Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 15 (9.4.1936)
- Date
- 1936-04-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2278137-2278152--10799-2290955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
Nr. 15;* 5. Beiblatt €.YZeituiiq — 9. April 1936 Palästina-Umschau Palästina als Industrieland Von unserem L.B.-S0 Weiinman. heute mit .lein Schiff in den Hafen r„wenn,.man ide rberich t erst etter ■■..der Ilaifii-Bai 'abfährt, därin glaubt nian eigentlich, einen lndus!ri"ebezirk vor sieh "zu sehen wie im Solinger Land oder wie in Lanrast, i re oder in der Gebend von Lilie. Fabrik reiht sieh an Fabrik, keine grossen Unternehmungen mit -hohen Schornsteinen und Tag und .Vicht leuchtenden Ksse.11. aller doch eine geschlossene Reihe von kleineren Werken mit 20, 40, SO, auch Läden,, -trotz eines in. gewissen :; aeüb.leii- Luxus*, die Kaufkraft der - . breiten Schichten, an europäische,,: Massstaben ’ gemessen, gering ist und gering bleibt. Von der ■ jüdischen Bevölkerung des .Landes von 220 000 oder 272 000 scheidet ein 'erheblicher Teil aus den, Binnenmarkt überhaupt aus. hie Bedürfnisse der in der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung sind, wie überall in der Welt, seinklein. der „alte Jisdniw" von Jerusalem, von Safed und Tiberias kommt ab Konsument eben¬ 1B0 Arbeitern, mit einem regen La kehr, der Rohmaterialien bringt und holt, mit einer vorstädtischen Arbeitersiedlung daneben, wo der Beschäftigte sein Eigenheim haben kann, kleiner, als in Europa zwar, aber mit einem Gärtchen, und. wenn die Arbeiterfrau es will, auch mit einer Ziege oder vielleicht auch einer Kuh. Sichren Chaim heisst die Siedlung zum Andenken an Chaim' Ariosoroff, den unvergessenen Führer der palästinensischen Arbeiter- Auf der anderen Seite d die nach Akko und weiter nach Beyruth führt, ist als, Gegenstück zu den gelben Häuschen der linken Strassenseite eine Kolonie mit lauter kleinen weissen Blöcken im Bau. Kirjat Biallik, die vorstädtische Siedlung, die fast ganz für die Neuangekommenen Juden aus Deutschland bestimmt ist. Auf dem Sand der Ebene Sebulon wurden so in den letzten drei Jahren die Industrie und ihre Arbeiter„»gesiedelt, und wenn man mit einem der alten Bewohner von Haifa zusammen durch dieses Land fährt, hört man. dass noch vor fünf, sechs Jahren hier überall nur Dünen und Sümpfe waren. Aehnliebes sieht man bei der Einfahrt „ach Tel-Aviv auf der Strasse von Belach Thikwa, die es heute an Verkehrsdichte mit den Zufahrtsstrasse» der grossen . europäischen Städte aufnehmen kam,. Fabrik hat sich auch hier wie in Haifa neben Fabrik gestellt. recht weit weg vom Zentrum der Stadt in der Absicht, keine industriellen Unternehmungen in die Städte selbst liineiiiwachsen zu lassen wie etwa die Silikatfabrik in Tel-Aviv, die „och vor drei Jahren an der Peripherie der Stadt lag und heute ganz; '>011 Wolmstrassen umgeben ist, so dass sie von allen Nachbarn weit weg in den Sand gewünscht’wird, Unter den drei Wirtschaftsbezirken Palästinas, die während der letzten Konjunkturperiöde 'seit 1922 den Cross teil -von Mensel, e.n und Kapital aufgenommen haben, Plantagenwirtech'äft. Baugewerbe und Industrie, steht diese zeitlich an letzter Stelle. Erst seit 1924 und noch stärker seit Frühjahr 1922, als nach allen vernünftigen Erwägungen die Bodenpreise in der Stadt so gestiegen waren, dass ein Rückgang unvermeidlich schien, datiert das,grosse Interesse für den. industriellen Aufbau des Landes. und insbesondere die Entwicklung der Fertigw-arenindustrie. Aus-der Konjunktur des Baugewerbes mit den wenigstens teilweise gezahlten höheren