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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-26 · 13 (26.3.1936) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
13 (26.3.1936)
Date
1936-03-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m Die blaue Blume der Romantik war verwelkt, ihr Duft dahin, das Interesse an der historischen Staatsaktion erlahmt, die Welt der Opfer verlangte nach neuen, stärkeren, , berauschenderen Würzen. Matt verlegte die Schauplätze. man suchte das ..Land so wunderbar" in Afrika, das Aegypten der Aida, das Morgenland der Königin von Saba, das Palästina von Samson und Dalila. Alan' suchtedas Neue und fand in fernen, fremden Ländern nur sich selbst wieder, die Gegend wechselte, aber die Fabel blieb. Ist Saint-Saeus' Meisterwerk eine „biblische" Oper? Nein, sondern eine neue „Große Oper", eine Liebesgeschichte in prunkhaftem Stil, eingebettet in orientalisches Milieu, wie es der größte damalige französische Sinfoniker auffaßte und mit nll seiner Klang- Pracht ich Orchestergeivoge und der Stttnmführung darstellen konnte. Am Dirigentenpult bei dieser neuen Kulturbundaufsührung stand Berthold Sander, der damit zum ersten Male im Kulturbund eine Oper von Grund auf einstudiertc und leitete. Sander leistet als Ehorcrzieher Ausgezeichnetes. Bon vornherein mußte sich das im Gesämtbild der Aufführung günstig auswirken, denn Sanü-Saeus hat in dieser ..orätorieuhaften Oper" den Chor ungewöhnlich stark beteiligt. Sander strebt wieder nach einem gesättigten, harmonisch vollen Klang. . der auch im leidenschaftlichen Ausbranden der Stimmen und Stimmungen noch geadelt wird, ohne an charakterisierender Gestaltung enizubüßen. denn dem dumpfen Bittgesang, dem ltillen, ein» stimmig psalmodierten Tankgebet der Juden wird das sinnliche Locken, das glanzvolle sotto voce der. Frauenchvre, das wilde höhnende Lied der Dagonspriester sinnvoll und wirksam gegenübergestellt. Es ist schon äußerlich bezeichnend, wie sehr Sander vom Orchester weg zur Bühne herauf dirigiert, wie sehr er in den Tempi auf das Gesangliche Rücksicht nimmt. Tüchtige Arbeit ließ sich auch im Instrumentalen seststellen. besonders die Tänze klangen aut. Allerdings konnte manches noch akkurater kommen iBeginn der Oper. Abimclechl.zeirx), manches leuchtender, glanzvoller. Sander hat die Palette orchestraler Schattierungen nicht ausgenutzt. besonders Nicht nach der Seite zarter und zartester Stufungen (w mußten die Begleitungen der Dalila-Partie teilweise diskreter sein. das Vorspiel zum Danklied der Juden, die über dem Lrgelpunkt nach oben strebenden Streicherharmonien konnte man sich «etherischer denken). Blieb hier auch das Letzte an dramatischer Steigerung, an.Beleuchtung der Gegensätze aus. so spürte-man doch, daß ein .guter Musiker, ein in allem erfahrener Theatermann das Ganze leitete. Die Regie von Tr. Singer war bei der Führung der Einzelpersonen und der Menge, ihrem Miteinander und Gegenüber, vor ollem bei ihrer Eingliederung in den Raum, osfenbar aus das Statuarische, die bildhaften Eindrücke bedacht. Als solche wirkten schon das erste Auftreten des Samson. das demütige Schreiten der Juden zuin Tankgebet, als malerischer Gegensatz dann die Helle beim Austritt der Dalila. Die Regie war diesmal zurückhaltend, dem opernhaften Gesang weiten Raum lassend, manchmal wirkte die Szene schon fast starr und verlegen. NWen ditrchans v,eglücktcm befremdete einiges, '.oie da? Spiel des. Chors (Gefolge der Delila) auf der Treppe, der. Rundtanz um