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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-23 · 21 (23.5.1935) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
21 (23.5.1935)
Date
1935-05-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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die Erde X. Ungar: 3. Das jüdische Gemeindeleben in Ungarn ist vielgestaltig; das; mehr als die Hälfte der ungarischen Inden orthodox sind, ist eine Tatsache, die im Hindiicl ans die durch Uedertrilte und Mischehen gegebene Tendenz zur Abbröckelung von besonderer Wichtigkeit ist. Bon den 256 Hauptgemcinden. die in Ungarn heute bestehen, sind 136 orthodox, der kleinere Nest von 120 jüdischcn Gemeinden bezeichnet sich als sogenannte S'i ongr e s; - bzw. Statusg u o - G e m e i n - den. Dementsprechend sind auch von den 178 Rabbinern Ungarns mehr als die Halste, fast 100, Anhänger der orthodoxen Dichtung. Die größte jüdische Gemeinde ist natürlich B u d a P e st, wo heute inehr als 200 O0O Juden leben. Dennoch ist beachtensroert, das; in Budapest in den letzten zehn Jahren sich die Zahl der Juden verringert hat, nnd zwar von 215 500 im Jahre 1920 aus 20'! 000 im Jahre 1930,' wodurch die jüdische Oirollh-von 23 Prozent aus 20 Prozent hernntergegangen ist. da Budapest inzwischen die Einwvhner-Millioncn-Greuzc überschritten hat. Die Gründe für die Schrumpfung der jüdischen Geineindc Budapests liegen darin, daß Taufen und Mischehen in dem Milien der Weltstadt besonders starken Eingang gefunden haben und der Sterbeübcrschns; seine greifbaren Früchte zuerst zeigt. Aon Städten, die aus anderen Zusammenhängen in Deutschland bekannt sind, ist Debrezin zu erwähnen, Ivo mehr als IO 000 Inden leben, ferner Szeged in mit über 5500 Juden. B aab mit 5100 und schließlich F ü n s - l i r ch e n mit über -1OOO Inden. Relativ günstiger als in der Mehrzahl der mittel- und iveftenropäischen Länder ist die berufliche Struktur der ungarischen Juden. Staiistisehc Angaben ans dem Jahre 1920 zeigen, daß beachtliche Teile von ihnen mit der ausgedehnten Landwirtschaft des Landes verbunden sind. Etwa 850 jüdische Familien leben aus ihrem Mittel- und Großgrundbesitz, über 55OO jüdische Familienväter betätigen sich in der Land- Wirtschaft als Kleingriindbesitzer oder als Kleinpächter; sie stellen damit einen erheblichen Prozentsatz aller der Ungarn, die in dein agrarischen Wirtschaftssektor arbeiten. Die industrielle Betätigung der Juden Ungarns beschränkt sich nicht auf die Selbständigen und Angestellten. Die Statistik weist 1920 rund 03 000 Juden als Industriearbeiter und Jndustrichilsspersonal aus. Auch in dem Arbeitssektor, den man unter dein Sammclbegriff Verwaltung zusammenfaßt, waren etwa 1100 Juden tätig. Daß der 'Anteil der Juden Ungarns im Handel weit über ihrer Quote an der Gesamtbcvölkernng liegt, entspricht im Nahmen der historischen Gegebenheiten dem Bilde, das auch in anderen Ländern Mittel- und Westeuropas zu beobachten ist. Einen Einblick in das kulturelle jüdische Leben erlaubt die Statistik auf dem Gebiete der Jugenderziehung. Das ungarische Schulwesen baut sich ans einer Schicht verschiedener Schularten auf; es ist interessant, daß fast in allen Schulkatcgoricn auch jüdische Schulen vorhanden sind. Aus diesem Gebiete drückt sich die Verbundenheit der ungarischen Inden mit ihrer Umwelt deutlich aus. Nicht nur, daß viele Tausende jüdischer Kinder staatliche bzw. kommunale und christlich-konfessionelle Anstalten besuchen, umgekehrt werden auch christliche Kinder in jüdischen Schulen mit ihren kleinen jüdischcn Mitbürgern zusammen erzogen. In den über 1 5 O jüdischen B o l k 8 s ch ulen Ungarns werden etwa die Hälfte aller volksschnlpflichtigcn Jungen und Mädel miterrichtet, die andere Hälfte der jüdischen volksschnlpslichtigen Kinder besucht Staatsusiv. -Anstalten. Neben den jüdischen Bolksschnleu. in denen die Unterrichtssprache mit einer einzigen Ausnahme das Ungarische ist, bestehen 0 j ü dische Bürgerschule n, 3 j ü d i s ch c G v m n a s i e n, 1 höhere j ü d i s ch c H a n d e l s s ch u l e usiv. Daß 