Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Motto? gernbe^t idealistische Begeisterung ‘für. .Olrinfmn't vvraiissetzte, muß daraus geschlvsien werden, das; man es (weil. iiumer nocki welche „nachkamen") eine geschlagene stunde ivarteu lies;, bis man es zu „begeistern" sich anschickte. Das gelang daun aber volllommeii, und der Hauptgrund Cläre Arnstein Fol. Arno Kihalcr dafür ist rasch gesagt: E? leitete M a x El; r l i ich. e? konferierte Max Ehrlich, es spielte Mar Ehrlich. Ihm, der an diesen; Abend wieder einmal bewies, wie sehr Kleinkunst große Kunst sein kann, war in erster Linie der Erfolg de? Abends zu verdanken. Bon der ersten Minute an gelang e? ihm, lebendigen Kontakt mit dem Publikum herznstellen, was nicht nur als Resultat geschickter, immer neu zündender Kvnfärenee, sonderi; vor allem auch alS Ergebnis klugen psychologischen Erfassens der Wünsche des Publikums anzusehen ist. Besonders Hervorgel,oben seien seine meisterlichen „Schauspielerporträts", besonders d a u k b a r hervorgehoben seine Beinühnngen. sich nicht nur für sich selber, für seine eigene Kunst einzusehen, sonderndaiteben unbekannten, begabten Kabarettisten den Weg zur jüdischen Oesfentlichkeit zu bahnen. Die Künstlerin, die er an diesem Abend dem Publikum borstellte, heißt kläre .A r n st e i n. „das Mädel mit der Harmonika". Cläre Arnstein ist kein Tutzendgcsicht und kein Duhendtalcnt, sondern eine ungewbhnliche Kabarettbegabnng, ivas auch, das Publikum, spontan Beifall spendend, erkannte. Ihr Programm: selbstkoinpviurrte, selbstgedichtete, selbstvvrgetragene Chanson? mit eigener Akkordeon-Begleitung, diskret und originell zugleich, glücklicherweise gar nicht in; üblichen Sinne „versiert". K ei ne Dntzenderscheinung: Cläreitlrnstein. Die übrigen Darbietungen waren von gutem. Kleinkunstnibcan: Annemarle Hirs ch mit neuen ChansonS von Engen T a nii enba u in und in einem Sketch mit (Frich W o l f; der Grotesktänzer Blum (Walkmest mit seiner Partnerin Toni Belting; die öhänsvnette Ruth Lehnberg; bewährt am sslügel und als Partner in den Ehrlich-Sketchs: Ludwig S ch l e s i n g e r. Die Kapelle Oschitzki spielte zum Tanz. H. B—n. „Carmen“ in anderer Besetzung Die lebten „Carmen"-Aufführungen der Berliner K u l t u r b li n d b ü hui e wurden von Berthold S a n d e r dirigiert, dem vorzüglichen Chorleiter unserer Oper, der auch ain Dirigentenpult schon mehrfach den Beweis für nngewöbnliche musikalische Präzision und dramatische GestaltungSgabe erbracht hat. Daß die glänzend einstudierteii Chöre nun noch weiter in den Vordergrund traten und teilweise sogar den Mittelpunkt im Ablauf der Handlung bildeten, war.erklärlich und fand besonders seine Berechtigung darum, weil Anna L i p i n, die an Stelle von Susanne Lbivenstein die Titelrolle sang, durch eine plötzlich austretende Indisposition inerklich an der Entfaltung ihres schönen Stinunaterials bebindert wurde. Hermäim gl a I, in s /sehr gefälliger, schmiegsamer Tenor fand si-ch mit den gesanglichen Schwierigkeiten des Don Jost'- gut ab. ohne aber in der Darstellung' — vorwiegend wohl eine i^vlgc der noch zu starken Abhängigkeit vom Taktstock — die Gefahren der heiklen Rolle vermeiden zu können. Bon überragender Tragkraft war der Sopran der gastierenden Anm,' Bl o l n a r. die mit der Mieacla in annuitigem Spiel und schönem Ausdruck die beste Leistung der stilistischen Neubesetzung gab. Die lebensprühende - Aufführung, die bedeutendste, die die Oper bisher zu geben vermochte, hatte ihren Schwung und die .vollkommene Geschlossenheit frisch betvahrl. Kai. Juden In Volks-und Mittelschulen In Heft 2 de? „Amtsblatts