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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-20 · 8 (20.2.1936) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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William I. Lhroders (Cincinnati), des. Präsidenten des Nativnalrats, lzctraqen, der auf Grund seiner Kenntnis der Lage im Lande versicherte, daß die benötigten nnßerordentlichen Sunnnen beschnift werden könnten. OrS kvnune nur daraus all. den Willen zum Geben noch zu stärken: „Ich persönlich denke, wir könnten LFe Spenden verdoppeln, ohne das Kapital anzngreifen. Aber falls wir doch vom Vermögen nehmen müssen, ehe das Problem der Juden aus Deutschland gelost ist, so haben wir eben auch diese.Mop- . lichkeit ins Auge zu fassen." Rach solchen Worten war es-nur selbstverständlich, daß die Delegierten sich, zn einer Resolution zu» sammensanden. deren Fernsatz tautet: „Wir müssen geben wie nie zuvor, und nicht nur Geld, sondern auch menschlichen Beistand." Au dem guten Willen kann also niemand zweifeln. Alan ist entschlossen --- der englische Delegierte Marks hat das in Washington sehr lebhaft betont —, einen völligen Zusammenbruch des Judentums in Deutschland, einen ungeordneten Abzug in benachbarte Länder zu verhüten. Tausende mittellos umhcrirrender Inden würden ja nur Propagandastvif für Antisemitismus bilden, meinte Marks, 'Aber wie soll inan das ungeheure Problem praktisch anpacken'k Von allen Seiten ivnrde immer wieder betont. daß ein Transfer jüdischen Vermögens nach palästinensischem Beispiel nicht in Frage kommen könne. Die ganze Hilfsaktion darf tmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiui Die Berliner jüdische Gemeinde zum Mord von Davos In Ar. 6 des Geme'indeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war eine Erklärung enthallen. in der die schärfste 'Verurteilung des an dem 2andesgruppenleiter der NSTAP in der Schweiz. 2llilhetm Gnstlvfs, verübten Atordes aliSgesprochen wird. Ans Veranlassung des Geincindevvrstandes ist in den Sabbat-Gottesdiensten der vergangenen Woche auch von den Kanzeln herab der 'Abscheu vor der Tat nachdrücklich bekundet worden, die in unüberbrückbarem Gegensatz zu den Lehren der jüdischen Religion wie zu der Ethik des Judentums steht. i überhaupt nicht dahin verstanden werden, daß man Kapitalisten eine güte Gelegenheit schassen möchte, ihr Geld zu retten. Wie ein roter Faden zieht sieh durch alle Besprechungen der Gedanke, daß der m e n s ch l i ch e und nicht der materialistische Gesichtspunkt zu entscheiden habe: ob reich, ob arm. darf in solcher Stunde keine Rolle spielen. Das Projekt bezweckt in erster Linie die Umpflanzung von 100 000 jungen Juden aus Deutschland; diese sollen in die Lage versetzt werden, allmählich auch Allgehörige Nachkommen zu lassen. Man ist sich hier klar darüber, daß Menschen jellseits der Fnnfundd.reißig oder Vierzig oft nicht mehr die Elastizität haben, die zllin Aufball einer neuen Eristenz in fremdem Lande linentbchrlich ist. Diese Hunderttausend ans der jüngeren Generation sind natürlich nur in Etappen nnterzllbringen; man rechnet damit, daß es immerhin im Lause von.etwa vier bis fünf Jahren möglich sein.wird, dieseUmsiedlung durch-. zusühren. Ntindestens die Hälfte gedenkt man in Palästina