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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-19 · 12 (19.3.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
12 (19.3.1936)
Date
1936-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fcPR2’SÖ* XV. Jahr*. I Nr. 12 Berlin, 19.'März 1936 Preis 10 Pfennig entralerein ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS i, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. _a_ _ _ v erfolgt durch die Post, die die Gebühren —-- --—.— vierteljährlich 99 Rpf. (.Aasland' 2,30° RM. .(ungerechnet in die Landeswährung' einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 21) Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge, — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene Millinicter-Zeilo 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 .Rpf., weitere ermässigto Grundpreise siehe Preisliste. Einzclanzcigen nur gegen Vorauszahlung. . — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. MMiiie und 1 Aufbau Dr. M. E. Sie Blicke der Juden in Deutschland und in der Welt waren in den letzten Wochen nach Amerika und nach London gerichtet, wo durch die Samuel-Aktion mit ihrem Council for Germany Jewry konstruktive Planung für diejenigen Juden aus Deutschland geschaffen werden soll, deren Weg aus den deutschen Grenzen heraüsführt. Aher gerade im Zusammenhang mit Auswanderungsprojekten wird besonders deutlich, wie notwendig eine gesunde Balance zwischen der Auswanderung und der. Lebensgestaltung der zur Auswanderung Vorzubereitenden und der aus Alters- und Existenzgründen Verbleibenden ist. Tie Maximalzisfern des Samuel-Projektes rechnen mit Zehntausenden, die gehen werden, aber sie wissen natürlich auch, daß den Hunderttausenden Verbleibenden ein gesichertes unp von den Schönheiten des . Lebens nicht allzu entblößtes Dasein trotz der Verringerung ihrer Zahl durch Abwanderung wichtig ist Und bleibt. Fast als Pendant, als Dokument jüdischen Selbstbewußtseins und jüdischer Selbsthilfe in Deutschland ist in diesen Tagen ein, man möchte sagen, herzstärkendes Dokument einem kleinen Kreise vorgelegt worden: der Arbeitsbericht des Zentral - A u ss ch u s s e s s ü r H i l f e u n d A u f b a u b e i der Reichsvertretung der Iuden in Deutschland für das Jahr 1 93 5. Dieser Geschäftsbericht ist für den, der' hinter Zahlen pulsierendes Leben zu fühlen vermag, spannend wie ein Roman. Denn er umfaßt das Leben der Juden in Deutschland, in der Kleingemeinde wie in der Groß- . gemeinde, in der Familie, im Haushalt, das Leben der Jugend im Schulwerk wie der Alten in den Heimen, in der Berussausbildung und Berufsumschichtung. Er zeigt die Lage des Kaufmanns, der Akademiker und Künstler auf, es stellt dar, durch welche Tore der Weg nach Palästina oder in die europäischen Nachbarstaaten oder nach Uebersee führt. Die Mittel hierfür — und auch dies den hilfsbereiten Juden außerhalb Deutschlands zu sägen scheint wichtig — sind nicht allein in Deutschland aufgebracht worden. Das American Joint vistridution Comitee, der Central British Fund und die Jewisli Colonisaiton Association (ICA) ftitb jur guten Hälfte an der siebenstelligen Zahl beteiligt. ° Aber die Summen, die zusätzlich neben den Steuerzahlungen von den Juden Dcutschländs ausgebracht worden sind, können den Vergleich mit den. geplanten Drive-Ergebnissen gut aushalten, zu denen Juden aus zahlreichen Ländern beitragen sollen. Wir zeigen damit, daß wir Hilfe fordern dürfen, weil wir bis an die Grenze des Möglichen Selbsthilfe üben. - Ter Zentral-Ausschuß, der 1933 als eine freie Vereinigung der amHilfs- und Aufbauwerk