Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 8 (20.2.1936)
- Date
- 1936-02-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XV. Jahrgang l Nr. 8 Berlin, 20. Februar 1936 Preis 10 Pfennig entraf ALLGEN EINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilang):' Berlin W15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—1.',. Telegrammadresse: Ccntralglanbon.'Bertin. Postscheckkonto: .Berlin 70344. Die „C.-V.-Zeitnng“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und - die' .Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch Aa Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt_Bezugsgebähren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Atisland 2,30 RM. umgerechnet in die Landeswährung!-* einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Kpf. (Ausland 20 Rpf;). Inj, Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — AnzcigcngcbUhrcn: . Preisliste. 5.gültig. Die 12gespaltcne Millimeter-Zeile 20 Rpf.. für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften dlino.Verbindlichkeit. Oberkommissar Neill Maleolm 'citSbefchaffnng bellt nov cirt^v flvoftt'it D a s Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Die Ernennung des englischen Generalmajors Reill Maleolm zum einstweiligen Flüchtlingskommissar des Völkerbundes wird am Dienstag vom Bölkerbundssekretariat in der Form eines Telegramms des stellvertretenden Generalsekretärs an Reill Malcolm bekanntgegeben werden. Reill Malcolm wird damit Nachfolger des Ende vorigen Jahres zurückgetretenen Kommissars MaeDonald. Die Information, die wir in der letzten Woche Weitergaben, bestätigt sich also. Ein neuer Mann steht an der Spitze des für das Schicksal vieler wichtigen Kommissariats. Seinen menschlichen ^und beruflichen Werdegang haben wir bereits eingehend geschildert. Der 67jährige Oberkommissar ist nach Frontdienst und wichtigen diplomatisch - militärischen Aufgaben in der Nachkriegszeit, die ihn zu einem genauen Kenner der deutschen Verhältnisse machten, 1924 als Generalmajor ans dem aktiven Dienst ausgeschieden. Zuletzt war er Vorsitzenderdes Royal Institute of International Afsairs, das sich die Ermutigung und Erleichterung des wissenschaftlichen Studiums iuternativnaler< Fragen, die Förderung des Austausches von Informationen und Ideen auf diesem Gebiete und die Bereitstellung von Mitteln hierfür zur Aufgabe gesetzt hat. Nach den Beschlüssen des Völkerbundsrates hat 'der Oberkommissar drei Aufgaben zu erfüllen: Er hat im Einvernehmen mit dem Generalsekretär des Völkerbundes die Tagung einer zwischenstaatlichen Konferenz vorzubereiten und zu arrangieren, die die Aufstellung eines Rechtsschutzsystems für Auswanderer aus Deutschland zum Ziele hat. Als Teilnehmer dieser. Tagung sollen die Mitgliedsstaaten des Völkerbundes und die Vereinigten Staaten von Amerika und Brasilien eingeladen werden. Er soll weiterhin in geeigneter Form Beratungen mit den verschiedenen Regierungen Pflegen, die die Möglichkeiten für eine Beschaffung von Arbeit und Unterkunft der Ausgewanderten zum Gegenstand haben, Er soll schließlich die von ihm als wünschenswert erachteten Verbindungen mit den Privatorganisationen Herstellen, deren Tätigkeit vom Völkerbund als nützlich anerkannt wird, weil sie sich mit der Hilfeleistung an die Auswanderer befassen, insbesondere um deren Einwanderung in neue Länder und ihre Arbcits kümmern. General' Maleolm stellt Aufgabe. Keiner,- der die Schwierigkeiten, denen er sich gegenübersieht, kennt, wird daran denken, ihm etwa Vorschußlorbeeren zu spenden. Aber wir wollen hoffen, daß das Znsammentreffen der amerikanisch-englischen Aktion innerhalb der jüdischen Kreise und die Bestellung Sir Malcolms als Organ des Völkerbundes eine bedeutsame Etappe ans dem schweren Weg einleitet, ans dem hunderttausend Menschen bereits gehen und auf dem ihnen noch sehr viele folgen werden. Das erste Interviewe Generalmajor Sir Neill Malcolm gewährte einem Vertreter des Londoner JTA-Büros eine Unterredung, in der er sich über die mit seinem neuen Amt verbundenen Aufgaben äusserte. Sir Neill bemerkte einleitend', er habe seine Arbeit bereits ausgenommen, und stellte sodann fest, daß seiner Ausfassung nach das ObtthaMMUsariat mit der wirtschasts- und berufssü?sorgerischcn Seite des Auswanderer- Problems nichts zu tun haben soll. Dieser Teil