Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 12 (19.3.1936)
- Date
- 1936-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Maimonides 3× ep/1002614
- Moses Mendelssohn 3× ep/1006237
- Fritz Bamberger 2× ep/1023070
- Hans-Joachim Schoeps 2× ep/1026342
- Hermann Cohen 2× ep/1004894
- Ismar Elbogen 2× ep/1002949
- Martin Buber 2× ep/1009258
- Ahad Ha'am 1× ep/1026162
- Carl Gebhardt 1× ep/1023445
- David Koigen 1× ep/1023297
- David Neumark 1× ep/1024382
- Franz Rosenzweig 1× ep/1004530
- Hans Kohn 1× ep/1000025
- Hugo Gressmann 1× ep/1023738
- Jacob Freudenthal 1× ep/1005198
- Jakob Klatzkin 1× ep/1011037
- Julius Guttmann 1× ep/1002777
- Leo Strauss 1× ep/1026678
- Max Brod 1× ep/1024844
- Max Wiener 1× ep/1013532
- Michael Guttmann 1× ep/1041410
- Moritz Lazarus 1× ep/1025292
- Salomon Maimon 1× ep/1000012
- Samson Raphael Hirsch 1× ep/1002782
- Wrocław 1× ep/1002369
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Bibliographie di/cher Werke IX. Philosophie, Wesen des Judentums A. Gesamtdarstellungen und Geschichte der jüdischen Philosophie 1. Julius Gdttmann : Die Philosophie des Judentums., München, Reinhardt, 1933. Die erste Gesamtdarstellung der jüdischen Philosophie, in welcher der bekannte Gelehrte alle Probleme in kurzer und klarer Art behandelt. 2. David Neumark:' Geschichte der jüdischen Philosophie des Mittelalters. Drei Bände (unvollendet). Berlin, de Gruyter, 1907, 10, 28. Das für das Mittelalter wichtigste Werk. 3. Isaak Heip/emcmn: Griechische WeltanxchautrfigslehrOi bei Juden und Römern. Berlin, Philo-Verlqg, 1932. 4. Albert Lewkowitz: Das\(udentum und die ■ geistigen Strömungen der Neuzeit. I. Teil : Die Renaissance, II. Teil: Die Aufklärung. Breslau, Schatzky, 1928129. 5. M. J. Grozinger: Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. Bd. 1: Von Moses Mendelssohn bis Salomon Maimon. Berlin, Philo-Verlag, 1930. 6. Hans Joachim Schoeps: Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie in der Neuzeit. Bd. 1. Berlin, Vortrupp-Verlag, 1935. 7. Max Wiener: Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation. Berlin, Philo-Verlag, 1933. 8. Albert Lewkowitz: Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts. S. unter II, 82. 9. Entwicklungsstufen der ‘jüdischen Religion, mit Beiträgen von Leo Baeck, Juda_ Bergmann, Ismar Elbogen, Hugo Gressmann, Julius Guttmann und Michael Guttmann. Giessen, Töpelmann, 1927. (Vorträge des Institutum Judaicum an der Universität Berlin, 1. Jahrgang, 1925■—26.) Eine Reihe von Vorträgen überblickt die Entwicklung des Judentums in den verschiedenen : Städten. 10. Moritz Lazarus: Die Ethik des Judentums. Bd. 1—2. Frankfurt, Kauft mann, 1901, 1911. 11. Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Bearbeitet von S. Bernfeld und F. Barn- ■ berget, 5 Teile in 3 Bänden. Leizig, Engel. B. Jüdische Philosophen 12. Maimonides: Das Leben des Rabbi Mfosche ben Maimon. Aus seinen Briefen und Quellen ausgewählt und eingel. v. Ismar Elbogen (Jüd. Lesehefte, Nr. 5). Berlin, Schocken, 1935. 13. Abraham Heschel: Maimonides. Eine Biographie. Berlin, Reiss, 1935 14. Fritz, Bamberger: Das System des Moses. Maimonides. Berlin, Schocken,. 1.935. - 15. Berthold Auerbachi Spinoza, ein-Denkerleben. Stuttgart, Cotta,-1903 "(und in Ausg■. von Auerbachs Werken). 