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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-26 · 13 (26.3.1936) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
13 (26.3.1936)
Date
1936-03-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Jüdisches Leben Professor Dr. Karl Strupp Am .30. März bictr? Jahres wird der, Völkerrechtslehrer Professor Dr. .llart Strupp.7,0 Inlire alt. Bis zur llmnuvi^imq ordentlicher Professoran der Universität Franktzirt. wnrde er 1033 vonder türkischen Regierung aufgefvrdert. seine Arbeitan der reorganisierten Unlvcrsltät Istanbul fortzusetzen... Seitdem wirkt er,zusammen mit 'einer Reihe anderer ehemaliger Hochschullehrer ans Deutschland, am Goldenen Horn,- wo man inzwischen die Universität nach europäischem Muster ausgestaldet hat. Die außerordentliche Schätzung, die Professor Strupp in seinem neuen Wirklingskreis genießt, zeigt sich am deutlichsten in seinen Kollegs. Der Andrang ist meist so stark, daß die Sitze der Hörsüle nicht ansreichcn. Professor Strupp hält seine Vorlesungen in französischer Sprache. Für die Hörer, die lediglich türlisch sprechen, wird viertelstündlich eine Pause eingelegt, in der ein Dolmetscher den Vortrag überseht. Trotzdem dadurch natürlich das Quantum des gebotenen Lehrstoffes verringert wird, nehmen die Studenten diesen Nachteil gern in Kauf. _ Als Wissenschaftler von internationalem Ruf ist Professor Strupp durch eine große Anzahl bedeutsamer Publikationen hervorgetreten. Am bekanntesten sind wohl seine „Grundzüge, des positiven Völkerrechts", die Generationen von Studenten das Verständnis für zwischenstaatliche Rechtsbeziehungen vermittelt haben und nucfj in griechischer, türkischer und italienischer Uebersetzung erschienen sind. Besonders interessant vom Standpunkt des jüdischen Volkes sind seine Ausführungen über den „völkerrechtlichen Nvtstand". Hier vertritt Professor Strupp die Ans. fassung, daß ein Staat rechtmäßig handelt, wenn er in bestimmten Gefahrfällen iii fremde rechtlich Seschützte Interessen eiligreift. Auf dieser Ansicht asierend, haben andere Juristen in den völkerrechtlichen Ditzkussivnen über das Araberproblem Palästinas die Frage aufgeworfen, ob nicht ein derartiger „Notstand" auch für die Juden vorliegt. Aus diese Problematik -näher einzugeheiü verbietet selbstverständlich, der Raum. 'Aber die Andeutung zeigt schon, wie bedeutungsvoll die theoretischen Fundamente sind, die Professor - Strnpp hier und anderwärts gelegt hat. In innerjüdischen Angelegenheiten ist der Jubilar nie hervorgetreten. Diese Passivität -ist jedoch nicht etwa Gleichgültigkeit, Professor - jüdischer Geist Strupp ist im Gegenteil bewußter Jude, der auch in Istanbul jüdische Zusammenhänge ansrechterhirlt. . Das Bild Per Persönlichkeit wäre nicht vollständig, würde man neben dem Gelehrten den Menschen Strupp . vergessen. Einsatz-' und Hilss- , bereitschift sind die Grundzüge seines Wesens. So bringen ihm die, die ihn-kennen, ans dem Gefühl innerer- Verbundenheit ihre Glückwünschedar.. Der .-internationalen Wissenscliast aber, gilt der Wunsch, daß sie -beim nächsten Jubiläum des Gelehrten um eine Reihe netter Werke von »hinbereichert sein möge. Dr. Kurt Stillschweig Semesterschluss- Feier des Berliner jüdischen Lehrhauses Es ' war ein glücklicher Gedanke der Leitung des Berliner jüdischen Lehrhanses, daß sie die Ausgestaltung der Semesterschlußseier am 19. März hauptsächlich den musikalischen Arbeitsgemeinschaften, das heißt dem Jnstr»,mentalkreis und dem singkreis, übertrug. Auf diese Weise wurden einerseits. Ergebnisse der Winterarbeit gezeigt, während andererseits