Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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höheren Stnn<\ als man vielfach glaubte. Der kegeisterte Kämpfer für das von ihm für richtig erkannte Ideal, ivurde er nicht müde, in Wort u'nd Schrift mit dem geistigen Werkzeug, das ihm die humanistische Bildung des deutschen Gymnasium-; und der deutschen Universität zur Verfügung gestellt hatten, für dieses Ideal eiuzütreten. Ausgestattet mit reichem jüdischen Wissen, mit einem tiefen religiösen Empfinden, trat er von jeher gegen das rein negative Trutz-Judentum dafür ein., da» der Jude nur durch Besinnung auf - sein Judentum und ansgestattet mit-reichem jüdi-- fchen -Wissen seinen Platz auszufüllen in der Lage sei. Wenn er in einer der entscheidenden stunden des Verbandes den Trennungsstrich zum National. . Judentum zog. ohne darum jemals das. Palästina. . Werk in seiner Bedeutung zu unterschätzen, .so entsprach auch dies seiner religiöses UeberzeUgung. die jede Verweltlichung des Judentums und jede Zwecklösung ablehnte. .. Für Holländer erschöpfte sich der KE niemals . im Ausleben studentischer Formen. Kaum ein Zweiter hat sich wie er die innere Anteilnahme, die Freude an studentischen Bräuchen bewahrt. Aber es war für ihn nicht nur die Erfüllung einer traditionellen Pflicht, wenn er studentische Feste und Kneipen durch seine groß angelegten Tendenz. Reden unterbrach, hierbei den Idealen, die uns zusämmengeführt hatten. Ausdruck verlieh und mit - der packenden Redegabe, die ihm eigen war. immer ' neue Generationen des KC an sich zu fesseln wußte. Tie Rede war für ihn eines der wichtigsten Kampfmittel, aber die Rede-Wirkung war nicht das Entscheidende. Immer wieder klingt es durch sein? Reden und Aussätze hindurch und ist ihm zur Lebensaufgabe geworden. durch Wahrheit und Wissen zur Klarheit und zum Erfolge zu gelangen. Nicht, was uns nützte, sondern das, was wahr ist und vor dem Urteil der Geschichte bestehen kann, lehrte er immer wieder. , Aber auch nicht allein im Leben der Hoch» schule, in der studentischen Arbeit, erblickte er das Wesen des K. C. Nicht der Student machte für ihn den K. C.er, sondern derjenige, der seinen Platz im Leben nach den Idealen des K.C. zu gestalten wußte, galt ihm als" der wahre Bundesbruder, so wurde unter seiner Leitung der K. C. aus einer studentischen Organisation zur Gestnnungs» und Arbeitsgemeinschaft jüdischer Akademiker. Hierbei fand er seine freudige Gefolgschaft. Es war'daher nur das äußere Anerkenntnis einer bestehenden, Tatsache, als wir ihm am 5. August 1927, seinem 50. Geburtstag, die Bänder jcimt= ■ licher K. E.-Verbindungen als Zeichen dafür überreichten. daß er von diesem Tage an allen- Verbänden des K. C. als Mitglied angehörte.' Als-iw den-letzten Jahren nach Fortfall der aktiven Vcroindungen der Kreis, des K.C. geschlossen war,- hat -er. der damals"schon-gegen die. Krankheit kämpfte, die ihn immer wieder niederwarf.-bei jeder Gelegenheit, bei der er — sei es im kleinen, sei es im großen Kreis — zu seinen Bundesbrüdern sprach, nur. ein. Thema gekannt: die Pflicht der Treue, der Freundsck)ast und der Hilssbereitsck)ast. Was immer hier auch geschah, war ihm nie genug, eingedenk auch hier der Lehre unseres Glaubens, daß nicht in der milden Gabe wahre Wohltätigkeit liegt, sondern in der frei» willig gebotenen, nicht erbetenen tätigen Hilsel So steht sein Bild vor uns, als das des Mannes, der unseren Idealen reinsten. Ausdruck verlieh. Mit ihm versinkt für uns die Derkörperung des Strebens unserer