16. Jakob Freudenthal: Spinoza. Leben und Lehre, - Hg. v. Carl Gebhardt. Bde. 1—2.. Heidelberg, 1927. 17. Leo Strauss: Philosophie und Gesetz. .Beiträge zum Verständnis Maimunis und seiner Vorgänger. Berlin, Schocken, 1935. 18. Fritz Bamberger: Die geistige Gestalt Moses Mendelssohn. S. unter II, 28. 19. David Baumgardt: Spinoza und . Mendelssohn. Reden und Aufsätze zu ihren Gedenktagen. Berlin, Philo-Verlag, 1932. 20. Jakob Klatzkin: Hermann Cohen. Berlin, Jüdischer Verlag, 1921. 21. Hans Kohn: Martin Buber, sein Werk und . seine Zeit. S. unter V, 47. 22. Ludwig Stein: Die - Juden in der neueren Philosophie. S. unter V, 64. , C. Jüdische Philosophien 23. Maimonides: Des Rabbi Mosche ben Maimon More Newuchim („Führer der Verirrten“) im Grundriss.'Auswahl und Uebertragung von A, Altmann. (Schocker-Bücherei Nr. 26). Berlin, Schocken, 1935. 24. Derselbe: Rabbi Mosche ben Maimon. Ein systematischer Querschnitt durch sein Werk. Ausgewählt, übertr. und eingel. von N. N. Glatzer (Schochen-Bücherei Nr. 27). Berlin, Schocken, 1935. 25. Moses Mendelssohn: Jerusalem oder Ueber religiöse Macht und Judentum. Berlin, Welt-Verlag, 1919. 26. Samson Raphael Hirsch: Neunzehn Briefe über Judentum. Frankfurt a. M., Kauftmann, versch. Aufl. Die grundlegende Schrift des Begründers der . modernen Orthodoxie. 27. Claude Montefiore: Liberales Judentum. Leipzig, 1906'. 28. Hermann Cohen: Religion der Vernunft aus den Quellen-des Judentums. 2. Aufl. Hg. v. Br. Strauss. Frankfurt, Kauffmann, 1929. 29. Ds.: Jüdische Schriften. Hg. v. Br. Strauss, Einl. von Franz Rosenzweig. Bde. 1—3. Berlin, Schocken, 1924. 30. Ds.: Der Nächste. Vier Abhandlungen über das Verhalten von Mensch zu Mensch nach der Lehre des Judentums (Schochen-Bücherei Nr 20). Berlin, Schocken, 1935. 31. Franz Rosenzweig: Der Stern der Erlösung. Frankfurt, Kauft mann, 1921. 32. Ds.: Zweistromland. Kleine Schriften zur Religion und Philosophie. Berlin, Philo- Verlag, 1926. 33. Ds.: Die Bauleute. Ueber das Gesetz. Berlin, Philo-V erlag, 1925 (enthalten in „Zweistromland“)., 34. Leo Baeck: Das Wesen des' Judentums. Frankfurt, Kauft mann, 1929. 35. Ds.: Wege im Judentum. Aufsätze und Reden. Berlin, Schocken, 1933. 36. Martin Buber: Reden über das Judentum. Gesamtausgabe. Berlin, Schocken. 37. Ds.: Kampf um Israel. Reden und Schriften -J92f—32. Berlin, Schocken, 1934. 38. Ds.: Ich und Du. Berlin, Schocken, 1923. 39. Ds.: Zwiesprache, ein Traktat vom dialogischen Leben (Schocken-Bucherei). Berlin, Schocken, 1934.. 40. Achad Haam: Am Scheidewege. Bde. 1■—2. Berlin, Jüdischer Verlag.. 4J. David Koigen: Das Herz Israel- (Schocken- Bücherei Nr. 8), Berlin, Schochen, 1934. 42. Max.Brod: Heidentum, Christentum, Juden-, . tum. Ein Bekenntnisbuch. Bde. 1—2. München, Wolff, 1922. A3. Hugo Bergmann: Jawne und Jerusalem. . . Gesammelte Aufsätze. Berlin, Jüdischer Verlag, 1929. 44. Juda Bergmann: Das Judentum. Gedanke und Gestaltung. Berlin, Mass, 1933. 45. Hans Joachim Schoeps: Jüdischer Glaube in dieser Zeit. Prolegomena zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums. Berlin, Philo-Verlag, 1932. — und unser Schlusswort ..Um: das Gute zu lösen. ist eine Bedingung, das« man das Schlechte nicht lese: denn .das Leben ist kui-z, Zeit und Kräfte beschränkt.