Samson, die Gesten bei der Rachearie des Oberprieiters. hier wurden dre äugestrebten Wirkungen nicht realisiert. Tie Gegensätze zwischen Ji-.den und Eötzenanbetern wurden aufs stärkste durch klug eingesetzte Lichtwirkungen BERLINER und die vorzügliche Kostümierung (Heinz Eond e l l) dargestellt. Auch -um das Geheimnis der Bühnenausmitzung weiß Evndetl. der mit seinen ftimr.nlngsvollen Hintergründen, dein dekorativen Ausbau der Bühne, namentlichim dritten Akk. wieder seine große Kunst zeigte. Die Tänze (Ralph R a d o, Ruth Condcll, Ae Up Hirsch. Marcanne Silbe r in ann) fesselten durch ihren Reichtum an Phantasie (besonders eindringlich die von Rado getanzte Figur), durch die Sauberkeit und Brillanz der Bewegungen. Für den Samfon bringt Engen T r a n s k u die Wucht und Größe seiner Statur mit. Darstellerisch wirkten seine wenigen Gesten kaum überzeugend. Im ganzen spielte dieser.Samson.überhaupt nicht, er ..stand", vielleicht, um das Unbehauene, Ho» gefüge seiner Kraftnatur sinnfällig zil zeige». Wir glaliben aber, daß die schweren Geivisseiiskämpse, das Mitreißende , lind Erdrückende des über ihn hereinbrechenden Schicksals ailch in der fchauspielerischen Gestaltung hätte ausgedrückt iverden müssen. Bei der Derkündignng der Gvttesherrschast. bei der. das äußerlich Unbewegte, sowieso vvrznherrschen hat. wirkte er am besten. Tranfkys große, zu jeder Steigerung bereite und fähige Stimme, ist sicher vielen von früher noch in Erinnerung. Tiesmal war dem Klang feines Tenors in der Hohe manch harter Ton beigemischt, der Glanz dieser Stimme setzte sich trotz allein wieder durch. Für Susanne L o e w e n ft c i n bedeutete die Wandlung von der französisch-spanischen Carmen zur sranzösischvrientalischen Dalila keine Schwierigkeit. Zivar hat Saint-Saens nur eine Theaterintrigantin ans die Bühne gestellt, aber immerhin eine effektvolle Partie für schöne Stimmen geschrieben, denen er. seine klangvollsten Lyrisman anvertranen konnte. Daher ließ sich die Sängerin nicht von mnsikdramatisch vertieften, sondern von rein opernhaften Impulsen und Affekten leiten, die sie mit der Natürlichkeit ihres Auftretens, das-aus dem Augenblick. der Situation geboren scheuch zu starker Wirkung brachte. Am eindringtlchstcil war aber natürlich wieder das weiche. Strömenihres Gesangs, der in den schmeichelnden Klängen der beiden Arien Höhepunkte der Ausführung schuf. lieber die Ensembles erhob sich die auffallend schöne Stimme von Fritz L e ch n e r , der den „alten Hebräer", den Mahner zur Gotlestreue. gab. Ter im Humprigeit vielbewährte Gerhard P e ch - net trug diesmal das Kriegsgewand des Abimelech, den er durch hartartikulierten Bortrag zu verlebendigen strebte. Noch wilder und im Zorn entfesselter hatte sich Siegfried Urin.* zu.geben, der den Lberpricster init rauhen, g'ewalttätigen .Gebärden ausüattete. Kleinere Rollen hätten Julius Kuthan. Heinrich Korn, Herbert C z e m p i n inne. Der erne Abend fand als Festvorftellung zugnnsten der Winterhilfe statt. Am nächsten Abend waren die Hanplparlien neir besetzt: Mar M a n s - selb sang den Samfon, Anna L i v i n die Dalila. Ten besonderen Begabungen entsprechend änderte sich die Ausdeutung der Rollen. Mansfeld ist ein lyrischer Tenor, das heldenhaft Prophetische des ersten Aktes liegt ihm im Grunde nicht,' aber im Liebesdnett des zweiten, in den Klagege'äiigen Vks dritten. Altr?