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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-02 · 14 (2.4.1936) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
14 (2.4.1936)
Date
1936-04-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Von Dr. Ludwig Feuchtwanger-München Mennephtah Fot.: Arch jv fehl-Berlin Tie Weltgeschichte ist dem gläubigen Juden und all denen unter uns, welche den Aufenthalt Israels'in Aegypten, wie ihn Biliel . nnb Haggada erzählen, als wegweisende Schicksalsdeiitung von einiger Gültigkeit hin- - nehmen, identisch mit der Erlösung des jüdischen Stammes. Die gottgelenkte Geschichte des Auszugs aus Aegypten und die Sinai- Offenbarung sind in dem Uralten jüdischen Geschichtsbewutztsein nicht geographisch - und chronologisch beurkundete Vorkommnisse wie andere. Vorgänge, sondern göttliche Fügungen in der Heils- und Erwählungsgeschichte Israels, kosmische Ereignisse in geschichtlicher Hülle. Alle im ersten Buch Mose, in der „Genesis" berichteten Ereignisse sind Vorberei- ' : nachdem in der Genesis Gegenüber dem „religiös-moralischen Rationalismus" des lll. Jahrhunderts find die Erzählungen vom Auszug aus Aegypten genau so imverwüstlich und abzugslvs gültig ü'ie gegenüber.den Forschungen und Entdeckungen der modernen Aegyptologie. wie überhaupt gegenüber der noch so authentischen und Philologisch-Historisch gcsick)crlen Zuteilung aller - in . der Bibel vortommenden Persvueu! Ziistände nnd Geschehnisse zu konkreten historischen Taten. Im Verhältnis zu der metaphysisch-theologischen Sphäre der Bibel in der Form der Geschichtslviedergabe hat die Ambereitung des tatsächlichen historischen Stoffes ihrerseits in der ganzen Mannigfaltigkeit der Erscheinungen nach strengen wissenschastlielien Btethoden ihr eigenes Recht. Ter Mundschenk des Pharao und der Bäcker, deren Träume Joseph im ägyptischen Gefängnis deutet, bedürfen nicht, des Kvmmeutars unserer modernen.Aegyptvlvgen, die ausführliches archäologisches Material über , die Beamtenhierarchic, über Küche und Keller am Hofe der Pharaonen herheigeichaüt liaben. Tie tatsächlichen Gepflogenheiten, Sitten und Gebräuche im „alten", „mittleren" oder „neuen" Reich, wie sie uns jetzt aus den Ausgrabungen in überreicher Fülle erschlossen sind, mögen als ausschnlückende Illustration zuin biblischen Bericht wie zahlreiche berühmte spätere Midraschim, zur willkonuneneu Ergänzung unserer religiösen Erinnerungen, hingenommen worden. Dem gleichen Zweck kann ruhig etwa auch die Erörterung der von dem jüdischen Gelehrten U ahn da im Jahr lNllll behandelten und viel umstrittenen. Frage dienen, ob die Sprache unseres Pentateuch. sich wirklich, wie Hahuda bewiesen ztl haben glaubt, im Unterschiede von der aramäisch-kauanäischen in einem ägyptischen Milieu gebildet habe und daß dies'nur in der Zeit geschehen sein könne, als Israel in Aegypten war. Tie höfischen Formeln und. Wendlingen aus der ägyptischen Zcremvnial- -und Amtssprache, Titel und Würden, ferner Redensarten und stehende Ansdrücke aller Art, ägyptische Lehnwörter lind vieles andeve deuten danach (nach den Ergebnissen in dem berühmten Werk „Tie Sprache des Pentateuch in-ihren Beziehungen tuägen des „Auszugs erzählt ist, lvie das Volk der Kinder Israel.entstanden und nach Aegypten gekommen ist, dreht , . . srch der^weitere^Geschichtshergang—um—das-—mm—AegßPtrßchenM-äils die intime Bekanntgroße Wunder. wie Israel durch den Gottschaft des Verfassers des ersten und zweiten seiner Väter/den Gott'Abrahams, den Gott Buches Mose mit