Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1936
- Issue
- 3 (2.4.1936)
- Date
- 1936-04-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Pessachabend zu Gast erwarten?) war gar nichts gegenüber dem Asikomvn, den ich finden und stehlen niufjte. Ich kann cucl> sagen: Ich war schrecklich aufgeregt. Im: „Wodurch unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen-Nächten?" bin ich mehrinals steckengebliebi^n. weil ich meinen Großvater und die overste Mazze nicht einen Augenblick ans den Augen lassen konnte. Jeder andere hätte den Afikomon nun vielleicht cinter die Tischdecke geschoben oder ihn in einem Schrank oder in einer Schublade versteckt. Aber mein Großvater mit seinen i>7 Jahren war viel, viel schlauer. Er nahm die Mazze ganz einfach und tat sie vorsichtig mit seinen alten Händen unter das wissen, ans dem er saß. Jeder Volt uns konnte sehen. wie er sie da hinnnterlegte. Er machte ans seinem Versteck gar kein Geheimnis. Ganz sicher und wohlverwahrt lag die Mazze unter seinem Sitzkissen, und selbst Elias, der doch alles kann, hätte in diesem Jahr den Afikomon nicht stehlen können. Anfangs war ich verzweifelt lind wußte mir nicht, zu helfen. Wie ein Dackel strich ich nin den alten Mann. schmeichelte mit ihnr und suchte mit ungeschickten Händen dieMazze hervvrznklanben. Aber er lachte mich aus. faltete vergnügt die Hände auf den Knien .und saß fest wie eine Pute ans ihren Eiern. .Niemals wäre mir der Nanb gelungen, wenn er nicht ein so alter Mann gewesen wäre. Ein Weilchen nämlich, nachdem er das Gedicht. vom Lämmlein vvrgelesen hatte, sing er an. müde zu werden. Langsam sieleii seine Angen 31«,' fein Slopf mit dem grauen Haar geriet ins Schwanken. und plötzlich sank er mit dem Mücken gegen die Stuhllehne und schlief ein. Anfangs schreckte er noch manchmal ans. wenn jemand am Tisch ein lautes Wort sagte. Aber bald sank sein Kopf lies auf den schwarzen Nock und ich konnte deutlich sehen, daß er eingeschlafen war. Ich stand von meinem Stuhl aus und schlich mich vorsichtig an seinen Platz. Die Großen machten., als sähen sie nicht, was ichtat. Ich kauerte mich vorsichtig hinter der Stuhllehne ans den Teppich, krabbelte mit den I-ingern unter das Kissen, auf dem inein Großvater saß und schob und bohrte an dem Afikomon. daß der sptitterige Teig zu knacken ansing. Znm Glück haben alte Leute am Abend einen festen Schlaf, und Onkel Mailach. wie mein Großvater genannt n'nrde, wachte nicht auf, jo heftig ich auch an seinem Kissen zerrte. . . . Endlich hatte ich die Mazze hervorgezogen. Heil >var sie zwar nicht mehr. sondern ich hatte die rechte Hand mit Bröckeln und Teigsplittern voll. Aber ein großes Stück war noch gut. und das genügte, denn jeder am Tisch hatte ja gesellen, wie schwer es war. den Asikomvn iinter einein Sitzkisseu hervorzuholen. Nun stand ich mit meinen Tcigbrösefn und der halben Btazze in der Hand lvie ein Zinnsoldat lieben Onkel Biailach und ivartete voller Sehiisiicht auf den An gen», blick, ivenn er die Augen ansschlagen würde. : Ich hätte lange stehen können! Endlich mischte sich, aber die <tanduhr ein. Träge kroch der große Zeiger ans zehn. Da holte die Uhr liefen Ateni. tackte erst ein paarmal vorbereitend im Uhrwerk und holte danach gutinütig zu ihren dumpfen/ klingendeitSchlcitzenans. Onkel Blailach zuckte ein wenig mit der langen Nase, runzelte die Stirn tuid fuhr mit feinem Tauinen durch den Backenbart. Dann ließ er langsam die Angendeckel hochgehcn und sali erstaunt über den Sederrisch. „Siehst du," sagte ich zu ihm lind legte den Afikomon mitsamt, den Bröseln i»nd Splittern ueben seinen Teller auf die Tischdecke, „nun habe ich ihn doch gestohlen, Großvater." Er sah mich ein Weilchen an und wiegte lrachdenklich den Kops. Dann fuhr er mit der Hand an sein Sitzkissen und stieß Prüfend mit dem Daumen unter sein/Gesäß. Tatsächlich! Die.Mazze war gestohlen. „Jetzt muß ich mir auch etioas ivüiischen. Großvater!" sagte ich eindringlich. Wieder wiegte er nachdenklich seinen alten Kops. Dann langte er mit'seinen Händeil unter den Nock in seilte 'ausgebeutelten Hosentaschel» und tvühlte und slichte, was er rnir schenken könnte. Zuerst brachte er eilt zerknülltes Taschentuch znm Vorschein,' dann, etwas Bindsaden und einen kleinen Schlüsselbund. Znm Schluß legte er? einen grauen Beutel mit einem farblos gewordenen Kreuzstichniuster daratls neben sich ans den Tisch. Er lockerte mit '.krummen Iingern die Bentelschnnr lind zählte fünfzehn Kilpferpseitnige ans die Tischdecke. v „Ta!", sagte er ztt mir, „nimm!" Weiter gar nichts. Als ich das Gcld voii der Dccke in meine recltze Hand wischte, fuhr er mir mit seinem Damnen zärtlich über die Nase und ich machte einen Knicks. wurde rot und bedankte mich sehr. Iür das Geld _ habe ich mir am folgenden Tag air einer Krambude Schokolade erstanden, und die hat mir nach der großen Blühe ganz besonders glit geschmeckt. So. liebe Kinder! Nun wünsche ich euch alles Gute und viel Erfolg fürs Asikomon-Stehlen am Pessahabend! Te.rt Mala Laaser, Zeichniingrn lyna JIrtu fcUvfauttyytt Von Arthur Silbergleit Im Paradies der Kinderwelt Ruht Gott in einem Hirtenzelt llnd treibt die Wvlkenkühe Hinalls in aller Frühe. lind findet seinen, schönsten Lohn In Vogelchor »nid Alöteutou lind Lied der Läilunerschellen. llnd wählt. sich als Gesellen Zu treuer Pilgerschast so Blond Wie Neh. das uah' dem Klausner tvohnt. Daß es sich lanscheild zeige Des Eremiten Geige Iin Abendrot,.wenn I-liegerin Libelle streckt.ihr Zweideck hin Ans müde Wasserrosen. Und geht dem Heimatlosen So laug von Laud zu Land voran, Bis er den Himmel finden kann. Auflösung des Silbenrätsels aus Rr. 10. M a i m 0 n i d c?. 1. Mordcchai. -. Achab. 8. Ifmael. 4. Mvses. 5. Öenicl.. 6. Aebilladnezar. 7. Elvrith. 8. Debora. 9. Esra. 10. Siinsvn.