-kwrch4e-mart_auf. denit Mansfeld entwickelt einen weichen, warinen^TvnT^ervn in erponi'erter Höhe. Technik und stirnm,Iiche Kultur lassen das gelingen. Daß er lange nicht mir der Bühne stand, merkie man an den anfangs nicht recht dirigierten, nnfreien.Bewegungen, die sich aber verloren, je mehr nchNiansfeld inneine Rolle und die Theateratmosphäre einlebte. Im Gegensatz KULTURBUND zu Snsanne Loeivennein betont Anna L i p i» als Dalila das Leidenschaftliche. das sie in ihren stärksten Momenten, fast zur- Dämonie zu 'steigern ver° -mochte. Im ersten Akt ivar das Spiel unsicher, vom Taktitvck abhängig, auch die Stimme, klang belegt, aber im zweiten erkannte man. eigentlich zum erstenmal, welch, großes Material dieser Sän- ' gerin zu Gebote steht. Im wild heransgcschlcuderten R'ezitätiv, im Iiviegesang init dein Lber- Priester, in'der schön gesungenen Arie gab sie ihr. Bestes. Walter O litzki überzeugte als geschmeidiger, fanatischer Lberpricster. Ali beiden Abenden war der Beifall herzlich ° und ries die Leiter und Darsteller wiederholt vor die Rampe. Ludwig Altmann. Der bekannte, jetzt in Paris arbeitende jüdisckie Bildhauer A r n old J a d i k o w vollendete eine »ionninenkäle Steinplastik „Der geblendete S i m j v n Eine TerrakoltaSkizze zu dnllem neuesten Werk bildet Adolph D o n a t h iin Februar Heft seiner. Zeitschrift ..Die Internalionale Kunstwelt" ab. ' In' Pari s fand kürzlich in Anwesenheit von Vertretern,, der französischen Regierung. de? Diplomatischen Korps und anderer Körpericiiaftei, die 'Premiere des Films -.Samfon' altz lllloliltätigkeitsveranstalliing stall. Henry Bern« st e i >i ,cnt>vickelte geistvoll und lel'eudig di«x Entstehung seines titzl-rkes. das vor etwa R> Iahreit als Theatersliick heranskam.. und lobte das hervorragende Manuskript von Blanrire Doiirnenr. Unter den Hanpldarftellerii befiiiden sich Gaby. M o r l.a y und Harry B a n r. Theater und Musik im Reich „Bunbury“ . im Breslauer Kulturbund In der Reihe der vier GefeUschrstskoinödien •£ s\- a r tstzildes, in denen er der erklnsiven Welt der oberen englischen Klanen allerlei Bos- Heiken zli sagen hat, ift ..Bnnbury" die küiistlerifch ernsteste, -vier hat der Dichter.ohne jede Scheu vor der Konvention ieiueni Spott freien Lauf gelassen. Zugleich in diese Komödie aber auch die ansgelasünne und heiterste. Im Mittelpunkt des Stückes ftehcn zwei rcick)e junge Leute aus der vornehmneii Geselll'ck^ft, die sich für ihre Tollheilen ein Alibi, einen Doppelgänger, gesck)<rssen haben. Die reizend-nbermntigen jungen Ladies, von denen die beiden Fre.nnde geliebt werden, die besonders vornehme Ninttcr der einen und die ganz gonvernaiitenhafte Gouvernanteder anderen sorgen znfamnien mit einem sehr ivürdigen Land- ' v'arrer für das nötige Tnrcheiiiaiider und für deii ivitzigep Dialog. Die Regie LZermann S ch i n d I e r s' ließ das Spiel flott ablanfen. die Bühnenbilder Alcrander L i. p s ch i tz - K n r d a » s schufen einen geichmackvolleu lliahmen. Die Niitwirkenden ivaren bei befter Laune. Hermann S ch i n d l e r und Elans Brill gaben die beiden Freunde John Wvrihiug und Algernon Mancriefs mit Eleganz und frischem Dranfgängertnin in jedem Angenblick'überzengend. Ihre Partnerinnen Elfriede B v r v dki n als Euvcndeline und Irma S l ei'n berg als Eeeiln fchlifen zivei entzückende . Ilmgmädchentypcn. Bollcndet charakterisiert, wäre,: die Lady B'racknell R c i che r». die ' Gouvernante Aliß Prisme (Erna E v l, n-L v r e n und der'Kanonikus .Ebafnble kBen S p a.ii i e r». . Tiefes köstliche Trio ivnrde mit einer Tarstellnngs- . fünft gezeillillet. die vergellen ließ, daß es sich nur. um ein