Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 25 (18.6.1936)
- Date
- 1936-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ln dem der Geist unserer Gemeinscliaft schönste Verwirklichung erfahren hat; ein Mann, der in jugendlicher Frische die sich türmenden Aufgaben des Tages meisterte, auch als das Alter ihn schon mit menschlicher Vollendung und gütiger Weisheit geadelt hatte. Landesverband Gross-Berlin des C-V ln tiefster I raner nimmt der Landesverband Gross-Koriin Abschied von dem 'Mann, der 16 Jahre lang Führer unserer Ge^amtorganisation gewesen ist. Julius Brodnitz hat dem Berliner Landesverband trotz der vielen Arbeit, die ihn sein Leben lang erfüllte, stets fördernde Freund- Oer Schmerz Ist zu frisch, aTs dass wir ihn schon deutend ausschöpfen könnten. Der Strom unsere« Dankes aber ist so stark, dass er uns helfen wird, seinem Werk in seinem Geiste weiter zu dienen. Die Mitarbeiter in der Hauptgeschäftsstelle des C.-V. schüft erwiesene Das Schicksal wollte es, dass sein letztes Auftreten in der. jüdischen Oeffentlichkeit unter den Delegier-; ten unseres Landesverbandes stattfand. Mit glühenden Worten ermahnte er noch am 10. Juni, dem Abend vor dem 'Unfall-'' tage, nach einem Referat über soziale Fragen den Landesverband Gross-Berlin, sich noch mehr als bisher in die Lebensfragen der Juden in Deutschland zu vertiefen und sich noch mehr als bisher für diejenigen ejlnzusetzen, 'die in "den letzten Jahren von einem harten Schicksal betroffen wurden. Wir haben Julius Brodnitz stets verehrt und geliebt. Und diese Verehrung war nicht nur in denen, die an der Spitze des Landesverbandes die Geschäfte führen, sondern gerade die jüdischen Massen Berlins hingen mit einer wahren Liebe an ihm. Seine packenden Worte, die er so oft in der? verschiedensten Ortsgruppen in grossen und kleineren Versammlungen an die Berliner C-Ver gerichtet hatte, sicherten ihm Anhänglichkeit und Gefolgschaft, Wenn »wir Abschied nehmen von dem Mann, den ein tragisches Geschick in der Vollkraft seiner Gesundheit ereilt hat, so geloben wir, in-seinen Gedanken weiterzuarbeiten. Dr. Bruno Glaserfeld. Trauerkundgebiiiigeir Jüdischer Organisationen Reichsvertretühg der Juden Von 'Iraner erfüllt, senden wir Ihnen diese Zeilen, um es Ihnen auszusprerlien, wie tief wir den Heimgang von Julius Brodnitz empfindet,. / Erstand, mochte’-er auch den täglichen Platz der Arbeit'nicht unter-uns'haben, in unserer Mille. Denn er war ein Mittelpunkt jüdischen Denkens, jüdischer. Gläubigkeit in -unserer grossen Gemeinschaft. Zu ihm sprach, was alle im Innersten bewegt, und was er sprach,' hat-unser aller Seele erfasst. Er sali das .Gänze und hörte das Ganze. Jede Besonderheit war ihm Be: Sonderheit um des grossen Ganzen willen. Sein Rat, seine'Entschiedenheit vor allem hat dein Zusammenschluss der Juden in Deutschland den Weg gebahnt, hat unserer Reichsvertretung den Boden bereitet. Als Mahner zur Verbundenheit, als Hüter der Einheit, immer aufrecht, immer aufrichtig und immer begreifend, zu jedem Opfer bereit und darum befugt, Opfer , zu fordern, wie ein guter Geist der Gemeinschaft, Bein Deutschland weis und Vorbild, so stand er in unserer Mitte. Das soll er bleiben. Leo Baeck. Otto Hirsch. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur liess die Keidisvertretung folgende Erklärung zugelien: ' . In Julius Brodnitz verliert die Reichs- Vertretung der Juden in Deutschland einen Manu und eine Gewissheit. Der fast Siebzigjährige stand unter uns in. unruhvoller, bedrückender Zeit als ein Mann justus et tenax propositi. Er war einer der Junggebliebenen, fast einer der Jungen geworden, sich treu und immer erschlossen, immer bereit zu lernen. Er, der über alles Enge und Parteigebundene liinausgchobeii war, .dem sein Judentum immer die letzte und entscheidende Antwort gab, war uns je länger desto besser eine Gewissheit; wir wussten, wenn bestimmende Fragen vor uns hintraten, dass wir auf ihn rechnen', konnten. Wir werden dem, was er war, die Treue halten. beit, die dieser Mann in guten und in schweren Zeiten zum Besten der J-udenheit geleistet hat. Der llilfsverein verliert in-dem Verewigten nicht nur einen seiner wertvollsten Mitarbeiter, sondern auch eine Persönlichkeit, die seine Arbeit durch reiche Anregungen und Hilfe stets.bereichert und gefördert hat. Sein Wirken wird bei uns unvergessen Wisch liitzer Ohassei. Zionistische Vereinigung für Deutschland Die Nachricht vom Ableben Ihres Vorsitzenden Juslizrat Brodnitz erfüllt uns.mit Trauer und Aufrichtiger Teilnahme. Mit ihm verlieren die Juden in JDeutschlaiid einen der stärksten Förderer gemeinschaftlicher und zukunftsbejahender jüdischer "Arbeit. Sein Andenken wird bei uns stets in Ehren bewährt bleiben. „Ort“ Gesellschaft zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden Rreussischer Landesverband jüdischer Gemeinden Es sind Tage der Trauer für die Gesamtheit der Juden in Deutschland in allen ihren Gemeinden. Juslizrat Brodnitz war der Führer einer unserer grossen Gruppen. In dieser .Führung’ war sein Wirken im Geiste der Gemeinschaft aller. Und so wirkt es sich aus weit über den unmittelbaren Bereich seiner Arbeit hinaus. Jede Gesämtarboit innerhalb unserer Gemeinschaft. auch wo er nicht unmittelbar gegenwärtig war, ist’ von seinem Geist 'berührt und muss von ihm. berührt sein, wenn sie eben wirklich Gesnmtarbeit sein will. Mit denen .-zusammen,'denen er als einer der Ihren entrissen, ist. trauern in diesen Tagen die'-Gemeinden ,,m einen. Führer, der von uns gegangen ist. Arthur Lilientlial. Jüdische Gemeinde zu Berlin Der plötzliche Tod von Juslizrat Dr. Julius B r o it n i t z . erweckt in der jüdischen- Gemeinde zu Berlin Schmerz und Trauer. Kurze Monate nach dem Hinscheidon von Dr. Ludwig Holländer,, mit dem Brodnitz in der Arbeit des Gentral-\ ereins verbunden war, tritt er gleichfalls in die Schar unserer Toten ein. Nhch grossen und -imvergesslichen Männern wie Uorwitz und- Fuchs hat Brodnitz. die Leitung des Gentrat-Vereins übernommen .und sich .bemüht, sie itn Geiste seiner Vorgänger weiter/.nführen. ln schwerster ■ .Zeit hat der Gentral-Verein gerade dadurch, da-s Brodnitz an der Spitze stand, an Bedeutung gewonnen. Mit '-bemerkenswertem Geschick hat Brodnitz es verstanden Gegensätze unter den .luden Deutsch.^ lands aus/ugteirhen und er hat immer ein) besonderes Gefühl dafür gehabt was. sich für das Judentum gebühren oder in der gegenwärtigen Zeit sich erübrigen liess. Von seiner Reise 'nach Palästina hat er Eindrücke mitgebracht, die seine Anhänglichkeit'an-das Land der Väter-nur bestätigen konnten. Es war ihm Herzenswunsch, für die Juden, die iin Lrez Israel eme Heimat schaffen wollten.-mitarbeiten zu können. