Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Abraham Berliner 1× ep/1011577
- Chajim Bloch 1× ep/1024809
- Eduard Fuchs 1× ep/1026063
- Efraim Frisch 1× ep/1023727
- Else Lasker-Schüler 1× ep/1004350
- Hans Kohn 1× ep/1000025
- Hermann Gunkel 1× ep/1025076
- Ignaz Bernstein 1× ep/1011238
- Ismar Elbogen 1× ep/1002949
- Johann Jakob Schudt 1× ep/1024005
- Joseph Klausner 1× ep/1005423
- Karl Budde 1× ep/1025956
- Košice 1× ep/1000233
- Ludwig Strauss 1× ep/1009287
- Moritz Steinschneider 1× ep/1026314
- Moses Mendelssohn 1× ep/1006237
- Richard Krautheimer 1× ep/1029021
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I DV. Gespräche der Weisen. Aus laltnudisch-midraschischen Texten mitgeteilt von Nahtxm Norbert Glotzer (Schocken-Bücherei, Nr. 42). Berlin, Schocken, 1935 60. D. Ho ff mann: DerSchulchanAruch. Berlin, 1894 Gl. Arthur Liebermann: Der Schulchan Aruch. 2. Auflage. Berlin, Poppel-■ auer, 1912 D. Literaturgeschichte „Eine dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechende Geschichte der jüdischen Literatur ist' nicht vorhanden“, schreibt Ismar Elbogen (Enc. Juda Bd. 10. Sp. 1031). 1. Biblische Zeit 62. Hermann Gunkel: Die israelitische. - Literatur (in Hinneberg: Kultur der Gegenwart). 2. Auflage, 1925 63. Karl Budde: Geschichte der alth ebräischen Literatur. Leipzig 1906 Darin: A. Bert holet: Apokryphen und Pseudoepigraphen 64. Johannes- Hempel: Althebräische Literatur und ihr hellenistischjüdisches Nachleben (Im ,JJandbuch der Literaturwissenschaft“.). Potsdam 1934 66. O Stählin: Die hellenistisch-jüdische Literatur. München 1921 56. S. Bemfeld: Die jüdische Literatur. 1■ Teilt Bibel, Apokryphen und jüdisch-hellenistisches Schrifttum. Berlin, Jüdischer Verlag, 1921 2. Nachbiblische. Zeit 57. J. Winter und A. Wünsche: Die jüdische Literatur seit Abschluss des Kanons. Bde 1—3. ■ Berlin, Poppelauer, 1894 ff. Bringt Auszüge aus der gesamten Literatur. 58. Moritz Steinschneider: Jüdische. - Literatur in: Ersch und Grubers Allgemeiner Encyclopaedie . . Sektion 2, Band XXVII 59. G. Karpeles: Geschichte der jüdischen Literatur. Bde 1-—2. Berlin, Poppelauer 60. M. Brann: Ein kurzer Gang durch die Geschichte der jüdischen Literatur. 2. Auflage. Wien und Berlin, Löwit, 1918 3. Neuere Literatur 61. M. Pines: Geschichte der jüdischdeutschen Literatur, bearbeitet von G. Hecht. Leipzig 1913 62. Joseph Klausner: Geschichte der neuhebräischen Literatur. Herausgegeben von Hans Kohn. Berlin, Jüdischer Verlag, 1925 V. Kulturgeschichte Dieser Abschnitt ontliäh enter dem Gesamttitel „Kulturgeschichte" Material zu den verschiedensten Fragen und-Wissensgebieten wie: ..Erziehungswesen“. „Gottesdienst und religiöse Gebräuche“, usf. Es sind immer nur einige Bücher von vielen genannt, worden; denn es ist nicht möglich,; etwa alle Biographien jüdischer Menschen hier aufzuführen. Jedoch wird der Leser' leicht von den angegebenen Büchern zu anderen geführt werden. — hur den Zusammenhang ist .es stets wichtig, die unter II und III genannten Geschieht« werke hcranzu/.iehen, sowie auch die Abschnitte VII (Deutschtum und Judentum) und IX (Religiöse Fragen; Philosophie) zu vergleichen. A. Gesamtdarstellung A. Allgemeine Kulturgeschichte 1. Abraham Berliner: Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter, zugleich als Beitrag für deutsche Kulturgeschichte. S. unter III, 6. Ein kurzer Abriss, der über verschiedene . Fragen anschaulich unterrichtet. 