Jugend. . Mit Holländer geht wieder einer aus der ältesten Generation des K. Ei von uns. Ter Mann, der die Ideale des K. C. hinausgetragen hat in die Umwelt, ist nicht mehr. , Wenn wir uns wieder versammeln, wird nicht sein Rat. nicht seine Rede zu uns sprechen, aber die Pflicht, die er uns gelehrt, sie bleibt. Mag auch keinen von uns mehr Band und bunte Mützen zieren, der K. G., ein {(einer, in alle Winde verstreuter Kreis von Männern sein, wir werden sein Andenken-wahren, indem wir arbeiten wahr und treu, und nur die Erfüllung selbstloser Arbeit zum Wohle der Gemeinschaft unser oberstes Ziel ist. Üermann Berlak. Das Beileid der Organisationen Führe* tles religiös-liberalen Judentums Ludwig Holländers Bedeutung für die Geschichte der Juden in Deutschland liegt in erster Linie, aus politischem Gebiet, aus das ihn Berus und Begabung weisen. Aber niemals hat sich sein Wirken im Politischen erschöpft, stets hat. er den Vorrang des Religiösen im Judentum betont und , wie jeder, der ihn kannte, in ihm die in sich gefestigte religiöse Persönlichkeit zu erkennen und und zu ehren vermochte, so hat er auch im religiösen Leben Stellung genommen durch sein Wirken im Preußischen Landesverbände Jüdischer Gemeinden. - Als Anfang 19-25 die Wahlen zum - ersten Perbandstag ansgeschricben wurden, meinten manche, der Central-Verein werde sich als solcher beteiligen. um seine Auffassung vom deutschen Judentum in der Versammlung zu vertreten. Aber nicht zum wenigsten, unter Holländers Einfluß nahmen die führenden Kreise des C.-D. von solchen Plänen Abstand und schlossen sich den religiösen Parteien an. Ludwig Holländer selbst gab in der E.-V.- Zeitung vom 16. Januar 1925 die Parole aus: „Ter Ländesverband ist eine Religionsgesellschaft." Er für seine Person trat in die Reihen der Religiös- Liberalen und nahm in der liberalen Fraktion, bald als eines ihrer Vorstandsmitglieder, regen Anteil an den Arbeiten des Verbandes. Er hatte starken Sinn für Tradition und galt als einer, der radikaler Aenderung alten Brauches abhold war. Aber daneben prägte sich gerade in seinen letzten Jahren immer mehr sein Drang zu .geistiger Freiheit auf dem Gebiet des Religiösen aus. So verfolgte er mit besonderem Interesse die Entwicklung der Rabbinerbildungsanstalten in tutschland. sorgend daraus bedacht, daß aus den staltcn. die nicht grundsätzlich an eine bestimmte rm rechtgläubigen Judentums gebunden sind, freie Lehre keine Einschränkung erleide. Holländers soziologifäie Schulung bewayrte ihn ändererieirs vor der'Annalime. daß das Leven der jüdischen Gemeinden sich im rein Religiösen erschöpfe. Er war einer der ersten, die Problemen wie dem der jüdischen 'Arl^itsvermittlung. die den Wandlungen der gesellschaftlichen Struktur der Juden in Deutschland sachverständiges Intcreiie widmeten, und es ivar der Höhepunkt einer der letzten Verbandstagnugen vor dem Umschwung. als er diese Probleme in einer großen Rede, die stärkste Beachtung fand, behandelte und für die 'Arbeit der jüdischen Gemeinschaft ans diesem Gebiet Wege wies. Durch ''eine jahrzehntelange Tätigkeit als Syndikus des 15.