beteiligten Stellen und Organisationen unter maßgebender Beteiligung und Führung des Central-BereinS gegründet wurde, hat in dem letzten Jahr den Gedanken der Einheitlichkeit — der den Kreis um Ludwig Tictz einst zu dieser Gründung veranlaßte — weiter durchzusetzen vermocht; er umschließt sämtliche am Hilss- und Aufbauwerk beteiligten Organisationen. Anfang 1935 wurden z. B. die Hanptstclle für jüdische Waudcrfürsorge, die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise, die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe und die Zentralwohl-' fahrtsstelle der Inden in Deutschland der Reichsvertretung eingegliedert. Lediglich das Palästina-Amt der. Jewish Agency und. der Hilssverein der Juden in Deutschland wurden in den Nahmen dieser Organisation nicht einbezogen-. Aber auch die Arbeit dieser beide^ PgreUiigungen ist mit dem Zentral-Ausschuß jift^ern verbunden, als sie von ihm subventioniert werden. Die Gelder fließen aus vielen Quellen zusammen: neben den selbständigen Palästinafonds gibt es Spenden der. Gemeinden, freiwillige Einzelbeiträge von Privatleuten, Kopfbeiträge der Gemeinden und — nwralisch besonders wichtig — die Blaue Karte, die sich Eingang in fast alle jüdischen Familien verschafft hat, und öie zwischen dem großen zentralen Hilsswerk und jedem einzelnen Juden in Deutschland die lebendigste Verbindung darstellt. In diesem Buch vom Leben der Juden in Deutschland zeigt sich mit unübersehbarer Plastik, wie jede bedeutsame Veränderung in unserer Außenwelt, und vor allem grundlegende gesetzgeberische Maßnahmen unmittelbar im jüdischen Vinnenraum Wirkungen Hervorrufen. So findet mau. in dem Bericht über die 'Auswanderung, daß die Zahl der Personen, deren Ausreise - aus Mitteln des Hilfsvereins und anderer öffentlicher jüdischer Stellen finanziert werden mußte. zwar vom Jatiuar 1935 bis zum Sommer langsam anstieg, sich aber vom August zum September sprunghaft steigerte und dann bis zum Dezember verdoppelte. Am meisten fällt dies bei der Auswanderung in überseeische Länder auf, wohin im Januar 1935 96 Personen, im Dezember 1933 aber 290 Personen wandcrten. Während im Atrgust^ nur 120 Personen aus allgemeinen jüdischen Mitteln finanziert wur- Der Wunsch nach einer zusammenfassenden, nach europäischen Gesichtspunkten orientierten Analyse der Wirtschaftslage Palästinas ist in den Kreisen der Juden Deutschlands sehr verbreitet. Die Berichterstattung der jüdischen Presse stützt sich auf zuverlässige und vom Willen zur Objektivität beseelte ständige Korrespondenten. Sie bedarf aber von Zeit zu Zeit einer Ergänzung durch Sonderkorrespondenten. Ueber die Krise in Palästina wird seit Monaten diskutiert und alle haben den Wunsch, dass sie sehr bald wieder überwunden werden und einer stetigen Aufwärtsentwicklung der palästinensischen Wirtschaft Platz machen möge. Aber je mehr Palästina nicht nur Einwanderungsland für weltanschaulich zu allen Opfern bereite Menschen wird, sondern auch das Ziel für wirtschaftlich denkende Unternehmer, um so stärker muss gerade in diesen Kreisen der Wunsch vorhanden sein,, weniger ideologisch den, mußte im Oktober an 197 Menschen die Reisennterstütznng gegeben iverdcn. Bei der Paläftinaivandcnmg läßt sich die Veränderung in'den Monatszifseru nicht entsprechend feststellen, weil ja diese Auswanderung im wesentlichen von der Erteilung der Zertifikate abhängt. Im übrigen geben alle diese Zahlen nur einen kleinen Ausschnitt der.tatsächlichen Wanderung, denn sie nennen ja nur die Personen, die'unterstützt werden mußten, während die Menschen, die ans eigenen Mitteln answandern, nicht ersaßt