - Ruschi iii einen Schnhilsaminenliang mit der richtungweisenden .Künstlerpersönlichkeit des italienischen Barock. Blau geht nicht fehl, wenn man annimmt, diese Ausbildung sei in" die Zeit vor 164,0 . gefallen. Ebenste tvie bei Caravaggio iü in 'den Werken des Francesco Ruschi wenig von'dem Einfluß des schioachUclien Cavaliere d'Arpino - zu erkenen. Ilm' die Bütte des ID. Faizr- ..bnndchrts muß -ls?i'ehi -naeli 'Venedig über- ' gesiedelt lein, ivo seine Kunst sich zur Reise entwickelte. Er tand dort große Anertennnng und viele bedeutende ällnsträge. Bereits im Zähre 16-1S erwähnt ihn der Btaler. Carlo Ridolsi in seinen ...ckPrac i-rlch ävll' arto". die in cngent Anschluß an die bis, zur. 'üienainancezeir reichenden. Knnstl'crbiographien des Vaiari geschrieben sind, als einen ..fteißigen und wertvollen Bialer". Und der erste eigentliche Führer durch die Kunstschätze Nischen Barock entwickelt hatte. Tort hatte auch Pietro da. Eortona ans Wand- und Deckengemälden die dekorative Phantasie dieser bewegten Zeit in all ihrem Bleichlnin. entfesselt. Bon.Caravaggio übernahm Ruschi die dramatischen' Lichtessekte und. cHelldnnkelkvntraste, von Pietro da Cortona. der ebenfalls zu seinen bestimmenden Ingendeintzrücken gehört haben muß. den Qinn für rauschende, dekorative Fläcliensnllnng. Und beides verband sich ihm in Venedig mit der dort stets lebendig gebliebenen Tradition des 16. Jahrhunderts: mit der schwärmerischen. gleichsam musikerfüllten -Stirnmnitgsmaterei des Giorgione und mit der Ueppigkeit des Paolo Veronese.. Greift-man, ans dem reichen Schassen, Rnselliseuüge Tarstellnngen alttestamenta- 'riseher Szenen heraus, so gewinnt man einen klaren 'Eindruck, seiner Kunst. Auf einem. . seiner Hauptwerke.^ das sich heute in der Pinükolliek von Trevisobefindet, hat er die „Verstoßung der Hagar" dargestellt. Aus der biblischen Szene ist ein zeitgenössisches Sittenbild ge'.oorden. Abrahäni, ein würdiger Greis,-anchdem Haupt den im Straßenbild. der Haienstadt, . Venedig, alltäglichen ^vrienkalischen Turban, -weist eine üppige- -ZCotirtiiarre/ die wit, geschmücktem Haar und entblößten Schullerickvor ilnn .steht, .von der Schtvel-le feines Han'es. Der junge Ziaak spottet der 'Verstoßenen/ Jubelnd hält er ein Tainbvnrin empor und rve!>rt Hagar damit a'b,c wahrend sein Halbbruder Zsmael. dem Zsaak znm K!-erweelzL8lri,ähnlich, pathe^ lisch znrnckblickt. Fm Hinteeuzrnnd rechts ev scheint der Kops der greifen Sara. lßnschis von der Kunst Caravaggio? herznleitende Fronde, an scharfen Gegensätzen von hell und dunkel, als sei die Szene von einer außerhalb des Bildes, sich befindenden Lichtgnelle, künsNiäi belenciuet, Irin 'gier deutlich hervor. Eine -etwas preziose Vorliebe für den dekorativen Fall von Gewändern und für eine überreiche, knittrige Faltengebnng macht sicli geltend., Fm übrigen offenbart siäi. besonders in der- V.'odellie-riiiig der Gestalten, ein starles, uiatn-ralistisches >tön- - neu, tvozu