Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 6 * 1. Beiblatt CMftttung 6. Februar 1936 Grüne Felder Die Uraufführung des Idylls von Perez Hirschbein im Berliner Kulturbund Mit zwei Werken der modernenoftjüdischen Dramatik hatte uns die Kultnrbundbühue bisher bekannt gemacht: mit der anspruchslosen kleinburgertichen Komödie .„«oukin und der Haupttreffer" von Semen ' Iuschkewitsch und dem aus Traum und Wirklichkeit . geborenen, ernsthaft - heiteren Spiel ,,Brvnr-Erpreß" des amerikanisierten Osteuropäers Ofsip Tpmow. Als dritte», bringt sic jetzt das dreiakticzo Idyll „G r iin c Felde r" von P c r c z H i r s eh b e i n . der zuerst im Jahre 1!K)5 mit einem hebräischen Trama „Mirjam" herbortrat. sich dann aber mit erhöhtem Eifer und wachsendem Erfolge der jiddschcn Dichtung zuwaudte. Ich kenne von seinen früheren Stücken „Das Gelöbnis" (das A. Eliasberg in seiner Sammlung „jüdisches Theater" deutsch herausgebracht hat): . ein düsteres Melodram ans svzialreligiöser Gruit^lage, das deutlich den Einfluß Tolstois und vor allem des für die ganze ostjüdische Moderne außerordentlich bedeutsam, symbolisch-realistischen ^timmungsdramatikers Maeterlinck erkennen läßt. " In seinen „Grünen Feldern" gibt sich Perez Hirschbein , heller, heiterer, unbeschwerter. Er löst sich von der verhältnismäßig noch jungen Tradition des modernen vstjüdischen Theaters, von dem völlig stillosen Singspielgemisch seines Begründers Abraham Goldfaden, aber auch von der brutal-sentimentalen Familientragik des ungemein produktiven, in seinein Drama „Mirele" Esr-os" immerhin einem höheren. Niveau zustrebenden Jakob Gordin — und wird zum Idylliker. Wird er damit auch zum Dramatiker? Er wird es. wenigstens im letzten Akt seines Stückes. Hier setzt sich das Zuständliche in Bewegung, das Genrebildliche in Individuell-Gestältetes. das chis dahin latente und. starre, schmächtige und episodenhafte Spiel der Kräfte in eine lebhaftere. vollere Aktion und Gegenaktion um. Ja. hier erst begibt sich etwas, wozu die beiden ersten Akte eigentlich nur die Voraussetzung, nur die andeutende Exposition schufen: zwei jüdische Törslerfamilien. die sich in kleinlichen Sticheleien ihr Leben verbitterten, söhnen sich miteinander aus; die Tochter der einen heiratet, nachdem der Widerstand des Vaters gebrochen ist, den Heiterkeit, die dem Publikum von. jeher bel>agte und dw denn auch an diesem Abend den Erfolg des. Stückes entschieden hat. .Mau wird, sich indes nicht verhehlen .dürfen, daß der ausgeprägte Charakter eines, jüdischen Bauernstückes in d-'r etwas dünnen und farblosen Atmosphäre. der „Grünen - Felder" — im Gegensatz etwa'zu der würzigen und durrlfsonnten Lust, die yns ans den blnisenden podolischen Kleefeldern in orgensterns neuem Roman vom „Verlorenen Sohn" umfängt — nicht voll zum Durchbruch gekommen ist. und daß auch manche Figur nicht dem Nährboden zu entftainnleil scheint, der sie trägt lind ihre Füge geformthat. Möglich, daß durch die notwendig gewordene Umbildung aus dem ganz besonders gefärbten Nrsprungsidiom des Jiddischen ins Mvdern-Hvchdeutsche, so geschickt lind anpassungsfähig der Ueberfetzer Leo Hirsch offenbar seines Amtes