werden.' Aber, die Entwicklung der Zahlenreihe dürste typisch für die gesamte Answandcrnngsbcwcgnng in den letzten/Monaten fein. Aehnlich gestaltete sich die Binnenwandcrung. Für sie ist die Hgnptstelle für jüdische Wanderfürsorgc mit ihren lokalen Wanderfürsorgestcllen gemeinsau: mit den jüdischen Wohlfahrtsamten: und den Wirtschaftshilfsstcllen zuständig. Diese Binnenwanderung, also die Wanderung.meistens ans Klein-, gemeinden in Grvßgemeinden, stellt mitunter auch die Vorbereitung zur Auswanderung dar.' Sie ist in der Regel die Folge der Liquidation alten Besitzes in der Kleinstadt, des Verkaufs des Grundstücks, der Arisierung des Geschäfts. Dieser Binnenwanderung sind zwar durrlj die Zuzugs- und Arbcitsvcrbote in einigen Großstädten gewisse Schranken gesetzt; trotzdem hat sie in ersck>reckendem Maße zur. Schrumpfung und schließlich zur Auflösung Der Council for German Jewry beginnt seine Arbeit Was wird ans der Wirtschaft Palästinas? und mehr wirtschaftlich orientierte Untersuchungen über Palästina zu erhalten.' Unser L. B.-Wirtscbaftsberichterstatter hat in den letzten Wochen an Ort und Stelle' die Pälästinawirtschaft untersucht und wird in einer Aufsatzserie: Die Krise, die Lage von Industrie und Landwirtschaft, die Wirtschaftsführung, das Kreditwesen und die Kreditpolitik darstellen. Hierbei .w'ird ganz besonders die Entwicklung der Wirtschaftslage und die Aussichten für die Einwanderung beurteilt werden. Wir sind überzeugt, mit dieser Aufsatzserie einen besonders .wertvollen Beitrag zur Beurteilung der palästinensischen Auswanderungsfragen zu liefern. Die Serie beginnt mit einem Aufsatz, der die allgemeine, Problemstellung enthält: „Palästina, anders als erwartet“. (5. Beiblatt Palästinaumschau.)/ Die Schriftleitung. Vor über tausend repräsentativen Persönlichkeiten der englischen Judenheit erösfnete Anthony de Rothschild, im Dorchester Hotel in London, die Sammlung des.Council sor German Jewry. Sir Herbert Samuel als Vorsitzender des Council. Kr. Chaim W e i z m a u n als' Präsidc.A^../L5^lb:sh„ Agency sor Palestine, Viseonist De a r ft e b t und S i m o n M arks waren als Redner beteiligt. Anthony de R o t h s ch i l d w:es, wie die Jta meldet, in seiner Eröffnungsansprache aus die gegenwärtige internationale Lage und die möglichen /Auswirkungen ans das jüdische Problem hin. In einer Zeit unerhörter Schwierigkeiten, so führte er ans, treten wir hier zusammen. Es ist unnötig. Offensichtliches besonders zu betonen; der Ausgang der gegenwärtigen /internationalen Krise muß sich in irgend einer Weise ans die Frage auswirken, die wir hier -erörtern wollen. Wir beten und hoffen, daß ein befriedigender und friedlicher Weg gefunden werden kann; - ich erkläre aber, daß nichts Zweifel über die Notwendigkeit dieser Aktion wecken sollte. Wir müssei: mit der Organisierung der uns bevorstehenden Arbeit intensiv fortfahren, damit, wir wirksame Maßnahmen treffen können, sobald die politischen Verhältnisse dies erlauben. Unser Plan erstrebt den geordneten Auszug einer großen Zahl von Inden ans Tentschland nach Palästina und anderen Ländern, die bereit sind, sie aufznnehmen. Viel Geld wird benötigt, nur durch Umschulung sicherzustellen, daß die Einwohner wertvoÜe Bürger ihrer künftigen Heimat werden. Ein leitendes Prinzip wird es sein, das Geld so atiszugeben. daß einer möglichst großen Zahl von Menschen Answanderungsmöglichkeit geboten wird. Auch Sir Herbert Samuel ging, von den gegenwärtigen internationalen politischen Verhältnissen aus. Er hege die Zuversicht, daß eine Lösung dieser Schwierigkeiten gesunden werden wird. Die Konferenz werde