der Arbeit solle vielmehr durchaus.den Privatorganisationen für Äuswandererhilfe überlassen bleiben. . . Ich werde mich, erklärte der Oberkommissar. ausschließlich mit'den politischen und rechtlichen Fragen befassen, die Personen, sobald sie bereits ausgewandert sind, betreffen. Das heißt, daß ich mit den inneren politischen Verhältnissen Deutschlands nichts zu tun habe. Andererseits besaßt sich der Völkerbund nur mit dem politischen und rechtlichen Status der Menschen nach ihrer Auswanderung. Er befaßt sich dagegen nicht mit ihrer wirtschaftlichen Lage, um die sich Institutionen zu kümmern haben, die wir als philanthropische oder fürsorgerische-bezeichnen können. Es wird eine deutliche Abgrenzung der Arbeitsgebiete stattsindew Das. was tip VölkMnnd 4im will, ist weit entfernt von dem. wa-. j eüher der Völkerbundskvmmissar getan hat. Zum'Schluß erklärte Sir Reill, daß die ersten Maßnahmen, die er nunmehr tressen werde, im Zusammenhang stünden mit der zwischenstaatlichen.Regicrungskonferenz. deren Einberufung zwecks Behandlung der Auswandererfrage in Zukunft der Bölkerbundsrat beschlossen hat. Oberkommissar Maleolm uvird in Genf ein Büro haben, glaubt jedoch, daß er sich vorwiegend in London aufhalten wird. Auf beiden Seiten des Atlantik. Bericht der englischen Belegatian Am 12. Februar, nachmittags, sind Lord Bearsted und Sir Herbert (Samuel an Bord der „Majestic" in Southampton eingetrofsen. Nach der Landung äußerten sie ihre Genugtuung Jtbet die herzliche Aufnahme, die sie und Simon Marks in den Vereinigten Staaten gesunden haben. Lord Bearsted erklärte. nian könne hoffen, daß in den Vereinigten Staaten zwei Millionen Pfund zur Unterstützung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland, aufgebracht werden würden. Die Mitglieder der Delegation, fuhr Lord Bearsted fort, hattest innerhalb von vierzehn Tagen dreißig Ansprachen in New-Pork. Philadelphia, Chicago, St. Louis, Baltimore und Washington gehalten. Er glaube, daß es gelungen sei, die öffentliche Meinung, die sich der Dringlichkeitder Lage vielfach nicht bewußt gewesen sei. zu gewinnen, und er hoffe, daß das geweckte Interesse in Taten werde umgewandelt werden. Man habe den Amerikanern die Notwendigkeit der Sache daraelegt. Es bestehe kein Zweifel, daß sie von sich aus Anstrengungen machen würden, Mittel aufzubringen. Was die Mitglieder der Delegation anbelange, so hätten sie nun zu berichten und Beratungen zu pflegen, bevor sie einen endgültigen Plan formulieren. Sie hätten zwar einen Plan, doch wolle er in diesem Augenblick nicht darüber sprechen. Erst in der nächsten Woche, sobald der Plan, wie er hoffe, angenommen sein wird, werde er Mitteilungen darüber machen können. Es handele sich um einen Plan für allmähliche Auswanderung aus Deutschland. Dieser. Plan sei in Amerika mehr oder weniger bekannt. Die Auswanderung müsse schrittweise erfolgen, damit in keinem Lande politische oder nationale Unruhen entstehen; man dürfe nur Menschen in.-dem Maße überführen, als sie aufgenomvM werden Wonnen. Wäre es möglich, so würtzeman gewiß gern die ganze Ucberführu^ aus eimstal vornehmen. Zur'finanziellen Seite des Besuches der Delegation in Amerika bemerkte Lord Bearsted, man hoffe in einem bestimmten Zeitraum in den Vereinigten Staaten zwei Millionen und in der ganzen Welt drei Millionen/Piund auszubringen. Aus die- Frage, wohin die für die Auswanderung in Betracht kommenden Juden gebracht werden sollen, erklärte. Lord Bearsted. zweifellos werde eine gewisse Zahl von ihnen nach Palästina gehen. Ties werde ganz davon abhängen, wie viele Zertifikate erlangt werden können. Ter Arbeitsplan sehe zum Teil die berufliche Schulung der Menschen vor ihrer Auswanderung vor, damit sie sich gleich nach der Ankunft in dem Einwanderungsland selbst erhalten können. Falls es notwendig sei, würdei' si" eich ^pi-nchi,ntcyi-ichs fr, halten. Zum Schluß gab Viscount Bearsted seiner Freude darüber Ausdruck, daß auf der ganzen Reise.von den nichtjüdischen Teilen der Bevölkerung die wärmste Sympathie für die Aktion an den Tag gelegt worden sei. Tie erste feste Zusage einer großen Spende habe er von einem Ntchtjuden erhalten. Widerhall in Amerika Von unserem Sonderberichterstatter F./H. Reto-Aork^im Aebruar Eine neue Welle der Hilfsbereitschaft geht durch das amerikanische Judentum. Ans großen Tagungen in St. Louis, New-Pork und Washington haben seine -Führer - beschlossen.