Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Konzerte und Vorträge in Berlin und im Reich einem Tahlelücr öau'c in Berlin iuar einem Knmpoinsteir und einem Dichter bleleflenheit czc flehen würben, ein kleines Anditorunn init n e n e n 26 e r I e jx befanm. zu machen. - Tie v;elsecti-ze nuiftfallfrfjc . Beflnbnnq vvw Edvard '.Ui o r 1h; beiUMi Emsilhlumzsflabe in fremdes Kvlvnt sich/ iinlseiner St;lincrunc;skii»st paart,, .zeigte : sich .mir Kkavre; stücken .nach' Molivei; ans dem 'I'emen. fn denen SlliinmnnzenimdPvenenntder-Färbenluiist de^Ianpresirnnisten eingefanflen find und die, UV ' die schwere . der Landschaft ivicderzinpieflclih scheinen. - Auch die leminjtiiciien Tänze sind.diirchden zarten. Schleier Telmschs' gesehen,- die - Stucke, rc-rzvvll durch eine czewrsse Erotik niid für den Planlsien durch 26ahl der Klamziarben. werden natfj dem Truck wähl nach manchmal zu Horen lein, Der .2'ichicr Jciidolf 7y r a n f las ans seinem Luch „'Ahiien und Cvnfcl", das unlängst schon an anderer stelle geivnrdigt wurde, und dazu ein „Tierlegeudchen", eine im kiebenswürdi- . gen Plaudertvn geschriehene Satire, die den Eindrück vom bedeutenden Erzählerlallist bestärkte. Durch den Pragranuntitel „Tauende Schattenspiele" war der Musikreserent irregeleitet worden, sda es in dieser Beraustaltniig des Tnmentomitees der Sl ü n st l e r h i 1 r e reichlich Izunt zu- - ging, ahne das; von „Danen", aber auch nicht van ^.Schattenspieli'ii". viel z.» merken war. Es wurde getanzt (Ruth M a n d u-5). und ess wurde rezitiert (V'ottc i r f cl, selb und Heinz Hal - bau), und Slstvia I a f f v - V a u alle brachte, mit guter Sprechlechnik Ehaiisons, die dem Publilum sehr znsagten. .ü'denialls sah es hier nach böser aus als in manchen unserer Koiizertabeude, was Idee aber einheitliche bieitaliung anbelangt, sticht etwa, dan das biebiet der -..Kleinkunst" gekränkt werden lallte — aicch bei guten, wertvollen Einzelleistungen lauu ein Sammelsurium den Abend tverllas oder gar schädlich machen. Im IriedeuSIeiiipel wiederhalte Ehemja 26 i - na wer mit jeiiien Dängern sein letztes Konzert. Obwohl die I-einheileii der nach berühmten Mustern geschulten Eharartistil iaeit besser zur Wirkung kamen -- die manuigsaltigen Abstiifnirgen des tertlasen tzjziflun vor allem miisiten LAuvundernng erregen —. möchte mau die Säuger lieber im Konzert scial hören: denn dort liesie siel; zmcäcbst eine Auflockerunfl des Programms, durchführen, die die Gefahr der Pivnotauie pvlltammen beseitigen kannte. Ter Nahmen des Evtleshanses'birgt dieses Hemmnis für den b"hor stets in sic>>, da der Tirigent bemüht ist, die Auswahl der Darbietun gen init'dem Ranu; in Einklang ZN bringen und so seinem ''universal geschulten Instrument Grenzen anfznerlegen gezumugen ist. Kai. An drei Abenden war Tela P i p i n i k a j a (Hast des Münchener Kulturbundes. Tas Pro- . gramm, Bollsliedcr.. Ghettolidder. Ehansons, du licrühmten. „I-igurinen aus meinen; Album" -- all daS brauclit nicht mehr im einzelnen beschriebe;; zu werden.