der sprachlichen, , religiösen Isaaks und den Gott Jakobs aus dem Hause nnd kulturellen Welt des Pharaonenreichs. Tie der Knechtschaft herausgesührt worden ist. besten Kenner wie S p i e g e l b e r g .und Bergsträsscr haben die - überraschende Tl,ese Payndas mit zwingenden Griiudeu bestritten. Das- Land Gosen, das Joieph (nach Geneiis I->. ln.» dem Vater, de» Brüdern und ihren Sippen, ailiveiit, wollen, die Sachverständigen als dasheilige Wadi Tumilat. ein Tal auf der heute vom Snezkanal dürehftocheueu Landenge, die das Rote Bleer nnbdas Blittelmeer schied, iviedererlennen. Tie in der Bibel (Genens'i7. l-'i bis LU,'ausführlich berichteten Blaßregelu Josephs zur. Ernährung des Landes in Roliländen spiegeln siel) in den Zeilgilisseu und Nachrichten. die uns aus dem „Neuen :>(eich" über die L rdnnug.der Agrarverhältniüe. näinenllieli über eine geordnete Borratswirlschast eryalteu sind. Tie Erwähnung der Hebräer in der ans- .. nehmend großen Zahl loiederanfgefuudeuer ägyptiseljer llrlunden l,at seit Jalirzehntcu die Faehgelelirten be>ck,äitigt. Seit den. Untersulchuugen des vor einigen Jahren verstorbenen Münchener Aegyptologen B'illielm S p i e g e l» berg vor mehr als :',n Jahren t..Ter ^Aufenthalt Israels in Aegypten". Straßbnrg l'.'Ull ' ivird als. liorligrad.ig wahrscheinlich angenvmmeu. daß der Plrarao der Bedrückung - Ramses I I. aus der 1 Timastie mu; seit den Jahren seiner. Regierungszeit i lLNL bis 1LL'>, nnirden Hebräerstämme, die in der Amarniizeit und schon seit Thnlmosis IN. über Palästina fluteten. - in Aegbplen zu Frondiensteu verivendet. TJe von ihm erbaute neue Königfladt lag in llnterägüvlen. im Delta: dorthin tvvn Theben in Lberägypten ivegl hatte sieh seit etwa >:;("» vor Ehr., der veränderten Welttage entsprechend, das politiscl)e Schwcrgewick>t des Landes zu verschieben begonnen. Blau staunt über die Dimensionen der damals errichteten Kolosse, die uns ans der ägyptisckten Kunstgeschichte geläufig sind. - Ramses IIhat in seinen gegenreforinatorischen Bestrebungen nach der „Ketzerzest" der Llmenophiden die Tempel .der alten, Göller iviederl,ergestellt. „Blau kann ivirklieh sagen", bemerkt Adolf E r m a n in seinem tvrnnduvrk „Tie Religion der Aeghpter" i.S..-IM), „daß es kanm ein - Heiligtum in Aegypten gibt, das nirfjt auch seinen iRamse-rdes II.) Rainen trüge." Tie riesigen Meinbauteii wurden mit Hilfe eines staatlichen Arbeitsdienstes errichtet. An der neuen Köniasstadt von lltam'es II. waren die Hebräer beschäftigt. lieber die damalige Steingewinnung-, den Transport aus den cteinbrüchen, namentlich über die Arbeitsmetlivdeu und Ge Baustoffe «Stein, Holz. Ziegels liaben wir jetzt eingehende und ganz spezielle Keuutiiisse «vgl. neuerdings die beste Darstellung des Göttinger Aegyptologen Hermann K e e s im ersten Abschnitt der ,,Kultnrgeschirl>te des Alten Orients". München. Beck lwn>. Das Haupttiilfsmittel. zilr-Verwendung großer Baublöcke bestand in Materiatrampeü ans Lehmziegeln. Ter Bedarf au .Kegeln, die die Hebräer damals mitherftellten, ist genau.berechnet worden. Das eigentlich Große und Staunenswerte ivar die Organisation der Arbeitertrupps. L. E r v 0 n hat zusammen mit B 0 r rl> a r d t «Entslehnug der Pyramiden. l'.bB, den Ü«- flick) geiuackst, ans den . erl>iillenen Rampeiianlagen au der unool>ende!eu Ried> 1 m-Pyranude de-S.Soris Leislniigssälygkeit der Anlage und den Arbeiterbedarf abzusehätzen. Eine einzige Lelimziegel Rampe bedurfte zur Bedieinnig Lü>«> Arbeiter, dazu -'*<m) Mörlellräger: Herodot gibt übertriebeuerweise für die Ehevps-Pyramide die ' Beschäftigung von MIO WO Mann ent; Boreliii rdt l,ält -'.6 000 berrits für zu l>veh gegriffen «vgl. Kees a. a. O-, RUN BirTOKIO. Von Hilde Rosenthal 0 1. Fortsetzung. Kurz vor Irkutsk folgt der Erpreß dem Flußlaüf der Angara.