die Feier wesentlich aufgelockerter verlief, als dies bei feierlichen um« fassenden „Rechenschaftsberichten" möglich gewesen . Der unter. Leitung von Hermann Schildberger und Gertrud Wert heim stehende Jnstrumentalkreis brachte Kammermusikwerke aris dem 17. und 13. Jahrhundert zum Vortrag, der Singkreis (Leitung Erwin Jos p e) größtenteils Chöre aus der gleichen Zeit sowie zwei palästineusische Lieder. Die Darbietungen des Instrumentalkrcises wurden besonders reizvoll dadurch, daß man deutlich spürte, wie die Leistungen wirklich erarbeitet waren und wie es gelungen war, über das rein instrumental-technische hinaus ein Ver-' ständnis für die musikgeschichtlichcn und allgemein kulturgeschichtlichen Zusammenhänge der Zeit zu erwecken. - Karl Wolfskchls gegenwartsnahe Gedichte aus der »Sammlung „Die Stimme spricht" wurden durch Fritz E i s e n b e r g s Vortrag lebendig. Hanns I o f) n -Jacobs v h n trug jiddische und hebräische Weisen vor. Wenn-sich schon ohnehin darüber streiten läßt, wie weit gerade Pessach- Melodien auf ein Vvrtragspodium gehören, so wurde dieser Zweifel durch die „prickelnde" chansonartige Klavierbegleitung noch verstärkt. Aus dem Tätigkeitsbericht Dr. Pauk Eppstein s war zu entnehmen, daß das Lehrhaus im Wintersemester etwa 170(1 Hörer gezählt hat, von denen 65 Prozent Frauen und 35 Prozent Männer waren. Ein Drittel der Hörer befand sich im Alter unter 30 Jahren, die Hälfte zwischen 30 und 60 Jahren, 9 Prozent war über 60 Jahre alt. Möge der schöne Abschluß des Wintersemesters gleichzeitig verheißungsvoller Anfang für die Arbeit des kommenden Semesters sein. JV. R—ck. Zunz-Gedächtnisfeier der Jüdischen Mittelschule Anläßlich des 50. Todestages von Leopold Zunz am 17. März veranstaltete die Jüdische Mittelschule, Berlin, gemeinsam mit der Schulverlvaltung der Gemeinde eine Erinnerungsfeier an diesen Begründer und Altmeister der „Wissenschaft" des Judentums". Dr. Alfred Klee zog Parallelei» zwischen den Niaimonides-Feiern im vorigen Jahr und der Zunz-Feier. Hier wie dort erhebt sich die »Frage nach der Zeitbedingtheit und -gebundenheit des Werkes und seiner Bedeutung für uns Heutige. Zunz sah das Judentum als etwas Abgeschlossenes und Vollendetes an, dessen Werte er erforschen und erhalten wollte — die heutige Generation will das Judentum wieder leben, sie hat Ehre und Würde, Schicksal und Zukunft des Judentums wieder in ihre eigenen Hände genommen, — Direktor Tr. Heincmann S t e r n , der Leiter der Anstalt, feierte in klugen und wohlabgewvgenen Worten die Bedeutung von Zunz als denk Begründer des Schnlwerks der Berliner Jüdischen Gemeinde. Nach dem Zusammenbruch der noch zu Mendelssohns 'Lebzeiten gegrü'ndeten Jüdischen Freischule-war es Zunz.-auf dessen Betreiben die Gemeinde 1326 die Jüdische. Knabenschule ins Leben rief, der einige Jahre später die-, -Mädchenschule' - folgte:- diese Anstalten wurden später i». die Jüdische Knaben- und Mädck)en- Mittel-Schnle, die Trägerin der jetzigen' Erinnerungsfeier, umgewandelt. Zunz war glich von 1326 bis. 1329 der erste „Dirigent" . der Schule, wenn auch nur nebenamtlich; Unterrichthat er nur' in ganz geringem Umfange erteilt. Der Dank der heutigen Generation an Zunz kann nur darin bestehen, in seinem Sinne zu arbeiten-: in die Wirklichkeit »»»»zusetzen. was die Zeit verlangt, und dem Judentum zu geben, was" es heute erfordert. — Rabbiner Tr. van der Zhl nahm in seiner Festrede eine historische Einordnung des Werkes von Leopold Zunz vor. Zunz hat die Lebensarbeit Moses Mendelssohns fortgesetzt und vertieft, nach innen wie nach außen: nach innen durch unermüdrick-e, sorgfältige