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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-27 · 9 (27.2.1936) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Buch der Bücher Du schönster Trost, den. nur das Wort verleiht.. Das im Gesellriebnen ewig sich besiegelt; Unsterblich Werk, das die Vergangenheit Der Ahnen uns kristallen wiederspiegelt! Du*.zeitenlos wie der Gestirne Lauf! Von deinen Seiten steigen die Gesichter Der weisen Alten urlebendig auf: Buch der Propheten,'Könige und Richter. . Dazwischen tönl’.s wie dunkler Cynibelklaug,- ■ Von feierlichen Händen.-angeschlagen: In Salonionis schönstem. Hochgesang, , ' Wie er verkündet ward zu jenen Tagen. ' Doch öfter noch hallt niüder Harkenton Der Wehmut aus verborgner Tiefe wider: Des David Trauer um den toten Sohn, Und Jeremiae dumpfe Klagelieder , , , , Du frommes Buch — wir blättern zögernd um .Und seh’n Jahrtausende vorübergleiten. Es weht ein Geist von hohem Menschentum Aus den vergilbten, abgegriffnen Seiten. Du bleibst in deiner strengen Eigenart Der Menschheit eherner Gesetzeswächter, Und trägst in unsre ernste Gegenwart Den Glanz und Ruhm versunkener Geschlechter. Unsterblich Werk — unsterblich Dokument, Grab' dich der Nachwelt tönend ins Gedächtnis, Du Buch der Bücher — Altes Testament, Und s.ei uns Enkeln heiligstes Vermächtnis! Edith L. Meyer. Ililllllll[ll!ll!ll!llil!llll!lllll!lilil!ll!lll!l!l!lllilll!ilillll!lll!l!ll!lll|||||||!lllllllllillllilll|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||i|||!l||||!| viel Aufsehen erregte; und der Kaiser forderte nun Iosel ans, dem Konvertiten vor dem Reichstag zu antworten. Diese Widerlegung gelang derart, das; der Kaiser für den 25. Juli eine öffentliche Disputation anordriete, während welcher Iosel die Kommission von der Hinfälligkeit der Argumente Margaritas überzeugte, so daß dieser gefangengesetzt und dann aus Angsbürg verwiesen wurde. - Jetzt hatte es Iosel leichter, ein grundlegendes Privileg vom Kaiser zu erhalten, und der Kaiser wiederum hatte es gegen Fürsten und Städte leid)ter, dies Privileg zu geben. Iosel schlug als Grundlage die überaus humane Satzung vor, die vor mehr als hundert Jahren Kaiser Sigismund den elsässischen Juden verliehen hatte. Ties Privileg, in dem es unter anderem heißt: „Ihr Leib und butt soll, überall besd)irmt sein, alle Straßen sollen ihnen offen sein; sie sollen dieselben Freiheiten und Gnaden genießen wie die Christen" wurde nun für die gesamte Judenheit erneuert, „damit sie hinfüro im Heiligen Reich desto ruhiger sitzen, bleiben und wohnen mögen". Aber auch hiermit war Iosels Tätigkeit auf dem Augsburger Reichstag noch nielit beendet. In dieser Zeit des Früh, kapital ismus und des Niedergangs von Zünften und Klein- Handel war das Problem des jüdischen Zinsgeschästs zum Kernpunkt der damaligen Judensrage geworden. Deshalb wollte Iosel jenes in den dauernden Anklagen gegen die Juden wegen Wuchers immer brennender werdende Problem gleich hier auf dem Reichstag einheitlieh für die Judenschaft des ganzen Reiches klären und rechtsverbindlich festlegen. Er berief also zu diesem allgemeinen Reichstag einen besonderen jüdischen Reichstag nach Augsburg; und die Parnomm und Rabbinen kamen „von viel Orten und Enden" herbei. um. eine „geziemende. ehrbare Ordnung und Satzung aufzustellcn". Als ^osel nun die Bestätigung des großen Judenprivilegs vom 12.August erhalten hatte.' nahm, er mit den inzwischen erschienenen jüdischen Borstehern aus ganz Deutschland die Formulierung von zehn Artikeln vor, die den Gechäftsverkehr zwischen Juden und Ehristcn anis genaueste regelten. Diese zehn Punkte der berühmten Augsburger Iudcnordnung wurden dem Reichstag mit einer feierlichen Erklärung vorgelegt; sie. wurden bestätigt, von Iosel unterschrieben und. gesiegelt und den jüdiscl)en Gemeinden üborinittett, — wie. noch heute ein Exemplar im Staatsardziv zu Stuttgart liegt. Iosel hatte-benn Kaiser viel' erreicht, aber er wußte sehr wähl, die Grenzen. des' Möglichen in seiner'Sackie zu erkennen:. Dies zeigte sieli.