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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-26 · 13 (26.3.1936) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
13 (26.3.1936)
Date
1936-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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und sei zu Indianern geführt worden, iw sich ans fein „Schma Jisrvel" bekannt hätten, znm Stamme Rüben zu gehören und früher als die eigentlichen Indianer ins Land gekommen zu sein. Tiefe Nachricht schlug bei. Manasse wie ein feuriger Blitz ein und entzündete alle Energien, deri;n der Mann fähig war. Was'er geschrieben und leidenschaftlich diskutiert hatte, alte Ueberzeugungen tind Hoffnungen erfuhren hier, diestchönste Bestätigung. Biblisches Wort und alte Auslegung trafen sich zu aktuellem Sinn. Die Ankündigung im 5. Buch Moses: „Und der Ewige wird dich zerstreuen unter alle Völker von einem Ende der Erde bis zunr andern-Ende der Erde" ließ sich jetzt deuten. Nach Südamerika, zum einen Ende der Welt, hatte Gott Israel versprengt — „ich verstand, daß mit dem (zweitens Ende der Welt diese Insel/England, ANgeÜerra. das Land der Ecke (iingulus),. des-. Endest verstanden - werden muß", schrieb Manasse znrnekbtlckend spater an emen-engtl'chen Voe/nhmen. Weiter aber ist verheißen, daß. ivenn die Zerstreiiung des jüdi- - scheu-Volkes vollendet ist. die Zeit voll und der Messias kommen wird. „Und ich wusste nur. daß Gott, der oft mit natür- - liehen Viitteln wirkt, mich bezeichnet .und ansgewählt haben könnte, mn dieses Werk zustande zu bringen." Von 164.'» bis zu seinem Tode im Jahre 3057 ist die Arbeit Manasses ben Israel, diesem Erlösimgswerk gewidmet. Im Jahre 1200 waren die Juden aus England vertrieben worden. Nun galt es., sie dort wieder hinzubringen, aus die Insel, die im äußersten Norden der bewohnten Welt liegt, um damit die Voraussetzung zu schassen, alle Juden aus allen Ländern nach Zion znrückzuführen. Theologische Konzeption soll Politische Realität werden. Ein seltsamer Widerspruch lag von vornherein dieser phantastischen Bemühung zugrunde. Mehr als zehn Jahre bemühte'sich Manasse' gegen alle Widerstände, die WiedcraNfnahme von Inden in. England zn erreichen — und wusste fest 'sind zuversichtlich, daß diese Wiederaufnahme nur ein Schlußstein sein sollte zu einem Werk, das von feinen Voraussetzungen nichts übrig, lassen würde. Lange Jahre argumentiert' Manasse den Israel, um die Engländer zu überzeugen, welch praktischen Nutzen ihnen die Wiederzulassung von Inden biete — und verhehlt nicht, daß er nur darum immer und immer-wieder Petiere, damit dann der Messias alle Juden aus der Zerstreuung und also auch aus England, heransführen könne. Leidenschaftlicher Eifer für die Sache Gottes, eine gute und genaue Kenntnis aller Praktischen Notwendig-- keitcn, wirtschaftlicher Verhältnisse und politischer Möglichkeiten, Naivität und geschickter diplomatischer Sinn erscheinen . nebeneinander.in den Schriften, die Manasse den Israel nun -- meist in der Form von Sendschreiben — hinausgehen läßt. 1040 übersendet er eine in lateinischer Sprache verfaßte Schrift „Hoffnung Israels" an einen einflußreichen Engländer und erwirkt damit einen Paß, der ihn zu persönlichen . Verhandlungen nach England führen soll. Ter Krieg zwischen England und Holland legt eine Panse ein. 1652 erscheint die „Hoffnung Israels", in London in englischer Sprache. Im nächsten Jahre nimmt Vianasse seine Bemühungen von neuem auf; aber erst 1654, im Jahre des Friedensschlusses, scheint sich der Plan der Erfüllung zu nähern. Crvmwell ist Lvrd-Protektor geworden und begünstigt die Pläne Via nasses, denen er schon früher seine Aufmerksamkeit zugewendet hatte. Aber immer wieder.gibt es neue Schwierigkeiten und Verzögerungen. Endlich, im Herbst des Jahres 1655. reist Vkanasse nach London ab. Der Lord-Protektor gewährt dem Amsterdamer Rabbiner eine Audienz.