Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 21 (23.5.1935)
- Date
- 1935-05-23
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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irnnn' : I?! < ' : ’ I . J Mr. 21 i i' : i; r~:! i [■ ■! \ +J VX/ ui Lu L \\^J \ 1 /I K; fl JOubü H n- RI O M - d liLRSLl AÖo U C3 J m £3 > rsr ES Li* / / Lu Uli . 23. Mai 1935 Bei Meisen Kindern in NlecbrscMkliaiiseii Von Setta Cohn-Richter „Tante, wie heißt im?" — „Tante, wen besuchst du hier?" — „Tante, was schreibst du da?" — Diese und noch viele andere Fragen umschwirren mich. Es ist ein lustiges Durcheinander in dem freundlichen, sauberen Spielzimmer des j ü d i - s cg e n ,vi inder h c i in c 5 i n Nieder s ch ö n li ir.i i o n. Und nun betrachte ich die Sehens- N'iirdigleiten: die zusammensetzbaren, rnit farbigem tststnhsi.u!, überzogenen Tische, das Aquarium. das .niat'ier. die Klebearbeiten. Ursel zeigt mir den rasa gestrichenen Spieizeugschrank für die gemeinsamen Spielsachen, und Mirjam die Schubfächer, in denen die minder ibre .Kastanien, Ausschneidevnppen und andere, ihnen persönlich gehörenden ■ Kostüarleiten ausbetvahren. lieber jedem Fach li.ingt ein handgemaltes Bildchen, das sich überall bei den Gegenständen des betreffenden Kindes wiederholt. Das Häschen vom. Spielfach kann Benunsch iin Korridor bei seinem Mantelhaken, im Badezinnner über [einem Mimdglas, in der „Puppentoilette" lwi seinem Handtuch oder über seinem Bett wiedersinden. Beunnsch's Bett, frei stehend, ohne Gitter wie die meisten, befindet sich im „grünen" Zimmer. Der Heine Junge lann, sobald er auswacht, durch ,>wei gläserne Zauberivände in „rosa" und „blaue" Zimmer gucken: loas es da Interessantes zu sehen ailü. Jetzt wachen in allen Nänmen seine Geipieten ans, und ein lustiger Spektakel erfüllt als- >'ald dieses Helle Han-., das von zwei- bis sechs" jährigen kleinen Menschlein bevölkert ist. Nach der Morgenwäsche im Baderamn, dessen blitzblanle Spannen, Duschen und Turngeräte zur Benutzung einladeu, gelst's in den Spielsaal.. Liebevolle Kindergärtnerinnen leiten die Kleinen zur Beschäftigung an. lieber jedes .Kind wird ein Beobachtungsbogcn geführt. Das sind Notizen über sein körperliches Verhalten, also Bewegungen, ptahrnngsausnahme, Sprache, Sauberkeit, Schlaf, und über sein geistiges Berhalten. Temperament. Berhalten zur Unuvelt und bei Gesundheitsstörungen, ein Bericht über Erzichungsschwierigleiten und Fortschritte. Niemals dürfen die Kinder geschlagen werden. Dadurch bleiben sie zutraulich und fröhlich. Die sorgfältig zusammen gestellten Mahlzeiten werden lwn den Kleineren mit einem praktisch gebogenen Lössel und Schieber, von den Größeren mit Messer mW Gabel von hübschen, farbigen Tellern eiugcnommen. Den Kindern, die zum großen Teil gar kein Elternhaus kennen gelernt haben, ist das Kinderheim wirklich zum Heim geworden. Ja, ein kleines Mädchen, das nach Hause sollte, wenn seine Mutter genug Geld verdienen' würde, meinte enttäuscht. al§ eZ wirklich so weit war: „Warum hat sie bloß soviel Geld verdient!" Hinter dem Hanse befindet sich ein