Sammlung und Erforschung wertvollen jüdischen Geistesgutes, das sonst der Vergessenheit anheimgesallen lväre; nach außen dnrch Betonung des Eigenwertes des Judentums, den cs damals zu verlieren schien, Tie Gründung des Kulturvercins von 1319 leitete die Gegenströmung-gegen die damalige Abfalls- und Tausbewegnng ein. Tie Stellung der heutigen Zeit zu Zunz ist eindeutig: gleich ihm suchen auch wir wieder unsere Zuflucht in dem Gesamtbereich alles jüdischen Gesckiehens. Tie Wege, die Zunz der jüdischen Wissenschaft gewiesen hat," sind bisauf den heutigen Tag maßgebend und vorbildlich geblieben. Auch wir erstreben wie Zunz eine jüdische Renaissance, die stets eine Renaissance jüdiscl)en Wissens sein muß. — Vorträge des Schulchores umrahmten die Feier. Gü. Lo. Zunz-Feier der Berliner jüdischen Gemeinde Montag, den 30. M ä r z 1036, 20^ Uhr, in der Synagoge PrinzreZentenstraße. Redner sind -Rabbiner Tr. Mar Wiener und Moritz Rosen t h a l, Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde. Musikalische Umrahmung. Mitwirkende: Hede Türk-Börnstein, Oberkantor Julius Peissachowitsch, Organist Werner Baer, Jüdische Orchestervereinigung (Dirigent Leo . Kopf). „ Kurt Sternberg: Der philosophische Sinn des biblischen Schöpfungsgedankens. Im Jüdischen Kulturbund Berlin untersuchte Dr. Kurt Sternberg die biblische Schöpfungsgeschichte vom Standpunkt des Philosophen aus, wobei er zu interessanten Ergebnissen gelangte. Während fast alle mythologischen Weltanschauungslehren, von dem Ausbau des Kosmos aus dem Chaos berichten, lehrt die Bibel die Erschaffung der Welt aus dem Nichts; aus dem Nichts schafft Gott das Chaos, das er dann sukzessive zum geregelten Kosmos gestaltet. In der Tendenz, durch das noch stoffverhaftete Chaos . zum stofslosen Nichts hindurchzustoßen, offenbart sich das Neinheitsstreben des Judentums. Die —mythologischen Gottheiten, die ein schon vorhandenes Chaos ordnen, sind letzten Endes Baumeister, die bei ihrem Werke aus das Baumaterial Rücksicht nehmen müssen; dagegen ist nach der jüdischen Ueberlieferung Gott, der auch das Material als Chaos erst schafft, bei der Erschafsung der Welt von absoluter Souveränität. Dennoch bedeutet die Allmacht Gottes keine Willkür, sondern die Fähigkeit zu einer autonomen Ordnung. Symbol dieser Ordnung ist das Licht, das am ersten Tage geschaffen wird und eine andere Bedeutung haben muß als die erst am vierten Tage geschaffenen Gestirne; schon in früher Zeit ist dieses Licht als das der Erkenntnis und Weisheit gedeutet worden. Don hier aus lassen sich sowohl die logischen wie die ethischen Ordnungsprinzipien des Judentums ableitcü. Der Freiheit Gottes entspricht die Freiheit-des Menschen, der nach der Bibel sowohl ' wertmäßig wie dem Grade nach.-von GotP-unter-- schieden ist. während er sich nach den mythologischen Kvsmogonien nur quantitativ von den Göttern unterscheidet. - Die zweitemit dem Thema 'des Abends nur in losem Zusammenhänge stehende Hälfte des Vortrages brachte: polemisch gehaltene Aus- - führungen über alle pantheistischen und mystizierenden Richtungen von Philo von Alerandrien bis Henri Bergson, denen ' gegenüber der Vortragende die sittliche Ueberlegenheit des jüdischen Monotheismus betonte. ° Gü. Lo. Musikpädagogische Arbeitsgemeinschaft in Karlsruhe Der Badische Oberrat der Israeliten veranstaltete in Karlsruhe wiederum eine m u s i k - p ä d a g o g i s ch-.L A r b e i-t s g e m e i n schuft, die dritte ihrer Art. Sie stand diesmal nicht unter Leitung von Karl Adler, Stuttgart, sondern unter der des ehemaligen Dozenten am Mnsikseminar der Stadt Frciburg i. Br,, Dr. Erich