gewaltet hat. das bäuerliche Kolorit einigermaßen verwischt.wurde: was wären Anzengrllbers. was Gerhart Hauptmanns Bauerngestalten ohne ihre sprachliche Eigenart? Was dem Stucke jedock an Erdgeruch und intensiver Leuchtkraft örtlicher Wosenszüge fehlt, ersetzt es durch der: reinen Klang dks Jüdischen, der aus den schlichten, unverbildeten Seelen dieser Dörfler deutlich vernehmbar anfsteigt. Sie sind, in ihrer Welt» abgeschiedenheit und entfernt von aller gottesdienstlichen Uebung, gute Juden geblieben; Mesnses schmücken ihre Türpfosten; sie sprechen das Tischgebet und berufen sich auf die Thora, wenn sie von den Kindern Gehorsam verlangen, und den Fremdling, der noch dazu im Talmud bewandert ist. nehmen sie wie ei,len Gesandten des Himnlels bei sich ans, glücklich lind geehrt, daß er jüdische Lehre und jüdische Bildung in ihr Haus bringt und sie in ihrem nicht immer gegenwärtigen Gottesbewußtfein zu stärken vermag. In diesen einfachen jüdischen Bauern lebt ein naives Gefühl des Frommseins, das noch aus dem Alltag mit seiner drückenden Enge und Arbeit einen Feiertag machen Möchte, und das ebenso einer, tiefen religiösen Sehnsucht wie — im Goetheschen M id&S v\\ Oben. 1. Akt: Sigmund Nunberg, Jenny Bernsteinj Schaffer, Lilly Kann, Fritz i Unten: Gina Friedmann- 11 jfi Petruachka, Herbert Grün- I Iav’ ' *\ ^1 2 3 4 5 ' bäum j_ ' » j,\ Rechts: Ellen Moses, ^‘ / X' Nikolai Eljaschow Ir OTXf 1 ,^*4^ —Ci. V?>- J fcw /IW Sohn der anderen, ein junger Raw aber, der, wie von ungefähr, aus der Welt draußen in das abgelegene Dorf hineinschneit, krönt als heißbegchrter Schwiegersohn den allgemeinen Herzensbund. Ties alles wird ganz unkompliziert und mit den primitivsten Mitteln volksstückartiger Szenensührung dargestellt, in jener wohlabgewogenen Mischung von Rührung und Sinne — der höchsten Ehrfurcht entspringt. Tie Regie Fritz I e tz n e r s hütete sich davor, dem spezifisch Jüdischen durch Ueberbetonung individuell - charakteristischer oder sprachlicher Eigenschaften . seine würdevolle, innere Melodie zu nehmen. Auch sonst war sie sparsam und zurückhaltend, im Tempo der beiden ersten Akre vielleicht noch gemächlicher. als es die ohnehin breite Züftands- Aui dem Schluaabild: Nikolai Eljaachoff, Jenny Bernatein-Schaffer, Sigmund Nunberg schilderung zu gelassen hätte; im letzten Akt griff sie dann beherzter zu, lvurde guit den Vvrlvärtstreibellden Vorgängen schwung- Hafter, beweglicher und verstärkte nockf das heiter-unwahrscheinliche Element der Schlußszene durch einen reizvollen Zug grotesker Stilisierung. In der Darstellung überwvg diesmal das männlictie Geschlecht; vor allein schien die Landluft, soiveit sie der Dichter eingefangen hatte, den Männern viel besser zu behagen als den in den städtischen Salons offenbar noch allzu heiinifcl>en Frauen. S i g in n n d Nunberg gab. in prachtvoller Anschaulichkeit. den Vater der einen alteingesessenen. Banernfaniilie: gebräunt von der ackerliehen Scholle, männlich olzne Härte, selbstlos und jovial, dazu ein Jude. der sich mit Recht ein jüdisches Herz zufprechen und auch eine heiu> liche Träne riilcht verschmähen durfte. Auch sein ältester Sohn, von H e r b e