2. Richard Krautheimer: Mittelalterliche Synagogen, mit 100 Abbildungen. Berlin, Frankfurter Verlag sonst alt, 1927. 3. Johann Jacob Schudt: Von der Frcmckfurter Juden Vergangenheit (aus: Jüdische Merkwürdigkeiten, 1714; Neudruck: München, Lamm, 1922), herausgegeben von Efraim Frisch (Schocken-Bücherei Nr. 12). Berlin, Schocken; 1934. ..Ein kräftig anschauliches Bild des jüdischen .Wesens im frankfurter Ghetto nach den Stürmen des Dreissigjährigen Krieges“ wird in dieser sehr geschickten Auswahl geboten. 4. Das Buch von den polnischen Juden. Herausgegeben von S. J. Agnon und Ahron Eliasberg. Berlin, Jüdischer Verlag, 1916. Diese abgerundete Anthologie will die polnischen Juden aus ihrer' Eigenkultur heraus verstehen lehren. 5. Fritz Mordechai Kaufmann: Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Ludwig Strauss. Berlin, Laub, 1933. Sehr schöne und wichtige Schriften, besonders zur Kultur der Ostjuden. 6. Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur. München, Langen, 1921. Kulturgeschichtlich von grossem Interesse. 7. Kurt Sabatzky: Der Jude in der dramatischen Gestaltung. Königs* berg i; Pr., Konigsberger Hartungsehe Verlagsdruckerei, 1931. Eine höchst aufschlussreiche Schrift. 8. Chajim Bloch: Das jüdische Volk in seiner Anekdote. Berlin, Verlag für Kulturpolitik, 1931. Ein sehr amüsantes Buch, das, neben wissenschaftlichen Büchern gelesen, manchen tiefen Blick in jüdisches Leben und Denken gestattet. 9. Ignaz Bernstein: Jüdische Sprichwörter und Redensarten. Frankfurt a. M., Kauffmann, 1908. (Fortsetzung folgt) Nur im Notfall soll man fick, erbosen. bannt der andere meine/ nunt ist mächtig in Zorn, und sich 'bessere. .Tori) auch wenn inan sich erbost, muß man im Herzen ganz ruhig bleiben und kein Fünkchen Zorn haben, weil der Zorn, abgesehen davon, daß er dem Menschen. sehr ungesund ist. auch eine schwere Sünde ist und.schwere Strafe nach sich zieht. . 1 Hochmut ist eine sehr schlechte Eigenschaft und auch sehr närrisch, denn wenn der Mensch nur bedenkt, was er im Ganzen.ist, muß er doch einsehen, daß er nichts hat, womit er sich für groß halten kann. Außer- . dem schadet es mächtig, denn einen Hochmütigen kann niemand-leiden, jeder ist ihm feinix Aber trotzdem muß man. gelegentlich. ' ein wenig Hochmut haben können, z. B, ein Weiser, wenn er für-seine Demut und Be- ' srheidenheit nur verlacht wird: dann darf er nicht schweigen, denn das ist doch eine Schande für die Lehre, die er in sich hat! Darum muß er gegen jenen mit einem bißchen Hochmut austreten und ihm zu verstehen geben, wer er ist, das bißchen Hochmut aber nur im Munde führen, gegen jenen, bei sich im Herzen aber wissen,' daß er nur Fleisch und Blut ist, heute hier, morgen schon in der Erde. Nun, womit also hätte er sich zu übernehmen und groß zu halten? Ein Geizhals hat kein Leben. Zuviel zu reden, ist nicht gut; man kann sich damit unglücklich machen; es entfährt einem ein Wort, das man dann seiner Lebtag nicht mehr zu bezahlen vermag. Aber nicht zu reden, ist doch auch nicht möglich, darum gewöhne man sich, wenig und nur das Nötige zu sprechen; doch je mehr Thora man spricht, desto besser, denn dazu hat Gott dem Menschen die Sprache gegeben: nun, wie dürftest du also dies große Geschenk Gottes zu schlechten Sachen benutze^? Zu lustig zu sein und zu viel zu lüchenIrst auch nicht recht, denn es führt zur Sünde, und bedenkt man, was man ist. und wozu man einst wird. so gelüstet es einen nicht mehr zu lachen. Ueberhanpt