Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 26 (25.6.1936)
- Date
- 1936-06-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Leichcnhälisern hinauSgeschoben werden müsse. Auch dies Werk ist manchmal komisch in der Aiisdrucksweise, aber eS. wirkt als Ganzes durch Belesenheit und Wcrbekrast erschütternd. AlS'Fricderike^es an Fürsten. Staatsmänner. Mediziner. Geistliches sandte. - hatte cs einen tiefgreifenden Erfolg: Friederike erhielt Zustimmungserklärnngen von fast allen Fürstciihöscil Europas, vom Zarenhofe Aleranders Is. bis zu Napoleon IN.; Alexander von Humboldt wie der Fürstbischof von . Breslau, der kaiserliche Staatsminister Ätünch- ' .Bellinghanseu wie der Lberrabbiner Fasse! traten mit vielen anderen Persönlichkeiten sür die Verwirklichung iyrer Wce ein. Allenthalben richtete man ' Leichenhnnser ein, wie Friederike es auf ihrem eigenen Gute getan hatte; uud nachdem ihr Büchlein sechs Auflagen und Uebersehnngen in anderen Sprachen erlebt hatte, verfügte das Preußische Ministerium am 7. März lß?I, daß die Frist vor der Beerdigung auf 7 Tage verlängert werden dürfe. In dieser Schrift lässt Friederike auch den einstigen Arzt des Berliner Jüdischen Krankenhauses Marens Herz, sonne Mendelssohn. Borne - und sogar de» Talmud für ihre Forderung sprechen, lind wer das Gesamtwerk Friederikens liest, der findet, das; sie, wie in vielen anderen Wissenschaften, auch in der Wissenschaft des Judentums bewandert war. Einer ihrer Lieblingsschriftsteller war der-jüdische Historiker Flavins Ivsephus, der ihr den Stoff für zwei Tra- , men gab: Das eine betitelt ..Bcrcnizc, Tragödie m 5 Aufzügen und Jamben", in der sie mit dem großen Raeine wetteifert: aber dies Persvnenreiche Stück ist weniger ein Drama als ein umfangreiches Zeitgemälde ans der Zeit des zweiten Tempels mit sehr idealisierten Figuren, und Ivfephus selbst als Hauptgestalt. Das zweite: „Antigonos" ist das Drama des beliebten jüdischen Prinzen, den sein Bruder. König Aristobulos, umbringen lässt, weil er aus Anstisteu seiner Frau ihn für einen Verräter hält. Friederike zeigt in diesen Stücken eine gute . Kenntnis der Bibel, der sie das Motiv für ihre letztes Drama entnahm, das ..I'ahel" heisst und ihrem Vater gewidmet ist. ..aus dem Buche der Richter geschöpft, welches er so gern las." Ties Drama, überglänzt von der Heldengestalt der Nichtcrin Debora, ist eine drvl- - ligo 'Nachahmung von Hebbels „Judith",, denü Iahel tötet, um das Iudenvolk zu retten, den Feind Israels Zyssra, der sie begehrt, und ersticht sich dann selbst. w Diese gutherzige Frau stellt überhaupt oft da- Grausige dar. natürlich um abzuschrecken; aber sie malt diese Scheußlichkeiten inmitten süßester Poesie so ausführlich und anschaulich, daß manmerkt,, welche Freude sie an der Schilderung von oft ganz ausgefallenen Schrecknissen empfand.. Aber auch ihre anderen Lieblingsideen kehren in ihren dichterischen Werken vielmals wieder, so ■ ihr Kampf gegen die Schrecken der Einzelhaft, den sie sehr beweglich und mit verblüffender Psychologie durchführt, iw einer Schrift „Gegen die Einzelhaft oder das Zellengefängnis". Diese Schrift ist. beigefngt einer anderen, die sich betitelt „Das Büchlein von der Menschheit"; Friederike geht von der These aus, ..daß die nicht umzustoßeude Bortrefslichkeit das eigentliche Wesen des Menschen ausmacht", und folgert hieraus vier Grniidforderungen der Menschenrechte. aus denen sie wieder Staats-Vvlkskücheii. Staat-Wohiiungen. Arbeit