-als zweiJahrc später zum Reichstag von Regens-- burg die^ messianisd)en jüdischen. Sd)wärmer Reubeni und sJJioid)o mit fliegenden Fahnen und großer Dienerschaft dzeran- - rückten, um dem Kaiser ihren Plan zur Bewaffnung der von messianischen Hoffnungen bewegten europäischen Judenschaft, zwecks Bekämpfung der Türken und Rückkehr ins Land der Väter zu unterbreiten. Iosel war vom kaiserlichen Erbmarschall nach Regensburg vvrgeladen, um - „als der Judensckiast in tent'chen Landen Oberster us gewalt und bevelck) kais. Atajestät allhie auf diesem Reidjstag seinen Handel und Sackzen auszuwarten", und er kannte den mißtrauischen, bereits verbitterten . Kaiser gut genug, um zu wisseü. daß der von allen Seiten bedrohte Herrsdzer sich keinesfalls auf dies Abenteuer einlassen würde. Iosel schickte deshalb aus Regensburg dem als Messias begrüßten Awlchy einen warnenden Brief entgegen, daß „er nicht das Herz des Kaisers, errege und ihn nickst das große Feuer verzehre". Als sich Molcho aber nickst zurückhalten ließ, da entfernte sick) Iosel aus Regensburg, damit der Kaiser nicht sage, „seine Hand sei mit Molcho im Werke". Und Iosel hatte' den Lauf der Ereignisse richtig vorausgesehen. Der Kaiser fürdstete, daß eine messianische bewaffnete Bewegung zu Aufständen und vielleicht gar zu einem Bündnis zivisdien Juden und Türken führen könne. Er ließ Reubeni und Molckio scst- .nehmen; Molcho wurde dem „großen Feuer", dem Sckjeiter- ' häufen, übergeben, und Reubeni verkam in südeuropäischen Kerkern. Tie Judenschaft im Reick) aber war gerettet. Tie schwierigsten Auseinandersetzungen seines Lebens hätte Iosel mit der Reformation. Luther hatte die Judenfrage in ihrer damaligen Gestalt scharf erkannt und gedachte sie zunächst durck) Besserung der wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse der Juden und die Massentause zu lösen. Nachdem dieser Plan sich als undurchführbar erwiesen hatte, wandte sich der große Reformator heftig gegen die Juden. Und als Iosel die Ausweisung der Juden aus Sachsen 1537 durch Fürsprache beim Kurfürsten verhindern und mit einigen zur Milde ratenden Empfehlungsschreiben des Straßburger Rats ' und der Straßburger Reformatoren Capito nnd Butzer in der Nähe von Meißen Luther anssuchen wollte, da wies dieser ihn mit einem herben Brief ab. Doch zwei Jahre später, aus dem Frankfurter Fürstentag. hatte Iosel ein Erlebnis, das ihm als „Wunder über Wunder" galt. Iosel war hier zur öffentlichen Disputation vor-den deutschen Fürsten erschienen; da trat ihm der Praeceptor Gennaniae, der von allen Seiten hochgeachtete Melancksthon, zur Seite-und erklärte auf Grund von unanfechtbaren Zeugenaussagen, daß die der Hostienschändung angeklagten, l510 in Berlin verbräunten 40 Juden ihr Schicksal unschuldig erlitten hätten. Diese Erklärung erfolgte unter allgemeiner Bewegung in Gegenwart des Kurfürsten von Sachsen und des seither'den Juden wohlgesinnten Kurfürsten Joack)im II. von Brandenburg, dessen Vater dies Urteil hatte vollstrecken Als' der Elsässer Butzer und 1543 Luther ihre Schriften gegen die Juden veröffentlicht hatten, unter deren Eindruck die Bevölkerung und manche Fürsten, namentlich der Landgraf des benachbarten Hessen, heftig Stellung gegen die Juden nahmen, da . übersandte Iosel