Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 10 (5.3.1936)
- Date
- 1936-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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C.YIeitung 5. MS nt 1936 enden 11 Hü «i Voll Dr. Margarete 8tei»I»erg Das Buch Esther gibt uns einen Ausschnitt aus dem persischen Staatsleben: es erzählt uns von der plötzlichen Gefährdung der Hilden und der ebenso plötzlichen, in jähem Umschrvung eiusetzeudeii Bettung. Inmitten dieser Palastiutrigeu.. dieser politischen und iilenschiichen Konflikte stellt die Gestalt der Füdiu Esther. die wegen ihrer Schönheit zur Gemahlin des Mönchs Ahasver erwählt wird und durch ihre Klugheit seinen Sinn in lenken iveist. so daß den ungerecht Verfolgten ihre Bechtfertigung zuteil wird. Diese ivunderbare Bettung der Wenigen, deneil Macht illir, durch ihren Glauben gegeben ward, ist von seher von den Hilden mit Dankbarkeit, in Heiterkeit, ja Ausgelassenheit gefeiert worden.'/ Dementsprechend haben die bildlichen Darstellungen in den Esther-Bollen - - die meisten sind im 10. bis 18. Jahrhundert i» 'vtnlicu. Frankreich. Holland entstanden — auch eine heitere, humoristische Note. Sie sind schlver zeitlich lind lokal einzuordnen. es ist auch schlver festzustellen. inwieweit neben dem Berufskünstler der Dilettant beteiligt ivar: eS ist eine Volkskunst mit.ihren spezifischen Vorzügen: ansprechend durch Frische und naive Schlagkraft der Gestaltung. Die früheste bisher bekannte Esther-Bolle stammt aus dem lü. Fahrhundert: aber schon 000 Dl ah re vorher hat die christliche.Kunst die Geschichte von Esther in den Zyklus ihrer bildlichen Darstelliulgen aufgenvminen. Sie gehört zu den Themen des alten Testaments, die das Mittelalter als prophetische Sinnbilder für Geschehnisse des Neuen Testaments auffastt uild neben diesen bildlich darstellt, als Vorbereitung neben der - Ersüllnng. Esther! die zur Königin erhoben wird, gilt als Symbol für Maria? die zur Himmelskönigin erhoben ivird. .Esther-als.'Fürsprecherin der ^uden vor dem König kündet Ntaria an. die aiS Sachwaltern; der Vtenschlieit vor Gott austritt. Fn diesem Sinne findet sich Esther auch inehriach als. sinnbildliche Heldin als Einzelügur: C a st a g n o hat sie seiner Beihe berühmter Männer und grauen in S. Apollonia in Florenz eingerciht und in B ii r g k ni a i r s. Holzschnitt . bildet sie mit Fudilh;u;d Fael das Gegenstück zu neuen Männern, die traditionell als ..gute Helden" geführt werden. Auch in der Käthed r a l e n p l a st ick ivird unter diesem Gesichtspunkt die Geschichte Esthers erzählt, z. B. im ck-i. Jahrhundert in Chartres in fünf "Diese frühen Darstellungen auch in den Bibelillustrativnen werden nur um des Sachinhalts nullen gegeben, ohne Rücksicht auf besondere bildliche Eignung. Hingegen kommt man in eine ganz andere Sphäre des künstlerischen Wollens bei .dem bekannten Bilde von Konrad Witz: Esther findet Gnade vor den Augen des Ä!,asver. Für Witz ist das Thema nur Anlast: sein Hauptinteresse gilt der körperlichen Eristenz. die er in plastischer -Klarheit in; Baum entwickelt und durch naliiralistische Details zur .uumittelbaren Gegemvart steigert. Er setzt sich weder erzählend noch ethisch wertend mit dem Fnhalt auseinander, darum verzichtet er auf Charakterisierung und.Schönfärbung. Allenfalls kann man Esther den Ausdruck einer, gewissen zärtlichen Scheu znerkennen, der aber mehr aus der Tradition der frühen deutschen Blalerei als aus persönlichen Empfinden stammt: Ahasver