wenn man sich erinnert, daß wir Inden im Golns sind-und,- wie der Talmuds sagt, daß man seit dem Untergang des heiligen Tempels ans vollem Halse nicht mehr lachen darf, so kann mmt nicht mehr so unbändig lachen, gleich als hätte mau nichts mehr' zu sorgen. Doch -ständige Traurigkeit verschlägt einem den Kops und bringt ihn von der Welt ab. Im Gegenteil, bei allen guten Dingen wie beim Lernen und den frömmelt Pflichten, soll man fröhlich sein und der Kops frei und heiter werden. In jeder Lustigkeit nur sei ein Zittern vor Gott. Wenn etwa der größte Mann auf einem Ball ist, dein auch der Kaiser beiwohnt. so ist er wirklich lustig und fröhlich, doch alles mit Anstand und Respekt, denn der Kaiser steht ihm doch bor Angen; wie muß mau also erst Respekt, Würde/Anstand währen, da doch Gott überall dabei ist und allem zusieht'. Mau muß sich hüten, wen auch-immer zu beschämen. Wer jemand vor anderen Leuten beschämt, verliert endgültig seinen Anteil an der künftigen Wett. Man darf niemand mit Spitz- oder Beinamen rufen, deren er sich schämt. Selbst so reden darf man nicht, daß jener meinen könnte, man H Ä USER iorUH» f / Hypothek«* Bender Immobilien STflfe” meine ihn. und das könnte ihn beschämen^ Der Jude soll zu jedermann barmherzig sein und selbst eines Vogels sich erbarmen. Man hüte sich, verdächtigt zu werden: wenn etwa einer für einen anderen um Almosen bitten geht, so soll er nicht allein gehen, damit man ihn nicht grundlos verdächtige, er bitte . etwas für sich. Man darf von niemand Schlechtes reden, "auch wenn es wahr.wäre; und wenn dir jemand schlechtes von einem , Dritten erzählt, so schrei, ihn an. und.chör ihn nicht zu Ende an, denn wer's mitanhört. ' ist. noch ärger als wer's erzählt. Auch soll mau vor, Leuten, die jemand feiuö sind, von diesem nichts Gutes reden, denn das wird sie nur verdrießen und treiben, desto Schlech- - tcres von ihm zu sagen. Sprich nichts Uebriges, sei es schlecht oder gut. wahr oder erlogen, erzähl nicht alles, was du weißt, antworte nicht, was du nicht gefragt wirst, und überdenke vorher, was du sprichst. Bei allem, was der. Jude tut. beispielshalber schon .beim .Essen. Trinken und Schlafen, behalte er im Sinn, daß er cs nicht um des Vergnügens Witten tut. sondern um gesund zu sein und Gott zu dienen; macht er Geschäfte, so auch um Gottes willen, damit er Geld habe. Weib und Kind zu ernähren und wohlzutun und sorgenlos Thora zu lernen: und hat er Vergnügen daran, so sei es ein Vergnügen um des Himmels willen und nicht grob wie beim Vieh. Eine Lord-Reading-Anekdote Folgende wahre Geschichte über Lord Reading berichtet ..Daily Mail": Bei einer Versammlung der Liberalen Partei hielt Lloyd George in Waliser Sprache eine Rede, die an Lord Reading gerichtet war. Keiner der Anwesenden verstand 'sie, aber jeder war neugierig, zu wissen, wie Lord Reading sich ans der Affäre ziehen würde. Lord Reading stand ruhig auf und sprach ... Jeder hörte aufmerksam zu. aber wiederum verstand, keiner nur ein Wort. Nach Schluß der Rede großer Beifall und Bewunderung für Lord Reading. dem man Kenntnisse der Waliser Sprache nicht zugetraut hätte. Erst später gab Lord Reading zu. daß er keine Ahnung von dieser Sprache habe, sondern zwei Psalme in Neu-Hebräisch vvrgetragen hatte ... Uebertragung einer Chanukka-Feier durch den Kaschauer Rundfunk Der Sender Kosice (Kaschan, Slowakei) hat am vergangenen Sonnabend die 2100. Iahrfcier des Chanukkasestes atts der