Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2277379-2278137-2278150--10753-2290903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nummer 13 3. Beiblatt der C.-V.-Zeitung 26. März 1936 Das Fest für die Frauen „Zur Belohnung, der Tugend der frommen Frauen in jener Zeit wurden unsere Vorfahren aus der - ägyptischen Fron erlöst." Talmud. . An der Befreiung der Kinder Israel aus der ägyptischen Fron hat jeder Jude teil, auch.alle nachfolgenden Geschlechter bis auf den heutigen Tag, darum feiern auch wir das Peßachfest. Tie jüdischen Frauen aber in ihrer schlichten fraulichen Weise gaben Veranlassung zu dem großen Geschehen, sie trugen mit ihrer Tugend wie nach- DAMPFWXSCHEREI BERNER LAND „Dia gut« Wüichtril'' Garantie?, schonendste Behandlung BERLIN-ZEHLENDORF f Klein-Machnower Weg 9/11, H 4 (Zehlendorf] 2830 mals die Weiber von Weinsbsrg gewissermaßen die Männer in die -Freiheit hinaus. Es scheint nicht eben viel, was sie taten, wenn man in alten Büchern liest: „Sie erleichterten durch ihre Pflege und zärtliches Benehmen das Sklavenjoch und das harte Schicksal der geplagten-Männer: sie bestrebten sich, ihren Männer zu gefallen , und die .Lebensmühseligkeit ihnen erträglich zn machen ." Und doch braicht man nur die Geschichte von Moses Geburt, Rettung und Erziehung zu lesen, um zu wissen, wie sehr das Peßachfest ein Fest der Fraucn sein muß. Allen Ernstes nun schließt ein älterer Autor daraus: „Dieses fromme und edle Verhältnis des schönen Geschlechtes, welches zur Erlösung der Kinder Israel aus der ägyptischen Sklaverei so viel beitrug, mag auch wohl die Ursache sein, daß das Hauptgeschäft, das Haus von Chamez zu säubern, die Gefäße zu reinigen, zn glühen, zu käschern usw., den frommen Hausfrauen anvertrauet und zur Sorge übertragen wurde, daher haben wir uns auch entschlossen, einige Vorfchristen für Peßach aus dem Schulchan Aruch hier in einer dem Frauenzimmer verständlichen deutschen Sprache vorangehen zu lassen." Ja, der Lohn der Tugend liegt schon in der Tugend, und wenn wir an die Vorbereitungen denken, die das Fest erfordert, an die mehrwöchige Mühe für diese acht Feiertage, an dies elementare Großreinemachen des Haushalts, an den Feuereifer, wenn sich Besen und Schrubber auf alles, was sich zwischen unseren vier Wänden befindet, stürzen, dann kommt uns der Verdacht, daß diese, diesmal gerechtfertigte und geforderte und so vor allem selbst vom Gatten gebilligte Ungemütlichkeit, die solche Sänbcruugsaktionen mit sich bringen, für die Frauer schon ein eigenes Fest bedeutet. Denn sie selbst schwelgen ja in dem Meer von Seifenlauge wie im Meer der Seligkeit, und das Durcheinander von Bürsten Und Scheuertüchern, abgerückten Möbeln und ausgeräumtem Geschirr ist ihr wahres Paradies. Wie herrlich ist es. einmal im Namen einer höheren Gewalt sich sogar an den Schreibtisch des Mannes heranmachen zu dürfen und Staub zu wischen. Staub zu wischen, daß all das viele unnütze Papier, die Zettel und Bleistifte, die bisher in einem geheimuis,ollen und undurchsichtigen System sich übereinanderhäuften und in den Augen der Gattin ein Denkmal der llnordentlichkeit vorstellten, daß sie also nur so flattern und fliegen! Aber wir wollen nicht in diese philosophischen Gebiete, der Ehe eindringen, wir müßten sonst verraten, daß sich an solchen Tagen jede Hausfrau so ein kleines privates Fest der Genugtuung verschafft. triumphierend irgend einen sonst dem Zugang, verbotenen Winkel erforscht, dürchstöbert -- und alles Mit dem besten Gewissen der Welt! —, ihn sauber macht, und 'zu guter Letzt noch mit gutem Recht verlangen darf, daß sich die Familienmitglieder andauernd in acht nehmen, keine Brösel beim Essen, beileibe