-21. kam er in allen Gemeinden im Reiche bernm. So kannte er bis ins kleinste auch die Sorgen der Kleingcrneinden. denen vor allem die 2lrbeit des Landesverbandes gilt. So war er vor vielen be'äbigt. diese Arbeit durch klugen Rat zu fördern. Seine Freunde und Verehrer. die' in der Eemeindeardeit tätig waren, hatten den sekmlichen Wnnich. daß er sich noch stärker iyrem Wirken verbinden möge. Tie Religiös-Liberalen boten ihm—bei.den Revräsenlativiiswahlen 1930 einen bevorzugten Vlatz auf ihrer Liste an und ' hv'steiK'daß cr iriilaliUi in den Ge mein bevor fland eintreten werde. Ec lehnte ab. da ihn fein- Beruf zu lehr beanfvrn.iüe. midi feine Geinndlieit bereite- 'geichwaäil war. Sein. Interesse aber hat er den Angelegenheiten der Religionsgemeinden und des Preußi'chen Landesverbandes bis zuletzt bewahrt. Holländers starke, an'rectne nnd ginige Per'önlichkeit bewirlien, daß cr auch in den Kreisen des Landesverbandes nur Freunde und Verehrer. hatte. Er hat hier besonders auch bewiesen, daß er junger ausfleigender Begabung gerecht zu werden vermochte. Einst hatte er als Frattionsvorstandsmitglied zunächst starke Bedenken, ein solches etwas stürmisches Temperament als Redner herayszustellen. 2lbcr sobald er sich überzeugt hatte, daß wirklict)es Talent sich in der ihm gemäßen Form vnenbarte. trat er über tiefgreifende Unterschiede von Alter. Lebensart und Auffassung hinaus dafür ein. es sich auswirken zu läst'en. Sei't l'.'-'pr fanden keine Tagungen der Landes- Verbandsversammlung mehr statt. Würden diese - jetzt wieder einberuien — jeder würde im äußerlichen wie im übertragenen Sinne in der ersten Reihe LudwigHolländer schmerzlich vermissen. > .Walter Breslauer. Der Bruder in W. 11. und E. In dem Lebensbild unseres Freundes, welches dankbare Liebe in diesen Blättern zeichnet, würde ein wichtiger Zug fehlen, wenn seiner Beziehungen .zum'Lrdeii B'ne B'ri.ß nicht gedacht würde. Es ist ein beziehnngsivichtiger Zufall, daß die letzten LBvrte. die Holländer in der Lenentlichkeil schrieb und sprach, der Spinoza löge gewidmet waren, deren Gründer, erster Präsident und anerkannter geistiger Leiter er 25 Jahre lang gewesen ist. Nichts kennzeichnet den Mann, den kompromißlosen Ernst seines Strebens und die Tiefe seines jüdischen Empfindens so sehr, wie die Worte. die in der Iubiläumsichrnt der Spinozalöge im Mai 1935 er selbst gesunden hat: ..Unsere Loge soll uns lehren zu willen, Jude zu sein. Wir. wollen unsere Stellung zu.m Judentum zu erkennen suchen, zu feiner Ethik, .zu seinen ewigen Wayrbcilen und-riesen sozialen Gedanken.. 'Alle diese Betrachtungen sollen stets nach dem spinozistischen Worte c-ul, sperie aeternitaiis. dar heißt im Licht der Ewigkeit ge- ' wertet werden. Unseren 'Arbeiten wollten wir zugrunde legen, den kategorischen Imperativ von Kant und das Wort Spinozas, der an einer . Stelle sagt: „Gott lieben ohne Hoffnung ani Lohn.7 Tie Gründung der Spinozaloge wurde nicht nur des Namens wegen, sondern auch des ausgesprochenen Zwecks halber als eine revolutionäre Tat der Jugend aiige'ehen. Meinchen um die Dreißig herum fühlten sich damals in den großen. - Hunderte von Mem'cllen umfassenden Berliner Logen nicht wohl: sie erkannten, daß eine ecyte Verbindung und.Eharaklerbildnng nur in kleinerem Kreise möglich sei. Holländer, der zwei Jahre lang als Brändent der jungen Loge den Stempel seines Geistes ansdrückte, ivusire genau, was er wollte und was er nicht wollte. Er wollte keine abgedroschenen Humanirätsphraien ani Kosten der - Wahrheit und des lebendigen Lebens züchten. sondern ihm galt von vornherein als Ziel, die möglichste Lebensnähe der Loge zu erreichen. Nichts Jüdisches sollte diesem Bunde von Brüdern, den er zu einem einigen aber bewußten Bruderbund machen wollte, fern sein. Es lag ihm daran, und er hat es während seiner ‘t'rdnhpnttdnitf aurfi —erreicht, cinen-möglichst großen Kreis der teilinsti-- rnende.n Brüder zu aktivieren, das Hecht zu selbständigem Denken und Sprechen annireaen. üleligiöse. soziale und wirtschaftliche Probleme wurden vom Gesichtswinkel des Judentums erörtert,-ooyer ilocki als Förderung lüdiichen 2tz'.s'ens navd i'un ein Doppeltes: einmal die.' mögl:clist -weitgehende Erfüllung der sozialen P'lichleu gcaeo.