- Auf der einen Seite schweift der Blick in das breite Ängaratal, auf der anderen verwehren schroffe, steil abfallende Felsen weite Sicht. Aus den dicht bewaldeten, hohen Bergen stürzen kleine 'Wassersülle. Tie Natur wird immer großartiger, die Berge gewaltiger, der landschaftlich schönste Teil der Reise hebt an — die Fahrt am Baikalsee entlang. Größer als ganz Belgien (die Gesamtfläche beträgt 34 000 Quadratkilometer), liegt dieser tiefste Süß-. wassersee der Welt öde und verlassen da. Kein uoch.so'kleines Fahrzeug belebt den.See, Stille,. Einsamkeit, Größe. . Man kann nur schauen. schauen. Stunden und Stimdeii. Bis die Tuukclheit sich wie ein Vorhang über die Herrlichkeit des Sees senkt. . Sibirien, wie es zu sein hat! Am nächsten Morgen präsentiert sich Sibirien so. lvie man es der Vorstellung nach von dem Land erwartet: in grimmigster Kälte und in tiefstem Schnee. Daß unser aller Nasen einem so raschen "Temperatnrwechsel nicht recht gehsen sind, läßt sich denken. Alle bibbern vor KÄte, alles schnupft und schneuzt sich. Es-ckmrd gemessen, geschwitzt. Medizin genomineu. "Ter- Ruf nach „Tschaii" (Tee) reißt nicht ab. Aber das hindert uns nicht, jeden kurzen Aufenthalt des Zuges zu benutzen. nm herauszulaufen, sich die Beine zu vertreten. 2Lir haben^Hunger. nach Luft, es gibt schon längst keinen Staub mehr. Die Physioguvmien der Menschen aus den Stationen ändern sich von Mal zu Älal, der asiatische Typ beginnt vorziiherrschen, wir sind in der Burjato-Mongolei — Auen tritt in seine Rechte. Chinefen und Burjaten zeigen sich in malerischer Tracht (wenn auch zum Teil zerlümpt), Russen, in ihre dicken Pelze gehüllt, betrachten neugierig jeden Fahrgast, Kinder fragen nach >Süßig- Viel russisches Atilitär fährt jetzt im Zug, viel auch sicht man auf den Bahnhöfen. Besonders in Tschita, der letzten größeren Stadt vor der V^anschukiio-Grenze . . . Noch eine Nacht bis Manchouli, der . Grenzstation. Langsam nur bahnt sich der Zug feinen Weg durch die Höhenzüge des Jablonow-Gebirges, schwer nur kommt er ' vorwärts. Keiner von uns kann in dieser letzten Nacht im Transsibirischen Zug ein Auge zutun. wir sind zu aufgeregt, ivartcn sehiisüchtig aufden üchrgen. auf Btanchouli. Niemandsland... Morgens um 'Z10 Uhr Abschied von Sibirien'. Abschied von Rußland. Das geht natürlich nicht ohne nochmalige genaueste Untersuchung ab. Wieder wird das Unterste zu oberst gekehrt. Bücher werden Stück für Stück heräusgenommen, geschüttelt, durchgesehen, begutachtet, wieder zur Verfügung gestellt. Also los! Wieder von vorne ansangen mit dem Eiupackeu. Xafür liefert• mail seine Zettel für Paß, .Geld, Wertgegenstände ab, bekommt'den Paß vom Zugführer persönlich ausgehäNdigt. Ter., Abschied oauert ungefähr eme^Stünde/ Tann ist auch der letzte Fahrgast nebst Gepäck auis gründlichste'craminiert worden, das Zugpersonal, „Mr/ Jntourist" inbegriffen, bleibt, bis aus zwei Mann, zurück, langsam, ganz langsam setzt sich der Zug in Bewegung, fährt zehn Vcinuten lang durch — Niemandsland , , , Manchouli —-- Manchouhuo Eine Grenzstation ist. was Koffer untersuchen aubetrifsl, lvie die andere. Auck> der junge Staat Rlauchoiiknv iiiackjt darin leine Ausnahme-. Koffer raus aus dem Zug, rein ins Statiou-sgebäude. wiederum eine Stunde