kein Chamez zu verstreuen. Da wären wir nun schon also bei einem wichtigen Punkt angelaugt, nämlich beim Chameziuchen, aber wir wollen lieber der Reihe nach die Vorbereitungen für das Fest aufzählen und somit poch viel früher anfangen. An der Sedertafel Nach einem alten-Stich den Fensterscheiben gefriert, aber die Gänse und Hühner desto fetter und üppiger sind, beginnt die Hausfraufür das Pcssachsest vorzusvrgen; sie sammelt in besonderen Gesäßen das Hühner- und Gänseschmalz und stellt diesen goldgelben Scl/atz für die gesottenen, gebratenen und gebackenen Pessachherrlichkeiten zur Seite. Ta wird Honig geschlen-' dert und Borscht,- die kräftige rote Rübensuppe mit ihrem verführerischen Duft, angesetzt. Der würzige Duft durchzieht das ganze Hans, schmeick)elt sich in die Nasen ein und bald macht er das Vorgefühl für Pessach allgemein, für Pessach, das Fest der ungesäuerten Brote, das Fest der Mazzot. Die Zeit ist inzwischen vorgerückt, und mindestens vier Wochen vor dem Fest muß mit dem Mahlen des Weizens für die. Mazzot begonnen werden. Anderswo, bei den Sesardim z. B., beginnt man einen Tag nach Purim schon mit dem Backen. „.... . mahlen aber trefflieh fein“ Vier Wochen vor. Pessach. Der Weizen darf nicht ausgewachsen, und damit jeder Gärungs- Prozeß, unmöglich wird, darf er auch niemals naß oder feucht gewesen sein. Die Mühle muß nur dem Mazzotmehlmahlen gewidmet sein oder doch Bereitung der Mazzot nung der Mühlsteine, und das Mehl rieselt durch einen neuen Flur hindurch. Das Mahlen geschieht unter Aufsicht von zuverlässig -frommen sachverständige», und die Säcke, in die das Mehl geschüttet wird, müssen zuerst gewaschen und getrocknet wer'd.ett. Kommen die gefüllten Säcke aus der Mühle, müssen sie iveiter vor jeder Feuchtigkeit geschlitzt werden, deshalb lvird auch .der Raum, wo sie aufbewahrt iverden, peinliihst /untersucht. Soweit das Mehl, nun die Mazzot selbst. Der Mazzotbäcker geht an die Arbeit Der Raum, worin die Mazzot gemacht iverden, innß zuerst gründlich gesäubert werden, kein Ehamez, nichts Gesäuertes darf vorhanden sein. Der Tisch, die Rvlll,ölzer. Walzhölzer. Stuppelleisteu. Röllchen und Stichhvlzer müssen ebenso sorgfältig besichtigt Und gereinigt werden. Kein Sonnensiraht darf den Tisch, das Mehl, den Teig und das' Wasser treffen. DaS Mehl wird mit reinem L.uell- oder Brunnenwafier angerührt.- Tags zuvor, zwischen Sou-, uenuntergang lind Sterueuaufgang, hat es ein Jude in eluem besonderen Gefäß geschöpft und dann dlirch ein reines Tuch in einen andern Krug Reinigung der Ge fasse vor Pessach W: mm Joh. Lcusden: Philogus hebraeomixtus, Utrecht 1657 Goldgelbe Vorsorgen Schon im Winter: Wenn also im Dezember und Januar zivar noch auf allen Dächern Schnee liegt und jedes Frühlingsahnen zu Eisblumen an mindestens von alleni alten Mehlstaub svrgfältigst gesäubert werden, die Mühlsteine. werden neu behauen oder ausgewechselt. ein neuer Mahlkasten oder ein mit neuer Leinwand ausgeschlagener wird eingesetzt, ein neuer Trichter über der Leffgeseiht. Es darf nicht zu nahe an das Niehl gestellt werden, kein Mehlstaub soll in das Waiier kommen, es muß irnH^und klär bleiben? ßngroßen. glatten Geiäßen — sie dürfen torue Risie und Sprünge, keine Furchen und Rillen haben, nicht geflickt oder schadhaft sein — lvird Pausenlos der Teig geknetet. Er darf nie zur Ruhe kommen,, keine Zeit zum Gären finden, nicht zu mehlig oder zu naß oder brüchig sein, inan darf auch nicht, -fallsman zu viel Wasser dazugegebe» hat. neues-' Mehl dazuschütteu. Das Knetgefäß, darf .nicht'auf einem bei der Reibung sielt stark erwärmenden. Stofie liegen, es könnte sonst docl, eine Gärung slainiuden. und jedesmal, bevor neuer Teig in die. Schlisset kommt, ist sie Mit kaltem Wasser auszu- .