r t G r ü n - bau m sehr lebendig dargestellt. verriet in dem eigenwilligen, sinnlichen Trotz etwas .vom rustikalen Menschenschlag. Dagegen schien Bert h old S e g a l l (V e r tibi, der jüngere Sohn, seine feineren Vianieren ans der Sekunda eines Gymnasiums bezogen zu haben. Auf der anderen väterlichen Seite bemühte sich Fritz L i o n , nicht ohne Erfolg, durch eine bäuerliche Maske zu dem Charakter eines streitsüchtigen nild brutalen dörflicheil Cholerikers durchzustoßeu. aus dessen harter Schale sich zum Sckstnß doch noch ein guter Kern" herausschält. Zwischen beiden Fainilieil stand, in einem ganz anderen Bereich wurzelnd. der jullge Raw von N i k v l a i E l j a s cl> o s f. Wir haben den Künstler nur als aiisgezeichneten Regisseur des „Blauen Vogel" und. in letzter, Zeit, des * farbigen „Lstjüdischen Bilderbogen" kennengelernt: als Schauspieler -trat er unseres. Wissens hier-zinit ersten Riale, vor das Publikunl. Sein Debüt hätte kaniil glücklicher ausfallen können. Eine zarte, behutsanle. int Anfang vielleicht etwas zu stark betonte Scheu lag über diesem Wanderer ziveier Welten, der, leise dozierend, seine talmudisch gefestigte Frömmigkeit in die ihm völlig nene llingebnug bringt, bis er schließlich ans seinem Leelensrieden heranstritt und sich mit dem plötzlichen Bint der Entschlossenheit einenl höchst diesseitigell Glück gefangengil't. E l l e n Bi o s e s . die iverbend. Ilm» -wordene', war freilich ihrem B.'ilien ganz entwachsen. Sie gab eine iniintere Naive, eine junge, kokette Städterin, niid es fragt ficl, nur. ob sie der an sich dankbaren Rolle etwas geben konnte, ivas ihr vom Dichter versagt war. Auch ihre Partnerin. G i n a F r i e d - m a n n (Petrnschkal. die nach .mancherlei Widerständen für sich gleichfalls das happy eml einer Vereinignng mit dem Liebendeil herbeiführt, hätte rveuig von derber, robuster Ländlichkeit. Von den beiden Biüttern war die vielseitige L i l l p -K a n N der echtere, rnlidere Baneriitypns: in Ie-n.nv Bern-. ft e i n - S ch a f f e r .war' das Bäuerliche zn einer inneren Noblesse geadekt, in der eine gereifte, warme Vlütterlichkeit zu strahlc-udem Ausdruck kam. Das Publikum,rief zum Schluß alle Beteiligten stürmisch'vor den Vorhang. ' Pr. Hugo Lai-Iiinan*ki Vor der Eröffnung der jüdischen Jugendbühne Am!>. Februar beginnt die iübifdje Illgenvbiiliiie unter Leitung non Ernst R o s e n lnr u m tRadent und Werinr Hi n z e l m a tt n iyre Tätigfeit, nachdem sie sich vorder den interessierten Lrganisatimten und Persönlichkeiten, den Leitern Äiililiiiiiiiiiililiiiiiiiiiillliiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiilliiiiliiiiiiiliiiiiiliil^ t' >. o r K tt i. t s | Hausverwaltungen I ,.> ,.i, Firma S. ACKERN ANN f München Berlin W9| SS Ritter v. Kj.p IMatr. » . ' _ Tirpit*’ l'fer 22 g S Kiste It«*fer«*uzpn! Beratung bai Immoblllen-Varklufen ä des Reichsverbande.