Löhnen entwickelte sich eine Ausdehnung des vorher allerdings sehr marktes. Neue Einwanderer- Bedürfnisse, trotzdem ist aber die Kaufkraft wohl kaum der entscheidende Faktor der palästinensischen Industrialisierung geworden. Man darf sich Dicht darüber täuschen, dass trotz mancher tionszweigtm die Gr, gegeben,# für Unte , lnitfelindustrie. wie. die Bierbrauerei zur Belnebserüffiuuig Stärker1 aber war der . Aull au - ge we r be‘ her erhielt. Die., wie die SHikatziegidfahrikei, in der Un von Tel-Aviv und besomieis das grösste lmhistr "«'unternehmen des Landes. ,ne- /.omenlfabnk Neslier, mussten ständig ihre Kapäzilal steigern. 1111, den Aufträgen der Baiikonjmiklur naiTr/ukon,men. Unter den veränderlen konjunkturell»'!, Bedingungen werden diese UnterinTtmmigon jetzt eine-stillere Periode dnrchmachen. Die Anpassung an den Bückschlag an, Baümarkt Teil durch organisatorische V< wirken: so Italien sich die drei Sdi! die Tel-Aviv beliefern, zu einem Absalzkarlell bisher in Der wichtigste Grund für das Tempo der palästinensischen Industrialisierung ist aber ohne Zweifel der Druck des a 11 1 a g e s u r li e u d r 11 Kapitals, gebunden an eine recht aktive und organisatorisch ■lind auch industriell begabte'Ein-■ Die Ali ja aus Do 111 s c 1,1 a n d der Tat für diese Entwicklung baluid scheint es noch für die Zukunft zu sein. Ausschlaggebend durfte dabei weiter sein, dass nicht der Kapilalziistrnm allem, sondern seine Form Anreiz zu. industriellen Anlagen bot. Die Schwierigkeiten des Trans-, f e r s 11 s D e 111 s r h I a II >1 auf (lern normalen Wege führten zum Import von industriellen Anlagen, die teilweise fertig in Deutschland bezogen . werden konnte,,. Dass hierbei manche •Fehlinvestition unterlaufen ist. wird sich später noch herausslellen. Und manche Erfahrung lehrt, es schon beide. Abschreibungen wei den nötig sein., denn nicht allein der Preis de,- Anlagen bedarf bei einzelnen Tu Produktion untdr ganz anderen Bedingung-n als in Mitteleuropa 'natürliche Schwierigkeiten der Anpassung zu heriieksVhtigen mul Erfahrungen, zu sammeln. Die macht sich z. B. in..der rasch entwickelten Möbelindustrie 'bemerkbar,; wo. die klimatischen Verhältnisse andere Behandlung verlangen. oder in der Metallindustrie |,oi der Verchromung oder Verzinkung, wo die Erzeugnisse falle kaum in Frage, und die Lei.ensbediirfiiie.se der jemenitischen und bucharischen, aber auch der polnischen und russischen Juden, sind viel geringer als die der Westeuropäischen und amerikanischen. Diese Bedürfnislosigkeit spielt eine doppelte Rolle: bei der Konkurrenz als Arbeiter und. Kauinam, und in dem Kniismnbedürfnis. Es iät-Jrein Zufall, dass "die polnische I'osis, in-,Tel-Aviv eine eigene Niederlassung gegründet . bat. deren Hauptaufgabe es ist. Unterstützungsbeträge aus Palästina nach Polen zu transferieren, und nian hört allgemein.'dass ein polnischer Arbeiter mit 7oder .S Pfund Monatseinkommen 2 Pfund'oder noch-mehr an seine Eltern oder Geschwister in dem kleinen polnischen Dorf oder Landstüdtrhen schickt. Die deutsche Einwanderung vor allem hat grössere Bedürfnisse erweckt, aber sie hat es mitnrlicl, nicht vermocht, die Lebensformen wesentlich zu ändern. Die Einkommensveriiälln i s s e; in Palästina sind auf allen Gebieten, von ganz wenigen Ausnahmen ■ abgesehen, b es e h e i d e n : Luxusausgaben kam, sich kiui'in' jemand gestatten. Das Gehalt eines mittleren kaufmännischen Angestellten liegt zwischen LP 12 bis 12. das eines Arztes der Krankenkassen um U*. 