Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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C-V.-Zeitung Nr. 2 3. Beiblatt DAS NEUE BUCH 9. Januar 1936 „Kulturgeschichte als Kultursoziologie“ Zu Alfred Webers „Kulturgeschichte als Kultur» s oz io l ogie“. A. W. Sijthoff's Uitgeversmaatschappij N. V., Leiden 1935 Auf-dem Hintergrund, der PrälMorie inmitten dessen, was wir heute die Welt der Primitiven nennen, entstehen - seit etwa 3500 v. Ehr. die sogenannten'Hochkultur-' gebiete von Aegypten, Babylonien, China und Indien, die einem unaufhörlichen Wanderungsdruck aus den um- und übergelagcrten Gebieten des eurasiatisch-nordafrikanischen Blockes ausgesetzt sind. Die Geschicke Amerikas, Groß-Afrikas, der Südsee und Australiens bleiben vorläufig ohne Einfluß auf die übrige Welt. Vom 9. bis 6. Jahrhundert v. Chr. gelangen die drei inzwischen heransgebildeten Kultursphären der Welt, die vorderasiatisch-griechische, die indische und die chinesische ln merkwürdiger Gleichzeitigkeit, anscheinend unabhängig von einander, zu universell gerichtetem religiösem und philosophischem Suchen. Fragen und Entscheiden. In diesen drei Sphären entfalten sich seit Zoroaster, den jüdischen Propheten, den griechischen Philosophen, seit Buddha, seit Laotse und Konfuzius diejenigen religiösen und philosophischen Weltdeutungen und Haltungen, die, mannigfaltig umgemodelt und transformiert, die weltreligiöse Glaubensmasse und die philosophische Deutungsmasse der Menschheit bilden, zu deren religiösem Teil seit dem Ende der Periode, d. h. seit dem 16. Jahrhundert, nichts grundlegend Neues mehr hinzugetreten ist. Mit jenem Abschluß der religiösen Produktivität beginnt die organisierte Wanderung des Abendlandes über den Erdball, getragen von einer überlegenen, sich immer ' mehr ausbildenden Technik bis zur Umwandlung der Erde in ein organisatorisch um? spanntes, für die Menschen immer einheitlicher beherrschbar' werdendes Gebilde, das durch den Verkehrssortschritt im Umfang immer mehr zusammenschrumpst. In diesem Rahmen des Totalgeschehens will Alfred Weber, der ehemalige Heidelberger Kultursoziologe, in seinem neuen kulturphilosophischen Werk das Auswachsen und Bich-Ablösen von tzeschlossenen Gesamt-, kulturen sichtbar machen, die gegen einander in Wesen und Physiognomie abgehoben find. Berücksichtigt werden dabei — in einem skizzenhaften Fluge über die meisten Räume und Zeiten der Weltgeschichte — nur diejenigen Teile der menschlichen Kultur- Phänomenologie, die universalgeschichtliche Bedeutung gewonnen haben. Ausgeschieden bleiben Afrika, die amerikanischen Halb-' kulturen, in der Hauptsache auch die Primitiven und die Prähistorie, Nicht der Sin n . der Geschichte soll ersaßt werden, sondern die ..kultnrsoziologifche" Betrachtungsweise. Alfred Webers besteht darin, in der unendlichen Geschichtserfcheinungsivelt besondere Gestaltungen, von einander abgehobene „Geschichtskörper" der Menschheit "zu' umreißen, von denen jeder seine eigenen Gesetze des Aufbaues und seine eigenen seelischen Anlagen besitzt: also eine Art von Morphologie der Geschichte. die Beschreibung besonderer Kultnrkreise nicht nach chronologischen oder sonst geordneten historischen Vorgängen, sondern die Erfassung ihrer soziologischen Struktur, ihres nur ihr eigenen ..Geistes". Alfred Weber gibt also keine konkrete Geschichte im Sinne Rankes. Es werden bielmehr dargest'ellt „die auseinander ausgebauten oder, wie sin Osten, dauernd-neben einander stehenden Geschichtsbezirke, der chinesische, der indische iin Osten, im Westen der ägyptisch-babylonische: der persischjüdische und antike Mittelmeerkulturkreis. der byzantinisch-slavisch-östliche. der islamische und der abendländische", und zwar „als Geschichtskörper, deren