-Ist nun der Teig gerade richtig, und 'es gehört keine kleineMuskelarbeit und keine kleine Fähigkeit und Erfahrung dazu, ihm den geziemenden Fesligkeitsgrad beizub.l engen. jo muß jelir-sclmellliiid genau tveiter geschasil iverden. 'S lme-t'lufeuthalt über die hölzerne Rollival ze, ohne Auf- -enthaltgestuppelt oder durclisloclicn. ohne -Ausenthalt' in den -heißen Ssen. DerchlHazzolträger übernimmt vom Ma zzotslecher eine Nlazza. läuft' mit ihr'zum .'lusleger und reicht sie gleichdem Schieber, der sie in den Lien steckt. Der-Schieber muß in seiner .Kunst besonders tüchtig sein, seine. Ausgabe ist es. darauf zu acl,len. daß die Mazzot weder ganz »och teilweise auseinanderliegen lind erst dann vom Srt gerückt iverden. wenn sie wenigstens zum Teil etwas hart und braun sind, und keine Mazza darf herausgenommen-- werden, bevor sie gilt durchbackenist. Der Eien wird selbstverständlich, bevor man aus Mazzotbacke» gellt. gekasci,ert. Er wird zunächst stark geheizt,- und zwar solange, bis er glutartig aussstcht und die Funke» nur so sprühen, daun wird-Kohle und .Asche herausgeiivinmeii, der Lien ausgefegt und neues Feuer augezündet, llird endlich prasselt s und liiistort's,- dünn und an den Rändern etwas braun, mit hundert kleinen Bläsckieu und Vertiefungen, >vie die Reliefkarte einer Hügellaiidschait, im ausgezackten und nickst immer ganz regelmäßigen Rund-schichtet sich eine Mazza auf die andere, pessachreis. Die seehzehn Funkte des Kaseherns Jui -Haushalt aber lvird es ernst mit der Reinie gungsschlacht, die Bäclse frischen lll'-assers strameu. es lvird gekafcliert. 'Nun, alles darf uickit gekaschert werden: irdenen Töpfe». porzellaneriieu - und gläsernen Gefäßen, die man sonst für Chamez ver- MARTIN BESSER Seid« u. Wolle für den verwöhnten Geschmack ■ -.mm Korförjtendamm 19(5 Jl (Bismarck! 797. Jeden Freitag Reste u. Abschnitte wendet, hilft kein Käschern, zu Pessach dürfen' sie nicht verwendet iverden. Sie werden ciugepackt und weggeräumt. - - Das andere Geschirr, das gekaschert werden darf.'muß zuerst rein gewaschen, gerieben und ge- - piitzt iverden. Wenn der Kessel, in dem gekaschert lvird. nicht neu ist. und iven» er aucks das ganze Jahr hindurch zu nichts anderem verwendet worden wäre, so-'muß er dock) gekaschert iverden. Der zum Käschern zu -verwendende Kessel imiß- bis au den Rand mit siedendem Waller gefüllt sein. Da aber das Wasser unmöglich kochend gemacht werden kan», iveNn es bis zum Rande-'reicht-, füllt mau den Kessel'nur zum Teil mit Waller und lvirit, wenn e-s kockst-. heiße und sorgfältig gesäuberte Steine hinein, die'das cki'aüer bis zum Kesielraud drängen oder die glühend gemachten Bolzen von Plätteisen. Wen» das Waller ini Kesiel chirch das eiugetanchle. Geschirr trübe.lind unrein geu>orde>! ist: muß es durcksi neues 'ersetzt werden. -KeinesioegS darf mau zu. dem iinreinen Wasser frisches, zu- Der Kessel, in dem mau gekaschert-hat,, darf zu Pessach.selbst nicht verwendet iverden. Das Alasfer muß imnieri'ort koclsen und das Geschirr muß io eingetgukht - iverden,. daß es vom kinl,enden-Waner ganz bedeckt wird. Es soll, immer nur eingelauclst und sogt eich >vieder"^lserausgenonuueii 'iverden, und es soll nicht immer au der glcutsen Stelle des Keß'els getan'.ljt werden. Ein Gefäß, das nv.cls am selben Tage seiner gewvlinlichkn Bei'kiinmuug diente, muß erst vierund« zivanzig Stunden -ungebraucht liegen, ehe.es für' Pesiach verwendet ivird. Geschirre, Zie Beulen, Sprunge lind Furciien lurben. können. .lveun sie nicht zum Glühen taugen, auch nicht gekaschert werden. MODEHAUS SCHNEEMANN. Handschuhe — elegante Sportu. Lederbekleidung.