-. die von Sir Herbert T a m n e l eingeleitete Aktion zugunsten der in Tentschland lebenden und aus Tentschland ansgewanderten Inden zu einem uneingeschränkten Erfolg zu führen. Genuß/ über Einzelheiten des Programms gab es Meinniigs- Verschiedenheiten, aber das Ziel erschien den. Telegierten über jede Tistnssivn erhaben. Ter Elan, der allenthalben herrschte, ist - wahrhaft bewunderungswürdig; er war so stark und ehrlich, daß niemand zu fürchten . braucht, cs handele uxf) nur um ein Stroh- Man versteht diese Begeisterung nicht, wenn man mit der Struktur des amerikanischen Judentums nicht vertraut ist. Beeist TtuS Flüchtlingen hat es sich im Lauf der Generationen anfgebant. und die Nachkommen dieser Flüchtlinge haben ein tiefes Verständnis für die Nöte ihrer hilfsbedürftigen Brüder ererbt. Zuerst waren spanische Juden über das Meer gezogen; dann hatten jüdische Achtundvierziger ans Teurichland . eine Zuflucht in der'Union gesunden; seit dem letzten Drittel des- 19. Jahrhunderts strömten Juden ans Polen. Rußland und Rumänien ein., nur den Bedrückungen daheim zu entgehen. Ties sind die sozialen und kulturellen Gegensätze zwischen diesen Gruppen, doch gemeinsam ist -ihnen der innere Anteil an - den Geselieliiiifsen - der Gegenwart. ES ist erstaunlich, allenthalben ans Aenßernngen dieses echten Interesses zu stoßen; ganz gleich ob man in einem der friedvollen Profesforenhänser Princetowns. ui eirn'm Wolkenkratzer am''Broadway oder - unter Kleinbürgern ans der Bronr. sitzt -- immer wieder wird daS eine Thema ernsthaft und gründlich erörtert. Nur ganz vereinzelt wird mau Leute tressen. die in-ihrem . Leibblatt die. Meldungen ans Deutschland überschlagen. Entgegen voreiligen 'Mitteilungen, die sieh leider in .die amerikanische Presse eingeschlichen hatten, kamen die drei Abgesandten des englischen Judentums.'nichtmit einem sestnmrisse.nen Projekt mul) Amerika; voral lein erwies fiel) die sensationellzugespitzte Bel)anptnng als san'ch. sie wollten ihre Aktion mit Fragen des deutschen Exports verknüpfen. Tie einzelnen Etappen der hiesigen Verhandlungen sind den Lesern im Reich schon bekannt; ans private Besprechungen der Gruppe Samuel-Br<n sted-Marks. in Ncw- Pvrk folgte die entscheidende Tagung des Äativnalrals jüdischer Bereiiiigmiaen und Wohlfahrtsfonds in St. Louis, an'die sich Meetings in Ncw-Pork (American .JewisU .Joint.Distribution Comittee) und in Was» hington (United Pa lest ine Appeal) anschlossen; bei dieser Gelegenheit wurde Sir- Herbert Samuel von Präsident Rovsevelt -empfangen. liniere Aufgabe kann es nur fein, die Gesinnungen zu schildern. die bei all diesen Veranstaltungen vorherrschten, und die Ergebnisse zu nmreißen, soiveit sie sich heute schon übersehen lasse». Tie Grnndanfchannng der Führer dcS ainerikanisrlien IndentninS leuchtet am stärksten ans den Worten Felir a r b n r g S hervor, der seinen Freunden znrief. sie sollten 'ihren Kindern ein kleineres Erbteil hinterlassen. dafür aber das Herzensinteresse an einigen Glanbeusbrüderu il,res Zeitalters, denen sie fair pla.v verschafft. ..Erschrecken Sie nicht über die Höhe der benötigten Sinnmen", erklärte er in St. Louis.-..Wir haben schon Besseres währendder einniidzivanzig .Jahre geleistet, seit ich mit der Sammlung von Fonds oerknüpft bin. (Warbnrgist Ehrenvorsitzender des Joint Distribution Uomiltee). In frnlieren Zeiten haben wir -206 000 Inden ans Rußland Placiert und geholfen, die jüdische Bevölkerung Palästinas um eine ViertelMillion zu Vermehrern und scheuen die neue Ausgabe niel>t. Wir glauben, das alte Verlangen, dein Näcl,sten zu helfen, ist noch in desi Herzen der Menschen lebendig, die Sie führen und denen Sie.dienen." Von dein gleichen Geiste waren die Tarlegnngen Diac Nummer umfasif 20 Seilen Sie enthält u. o.: Hauptblatt: Belgien und Luxemburg, von - Dt. £. R—z 1. Beiblatt: Unterhaltung mit der Urgrossnichte Heinrich Heines, von Heinz lierggriin 2. Beiblatt: Chaplin-Premiere in London — Buch und Kunst (u.a. Das Psalmenwerk Martin Bubers, von Ludwig Feuchtwangcr) - 3. Beiblatt: Palästina-Umschau —. Juristische Wochenschau 4. Beiblatt: Sportblatt - Der Briefmarkensammler —- Wirtschaft der Woche fu. a. Die neue Fassung der Transferltestimmungen für Auswanderer. von Rudolf Cräupner)