Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 28 (9.7.1936)
- Date
- 1936-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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/ das Bild des Dichter? zu verirren und verkleinern. Bcer-Honnnnn ist nicht etiva deshalb ein jüsti'clier Tictster. rvcil es bei ihm jüdische Gestalten und biblische Slvfse flibt. Jeder Tilettant. iiu'.q seine Liebe zum Judcntnin auch iindeüreildar sein, kann den biblischen 3torffvoi6 plündern Und den von ihm eriundeneil Figuren ein Spruchband umständen. das üc als Juden kennzeichnen ivll. Nicht weil, sondern trotzdem und in der Art wie er -bibii'che Bivlive benntzt, deine ist sich Beer-Hosmann als jüdischer Titchtcr. - ■ Gin Geist., .voll seiner Kilistteiilsschten. . weist - selbstverständlich^ das; die Anlehnung an dre Erzahlnilg' der Bibel eher.eine Grscljlvernng. als eine Grleicnlernng seines dielUerisesten Untersanizens ist. Eine eininalig geprägte Fvriwwird ein schöpferisches Jngeniilin el,er abschrecken als der!osten, siel, dichterisch zn versuchen, tvo schon nicht als Beginn, wo bereits Bollenduiia ist. Kein Zufall, das; fast . alle biblischen 'Nachdichtungen trostlos wirken. Ader bei Beer-Hvfmantt handelt es sich nicht iiin Nachtdichtiiilg. sondern um Nenschöpsuilg. Hier tverden nicht alte Brunnen neu gefaßt, stier rauscht ein Strom, der. seiner Quelle beivustt. nach eigenem Gesetz fließt. befruchtet und im Lzean selbstgeschassenen Wastrtraums mündet. Beer - Hofmann ist kein nationaler Tichter in dem Sinn, wie dies Wort nieist verstanden wird. Gr besingt nicht die Wcchseliälle nationalen Geschehens, er gibt-einer Schistsalsgemeinschast erst das Bewußtsein chrer neuen, vielleicht uralten Bedeutung. Sein Werk selbst ist ein Herzstück des Judentums. Gr stellt nicht jüdische Probleme zur Diskussion. seine Tichtung ist Judentum wie die Psalmen und dig Hlnnnen der Propheten und vielleicht manche neuere Schöpfung jüdischer Tichter in hebräischer Sprache. Beer-Hosmann hat die geistig-seelische .Sonderart des Judentums gedichtet. Warum stst Jakob' in einem geheimnisvollen Sinne auserivästltk ..Weil er einstergelst voll von duiiklen Fragen ... Und er vor aller ridesen Leid erblaßt." Und. last erliegend unter der Lnal seiner Grwästltsteit. stöhnt er: . ..Bin ich erwählt: Tüzii erwählt. daß alles. Teilt Leid geschieht. noch rust. mich hei'cht.. mir klagt." Gern möchte er mit Gdom tauschen, dem alle Freuden der Grde,, zuteil iveroen. Ter gegen Gott rebellierende'Gugel Samaöl prophezeit ihm. ivie sürchlerlicst Gott mit ihm und seinen Nachkommen verfahren wird, ivie seine Enkel dereinst anderen BvlkerN zu Spott und.Spielball werden. ..Jedes Volk: dran du dich 'st.uniege't. Es brennt bist, ans ivie eitriges Geichivür." Aber Jaacob bleibt treu. Ter Bund mit Gott ist geschlossen, und zum Schluß fordert Gottes Stimme den Unbeirrbaren aus. niclit Erbarmen, sondern sein Recht zu fordern. Tiefe Dichtung. die Beer-Hotmann ein Vorspiel nennt, ist ein Pandämonium. in dem. nicht nur die .Sterblichen, .sondern Lnellen. Steine und Gugel