und freien Unterricht für jedermann sowie Verlegung der Universitäten aufs freie Land fordert. Ties edle soziale Wollen hat sonderbare Blüten in ihren Gedichten getrieben. Den Idealen der Freiheit und Frömmigkeit, der Welt-, Menschen- und Gvttesliebe. mußte alles dienen. >vas sie wirkte und schrieb. Und wer ihre Werke genauliest, der erkennt: sie besingt Blümlrin und Stcrnlein. weil sie ihr das'Symbol der Schönheit, die Vöglcin. weil sic ihr das der. Freiheit bedeuten: sie tritt nicht nur für den Schutz der Menschen, sondern auch sür den der Tiere, ein. Und ehrlich empfunden, wenn auch grotesk im Ausdruck, ist der Vierzeiler an ihren Hund ..Nero": In den Angen meines Hundes 'Liegt mein ganzes Glück. , All mein InnrcS. krankes, wundes. Heilt in seinem Btick. So ist ihr Leben und Dichten ganz und gar Aktivität. denn ..Der ist gar nichts oder wenig, der dem Bösen liehet zu". Ihr Irrtum aber ivar. daß sie vermeinte. ..daß nur durch das Schöne also durch die Knust — das Böse zu besiegen ist", ihr ziveiter Irrtum, daß sie ihre Gedichte. Dramen und 'Novellen für dies Schöne selbst, für Kunst und Dichtung hielt. Es bleib! uns unbenommen, ilber die imireilvillig komische Poesie der Friederike Keinpner zu. lallten, künftig aber lvvllcn lvir zugleich in ihr die Käinpserin. die Philantrvpin, sehen, die nickst nur., ein guter Mensch war. sondern auch iinabläsug das Gute zu bewirken und zu verwirklichen suchte. Hurt Kintbu». Tie Sitztante. Im Franenblatt in Nr. l7 der E->V.-Zeitung veröffentlichten >vir einen Artikel über ..Die Sitztante" in Amerika. Seit längerer Zeit gibt es auch in Berlin solche ..Sitztanten". die bereit sind. Kinder oder alte Leute einen Abend über zu betreuen. Sie koinmen in die Familie, wenn die Eltern oder Verivandteil einmal ailsgehen lvollen. und bleiben bis zu ihrer Rückkehr. Für ihre ruhige, aber verantwortmigsvolle Tätigkeit crlialten sie 1 NM und Abendbrot. Der Verband Berlin des In d > f ch e n F r a n c nb li n d es E. V,. Abteillmg Hanspflegc lBüro Berlin-Wilmersdor?. Giefelerftraße ' 12. Emier Platz, ff 6 29:1-11. besitzt eine große Anzahl'von Adressen zuverlässiger .Sitztanten". die mit A'ach. srage auf Beschäftigung warten. Elsa Meyer hat vor kurzem in K a r l S r n l, c die Meisterprüfung als Wäfchcichncidcrin mit gutem Erfolge bestanden. Mirjam / Die Sonne brannte tagaus tagein von dem glattblaucn Himmel über Aegypten und ließ den Lehm hart und bröcklig werden, der zu Ziegel geformt werden sollte. Ten A!rinnern lies der Schweiß von der Stirne, aber sie wischten ihn nicht ab, denn die Aufpasser hät.ten das allein als Zeitvergeudung angesehen, und die Peitschenhiebe, die. darauf folgten,, waren scharf. So formten die aus> gemergclten Hände an den dürren Armen immer weiter die Ziegelrechteckr, schichteten sie nebeneinander ans in farblosen monotonen Reihen, farblos und monoton und endlos wie die Reihe der Tage waren, die die Juden nv-ber ägyptischen Fron lebten. Amram war einer der vielen Juden, die an den Madtwällen arbeiteten. Was war ans ihm geworden, der ans dem stolzen Stamme Levis stammte, dessen Bater der reiche, mit allen Gütern gesegnete Iaaeob war? Bor ungefähr cinhundertdreißig Jahren war Iaaeob mit seinen Söhnen und Enkelkindern nach Aegypten gekommen, und die Zeit hatte sich seit jenen Tagen erschreckend sür die Kinder Israels geändert. Amrams Weib war Jochebed, eine Schwester seines Vaters' und schon sehr alt. Still und gebeugt verrichtete sie ihre