auzusiedeln. wenn möglich. noch iilehr. Sir Herbert lvar in dieser Richtung sehr optimistisch. Aber auch in den Bereinigten Staaten hofft man — im Nahmen der Eiilwailderungsbestilnmllllgen natürlich — eine größere 'Anzahl deutscher Immigrantcn anszunehmen; hilflose Kinder, so etwa heißt es in der Entschließung van St. Lollis, sollen ein Heim finden, sür^Me^ Erwachsenen gilt es Arbeit zu schassen, um sic zu befähigen, ein ileues Leben voller Selbstachtung und Zuversicht zu beginnen. Inwielveit Südaiilerika als Auffaugbecken in Frage kommt, blieb bei den Besprechlliigen noch unentschiedeil. Sir Herbert Sainliel versicherte übrigens, daß die britische Regierung nicht nur in ihrer Eigenschaft als Palästina. Mandatar, sondern auct, in ailderen Teilen des Weltrciclies ihr Wolstivollen für de» Plan bcivcisen würde: Diese Zusage ist .... mitürluli von alißerordentlichem Ellert. Wie denkt mau sich nun die Finanzierung des ganzen Projektes* Beim besten Willen lall» man jetzt nocl, keine endgültige Slnnme errechneil. Immerliin riciitet man sich an> einen Betrag von etiva sünizepn tzNillionen Dollars ein. Davon hätte das europäische Indentunl. das--I-u-isjt in erster Liilie dirs-englische. fünf 'Millionen z:: übernelnnen. lvahrerid ans die Amerikaner als die bei weitem reichste jildiietze Gemeinschatt zehn Biill innen entfallen. Lord Bearsted hat bereits, wie bekannt. eine halbe Million zur Verfügung gestellt: sein Freund 'Marls drückte die wohl etivas kühne Hojfntlng aus. es mölhtcn sicii iil 'Amerika dreißig Vcänner finden, die Schlag auf Schlag große Summen zeichneten. Immerhin hält man es für möglich, noch in diesem Jahre mindestens fünf Millionen Dollars in den Vereinigten Staaten zu - mobilisieren; innerhalb der höheren Einkommensgruppen, seien llvch mehr als zehntausend Juden, die sich bisher an-Wohlfahrtsaktioileu nicht beteiligt hätten, .und die ■ mcut für diesen besondercii Ztpeck vermutlich - gewinnen könnte, aber auch die übrigen könnten ihre Beitrüge gewiß noch steigern. Ncan. rechnet übrigens damit.' daß nicht die. Gesamtsumme k l'onds perdu gegeben werden nlllß. sondern daß ein erheblicher Teil nur .als lallgfristige Finanzlage zll betrachten ist: das Geld, das zlnn Start eines neuen Unter-' nehmcns benötigt wird.-kann vielleicht in der Zukunft ohne große Schwierigkeiten zurückgezahlt werden. Doch, rvie schon gesagt, der ökonomische Gesichtspunkt ist dem Humanitären durchaus untergeordnet. Es ist noch zll früh, von der praktischen Durchführung des Plans im einzelnen zu sprechen; das muß späteren Aufsätzen Vorbehalten bleibell, Rur so viel sei heute festgestellt: Sir Herbert Samuels Gedanke hat in Ainerika ein Echo gefunden, das alle Erwartungen übertrifst. Tie Juden der Bereinigten Staaten wissen, was auf dem Spiel steht, und sie halteil sich an den alten Satz, daß doppelt gibt, wer schnell gibt. So dürfen wir daraus vertrauen, daß wenigstens ein Teil ihrer Glaiibensgenossen ans Deutschland in nicht zu ferner Zukunft neue Lcbensinöglichkeiten finden wird. Bericht des Joint Foreign Committee Am IG. Februar hielt der Loarcl ol British' Jpws eine Sitzung ab. Hierbei lvurde von dem Joint Koreii'ii Committee ein Bericht erstattet, der fiel) u. a. mit der Neuregelung der Answandererfürsorge durch den Böllerbund besaht. In dem