reden, und einmal, ein einziges Mal. die Slimme des Herrn. Gott und Gerechtigkeit — im Wunde der Menge oft nur- Bvkabelu.. stier find es Wirklichkeiten. Nur ein Tor kann als Blasphemie deuten, iveuu man das Weieu dieser MststeriendiclUimg in die Formel stistl: hier schtif ein Tichter Gott von neuem aus Gottes Gnade. David, Jaacobs .Nachfahr, ist der Held des Stückes. mit dem der Tramenzyklus vom Heldenkönig beginnt. Tavid ist ein - Held, nicht weil er Feinde besiegt, sondern weil er gleich seinem Stammvater nicht loszureißen ist von Gott, mag er ihm auscrlegen. was er mag. Gin Held, der nicht tut. was er will, sondern was-er soll. Nie ist er gewinnender. ’ als wenn, er über .König ^aul, seinen Verfolger. spricht, den glücklos verstörten. 'Nie. ist er bedeutender, als wenn er seinem stegberauschten Volk, entgege'nschleudert. wozu es berufen, und das Gelüst nach Macht um ihrer, selbst willen ans den Seelen seiner Krieger -zu tilgen sucht. Ihm ivird. gleich Hiob, alles genommen., woran sein Herz hängt. In seiner Verzweiflung tragt er Ruth, die Moabiterin: LWas soll jetzt aus mir werden?" Bon der- Urinnttcr empfangt er die Antwort: ..Was aus uns allen einst wird: Dung der Erde. Vielleicht ein Lied — auch dieses^bald verwebt." . kstntst. die ans fremdem Stamm ist. erscheint als wahre Hüterin israelitischer Tradition. Sic hat Ausstieg und Niederlage, all die zahllosen Geschehnisse der Gemeinschaft miterlebt, zu der sie sich einmal und für. immer bekannt hat. Auch sie ist eine Treue. Nicht so sehr durch ihr Tun. sondern durch ihr. Sein dient sie dem Stamm ihrer Wahl und dem Gott dieses Stammes, um den eben dieser selbe -Stamm, oft treulos und. rückfällig, immer wieder ringen muß. Gott läßt den Menschen die Verantwortung der Gntsche.idnng. Wie der Nie lisch wühlt, so ist sein Schicksal. Nntst hat gewählt, und sie darf den jungen Tavid segnen, der. .sich selbst nicht igelst'rt. mnnlT^eruuis - der «Sehnsucht von Geschlechtern.-erschaffen und' verpflichtet ist. zu ' erleben, was die Besten erträumten. Gin Jünger des Propheten Schemiiel spricht: „Jisroel — muß Jisroels Taten tun." Das ist mehr als eine Fanfare, mehr als ein Ausruf zu werksrcndigcm und ehrenvvllcm Tun. Unser Dichter, der wie ein Hoherpriestcr waltet, will nicht unsere Gegenwart oder nahe Zukunft deuten, sondern die Ewigkeit. die alle Zeiten, also auch unsere in sich schließt. Bergarigenes und Werdendes wächst ans seinem Werk zur neuen Einheit. Gespräche mit Beer-Hofmann über Hofmannsthai Aufzeichnungen von einer Wiener Studienreise / Von Dr. Walter Perl Eine größere wissenschaftliche Arbeit über, das Jngendlverk Hugo v. Hvsmannsthals bot im Jahre 1932 die Veranlassung, eine Reihe von Schulkameraden und Jugendfreunden' des Dichters aufzusnchen. Unter allen Gesprächen. die in jenen Tagen geführt wurden, waren die Unterhaltungen mit Tr. Beer-Hvsinailn die wesentlichsten, da sic neben ihrem eigentlichen Ziel, die Gestalt des frühvolleiideten Tichters in der liebevollen Erinnerung eines Freundes zu zeigen, den ganzen Kreis des Wiener ,.Fin