üver den Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin Ludwig Holländer, ein Sohn unserer Gemeinde. hat in seiner Jugend in München ge- - :virkt. seit 1908 aber in seiner Heimat den Mittel» ounkt seiner dem gesamten Judentum Deutsch- . lands.gewidmeten Tätigkeit gefunden. Er hat der Gememdev e r w a l t u n g nicht angehört: dennoch ist er mit unserer Gemeinde aufs innigste ver- , stunden gewesen. Hat.doch kaum eine andere Per-: sönlichkeit so starken geistigen "Einfluß aus weite ihres Judentums bewußte, in ihren Gesinnungen, -gefestigte Krene unserer 'Gemeinschaft gehabt. Durch lange Jahre konnte sein Wirken als, die Verkörperung denen gelten, was, diese Kreise beseelte,. Ein aufrechter Mann, ein treues -Glied . unserer Glaubensgemeinschäst ist mit ihm dahingegangen. sei Andenken wird in unserer Nittte -bewahrt werden. lleiuricü Stahl. Preussischer Landesverband jüdischer Gemeinden Mit dem Verewigten ist eine große Persönlichkeit dahingegangcn, die jahrzehntelang an der Spitze Ihres Vereins gewirkt, und diesem seine überragende Stellung im jüdischen Leben Deutschlands geichanen hat. Seine gewaltige Arbeitskrast. seine Kenntnisse und Fähigkeiten hat Dr.Holländer. seit Gründung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden stets auch. uns zur Verfügung gestellt, und. wie in der gesamten deutschen Iudenheit, wird sein Name auch bei uns stets in höchsten Ehren gehalten werden. - Wir bitten Sic, den 'Ausdruck unserer aufrichtigen Teilnahme entgegenzunrhmen. Leo W’olII. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München Soeben erreicht uns die betrübende Nachricht von dem Hinschciden des Herrn Dr. Holländer, und wir möchten dem Eentral-Vereiu hierzu unser-innigstes Beileid zum Ausdruck bringen.' Holländer war für uns durch Jahrzehnte der „bayerische" Träger des Central-Dereins, er war durch 'einen längeren'Ansenthalt in München ein guter Kenner der bayerischen und Münchener Einstellung geworden, er liebte die 2lrt, wie wir die jüdischen Berhältnisi'e im Lande und im Reiche, zu betrachten pflegten und war^so der Verbindungsmann zwischen Nord und Süd. Von einem Hohen Ethos nach der jüdischen und der vaterländischen Seite getragen, verstand er es. die Probleme der Zeit in eindringlicher Weise auszurollen und zu meistern. Immer mehr ward er zu dem Gewissen unserer jüdischen Gemeinschaft und es war zuletzt eine ungemein ernste Schau, die aus seinen Reden sprach. So werden wir sein Andenken bewahren als das eines der besten führenden Männer unseres Judentums unserer Zeit. Alfred Xeumeyer. Hilfsverein der Juden in Deutschland Wir beklagen mit Ihnen den hervorragenden Mitarbeiter an den 'Aufgaben der jüdischen Gesamtheit in Teutschland und betrauern in dem Verblichenen ' auch einen aufrichtigen Freund unserer Bestrebungen.'der an ihnen bis in die letzte Zeit hinein sein Interesse bekundete. Max M. Warbnrg. - Reichsbund jüdischer Frontsoldaten E. V.t Bundesleitung Die uns übermittelte Nachricht von dem Ableben Ihres ''ehr verehrten Herrn Tr. Ludwig Holländer erfüllt auch uns mit Trauer.. Wir kennen die Verdienste, die sich der Verstorbene um den Eentral-Berein erworben hat, und sprechen Ihnen deshalb zu diesem schweren Verlust unser allerherzlichstes und aufrichtiges Beileid aus. Curt Elsbach. Rabbiner Dr. Esra Munk schreibt: Ten großen apologetischen Ausgaben, die unserer Glaubensgemeinschaft erwckrl)sen sind, hat der Heimgegangene seine reichen Kräfte niemals versagt. Nicht'hat er gescheut, in die vordersten Reihen zu treten, .wenn es galt, die Sittenreinheit des uns überkommenen Schrifttunis zu er- ' weisen und im Kampf gegen irrige- Anfechtungen, iy - die Bresche zu trdtcn.