hübscher Garten. Eine große Buddelkiste ist da und ein Planschbecken, das au die Warmwasserversorgung angeschlvssen ist. Es gibt hier hinter einem Drahtgitter auch Hühner und Gänse zum Anstaunen und Blumenbeete zum Pflegen für die größeren Kinder. Ein Stückchen weiter ist eine Box ausgestellt. Da krabbeln im Sommer die lebendigen Puppen herum. Das ist bereits der Bezirk der „Kleinkinder und Säuglinge", die hinter diesem Teil des Gartens ihr Haus haben. Wie manches Kind ist durch diesen Garten ans dem Säuglingsheim in das Kinderheim hinübergetvandcrt und kennt bis zu seinem sechsten Jahr nichts anderes als diese Klndcrwclt. Das Säuglingsheim ist mit allen modern und hygienischen Mitteln und Einrichtungen versehen. Es blitzt ebenfalls vor Sauberkeit. Ob wir einen Blick in die beiden Milchlammcrn werfen, deren eine zum Reinigen der Flaschen, die 'zweite zum Zuberciten und Einsüllen der Sondernahrung für jedes Kind eingerichtet. Ob nur die, mit Nuinmern bezeichneten. durch Metallhütchen verschlossenen Flaschen im Eisschrank betrachten oder die durch Glaswände getrennten Schlafzimmer. Frische Wäsche liegt ans Glasplatten; stets sind die Pflege» utcnsilien des Säuglings mit seiner Nummer versehen. Wie drüben im Kinderheim gibt cs auch hier ein leeres Kranken:inuner. einen Quarantäneraum. eine Höhensonnenvorrickstnng. und einen Epielsaal. Krabbeln und Kriechen und erste tapsige Geh- und Spielversuche finden hier statt. Nebenan in der geräumigen kühlen Veranda liegen die Kleinsten unter Fliegenschleier. Wärmflaschen an den Füßchen. Ihr Spielzeug, drei verchromte Metallringe, durch ein Band gezogen — danach greifen sie bereits mit vier oder fünf Monaten. Und zuletzt betrachten wir in der oberen Etage die „Allerkleinsten", die zum Teil von ihren Müttern gestillt werden. Das Kinderheim existiert erst seit vier Jahren und ist aus dem Säuglingsheim erwachsen. Dieses wurde am 1. Januar 1915 eröffnet, nachdem cs vorher in einer Villa in Pankow zur Miete und in seinen frühesten Anfängen vor 30 Jahren sich in einer kleinen Wohnung in der Artillerieftratzc befand, es ist ein Werk vom „Fürsorge-Verein für hilflose jüdische Kinder". 75 .Jahre M. Poppelauer %n dem Tag, da dieses Blatt in die Hände unserer Berliner Leser kommt, kann die Buchhandlung M. P o p P e l a u c r, Berlin E 2, ein seltenes Jubiläum feiern: 75 Jahre sind vergangen. seitdem D r. M v r i tz P o p P e l a u c r in der Neuen Friedrichstraße eine kleine. Buchhandlung gründete, die durch den in der Wissenschaft des Judentums anss beste bcioandcrken Mann schon in kurzer Zeit zu einem Sammelpunkt führender Geister des deutschen und insbesondere des Berliner Judentums der damaligen Zeit wurde. Männer wie Michael Sachs, Leopold Zuuz. Steinschneider u. a. gehörten zu den ständigen Besuchern des kleinen Lädchcns. Aus ihm erwuchs im Laufe der Zeit eine bedeutende, weit über den Kreis Berlins, ja Deutschlands, hinaus bekannte - Spezialsirma für Hebraica und Judaica. Diese Entwicklung ist vor allem der Tatkraft des jetzigen Inhabers, Jacob Säen gor, zu verdanken, der die Buchhandlung im