- Alles, was sie singt und sagt, begleitet von ihrem taktvollen Begleiter Mor^ .6 a m m , klettert mit einer-unbeschreiblichen Grazie die Skala vom sublimsten Geist bis. zum leichtesten Spott hinab und hinaus, ist erfüllt van. einer schalkhaften Anmut, die nur bei einer slawischen Jüdin 'so..wie bei ihr zugleich van.tiefer Schwermut überschattet sein kann. Ca. Ein abwechslungsreiches Pragramin vereinigte die Mitglieder des Indischen .Kulturbundes Düsseldorf zu einem Konzert. Hilde Aron stein s klangvoller Alt fesselte in Liedern van Schicherk und Brahms.'vor allen; aber in Opernarien Von Saint Saf'-ns und Berdi. Eine etwas bessere Tik-/ tion würde die kultivierte,.Bdrtragsa'rt nicht unwesentlich unterstützen. Eine piaiintiiche Begabung ist die jugendliche Hilde U l e st a d t. In 26erken von Bach. Mozart und Schumann, mit sein moduliertem Anschlag technisch einwandfrei gespielt.- vsfenbärke sie natürliche Musikalität und feinstes Stilgefühls 26eNn auch 'der anspruchsvolle Schumann noch niclit restlos erschöpft wurde.-so berechtigt da-:- - junge Talent, dessen schlichtes Anitreten nun-- pathisch berührte, doch zu den. schönsten Hvss- > nnngen. Erivin Palm, der als beivährter Liedbegic-r r inngwrte. konnte mit seinem Franen- und 1 > mschien E h v-r wieder wvhlverdienke Lor- . beeren ernten. ^ie Eliore taugen-beit-ere Lieder van Burlak. T,: -rak -und Hand;;., Uien;e Intanakiouaiud präzises Enuzehei; aiii-die fein nimneierte Trrektiou des Leiters zeichueteu. die Leistungeu der- Sängerschar aus. Hilde Kleüadt unterstützte die. zu begleitenden Ehvre straff und sicher. Das be-, geistert, wrtgehende. vollbesetzte'Haus spendete allen. ..ülitwirkcuden 'wohlverdienten Betiacl. - J. V. V - - Ineiner 'Beranstaltung der frankfurter E>eiell.iclji-ift siir Indische - Dvlksbildung las Ilie ' l<) o l d n e r-I; e g et l all b B-erke ---'von Brad. Inckerinann. 26vlfskehl. Perez. Tnrch il,re kultivwrte Bartragsart.gelang es der Liiiiisrlerin. vor enien; ansmerksainen Publikum die Tichrnngen caaiicher Schicksale eindrucksvoll und Iebend;g"zu gestalten. ... W. S. M. Ter Klavierabend, den Rose Etki'n (Berlin) in Mainz mit Lsierken von Bach-Liszt. Beethoven. -Schumann und"Ehapin bestritt/ gestaltete sich zu einem musikalischen Ereignis ersten iltauges. Tie junge, begnadete Künstlerin eroberte " M aiirch ihr bezaubernd schönes und sauberes Spiel die Herzest der Zuhörer. Sie weist.sowohl Seele ii; ihre Tarbietungeu zu fegen als auch Kraft und Energie zun; Ausdruck zu bringen. Beifallsstürme errangen Zugabe auf Zugabe. Der /Abend hätte einen weit stärkeren Besuch verdient. Zwei einander völlig ebenbürtige Meister deS , gesprochenen Wortes spendeten im Indische;; Kulturbund Hannover aus der reichen Zulle ihrer tünstlerifchen'Begnadung wertvolle Gaben. Bei Edith .H e r r n st a d t - O c t t i n g e'n offenbart sich diese wunderbare Begnadung in der votlkommenen Beherrschung eines klingenden, jede;; Ausdrucks fälsigen Organs, der geistige;; Tnrchdringnng der Tichtnng. und der sich "unmittelbar auf den Zuhörer üliertragenden Herzensn'ärme der glanöensstarken jüdischen Iran. Otto B e r n - stein beschenkte seine Hörer a;;S dem Reichtum ' seiner Eingebungen und Gesicl)te. die er mit seiner ' plastischen Sprachkunst neu 'zu gestalten weist. Tiefe edelgebildete Stimme vergistt nicht wieder. n>ei; sie einmal mitrist in bebender Leidenschaft oder tief rührte in zartester Innigkeit echten Gefühls. " . O.B. Das Konzert des Collagium. nrnsienm und I'iailerioii-Ehvrs im Rahmen des Jüdischen Kultnrbnndes Leipzig zeigte die sleistige. saubere Arbeit dieser Ptusikliebhaber. Werke von Bach. Händel und Pergvlesi sowie Chorur;d Sologesänge a;;S dem „Judas. Ptaccabäus" gelangten z;;r Änsführnng. Mirjam Zunser il'nd Tara L e p s l; - S t i s .s o n fanden mit dem Bach-Konzert grasten Beifall. 