des Reichs- und Preußischen Rlinisteriüms für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung und der Unterrichtsverivaltungen der anderen Länder" vom 20.Januar ist eine statistische Atitteilung über die Volksschulen und die mittleren Schulen in Preußen nach dem Stande vom 24. Oktober 1934 und vom 15. Mai 1935 erschienen, die interessante Tabellen und Berechnungen über den Stand des Volksschul'. und Mittelschulwesens enthält. In dieser Statistik sind auch Angaben über jüdische Schulen und jüdische Schüler enthalten. Es gibt in Preußen im Schuljahr 1935 30 (Stichtag: 15. Mar 1935) 32742 ö f f e nt liche Volkss ch u l e u. in denen insgesamt 4 908 852 . Kinder unterrichtet werden. Don diesen Volksschulen sind 43 jüdisch, d. h, 0,1 Prozent;. Unter den vollbeschäftigten 77 220 Lehrern sind 94 Juden, d. h. 0I Prozent, unter 26 325 vollbeschäftigten Lehrerinnen sind 24 Jüdinnen, d. h. 0.1 Prozent. Insgesamt sind im öffentlichen Volksschuldienst 118 jüdische Lehrpersonen tätig. Diejeniger Lehrkräfte, die nicht an jüdischen Schulen tätig waren, sondern auf Grund' der Ausnahmebestimmungen des Berussbeamtengesehes vom Jahre 1933 im Amte verblieben sind, sind nunmehr gemäß den Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen ausgeschieden. Die Zahl der jüdischen Schulkinder beträgt 14 537. Sie bilden also bei 4 908 852 Schulkindern insgesamt einen Hundertsatz von 0,3. Die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen ist vom 24. Oktober 1934 bis zum 15. Mai 1935 von 16 331 auf 14 537, also um 1794 zurückgegangen (Auswanderung, Uebergang in neugegründete private jüdische Volksschulen), Zn Beginn des Schuljahres 1935/36 sind 28 private j ü d i s ch e V o l k 8 s ch u l e n unter insgesamt 290 privaten Volksschulen . festgestellt worden; im Vorjahr waren es,25 Anstalten. Die Schülerzahl der jüdischen privaten Volksschulen betrug 7276 und hat seit dem 24. Oktober 1s»34. (4865) um 2411 zugen 0 mme n. Insgesamt iverden in Preußen in 71 jüdischen Volksschulen 21 813 jüdische Kinder unterrichtet. : In öfsent l i ch e n M i t t e l s ch u l e n waren unter 165 069 Schulkindern 2172 jüdische (2104 in Mittelschulen und 68 in Nektoratsschulen), d. s. 1,3 v. H. In privaten mittleren Schulen waren unter 30 497 Schulkindern 1030 jüdische (172 in Mittelschulen, 376 in Nektoratsschulen und 482 in sonstigen 'Anstalten), d. f. 3,4 v. H. Insgesamt waren in öffentlichen und privaten Mittelschulen 3202 jüdische Schulkinder. Zu Beginn des jetzt ablaufenden Schuljahres wurden 25 015 jüdische Kinder in Volks- und Mittelschulen unterrichtet. , Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M. James Barrie. von dem seit dem Jahre 1920 kein, neues Stück mehr zur Aufführung, gelangt in. i.vird iin Februar. mit einem biblischen Drama auf die englische Bühne zurückkehren.'Das 'Stuck >v:rd vorausiiebllicki ..Dlia two St«'ph:irals" betitelt 'ein: Elisabeth B e r g n e r nurd darin die Hauptrolle des . jugendlichen -David spielen, der Goliath, erscküägt. In der Israelitischen Ungarischen Gesellschaft in Budapest sprach Dr. Moses Nicht mann über das Thema ,.Moses Mendelssohn als Verteidiger des Judentums". Dr. B/illi A r 0 u. der frühere Oderregineur der Operntheater, in Aachen. Dortmund, Helling —st-e-/ n. ,L. : m cküi chfck! Ulii I^aßem Erfolge-dres- Os'enbaea E'.uakter, :m ' ckra::l'-u.r!er Kulturbund in T riest die Reche in der ..Götterdämmerung" , und der ..Elektra'. Die Trteuer Kritik rühmt einstiu'unig ..In!-un >^pori,-n?.a l.