Jahre isot von der .Witwe Dr. Moritz Pvppelaners übernahm und sie in rastloser Tätigkeit zu ihrer heutigen Bedeutung führte. Im In- und Ausland wurden große Bibliotheken angetanst und ihre Bestände den zahlreichen Interessenten durch wissenschaftlich korrekte Kataloge nahegebracht. Zu den bedeutendsten Erwerbungen gehörten die InlunabelsammUing des Grafen Manzoni in Nom und die Bibliothek des Rabbi Kohn-Zedek in London. Bon Anfang an hatte Dr. Pvppelancr sich auch für den Verlag ■ guter und einschlägiger Werke interessiert, erweitert wurde diese Tätigkeit durch die ttebcrnahme ganzer Verlage. Es erschienen bei M. Poppelaner u. a. Werke von Sachs, Steinschneider. Zunz, Maybaum, Winter & Wünsche, Karpeles, Wengcroff und die in fast allen Schulen cingcsührten Lehrbücher von Jacob Auerbach, sowie das neuhebräischc „Menorah"-Wvrterbnch. Die Geschichte der Firma Ai. Poppelauer stellt ein Stück Kulturgeschichte des Berliner Judentums dar, seit drei Generationen versorgt sie schon die Berliner Juden mit der einschlägigen Literatur. Wir wünschen ihr an ihrem Ehrentag. daß sie noch viele Jahre in gleich aktiver und erfolgreicher Weise ihre Arbeit fortsetzen kann. H. W—I. Theaterabend der Werkgruppe Halensee Die eigenartige Erscheinung des mittelalterlichen Pseudo-Messias Sabbatai Zwi stand im Mittelpunkt eines Theaterstücks, das von der W e r k g r u p p e H a l e n s e e des Bundes D e u t s ch - I ü d i s ch e r Jugend ansgearbeitet und im Verein mit dem 6. Zug des Bundes im Schubert-Saal ausgeführt wurde. Es war ein Versuch, und wenn auch dieser Versuch nicht in allen Punkten geglückt ist. wenn vor allem statt dramatischer Handlung zu viel ermüdende Monologe und Diskussionen das Interesse der Zuschauer abschwächtcn, so muß doch die erfreuliche Tatsache fcstgestellt werden, daß hier junge Mcnschen den Versuch unternahmen, jüdische Geschichte lebendig 311 machen und aus den historischen Erscheinungen unsere eigene Situation zu begreifen. Sabbatai Zwi wird als der Mensch dargestellt, der ohne göttlichen Auftrag aus eigener Initiative die Nolle des Messias übernimmt, um seine Leidensgenvssen von Leid und Elend zu befreien. Allein ans der Zeit heraus, so lehrt das Stück, ist die Gestalt dieses genialen Abenteurers zu begreifen, aus dem tiefen Bedürfnis der geknechteten und verfolgten Juden des 17. Jahrhunderts nach Erlösung. Man spürte bei der Aufführung, mit wieviel Eifer und mit wieviel Liebe zum Stofs das Spiel einstudiert war. Zahlreich erschienenes Publikum spendete herzlichen und ermutigenden Beifall. Heiratsbeihilfe TerGeschästsausschuß der Jüdischen Darl e h e n s k a s s c, G. m .b. H., BerIi n hat in seiner letzten Sitzung beschlossen. Darlehen bis zu 000 NM zur Begründung eines ehelichen Hausstands zu gewähren. Antragsbereckstigt sind Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, welche die Ehe' miteinander eingehcn und ihren ehelichen Wohnsitz in Berlin begründen tvollen, sobald ein standesamtliches Aufgebot vorlicgt. Wenigstens einer der Eheleute inuß im letzten Jahr vor der Autragstellung in Berlin gewohnt haben. E,:t> sprechende Anträge sind zu richten an Ge Jüdische Darlehenskasse G. m. b. H„ Berlin <'2, Rosenstraßc 2—1. Tie Jüdische Tarlchenskassc G. m. b. H.. A rlin C 2. 