Bericht wird hervorgehvben. das? die-Beschlüsse des Bölkerbundsrates zu dieser Frage zum Teil Anlaß - zu Genugtuung bieten, zuin Teil jedoch die Lösung wichtiger Tel (Probleme noch nicht in Angriff genommen. sondern sie der nächsten Tagung der Völkerbundsversämmlung überlassen habe. .Als znsriedenstellend sei es anzusehen. daß der Rat die . Ernennung eines dem Völkerbund unmittelbar unterstellten ^berkmnmlsiarS. die Bereitstellung - -von Atitteli^des Völkerbundes und technischer Unterstützung für seine Arbeit beschlossen und anerkannt, habe, daß die zu behandelnden Probleme internationale Zusammenarbeit und die Ausrechterhalkuug der Verbindung mit den Privatorganisativnen für Auswandererli i l f c erfordern. Andererseits fei festzlistelten, daß wichtige Aufgaben .. in den Pflichtenkreis des Oberkvimnissars nicht eingeschlossen ilnd die grundsätzlichen Voraussetzungen des Ausivandererproblems nicht erörtert wurden. Dazu werde es erst bei der Behandlung der Vorschläge für die endgültige Regelung der Auswandererfürsorge unter Zugrundelegung des von James G. MacTonald zniaminengestellten Materials lvährend der ' Völlerbundsiagnng im Herbst L'.>:!6 komme». AIS Nachfolger des vor klirzem-zurückgetreteuen Vizepräsideuteu Abg. Sir Isidore S ä l in o n wurde Sir R ö b e r t W a l e p E o h e n zcim Bizepräsideiiteudes Ooni-st^pk Deimties gewählt: Minderheiten-Probleme in Genf In der Feit vom 2t. bis zum 2ä. Februar iverden mehrere H v m m i s s i o u e u d e s W c l t- -—tre r bunbeä d e r B ö l k e r b u n d s l i g e n tu Gens Beratungen ablialten. Aiif der Tagesordnung der juristiscb-potitisckten Kvininissivic steht - ii. a. ein Kvininissivnsantrag der holländischen Völkerbundliga betreüend die Nürnberger Indengeietzgebnng. Diele Frage ivnrde von dem Vertreter der bvlländisctien Völkerbnndliga anläßlich der Tagung des Verwättungsrates deS BEltverbandes Ende September zur Sprache gebracbt. " Ter Verwallmigsrat bat damals die tiolländische Liga, ihre Ansichten sehristlieh zu svrmntieren und etwaige Anträge der jnriftisch-pvlitischen Kominission zur- Prninng.vvrznlegen. Tix holländische Liga hak mininebr die Einsendung eines MeinorandilinS iiiv die am 2ä. Februar slattsiiidende .Nvmiuissivnssinung angekündigt. Tie am 2!. Februar tagende Kommission für. Minderheitenfragen wird einen Bericht von Frau B alle r v a n Bo ff c cHvüaiid) über die - weiteren Folgen der Empsehlungen entgegennelnuen. die in einem am 7. Juni 1 CC>5. von der Brüsseler Konierenz des. Wettverbandes gefaßten waren. Eine dieser Empfehlungen'lautete: „Vor der von uns erwarteten Dckiaifnng einer Ständigen Mittderbeiten-Nominifsivn. durch den Völkerbund soll der Weltverband' Die gegen das 19. dslirliunäert Im dritten Heft des-Jahrgangs 1935-36 der katholischen Zeitschrift „Hochland" untersucht Peter W e i n g ä r t n e r den Aufmarsch der „Fronde gegen das 19. Jahrhundert—ZTeine-Ausgangsbehauptung, Schauplatz des BorMNgs seien fast ausschließlich die romanischen Länvex, kann man freilich in Hinblick auf-die bedeutsai die deutsches Denken und. nicht zuletzt der^deutfche Katholizismus von den Tagen der iHornnnT^ der historischen Schule bis zu Othmar Spann dabei gespielt , haben, recht lebliaft in Zweifel ziehen. Dpch ergibt sich andererseits gerade aus der