dt| siede" - spiegelten und nicht zuletzt reiche Ausschlüsse über die Jugend des Darstellenden. Dr. Beer- Hosmanlls sdbst. gaben. Anläßlich seines siebzigsteiG Geburtstages soll einiges davon ausgezeichnet werden. Nach einer brieflichen und telephonischen Anmeldung erhielt ich die freundliche Anssordernng. den Tichter in seiner Billa in Währing, dem Wiener Weitench In besuchen. Ter Vorort ist an der Peripherie der Stadt gelegen und steigt sanft zu den Hügelketten des Wiener Waldesmiif. Tic Billa Beer-Hosmann in der Hascnauer Straße, gegenüber dem Türkenschanzpark, ist ein mächtiger Ban des um die Jahrhundertwende bedeutenden Wiener Architekten Josef Hofsmann. Tas schmiedeeiserne Gartengitter weist den ..Magen Tavid" ans. als mmbvlisches Zeichen, daß sich der Dichter Zeit seines Lebens zuiil- Juden- Inm und seiner biblisch-geschichtlichen.Weltbekannte und in ihr seine Wurzeln fand. Schon der erste Eindruck war bedeutsam. Man kennt das Porträt Beer-Hosinanlis ans der mittleren Zeit mit den kiessiilnenden Augen, das von einem gelvaltigeu Vvllbart limralnnt wird. Der Sechsnndsechzigjährige lvirkte dagegen fast jüiiger. von mittelgroßer -Gestalt- und scharf geschiiitteilen Zügen: der fein gestutzte Spitzbart und das Haupthaar wären leicht ergraut. Bezwingend aber blickten vor allem die Augen dem Besucher mit fast suggestiver Kraft entgegen. . Ter Tichter kam meinem Wunsch, einiges ans seinem Ptnnde über die Jugend seines Freundes Hosmannsthal zu hören, aufs bereitwilligste entgegen, ja es jchien ihm fast ein Bedrüfnis zu fein, einmal über jene, an Eindrücken überreiche gemeinsame Jngelldzeit sprechen zu können. Wir fanden bald ein Ntedinm. diesen Gesprächen eine gewisse Lrdiillng zu geben, in jenem^reichen Briefwechsel, den er niit dem jungen Loris geführt hatte, und die Briese Hofmailnsthals ans jener Zeit, die inzwischen durch die letzte Publitativn des Fischer-Verlages allgemein zugänglich geworden sind, lvlirden nun. über ihren tatiächlichen Gehalt hinaus, noch vom Empfänger lebensnah interpretiert. Ties lvar ein seltener Glückssatl im Verlauf der Arbeit. Dr. Beer-Hoimann kannte Hosmannsthal von den ersten literarischen Ansängeil des Jahres 1891 und der Welt des Cafe Griensteidl bis zu jenen letzten Tagen, als der sünfnttdiünszigjährigc nach dem Freitad seines ältesten Sohnes Franz jäh zusammenbrach lind sein müdes Herz den schweren Kummer nicht mehr ertragen tonnte.. Ueberraschend lvar die Fülle überqncllender Erinnerung ans jenen frühen Jahren, die durch die Lefniig der Briefe wieder lvachgernfen wurde.. Auch die Gattin des Tichters. Frau Paula Becr-Hosinailn half mit, das Bild zu ergänzen uiid an einem wundervollen Sommerabend strßen wir zu dritt rin Türkenschailzpark und sprachen von Reinhardt und Salzburg und von der großen Faust-Bearbeitnng. die Dr. Beer-Hosmann gerade für das Wiener Burgtheater sertiggestellt hatte und bei der ^r erste und zweite Teil an einem Abend in sechs Stunden dargeboten wurden. Ein kühnes und interessantes Experiment. Etwa im Jahre 1892 hatte sich der literarische Frenudeskreis . Beer - Hofmann, Hofmannsthal, Schnitzler und Salten fcstgeschlosseil. vier'Freunde, die in echter Arbeitskameradschast miteinander lebten, ui der reizvolleit Ilmgcbnng gemeinsame Radtouren unternahmen — vieles davon hat Schiliüler'im Weg ins Freie sestgehalten —.... aber die einandorunch ihre neiiesten Arbeiten . ■ vorlasen lind gegenseitiger Kritik unterzogen. ..Lesepremibre'" tautet der Allsdrnck dafür, der' in jenem Kreis geprägt wurde. Loris . lvar der jüngste hnterihnen,iast ein Wnnderkind. der ,-.geistesprinzliche Knabe", lvie ihn Thomas Mann einmal, genannt hat. Wichtig werden die gemeinsamen Sommerreisen ins Salzkammergstlt. das Tressen in der won allen Lesterreichern geliebten Stadt Salzburg. Bald werden beide Dichter mit der Frau v. Wertheimsteinbekannt und für ihren Stzieiler literarischen Salon gewonnen. Von ihr wußte Beer-Hosmann lebhaft zil erzählen. Jvsephine v. Wertheimstein, die ähnlich wie die Hvsmannsthals aus einer im Anfang des 19. Jahrhunderts geadelten jüdischen Familie stammte, hatte den letzten bedeutsamen literarischen Salon im Wien der 90er Jahre aufrecht erhalten. Sie und ihre Tochter Franzi, zwei prachtvolle abgeklärte Ntenschen,^ verstanden es, die, seinen dichterischen Gestalten des alten Lesterreichs: .Saar. Banernseld und die Baronin Ebner mit der literarisch aufstrebenden Jugend der .Schnitzler. Becr-Hosmann und Hosmannsthal zusämnlenzubringen. Hier verlebten die Freunde viele schöne Stunden, ilnd Hofmannsthals Briefe nach dem Tod der alten-Baronin sind ergreifende Klagen lim etwas unwiederbringlich Verlorenes. Grade in diesem Kreis sah Tr. Beer- Hosmann ein wesentliches Erlebnis der gemeinsamen Jugend. Er selbst prägte in den Gdprächen über Hosmannsthal ein sehr schönes Wort über das einzigartige Phänomen der Jngendentwicklnng von Loris; er glaubte sie damit zu erklären, daß die Gesühlslinle des jungen aufgeschlossenen Menschen der Pubertätszeit hier einmalig eine adäquate Darstellnngsinvglichkeit finden konnte, und daß etiva die Vollendung des '„Tod des Tizian" oder der gleichzeitigen Ge-, dichte eben erst durch diesen Ziisam'mensall von Gefühlserlebnis und Formvermögen zu begreifen-sei.? Ans der Freundschaft der beiden DichteL erwähnte Tr. Beer-Hosmann viele Beispiele , einer schönen Arbeitskameradschaft. Immer lvieder klingen ist. den Briefen Hofmannsthals die Sätze Und Mahnungen durch: „Lieber Richard, zlvingen sie sich bitte-zur Arbeit, zur wirklichen Arbeit, Denken und Begreifen des Daseins ist etwas anderes/Werke aber haben einen tiefen Sinn und sind es lvert..daß man sie sich in Schmerzen äbringt.^ Eben dieses Abringcn war Beer-Hosmann'zuilächst nicht gegeben, er wuchs als junger- Aesthet aus reichem Hanse auf, der Jura' studierte, sich aber piel lieber mit schöngeistigen Dingen beschäftigte, Bücher und Porzellane sammelte. Ter jüilgere Hofmanns- ' thal hat ihn oft erst zur künstlerischen Arbeit bestimmt. In der Gestalt des Kaufmanns- . svhncs aus dem „Ntärchen der 672. Nacht" hat saßen ciniicvii’rrin dr .Knnbrn. Sie Srfv.iltrrn Gelee bebten eer Schlnebzen. Ben