llzhoroder. jüdischen Gewerbeschule übertragen. Es wurden jüdische-, Volkslieder gesungen. Die Sendung wurde in jiddischer Sprache angesagt. Vor einigen Wochen wurde vom polnischen Rundfunk ein Wettbewerb zur Besetzung der Stelle eines Ansagers ausgeschrieben. Zu der Prüfung haben sich mehrere httndert Kandidaten gestellt. Ter Wettbewerb wurde von einem jüdischen jungen Mann namens Schenker gewonnen. Schenker wttrde als Ansager für den polnischen Rundfunk engagiert. einfachen Gehalt des Gebotenen. Dazu brauche ich Stille, und ich bemühe mich leidenschaftlich. im Vortragssaal die Stille wiederherznstctten, ans welcher der Dichter seine . Dichtung heraufholte. Meine Zwischenbemerkungen entspringen wirklich nicht der Eitelkeit oder Angriffslust. sondern ich möchte nur ein Wenig erzieherisch wirken, wenn ich zu einem beharrlichen Hnster etwa sage: „Wären Sie wirklich-sv erkältet, wie es den Anschein hat. so könnten Sie gar nicht hier sein. . Ich weiß wohl, es sind allerlei Legenden über mich int Schwange von lieberheblichkeiten, aber ich müßte 500 Jahre leben. Um meinem schlechten Rns-in dieser Hinsicht Ludwig Hardt nachznkommen. Zu meinem 50. Geburtstag wünsche ich mir. man Möge künftig so von mir denken, wie Hebel es für Moses. Mendelssohn forderte: ..Denn man muß um des Bartes willen den Kopf nicht verachten, an dem er wächst." Wir sind an einem kleinen, grünen Schuppen angelangt. Ein Pferd steckt'seinen langen, braunen Kops mit einer ganz win- ' zigen Blesse zwischen den Rüstern in die Winterluft hinatts. ..Blickt es nicht wie ein Kind?" fragt Hardt und. kehrt, zu unserem Thema zurück: „Ich weiß, inan hat es mir * nbelgenvmmen, daß ich manchmal anfrage. wo ich am Morgen nach meinem Vortrag ein Reitpferd bekommen kann. Aber dieser Bormittagsritt ist eine alte Leidenschaft, Meine Zuhörer können allerdings nicht wissen. daß alle meine Vorfahren seit Generationen Pferdezüchter waren. auch mein Vater. Ich bin in einem Dörfchen in Friesland am 16. Ianuar-1886 geboren ttttb wuchs mit Pferden auf, bis ich als Siebzehnjähriger nach Berlin kam. Aber die Liebe zu diesen wunderbaren Tieren ist mir geblieben. Und noch manchmal in späteren Jahren habe ich -Pferde. zuqeritten, auch für die Potsdamer Garnison? Ich muß an die tiefsinnige Pserdegeschichte „Stinktonne" von Gustav Wied denken. Es ist Hardts leisestes, zartestes, innerlichstes Vortragsstück, .wenn' der alte —Pferdeknecht versunken und spintisierend vom Tode der armseligen Schindmähre erzählt, als wäre sie ein geheimnisvolles, höheres Wesen gewesen. Im Arbeitszimmer Ludwig. Hardts hängen viele Pferdebilder. Stiche und Photos. Das Schönste sieht aus wie ein antiker. bronzegegossener Pferdekopf. Aber es ist die Photographie eines weißen. jungen Rossen das Hardt einst ans Tums^rnrtbrachte. Mer da hängen auch einige bunte Bilder, gemalt von der Dichterin Paula Ludwig. den Rezitator darstellend, wie er in paradiesischer Landschaft Menschen und Tieren erzählt. Und ich trage weiter: ..Wie kamen Sie von den Pferden zur Kunst?" Von Kind an wollte ich Sprecher werden, Schauspieler. Rezitator. In Berlin sprach ich Lttv Brahm vor, aber der meinte, für einen Schauspieler sei ich zu klein von Gestalt. Tann war ich anderthalb Jahre Metallgießer. Und schließlich wurde ich Schüler, später Lehrer an der Reicherschen Hochschule, noch später an Reinhardts Schauspielschule. Während dieser . Tätigkeit kristallisierten sich langsam meine Programme