ist in keiner Weise als beachtenswerte Persönlichkeit gekennzeichnet. Eine besondere Entwicklung hat das Thema in t a licn erfahren. Populär wird es zuerst durch die geistlichen Sc1,auspiele. die diese Begebenheit wie viele andere sakrale Stoffe für ihren Zweck ümformen. Eine . weitere Poplilarisierung bringen die sogenannten Cassvnebilder: Bilder ans den Hochzeitstruhen. Akeiclie F-lvrentil;erinnei; liesten sich die Truhen, die ihre Ausstattung enthielten, mit beziehungsreichen Bildern schmücken, und es lag nahe. Szenen aus dem Leben besonderer grauen dafür zu .wählen. So gibt es reizende Esther-Bilder dieser Herkunft aus dem -Kreis um Botticelli. "AKit religiöser Malerei haben sie nichts zu tun: sie wollen in keiner Weise Andacht erwecken, nur erzählen, auch didaktisch wirken, denn mit Nachdruck werden Estheis Tugenden betont, die jeder Ehefrau gut anstehen. Sie ist schön und demütig. aber sie ist auch mutig und entschlossen, denn sie geht, obgleich es bei Todesstrafe verboten ist, in den Palast des Ahasver, um ihr Volk zu retten. Sie ist auch klug und besonnen, und man malt sie vordem Palasttvr noch einmal erwägend, an den Fingern die Punkte zählend, die sie Zur Erreichung ihres hohen Zweckes Vorbringen must. Der ganze Stoff wird episodisch ausgebreitet. in Einzelszenen zerlegt, liebevoll ansgespvnnen und durch Uebertragung in die eigene Lebenssphäre noch besonders vergegenwärtigt und popularisiert/- Es ist eine italienische F-rühlingslandschaft mit der Zartheit und Grazie. die die Fruhrenaissancemaler in ihr gefunden haben: es ist ein Palazzo mit gewölbten Hallen und Treppen, mit vergoldeten Sopraporten und anderem antiken Detail, und Akteure und Statisten sind modische Erscheinungen. Dabei halt maik sich ziemlich genau an die tertlichen Unterlagen des Buches Esther, zieht auch gelegentlich die apokryphen Stücke zu Esther mit heran- - was auch in der späteren .Kunst vorkvmmt —, in denen die Situation dramatischer zugespitzt ist: Esther sinkt ohnmächtig aus den Thrviistufen/zusammen, und Ahasver eilt ihr bestürzt entgegen. Die weiteren italienischen Darstellungen in Malerei und Graphik behalten diesen Zug zum Groß-Dekorativen. Seinen eigenen Weg geht Michelangelo. der im alten Testament immer nur von dem Gewaltigen und Schreckhaften gepackt ivird. Er gibt eine -Konzentration der Handlung in.spannender D.ramatik. Drei Szenen nebeneinander bilden die Angelpunkte. nicht mit illustrativer^Genauigkeit - von dem .Königspalast in..Susa sieht man ynr eine karge Tafel und Ahasvers kahles Schlafgemach: die Szenen gehören räumlich nicht zusammen und sind auch nicht in epischer Folgerichtigkeit ablesbar. -Kein episodisches Beiiverk verkleinert das Schicksal dieser Michelangeloschen Heroen, die gewaltig sind im.Tun und im Leiden: auch Hainau am Galgen ist nicht der Bilderbuchbösewicht. sondern der gekreuzigte Titan, der sich mit übermenschlichen Kräften wehrt. Die venezianischen Maler lassen sich das Thema als Borivand zu großartigen Bepräsentationsstückeu niclst ^.entgehen: die Szene - - ineist ist es Esthers Envählung durch die Berührung.von Ahasvers Szepter - ist nicht biblisch charakterisiert. überhaupt fehlt die Deutlichmachiing einer besonderen Situation und einer besonderen seelischen Einstellniig. -Aber B e r v n e s e verdankt gerade diesen Esther-Darstellungen den Anfang seines künst- . lerischen Aufstiegs, weil er Venedigs ganze Pracht in ihnen herausbesclhvört. die vertrauten. Architekturen ----- innen und