BefZMnkung des Beobachtungsgebicts soviel. nem^Anrcgung: daß es der Mühe wert ist, sie: auszunehmen. Wcingärtner bemerkt richtig, daß sich erst, gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Trennung voii Nationalismus und Demokratie und gleichzeitig die Entgegensetzung von Liberalismus und tstationalismus vollzogen hat. Tie Verbindung beider Gedankcnreihen war das Ergebnis der Revolution von 1789 und der Stempel zur Prägung des 19. Jahrhunderts gewesen, der liberale ^Nationalstaat mit Repräsentativstistem sein ver» sassnngsmüßiger Ausdruck. Tie Einheit dieser verichiedenariigel! Elemente ivnrde durch den rätivnalistlschcn Fortschrittsoptimismns hergestellt, der das Weltbild des 19. Jahrhunderts lange Zeit beherrscht hat. Harmonieglaubon und europäischer Humanismus sind dann unter dem Aiistnrin der iiatiiralistisehen Kräfte langsam Vom tstationalitütsprinzip als oberstem Element der Wcrtskala ersetzt worden. Aber Individualismus und A'ationalismus widersetzten sich einer dauerhaften Koppelimg. und überdies gab. der auskommcnde philvsophische Pessimismus den Hintergruud für alle empsindungswäßigen Regungen ab. von denen die gcgenrcvolutivnäre Auifprengung getragen war. Pcssiinismns und Dekadenzgeftihl, die in Frankreich nach 1870 sich ausbroiteteu, haben den neuen Irrationalismus entstehen lassen, der bis in die scheinbar rational so gesicherten Bereiche der erakten Gesetzeswissenschas. . ten vordrang. Henri Po in care hat die überragende Rolle der Hypothesen im natlirwissensehaftlich-mathematischen' Lehrgebäude bewußt gemacht, sv daß schließlich der letzten positivistischen Generation der Positivismns schon tvieder als „Metaphpsik" verdächtig werden mußte. Als geistige Persönlichkeiten, in denen sich die neue Entwicklung am reinsten darstellt, bezeichnet Weingärtner George Corel, . B i l s r e d o P a r e t o. Charles M a u r r a s und neben ihnen M a u r i c e B a r r e s , wenn auch innerhalb der gemeinsamen Front Gegensätze genug erkennbar sind und bleiben. P a r e t o s geschichtliches Grundgesetz vom Kreislauf der Eliten verwirklicht sich in seiner Auffassimg der Gesellschaftswissenschaft in großen. irrational-^i,taleiz Bewegungen. Corel vollzieht die ' ShstMlatisiernng des Irrationalen in der Lehre vom Mythos. die seither der Kernbestandteil jeder antiliberalen Bewegung geworden ist. Diese Lehre erwächst als Eegenschlag aus dem Dekadenzgefühl. von. dem Corel beherrscht ist. Dekadenz ist unter der Decke trügerischer Ordnungsprinzipien Chaos,- Barbarei. Herrschaft uferloser Gefühle; ihr gegenüber gilt es ein Reich gültiger Ordnung aufzubauen. Noch mehr als bei Corel steht bei. At a u r r a s die Entdeckung überzeitlicher und einiger Ordnungen im Mittelpunkt des ästhetischen wie politischen Denkens: Athen. Nom und Versailles sind ihre Verkörperung im geschichtlichen Leben Europas. Es ist überaus aufschlußreich zu beobachten, wie der lateinische Geist von einer Ordnung. die zerstört ist, sofort zu einer neuen höheren Ordnung fortzuschrcitcn sucht. I„e roi est inort —' vive le roi! Die anti-urchristliche und antineiiromantische Haltung führt Ntanrras an tne Seite "')l i e tz s ch e s , des großen Anklägers gegen den ..'Sklavenaufstand der Moral". Aber über lß'ietzsche hinaus, der sich im Protest erschöpft, versuchen