-Vtanasse überreicht eine Adresse, Die Argumente, die sie verwendet, sind dem bibelgläubigen Cromwell nicht fremd. Aber die Hoffnung, die Manasse gehabt hatte, daß in allerkürzester Zeit die Zulassung der Juden ausgesprochen würde, verwirklicht sich nicht. Manasse, der gemeint hatte, von der Bibel aus sich Verstand und Her; des puritanischen England azifschließen zu können, ist enttäuscht. Wohl ist Cromwell selbst geneigt, aber er stößt ans Widerstand. Die Geistlichkeit, gerade sie, von der Vianasse gehofft hatte, daß sie keine >schwierigkeiten machen werde, steht den jüdischen Plänen, ablehnend gegenüber. Auch sie argumentiert von der Theologie ans, aber von einer anderen als der, die Manasse in schwärmerischem Glauben für universell hielt. In Holland, als der Krieg ihn festhielt. hatte er der überschwenglichen Zustimmung christlicher Vthstiker zu sehr vertrank. Nembrandt hätte damals eine kabbalistische Schrift Manasses mit .Küpiern geschmückt, nur noch zu einem andern Buch hat Nembrandt Stiche geliefert. Die Hochstimmung, in die ihn solche Tatsachen vexsetzen. das jauchzende Gefühl, in großer göttlicher Mission dem Ziele nah und der Zustimmung aller sicher zu sein, ist verflogen. Schritt für Schritt gegen immer neue Widerstände muß er in London Vorgehen. Gegen die Theologen müssen Argumente gefunden werden, und gegen die Kausleute, die auch den Zuzug von Juden nicht dulden wollen. Er macht ihnen klar, welche Vorteile ihnen daraus f m rf« J VW hhvUuft^ fUwtjyvy.v, „ 1n juiMt vtihur UuirtU r&sfrs Uv vUv, .viv-,,vy Manasse ben Israel Stich von Salom Foto-Archiv Sonnenfeld, Berlin erwachsen werden, daß ein Teil des Amsterdamer großen Handels nach London Filialen legt. Aber mit solcher Argumentation gerät er in neue Schwierigkeiten, denn nun werden die Amsterdamer besorgt. Handelsinteressen und Monopole stehen in Gefahr, auch die Juden, mit ihnen verbunden, folgen Vianasse nicht ohne Bedenken bei seinen weitgehenden Vorschlägen. Das letzte Wort Manasses. ist weit entfernt von dem alles überrennenden Elan, den seine Aktion zu Anfang hatte. 1756 -schreibt er die „Rettungen der Inden", eine znsammenfassende Verteidigungsschrift gegen die Äug risse, die in London erhoben worden waren. Marcus Herz hat sie 130 Jahre später übersetzt und Moses Mendelssohn diese Uebersetzung mit einer Einleitung versehen herausgegeben. Der Kämpfer Manasse ist müde geworden, er. der die Endzeit heranreißen wollte, hat sich nun demütig ins Warten geschickt. „Ilnd die sehr ehrwürdige englische Nation ersuche ich ganz untertänigst, daß sie meine Gründe unparteiisch, ohne Vorurteil und frei von aller Leidenscliast überlesen wolle, ich empfehle mich gänzlich ihrer Gnadr und Gunst und bitte Gott ernstlich, daß es ihm gefallen möge, die durch Zephania versprochene Zeit herannahen zu lassen, daß wir ihn alle eines, Sinne? und emss^erzen? anbeten, alle nt seinem Dienst einstimmig sein is^rden: daß so, wie sein ,came einzig ist, auch die Furcht vor ihm einzig sein werde; und oay wir die, Güte des ewig gelobten Gottes und die Frostungen Zions sehen mögen. Amen! Wnen!" _■ . , , Die umfassende AnsiedlungÄrlaubnis, die Manage erieynr hatte, ist ihm nicht gegeben wo Men. Einzelpermisse für ^udenansiedlung wurden erteilt, und Manasse erhielt von Croinwell. sogar ein jährliches Ehrengehalt ausgesetzt. Ein Ansang war gemacht und der späteren Ansiedlung von Juden der Weg gebahnt. Aber die große Idee Manasses war