die intensive Farbgebung bas ihrige beiträgt. - Trat in'der „Verstoßung der Hagar" die '' Bezielnmg Zn Caravaggio deutlich-hervor, so spiegelt Rnschis Darstellung der „Ba-Nilebn". ivelche siel, honte im Bentze des armenischen Sammlers Gregor'^Abarpn^ in'London bejin- ' det. den Einslnlchdes Paolo Veroneie. Valhseba. eine üppige, -nielit-inelir in.iendl'iehe Erscheinung - nach heutigem Gefetnvack durchaus nicht selwnlieilliä, aufgefaßt, mit klassischem Protil und etwas verdroüeneni Ausdruck', sitzt im Garten des Palastes, im Begriff in das ulgasserpecken zu steigen. 'Eine ichio-arze Dienerin mit Selnuieln und Tueliern erläieint neben i!>r, ivalirend ein Vladrben. ans dem Bilde herausblickend, sich ilir nüteiner Kanne naht. König David aber, der die Badeszene belanselil. erscheint, nüe es ,nü vielen Bei- .spielen der italienischen Blalerei immer ivieder geielnldert ivorden ist. aiü dein Balkon des Palastes. Klüie sein großes L>orl'itd .Veronese beinülit Rnielii ruh, den 'arlng reizvollen Gegensatz von loeißer nird Icinoarzer Haut in ilirem Verliältnis' zu den bniiten. reich gefalteten Draperien und zu den metallenen -Geräten, zu der inarmhrnen Z'lreliitektur und zu dem Blau des Hinunels iviederzngeben. Die geiamle Koinpoü.lion iü. hei-' nahe in einer Koniegnenz >vie es spater im Fmprcssionismns des Falirlmnderts. - ans die Beziehung und gegenseitige Beeinslnhung s.irbiger Böerte und M.iteriailoittraste hi 11, angelegt. Rnichis David und Abigail iSanuninng Pollitzer. Triest i-verbindet eine v rinnernng an Giorgione. den Großineisler der venelianiselien Üsenaissa'nee, loelelier gerade iuui - eineni Zeitgenossen Ruscti!-- von Pietro della Beechia in^ einer ans Falselierhaste grenzen- , den Geschicklielikeit' naeligeahmt ionrde, mit dem prnnkoollen ''’J010viaLi->m 11-> Veroneses. Die mit' der paliietisäien Gebärde einer großen cklassisehen Tragödin die Harie setilagende Abigail ist eine Selnoester der Bathseba. David aber in seiner von Liehtresleren l'lbergvssenen Rüstung, laufdit den Klängen der Blnsik. mit der melancholisäien Fnbrnnst. welche bereits, von Givrgiones Zeitgenossen als das Kennzeichen dieses der "Musik und der Liebe ergebenen früh von der, Pest dal>ingerafsten Künstlers angesehen wilrde.^ Eine besonders große Bedentnng e.rlangle Francesco dRuschi als Lehrer. Die ans der '-Kunstgeschichte Venedigs nielit ivcgzndenkendeü Anlonio Zanäii. Pietro "A'egrr. ock.aii- - antonio 'Fnmiani 11. a.-waren feine Seim'-er. Pietri Liberi.--Pietro della "V-eeeliia K'nan- ' battiita Langetli und der in "Venedig lv.tige -Biünchener -Carl'-''Loth. >onrden in hulioni . Blaße von Ruschi becinünßt. Die siel, bei der Velraüunng eines Künü-' lers jüdischer Abkunft stets ansdraligende Frage nach einer über das >ä.