den hessischen Glaubcnsbrüdern ein Trostbüchlein und dem Rat von Straßburg zur Prüfung eine Abschrift sowie nacheinander einige Verteidigungsschriften, deren beschwörender Ton zeigt,' wie sehr Iosel besorgt war, daß nun vielleidst dock) noch das Sckstcksal, das er durck) jahrzehntelange Bemühungen aus katholischer Seite abgewendet hatte, nun vml der anderen Seite her die Juden treffen tonne. Er wandte stch deshalb mit um so größerem Eifer dem Kaiser zu und erlangte schon im'nächsten-Jahr aus dem Reichstag zu Speher das vielleidst entgegenkommendste Privileg, das vor der Emanzipationszcit den Juden gegeben wurde. Mit einer Spitze gegen die Fürsten des Schnmlkaldischen Bundes, die zur kriegerisdien Auseinandersetzung mit dem Kaiser rüsteten, ordnet Karl V. an, daß die Juden, and) Shnagogen und Sckiulcn, durck) die Obrigkeit zu schützen seien und keinerlei Austreibung mehr stattfinden. dürfe; das Zinsnehmen wird den Juden gestattet unter einer, Begründung, die.' fast wörtlich, mit einer Stelle, jenes Trost- Büchleins für die fjcffifcfjen Gläubensbrüder übereinstimmt. Iosel erhielt schließlich sogar ein besonderes Edikt des . Kaisers gegen Ritualmordprozesse, das sick) auf frühere kaiserlick)e und Päpstliche Gutachten stützte. ä . ' Man sieht, wie sehr die Persönlichkeit Iosels damals das ’ Schicksal der Juden in Deutschland bestimmt hat. Vielmals vorher und nack)her veranlatzt'e er . den. .Kaiser, die Juden-, Privilegien zu bestätigen,-und während des Schmalkaldischen Kriegs erläßt auf Iosels Bitten der Kaiser vollends ein- Edikt, das'jedem Soldaten der kaiserlichen Heere, der sich an Juden vergeht, die Todesstrafe androlst. Zu dieser Zeit ist Iosel bereits ein Mann von siebzig Jahren. Aber and) im Greifenalter erlahmte seine Tatkraft nid)t. Nock) als Fünfundsiebzigjähriger schloß er mit den Herrschern-von Württemberg und von Bayern, deren . Gebiete kein Jude betreten durste, in Persönlichen Verhandlungen Verträge über das Turdizngsrecht der Juden, und mitten in lebhaft geführten Verhandlungen über das Aufenthaltsrecht der Juden in Tangolsheim brachte der Tod seine Stimme zum Schweigen. - In den.Memorialbüchern einiger kleinen Gemeinden lebten Iosels lange Zeit fast ganz vergessenen Verdienste, mit rührender Sachlichkeit und Verehrung aufgezählt, durck) die Jahr-. Hunderte weiter. Aber erst die jüdische Wissenschaft am Ende des vorigen Jahrhunderts — namentlich der junge Gelehrte Ludwig Feilchensetd.der über dieser Arbeit starb. — hat aus den Archiven vorwiegend elsässischer und südwestdeutschcr Städte jene zahlreichen Dokumente ans Licht gebracht/ aus denen sich, historisch bis in die Einzelheiten belegbar, das. großartige Bild, der Lebensarbeit und Persönlichkeit Iosels von Rosheim zusammensetzen läßt. kALENDER März 1936 Adar 5696 5. Donnerstag 11. Taaniss Esther 7. Sonnabend 13. Wochenabschnitt: Tezawweh 2. B. M. ,27,20-30,U'. Poroschass Sochaur 5. B. , M. 25,17—1» Haftara: 1 Sam. 15,2-34 8. Sonntag 13. Purim 14. Sonnabend 20. Wochenabschnitt; Ki Tisso 2. B. M. 30,11-34,35 Poroschass Poroh 4.8. M. 19 Haftara: Ez. 36,16-36 21. Sonnabend 27. WochenabschnittiWajakhel, Pekude 2. B. M. 35—40 Poroschass Hachaudesch 2. B. M. 12,1-20 Haftara: Ez. 45,18-46,1« Neumondsweihe 23. Montag 29. Jaum Kippur Koton Nissan 5696 24. Dienstag 1. Rausch Chäudesch 28. Sonnabend 5. Wochenabschnitt: Wajikro 3. B. M. 1—5 Haftara: Jes. 43,21-44,23 Vaters Buch Von Carry van Brüggen Ist Vater nicht zu Haus? Kommt Vater nick)t zu Tischt 'Nein. . . Vater ist nack) der großen Stadt. Das kommt oster vor, aber heute hat es einen-besonderen Grund. Die Kinder sehen es, sie fühlen es. . . Vtutter brauck)t nickits mehr zu sagen, sie keimen Müllers Gesickst. Es ist bestinunt eilt angenehmer Grund. .Aber was wohl? Vater ist dock) jetzt nock)-nicht in die Stadt gegangen, um Feigen uub Datteln lind Trauben und. Mandel» für das bevorstehende Fest im nächsten Monat zn kanfen? 