Katz. Die Zahl der Teilnehmer war geringer als früher: dafür setzte sich aber der Kreis einheitlich aus Lehrern sind Jugendführern zusammen. Diese Tatsache gestattete eine Intensivierung der Arbeit, der von Dr. Katz sichtlicher Nachdruck verliehen wurde.' In ein- und mehrstimmigen Kanons, in Improvisationen—über gegebene Melodien wußte der Leiter den Stofs eindringlich und ab- »pechslungsreich zu gestalten und zu vermitteln. Ein kleines Orckiester von Blockflöten und Geigen wurde in die Arbeit einbezogen. Eine kleine Aussprache über jüdische Musik zeigte sogleich, wie »venig einfach gerade diese Dinge zu fassen sind. Die Behandlung und das Neben von Pessach-Melodien leitete zum bevorstehenden Fest über. Stg. Berliner« Lehrhaus D i e nach st e wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft - findet am Donnerstag, 2. April. Marburger Straße 5, III., 20.15 Uhr, statt. — Die Sprachkurse werden bis 2. April durchgesührt und am 15. April wieder ausgenommen. — Beginn des S o m m e r s e m e st e r 8 Ende April. Auskünste in den Sprechstunden des Sekretariats: 10 bis 13. 1« bis 18 Uhr. . Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gibt ein neues Vorlesungsverzeichnis für das Sommer-Semester 1936 heraus. Archer . den' judaistischen Fächern, zu denen eine Einführung in die arabische Sprache tritt, findet man u. a. eine Vorlesung über die Hauptprobleme der Philosophie von ' der Renaissance bis zur Neuzeit /Metzger), über Kinder- und Jügendlichenpsycholvgie - (Friedländer), über Religion und Kunst (Kaufmann), über ausgewählte-Kapitel aus der raueren Geschichte und über Wirtschaftsgeschichte der Zeit des Frühkapitalismus (Berncy) sowie über das Judentum in der Entwicklung des mittelalterlichen Weltbildes (Liebeschütz). In Aussicht genommen ist ferner eine Eingliederung der an verschiedenen Stellen bestehenden Fortbildungskurse für die jüdischen Lehrkräfte in das Vorlesungswesen der .Leyra»istalt. Das Sommer- Semester beginnt am 21. April, die Zulassung erfolgt nach schriftlicher Anmeldung an das Sekretariat der Lehranstalt, Berlin N 24, Artilleriestraße 14. die Türen weit auf, und der Geruch, noch stärker, berauschender als vorhin, strömt herein, strömt über sie hin, sanft-heitere Lenzgeräsische dringen herein, und lustiges Vogelgezwitscher erschallt . . . und »nieder schließt Ruth die Augen, Alle drei, der Toktor, seine Frau und seine Tochter.'stehen nun in der offenen Tür »ind blicken herab auf das Blumenbeet, und Ruth sitzt einen 'Augenblick allein. „Waren es solche Hyazinthen?" „Genau solche, violette. weißeund rosa, ein großes Büschel hatte der Mann »nTeiner Hand, sie wachsen' an den SandnscN längs des Kanals, in Hülle und Fülle. ^j^Slner . . stlnths Gedanken schtveisen weit' fort bis zu dem Berge Sinai . . . Himmel und Lstasser blau, die Sonne golden, der Sand gelb . . . Ihre Sinne sind durchzogen vom Lenzgernch der Hyaziirthen, und in ihrer Kleinmädchenseele steigt ein almnngsvolles Glücksgesülst auf, Griiiiiermigeii, die auch Wünsche sein können, d'nrcligiänzt von Gelb »ind, Gold »n»d Blau, darin das Bild eines Berges, dessen sie in diesen» PessachfFest gedenken..... des. Berges, den sie sieh bis jetzt nie änders vorgestellt batte als. majestätisch düster-, im Duilkel drohender Ge»vitter»volken, umznckt von Blitzen und nmwölkt von Opfergualm. des Berges, dei» sie mit Bisses zusammen von der' Erde' verschnninden glacibte . . . »viedererstanden in funkelnden, soinrigen Weiten, n»it gelbem Sand, blauem Hiinmet, goldener Sonne »ind Hyazinthendnft ... Wissenschaftliche Personalien In Anerkennung seiner hetverrägeudeu Verdienste