'Rosenstraßc 2 —1, gibt Darlehen b - -.i KKio RM an in Groß Berlin ansässige ständige Juden zu rein produktiven lgeschntz liehen) Zwecken gegen entsprechende Sicherheiten. Das Jüdische Wohlfnhrts- und Jugendamt schreibt Ulis: Wir warnen vvr -Kurt Auhetuaiiu. geb. II. Januar l'N»'.«, wohnhaft Zertstr. 68. Ter E-n naincre hat bereits inegen verschiedener Betrugsststlc eine E-esängnisstraie verbüßt, 'stach seiner Enltaisung erbat er von der inständigen Bezirksstelle unter dem Verwand, Arbeit zu haben, einen Eewbetrag und eineii An',ug. Beides wurde ihm bewilligt. Herr llkuhemann hat daraufhin an mehreren Tagen aur späten Nachmittag bei verschiedenen Organisationen vorgesprechen. dort mitgetcilt. daß er am "Abend abrciscn müsse und dringend 12 NM zur Auslosung eines Anzuges benötige. Wir machen darauf ansmerlsam. daß diese Angaben nicht stimmen und bitten, den Genannten ab.znwcisen. Der Gross-Berliner C-V Ortsgruppe Eharlottenburg 29. Mai, 20 Uhr 30 Min.: „Indische Gegenwartsfragen." Syndikus Dr. Hans Neichinani,. Nabbiner Tr. Hermann 9Jc. Sänger. Aula der Jüdischen Volksschule. Kaiserdamm 78 (am Mvls-Hitler-Platz). Das Berliner Lehrhaus I> <> 11 ii «* rst« "’s-V« r t ra sroi h «•: 20 Uhr 15 Min., Logcnhaus, .Kleiststraße 10: 23. Mai, Paul Eppstein: „Tie jüdische Gesellschaft". 30. Mai ( H i mme l s s ah r t s t a g) Leo B a c ck : „Tie Existenz des Juden". Tie Offene Arbeitsgemeinschaft Bamberger- Eppsteiu über Fragen jüdischer Bildung und Erziehung beginnt nicht am 6., sondern am 1 3. I uni, 20 Uhr 15 Min., Vortragssaal Fasanenstraße 79/80. Ter Eintritt in die Sprach-Handels-, den Photvlurs und den Kurs: „Einführung in das Ctenerrccht" kann mm") erfolgen. Anmeldungen im Sekretariat, Marburger Straße 5 (10 bis 1, 3 bis 0 Uhr). __. Das Rambam-Lehrhaus Arbeitsgemeinschaften Am Montag, den 27. Mai, beginnt: Dr. Harrt) Levh: Grnndzüge des jüdischen Familietircchtcs. Kantslraße 0. Heim des Misrachi; am Mittzvoch' Tr. Alexander A l t m a n n : Tie Sendschreiben des Nambam, Loge Kleiststraße 10; Nabbiner Isl Broch: Die jüdischen Feste. Synagoge Ncünchcr'.ec Straße. Die Arbeitsgemeinschaften beginnen um 20 Uhr 30 Akiuuten. Tie Kinder- und Jugendheime „Ahawa", Berlin >' 24, Auguststraße 14—15, veranstalten am Sonntag, 2. Juni. 11.30 Uhr, im Friedenstcmpel in Zusammenarbeit mit der Künstlcrhilfe der Jüdischen Gemeinde ein Konzert unter gütiger Mitwirkung von Generalmusikdirektor I. Rvjenstvck, Susanne Stein und dem Frey-Ouartett. Außer einem Streichquartett von Haydn enthält Ti SS f D Ü £ 0 nuto-Kcporatur alle Svstpmo, zeiiRem. Preise. Hitsche, Grunewaldetr. 82. Öl 787k Smsfi FSccfoer FahrKtuhllabrik W 50. Kislnibßclior .SJrasso C B 4 Bav. 7031/52, Hachtrul: GO'Llchtorf.7758 Bepaiaturen Jodor Art, Pflege.Fahr* stuhlseilo _ CC7"Llc!orantu.MiJci.d.Jüd.Gom.”w A u to-Siäbelsöp ßcsSorcs'Jera ßaü QtnsöQihSr Vunjanlsier-Anstalt. 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