Hausarbeit, und zwischen den Gatten wurde nicht viel gesprochen. wenn Amram des Abends nach Hanse kam. Ihr erstes .Kind war ein Mädchen und sie nannten es Mirjam, ein Name, der von ..mar" abgeleitet wird und „bitter" heißt. Bitter genug war auch die Jugend Mirjams, erfüllt von dem Stöhnen der Erwachsenen, bedrückt von dem düsteren Schlveigen der Eltern. Das zweite Kind war ein Sohn und hieß Aaron. Die beiden Kinder verkrochen sich oft in irgendeinen Schlupfwinkel, um ans dem Bannkreis der düsteren Schweigsamkeit zu kommen, und hier erzählte Mirjam ihrem jüngeren Bruder allerhand Geschichten und Märchen, die hell und seltsam waren, und Aaron jubeln und jauchzen ließen. Aber das waren nur kurze Minuten der Freude, die Wirklichkeit war hart und stärker als alle Geschichten und Märchen und die Beklonunenheit, die von Jochebed ausstrählte, teilte sich den Kindern mit. Jochebed arbeitete und schwieg, schwieg unentwegt, und die Kinder wußten es nicht andeks. Da hörten sie sie eines Abends, als der Bater nach Hause gekommen war, ausschreien, und aus ihren Augen, die wie zwei versiegte Brunnen, der Tränen nicht mehr fähig schienen, stürzte unaufhaltsam eine Flilt. Dann packte sie in ein Tuch ihre Habseligkeiten zusammen, sah Mirjam und Aaron tief und stumm au, murmelte etwas zu Amram, was die Kinder nicht verstanden, und schritt schwer und gebeugt zur Tür hinaus. Drei Jahre larrg sah Mirjam ihre Mutter nicht, und das Leben war für sie noch grauer, noch düsterer in seiner Unverständlichkeit geworden. Mirjam mußte nun ihre Mutter ersetzen. Sie arbeitete, so gut sie konnte, versorgte den kleinen, ärmlichen Haushalt und war müde, wenn der Tag sich senkte. Aber die Müdigkeit griff nur von ihrem Körper Besitz, von ihren 'Armen und Beinen, nicht von ihren Gedanken und Sinnen und Träumen.-- Die blieben wach und sie warteten insgeheim aus eine Ueberraschung. ans eine Äenderung des Tages. Mirjam wurde durch die Arbeit nicht resigniert und stumpf wie ihre Mutter Jochebed. Mirjam war ein Kind, das hoffen kann, ein Kind, bas sogar der Unabänderlichkeit noch ein trotziges fragendes Warum stellt, ein, Kind, das die Zukunft nicht wie ein Erwachsener mit kühlem Kops berechnet, sondern ihr täglich von neuem neugierig einen Schleier entreißt, immer bereit aus ein Wunder. Und eines Nachts, es mochte wohl eine Nacht gewesen sein, in der die Sterne vom Himmel besonders hell geleuchtet haben.und manche von ihnen in weitem, steilem Bogen Über die dunkle Zluppel zum Rand sausten, hörte Mirjam im Traume eine Stinune. die iyr einen Bruder weissagte. der Israel vom Joch der Aegypter befreien lverde. 'Mirjams Bruder sollte der große Retter werden, nickst der sanfte, weiche Aaron, nein, ein neuer Bruder, der ihr ini strahlenden Licht erschien. Mirjams ' kindliche Sehnsucht hatte ein Ziel, einen Ausdruck, eine Form bekommen. Es war der Bruder. Und ihr kleiner Körper mochte sich gestreckt haben, und ihre Seele inochte mutiger geworden sein, und ihre Stimme voll tiefer Verheißung und klangvollem Glauben, als sie dem Bater ihren Traum berichtete: und so mochte sic ihn bis ins Innerste erschüttert haben. Tenn.Amr'am. Mirjams Bater. hotte seine Frau Jochebed zurück.