-? jüdischer .giiltnrbiinde, deS Berliner NnltnebundeS. der ^ä,iilvermaltn>ig. den 'yelfrern und nicht .zuletztder strengen Üritik vorgestellt haben -wird. Am, soll mich die jüdische gngend itzr' eigenes Tbeater erhallen, und ..sie bratickst nicht mehr neidisch ,zn sein ans die Ecmachsenen. wenn dieie beglückt von de» Atissnhrttngen deS Knltnrbttndes erzählen. Die jüdische Engend .brattcht hente das Theater besonders nötig, denn es »rächt sie frei von der Rot des Tages. Der Kulturbund selbst kann die Ausgabe nicht überitehmeu. die hngend mit dem ihr gemäsien Theater zu versorgen. Auch ist es zn schmierig. .Niiider an-, allen-lsiegeiideii Berlins au einem bestimmteit Platz zi, versammeln. Die gngendbnhne inacht es ihrem Publikum so begnem wie inögtich, sie-komint selbst zu ihm. soiveit es nur angeht. Fast in jeder Tck)»le ist eine Aula mit einer kleineit Blihne, woraus sick> sehr schön ^Theater stnelen lagt. Für den Ützesten steht der Taal des Eafö Veo» zur!t!erfügnng. Für dieA^esetzniig der Stücke stehen eine ganze Fal,l aiisgezeichiieter Darsteller, von denen sick, manche an ersten Bülinc-n einen ttlmnen' gemacht haben, .zur Berfiigillig. Der .Üiiltiirbniid kann sie nictit alle besck><isttgen. und sie sind glücklich, mit ihrer Kunst - und ihrer Begeisterung dem nene» llnternehmen dienen zu-dürfen. 'Auch ivas die sustuinluste AiiSstattting betrifft, ivird die Fugend siel,er nicht zn kurz komme», denn diese stammt ans de» Beständen -des .üiiltnrbtindes. dnrel, den Die Fugendbühne die ave i lest geh ende Förderimg erl,ält. Das Prograrinii ist daraus angelegt, der Fugend Den Ausblick, in die Schätze der dramatis>l>en -llelt. literatnr zn öünen. "Kor allem aber, und das iit der Hauptzweck, soll das jiidiselie Drama gepflegt iverden jüdilit>e Ttvts.e im Trnma oder tttü'rke südiietier Autoren. T ies ist sreilich der sehwie- '.rigste Punkt, iveit seine Ersnllnng davon abhmrgt. vb \w>> die FtckunN das echte jüdische Drama' bringt. Bieltescht ntzt sein I,eis;eriel,,iter Antor ttnter dem Pnblikttm der'Fngendbühite. Er hat Eietegeiiheit. tirlj seine TPoren ans den Brettern des iieneii Theaters zu verdienen: Als Erössniiiigsoorstellniig gelangt in der Aula der Mittelschule in der t^rvsieii Hamburger Ttraste „Der eingebildete Kranke", von Ai v l ir e znr Ausführung, die Komödie des Mannes, der seine Teiigkeit gfieiu in'dein Elaiibe» au seine Krankheit tindes'. Dmint ivird er eine Fugend erlieitern. die lieber dnreil den >>'ilaul>en an ihre- Eesimdheit imdSlarke selig iverde loiil. A,. K. Kleinkunstabend in Berlin ..Begeisterung durch Kleiufiiii't' stund -als Motto über dem Kabarett-Abend,- de» der B n n d der K n ii it freunde zngnnsten der Füdischcn 'Al i tt t c x I) i I r e veranstaltete. Tttft man beim Pnblilnm von vornherein in Abivandlung des ll^-ZukunfttbrerKinder Landschulheim Florenz Höhere.Schule und Internat 1. Schulbildung bis zum Abiturium 2. Für Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen 4. Studienberechtigung in fast allen Staaten 5. Werkunterricht, Landarbeit, Haushaltkunde 6. Vorbereitung für Palästina 7. Aerzfliche Ueberwachung, indivi- —-doelle Förderung-——--—-— 8. Schönste Umgebung, gutes Klima, 9. Erstklassige Verpflegung 10. Zeitgemässe Preise — keine Transferschwierigkeiten Neuaufnahmen zum 1.3. und 1.4. 36. Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Oberres-'Rat «.o. Or. Werner Peiser Dr. M. Qoldsteln Florenz, Villa Pazzi, Pian dei Guillarf