-ulealm' und schreibt 'einer Regie einen guten Teil des großen Ersolgcs zu. , . " ' Vas tut die berliner jüdische Gemeinde? Am Sonntag fand die achte Führung des Werbereierats der Berliner jüdischen Gemeinde statt. Unter, Leitung von Leo K r e i n d I c t besichtigten die Teilnehmer znnächst die Shnagoge Kaiserstraße, eines der ältesten jüdischen Gotteshäuser in Berlin, ganz ohne Entfaltung von Prunk und Pomp in äußerster Schlichtheit erbaut. Tie Shnagoge. in der seit 1870 regelmäßiger Gottesdienst im alten Ritus stattfindet, enthält etwa 1200 Plätze. Sie wird von religiös erfüllten orthodoxen Menschen, an? dem Osten Berlins stark besucht. Nach einem historischen Rückblick wurden u. a. die sehr schönen alten Tvravorhünge des Gotteshauses gezeigt. Im Anschluß an die Besichtigung der Synagoge führte Rektor Mar R e s ch k e durch die Schule- Kaiserstraße. Sie ivnrde, 1900 errichtet, znnächst als Mädchenschule, erst ab 1932 dient sie als Knabeiwolksschule. 9>>0 Kinder sind in neunzehn Klanen untergebracht. Der Unterricht findet nach den Richtlinien der öffentlichen Anstalten statt, wobei allerdings dem hebräischen -Unterricht ein besonderer Platz eingeraumt wird. Die interessante Führung durch die verschiedensten Klassen vermittelte allen Teilnehmern den Eindruck, daß die Schule in .der Kaiserstraße mit regelmäßiger Vorführung und-pädagogischer Auswertung von Schulfilmen, mit besonders ailsge? " bautem Werkunterricht lisio. in besonders hohem, Maße den Ersorderungen der „Gegenw'ar.tsschnle" . entspricht. . . H. v—n. Berliner jüdische UJinterhilfe Ehrenamtliche Helferinnen für die Pfundspende aür die Pfundspende werden in allen Bezirken Saminlerinnen benötigt. Freiwillige Hetferinnen, die bereit sind, sich sür diese , wichtige soziale Arbeit zur Bersügung zu stellen, wollen sich im Büro der Jüdischen Winterhilfe, Abteilung Psnndspende, Grnnewald, Iagowstraße 30' (Telephon Schmargendorf H 9 0237) melden. Kabarett-Abend der Jüdischen Winterhilfe. Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gibt unter dem Protektorat eines Dämen- Komitees zugunsten ihrer Hilfsbedürftigen am Sonntag, dem 9. Februar, im großen Saal des Briidervereinshauses einen Tee-'Rachmittag. Tie Karten zu dieser Veranstaltung sind bereits seit Tagen vergriffen. Aus diesem Grunde findet eine Wiederholung dieser Vorstellung statt, . und zwar am.’ 17. Februar, 20 Uhr, ebenfalls im großen . Saal des Brüdervrreinshauses. Biitwirkende: Das Orchester der Jüdischen Kiinstlerhilfe unter der. Leitung seines Dirigenten'Rudolf Schwarz, Cläre A rnstei.u, Ruth C nudelt, Annemarie. Hirsch, Nelly Hirsch. Marion K v e g e l . Lene M a r k i e w i ß , Willy P r a g e r; Camilla S p ira , Frida Webe r- ^leßburg, Ruth Wolfsreim. Kvnserenee: dar Ehrlich, am Flügel Erna Klein und Kurt Hirsch-Herweg. Karten zum Preise von 3 und 2 RM sind erhältlich bei den Buchhandlungen Kedem, Tahlmannstraße 8, Ernst Wolfs, Prager Platz 4 und Philo Verlag, Pariser Straße 14, sowie bei dem Pförtner der Jüdischen .Gemeinde Oranienburger Straße 29 und bei den Kastellanen der Synagogen Fasanenstraße 79/80 und Levetzowstraße 7 8. Einlaß nur gegen Kulturbund- oder'VR-Auswelskarte. Dr. Leo Jacobsohn, der schon mehrfach mit populär-wissenschaftlichen Vorträgen vor die Leffentlichkeit getreten ist. hält im Lvgenhaus Kleiststraße am 20. Februar, 20.30 Uhr, einen Vortrag über „Magnetismus, Suggestion, Hypnose". Der Bortrag findet zugunsten der jüdischen Winterhilfe statt. Karten zum Preise von 1,--- RAt und 1,50 NM (an . der Abendkalse erfolgt ein Ausschlag von 0.25 RM) sind erhältlich beim Philo-Vcrlag, Pariser Straße 44 und bei der Propaganda-Abteilung der -Jüdischen Winterhilfe. Roscnstraße 2—4 (Telephon Dl Norden 6711, Apparat 39). Seelische