2lls c-oloflökistin war Lala E r o n e r (Berlin) gewonnen, die mit weielzem Ton und sicherer Technik spielte. Ter Sänger Walter L e P i n s o h n (Walter Lewe;;) und San;.' S v n nabend (Santo Sonnini) zeigten gutes Können; von den Damen sind Else Markise (Alt>und Hellh Stark (Sopran) zu nennen, am Klavier als anpassungsfähiger Begleiter Leo Schönbach. Aenne Hoffmann als Eelli-stin. Dem Dirigenten Barnet Licht gebührt für seine nnerinüdliche Arbeit gröstte Anerkennung. Die Darbietungen fanden gute Ausnahme. Im Leipziger Kulturbund sah man das gut ciugesvielte Hanüburger Ensemble iu Bernhard Shaws Komödie „Die Häuser des Herrn Sartorius". Unter der verständnisvollen Regie von Hans B n r b a u m konnte lvesonders der" Hanptdarfieller Julius Kob l er sein großes Talent . zeigen. Karl Heinz I a i i ,'> gab den Tr. Trench recht treifend. Gleiches'gilt für Zritz 'P! e l ch i o r als Eolane. Erika P r a e t v r i u S verkörperte ihre Rolle nicht ganz Zo gut. Kurt A p p e l spielte den Lickcheeke ausgezeichnet. . Tie Bühnenbilder von Annh W i l d b e r g zeigten viel Geschmack. ' .H.S. Ter Leitung des Kulturbundes Oberschlesien gebührt Anerkennung, datz sie Alexander Ki p - nis vor feiner endgültigen .-Abreise ans. Tentichland für die Gemeinden Oppeln. Ratibor. Bcuthcn und Eleiwitz gewonnen hatte. Ueberall begleiteke Alerander Kipnis tviender Jubel. Tas Programm enthielt.' Plvzartarien, Schumann;'-. Wolf- und russtsche Bvlkslieder. Proieisor Julius P r v;;u e r erwies -sich, als kongenialer Begleiter. , - II. B>.. 1 ■' .- Tie .m.ustkaliichen Beranstaltnngen des Konstanzcr ShnagogenratS begannen nnt einem Kon-, zert der Hamburger THolcnistu; Hertha K a-h n. die eine auserlesene Reihe alter und,neuer Pieisier zum Bortrag brachte. Ten tiesiten Eindruck hinterliesten das Biolinkonzext von Mar Bruch und der. Baal Schein 'von Ernest Bloch. Am Zlngel beglelte.te Else H a h m a n n , Konstanz. In einem Konzert der Konstanzer Gemelnde sang der S h n a g o g e n ch o r unter Leitung von Kantor B r a v n; a n n Werke von Snlzer. Leivandowsky und Kirschner mit schönen, ansgeglickzenen Stimmen. Suse L öb. Pforzheim, spielte Schumann. Mendelssohn und jüdische Tanzstücke von- Stutschewskh in vollendeter form. Tic Konstanzer Sopranistin Klara Simon trug das Arioso von Händel, Richard Schatz eine Arie aus der „Sehöpfllug" wirkungsvoll vor. Es war eine Stunde der Freude und der Erbauung. Hertha Kahn. Hamburg, wiederum von (Stic Hahman n. Konstanz, begleitet, begeisterte auch in Offenburg i. B. eine zahlreiche Zuhörerschaft. . Im Jüdischen Kulturbund Königsberg i. Pr. musizierten Leo R o sta k (Cello) und Elsa Koch- S t a b i n s k i. Das Konzert fand diesmal nicht in der ShNagoge. sondern in der Aula der Hindenbnrg-Oberrealschule statt. So wollte der Beifallsjubel für die beiden Künstler kein Ende nehmen. Rostal lnustte viele Zugaben gewähren. Elsa Köch-Stabinski hatte ihren größten Erfolg