heraus. Zuerst trug ich vorwiegend norddeutsche Dichter vor, ans der Landschaft,, in der ich geboren bin: Hebbel. Storni, Grvth, Liliencron; dann kamen die Klassiker und die Dichter der Gegenwart. Niemals ging ich vom Rezitatorischcn aus. sondern immer vom Sinn und vom Sprachlichen. Else Lasker- Schüler hat ein Gedicht auf mich gemacht, das schließt: „Nie deklamiert er! Das ist es eben!" „Das ist es,eben. Und deshalb gehen Sie als Rezitator so leidenschaftlich aus sich heraus, wie Sie in sich gehen. Man könnte Ihre Bvrträgskltnst insofern jüdisch nennen: Sie lernen (im Zwiegespräch mit dem Dichter). wettn Sie sich eine Dichtung einverleiben; tind Sie lehren (im Zwiegespräch mit dem Hörer),, wenn. Sie eine Dichtung von sich geben. Sie sind beim Vortrag ein Deütlichinachcr. ein Erklärer, ein Verlcbcndiger; datier charakterisieren Sie stimmlich stärker als ein Schauspieler und helfen nach mit Gesten und Mimik. ^ie verwandeln sich in die Gestalt. die spricht oder von der gesprochen wird. Sie verwandeln sich sogar in Tiere, in die uralte. apathisch-weise Schildkröte Morgensterns oder in den düimn-dnmpf brüllenden Steinochs Schcerbarths. Sie lehren auch in den Glossen, die Sie zu den Dichtungen in dem von Ihnen heransgegebenen Bortragsbuch selber geben."? ". m ..Sehr liebenswürdig, Herr Doktor", sprach Hardt mit jener scharfen, spitzen Sprechweise, die an Wedekinds Sprechart erinnert. .Faß Sie das anssprechen, was auSznsprechen mir die Bescireidenheit, die man mir so oft ab- 'prichl. verbietet. Das ist wahrlich ein angenehmer Interviewer, der selber stigt, was eigentlich der Interviewte sagen sollte oder nicht sagen kann. §o weiß icip oft zunächst nicht, nne ich dem Hörer sageit sott, was ich ihm sagen möchte, denn ich darf ja nur mit den Worten des Dichters sprechen. Lesen Sie bitte" — und damit nahm er den Band Johann Peter Hebel von einem der büchcrstrbtzenden Regale —, „lesen Sie bitte aus denr Prosastück „Der große Sanhedrin zic Paris" den ersten Satz, vor 125 Jahren geschrieben, der beginnt und schließt: .Daß die Inden seit der Zerstörung Jerüsalents. das heißt seil mehr als 1700 Jahren, ohne Vaterland und ohne Bürgerrecht auf der ganzen Erde in der Zerstreuung leben . . , ist Gott bekannt und leid.' Ist Gott bekannt und leid ..... was liegt in diesen Worten, was liegt hinter ihnen! Welche Welt, welche Weisheit! lind mit dicsctt fünf Worten -ist Gott bekannt und leid', mir nicht viel mehr als einem Heben und Senken der Stimme soll ich ausdrücken. was ich bei dtesen abgründigen, klugen, gütigen Worten sichle, was der große Dichter dabei gesühll ■ Und er begann die Stelle zu lesen und abermals zu lesen. Und. er las dann anderes - und noch anderes. So riahm das Interview in dem -Hans am Wannsee ein für uns beide unerwartetes Ende. Ich erhielt eine herrliche Vorlesung für mich ganz allein. Und ich mochte Ludwig Hardt zu seinem 50. Geburtstag wüllschen. daß jeder Jude in Deutschland kwma!f im Jahre, einen Vortragsabend von rhm hören möge, wobei ich.versichere, daß wlr Hörer davon ulehr Gewinn haben werden als der Rezitätvr. Mit einem volltönenden Iinale verabschiedete Ludwig Hardt das afwfamenp /W ^03 (ZWrtem und manchem netten Stitcf wirkungsvoll genascht. yietz diesuml. „Welthumor"': Humor nt allen Lchattierungen. von der leicht über den Dingen schwebenden..melancholischen Betrachtung aller lebenden Kreatur bis zu den grotesken Sprüngen einer laut auflachenden Dichterphanta. / t