-von der er drei Jahre lang getrennt gelebt hatte, damit sie keine Kinder bekomme, die nach dem ägyptischen Gesetz getötet werden sollten. Jochebed kam. still und gebeugt, wie siegcgangen war. wieder, "nahm die 'Arbeit auf. die sie vor drei Jahren niedergelegt hatte, und als ihre Zeit gekommen ivar. gebar sie ihr drittes Kind, ihren zweiten Soyiu-Moses. Böller Ahnungen und voll zitternden Jubels, hatte Miriam ihren zweiten Brüder erivartet. Sie war die Einzige unter ihrem Bvlke. der in jener sternenhellen Nacht das große Vertrauen, die göttliche Zuversicht in Der Bibel nacherzählt von Gusti Hecht die. Brust gelegt worden wa.r —; und die Schwester, Mirjam beugte sich in überströmenden Glück über den kleinen Knaben, ihren Bruder. Der kleine Knabe war ein seines, schönes Kind, und Mirjam vermeinte, daß.erst jetzt die Sonne , und der Mond in das Zimmer scheine, in dem ihr Bruder lag,-baß.erst'jetzt der Tag hell und die Nacht silbern geworden ' war.- Drei Monate wurde das Kind vor den ägyptischen Häschern verborgen Doch, die ägyptischen Wächter waren wachsam und ersannen, sich allerhand Schliche und Tücken, um. den neugeborenen Judenknaben auf die Spur zu kommen, von . denen sie wußten, daß man sie vor ihnen verbarg. So. nahmen sie ihre eigenen Frauen mit den eigenen Kindern mit, stellten sich vor der Juden Tür, und wenn ihre eigenen Kinder aus dem Arm der N'cutter zu lallcK begannen, antworteten mit ähullchem Lallen die jüdischen Kinder aus dem verstecktesten Winkel des Hauses. Dann aber drangen die Schergen ein, und es half kein Bitten und kein Flehen, kein Schreien und keine Ber-, zweiflung:. der jüdische Knabe mußte ihnen ausgeliefert werden. Mirjams Herz kannte kein -regelmäßiges Klopfen mehr. Mirjams Herz war von der entsetzlichen Angst zusammengeschrumpft und elend. Und nach drei Aloriaten flocht sie mit ihrer Mutter ein Binsenkörbchen, sorgfältig verklebten sie die, Fugen mit Erdharz und Pech, legten das helle Kind hinein, das sich wohl zuerst über seine neue luftige Behausung zu freuen schien, und trugen das Kästchen zum Nil, wo sie es in das hohe Schilf am Ufer betteten. Dann hatte Jochebed mit bitterem Hohn Ntirjam gefragt: „Tochter, wo ist deine Weissagung?" und war nach Hanse gegangen. Mirjam aber wartete.und wartete und konnte sich nicht trennen von dem Kästlein. das im Schilfe lag. und fühlte, düß sie ihren kleinen Bruder schützen müsse, ihm helfen müsse, damit er der große Bruder werden könne, der große Retter Israels. Wie ein Jäger, der das geringste Geräusch und den leisesten Windhauch verspürt, wenn er auf der Lauer liegt, so hört Mirjam in ihrem Versteck das Schilf knacken, die Wellen ans Ufer schlagen, die Erde atmen, und sie hörte ihr eigenes Herz wie Hammerschläge klopfen, als sie Schritte verncchm und endlich däs Gespräch zweier Frauen, die das Kästlein im Schilf erblickten und-Mut- . maßungen darüber anstellten, was wohl in ihm verborgen sei. Es war die Pharäonentochter, die mit ihrer Dienerin zum Bade gekommen war und nun diese anffordcrte, ihr das Kästchen. zu bringen. Sie fand den Knaben Moses. Da war nun für Mirjam wohl einer jener 'Augenblicke gekommen, die man herausgeschnitten aus der umrahmenden Zeit erlebt, ein Augenblick, losgelöst von allen ^vergangenen und allen zukünftigen, da die Gedanken, die er enthält, die Gefühle und den Entschlich; die er reist, keine Verbindung zu den vorausgegangenen oder folgenden kennen. sondern wie aus dem Nichts anftaucheu, sich zu einem ungeahnten Ausdruck formen und ihrer Starke und Vehemenz alich kein langsames Abklingen finden, überleitend zu der alltäglich schwingenden Lebensart. In solchen Augenblicken steht man Aug in Awz dem Feind" gegenüber, in solchen Augenblicken gilt alles oder nichts, in