u. a; mit der Gnadenarie von Meherbeer und einigen Sclinbertschen Liedern. In den überaus herzlichen Beifall war die verständnisvolle Begleiterin beider .'Künstler. Gertrud Marcus, eingeschlossen. - L. Lek. Theater und Musik Am 2. Januar wurde der in Wien geborene jüdische Komponist /Heinrich S ch a l i t 50 Jahre alt. Sckialit, ein Schüler von Josef Labor und Robert Fuchs, gehört zu. den wenigen wirklich hervorragenden Komponisten, die sich vor allein um die Aeugestaltling der jüdischen Musik bemühen. 1906 erhielt er für ein Klaviergnartett den österreichischen StaatskomponistenpreiS, einige Kammermlisikstttcke wurden aus deu euglischen Eistedfods-FestivalS preisgekrönt. Unter feinen Tonschöpfungen jüdischen Charakters waren neben feiner 1930 bis 19H2 gesck)asfenen Freitagabend- Liturgie vor allem die Seelenlieder nach Worten von Jehilda Halevi und der 'Hymne „In Ewigkeit" erfolgreich. Heinrich Schalit. der bis IMtz als Orgazüst an der 'Münchener Hauptshuagoge wirkte, folgte vor zwei Jahren einem Ruf nach Rom, wo er Dirigent des Synagogenchvrs und Organist ist,. Der bekannte Pianist Bruno Eisner. der im Musikleben Berlins und Deutschlands eine große Rolle gespielt hat und sich auch im internationalen Mnsitleben. großen Ansehens erfreut — zuletzt spickte er im Rahmen der jüdischen' Kulturbünde —; hat sich, wie wir erfahren, rn London niedergelassen. . ' Ernst Deutsch wird.Anfang Januar in der llranssührnng "von Charles BennetS nenestem Bühnemverk als englischer Darsteller in London debütieren. ||j Plissee-Busch & Co.|| 11[ Berlin SW 19, Kommandantenstr.72 ||l I« Expedition nach auswärts am gleichen Tage «I In Oriord starb .kürzlich einer, der bedentt'ndsten Gelehrten , n d i s ch e r Abstammung. Proienor Erich Pt. v. Hornbostel.. Anregnngen' seines Lehrers Stumpk hat Hornbostel m ■neuer und selbständiger Weise zu naturwlssenschastlich nmd,e;ter Bt u s i k P ,' h ctz v l ag i e und vergleichender Plnsilwisienschast ausgebanl. Bon epochaler Bebentiing inr die Forschung wurde- -seine Hnpvtheie. des B l a g n >. n t e n z i r l e I s. die. eineresiloie Deutung zahlreicher, bis da.Iunnnvernäiidlietie-r. -erotischer Toi;sin'leine --erlaubt. Tie E-rgelünsie seiner zahlreielien Reisen, zur. Er.-, forschung. fremder .K-illtnren bearbeiiete -Hornbostel anfänglich mit dem Berliner Arzt und Musiker Tr. O t t v A b r a h a m; so erschien l9«>:Z: Studien iiber das Tonihslem und die Ptusik der Japaner (Sammelb. d. I. M. «ü.,. Ans den vielen in wisienschastlichen Zeitschriften perilrenten Arbeiten seien noch genannt: „Mnsikalisehe^ Tvnshsteme" (Handbuch d. Phhsil). „Forinanalhieu in siamesischen Orchesterstncken". . „Tie Ptastnvrm als kirltnrgei'chichtlicheS Forschniigsmittel",. nfw. Hornbostel hat das umfangreiche. Phonvgrammarchiv l^s p s h ch v l o g i sch e n Instituts in Berlin eingerichtet, das jetzt dem Museum- - für Bölkerkunde angegliedert ist, und war Ptitbegrüllder der G e j e 1 l s ch a s t zur Erforschung der Musik des Orient s. deren Organ später, in Erweiterung des Stvfskreises. als ..Zeiljchriit für vergleichende Milsikwissensehast" erschien. Als Dozent stellte Hornbostel hohe Anfordernngen an die Mitarbeit seiner Hörer: nin so gütiger und nachsichtiger . förderte er jede ernsthafte Arbeit. Er verliest Berlin 19:-!:) und nahm die Studien uordamerika-- nischo.r Indianermnsik lvieder ans. -Seine stets zarte Gesnndheit ivar den Strapazen eines Klimawechsels -wicht gewachsen. Ter Kreis seiner Freunde, Ptitarbeiter zin'd Schüler betrauert die Schätze an feinstem Menschentinn und wissenschastlichen Möglichkeiten, die mit ihm zu Grabe getragen wurden. A.ii<oi,io Lilienfeld-Lcwcnz. Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland. In dem am 5. Januar im TK'chsteiii- Saal. Berlin (V!>. Liiikslraste 16, slattiinbenden Konzert kommen durch das 2^ o r i S - K r o h t - O n a r - t e 1 t Werke von Tebiissh, Tschaitowskn und Beethoven zur Aufsützriulfl. Ter Jüdische Kulturbund Hamburg beginnt daS Jahr- 1!'3i> mit . einem Kelteren 'Abend (Sketche--, 2-ärodien. EhansonsV am -t. Januar. 2Ait-. wirkende: -Mar E l; r k i cb. Vieselvlle E v b n cRvsentz Irit; Bl e l ch i v r und Herrma-.u; öudwig S ch l e - - singer Am 19.. t I. . und U>. Januar wird -Lchnitzlers Schailspiel „Liebelei" gegeben. Regie: Tr. Haus B u r b a u m. — Am 66. Januar gibt das Orchester des KilUurbundes Rhein-Blain. unter.- Leitung von Hans 26il>ieln; Steinberg in Homburg ein Konzert mit 26erken von Scluiberl. Mozart und Beetbvven. — 6im 6!V Januar vcranilaltet,der Kulturbund einen Heine-Abend, bei dem 2Kela 'Krotzn ,'Kenned;,'! Prosa und Lvrit zum Bnrtrag bringen wird. Ilse kl r i a s c'tzola, und 26;lbelin «Kn tt mann kBerlini singen. Lieder von Heine in Berlonnngen von Mendelssvlm. Schumann, Hugo 26olf, Robert Iran;. .'Brabms und Liizt. — Iür Ende'Januar ift der Tritte Bunte Abend mit Ham-- burger Künstlern vorgesehen. Hebräisches Siudiv im Berliner Kulturbund. 2^ei der Etatsberatung der-Berliner «Gemeinde gab Landgcrichtsrat i. R. Rau davon Kenntni:-. daß dem Kulturbund in -zwei Jahren'.gelungen fei. ohne Tciizit aber ancl; ohne klebersäinsi zu arbeiten. -.Er teilte mit. das; im nächsten Jahre die sacliliche 'Arbeit durch Einrichtung eines tiebräisclien Studios erweitert werden soll. Hamburg. In dem in 'Ar.. .',6 der ..E.-2V-Zeitnng " vom 6t. Tezember veroüenlii-.hlen -Bericht über .da-? -Konzert des L e m v e l w o r s unter Georg de Haas wird bemerkt, das;^ Hermann E e r i n i bei.-seiner. 2^egleitnng gewiüD'.'Aängel der O;gel geschickt ' zu verdecken vcrmoclite.- Tie errvahnte „Alangelhoitigkeit" bezieht sich nur ans die Orgel. Rachel Eine biographische Erzählung Von Martin Gumpert 2. Fortsetzung u. Schluss Alle Rechte Vorbehalten Die bisherigen Fortsetzungen enthielten: Am 28. Februar 1821 wird Klisa Kachel in dem kleinen Schweizer Städlehen Mumprtin Gaßlhnue „Zur goldene,; Sonne" ai<s '.’l’oehter des Trödlers Felix und seiner Frau Esther geboren. Wenige Tage' später, schonziehen die Ellern weiter von Ort zu-Orl. Dreizehn Jabre ist Kachel alt. als sie mit Eklen; und fünf Geschwistern nach Paris komm» mul an den Strassenecken zur Gitarre Lieder ihrer neuen Heimat singt. So findet sie der alte Komponist Chorou, er nimmt sich ihrer an. bildet sie aus, verschafft ihr ein Stipendium. Mit 16 Jahren erhält sie ihr erstes Eiygage-. ment am „Gynmase". Am 12. Juni 1888 stellt sie siebenzehnjährig als Camilla im „Horatius" des Corneille zum erstenmal auf der Kühne der Oomedio Franchise. Dort entdeckt sie Louis Veron, Direktor