stehen, wiederum genaueste Untersuchung. Tabes stellt fick) heraus, daß ineine Bücher über Japan, die ick> in Berlin zuin Abschied geschenkt bekommen habe, ganz lx-sonderes Interesse erregen, in der Hauptsache wohl -wegen der ausgezeichneten Photvgrapl>ien, für die mau' hier draußen eine große Schwäck>e izat- .immer wieder vertieft sickj der Beanite in die Bilder, fragt.mich, wie oft ich sckiou in Japan ivar, ob ich es sehr liebe, erzählt-mir, was ich injr alles-ansehen inüsse. Bon Rechts, wegen Härteich ihm das Buch schenken inünen, wenn ich mit den japanischen Sitten bereits vertranter geiveien wäre. Rack,' der Kvfserunler'uchung im Bahnhofsgebäude fetzt die allgemeine Vilgerialirt.zur Paßstelle ein. Das 'Ulanchvnkuv-Tnrchreisevisum wird erü an Ort und Stelle erteilt.' . Eiskalt weht derälüiiid iiber die Hochfläche in Blanchouli. ungefähr L0 Minuteu liegt die Vi'aftelle vom Balyihof entfernt. Wir können uns zu dem Weg ruhig Zeit lassen. Ter slnschlußzug in verpaßt. Ter Fahrplan der nvrdmaudnhuri'cheu Bahn ist drei Tage twrher geändert worden. Wir können erst am nächsten Tage, ivciler'ahren. Daß mir viel Zeck hatten, wußten anscheinend auch die Konckilatsbeaniten. Sie branckiten fall drei Stniiden. um über die Per'önlichk,eiten nnd -ocei'eabuchten det^ Fahrgäste ins Bild zu kommen. Tie Fragen,'mit der größten Zuvorkommenheit und unter den vollendet'ten Fornwrn gestellt, entbehrten v't .nicht der Komik. Tie Engländerin beispielsweise ivollle nach Hongkong. „Woznk" ..Um mcinen Sohn ztl besuchen!" . Wo iß Ihr „Bei der brauchen Marine!" «Was ist Ihr Sohnk" „Oniziec." .„ikbas fiir eii'ie» Grads" „Evininaiider." »Wie. alt ist Ihr Svl>n, ist er verheiratest^ hat er Kinderk" So sihnnrrt es eine Viertelstunde lang hin nnd her. Daß er verlieiratet ivar und Kinder halte, sckiien für die Gewährung ihres Visnins aus- ..schlaggebend zu sein ... Ich dagegen hatte dem Beamten erst eiiimal ause.inanderziisetzen, daß ich meinen im Paß angegebenen' Berus an den Nagel gehängt habe und ats Sekretärin bei der und der Firma in Japan-engagiert fei. Daher die Reife.-. Aber bis sie das verstanden hatten, verging natürlick) geraume .zeck. Bis. »ach Alnnchonkuo ist das ilüort ..Umschick)t>iiig" noch nicht gedrungen. Rock) Erledigung der Slempelsornialitäten ivnrde ich dann noch so nebenbei gefragt, nße mir Sibirien gefiele. Wahrheitsgetreu konnte ick; dein Beamten nur erivider». daßEisenbalnischieneii in per ganzen ültzelt wohl zienckickj glejcki aiissälieii. denn die Schienen ans und ab iväre mein einziger Spaziergang innert,alb Sibiriens geiveien. Auch - die zwecke Frage, >v,e ick, Btancksviikiio fände, konnte ick, beim besten Willen „och nicht beantworteii. 'Ich-.ivar ja ichließlick, gerade erst angekoininen. >var völlig durchfroren, müde von dem vielen )>>>iinstehen. Ansfragen, l,atte Sehnsuckjt nach einem gel,eizten Aufentlxcktsranin, nach Epen und heißem Kaffee. Er hatte ein Einsehen und entließ mick, mit einer Verbeugung und den Worten: „Tie Untertauen Vcanchvnkuvs uüirden sich srenen. wenn sich die «väite in ihrem Lande - wvhlsühlten." Spaziergang in Manchouli Tie erbe Mahlzeit seit zehn Tagen ans stilem Boden. Bei Tisch wird hin und her überlegt, wo «vir übernachten, ob ins Hotel ziehen oder in eiueiu für uuS hergerichteteu russischen Eisoubahiiwaggvu, der verlassen auf freier Strecke liegt. Wir eulscheideu uns für die Eisenbahn. Rach Tuch: Besichtigiing Rtai,el,ouliS. Es ist ein winziger Ort, und eigentlich gibt es

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