Spiel handelt. Georg Feldman« und „Meine Schwester und ich“ in Hamburg Jik-r im Theater das incht, ivas ihm der Alltag vorcntliäll. iindet. es hier:, harmlose Fröhlichkeit. Die Regie von Dr. B n r b a n in , voll chiibjcher. ioitziger Einfälle, ließ sich keine Pointe ent- ^gebeil. Alu Geschicklichkeit' und Gesckpuack Halle k'llfred Al i'i l l e r auf. enger Bi',t,ne einen aparten Rahmen ge'n>v'en. Die Hauptrollen wurden von zwei 'jungen Menschen. Li'selvtte Cohn (Rosen), und Earl Heinz I a f se. elegant und tänzerülli leicht ge'pielt. Der Schnhladeninhaber Knrr Appel war von außerordentlicher Komik und mit Pallenliergfcher Beredsamkeit begabt. Der elegante nngarifchc Gras, von Fritz Melchior, der hochnäsige Diener, von Mar ii ri) 11 r , Irina, die Berkänferin, von Edith verßlik, und der schlecht bediente Käufer im Schuhladen, von Ernlt K o b l e r gespielt, trugen zur lärheiterniig des Publikuiiis vei. Die Musik, von Kurt B e h r e n s nnd -Paul S v» n e n b e r g auf zwei Fliigelu ausgezeichnet geboten, von den Daritellern mnfikalifckl fiil>er gefniigeu niid getanzt, übte ihre mitreißende ^llirkuug auf das Publikum aus. Das Publiliim beioies feine Xnnflmrfcit durch häufigen. anhaltenden Beifall. ^Leider'war es nicht sa zahlreicl) erschienen. >vie es der sorgfältigen, ge» mißreill-en Anfführuug, die sclion in L l'ierfchlesie.u Erfolg errungen hatte, zu wünsclik» geivefeii' N'äre. Herbert (iolilstein Durch die llebersiedliing in den Frankfurter Saalbau hat das £rii)i'fti't des I ü d i f ch e n K u l l i, r l> u u d e s R h e i ii — Bk a i ii eiiien be-.. trädit 1 tdjen ,'tziwachs au Elllirkiiug-.-inogl,ä>kei!eii erhallen. Zunächst'. hat'sich der flladius. der anifuhrbaren Werke gegenüber der Snnagoge und dem nur etwa Perfonen fall,-ugen Daal des Bereinshani.es erheblich eriveitert: auch - dge Klangbedingiiiiaeu des af n*t i fdj ■ i'ehr giiiifligen traditionellen .Koiizerlraumes gel'e,, c>er Z'ei'lniig ein) stärkeres kini'llerinl>es älelief. Ern hier kann Hans 'Wilhelm S.t e i n b e r g vein rinn vorichwebeuden Klangbild -geiiiaß uiufi zieren. D>e Snifouie Ar. N (Pallp-tiaue, von T'lin.ukeioiki, konittik seinem iiiigeioöhnl.ul, vilaleu Tempere.,uent und seiner gähigkeil. grosizilg.ig uiit> in lcuchlciideu -Farbeii zu geflalleu. . wie -nur-wenige, entgegeii. ..Das Crdtefter Nichte sich 'unter , .die'er . geißig - kviizentrierteu. zu ivöchstem aiilporneuden Führung in bester Lbhut. Die inipv'ante, Wiedergabe iveckte freudigiteu Beifall.?luni Steiger, setzte ihr volles Können für das -Niolinfonzert A-nxlll'von.Dvorak ein. Es ist nichl leicht, diefein mäßig infptriertcjT, o't floskelhaflem Plerk znm Eillolg zli verhelfen. Selbsteinem ans dein flawifchcn Knltni'kreis hervorgegangeiien Mn'iker. der die speziii'lljei. Eigeiifchaften noch, n.irker iiachfnhleii und ins Lill)t rücken kann, ivürde esfchiver iverdeii, -das Werk überzeugend zu interpretieren. Aber trotz dem spürbaren inneren Ab- . itand blieb noch reichlich lffelegenheit. die hochenlnuckelte mannelle Fertigkeit und die aeinig» iiiiiiitaliKsien Anlägeii der -Geägerin-zn erfennen. 'Nlit liebeiisivnrdiger. alles Svubretteiiaekne -geüim„nlvvll meidender Geste und gewandter Koloialnrte,hnik lang ' Edith E i s e n h e i in e r den . Dvrfschwalben - 'Jaf ’,er vom Iv'eph Strauß. A!al zerklänge von Johann Strauß fiir Orchencr gaben dem Abend den auch einmal für ein Sinfoniekonzcrt nicht unangebrachten srvh'innigcn Ausklang. A. H—e.

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