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin verliert besonders an Julius Brodnitz, denn «o treu er immer zur jüdischen Sache stand, so hat er gewusst, dass unsere Gemeinden und ihre Einrichtungen..jeden Vorrang verdienen, wenn wir das Gut der Väter erhalten sollen. Das Mitgefühl der jüdischen Welt und im besonderen unserer Gemeinde gehört in dieser Stunde dem alten und grossen Central-Verein. Wie trauern mit ihm um. seinen Leiter. Der Fämilie des Toten •sprechen wir unsere ' Ergebenheit7 aus und betonen die Dankbarkeit, die wir für Julius Brodnitz stets bewahren werden. -Heinrich Stahl. Die Gesellschaft Ort hat einen unersetzlichen Verlust' erlitten. Justizrat. Dr. Brod- _nitz, einer der Bahnbrecher des Ort-Gedankens in Deutschland, ist nicht mehr. Zu einer Zeit, als es noch nicht' Allgemeingut war, dass gegen die ungenügende Berufs-. Schichtung auch der Juden in Deutschland die Selbsthilfe mobil gemacht wurde, hat er sich in die vordersten Reihen im Kampf um diesen Gedanken gestellt. Seine wertvolle, immer anregende, produktive Mitarbeit in unseren leitenden Gremien wird allen seinen Mitarbeitern in der Ort-Bewegung unvergessen bleiben. "Wilhelm Graetz. Jüdische Refarmgemeinde Berlin In Justizrat Dr. Julius Brodnitz verlier die Jüdische Reformgemeinde in Berlitf eines . ihrer ’ überzeugtesten und treuesten' Mitglieder. Julius Brodnitz gehörte der Gemeinde 34 Jahre hindurch an. Ih26 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen. eine seltene Würde, mit der.vorher ausnahmslos mir verdiente Mitglieder der Verwaltungskörperschaften oder Prediger der Gemeinden .ausgezeichnet worden waren. In seinem Dankschreiben sprach Brodnitz es aus, dass ihm das Judentum, wie die Keforingemeinde es bestätige, „innere Notwendigkeit“ bedeute. Er lebe . im Refpringedankon und wirke für ihn, „weil er nicht anders könne“. Die Jüdische Reformgemeinde wird diesem treuen Lehensgenossen weit über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands Zu dem .schweren Verlust, den Sie’durch den'Tod'Ihres Vorsitzenden erlitten haben,, erlaube ich mir, im Namen der von mir vertretenen Organisationen und auch persönlich mein herzlichstes.Beileid zum Ausdruck zu bringen. Der plötzliche Tod Ihres Vorsitzenden reisst eine grosse Lücke in die Reihe der jüdischen Persönlichkeiten, die seit Jahr-, zehnten die Interessen der Ln Deutschland lebendem Juden wahrgenommen haben. Diese Lücke wird schwer zu schliessen sein. Audi in unseren Kreisen wird das Ableben Ihres Vorsitzenden aufrichtige Trauer liervorrufen, besonders weil der Verstorbene unseren Aufgaben und Zielen -immer grosses Verständnis entgegengebracht hat. Wilhelm Marcus. Alfred Peyser. Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V. In tiefer Erschütterung stellt der IHlfsvereiii der Juden in-Deutschland mit Urnen au der Bahre Ihres langjährigen Vorsitzenden. des um die jüdische .Arbeit so einzigartig verdienten Juslizrat Dr. Brodnitz. Wir sprechen Ihnen zu diesem unersetzlichen Verlust, den Sie. und mit Ihnen wir. wie die gesamte Judenheit in Deutschland erlitten haben, unser tiefstes Mitempfinden aus. Wir gedenken in diesem Augenblick, in Dankbarkeit der aufopferungsvollen Ar- Der Geschäftsführende Ausschuss desK.C. Das lliüseheiden des Herrn Justizrats Dr. Julius Brodnitz hat in unserem Kreis aufrichtige Trauer hervorgerufeu. Der Entschlafene-stand-uns nicht nur als Leiter des uns eng verbundenen Central- Vereins und damit als langjähriger Freund und Gefährte unseres Ludwig Holländer nahe, -sondern'wir verehrten’in ihm eine Persönlichkeit, -deren .Kern eine innere Würde war. die Vorbild und Massstab für die Haltung der Juden in dieser Zeit geworden ist. Wir sprechen Ihnen zu dem vorzeitigen Verlust dieses wahrhaft vornehmen Mannes unser tiefempfdndenes Beileid aus. Ernst Rosenthal. Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschländ. Jüdischer. Kulturbund Berlin Den, Redakteuren und Mitarbeitern Ihrer Zeitung sowie der Leitung des Central-Vereins spreche ich im Namen des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde und d es J iid i sei len Kulturbundes Berlin das herzlichste Beileid auszum Ableben ihres hochverehrten Justizrat Brodnitz. Wir haben einen Freund unserer Arbeit verloren, einen begeisterten und begeisternden Mann, der auch in der Kritik noch stets positiv und fördernd war. Niemals appellierten wir vergeblich an seinen Charakter, sein Wissen, seinen Rat, seine Freundschaft, seine Hilfe. Er galt uns als der . Weiseste und Sicherste, wenn-im Kampf, der um unsere Idee ging, Meinung gegen Meinung stand. Aus seinem grauen Kopf blickte die Jugend der Tat und des Helfenwollens uns an. Ein ganzer Mann, ein ganzer Charakter — nehmt alles nur in allem. An der Bahre dieses, wahren Gentleman unter den Juden beugen wir tief das Haupt. Kurt Singer. „Der Ring“, Bund jüdischer Jugend Hinter Julius Brodnitz schliesst sich wieder eine Tür zu der Welt, die der jungen jüdischem Generation schon keine Heimat ‘mehr, sondern majestätische Ferne zu werden beginnt. Die Jüngeren werden nur ahnen, wo die Aelteren noch wissen. Es gibt ein Wort, das Julius Brodnitz über alles liebte, weil es ihm nimt Wort war, sondern Lebenssinn: Humanität. Diese echte Menschlichkeit, die nur aus innerer Wahrhaftigkeit, nie aus äusserlichem Wah rhäben wollen kommt, war zugleich der Zugang, den wir stets zu ihm fanden. Seine Liebe zum Objektiven, sein Verständnis für Alle und Alles verschmähte Ideologie und Politik-oft’mit einer Selbstverständlichkeit, die wir manchmal nicht begriffen. Aber er begriff uns-immer. So standen wir einander nahe und die Jahre trennten Ulis und bisweilen die Pläne. Aber das war nicht bedeutungsvoll. Wie ihm, ist auch uns wesentlich nicht was man will, sondern was mau kann. Unser Band wird nicht reisse.ii. Es wird noch unsere Jüngeren fesseln, denen wir dankbar und stark die Erinnerung überliefern wollen an Julius Brodnitz. ' Heinz Kellermann. , Vereinigung für das religiösliberale Judentum Mit der allgemeinen Trauer der Juden Deutschlands über den Verlust eines ihrer besten Söbne verbindet das religiös-liberale.'Judentum den Ausdruck seines eigenen tiefsten Schmerzes. Denn Julius Brodnitz hat sich Zeit seines Lebens ohne Schwanken und Zögern, in Gedanken und im Haltung, zu unserer religiösen Weltäpffassung bekannt. Ihm war aber diese religiöse 'Auffassung nicht Vorwand zur. Untätigkeit, sondern seine ganze der Gesamt- , heit dienende Lebensarbeit war von der ITeborzeugiiiig. beflügelt, dass er Gottes Werk'tue,-wenn er seinen Posten ausüille und auf ihm .aushalte. Darum durften wir ■auf ihn zeigen, wenn wir dartun wollten, welche seelische Schwungkraft-solche religiöse Ueberzeuguug verleiht und auch in schärfstem Kampfe erhält. Heinrich Stern. Am Montag, dem 20. Juni, am Tage der Beisetzung von Justizrat Brodnitz, bleiben die Geschäftsstellen des Central-Vereins in Berlin und im Reich zum Zeichen der Trauer geschlossen. Der Central-Verein wird für seinen toten Führer eine Trauerteier veranstalten. Näheres wird noch bekanntgegeben. - Im Sinne des Verstorbenen bitten wir,~ von Blumenspenden abzusehen und, mit Rücksicht auf die besonderen Umstände des Falles, auch von Beileidsbesuchen bei den Angehörigen Abstand zu nehmen. Das Bildnis von .Tustizrat Rroitnitz auf der Titelseite dieser Kummer wurde wenige Tage vor dem Unfall von Herbert Sonnenfeld-Berlin aulgenommen.