- Seiner encrgievotten . Mitarbeit nyd stets freundlichen Hilfsbereitschaft werde ich ein ehrendes Gedächtnis bewahren. Das Präsidium der ZV fD hat dem C.-D, sein herzlichstes. Beileid aus* gesprochen. , Reichsverband der jüdischen Kultur* bände in Deutschland und Jüdischer Kulturbund Berlin . Zum Ableben des hochverehrten Publizisten nnd aufrechten Kämpfers Lirdwig Holländer sprechen wir dem Eentral-Verein sowie der C.V.» Zeitung unser aufrichtiges Mitleid aus. Kurt Singer. Presseschau Israelitisches Familienblatt Holländer war ein Redner und Publizist von nicht alltäglichem Fvrmat. Er besaß die Gabe der gründlichen Tarstcllungz seine Reden und 2lrtikel zeugten von einem vielseitigen Geist und Wissen, belasteten jedoch nicht, sie klangen und wirkten, naiurlich und beeinträchtigten nicht den Zugang zum durchschnittlichen Hörer und Leser. Das HauptarbeitSgcbiet des Verstorbenen war die soziologische und psychologische Stellmig der Juden, und'darin sind ihm Aufsätze von wisseni'maftlicher Gründlichkeit und anschaulicher klarheit geglückt. - Jüdische Allgemeine Zeitung Solange er seinem Lebens'verk, der Leitung des C.-B.. oblag, hielt er sich in religiösen Dingen naturgemäß zurück. Nur wenige wissen, wie er mit dem Engel rang, wie er im tiefsten Herzen um den Glauben rang, und wie es ihn oft bedrückte, daß er deni religiösen Liberalismus/ an dem er (bei allertiefstem Respekt vor der Tradition) festhielt, nicht seine gewaltige Stimme leihen konnte. Es ist ein tragisches Verhängnis des, liberalen Judentums, daß, als er für uns frei wurde, die scheinbar unerschütterlickje Krall seines Körpers schon von dem tückischen Leiden angenagt war. dem er zuletzt erlag. Jüdische Rundschau Mit Holländer verschwindet eine Gestalt, die viele Jahre im Judentum Deutschlands an prominenter Stelle tätig war. Er war in der Nachkriegszeit einer der geistigen und politisck)en Führer des Ecntral-Vereins und genoß persönlich auch über die Kreise des Eentral-Vereins hinaus Respekt und 2lnsehen. Holländer war ein Gegner des Zionismus, und wir haben uns in der „Jüdischen Rundschau"- häufig mit seinen 2lnschauungen und Theorien, die wir nicht zu billigen vermochten, scharf ,auscinandergesetzt. 2lber auch wir haben anerkannt, daß. dieser Mann bestrebt war. nicht einer Begüemlichkeits- Ideologie sich hinzugebcn, sondern seine 2ln» schauuüg grund'äßlich' und bildungsmäßig zu unterbauen, 'Aus seinen 'Aeußerungen fühlte manheraus. daß hier ein geistig vielseitig interessierter Mann spricht oder schreibt, der sich in den Gebieten der philosophischen^ soziologischen und psychologischen Sfünipnichcirt umtut und der das 'Gelesene und Turchdachte auch im Bereich der südischen 'Analyse und 'Auseinandersetzung zur Anwendung zu bringen bestrebt ist. Brüdern und ihren 2lngehvrigen. Gegen soziale Drückeberger kannte er kein Rcitleid. Ein Bruder, der nicht gab, wie er geben konnte, hat manch herbes 2'tzort von ihm zu-hören bekommen. Das 2tzie!stigste. aber war ihm nach feiner eigenen Darstellung. daß „das Ich durch seine 'Arbeit am Ich geläutert und ge'vrdert wurde". 