für die Wisieuichai», ist der bekannte jüdische Physiker und Philosoph Professor F e d e r i g v E u r i a u e § , Herausgeber der bedeutenden wisieuichaitliPeu Zeilsciirüt „Scientia", zum Mitglied des Institut de France eruanut lvvrdeu. Im Alter von 65 Jahren iü in Bologna der Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde, Professor Ing. Attilio Muggia, gestorben. Professor Muggia bekleidete fünf Jahre -lang das Amt eines Rektors der Ingenieurschule von Bologna, Bei der Beisetzung »r'aren Vertreter der Stadt Bologna und zahlreicher »visscnschaftlicher Institute amvesend. Die Gedenkrede hielt der Rektor der llnivcrsität Bologna, Professor G h i gi. - * Der Architekt G u i ho Zew i , Mitglied des Rates der Jüdischen. Gcmeiitde zu Rom, der eine Reihe der bedeutendsten öffentlichen Gebäude Roms entworfen hat, lvnrde znm Grvßossizier des Ordens der itatieliijchen Krone ernannt. Dr. Olga Bloch: Jüdische Volkskunst In» Klnblic-iin des Jüdischen Fraüenb sin des sprach Dr. Olga B l o ch an Hand von Origillalcii ans der Sammlung Julius Carleb a ch über „Jüdische Volkskunst". Ob dieser Begriff der „jüdischen Volkskunst" überhaupt berechtigte Anwendung finden kann, »vnrde allerdings »veder im Vortrag noch in der sehr «»»geregten Disküssioi» geklärt. Jedenfalls aber »varen'die gezeigten Origii»ale ebeitfo »vie die Ausführungen von Dr. Olga Bloch und die im Piaudertm» gegebenen ' Erklärungen von Jnlitls Carlebach äußerst interessant; wenngleich man oft Entstehnngszeiten und -orte der einzelnen Stücke nicht genau bestin»n»en kann, so getvährei» sie doch Einblick in ein Stück Kulturgeschichte ans den» Znsannnenleben von Juden mit ihrer Itnuvelt.. Ihr besonderes Gepräge geben dieser Samintung die vielen üärikatnren, die, als Darstellungen in Pappn»ache, Holz. Steingut und als Stiche. Drucke und Agnarelle, den Inden teils von feindseliger, teils von ivvhlivollender Betrachtungsiveise ans zeige»». Dr. Bloch definierte de»» U»»terschied ,z»vlsck»en Volkskunst und Stilklinst nach der Grenze der Verrvendung; gerade ans dieser Grenze hielt sich eines der schönsten Stücke der SütntNlüiig. eii»e Wiener Acvelb in - Bcvnze, dei» „Ervsizen Inden" darstellend, der mit weitem Schritt über Länder und Isteere »vandert. mit zerrissenen Schuhen, mit einein zerbeulten Regenschirm »nid einem Bündel ans de»» Rücken, in dein er »eine ga»»ze H»»be, die 24 Bücher des Testaiiieiites. trägt: eine »vehnlütige. tragische Verkörperung des Schicksalsshitiboles. .Aninutige Schilderringen sah u»an ferner etiva in der Holzfigur eines stehenden Juden aus Karpatho-Rußla»»d, dessen rote Schnapsnase man über semem Ausdrtlck tiefster Glätlbigkeit vergißt, oder in dem aus der Schinkel-Zeit stammenden Stich eines geschästetreibenden Juden oder in dem sehr launigen „Bilderrestaurator". 8. M. Hedwig Fechheimer: Monotheistische Strömungen in der Religion des alten Aegypten Hedwig F e chheirner, die bekannte Kunstkennerii» und verdiente "Aegyptologin. sprach am 26. Atärz im Jüdischen Dtuseumsverein in Berlin über diejenigen Göttervorstellungen der Aegytzter. die in die Geistesgeschichte der Menschheit eingcgaiigell sind und deren religiöse Tendenzen auf den Weg ziln» Ntonotheisinus »veisen. Zivci Gruppen sind in der,» religiösen Vorstellungsbepeich Aegyptens zu »»»»terschcide»»: die Tiergvtter, die zu den einzelnen Gauen i»nd Stadtsiedl»n»gen gehören, und die kosmischen Götter, deren große Bede»»tm»g charakteristisch für Aegypten ist, »veil dieses Bolk sehr früh Einsicht in den Kosmos bekam durch den sich jährlich in grosrartiger Gesetzn»äßigkeit abspielenden Natlrrvorgang der