Winterhilfe»F reu de imW Unter* 14. V c r a u staltun g. Konzert im Friedens-. tempel am 8. Februar 1930, 20 Uyr>O Aiitwirkende: Lili E l l r e i ch (Klavier), . Greta Gundersh e i in - F r i e d m a n n (Ktavieri. Edvard M o r i tz (Klavier,. Walter Olitzki (Gesangs, Anni Roesler (Cello), Hermann Schwarz (Orgel), Leo T s ch e r n i a w s k y (Violine). Hede T ü r k - B ö r nstein (Gesang). Es spricht Intendant Tr. Kurt 15. V e r a n st a l t u m g. Konzert in der Synagoge Priirzregentcnstraße 09'70 am 15. Februar 1930, 20 Uhr. Mitwirkende: Tora B c r n st e i n - B ö r n e r (Gesang), Werner Katz (Klavier), Kurt Lomn i tz e r (Cello), Hans M ä r g 0 l i n s k i (Klavier), Wann und wo finden Sie Rat? lless.-Xassau und Hessen. Frankl. a. M. Stoiirn-t1" 9, Zimmer 22; Mnn*- i.m Miuwoeh, Freitag 11 bis 13 Uhr. (Tel.: 25403.) - Mainz -Ubini*tr. 12. Mont:ig—Freitag 14—18 Uhr. (Tel.: 31857.) Kassel Gemeindehaus. 13.' Februar 1936, 17—19 '-Uhr. - Fulda Hotel Kaufherr: 20. Februar 1936, 11—13 Uhr. ' Württemberg Stuttgart Fried rieh «Ir 54. II. regelm^ig Montag—Freitag, 11 ',-„.-12»» -Uhr..-, m In der Zeit vom 6. bi*: ■ 13. ,.F e b r u a r steht ein ■ Mitarbeiter der ■ Haiiptgescbiifts^ - die Beratung zur Veifügung. Sprechzeit: Kl WM liis 12',4-Uhr oder nach vorheriger Vereinbarung. Die Ortsgruppe Bitterfeld des C.-B. hatte die Mitglieder der Gemeinde zu eitlem Vortragsabend eingeladen, bei dem der Syndikus des Landesverbandes Mitteldeutschland, Kurt Säbatzky. (Leipzig) über d<rs Thema „Wir Juden und das Heute" referierte. Die Versammlung wurde vom Ortsgruppenvorsitzenden Willy Wolfs geleitender in seiner Schlnßansprache die Ausgaben des C.-V. für die Judenhcit in Deutschland noch einmal zusammenfaßte. - Alfred M a i (Orgel), Mar Mansfeld (Gesang), Hilde Schere schew s ki (Klavier), Wolfgang W e in traub (Violine). Es sprechen: Rabbiner Dr. G 0 t t s ch a l k und George G 0 e tz. Karten' für Hilfsbedürftige unentgeltlich ab 5. Februar 1936 im Winterhilfe-Bezirk Südwest, Münchener Straße 37, Winterhilfe-Bezirk Friedenau. . Wilhelm - Hauff - Straße 16, Wvhlfahrts .- Bezirk Münchener Straße 37. M 9. Februar 1 9 3 6 iirdie itfcrliillo W|!. Jüdischü Von Walther Victor Die vierte Nacht Am Donnerstag klagte Heinrich Heine immer wieder über ^öpfschmerzen. Dr. Grubt) bat ibu basier dringend, von jeder Arbeit abzusesieu und sich ganz der Ruhe hinzngeben. ES war vergeblich. AlS füsilte der Krazike. daß das Ende nun bevorstesie. war er doppelt erfüllt von den beiden Gedanken, die isin bis zum letzten ' Angenlzlick bewegten und seinen rastlosen Geist pausenlos beschäftigten: die Sorge um Bratsiil'de und die Selbstrechenschaft vor der Geschick,te. Daß es fast acht Tage her war, seit isin die Btonche besucht, trilg er mit. resigniertem Seufzen. Daß die Zeitnngsschreiber nicht anfsiörten. seine Worte zu verdresien. einseitige Bilder zu entwerfen von seiner Gesinnung,' regte ihn immer von neuem aus. Drüben, ans dem Schreibtisch, lagen noch die beiden letzten Artikel, über die er sich so -maßlos geärgert. In dem einen war er der Kouuuuulst, der Btantt, der Prosper Enfantin, dem Saint-Simonisten-srührer. ein Buch gewidmet, mit Karl -Marr verkehrt, in dem anderen der heillose stieaktiouär. der sich vom Biinisterilim Guizot hatte bezahlen l-assen, der Pensionär Louis Philipps, der sich, gehorsam seinen Geldgebern, zum Btonarchisten bekannt siaBo—Dieser warf ihm vor, daß er nicht hatte als Emigrant gelten wollen, sich plantnäßig ferngehalten hatte von den in Paris lebenden Revolutionären und nun penetrant der deutschen Heimat nachflenne, jener nannte 4tm einen Iranzösling