Zeit;n Zen stießen einiae einen .Nns ans-nacli .dein Baker eder der Jstniier eder eine siebende Bille;i>,Ostni. Bei andern waren die Tränen versiegt, siiniiin und verziveiseli gaben sie sicb dein Gcbnierre bin. Anck Ganniel, Lavid nnd Jenkv iveiiuen niän, sie beteten liint- und cindriiialiä'. Jndn wankte dinG die- Reiben, bis er Hajiin fand, der sine'.id neben einem Basten lebnie., Als er Inda bemerkte, sprana. er ans: ' . „Jlida! Gndli>.b! Ln ivarst vbnniäGtig, iind dann bast;n geseblase». Zein,mal stben babe nb 'nach' dir gcseben. . Aber dn lvaänest iiist'! a>if. Ist' inrst'iele inist' sst'vii!" „Lbiiinäst'lia! ... Ja. >eb ivar vbnmäeblig, erinnert sieb. Juda. Aber ivie ist das gekennnen:" - „Gekäinpii bast da,'Inda!" -Hellste Beivnndernng' laa in dein Ausruf. SJst^ babe es nur angeieben.?Kir nuyie» alle meine Griffe nicbts, aber dicb kennten sie nistn ovmgen. Znleyl fcbingen. sie diel-, mir einem .Hel; über den Xepf. La erst fielst dn!" Gr wellte nvch ivener er;ablen. aber Juda bvrie kaum;». „We ist Jeiev!' ■" Ieaa:e er nnd blickte niiiber. .Hajini ivieS inil der Hand »r eine auu-uiu- C'ckellnbeieealist' beckle Jefepb nnd baue die Arine tun die dl ine anmlimiini. Gr fab Inda »ist't kennnen, er ivandie ibni leinen striicke»;n. Leise bernbrle Juda feine Gstnilier. Jefbpb d: ebce nst' uni.- ..Inda!" fa>ue er.' ebinsiG;n wundern, und einie na';u frenen.' „Lu bartest iveiier schlafen festen'" „Joseph?7 sraare Juda. ..Was ist das? 2Las ivird gus Eine nast'Iaistae -Handbeiveguiig zeigie, daß Joseph cs nicht teufe, es auch inst': :vü>en ivvste. „Jvfeeb!' Judas Traaen ivaren nvch nist'l beendet. „Warum bist dn nicht in den Lünen geblieben? Wenn du eben geblieben „ . .. je baue man mir!' »ist': gefangen!" vellendere der llnd ...!'• _ _ _ _ ..Ich weiß, lvas du tagenwstist, Juda, alles!" «ließ Jvfepb ^rafch biinereinander bervvr. ..Gur st'v'.r eder eine LNachr muß mich da>n getrieben baveit ... llnd ivenit em Gvtl. oder eine andere JKachc dazu die - Bei anlan nna »t. dann uniß es anst' einen Ginn, einen Ziveck auf der B-eu aeven ... Aber die- .Lrast't, die mich ans den Lnnen getrieben ear. das ivar nur die .Heffiniiig, daß inan auf einem .venenannebeit Gei'iff effen bekviiiine» kvniite ... .Hunger rvar es. Und der bat nichts Gvllliches. inein Juda!" vvllendete Jefepl'. Gin rnt'erwarrerer AuJauei aus dein Nrundc von viele» beendete den Zivist. Lie Köpfe Gannzels und Lavids ivaren vvn eiiieni bellen' Schein iiingr'ffen. Gr vergrößerte sich, nnd es zeigte sist', daß es kein übernatürliches, binnnlifchcs List't ivar, ivie es mancheiii als .Heffnung dlirchznckr halte .... In der Lecke'war eine Falltür geöffnet ivvrden. Lurch die Leffnniig ivurde eine Leiter gcschvben, ans der ein Nrann berabklenerte.' Gin ziveiter fvlgle, und zuletzt kan, der In der Decke war eine Falltür geöffnet worden 2!uinn. der am Steuer des Bvvies aefeü'en batte. Gr rrug jevr uist't »'.ebr den rvlen Reck, sondern ivie die anderen die -veile .Hese>- die Bli'n'e nnd den Turban, strnr die Geldstickerei an seiner Xleidiiiig ließ in ibin einen Beseblsbaber verntnten. Als die drei innen ivaren, ivnxde an einem Strick ein Sack berabgelaüen. nnd hierauf langfain ein Keffel. Ler Sack wurde entleert, Brete fielen, heraus. Irdene Schalen tvurden atifgesielir, und einer, der Rränner nabin den Leckel des Kessels ab. ans dein Lantpf ven einer würzigen Brübe bechstieg.