24: Audi der Qualitiitsarbeiter verdient heute nicht mehr als der Angestellte, und der ungelernte Arbeiter kommt' über EP <S kaum hinaus. Nun wäre es natürlich falsch, diese Beträge zum. Pfundkurs von 12.20 RM Hinzu rechnen. da die Kaufkraftj,arität für die meisten Erzeugni-eo höher ist, aber andererseits liegt die Miete für Wohnungen und Zimmer wesentlich über den Preisen in Europa: in Tel- .Aviv z. B. muss man j'e Zimmer EP 2'- bis 2!T ■ rechnen, in Jerusalem und Haifa.LP 2 bis 2. So bleibt oft nur die Hälfte des Bruttoeinku das durch Steuern aber kaum belastet ist. für die sonstigen Lebensbedürfnisse übrig.. Audi für den selbständigen Kaufmann sind die Vetdienstspannen geringer als in Europa. Die Kaufkraft »h-r Bevölkerung steigt durch die Neueinwanderung zwar langsam, und stetig an, sie ist aber je Kopf der Bevölkerung nicht mit den europäischen Masj-stäben zu messen, wenn auch teilweise nicht nur Einkommen verkonsumiert wird, sondern .mich Kapital der Neueinwanderer. die .selhdverstüinilidi eine gewisse Uebergangszeit brauchen, in Palästina wie ,11 jedem anderen Land. Im Laufe der.Jahre wird 1 ein zusätzlicher Bedarf an 1 Gütern eintreten. die die Einwanderer -rt-hndrr ---auf. Vorrat mitg'dzrm-hi haben, wie Kleidu stücke. Hausrat 11. a.. also Industrie auf die sich die palästinensischen Unternehmungen hauptsächlich eingestellt haben. Immerhin hat die steigende Konsumkraft der Bevölkerung für eine ganze Reihe vou Produk- Dazu kommt weiter, dass die von Einwanderern gegründeten Unternehmungen' zwar durch, den Transfer der Maschinen’ eine vorzügliche |i-clinisclie .Ausrüstung erhallen, dass aber das nötige Betriebskapital oft nur schwer zu. beschaffen ist. Mancher Industrir-Ho „hiss so'-einen kapitalkräftigen Teilhaber im Lande selbst suche» mul wird dam t einen entsprechend geringeren 'Nutzen aus seinen Plänen ziehen können. Nach einigen Jahren .Anlnufsstadümi haben manche' Unternehmungen immer noch Kapitalbedarf, auch prosperierende, da für eine Au Erzeugung kaum Reserven zur Vc und eine Finanzierung aus den Gewinnen noch' nicht möglich ist. ' - Wenn auch'die meisten ..palästinensischen Betriebe über den Umfang ' eines' kleinen .-europäischen; Unternehmens' nicht .liinaiisgelieii, so spielt doch auch hier das Problem der f i \ >■ n Kost e n eine .wichtige Rolle. Die meisten Betriebe sind, zum 'mindesten für die Begriffe" eines Kolonisationslandes, sehr kapitaii nt e 11s i v und weniger a r I, e i t sin t e ns 1 v. -In der Kalkulation mag beider Errichtung auch' der verhältnismässig teure Lolin der jüdischen Arbeitskräfte eine Rolle spielen.-jedoch kommen billige arabische kaum in Frage', und das Problem zeigt sich in seiner ganzen Deutlichkeit mehr bei den Orangeiipflaiizungeii. im Strassenbau und bei Steiiibnic.hart.eiteii. Aber die Aufnahmefähigkeit der Industrie für Arbeiter ist nicht ganz so gross, wie es dein in- . vertierten Kapital zu entsprechen scheint. Trotzdem ist nach Ausrechnungen, die I)r. Walter P r e u s s kürzlich veröffentlicht hat,, in der Industrie die investierte Kapitalsumme, die Arbeiter beschäftigen kann, viel niedriger als in der Pflanzungsw'irtsrliaft und auch in der gemischten Landwirtschaft. . Nach den Ziffern der letzten Jahre ist für eine Arbeitskraft in der Industrie nämlich nur eine Summe von LP 270 Investition nötig gegen LP 409 in »h-r Gemischt-, urid sogar 092 in der Pflanzungs wirtsrhaft. Vom Standpunkt der Beschäftigung der Arbeiter aus ist also eine, Beschleunigung der Industrialisierung nur zu hegrüssen. Die kapitalintensive Entwicklung zeigt aber eine andere Schwierigkeit, die nicht allein mit den Problemen der Anlaufszeit erklärt werden kann: ein Missverhältnis zwischen investiertem Kapital und U in s a t z. er Kapitalsumme Unlemehm.un.gci,' mit ganz grossen Anlagen denkbar, die durch Patente . oder andere. Monopolstellung eine so hohe Gewinnspanne ' Italien, dass ihnen ein Ausgleich möglich, ist. Die meisten 'Betriebe in Palästina aber sind Unternehmungen., der Fertigwaren- oder Ronsiiniinduslne,.die dazu noch mit grosser Konkurrenz aus dem Ausland, zu kam,den haben,, und deren Gewiiuimögliclikeiten recht, klein sind-. Die iläuplursac.lie ist natürlich .die.