geschlossene Körpcrhaftigkeit durch etwas auch äußerlich Sichtbares und Faßbares, ihre sozial-strukturelle Formationen und deren Wandlungen, greifbar sind". Diese „Primär- und Sekundärkulturen" stehen alle in eineruzroßen. einheitlich stufenweise fortschreitenden Bewegung der Zivilisation und der theoretisch-intellektuellen Beherrschung des Daseins. ..Immer wieder springt, eine neue Schicksalshaltung gegenüber dem Dasernsstoss auf." Tie dunklen, dumpfen, dämonischen Kräfte gehören dabei ebenso zur Gesainteristcnz jedes einzelnen Geschichtskörpers, weil überhaupt zu unserer Gesanltexistenz. wie das harmonisch Geklärte. Durchdachte, Ausgesprochene. „Wir wären platte Bildungsphilister, wenn wir diese mitverflochtenen, in den verschiedenen Kulturen ganz verschieden gefühlten, in manchen als dämonische Schicksalsgewalt, in anderen als seinsgegeben-kosmisch, in gewissen als das radikal böse begriffenen Haltungen, Handlungsgewalten und auch Gestaltungskräfte nicht mitfähen. die erst das Abgründige und die Spannweite des Vollendungsbogens über dem Abgrund mit bestimmen." „Wo der Mensch aus einer Seelen- Verfassung handelt und gestaltet, die im ausschließlichen Ringen mit der Dämonie der Welt besteht, ohne Kenntnis einer überwindenden, über sie erhobenen Vollendungsmöglichkeit, liegt Früh- oder Halbkultur vor. Tie Webcrsche „Kulturgeschichte" ist im ausgesprochenen Gegensatz zur materialistischcn 'Geschichtsauffassung geschrieben; sie ist durchdrungen von.der erlebuisyaften Erkenntnis. daß aus jeder neuen, noch nicht dagewesenen historischen Situation immer wieder, alle Bedingungen und Möglichkeiten des menschlichen Handelns nützend, das schöpferische menschliche Handeln spontan -hervorspringt. In der Ausführung sind die DarstellimPN so vieler und manchmal-sehr entlegener KÜE ' tnren kühne Skizzen von faszinierender. Anziehungskraft: Die Kulturphysiognomien Chinas und Indiens werden mit derselben zusammengesaßten und. abgekürzten Eindringlichkeit in den Umrissen grundiert wie die „Sekundär-Kulturen" erster und zweiter Stufe: Die vorderasiatische und Mittelmcer- Antike ans der einen Seite (Inden — Perser — Griechen — Rom — die christliche Antike) wie ans der anderen Morgen- und Abendland seit Ansgang des Altertums bis 1500 (Byzanz — Islam — Rußland ~ Ritterliches Mittelalter — Italienische Renaissance — Nördnlpine Städtezeit — Reformation). Das crpnnsive Abendland seit 1500 (hauptsächlich: Nationale Kristallisationen — Aufklärung — Deutsche Renaissance — Japan) und ..Die Moderne" lFranzösische Revolution — Stufen des 19. Jahrhunderts — Materielle Lebensnmwälznng — Enthumanisierung) bilden den Abschluß. Eingesangen sollte werden unter absichtlicher Weglassung aller Tatsächlichkeiten. Ereignisse und Zustände der echte Geist der Zeiten und Kulturen. Daß bei einem solchen Versuch keine entleerten Abstraktionen oder willkürliche Konstruktionen entstanden, ist der weiten Geschichtskenntnis und dem tiefen Sinnverständnis Alfred Webers, seiner großen, über Spengler hinansgehenden Fähigkeit des „Zusämmen- Sehens", einer Art „Synopsis" entlegenster typischer Kultnrvorgänge und immer wiederkehrender kollektivpsychischer Abwandlungen zu verdanken. Trotz der Weglassung der historischen Kulissen und obwohl die gesamte Statisterie des Welttheaters samt dem Ablauf der äußere» Vorgänge einfach vorausgesetzt wird, kann man sich hier der vollkommen sicheren Führung eines erfahrenen Ranke- und Mommsen-Schülers anvertranen. Die große Gefahr solcher Gesamtbetrachtungen der Menschheitsgeschichte bleibt ja immer die Vermischung von Fiktivrz und Historie. Wenn dann noch dazu Die Elemente Wunsch und Phantasie kommen, so wird uns nur zu oft ein „Politieum" als Geschichte oder gar als „Richtschnur" praktischen Handelns serviert: im besten Fall, wenn Gutgläubigkeit erwiesen ist. hat sich der Verfasser in seine eigenen (angelesenen und angeborenen) Illusionen heillos verfangen. Diese Gefahren hat ein Mann wie Alfred Weber in allen Teilen seines Werkes, eines Werkes vornussctzungsloscr Forschung im alten humanistischen Sinn, die allein den Namen Forschung verdient, peinlich vermieden. Alfred Weber iü es nie eingefallen, der historischen Eiuzetpersöulichkeit. dem Eiuzclereignis. dem Schicksal als eigcullirl,er' Geschichte ihr felbstandiges sehweres Gelvicht zu . lieymen. Er ist lvie jeder ernst zu nehmende . Historiker überzeugt von der Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit jeder bist arischen Epoche, vor allem von ihrer Eigengesetzlichkeit« Tie philojvpyisäi lveltallsrtiallliche , Vvralissetznng seiner Kultursv-zivlogie. ist -jedem. . 1> laterialisi n »Söder , ,B i 0 l 0 g i s 1 i-nr-G-gem;l i d1 abgewandt. Er druckt cs selbst ciinimtüin seinen zahlreichen Erklärungen des „foflo* logischen Knlturbegrisses" so aus: ..Die sachlich durchaus nicht durchgebildete philosophische Prämisse .... ist das Erlebnis nilerklärlicher. weil über jede Nütztichkeitszwecksetznng hinausragender .... Kräfte, die ...» im Seelisch-Geistigen' im Menschen ihren Sitz haben und ihn zu einem Geheimnis, vollen antreiben: Selbstaufopferung. Hin, gäbe an die Welt, an einen Kreis von Mitmenschen .... i>, gänzlich überziveckiuäßigcu Dokumenten. Künstmerkeu; Ideen oder Selbstsormnngen." Ein solches Doknnien! hohen geistigen Ranges haben wir hier vor UNS. Ludwig Fouchtwnngrr Ein amerikanisches Handbuch Louis Gershenfeld: The Jew in Science. Philadelphia 1934 Ter Versa her, Pr Resser der Bakteriologie und Hygiene in Pbitadelpbia, bat sich die Ausgabe gestellt, die Leistungen der Juden ans dem »neuen Gebiet der Ratiirwisstiischasteu und der Medizin ziisamiiieiizustclleii. Gewitz bestellt dasiir ein Bedürfnis. Die Ausgabe ist schwer und dürste die .Kräfte eines einzelnen übersteigen. Eine Schwierigkeit' liegt schbtt i» der Answabl. Es durste ziveckmätziger sei», nur die wirkli!!, Bedeutende» zusniiiiiieiiziistelleu. als jeden a»sz»uel,meii, der aus irgendeine», Gebiet eine äußere Stellung erlaugt' bat. lliiterlasit mau die Answalil. >u gerät' man leichtdazu, ein A d r r tz b 1, rlj der 2 u t e ir n 11 d L e b e „ d e n zu geben. Dieser Gefahr iü der Verfasser leider nicht aiisgeiuiche,,. . z>gi>r. - einem Gebiet zu Hause ist. kann »iiinögiich l - wisseuschiftliche Bedeiitimg der Leistlingen au> allen Gebiete» richtig eiuschätzen. Sn kommt e-. -daß mir in den Listen, die der Berfasser uns gibt. Prominente. Minderprommente und Unbedeutende in buntem Gemenge finden. Das könnte noch hingehcn. denn der Benutzer kann seine eigene Auswahl treffen. Schlimmer ist die andere Gefahr, der derartige Arbeiten so sehr unterliegen: Die Unterlassung der Kritik bei der Feststellung. ob jemaich Jude ist »der nicht. ^oht nicht an. nach dem bloßen Klang des Raiüens ' oder Bornayicns oder nach Gerüchten Leute für das Jndentnrn in Anspruch zu nehiiieik. die mit ihm nichts zu tun Hab»,. Auch bei der Feststellung, ob jemaiid Halb- oder Vie-rteljiidc ist. oder ob er getauft oder Abkümmling non Ge- . tauften ist. mich nia» vorsichtig sein.' Der Verfasser hat hier eine An.zahl non »ehleru übernonunen. die berichtigt werden mühen, damit sie sich nicht ivciterschleppcn. Z5s besieht kein An- Haltspniikt dafür, daß der große Astrvliom Ail» loseph Conrad . Viele von uns kennen den großen englischen Erzähler Joseph Conrad, der. Pole von Geburt, als Kind dem Vater in die sibirische Verbannung folgte, als Siebzehnjähriger nach Marseille ging, um aus französischen. später , auf englischen Schissen die Meere zu befahren.