“ Dieser Satz Schopenhauers war ein l.ejlwort für die 'Zusammenstellung unserer- -Bibliographi Die Kräfte, die heute für eigenes Studium, zur Fortführung unserer Gedanken' und unseres' Wissens bleiben, sind oft nur sehr beschränkt, und wer dann ohne Anweisung und Leitung sich auf das unendliche . Meerder Biiclier und Schriften hinauswagt, wer sieht, wie „die Bretter der Bibliothekm reihenweise die vergangenen Irrtümer" bewahren, — der wird bald wieder aufhör rn, von dem unklaren Wust gelehrten Wissens zunickgestosseu. Die Bibliographie jüdischer Werke, die nach fast fünf Monaten ' Erscheinens' in. der C.-V.- Zeitung abgeschlossen vorliegt, soll diese Leitung geben. Alle Gebiete jüdischen Wissens sind in ihr enthalten. „Nachschlagewerke. Anthologien und Zeitschriften'“ (Nr. 43/193Ö) gaben die erste Einführung: grosse Lexika. Nachschlagewerke, Sammelbücher jüdischer Literatur, die nach verschiedenen Gesichtspunkten zusamm.-ngestellt sind, und Zeitschriften. Ein IJeberhlick über die Geschichte (Allgemeines)“ (Nr. 43, 44, 46 und 48/19:50) beginnt mit den umfangreichen Darsteilungen jüdischer Geschichte in der ganzen Welt, um sich dann Einzelforschungen zu widmen, die die Geschichte d°r Juden in allen Ländern von ihrem Beginn bis zur Neuzeit verfolgen. Ein besonderes Kapitel spricht von der „Geschichte der .luden in Deutschland" (Nr. 48. o() und ">2/19:)5); hierWerden die einzelnen deutsch mi Länder und Städte genannt, so weit die Grechichle der Juden in ihnen von Interesse und auch schon bearbeitet ist. Der Abschnitt „Bib d, Talmud und Literaturgeschichte“ (Nr. 02/19:50 und Nr. 2/1936)' führt in das Studium des jüdischen Schrifttums ein, erwähnt die deutschen Bibel- und Talmudausgaben, nennt Kommentare und Erklärungen und weist über das Mittelalter hinaus bis zur Neuzeit. „Kulturgeschichte“ (Nr. 2, 4 und ö-19:56) bringt Darstellungen des Lebens der Juden, pädagogische Werke, Erklärungen jüdischer Formen und Gebräuche, Meiüoiren und Biographien jüdischer Mahner und Frauen" und schliesslich Bücher über jüdische Künstler und jüdische Kunst. ..Gegenwartsurkunde“ (Nr.7 1936) berichtet über soziologische Fragen, und „Juden und Deutschland“ (Nr. 7 19:56) fuhrt in die grossen Fragestellungen der jüdischen Gegenwart ein. Dies wird im nächsten Abschnitt „Zionismus-und Palästina-Aufbau“ (Nr. 10,1936) fortgeführt: hier finden sich auch Biographien führender Zionisten und Schriften über das neue Palästina. Der letzte Abschnitt „Religiöse Fragen und Wesen des-Judentums': (Nr. 12,1936) nennt Werke über jüdische Philosophie und über Fragen des religiösen und geistigen Lebens, und so beschliesst dieser Teil der Bibliographie die .Vuseinanders Mzung mit den ' Problemen des lebendigen-. Judentums. — In der •ursprünglich gegebenen. Disposition war noch als 10. Abschnitt „Bellestnstik“ vorgesehen. Trotz der Vorankündigung musst ui wir uns entsctil ressen, diesen Punkt unausgeführt zu lassen. Waren' wir schon in den vergangenen Teilen mehr oder weniger subjektiv, so halte eine Auswahl aus der ungeheuren Anzahl der unsystematischen schöngeistigen Bücher, die an und für sich nur sehr klein hält? sein dürfen, noch subjektiver ausfalleu müssen. Schliesslich