2tzir alle, wissen, wie sehr Holländer für den Selbsterziehungsprozeß der Juden eintrat.' oit unter mitleidloser Kritik ihrer eigenen Schwächen, .welche ihm die tiefste Liebe zu seiner Gemeinschaft diktierte. In . der Loge hat er den berühmt geivordenen Vortrag „Tie Juden vom Kursürstendamm". gehalten, in der Loge , hat er immer wieder von der innerey Mission der Inden gesprochen, als deren Trmrier er die Kinder des Lrdcns ani'a-h. Weit entfernt von der iui manchen Logenkreifen üblichen Sclbstzii'riedenycit. war er dasz ständig mahnende Gewissen seiner Brüder, und wenn er manchmal nach einem besonders „schönen" Vortrag über das Lrdestsideal. über Brndervtlichten u''w .auf die Diskrepanz zwischen '2tzort nnd Tat. hinwies, i'o wußie jeder, daß hier fördernde Kritik am Werk ivar. daß ein Mann sprach, der an sich selbst diesen Selbsterzieliiingsprozeß - dauernd vollzog. Im' übrigen trat nirgendwo die Güte feines Herzens!o hervor, wie im Kreise unserer Loge.' Ihm war der bc'chcidene. schwer um-das-tägliche Brot rin- , gen de „ooschelc" Mann mehr wert als der Träger eines großen Namens, hinter dessen schönen 29orren der Ernst siruichcr Pflichten vermißt wurde. Holländer ist es auch zu danken, daß die zu einem bliltloi'en Schatten erstarrte oder gewordene Neiitraiiiat der Loae in iüdistlier 2'c;iehnng von vornherein in der neuen Loge gebrochen ivurde. er Werl darauf legre, junge Ntenschen heranznzieyen. io wußte er, daß man die Jugend nicht hindern durfte, von dem 'Allerheiligslen ihres Judentums i'o zu sprechen, wie sie es im Herzen trug. Er wußie. daß das Judentum iveltaizscharilicti getrennl ivar und. hielt gerade die Lege K:r dr:: . Vesten Boden zur 'Aussprache und zu einem auf die 'Aussprache folgenden Verstehen, weil in der Loge die oft vergiftende Leidenschaftlichkeit politischer, 'Auseinandersetzung selbst .wegsiel. 2lber er war auch ein viel zu klarer und wahrer Vlensch. um nicht zu erkennen, daß namentlich in der Großstadt das Ideal eines wirklichen Bruderbundes kaum erreicht werden könnte. Holländer gehörte zu den ältesten Mitgliedern des Geschästsausi'chusscs der Großloge. 2lls solches hat er'fast alle kleineren Logen besucht, durch den Ernst, die 26ürde und Güte seines 2luftretens manches Alißverständnis geklärt, 2kuseinanderstrebende vereinigt und stockendes Leben ausgeirischt. Im Redaktionsausschüß . des „Lrdensblattes" faß er jahrelang:. ein ernster Rezensent, weil er selbst an sich größte Maßstäbe anlegte. In den Erörterungen des Geschästsansschusses trat immer wieder sein Bestreben hervor, das Schlagwort und die Phrase zu bekämpfen und wirklich Erreichbares mit allen Kräften zu erstreben. Er forderte Lpfer für die Gemeinschaft, weil er'sich selber im 'Dienst der Gemeini'ärast opferte und verzehrte. 'Am liebenswertesten war Holländer, in deU» formlosen Zusammensein nach Schluß der Logcnsitzungen. Hier haben wir ihn noch in den letzten schiveren Jahren. die auf ihm lasteten, in der alten jngendfrohen Weise lachen sehen. Er war beglückt, daß die Frau, die er über alles liebte, mit ihm hier eine Heimat gesunden halte, die ihm'erhalten blieb, als das Leben so manche ihm liebgewordcne Verbindungen gelockert oder zerrissen hatte. i''->,iieinschaften.- in welchen Holländer führend tätig war. wird seine Gestatt bei uns unvergeßlich bleiben. Nicht nur um defsentwillen. was er gelehrt und erstrebt hat, sondern vor allem wegen des heiligen Ernstes, mit dem er seinen Lebenskampf kämpfte, von dem erlöst cr mm die Ruhe gesunden hat. lleinrieb Stern.