ihre Arbeiten bis zur Erreichung ihres Zieles sortsctzen, falls nicht schwere Ereignisse Europa erschüttern ivürden. Tie Juden in Tentschland seien überzeugt, daß sie ihre Zukunft in Ländern suchen müssen, in denen ihnei, die' Möglichkcit für die Entfaltung ihrer Fähigkeiten geboten wird. Sir Herbert gab sodann Zahlen über die Einwanderung nach Palästina bekannt und meinte: Wenn im letzten Jahre 69 000 Juden in Palästina ausgenommen wurden, dann sollte es nicht unmöglich sein, daß Auswanderer ans Deutschland Jahr für Jahr in der genannten Zahl einwandern. Es ist zu hoffen, daß die übrigen in anderen Teilen, der Welt eine Heimstätte finden werden; allerdings scheint es nicht wünschenswert, die Länder, in die sie gehen werden, besonders anzusührcn. Ich hoffe, daß Möglichkeiten ausgenutzt werden können, soweit sie bestehen.^ Nachfrage nach Handwerkern besteht überall., DIU besonderer Befriedigung nehmen wir den anerkennenden Hinweis Sir Herbert S a in u c l s zur Kenntnis, daß die Judenheit Deutschlands es übernommen habe, die Aus», gaben der Umschulung, der Beförderung, der Sicherung günstiger Zulassungsbedingung und der Gewährung von Darlehen in gewissen Füllen aus eigenen Kräften zu erfüllen. Der Redner verlas ein Telegramm F e l i x Dt. W a r b n r a s. in dem die Mitarbeit der Juden Amerikas versprochen wird. Tie Arbeit werde ohne Schaffung neuer Organisationen und ohne Heranziehung eines neuen Apparates dnrchgeführt werden. Der Council werde die Rolle einer koordinierenden Körperschaft spielen. Die Geschichte unseres Volkes, erklärte Sir Herber t zum Schluß, ist wechselvvll und tragisch. Wir wissen, daß unser Stamm seine Fehler hat, wir wissen aber ebenso, daß viele seiner Mitglieder der Menschheit auf jedem Gebiet wissenschaftlicher und geistiger Arbeit hervorragende Dienste geleistet haben-. Es genüge nicht, - Sympathie zu zeigen, sondern wir müßten durch Hilfe in jeder Form zu ihrer Rettung beitragen. Dr. W e i zu: a n n wies auf die Aufnahmefähigkeit und Rechtsstellung Palästinas hin und zollte den aus Deutschland stammenden jüdischen Siedlern in Palästina Auer- , kennnng für ihre Leistungen. Sie hätten Disziplin, Ordnung und, Schulung mitgebracht. Diese Eigenschaften hätten sich bereits dttrch bedeutende Fortschritte in Landwirtschaft und Industrie ansgewirkt. Simon Marks hob die überragende Rolle Palästinas für die Auswandernngsfrage hervor und erklärte zum Schluß, der Council werde die Auswanderung von Inden aus Deutschland nach allen Ländern fördern, in denen die Aussicht aus' wirtschaftliche Existenz und freies Leben vorhanden sei, in denen die Juden ihr Haupt stolz hoch tragen können, als Angehörige einer großen und verdienstvollen Gemeinschaft. Lord Bearsted meinte, Aufgabe der Aktion-sei es, der Jugend' vor allen: zu helfen, damit sie imstande sei, später die älteren Angehörigen nachzuholen. Auch der Wunsch der Juden in Tentschland gehe dahin, daß zunächst für die Kinder und Jugendlichen Sorge getragen werde. Er richtete an die Versammlung den Appell, eine Million Pfund für die Arbeit der nächsten vier Jahre aufzubringen. Dies sei keine unmögliche Aufgabe. Etwa die Hälfte dieses Betrages sei bereits gesichert. Die ersten beiden Spenden habe man von zwei nichtjttdischen Engländern erhalten. Unsere glückliche Lage in England, schloß Lord Bearstedt, darf uns Für das Geschick unserer jüdischen Brüder in anderen Ländern nicht blind machen. 1 Ten Tank der Teilnehmer an die Deranstalter brachten Lord Reading und Nathan Laski (Manchester) zum Ausdruck. Fortsetzung umseitig

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