und Baterlandsseiud und zitierte aus der Borrede zur „Lutetia" aus dem Zusammenhang gerissene Einzelsätze, die jeden Patrioten empören mußten. „Mögen sie es unter sich austragen!", hatte er gescherzt, als man ihm die Angriffe vorgelesen. Und dann geschwiegen. In seinen -Kissen lag er. maskenhaft bleich das Antlitz, hernntergelafsen der Vorhang vor der Bühne, auf der das grausame Spiel, die Tragödie Heine, doch Akt für Akt weiterging. Ist sein Bild zweideutig? Alle Sätze, die er je geschrieben, gewinnen neues Leben in ihm. Es ist nicht genug, zu wissen, daß sie beide unrecht' haben, dieser wie jener! Qualvoll peinigt der Gedanke an jedes inögliche Mißverstehen, raubt die Ruhe, reißt von einer Erinnerung in die andere. Ist das sein unabwendbares Schicksal? Erst die Nacht und ihr großes Schweigen führen zu ruhigerer Besinnung. Wieder uikd wieder fallen die Bekenntnisse seines Lebens ihm ein. Was er dort gesagt und was hier. Und Satz für -Satz, wie er ihn niedergeschrieben. Ist nicht dieses ganze Leben, von früHefter Kindheit ’an.' wach in ihm? Drei-Revolntionen hat es gesehen. . Eifernd. Brennend. Der Knabe berauschte sich an den Bildern um den großen Rapolpon und trug ahnungsvoll den gärenden Sinn dem Windaus dem Westen entgegen. Der schon alle Enttäuschungen erlebt.- alle Rückschläge erlitten, der Dreißigjährige, der sich in Helgoland gesnndbaden will vom leidemnachenden Kampf mit tausend Widerständen, - hört die Botschaft der Jnkirebolntion wie „Sonnenstrahlen, eingewickelt in Druckpapier, und sie entflammten meine Seele bis zum wildesten Brand. Mir war. als könnte ich den ganzen Ozean bis zum Nordpol anzünden mir den Gluten der^ Begeisterung und der tollen Ivreitde, die in mir loderten. . . Bon jenen wilden, _ in Druckpapier eiugewickelten Sonnenstrahlen ist mir einer ins Gehirn geflogen, und alle meine Gedanken brannten lichterloh. Vergebens tauche ich den Kopf in die See. Kein Wasser löscht dieses griechische ,Zeuer. .. Sogar die armen Helgoländer jubeln vor Freude, obgleich sie die Ereignisse nur instinktmäßig begreifen. Ter Mischer, der mich gesterit nach der kleinen Sandinsel, wo man badet, überfuhr, lachte mich au mit den Worteu: ,Die armen Leute haben gesiegt!' . . Und achtzehn Jahre der Erkenntnisse und Erfahrungen gingen noch einmal dahin, längst war ans Skepsis und Wissen Ueberzengnng gereift, als das^Jahr.1848.ins Land zog. Hohn und Spott waren sein Echo! Drei Revolutionen, — ach, die armen Leute hatten nicht gesiegt, nicht der Geist und nicht das griechische Leiter. Uebriggcbliebcn waren zerrissene Völker und Spießer. Und er, Heinrich Heine, er war über den Rhein gegangen. . . .'Aber schon indem erging,' begann er heimzukehren. Ja, es — „wäre leicht, wenn man nicht das Vaterland .hu den Schuhsohlen init sich schleppte-!".- gesteht er wehmütig. „Gib dich zufrieden. Vater Rhein: Deus nicht an schlechte Lieder! Ein -bessres Lied vernimmst du bald — Leb wohl, wir sehen uns wieder!" . Seine ^iebe war nicht nur Sentimentalität. Er war und blieb in eigensinniger Wahlverivandtschaft einer Neigung treu, die ous Tradition und Romantik wundersam gemischt war. „Ich höre noch, immer, wie die alten Eichenwäldermich umrauscheu. wie jedes Blatt mir zuflüstert: Hier wohnten die Stämme, die am spätesten Glauben und Germ-auentilm einbüßten." Es war, ja. ja, er hat es einmal gedichtet, seine „ferne Liebe". Deutschland.^ das—klUmgesimLe^Laud, bivtL - ewigen Bestand hat. - Und Heine entschlummert. Ein wohliger Traum fängt ihn ein. Er sieht den Gewürzkräiner in seinem Laden, (nmacht Tüten aus den lttrtikcln seiner Feinde ... (Fortsetzung folgt)