-bis ihn nach zwanzig Jahren die Krankheit das Steuerruder mit der Feder vertauschen hieß, und der nach weiteren dreißig Jahren., als er die Augen für-immer schloß, ein Werk hinterließ, das nach Umfang, Gehalt und Verbreitung in der neueren Epik in vorderster Reihe steht. Wir sehen in ihm den meisterhaften Gestalter großer Leidenschaften, er hat das Meer, die tropische Landschaft, in allen ihren Regungen mit einer Lebendigkeit gemalt, daß wir ihren Hauch . ganz nah zu verspüren glauben, er hat den feinsten Seelenregungen gelauscht, er hat das schönste Englisch geschrieben— aber was ist er uns Judeü unmittelbar. neben dem Erleben seiner Kunst? Nun, zunächst hat er uns die Gestalt eines echten jüdischen Menschen geschenkt, des Gastwirts Jankel in der Erzählung „Prinz ' Roman", die kürzlich in der Zeitschrift „Corona" ins Deutsche übersetzt erschien und zu der Sammlung Talss ok Usarsay, Geschichten vom Hörensagen, gehört. Dieser Jankel. der dem eigentlichen, Helden in der entscheidenden Stunde seines^ Lebens den wichtigsten Dienst teiltet, steht zwar an peripherer Stelle, aber Conrad hat ihn mit solcher Liebe geschildert, daß wir die einleitenden Worte des Herausgebers verstehen. _ der in dieser Erzählung ganz tiefe Sluaendeindrucke^lebendig weidenWiehüUnd schon daß ein Dichter von Conrads Bedeutung, der auch allen, die ihm persönlich nahetraten, darunter Galsworthy und Walpole, ein Mensch von Größe. Vornehmheit und Güte war. dem einen Juden in seinem Werk einen iolchen Ehrenplatz eingeräumt hat. muß uns viel bedeuten. Aber wir brauchen uns hierrnit nicht zu begnügen. Conrad kann uns mehr sein, sein gesamtes Schassen ist es. das zu uns spricht. Denn die Gestalten nahezu aller seiner Helden sollten uns in schweren Zeiten einen Halt geben. Die Menschen Conrads sind tragisch im tiefsten, im eigentlichen -sinne, ihr Los ist fchicksalsmäßig bestimmt. An sich scheint es zwar, daß sie keineswegs zum Leiden ertoren fxien, Sie alle sind Einsame, die den Staub der Märkte scheuen, als ob sie wüßten'.' daß Ihnen von dort das Unheil nahe. Aber nicht ängstlich ziehen sie sich in die äußere oder seelische Einsamkeit zurück., sondern weil sie nicht anders können, weil diese Haltung ihnen im Innersten gemäß ist. Und hier trifft sie das Unheil: denn sie alle stehen uittet. einer Wolke, wörtlich oder dem Sinne nach hören wir dics öois ällen. Dunkel lagert sich das Schicksal über ihrem Haupte, 'und .sie spüren es, wie das Verhängnis , näher und immer naher rückt. Und nun ist das für sic -alle so Bedeutsame, was sic hoch über die Atasse der üblichen Romangestälten cmporhebt. ein eigentümlicher Pflicht-^ und Treuebegriff, der'ihnen die Kraft gibt, erhobenen Hauptes dem Schicksal in die Augen zu blicken, bis zum letzten ans ihrem Posten zu verharren. Tiefem Gefühl opfern die Helden Conrads alles. „Er verläßt", so heißt es einmal von Lord Jim. vielleicht dem prachtvollsten seiner Helden, „ein Weib von Fleisch und Blut, um seine eiskalte Hochzeit „zu feiern mit ejnem schattenhaften Idol, das ihm wie eine Braut des Ostens verschleiert nn hip gpitp QPtreteiu" Dieses Idol ist, was er als seine Pflicht erkannt hak. * Uno ni ~ seiner „Schattenlinie". diesem Hohelie.de der . Treue und Standhaftigkeit, finden wir jene Worte beherrschter Vtännlichkeit: „Tie Wahrheit ist. daß man von nichts in seinem Leben zu -viel Herinachen darf, mag es mm gut oder böse sein. Ein Mann soll zu seinem Unglück stehen, zu seinen Jrrtümern, zu seinem Schuldbewußtscin und zu allen diesen Dingen." Für diesen Pflicht- und Treuebegriss hat Conrad aber ein Symbol von besonderer Eindringlichkeit geschassen in der Gestalt eines Schiffes. Er war ja so sehr Seemann .