Ntaurras wie S.orel'aus ihrer zentralcn klassizistischen Ordnungsvorstellnng heraus das Denken der neuen Generationen Frankreichs zurückzulenken, .zur Disziplin und Autorität der katholischen Kirche. Unendliche 'Musik, hemmungslose Gefühlsreligiosität, ana-rchisck)er Jndividualts- -mus müssen ebenso gemieden werden wie künstliche Organisation: an ihrer Stelle sollen überzeitliche Lrdnüngssvrmen wieder in. ihre unverjährbaren -Jicctyte eingesetzt werden. . . Für den - indischen Betrachter . ist es von -höchstem Intcrene. mit Weingärtner sestzustollen. daß alle diese Strömungen wesentliche Kräfte ans - Fein. Gedankengebüude Henri B-er g son s . - ans seinen ant'ipositivistischen Begrisfsgebitden . der schöpferischen Entwicklimg und - der Lebens^- Traft (ber "Evolution (.TÖalriee und des. (Man vital") ziehen mvb daß sie. schließlich im'polttische'n. Leben. in den tjestigen Kämpfen für lind gegen Trcvfus ans Tageslicht treten. Diese Kämpfe stehen.. am Endo des 19. Jahrhunderts, tatsächlich und sinnbitdtich. Ter kleine jüdische Generalstabs. . vssizicr. von dem man wirklich sagen kann, daß er vom Schicksal gezeichnet war. ist zu einem Symbol geworden. Seine Figur steht nicht nur. wie wir in einer Verengerung unseres Blickfeldes so oft gemeint haben, an der Wende der wechselseitigen Beziehungen zwischen den Jliden und ihrer Ilmwelt. sondern eben diese Wende ist nichts anderes als der Ausdruck für. die Umwälzung des gesamten Geschichtsbildes in Europa. Liberalismus und Demokratie sind dem. neuen Natioüalismus.nur Scheinordnungen; die wahre Einheit der Nation setzt sich nicht mit ihnen, sondern gegen sie durch. Was auf dem Weg von Bcrgsou und Parcto zu Corel und Ataurras begonnen wurde lind wofür sich in der jungen lstatiönalbewegung. Italiens Parallclerscheinungcir anfzeigen lassen, wird bei Maurice B a r r e s für eine breitere Lefseiitlichkeit sichtbar. Tie Drehfus-Käinpse aktivieren das Rassebewußtsein eines Mannes, der das IleberindividneUe in Blut . und Ahnen, in „Böden und Tvten" findet, die in uns svrtleben. sortfühten und fortdenkcn. In der „Adion frängaise“ verdichtet sich die neue Bewegung zum Glaubensbekenntnis des Nationalismils. Tie Parteigänger von Dreyfus sind in der Begrissssprache von Maurras Metöken. das ' heißt „Zugewanderte", die uicht in der französischen lllationalitüt und ihren immanenten Denkgesetzen verwurzelt sind, und die deshalb mit ihrer hemmmigslosen Agitation die Grundinstitiltionen der nationalen Ordnung, Armee imd Justiz, in Gefahr bringen. Wir Juden und ..alle, die mit lins in Frankreich und anderswo an der Seite von Dreyfus gestanden sind, waren gewohnt, die Zusammenhänge anders zu sehen. Für uns war damals eine Sache individueller Gerechtigkeit auszufechten: für den neu» aufkomm'enden Nationalismus aber ging es. darum, das höhere Lebensrecht der staatlichen und volklichen Gemeinschastsordnung gegen eben diese individuellen Glücksansprüchb durchzusetzen... Dieser Kampf, der vor dem Kriege nur ein Kamps der führenden Schichten gewesen war, ist nach dem Kriege von großen Massenbewegungen ausgenommen und innerhalb des romanischen Kulturbereichs in Frankreich und Italien zu' einem höchst verschiedenen Ausgang geführt worden. ‘ Auch im jüdischen Kreis hat man inzwischen