-dass zu . Beginn .der. Erzeugung noch mcii.l die volle .-Kapazität ansgeuut.zt . werden kann.' dass 'ge- . ■ .Schuttes;Personal erst :au<g>,T>ildet. dass eine Wbsatzorgämsahdn ersEgeschäffen werden .muss, dass aucif auf anderen Geb.1e.b-11 erst die notigen , Erfahrungen -.gesammelt weiden -. müssen.- Aber ».las ungünstige Umsalzverliälbus wird doch zum Teil bleiben und hat zur \ maussetzinig. dass bald Smidei'alisclin-ibuiige'ii auf eine vernünftige und rentable Anlageiiludie vo,genommen werben. Nur so wird das merkwürdig und widerspruchsvoll erscheinende'• ■ Missverhältnis beseitigt werden können, dass auf der einen Seil« das Kapital, und besonders das Betriebskapital niclit ausreicht und die Kapilahleeke der Unternehmungen überaus knapp ist. auf der an aber der Umsatz auch im Verhältnis 1 Kapital noch seingering ist. All das zeigt aber, dass .das Hauptproblem der künftigen. Entwicklung der palii.-l.ineiisisciieii Industrie-düs-des A Ii s ,i | / c v i>i. ihn weiterer Aufsatz wird diese frage bei »len -einzelnen wichtigeren Industriezweigen-, behandeln. Der . inländische Markt .ist. vor allem infolge der geringen . Kaufkraft der Bevölkerung, nicht gro-s, und wahrscheinlich auch für .die tiarlisle Zithimll mehl sein er-wrilrnuigsfähig. Die grössten- Clianceii |ur die heimische Industrie liegen darin, die ausländischen Erzeugnisse, mit denen heute Palästina überschwemmt ist. 'langsam durch eigene zu.ersetzen. Die ..toz.eret haarez“- Bewegung ist ein wertvolles Hilfsmittel auf diesem Weg, aber nicht das einzige. Die Man-' datsreeieniiig hat; wie die vor zwei Monaten ei llgef ü li rt eil /.ol le clloll u Ilgen auf eine ganze Reihe von Wan n beweisen, langsam ei,lg«.Schell, 1 dass si,. etwas zum Schulz der heimischen Erzeugung tun muss, und es i-| denkbar, dass sie weder auf diesem Wege forlsch,eilet. Die. . gi'iuidsiilzlichc open door-Zollpolitik, die das Volkeibimdsslaliit für Maiidatsläiidor gegenüber . allen . \ 1 i| ke | lill II i|sst ,1:1 |c|| Vni'-rlj I e l hl, und dazu noch der Vertrag mit Syrien, der Zoilfreiheit gegenüber, diesem doch recht hoc ll e II t \v ickelt eil Land bedeutet, haben bisher den ernsthaften , Schulz, der jungen pa.lästineiisi-clieii Industrie erschwert. Es ging soweit, dass z. B. Bier ans Syrien ohne irgendeine Abgabe eingefiilirt werden kann, während das in Palästina liergosto!!K ' mit einer Akzi-e von 7 Mi Is je | ' id. Die Regierung wird darauf (las* die l-äzichuiigszidlc „ich! et wa der pnläsl 1 neos isrhrii Indudrie grosse Gewinne \erschaffon, sondern nur, dass , i,n- ' möglichst .g ross A 11 s nutz u 11 g .1 e r K a pa z i tä t I B R O A'D.C A S’f 1 N C, S I R V 1C E tu t fi t \.t vhouh i *t \t/ .s - «»*.» «* (*»' J .1 I ICI S\I,I1I. A,..„ s,„n,r|1 K«-VM 'SoV w .<W,H .T.'iii! hiil,;il. mAlten 21,»1 .einer, -T,.-...-.-.. /flff, LP., die Anfang 1922 in der palästinensischen Industrie angelegt War, betrug der Umsatz etwa bk'r Millionen, d. h. das Kapital wurde noch nicht ganz einmal' umgpftrlilagen., Ein derartiges Verhältnis ist in Europa höchstens bei Das Eröffnungs-Programm de* n a-Senders FoL Herbert Hannen [‘hl (2) u