Nilüberslutung, von dem das Wachs-. tum allen Lebens abhing. Tie' strenge- Gesetz- »»»äßigkeit der ägyptischen Kunst, jener anderen „Natiir", ist eine Folge dieses elementaren Er» lebnisses. Hedroig Feck»heimer erklärte dann im einzelnen die Erscycinungssormer» und Name»» der Götter Rö. »'linvii, Ptach und Atön. Der Sonnengott Rv erscheiiit ii» der ältesten Form in Menschengestalt, später auch als Tier und »vird als Falke, Pillen-- dreyer, aber auch als Sphinx verehrt. Der Gott Amon von Theben erlangte mit der wachsenden Bedeutung seiner Stadt auch die Bedent»u»g ei»»es Reichsgolles. der sich in vielerlei Ströinnngen zu einein einzigen Gotte vereinigt. Er ist ein Lnftgott, der Gott des Atems ' (Pne»»»na), in Malier Farbe- und mit Federn geschmückt, erscheinend. Mystische Ausdrücke verde»»tlichen das Wesen dieses Gottes. Das Bild des Widders mit der Souiieiischxibe (hervorragendes Beispiel im Berliiier Museum) .und die Schlange, als Zeichen eiviger Dauer, sind seine Verkörper»u»gen: Andere Nainei». die »n bezug ans spätere religiöse Ent- »vicklnngen intereisieren. sind: der Geheime, der Unsichtbar«, der Windschöpfer, der die Schöpsurig beginnen läßt, die verborgene Seele, die sich geheim macht, vor dem, »vas sie geschaffen haA Sein Schriftzeichen, die?linonsbarke, veranlaßte die Forsch»»ng (Sethe) zum Vergleich mit dem Bild der Bu»»deslade. Der Gott Atün erhält in der Zeit Ameno- Phis IV. eine. überragende Bedeutung; diese Epoche genießt d»»rch die Ansgrabnngen von El- Amarna und durch die stilistischen Merkmale einer uns leichter zugänglichen Spätzcit ei»»e allgemeinere Bekanntheit. Amenophis IV., dcr Schöpser des Sonnenhymnus, eine eigemvillige Künstlernatur, bedclltet in religiöser Hinsicht eine ganz neue revol»»tionäre Phase des Monothcismus. Amenophis geht »oörtlich und dem Sinne nach aus' dem Rahmen der Koi»ve»»tion heraus. A»»f einem Bode»», der keinem Gott und keinem Herrscher gehörte, gründet er eine neue Stadt, führt gegen die ägyptische Tradition den Kult im Freien ein, ernennt Hofleute von »»iedriger Herckunst, und die Reliefs, die sein Leben darstellen, enthalten intime, lebendig-lockere Familienszenen, wie sie vor ihm nicht da waren. Sie schildern in großartiger Breite das Leben der Natur, den Segen der Arbeit im Scheine der So»»ne, und die erhaltenen sprachlichen Tokume»»te sind eine reiche Ergänzung und Tarstellung dieser Religion der Demut und. des Dankes, die, in einen» in»»igei» ' Tone vorgetragen, die Gerechtigkeit u»»d . die Gleichheit aller Menschen verkünden. Als letzten interpretierte die 'Rednerin Ptach. den Gott der Stadt Memphis. Er erscheint im Griechische»» als Hephaistos und hat von Anfang an menschliche Gestalt.: Er gilt als Weltschvpser u»»d erhält durch das Zeugnis, daß er im Leibe und JNllnde aller Götter, Menschen »md Tiere sei, eine übersinnliche, religiös tiefe und selbständige Kraft. Er gibt dem Kosmos das Gesetz. Hed»vig Fechheimer gab noch einige A»»sschnitte aus Texten rnystischei» Inhalts und eine Reihe künstlerischer Beispiele des Gesagten im Lichtbild. . Die künstlerische Betrachtung stand hier nicht im Vordergrund, doch »virkte die eii»»nälige Großartigkeit dieser Kunstrvelt z»»sammer» mit dem religiösen Inhalt und Symbol. Die Porträts des Amenophis, lebendig i»nd durchsichtig in ihrer psycholvgischen Deütbarkeit, bildeten das E»»de des inhaltlich reichen Vortrags, der die hohe Lualität seines Then»as in schlichter >n»d vornehn»er Wissen, sckiastlichkeit den. Zrrhörenden übertrrig. ^ie dankten der Rcdnerin mit herzlichem Beifall. Dr. Hilde Cohn

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