gelernt, die. Konflikte der Trehsüs-Zeit und ihren immer kräftigeren. Nachhall bis in unsere Tage hinein mit anderen Augen anzusehc». Im Zionismus hat sich eine Ntassenbewegiing herausgebildet, die in der Person von Herzl einen frühen Antrieb aus eben jener Zeit und ihren Problemen ■ herlcitet. Wir haben erkannt, daß die Neu- ' bildnng des Gemeinschastsdenkens und dos Gemeinschaftsempsindens überall in Europa auch die Frage nach den formenden Prinzipien unserer Gemeinschaft auswersen und einer Beantwortung, ans der Fülle, unserer Gesehichte entgegensühren muß. Aber der Weg. den ivir gehen, kann nie aus der Gemeinschast mit allen anderen Völkern herailssühren; und deshalb bleibt es ein dringliches Anliegen, daß wir, von außen nach innen schreitend, die Ailgen offen halten für alles, was um uns her geschieht. W. Ca. durch eine Rundfrage feststellen, ob es wün-' schenswert wäre: a) in jedem Lande zuyi Studium der Minderheitenfragen ein Organ zu schaffen, das aus Vertretern des Mehrheitsvolkes und der 'Minderheiten bestehen soll; b) für das allgemeine Studium der Ntindcrlieitensrageneine internationale Kommission, zu. bilden, die aus Vertretern kompetenter internationaler Organisationen zusaimnengeietzt werden könnte. j Tie Rundfrage soll sich auch darauf beziehen, welcher Tätigkeitsbereich, den genannten natiomalen Organen und der internationalen Kominissivn im Zn'ammenyang mit der Prüfung eventneller Petitionen der '^Minderheiten vor» geschrieben werden sollte." In der juristisch-politischen Kommission wird auch ein Antrag TPcr amerikanischen Völkerbund- , liga geprüft iverden, der sich mit der,religiösen Unduldsamkeit in Nteriko beschäftigt. Tie amerikanische Völkerbundliga hat im Sommer 1935 eine .llutcrslichnngskominissivn. bestehend ans einem Protestanten, einem 'Katholiken und einem Inden (dein srüyercn Generalstaatsgnwalt des Staates New-Pork. Gnm - « y c r in a n). nach— ^'Merilo entsandt, die die Lage der dortigen Religionsgemeinschasten geprüft hat. Ter Bericht dieser llntersuchnngskoinmissiv" iv:.') der juri"i'ch-"--l'tischen Kommission -- ö ö». Die Auswanderungsschule Ter Präsidialausschuß der Rcichsvertretnng der Juden in Deutschland hat in seiner letzten Sitzung zwei Projekte geprüft, die im Tienstc der Auswanderung stehen sollen: die in Aussicht genvmmeneil Neugründungeu der „I ü d i sch e n A u s- >v a n d e r ll n g s schule" und „H a n d iv e r k - l i ch e s L e h r z e n t r u m z ir m Ged ä ch t n i s von Ludwig T.ictz", das in Palästina geschassen iverden soll. ' Ter Präsidialansschnß hat seine Zustiinmung zur Inangriffnahme beider Projekte gegeben und die llnterstütziing beider Vorhaben ans Vlittein des Beruisulnichichtungsctats beschlossen. Die Geschäftsstelle der Jüdischen Auswanderungsschule (Berlin W. 15, Kurfürstendamm 200, Dr. Bruno Sommerfeld), teilt mit: Bewerber um die 'Ausnahine in die Jüdische Answandernngsschnle bzw. deren Eltern werden gebeten, bis spätestens. 25. Februar I. bei brr Geschäftsstelle Fragebogen anzniordern. Es kommen in Betracht Jungen und Mädchen non 15 bis 17 Jahren sowie Praktikanten und Praktikantinnen von 17 bis 23'Jahren. KLAUBER-WÄSCHE IN ALLEN FÜHRENDEN W? WASCHEFABRIK ROSA K. E-GESCHÄFT - ER/ MÜNCHEN KLAUBER-WÄSCHE

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