findet auch jeder;-der sich nach schöngeistigen Werken umsteht, schnell das für ihn Geeignete. Denn „de gustibus non -st disputanduni“ — und hei der schönen Literatur kommt es nur auf den Geschmack an. Bei dem Gebrauch der Bibliographie wird am besten von einem umfassenderen Werk aus-" gegang mi, um von diesem auf die Einzelliteratur zu kommen, Deshalb haben wir in unserer Auswahl, die schon aus räumlichen Gründen sehr beschränkt sein musste, viele stärker auf Einzelheiten eingehende Wuke fortgelassen, da jeder; der sich für diese interessiert, sie in den grösseren Darstellung mi angeführt finden wird. — -Ein - Bibliographie'kann nur eine allgemeine Anleitung sein. Den Weg eigener.'Arbeit muss sich je,ler selbst bahnen. — Wir haben dieses Nachwort mit einem Worte Schopenhauers begonnen, und wir wollen -s auch mit einem solchen schliesseu: „Zu diesem " allen kommt, dass zu Papier gebrachte Gedanken überhaupt nichts weiter sind, als die Spur eines Fussgiingers im Sande: man sieht Wohl den Weg, welchen er genommen hat; aber um zu wissen, was er auf dem Wego ge.-ehn, muss man seine eigenen Augen gebrauchen.“ - Heinz Warschauer Fritz Aronstein Die „Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung hei der Jtridmiectrrtiniiv-bet. pichen tu Tcutschlaud" (rymiifiurt n. 1. ^urivJ'hohl 67) Persondtc in diesen Logen einen „Jiiuwbries". der in vielem eine wertvolle Ergänzung ,pt der von uns üclwocljten ..Bibliographie jndisdjer Werfe" dorfteilt. Tr. 6ruft S > >» on gibt einen bibliographischeii Arbeitsplan „Jüdische Geschichte in;i<> Abende»", der eine große Arche von Büchern kritisch nennt: weitere Iusanuncnstcltiingcn sprechen von Maimonides und von Manasse den Israel und der Aückfehr der Hilden hart) (England. Ter Anleitung für Nursteiter dienen außer diesen mehr bibliographischen Hinweisen zwei Anssäßc von Tr. Erich LH o j e n h l » t f) „Tic Bücksichriiiig Israels: Esro und Behemja" und „Ter jüdische Krieg und Ji. IocHaua» b. Salkai". Marlin B Uber spricht über Bibelfurse. und andere Beitrage handeln von pädagogischen Iragen, die sich im ikiufe der jüdischen Bildungsarbeit ergeben haben. F. Ar. Erste Liebe Eine Erzählung aus dem ukrainischen Ghetto der Jahrhundertwende Von Micha Jo?ef bin Gorion (Berdyczewski) Geschichten wollt ihr von uns hören. Ihr wünscht, daß wir vor Tuch das Leben ansbreiten mit seinen mannigfachen Und verwickelten Vorgängen und Zuständen. Aber was ist aufwühlender als das Leid der Seele, die um ihren Schmerz nicht einmal weiß? Keine Noch so fein ausgedachte Erzählung kamt uns irgendwie-nützen. wenn sie nicht von dem Weh berichtet,' das die Kreatur erduldet. Aber nun, paßt aus und laßt euch von meiner Jugendliebe erzählen. Tas Mädchen-, dem die Neigung'meines'. Herzens galt, hat von meiner Liebe nichts gewußt. Ich habe mit ihr darüber nicht gesprochen, wie denn überhaupt kein Wort in dieser Sache über meine Lippen gekommen ist, bis ans den heutigen Tag, da ich vor euch, meine. Leser, stehe. Mittlerweile bin ich ein alter Mann geworden; ich. habe vieles werden und vieles znsammenbrechen sehen, und das Mädchen, meine Jugendgeliebte, ist nicht mehr am Leben — sie ist mir vorangegängen und weilt im Eden unter den Gerechten. Es gab einen Mann in meiner Heimatstadt. der