- Bei den Knabe« war ängstliche Stille einactrcten. die nech andanrrte, als sich dir Falltür lvieder grschlvsicit halte. Allmählich näberken sich verschiedene den Brvten> um davon zu nebmen. Lie beiße Brnbe rührte niemand an. Rur-begehrliche Blicke sireiftett sie. Orach cnner geraumen JLeile "griff als erster.JBaniicl Pinchorr nach einer'Schale, um däinit ans dem Kessel zu schöpfen. Aber ec ließ sie seferr sinken, als ibm Samnel schrill znrief: „Taine, Nrannel! Lie Speise ist ranie! Lu ivirst unrein, wenn dn davon ißt!" Unruhig und nnsicher sab Rraimel umher, da tauchte neben ihin Jeseph ans. Er langte sich eine Sckrale und füllte sie.'"In. sack-' Inber^ fast nebensächlicher Art sagte "er dabei:. „Las Gefest Erlaubt, am JvinRippiir zu effen, wenn,es um Leben Und Tvd gebt. La tvir alle schwach vvr .Hunger sind, wird auch nicht verboten sein, eine unreine.Speise zu nehmen!" Er setzte die Schale an den Rrnnd lind trank. . Saniiiel wurde weiß wie Kalk. Er wellte sich ans Joseph strirzen. Nni ihn die ^Schale ans der Hand zu schlagen, La sah fr, daß nicht mir Rrannel. sendern viele andere mir ans ein Beispiel geivarlet harren, und baß sich 'imitier mehr Hände nach den Schalen ailSskreckten. Ein Scbüiteln 'nherlicf jhn/ er machte eine Gebärde des Ekels und ging zu seinen Freunden Lavid und Jentv Inda schöpslr^ als einer der letzten aus dem Kessel. Gierig, schliirfre er die Brübe. Sie rann ivarm und' ivoblig in seinew .lNtagen. Er meinte, daß die Schwache, die', durch den Schlag — rind verhe'r durch den wecheirlangen Hunger' — in seinen Gliedern saß, zn ivei'chen begann. Aber mit jedem Sststnek kam. eine größere ssriebergeschlagcuheir über ihn. Er glaubte nicht an die 2liislegnnq Josephs. ' ■" 'L Ler^ Wind mußte nachgelassen haben. Las Stbiss.. machte wenig Fahrt und ivurde kaum noch von den Wellen hin- und bergewersen.^Lurä) die Lessnringcii kam cin matter Schein des verendenden Tages. La errönre das Abendgebet, das Rraarib, ans. Wenn auch keiner der Knaben mündig und in die Gemeinschasr der Bäter ansgenemnien war, so kannte jeder die Bvrsstrrisren nnb Zeiten be>: Gebeterbining. streues Leid, und neue Klage stieg empor, uO imnier ivieber nnrerbrast' lautes Sch!iich;en das Gebet. ——Lanm ivaren die Formein dcs"Rraarib beendet, da bob 'Lavid ein Lobiieb an, und eine Hi'iiuie, ein frenuiies Gebet, folgte dem anderen. Ler ganze stianni ivar ersüllt von den Gebeten und Bitten der geraubten Xnaben. Lie lsttiinineii von eiurelue» beben sich jetzt ab. Sie sprachen keine gelernten Strophen und Ber.se mehr, sondern mir Worte, die ihnen das Gefühl, eingab, immer lauter wursten sie stabe!. strach und nach sst'iviegen die nieisten. Zers st'lagen und todmüde sanken sic in sich zusammen. (Fortsetzung folgt.)