solchen Augenblicken ist der Kampf gegen das Schicksal kein leeres Wort mehr, und in einem solchen Augenblick fand das kleine, schüchterne Iudenmädchen. das bisher nur versonnene -Märchen - ihrem Bruder erzählen konnte und die Wirklichkeit nicht glaubte, den ' nüchternen, klaren und schlagferkiaen Witz, sich der, Pharaonentochter, die hilflos und überrascht das schreiende - Indeükind im Arme hielt, zu nähern, als ratspendende. ja beinahe überlegen Wissende, und ihr in berechnender und listiger Weise gerade die Frage zu stellen, ans die sie die Antwort bekam. die-sie,hören wollte. ..Soll ich hingehen, und. der hebräischen Frauen eine rufen, die da säuget, daß sie dir das Kindleiu säuge?" So fragte Mirjam die Pharaonentvchter. und teilt weiser Diplomat, der sich alles gut und folgerichtig-st'lberlegt. hätte geschickter und' besser fragen .können, als sie in der völlig nnerivartcten und neuen Situation. Sie fragte nicht, soll ich die Btutter des Knaben holen, nein, sie fragte „eines der hebräischen Weiber", schlaci und bewußt, daß eine Steigerung der in der Frage geforderten Güte und Milde, die Pharaonentvchter vielleicht stutzig und zürnend gemacht hätte. „Geh hin", war die kurze Antwort der Pharaonentochter, und Mirjam flog mehr als sie ging, um ihre eigene Mutter, die Mutter Bchses. zu holen. Unter Mirjams Angeii wurde Moses groß und stark, und das war ihr ganzer Segen, denn - das war die Bestätigung, oaß oie Stimme, die sie einmal im Traume gehört hatte. Gottes Stimme gewesen war. daß sie nicht getäuscht worden war und daß lie glauben durfte, immer weiter glauben durste: Atein Bruder wird der Retter Israels. Miriams AlterSgenossinnen mochten al8 junge Äcädchen in manchen Feierstunden beisammen gewesen snn und sich zusammen gefreut haben. Mirjam war nicht unter ihnen. Sonett > So bist du fern, dass keiner Sehnsucht Rufen in deine Ferne reicht. Ganz arm und leer ist nun mein Tag. Die Nächte schleppen schwer die trägen Schritte über dunkle Stufen. Was unsre Innigkeiten gross erschufen, wird übergross, und leuchtet immer mehr. Die Tränen in den. Augen brennen sehr* und Einsamkeiten kommen ungerufen. So bist du weit entfernt. Doch lächeln sehe ich deine Lippen -- zärtlich deine Hände umschliessen meine Hand — in deinem Blick ist Frieden und im Frieden deine NTähe für mich. Sobist du nah TUnd ich verschwende mich. Sieh: es führt aus dir kein Wegznrück. Hilde Marx. .IlIIIIfII!IMIIIIlMIIIIlMIlIIIIIlilIIIlIIIIIIIIIUIIIlIII!I»IlIMIIIM>IIlIUI!IlIIUl!IIIIlII!IlI!!IIl!IIIIIIl> Mirjam hatte keine Freundinnen — Mirjam hatte ihren Bruder. Ihre Altersgenossinnen mochten einen Mann, liebgcwonnen und ihn geheiratet hüben, Mirjam fand keinen Mann, sie suchte ihn nicht, sie hatte ihren Bruder. Mirjam war die Schwester ihres Bruders, sonst nichts. Und das war nicht wenig. Tenn nur sie allein hatte ihn schon geahnt, lange bevor, als er ans die Welt gekommen war, sie hatte sein Schicksal gelenkt, als-er hilflos im Schilfe lag. und sie wußte während der langen, langen Jahre, da Moses die Schafe Jethros hütete und die Not der. Juden immer furchtbarer wurde, daß er eines Tages zurückkommen und die Not beenden werde. - Und Moses kam zurück, und. Moses vollführte das Wunder. Moses hielt, was die nächtliche Stirnme Dtirjam geweissagt hatte, Moses führte die Juden aus Aegypten. Die Aegypter verfolgten sie. „Pharao zog hinein ins Meer mit Nossen und Wagen und Reitern; und der Herr ließ das Meer wieder über sie fallen. Aber die Kinder Israel gingen trocken mitten durchs Meer. Und AUrjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand, und alle Weiber folgten ihr nach, hinaus mit Pauken im 'Reigen. Und Mirjam sang ihnen-vor: Laßt uns dem Herrn singen; denn er hat eine herrliche Tat getan. Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt." Das war der Jubelruf MirjamS. Es war der Höhepunkt ihres Lebens, die Erfüllung ihres Lebens. Aber das Leben geht nicht ans den Höhen weiter, auch Mirjams Leben nicht. Sie war n u r die Schivester 'Moses. 'Moses war nicht allein ihr Brlider, 'Moses war auch der Gatte von ^Zipporä, die ihm zwei Söhne geboren hatte. Das war nun der Bezirk um Moses, in dem Ätirjam leinen Raum fand, aus dem sie ausgeschlossen war. Moses, als der geniale Führer und Gesetzverkünder ihres Volkes, war ihr nicht fremd undZern. denn dafstr hatte sie ja ihr ganzes Dasein zum Einsatz gegeben. Aber Moses, als Ehemann einer andern Frau, erweckte ihre Eifersucht. „Ta redete Mirjam und Aaron wider Moses des kuschitischen Weibes halber, das er genommen hatte, denn e'n kuschitisches Weib hatte er genommen. Und sprachen: Redet denn der Herr allein durch Moses? Redet der nicht auch durch uns?" Gewiß, Mirjam und Aaron redeten wider Moses, aber hat nicht der Herr Mirjam allein dafür gestraft? Nur sie wurde aussätzig, nicht Aaron. Mirjam mußte es gewesen sein, die von Eifersucht ausgestachelr. gegen ihre Schwägerin zuerst gehetzt hatte, die ihren Bruder Aarou überredet haben musste, und die lang bekannte Tatsache, daß Moses' Weib eine Atohrin war, auf einmal zum Vorwand nahm wider sie zu reden. Das zwölfte Kapitel t*. vierten Buch Mose trägt die tteberschrift: „Tie murrende Mirjam wird aussätzig." 'Mirjam fühlt sich zurückgesetzt, verimchläfsigt, Mirjam ist enttäuscht und bitter. Mirjam murrt. In diesem knrzefl Kapitel belenchket ein grelles Licht die Beziehung Mirjams zu ihrem -'Bruder. Die übergroße Schwesternliebe ist verletzt, die Wunde schmerzt tief und macht stMirjam sv bestnrnrngslos. daß sie anmaßend ruft: „Spricht der Herr nicht auch durch uns?" Selbst den von ihr bisher unbedingt anerkannten Borrang, den Moses vor Gott im Vergleich zu allen andern, auch zu ihr hat. neidet sie. Ihre Berwirrung kennt keine Grenze, alles ist Auflehnung gegen das gnalvoUe Leid. Aber Moses, chr großer, begnadeter Und herrlicher Bruder, versagt auch jetzt nicht. „Moses aber schrie zu dem Herrn und sprach: Ach. Gott, heile sie!" Und Mirjam wird auf Moses' Fürsprache geheilt, aber erst nach sieben Tagen. In den sieben Tagen, die Mirjam verschlossen außerhalb des Lagers verbrachte, mochte ihre Eifersucht sich in Scham gewandelt haben, und ans der Scham die demütige Kraft gewachsen sein, zu erkennen, daß ihr Schicksal nur um der einen Aufgabe willen, den Retter Israels in tiefster Seele und mit dem glühendsten Herzen ahnen und erwarten zu können, vom höchsten Willen geformt wurde. Das war die Sendung der Prophetin Mirjam. Als sie starb, weinte, beklagte und. begrub sie Moses.^TIM^Ver^Mrrftrmbrunnen. der wie ein Felsen vor den Kindern Israels auf ihrer Wanderung durch die Wüste rollte, und „dessen Wasser die höchsten Gipfel erklomm und die tiefsten Tälern erreichte, je nachdem wo Israel lagerte" und sich zu Bächen und Strömen vereinte. an dessen Ufern die herrlichsten Bäume mit duftenden Blüten und Früchten wuchsen, so. daß die Luft würzig und süß wurde, der Mirjambrunnen versiegte mit Miriam? Tode. i i! V i \ l 1. i