hieß Jona. Das war einer, der durch seine Bildung - und seine Kenntnisse, durch die seine Art zu -sprechen und durch die Sauberkeit und Ordentlichkeit in der Kleidung sich von den übrigen Juden unterschied und' kaum mit einem der dreihundert Mitbürger Gemeinschaft pflog. Er gehörte nicht zu den Neichen, doch war seine Lebenshaltung nicht dürftig. Er besaß kein eigenes Haus, aber der von ihm gemietete Teil trug ein gefälliges Gepräge: vor dem Eingang ■ War Kies gestreut, die Fensterläden waren grün gestrichen, schon von außen atmete alles Nnhe und -Lrdnuug. Und innen erst blitzte es vor Sauberkeit und freundlicher Neinlichkeit: Sofa und Sessel hell überzogen, ein Bücherschrank mit Glastüren, durch die die bunten Bücherreihen zu sehen waren, Eine altertümliche Uhr mit glänzenden Messinggewichten hingan der Wand, und leinene Läufer liefen auf dem Fußboden von Tür zu Tür; die Fenster hatten gehäkelte Vorhänge, die bis zur Erde reichten, und an den Fensterbrettern standen blühende Blumentöpfe, sorgsam gepflegt. Einen Freigeist hätte man Jona nicht nennen können, aber er war kein sklave von abergläubischen Vorstellungen, von veralteten Sitten und unnötiger Gesetzesstrenge. Er liebte den reinen geläuterten Glaub n. wie er in dem Buche ..Pflichten des Herzens"* **)) beschrieben ist. das er in der Jugend gelesen hatte, als er sich mit diesen Jragen beschäftigte. Tanach, wo es hieß, eine Familie ernähren, nahm-er eine Stelle als Bnchführer in einem Handelshatise an: und von der Zeit an guckte er nur am Schabbat in eines der leichteren Bücher hinein... Beim Verlesen der Thora im Bethans hatte-er ans seinem Pult keinen gewöhnlichen Pentateuch mitden üblichen rabbinischen Anslegern zu liegen, sondern einen mit dein neuzeitlichen Kommentar ..Lehre und Gebot"*"). Tie blumigen Rede- - Wendungen dieses Bibelauslcgers behagten ihm besonders: fic waren Irüchte der Bildung und- Mittel, zur Erlangung derselben, und Bildung, das war eine schöne-nnd nützliche Sache.. i Von dem Streitder Meinungen sowie von allem, was geeignet war,'Unfrieden unter den Alenschen zu säen, oder auch nur den Frieden seines Herzens zu *) „Her-.c-nspslichten" (Ehowor Ha-Lewawot) des Bartija ihn Pcikiidalum 108--). **) Tie' - Lektüre des Kom'mentars „ba-Thora weha-Mizwa" des Aabbiners Meir Löw ben Occhict Michel p.bloünin: 1809/79) war, trotz der traditionellen (rnmeth'tnp auch dieses Autors, ein Zeichen des Forrschrittes und der Ausgeklärtheit. untergraben. Hielt er'sich fern. Ihm genügte das Bewußtsein, den rechten Weg zu gehen und von der Stimme der Zeit etwas wee». nommcn zu haben. Jona hatte eine Frau, die hieß Mirjam: sie war groß gewachsen ntid fünf Jahre älter als er. Tie mittleren Vorderzähne oben und unten fehlten ihr, und wenn sic lachte, wurde ihr Gcsicl)t schief. Toch war sie eine gute Frau und in ihrer Jugend lvvhl aucl) hübsch gewesen. Ten ganzen Tag verricl)tete sic Hausarbeit nnd'hielt sich, wenn sie sich hinsetzte, in der Schlafstube auf; das große Borderzinuner gehörte dem Blann,und den störte sie nicht gern. Kam ein Gast, so begrüßte sie ihn lind reichte ihm Tee. danach verschwand sie. Eine seltsaine Ausgeglichenheit zeichnete die Frall ans: ihr Gemüt war ohne eine Fluche, liild die Gernhsamkeit