der Oper, Herausgeber der „Revue de Paris". Einer Einladung zu seinen berühmten und berüchtigten Schlemmereien leistet sie am 18. August, widerwillig Folge. Nach . der Tafel fährt sie mit ihm zum Theater. Wieder spielt sie die Camilla. In der Loge sitzen Yörou und. der Sonderling Custine, im Parkett, soeben von einer Italienreise zurückgekehrt, Jules Janin. Frankreichs mächtigster Kritiker. . Und am 20. August erscheint aus sseiner Feder im ^Journal des Debats“ jene Kritik, die ihren Weltruhm begründet. „Hört aufmerksam zu“, so beginnt jener Aufsatz, „in diesem Augenblick feiert das Theatre Francaise einen unerwarteten Sieg, einen der glücklichen Triumphe, auf dieser ne Nation wie die unsere stolz sein darf. Jetzt besitzen wir endlich das erstaunlichste und wunderbarste kleine Mädchen, das unsere Generation jemals auf einer Bühne gesehen hat . . .“ Und. werter heisst es in jenem Artikel: .: .„Ihr dürft fie nicht fragen, wer Tanered ist, Horaz. Hernrione. nicht nach dem Krieg von Troja, nach Pyrrhns oder Helena. Nichts weiß fie davon. Sie weiß überhaupt nichts. Aber sie hat mehr als Wissen: sie hat dieses plötzliche Leuchten, das alles um sie her erhellt. ' Kaum ans dem .Theater, wächst sie ' riesengrpß empor: sie hat das Atas; der Homerischen Helden; ihr Haupt erhebt sich, ihre Brust weitet sich, ihr Atige belebt sich, ihr Fuß schreitet königlich: ihre Geste ist wie . ein Laut, der ans der Seele dringt: ihr Wort hallt lange nach, ganz -erfüllt von den Leidettschasten ihres Herzens.. So schreitet sie iin Traum l5-ori;eilles dahin trnd säet um sich Schrecken nnd Etrtjetzen! ... Leidenschaft. Majestät. Grüße, nichts ist ihr-fremd! ... Sie ist itunitten der Gefilde der Poesie geboren, sie kennt alle ihre Geheimnisse, enthüllt alle ihre Mvsterien. Tie Schauspieler, die mit ihr sprechen, erschrecken über ihre Kühnheit. Tie alte Tragödie atmet" auf -nird chofst: . . . Laßt es nur groß werden, dieses kleine Bcädchen. das. ohne es zu wisseil. eine Nevol-u-tion vollbringt,' und die wahren Götter derv poetischen Welt werden wlederketzren. wir-, werden die erloschene Fackel Nacines und Corneilles uüd der anderen Götter wieder anfleuchten sehen!..." Des dicken, spöttischen Janin stürmischem. Ausbruch der Begeisterling verfehlte nicht seine Wirkung. Tie trockenen statistischen Auszeichfmttgen Tiber die Einnahmen des Theaters aus den.Borstellnugeil, an denen Nachcl mitwirkte, gleichen in den nächsten Wochen einer Fieberkurve. Art den; denkwürdigen Abend des 18. August wurden M)4 Franken erzielt, eine der höchsten Kassen seit Rachels Gastspielen, genau zwei Monate später, am 19. Oktober, brachte die „Andromache" dem Theater 6130 Franken ein. Paris war von einem wahren Rachel- Taumel ergriffen. Tic Sladt hatte keinen anderen Gedanken, kannte kein anderes Gespräch als die Entdeckung Rachels. Ein beispielloser Ansturm des Publikums aus die „Comtidie" setzte ein. Alle Eingänge waren fest verriegelt. Zahlreiche Wächter versuchten mit Mühe, Ordnung in die wartende Bcenge zn bringen. Bor den beiden Kassen bildeten sich bis in die-Rue Saint Honorü hinein lange Mensehenschlangen.