-gens!and!ici>e der 'Darstellung liinänsreieiiende. speznncn jüdische Art seines Stils, oder 'einer weNaltnngsiveife stößt, bei Francesco Nlnshp ans besondere Sei,ivierigkeiien. D.i Blelelnori ho■ tont, der Vater des Kiinitlers sei bereits zum Christentinn übergetreien. - daaber leine Bintter nichts bekannt ist. io kann es nicht, ivnnderiiehinen. .daß nsnstiii mit allen Vv.rzügen' »,nd Felstern als ein iiiittlerer. d.C für aber äußerst thpiseher und entivickinnas. gesehielstlich.nicht zu .ubersehender Künstler * Francesco Ruschi: Bathseba, Sammlung Gregor Aharon, London des italäenisehen "Barock ertelieint. -Alles, ivas -bisher verstielisioeiie als eine jüdische "Rnance in der enropai'llien Kunst hervorgehobcn worden ist, fohlt bei Ruschi. wie bei so 'vielen andeien K,-Nnstlern.' 'Wenn, malst'immer ivieder t-orgeiclilagen liat. eine gervisie, grazüü'sthe A'ei'gling. eine F'reiide am Spiel sich versehliilgender- Linien als indiici, liiNziislellenio mag dieses stennzeielien mul, in den reih, ge'alielcu. geivisierinaßen ei» .-graphisches' E igenlel'en sniirenden E'en'andern psnseliis-iviederers.annt iverden. stll'er dieser Zn>z in gleiclizeilig ein '.»>erl'inal aller Varocktiiint f 1 h 1 otl] 1 htn. Und die für südiselie ststaler gelegenilich" iharaklerislisclie Farbeilariiiüt ist .bei 3,-niciii il'gui in 11)r. <mo<iontoiL verkehrt. Franz Pandhe>ger, l>al iii. seiner verdienstvi'llen .,0 iiiiiiln'-nng in d.ie Fi'idiiäie Kunst" Mil, Rest» .l'elonl. das;. Angieiciinng. liebernalnne ,i'orge,oi'in-te'n U üiii'lgnie-? in der,, bildenden''' mimt an alien L 11011 nnd hon sei,er zninststestii ilnee An-.-uluiiig-nndch-iit-!v!,'klnn-g gepi'ik. sie bildende Klinst, darf nnd muu 111 eineiii gewinen S inne ,.imieibstandiger' sein ais die Lileratiir.- Selbst , iw Scl,ancn Tnrers irnd ">sticl>el,stngclosl'teihen -'V-orbiider und Quellen denllie!,er ' iedondig als hoi Sl,uleipeare und Goellie. So ergibt e-.> siel, voll neiiein. daß die bitdeilde Kunst der "Vergaiup-nlieil >cu'!>I nnr dann imstande sein ivird. einen "Beitrag zu einer ..Füdischen Knnsi" zu 1 lorovu. ivenn es siet, um rilnell gebundenes Knnstgeiverbe handelt. Erlesen6S . Fi!'ei grivie, und wuiwae >6cIiiidgedaiikeii der .liiitiii'lhtn'i' o 1;!miifi'iiiq-i!i’liir 11 ctra uns 111 Vieser S in/vuniu-,!-,!>>u--ilie'!' des - uut ulu-i l-u'.iieuder >!!ui!ic:I und mn'.iiihliiMt eniq. e.eu, der u-oO 11 ifc. der iiMir-mtin, v:. >, T iveeeuzieniug, und t>er t^o» ' dai'ke der tnvliU) 11'i!01 ’i>rn U niiMi'l»uh, hr>rr "J'i’r* - iu-ilsuiuiu-uun,, V l'i/i'hi 111 >' 1 ■ - ,r-n t.- gnst'.eu ' HM;.;' der lu-iiauiHiieu o-uluncknilig. du' nur späler' >i!s iu'!u'',st>i>,ue ,\ 1'!<v'i' 1 uii(.■ 11 der 'stuNuiiiiiiiiNgsli-hiT; a um i-f'i M. : n; :- d' - liiuuilteli'ars "l-hidii:;gswiigleii eine--- gewilieudeu T »liöpier,-; mt* r. - -,[| i-.iivui den ec!i>iluMieii C,,>. 1 i11‘0i11' 1;r>t-n 6 utiunflmu, ,und er ui »u n 1; 11! nlj einsucheu Hae-st-l- •i.’.iii:rl!i.lif ,T stu'-sstiiiig?- 1, iiiiweieilt ig. duüiige Tuuila!-rul Tr. TNo Francesco Rusebi: Vertreibung der k^agar, Pinakothek Treviso V

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