ihres Wesens teilte sich den anderil init. Aiirjam war im Grunde ihres Herzeils gottesfürchtig und gläubig nach der alten Art; dock) flichte sie sich alich denl Gotte Jonas, zll nähern, natürlich nicht uni ihrem Blanne zu schmeicheln, sondern ans ihrenl mütterlichen Gefühle heraus. Tie Bücher ihres Mannes hielt sie in Ehren, obwohl sie wußte, daß sie nicht alle im Siilne des Gesetzes heilig 'waren; aber sie wareil il)rem Eheherrn telier, lind das war ausschlaggebend. Eigeiltlich wünschte sie ihren Gatten llicljt anders, als er war: ein' altinodifcher 'Mann wäre iljr wohl gar nicht recht gewesen. Es-frelrte sie auelj. daß ihre eiilzige Tocljtcr el)er noclj neiu zeitlicher war als der Vater, und Bildluig zu gewinnen bestrebt mär. Nun ich aber von der Tochter spreche, von diesem Wesen, das das Tlmkel meiner Ilcgend erhellt hat, stehe ich schon mitten drin in der Erzählung. Ein Vtenschenalter ist vergangen, ein langes und hartes Leben, und immer noch steht sie vor mir, sobald ich sie nenne, im Reiz ihrer «chönheit, jung und schlank, mit zwei langen blonden- Zöpfen. Nechama. die-Tochter Jonas lind Mirjams« war: ihr einziges Kind. Weder por midi nach iljr wurden ihnen Kinder geboren. Tie gliten Eigenschasten der beiden Eltern waren in ihr vereinigt: von der Pinttcr hatte sie die Geradheit des Herzeils. von dem Vater die Liebe zu den Tingen des Geistes.und das verlieh -ihrem Gesicht eine besondere Verträumtheit und Lieblichkeit. Wo sie llltr auftrat, verbreitete sie Licht; es war, als bahnte sirti der Frühling einenVbeg, als gäbe cs im Leben feine Trübsal und keinen Haß, nur eitel Wärme lind. Solliiensd)ein. — Wohl wußte ich von der.Bibel her. daß Sara ein sdiönes Bleib gewesen ist, nach der alle große Sehnsucht getragen habetl; ebenso wußteich von der Anmut Rebekkas undvon der tliahels. die mit deil Sckiafen dalierkam. Dort) alsilte ich ilicht. daß eine.solche Schöilheit in -unserer Zeit unter uns leibhaftig lünherwandeln fnun, daß in der Stadt, in der ich geboreil und anfgetvaclisen hin. ja in der unweit der Wohnung meines Vaters gelegenen Straße, im Hause eines^inir bekannten Vtatl» nes eine sold>e Blniile gedeiht. Tlirck) diese Straße war ich-.einmal gegangen lind hatte sie an der Sdftvelle ihrer Tür erblickt... CI), ich wußte diesen ganzen Tag nicht mehr, wie .-mir--war. ich fühlte ntid) in eitle ändere, höhere Jiegivn versetzt: id) hatte sie vom ersten Angeilblick an heiß geliebt, ihr Bild drang in mein Herz ntld setzte sich da fest. — Einen Monat lang währte diese erste Zeit meiner jiiiigen Liebe. Ich getraute mich nicht, meinen Eltern und (iieschlvistern in die Augen zu schauen: ich hatte Angst, sie würden erkeniien. tvas in meinem Innern vorging, mir . deuchte, imm könnte mir meine Gefühle voni Gesicht ableseil. Als einmal Jona, ihr Vater, sich im Bethans mit einer Frage all mirt) wandte, wußte ich ihm keine Antwort zu geben, so verlegen war ich. Toch bald nahm ld) «rllen aneinen Mut zusammen und suchte die Straße auf, in der das Mädchen wohnte, niit der stillen Hoffnung im Herzen, ihr zu begegnen. Ich hatte aber kaum die Straße betreten, als mick) die Angst schon zurücktrieb: ich ging nur um ein paar Häuser hertlm und kehrte zurück. Auch fürchtete ich mich damals. i \ * k'v;