ansten die bekannten Persönlichkeiten nnd vor allem die schöne'Venezianerin in ihrer träumerischen. Lässigkeit. Schon, etiva r>0 Fall re früher hatte Hans B u r g k m a i r den persischen -Königspalast nach Venedig veklegt: er verwendet seine persönlichen Erlnnerninzen an die damals -noch stark orientalisch gefärbte Stadt bei Architektur nnd Trachten; aber der iveit in die Tiefe führende Üfnum wirkt kühl nnd er. .rechnet, trotz des Prnnkens .mit kostbarem antiken Detail fehlt der Schivnng nnd die Pracht des Ganzen, die - - allerdings zivei Generationen später - - den Dekorations. genies in Venedig gelungen ist. Bepoclcr haben bcriclitet. und Begissenie l>aben ein Bild gestellt: ein? Poet —~ 'K e m b r a n d t -- gibt den seelischen Kern der Handlung »nd den Stiminnngsgehalt. Y«emb;ai;dt Iiat.die le° bensnahen Gescliichten des alten Testaments immer'mit besonderer Wärme gestaltet. Die .Lokalfarbe ivar ihm durch unmittelbare Anscliaunng vertrant: er kannte jüdisthe Typei; aus seiner Ilmgebung und orientalisches Fn° ventar durclj feine Sammelpassivn. Er hat Esther ziveimal gemalt, in seinem letzten Fahrzehnt.-, ivv er auf äußere Bielialtigkeik und dramatische Pointieruliss verzichtet. Er verzichtet auch in der.Komposition auf alles, was ilim in seiner Frühzeit interessant schien, auf Uebcrscliueidungen und Verkürznnge».. aiif überraschende Führungen und Spiegelnngen des Lichts. z'lhasver. bstlier and Haman sitzen beim Biiihl. die Horizontale des Tasches gibt das Gerüst des Bildes: drei Vienickzen in verhalteiier Stimnning. Esthers Anklage gegen Haman stelzt unniittelbar bevor. man fülstt-die Spannung nur durch die von der Eiüpfindung eingegebeiie Körperhaltuiig und Gebärde. Das Ganze ist qehullt in einen märclieuhaften Lrientalismiis.- Eine ziveite Gruppe dieser drei Meüschen gibt in gleiclier Weile das Wesentliche einer gespannten Situation, die psiichologisäie Tifserenzierling bei. größter!>iuhe im. Aeusteren,, Bildmästigen. . hfeinbrgndtSclniler haben' die Geicl>iel>ten um Estlier mit b-orliebe ioeiler gemlirt: sie reizt vor allem der z hi über des Lrients. den sie allerdings stark vcränsterlicl>en nnd nur ini Sinne des optisch-malerisch Fnteresfanleii ansiverten. Das Bncl> Estl,ers ist in seiner Vernnckelnng iind hbirruis ein Stuck Leben.-an den; viele beteiligt find. Eftlzer steht im ->!eillel- Pniikt. «iber sie l)«it nüclitige V,.il> nnd Gegen- J-Mher sdmkr Jcm M„r,l,u )uu .-ml-n lhuT\ l'orau. St'jtsbihhnllu-h. -,s/,1,,'sJu- A:in;l, 1 5. Jahrlunuh il spieler. es gibt d.il,er amh viele Fll>if!r>iti«'nen zum Buche Eftl,er--. in denen sie ,ii«h! da.ig,'- stellt ist. Scl,on. dieHVorgesll>ici,>«' mied ge-- scliildert. Al>asvers erste lüatlin 'VaUIji ioe>- gert fiel; bei feiiien, '>ii,i!)l zu ericlielnen. dar auf Aliasver-inb V,vrn bei A«irt b««n G e l - de r eine Einzelfignr i„iI in.iL>iiir11er Wal nnd geballter Faust. Tel,r oft gemalt ivird Ahasvers fchlailoie Aachl. in .derflu,r aus «der Clirouik vorgeleien .ivird-. daß (vfMhm- L l,ciin Mrdochai fein-Lebe>> g«'ieltet l>a>: darniniiin. lvirdV!ardocl;ai im Li-ininph diirch oie 2 11«ifjOu Oben links „Königin (..-«,,//</<- ron Andrea de! Caslagno. 1410 1457. () h :e n rech t s: ..Esther auf dem U Gemälde ron l'dippitw /.tppi. 14 59 1514 U n len. ron links na. h re, hts :■ ..A Innrer „s „nd-Haman heim Mahle der Esther". Gemälde ron K-ml-randl. 1606- 1669. — ..Esther und AhinnenGemälde. Eon Korund UAtz. 141«... /447. . - ..IGihe, und ■ lianum". Gemälde ron jod GiIb-pas.