'Nein, 'Mntters - Gesick)t läckielt versclimitzt. -Oh, trat es vielleicht etwas zu tun mit dem, was in den letzten Monaten im Hause geschehen ist und was sie nicht wissen dursten? Abend für Abend, saß Vater allein im Pvrderzimmer, und sie dursten nicht hereinkommen, nicht stören, aber doch haben sie, draußen spielend, manchmal durch das Fenster gesehen, wie Vater am Tisch saß - und immerfort auf großen Bogen schrieb . . . und ein paarmal haben sie Mutter Hercinkommen und über Vaters Schultern auf das Papier blicken sehen, aber seit einer Woche hat Vater nickits mehr des Abends geschrieben. nicht wahr, Mutter? Ja. das ist so und es hat auch damit zu tun. daß Vater heute nach der Stadt gegangen ist. das selten sie Mutter am Gesicht au. Aber was I,at es zu bedeutenk Vater lwt ein Buch gesckiriebcn. sagt die Mutter. Ein wirtliclies Buck), zuäl Lesenk In. und veraauaene Wvcl,e war es fertig, und da hat Vater es eiugepackl imt> iu die" Stadt gesel>ickt. Und heute morgen kam ein Brief, gerade als sie zur Slhnle gegangenwaren, und'Vater ist mit dem Dampfer um zehn Uhr fortgefahren nub kommt heute nachmittag mit dem Schiss von halb seckts zurück. DH, was möchten die Kinder fetzt alles auf einmal fragen, die Brust ist ihnen bis zum Zerspringen voll, aber da sie alles zugleid) fragen wollen, fragen sie nicksts. Stocksteif stehen sie da und blicken einander an. Vater hat ein Buck) geschrieben . . . Daß Vater ltnglaitblid) tüdstig ist, das wußten sie — wie könnte Vater sonst vier Benife Haben? --- aber ein Buch, ein Buck) — Und was für ein Buck). Mutter? Und kommt cs hier ins Haus und dürfen wir es lesen? Ja', jede Wockje kommt ein Teil davon ins Haus, in der „Jüdischen Wockjenschrist", denn es ist eine Erzählung in Fortsetzungen. Oh, und wovon handelt es? Ist es sck)ön, MutterD Ja, es ist sehr sck)öu'. Mutter., hat darüber?.eweint, denn cs ist sehr ergreifend. Mutter oll dock) bitte etwas erzählem was in dem Buck) vorkommt. Ihre Herzen zittern, cs wird plötzlick) ganz still im Zimmer. Nun denn, beginnt die Atutter> zögernd, in Vaters Rvlnan kommt ein vornehmer christlickier Herr vor, der nicht will, daß seiiz Sohn Älonzo die Tochter von Rabbi-Salomo».den Adaza heiratet. Aber Alonzo will Jude werden, und sogar Rabbiner cmd er liest im . Talmud alle Abende mit Rabbi Salomvn. Und Rabbi Salomon lieft den Talnrnd bis tief in die Nack)t. Dann ist die ganze Welt still . . . und so Hort er die Näuber,^ die in der dunklen Straße hinter seinem Hause - flüstern: er hört, daß sie den Vater von Alonzo überfallen und berauben und ermorden wollen, und der Vater von Alonzo ist fein erbitterter Feind, der..hatte'Rabbi Sälomon vor dem Gerickst angeklagt. Aber nnn ist sein Leben in Gefahr und 'auch das von seiner Frau. Ta geht Rabbi Salomon auf die Straße lind eilt nach dem'Hause'des Edelnmnnes-und-weckt-ilvi gerade red)tzeitig, 'öennche Banditen find bereits auf einem kürzeren Wege angelaugt, und nun werden sie alle gesangeugenommen. Ja, aber Alonzo? Durfte er dann Jude werden? Durste er Rebekka heiraten? Wurden Rabbi Salomon und der Edelmann später gute Freunde? Ja, alles kam in Ordnung, nur die stolze Mutter konnte es nick)t versck)merzen und sie starb vor Wut und Empörung. Und das alles'steht in Vaters Buch und nock) viel mehr, was Mutter nickst so schnell erzählen kann. Und ist es denn alles wahr? Ja, es ist sehr lange her, in alter