gescheitert. Ten Messias hat er nicht einholen dürfen. Ein gebrochener Mann machte sich auf den Weg zurück. Bis nach Amsterdam ist er nicht mehrgekommen. Unterwegs in Middelburg am Frühjahr 1657 . blieb sein Herz, das hoch zu schlagen gewöhnt und dem zu trauern fremd war, stehen. r-D.as lateinische Wort. das ein alter Stecher -feinem Bilde.beigab, hat' sich an ihm bewährt. kersgrinancko guaerimus. In der Fremde wandernd suchen wir.' Es ist die Devise seines Lebens gewesen und hat sich in einem tragischen Sinn an ihm auch im ---terben erfüllt. . . - , kroke88vr Dr. tt. Iisitin §e§torl»eir Am 11'. Januar 1821 zeigten die Aeltesten und Vorsteher der Breslauer „Israeliten-Gemeine' ni der „Hände- und Spenerschen Zeitung zu Berlin' das „erfolgte Ableben des Lber-Land-Rabbiners für Breslau und die Provinz Schlesien, Rabbi Abraham Gedalie Tiktin' in einem lies empfundenen 'Jladjtuic an. „Sein Andenken wird nie erlöschen im Herzen derer, die seinen Werth wie wir erkannt und empfunden.' Tiktin gehörte wie sein 1843 gestorbener Sohn Salomo, der erbitterte Gegner Abraham Geigers, dem vrtho-. doxesten Flügel an. der sich allen Reuerungen aufs Schärfste widersetzte. — 115 Jahre nach dem Tode des bekannten Nabbiners starb in Berlin, vor wenigen Tagen, sein Urenkel Professor. Dr. H. Tiktin im 86. Lebensjahre. Mit ihm ging einer der letzten Gelehrten hin, die — äus den strengsten Kreisen des Judentums stammend — sich in deutlicher Lpposilivn gegen die überlieferten Formen autvdidaktisch bildeten, um dann Hervorragendes auf ihrem Gebiete zu leisten. H. Tiktin wurde früh von fernem Vater nach Rumänien geschickt, um sich dort zu verheiraten. Er befolgte selbstverständlich die Anordnung seines Vaters: das Leben als Kaufmann behagte ihm aber wenig, und so nahm er rumänischen Unterricht und hatte das Glück, bald den größten rumänischen Lyriker, den irr Jassy lebenden ihm gleichaltrigen Michael Eminescu zum Lehrer zn erhalten'. So drang er in die Feinheiten der rumänischen Sprache ein und veröffentlichte neben vielen kleineren Schriften 1S84 feine „Studien zur rumänischen Philologie', für die ihm die Universität Leipzig den Doktorgrad in absentis erteilte. Seitdem hat Tiktin viele beachtenswerte Arbeiten auf dem Gebiete der bisher vernachlässigten rumänischen Sprachwissenschaft geschaffen, er galt als'einer ' der größten Kenner dieses Zweiges der Romanistik, und vor über 4l>Jahren erhielt er von der rumänischen Regierung den Auftrag, ein Wörterbuch der rumänischen Sprache' zu schreiben, das 1b-5 seinen Abschluß fand. An der Universität Berlin wirkte er als Dozent im Aufträge der rumänischen Regierung: seine große Bibliothek ist schon'vor mehreren Jahren von dem romanischen Seminar der Universität erworben worden. Der jüdischen Ueberlieferung stand Tiktin scharf kritisch gegenüber; seine Arbeit hatte ihn früh von den Anschauungen und Formen seiner Herkunft zu den Auffassungen der reinsten Wissenschaftlichkeit, die nur ihren eigenen Weg geht, geiührt. Trotz allein war das jüdische Wissen des Verstorbenen außerordentlich, und mancher beneidete ihn um seine Kenittnine in Bibel und Talmud. — Mit Tiktin ist her Restör der rumänischen Svrachwi'ienscha't dahingegangen, ein Mann, der sich durch Kämps'e und Wirren seinen eigenen Weg gebahnt harte und bis in die letzten Tage seines Lebens voller Regsamkeit und Teilnahme an den Fragen der Wissenschaft und des Lebens geblieben war. ——n. ihre Küken, sammelt „Mr. Intonrist" die der Sprache Unkundigen um sich. Autos warten vor denuBahnhvs. die uns.in die Stadt hinein znm Intonrist-Gebände fahren. Nach langem Hin und Her und viel Umrechnerei, nachdem der Sbnlns für die Rundfahrt hinterlegt