— im Vorwort zur „Schattenlinie". nennt er seine Schriststellerei die zweite Phase seines Seemannslebens —, daß ihm seit! Schiff kein lebloser Gegenstand, sondern ein beseeltes, ein vertrautes Wesen war. Oft steht es ihnr näher als die Mannschaft, die Offiziere. Inder Novelle „Der geheime Teilhaber" (aus der Sammlung „Twixt Land and Soa Tales”), einer Jcherzähluug. heißt es einmal: „In dieser ateinlose.n Pause an der Schwelle einer weiten Seefahrt schienen wir mein Schiss und ich -- unsere K rät st für ein langes und schweres Unternehmen zu prüfen, fern von allen menschlichen Augen, nur den -Himmel und das Meer als Zuschauer und Richter." Und kurz daraus: „P'ceine Hand ruhte leicht auf der Reling meines Schiffes, wie auf der Schulter eines vertranten Freundes." Ei» Schiff ist der Träger .der Handlung in der Erzählung „Das Ungeheuer" („The Brüte“) ans der Sammlung ,,A Set of Six“, ein Schiff endlich ' die Verkörperung jenes Pflicht- und Treuebegrisss in der Erzählung „Jugend". Es ist ein alter Segler, der schoii viel dnrchgernacht hat und der jetzt mit einer Ladung Kohlen von England nach Bangkok fahren soll. Immer wieder muß er umkehren, bei der ersten Ausfahrt stößt er mit einem Tampser zusammen, dei der zweiten gerät er in. einen Sturm, der das Teck kahl fegt, ihn leck werden läßt. Monatelang liegt er im T ocr. ein Gespült der '-Straßenjungen.- aber immer wieder wagt er sich ins Meer hinans.- auf jene weite und ungewisse Fahrt, getreu den Worten, die sein Heck steren: „l)o er Die“, ..Tat oder Tod". Teml erEuß seine vvrgcschriebene Bahn gehen nach dem Gc'ctz. nach dem er angetrcten. Der Name des Schijses aber ist:. Judea. Paul Wohllarth Rilkes. Briefe an Stefan George Du nun, über prnoultrfjr Beziehungen zwischen R n i 11 e r Murin Rille nnt> Jtesuu iheorge bis!>er nichts lüenu»eres tviiizte. ist es - von beionderein Reiz, daß E u r I Di e b e r in de>- iins.iezeichneten LOerntiirzciticliriit „E 0 r 0 n a" guhrg., Ar. <>) zwei Br,eie Rilkes nn George, die er im Ruchlus! des erberen iund. witgeteilt und mit einem uusschlusireichen -Koiinneiilur versehen, hat. Rilte lernte Eeorge zuerst int ^llintec IdvI/R-i kenne», uls er durch Lou Aiidreus-Dulom,-. Rietzsches Freundin, im Huuse von Reinhold und Tubinc Lepsins eiiigeiührt ivurde. Eeorges dortige Äedichtvoclesiing hinterliesr bei ihm einen sehr sturten Eindrinl: dennoch vekuudcte er in einem zöperude» Brieie u„ Georpe nur ..giitereise", gc- Invte aber nicht (^>eiollfschuit. Auch bieorges fei)c . ziirücthulteiide Antwort entstielt leine Ausfvrdcrung zu persönlicher Fühlung. Cin Jahr-später -- i*:is -~ trafen' beide Dichter im Boboli-Eiurten zu Florenz zuiuwnreii. Rilke wollte zuerst eine Beizelinung vermeiden, aber > (seorge kam aus ihn zu und benabiii sich einsach - und liebenswürdig. Er hielt - Rilke vor., daß er mit feinen Gedichtbänden zuiriil, an die Qesfenl« lichleit getreten sei. Rilke batstpätcr bezeugt, die paar Stunden mit George hätten seinem Leben wieder spickende Gleichgewict>te gegeben. Als nn folgenden Jahre Rilke, eine Vorlesung iveorges »in Haine Lepsin? zu seinem großen Bedauern verabiäumt (die Einladung erreichte ihn nicht), du richteter um 7. April l8bb einen recht herzlichen, persönlich ivurmeren Brief an George: -er teilt mit. daß ec mit Georg Bondi. (veor.sts Verleger, in Verbindung treten rvill: ec gibt zu verstehen, dutz er Georges D<rüel wegen feines zu frühen Hervortreteus eruit genoin.u^-, .k,nv ksvidigt mit deutkicheln Lelbstbewutziiein sein Gedichtwerk ..Mir zur. Feier" an. 1 Aber Georges Antwort iü iviederuin kühl und ttvlz... Rille fühlt sich zurückgesiotzeii. ' Der Brieiioechscl endet. Rilke beionnderte George-:- Endichte. aber sie waren ihm fremd. Er hat tveor-!" nicht mehr gesucht; als ein Freund eine Lbieder-