Zeit, da hat sick) das alles zugetragen in einer Stadt in Spanien, die Zaragofsa heißt. Wieder sind die Kinder ganz still, schlucken und atmen tief, und noch, als die Atnttcr längst wieder an ihre Hausarbeit gegangen ist, müssen beide, der Junge chnd das Vtädck)cn, an die schöne Gesckiichte von Vater denken, an die Stadt mit dem präck)tigen Namen und an den edlen Rabbiner. Ja, Vater kann viel . . . Hat er nicht unlängst _airdi_etwas_dür, die Zeitung gesckiriebcn, gegen einen Professor, es handelte von der Scheck)ita, und der Professor hatte etwas dagegen geschrieben. Sie haben über alles etwas zu sagen, meint Vater, und sie wissen nid)ts davon, vielleick)t. keine fünfundzwanzig von den sechsliundertunddreizehn Ge- und Verboten kennen sic, sie tun cs nur, um wieder einmal etwas einwenden zu können. Für dcN Artiekl über die Sdjeckiita haben sic jeder einen Gr'osck)en von Vater'bckommen, für das Absd)rciben, jeder abwcck)sclnd eine Seite, schön geschrieben mußte es sein, und cs kamen Vine Vtenge fremder und sck)wieriger Wörter darin vor. " - . „Nun hat Vater fünf Berirfe". sagt der Knabe zu seiner Sckiwester. „Fünf?" „Ja. Denn erstens ist Vater Schäumer des Rabbinats, für die Bauern, die kosck)ercn Käse mack)en. Da geht Vater hin, und cx. kommt zu unerwarteten Zeiten, um zu sehen, ob sie keinen „wrongel" für den Käse gcbrauckieu. denn mrnngek ist aus einem Kalbsmagen, und Ulan darf' llatürlick) keni FteisckVnnt' Mild) vermengen. D-arum ist treisener Käse dann and) treife. . . Nun kannst du sehen, wieviel Vertrauen der Oberrabbincr zu Vater hat, ohne Vater äßen die Leute in der Stadt vielleidst gar treiseucn Käse. Zweitens ist Vater- Vertreter. In dem Lberzimmer Hinter dem Laden von Zadok Krant, der nun tot ist, stehen die Kisten mit den sck)önen und gewöhnlickien Tefillin lind jüdischen Bückzern, die Kartons mit teuren und billigen Tallisim. mit den arbang-kanfus, den viereckigen Tück)ern für Feiertag und Alltag, .und den Päckchcil weißer und farbiger Havdolo-Kerzcn, die die Leute einander schenken wollen, und die sic darum bei' Vater aussuck)eu. Vater ist kein Ladenbesitzer. Vater ist. Vertreter, und es ist Vaters zweiter Beruf, und dadurck) hat Vater auch seinen dritten Beruf bekommen. Tenn seitdem Zadok Kraut gestorben ist, führt Vater der alten Frau die. Bücher. Das sind die Bück)er. die aus den Ladentisck)en liegen, die dicken Bück)er mit roten .lind blacien Linien lind sdirecklick) viel Zahlen. Solckze Bücher werden nid)t gesck)rieben. sondern „geführt", und das tut Vater für Frau Krant, das ist sein dritter Beruf. Viertens ist Vater nock) Sekretär. Manckjmal muß er mit-.-Briefen zu dem reichen Herrn Israels und auf Antwort warten. In den offenen Platz, den Vater frei ließ, sckireibt er dann: „I. Israels, Vorsitzender." Aber Vater sck)reibt viel schöner ..." - Und als Btuttcr wieder hcreinkommt, fragt das Töd)terck)'cn sie. ob Vater nun wirklick) fünf Berufe hat statt vier. „Vier?", - fragt die Alutter und steht mit der Schüssel voll Eiern in der Hand still. „Alles, was der Mensch tut, nennt inair noch, keinen Bevuf. Schamner sein, ist ein Amt. Und ein Buck) schreiben — nun, ein Beruf ist cs 'in jedem Falle nicht." Also bekommt Vater auch kein Geld dafür? O ja, das sckion, das hofft lUcuttcr zum mindesten stark, es würde sogar sdirecklick) sein, wenn Vater kein Geld dafür bekäme. „Viel Geld, Vtuttcr, und bringt Vater das heute abend mit?^—- Mutter^kommt aus halbem Wege zurück, stellt die Schüssel auf den Tisck) nnd bleibt dabei stehen. Das ist nun gerade die große Magister Kirsch cter gute Likör, Magister Mönchan VII

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