ist. kann die Besichtigung der Stadt mit Fremdenfulnerin Ivsgeheii. Knapp zwei Stunden bleiben uns dafür. Das ist natürlich viel zn wenig, um Wesentliches sagen zu können. Ja. es ist nicht ein- . mal zn verwundern, daß kaum ein Name. .kaum ein Gebäude bei dem Sturzbach von Worten und Erklärungen, der sich ans der Fremdenführerin Munde ununterbrochen und . auswendig hernntergeleiert ans uns 'herniedergießt, haften bleiben. Unvergeßlicher Eindruck: der Kreml mit seinen Kirchen, seinem Palast, die Heilige Basilika-Kirche, unter der Regierung Ivan hes Schrecklichen erbaut.' Inzwischen ist unser fahrendes Wohnhans auf den Saverni-Bahnhöf ümgeleitet worden, dort werden nur von der Russin abgesetzt, von „Vir. Intvnrist" wieder in Empfang ge-- nommen. Vian bleibt unter steter Libhnt. Vioskan liegt längst hinter uns. Durch Waldmassive, die mitbebauten Feldern abwechseln, durch .hellgrüne Tannenschonnngen fährt der Erpreß dem. Uralgebirge-zn. abends . ist die Universitätsstadt Perm erreicht, nachts Swerdlvivlk l'früher Iekaterinburgl. Ich verschlafe einen denkivürdigen Augenblick die Landmasse Sibirien zlO 175 Kilometer) beginnt. '•_;_1 Bon Sibirien hatte ich ungefähr die Vorstellung: ewiger Schnee, Eiseskälte. Bären. Wölfe, die einen anfallen. Gefangene ur Ketten. Ich biii eben eine aufmerksame Kinobesn.cherin. "Und nnn2 Riehls von alledem. Tie Sonne schien, brennende Hitze brütet über dem Land, dicliter Staub, der uns hinderte, die Fenster zn östnen, lagerst siel; an den Glasscheiben ab. Gelegentliche Sesfnnngsv.ersnchc machen uns im Rn zn Mohren. Doch die Bäume sehen geradeso gewaltig hoch ans wie. vor dem Uralgebirge. Langsam erst ändert sich die Landschaft, wird zn ebener Steppe. Am'. Horizont steigen allmählich die Höhenzüge der Taiga auf. Taiga, Steppe. Taiga, Steppe. Sibirien, eintönig, verlassen — wenn auch noch warm. ' 10X24 Mu&sestunden Nachdem sich die Sensation, „in Sibirien zn sein", gelegt hat, schenkt man den Mit- .reisenden größere Aufmerksamkeit. Im nächsten Wagen reisen junge Schweizer Missionare. Ihr Ziel s Tie innere Vivngolei. Sie sind von ihrer Sendung erfüllt, eine Heimkehr gibt es nicht für sie. Jnzivifchen freuen sie sich an den täglichen Genüssen der russischen Speisekarte, die sie „restlos" in sich aufnehmen: aber sie können'Vicht ein Wort russisch, chinesisch oder englisch, und es gibt die komischsten Gespräche, weil auch wir wiederum ihr nnversälschteS fchmyzer Dütsch nur zum Teil verstehen und deshalb nur höchst' nnvotlkommen dolmetschen. In den Zehn-Tage-Mlißestnnden lernen . '.wir von den Engländern englische'Karten-- spiele >.es nsird selbstverständlich ohne Geld gespielts. von „Vir. Intonriß" Domino ans russische Art. Bücher^ werden ausgetanscht, Patiencen gelegt, es wistd gehäkelt, gestrickt, viel!ee getrunken, mal in dem Abteil.'mal im andern, es'wird.geuzt, gelacht. Menschen, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach nie Wiedersehen. erzählen Persönliches, allzu Persönliches, bis in die späte Nacht hinein. Jeden Abeud._nsill inan ..mal um 9 Uhr" ins Bett gehen, aber, hol's der Kuckuck, es'wird immer zwölf, eins, Dos liegt natürlich hauptsächlich daran, das; inan jeden Dag seine.Uhr um ein oder aiich zwei Stunden vvrstellen muß: nur fahren ja nach Lslen. der. Sonne, entgegen. Jeder hat dabei so seine eigene Zeit, kein Vlensch weiß mehr richtig, tvie spät es wirklich ist. Manche reisen nach Zug-, manche-nach Srtszcit..andere hingegen noch immer nach mitteleuropäischer Zeit. Kein Wunder, daß sie manchmal um 1 Uhr mittags erscheinen und ihr Frühstück verlangen mit der Behauptung, es sei ja erst 8 Uhr früh. Es gibt doch Zugkrankheit Nach vier, fünf Tagen kommt ein Morgen, an dem kann ich nicht recht raus aus dem Bett. Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl im Kopf und im Magen, bin schrecklich matt, kann im weitesten Umkreis kein Essen sehen. Den Magen an zuviel'Kaviar (früh, mittags und abends,, wenn man will (man will und^ - kann nur nicht mehr) verdorben? Nein. Zngkrankheit? So was gibt es, wenn ich auch die weisen Ratgeber daheim weidlich au.sgelächt hatte! Eine höchst unerquickliche Angelegenheit. . I . Zwei Tage dauert dieser Zustand. Inzwischen passieren wir Omsk, am Jrtysch gelegen. Ich bin. zu schwach, kann mich nicht erheben, lasse mir dafür erzählen, daß Dmsk der Berbannnngsort des Dichter? Toftvjelvfkl - war, daß die düstere graue Stadt, das Leben dort ihn zu seinem Roman „Das- Totenhaus" inspirierte, daß von hier ans die Regierung des Admirals Kvltschak im Herbst 1910' vor der Roten ArMee nach Irkutsk fliehen mußte. Ich erhalte immer und immer wieder Besuche. jeder gibt einen andern Rat. jeder bringt ein anderes Mittel an, das unfehlbar hilft. Endlich geht dieses Benommenheitsgefühl vorüber, mein Interesse an der Umwelt ertvacht wieder. Ich sehe bewaldete Hügel, einen gewaltigen Strom — den Lb (einer der größten Ströme Sibiriens, 3'200 Kilometer lang«. Hier in Westsibirien passieren wir das „sibirische Ehikago", — l>LowLck ibirsk , eine europäische-Stadt, mit molleriten Riesenbastten. erst * vor dreißig Ja hr.en—«ur-dev—StcHc ei irre-ehe-- maligen -Walddörstchens erbaut, heute ein S ri mit 150 000 Eiinvohnern. Die kurzen Aufenthalte von höchstens zehn bis fünfzehn Minutenverbieten einen kurzen Abstecher in die zum Greisen nabeliegenden Straßen. So bleibt der einzige Spaziergang während der ganzen Frhrt, der sich bei jeder Station, ob groß ob klein, immer wiederholt: die Schienen cnif und ab, auf und ab. Mit. einem . Fuß stehen wir dabei ungefähr immer am Trittbrett, damit uns der Zug nicht vergißt, denn er läutet nicht ab, und ohne Paß in einem Land znrückznbleiben. desien Sprache man nicht kann — wer möchte in die Verlegenheit kommen! . . . WirldichkeU — nicht Film Wieder einmal wird die Landschaft belebter. Dannen. Zedernwaldnngen, unübersehbar in ihren Ausmaßen. Taiga. Diesmal die Station. „Mr.- Inlourist",- von kurzem Lnstschnappen zurück, erzählt anstzere'gt. daß gerade heute in diesem Cn drei Frauen beim Beereniammeln von einem Bären angeiallen 'und getötet worden und. Es ist bereits stockdunkel draußen, aber inn'ere Engländerin reißt doch die Vorhänge im Knree hoch und späht hinaus, unbewußte Senialionstust? Vielleicht. -Ich als auftnerk'amek Kinobesucherinkonstatiere: wie gut haben es doch die. Leute in den Filmen.'daß'iie immer gerade noch im allerletzten Augenblick gerettet werden. Wie anders ist die Wirklichkeit! ' -" „ Am w'genden Tage zeigen ncki kleine 'ifv.nirfK' Städte mir, ihren Holzhäuschen, deren hohe - dunkle Dächer 'ür diele Gegendtvpiich find. Veränderung in das Landstckaftsbild' bringt wieder das schöne Flnßtal des Icniifej. an dein maleri'cki die Stadt Krasnojarsk.liegt, der Aiisgangsviinkt des nördlichen Seeweges, der über Ieniste; znm Eismeer führt. . V:e! Erdkunde habe ich anr dreier Fahrt in miet, bineirigepfrovst, mühelos, ohne mein Gedächtnis .anzustrengen.. Kein.'theoretischer Unterricht aus der Landkarte, eigenstes Er» Die größten Flüi'e Sibiriens: Lb. Ieninei und Lerra und mir nach längst - apiolvierter Schiilzei: noch mit Rainen im Gedächtnis iiaften geblieben. Rur von der Angara, dieiem unwahrscheinlich schönen-Fluß, habe ich nichts gewußt, an dem' .Irkuftk.' da s - Landeszentrum Dststbiriens, in Grün gebettet liegt. Fortsetzung folgt.

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