- die oft imu der Ungeduld der Wartendeit durchbrochen wurden. Stundenlang harrte man aus die Oefsnuilg der Sehalter, die oft nach wenigen tzNinuten wieder ge schlossen werden mußten, weit'alle Karten ausverkanft waren. Wer enttäuscht davon-zog, kam am anderen Tag wieder. Ter König, der seit drei Jahren das Theater »licht besucht hatte, erschien eines Abends mit der Königin lind dem beigisehen Königs paar iu seiner Loge zu einer Bor- / stelluug des „Einua^ und überhäufte Rachel mit Lob und Schmeichelei. Am 1. November erschien', in der „Revue des deux Mondes“ ein Artikel Alfred de Mussets, dersie als „das.Genie der Tragödie" feierte, Ties allös 'war ein Signal' für die Gesellschaft. Tie r Schranken der Salons gingen in. die.Höhe. Rachel war der. Stern von Paris. .. Rachel ist niemals glücklich geworden. Es waren harte Zeiten, diese Jahre der Romantik. .in denen der Ruhm seinen Preis hatte und Seclenschmer; wie eine Aktie gehandelt wurde. Rachels rauhe, aufwühlende Stimme wurde das Kapital eines Unternehmens, dessen Teilhaber der alte, geldgierige Felix und der feiste Beron wurden. Ten Händen " dieser Fachleute war sie wehrlos ausgeliesert. Eustine. von Sehnsucht und Eifersucht geguält. machte ihr bald einen Heiratsantrag. Sie beantwortet ihn mit der doppelten Arroganz eines Backfisches und eines Stars: „Mein Herr, Ihr Brief hat mich sehr überrascht, das inuß idz zugeben. Mir scheint, wenn man ein junges Mätzchen heiraten will, sollte man nicht mit Vorwürfen beginnen. Was sage ich. mit 'Vorwürfen, fast mit. Beleidigungen. Ich konnte die Besuche des Herrn Ignaee nidjt verhindern. Ich glaubte. , er kmue als Freiuld und empfing ibil danach. Tas ist wohl dereinzige Borlvnrf. den inan mir iliachen kann. Alle anderen.kann ich nicht annehmen. Verzeihen Sie. mein Herr, wenn - mein Brief ein wenig erbost ist. aber es war meine Pflicht, ihn z»I schreiben. Rachel." Sie unterwarf sich in-einem unäilshaltsai'ncn Erobcrllngszug Paris, ganz F-rantreieh, Europa. Sie 'errichtete ihr Imverium der dramatischen Kunst über alle Grenzen hinweg und war umworben, verehrt, beloundert wie kaum eine Frau dieses der Frau ergebenen 19. Jahrhunderts. Aber die geniale Tarstellerin tragischen Scklicksals blieb itnmer eine -unbegabte' Tebutau'.in des kleinen Glückes. Sie spielte-itire Rolle mit vielen Rcännern: ZRusset. Tumas. der Herzog boik Ioiuville, der Graf Waleivsti.' Racht'omme Napoleons, von dein sie zroei Killdef hat, ein'Uubclaniner. den sie in Briesen. die gesunden lvnrden'. slehentiieh nin ein Lebenszeickjen bittet. Nur'der- Schmerz flog ihr zu und fraß ihr ans der Hand. Nie ließ ein Lächeln sich von ihr fangen. Ihr Auge warf zn schwere Scllatten. Sie blieb ein Kind ohne Lachen, mit schmerzenden Sollten die Tochter des wandernden Hausierers Felix, der' das Wttntzer. im Sack trug. Sie 'stürmte vorwärts in einen hektischen.' atemra.ubentzen Wirbel von'Ruhm. Reiehrnm. Verwöhnung, aber sie sehiike sich rücklvärts nach dem harten Brot der Landstraße. Janin berichtet, daß ne an einem stürmischen Winterabend, krank Und schoit tüto gefangen von dem Leiden, das ihr bevorslantz. in ihrem kleinen Zimmer inder 'Ehansteed'Antin lag. Es war-fast dunkel, und kaum siel ein Wort. Ta begann sie plötzlich mit ihrer schrillen nnd dock; ganz tiefen Stimme die alte Ntarseillaise ihres Schicksals zn singen. die Verse-ans der „Vendeenne": „Paris, die Stimme zieht mich fort.