1930 etwa 60 000 jüdische Kinder Volks- und Mittelschulen bzw. Gymnasien, in Ungarn besuchen, gibt einen Hinweis daraus, daß der Altersaufbau dcS jüdischen Sektors in Ungarn ein gesünderer ist als bei den deutschen Inden, bei denen zur gleichen Zeit nur etwa 56 000' Kinder die gleichen Schutkategoricn besuchten, trotzdem vor vier Jahren die Gesamtzahl der Inden in Deutschland um fast 100 000 höher lag als die der ungarischen. Als Kennzeichen für das Bildnngssireben der ungarischen jüdischen Jugend sei abschließend erwähnt, das; im Studienjahr 1929/30 rund 12S0 jüdische Studenten an den Universitäten und anderen Hochschulen immatrikuliert waren, was einem Prozentsatz von 10,5 aller eingeschriebenen Hvchschüler glcichkommt. Unter den Lehrkräften der Hochschulen fiitb zu etwa 5 Prozent Juden. (Nachdruck verboten.) Dr. E. R—z. 100000 Menschen wurden beraten Vor kurzem fand unter reger Beteiligung eine Sitzung des Geschäftssührendcn Ausschusses des H i l f s v e r e i n s der deutschen Juden unter dem Vorsitz von Max M. Marburg statt. Marburg hielt einen Nachruf auf Generalkonsul Eugen Landau, den Mitbegründer und Vorsitzenden des Hilssvercius. Er gedachte auch James S i m o u 8 und Paul Nathans, die mit Eugen Landau den Hilfsvereiu begründet und mächtige Impulse für die Arbeit des Hilfsvereins gegeben haben. Der Vorsitzende teilte alsdann mit, das; der Geschäftssnyrcndc Ausschuß durch folgende Herren erweitert wurde: Generalkonsul Siegfried A u f - Häuser (München); Siegfried Bieber, Tr. Alfred Klee (Berlin); Emil Octtinger (Frankfurt a. M.); Moritz Nosenthal, Direktor Heinrich Stahl (Berlin): Friedrich A. Straus (Karlsruhe); Gustav Würzweiler (Mannheim). Anschließend erstattete der Generalsekretär Dr. Wistynitzer einen Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins. Er gibt eine Darstellung der Answandercrfürsvrge seit April 1933. Angesichts der nicht nur ans dein Kontinent, sondern auch irr den überseeischen Ländern bestehenden tzinwanderiliigs-, und Niederlassnngsbedingungen war die Arbeit des Hilfsvereins bcsorrders schrvierig und Vecantlvortuugsvvll; die Beratungen erfordern irr der; meisten Fällerr eine eingehende, individuelle Bearbeitung. In dem Zeitranm bis März 1935 wurden über looOoO Menschen beraten und mit Informationen jeder Art versehen, und zwar etrva 60 000 im Jahre 1933, 39 i)0() im Jahre 1934 und einige Tausend in den ersten drei Monaten des Jahres 1935. 11 416 Personen konnten die Auswandernng dank der Finanzierung durch den Hilfsverein antrcten. Großer war die Zahl derjenigen, die ein planmäßiges Auswanderungsvorhaben erst nach Einholung umfassender Jnformationen durch den Hilfsvereiu verwirklichen konaten. Zwecks Beschaffung und Erteilung dieser I», sormationen setzt sich der Hilssvcrcin mit Gemein, den, Komitees. Privatpersonen in europäischen und überseeischen Ländern m Verbindung. In Deutschland arbeitet er mit Gemeinden. Proviuziatvcrbänden und Wirtschaftsstellcn. die bei den Gemeinden ins Leben gerufen ivurden. gehen dem Hilfsvcrent Nachrichten zu. nus denen hervorgeht, daß cs vielen Auswanderern gelniigen ist, nach verhältnismäßig kurzer Zeit sich eine Eristenz ausziibairen. und daß sie bereits in der Lage find, ihre Angehörigen nach, kvnimcn zil lasscii. Die Auswanderung nach Uebcrsee erstreckt sich auf etwa dreißig Länder. Von anderen Arbeitsgebieten erwähnt Tr. Wischnitzer noch die Stndentenfürsorge. Des weitercn berichtet er über die Wiederausnahme der Tätigkeit der Hafskine-Stistuiig. Nachdem der Prozeß, der gegcii die Stistnng vor zwei Jahren angestrengt wurde, geivonnen, und der Stiftung«, rat am 5. Januar 1935 neu konstituiert wurde, kann sich der Hilfsvereiu wieder dieser Arbeit widmen. die den Jcschiwvth gilt. Nach einer kurzen Aussprache über den Bericht und die Arbeiten, die den Hilfsverein zur Zeit beschäftigen, schloß der Vorsitzende mit einem Tank an die Geschäftsführung und die Beamten des Hilfsvereins. Keine Rückkehr deutsch-jüdischer Auswanderer aus Brasilien Wie die Leitung des Verbandes für Auswanderersürsorgc „Hiccm" mitteilt. ist die Nach, richt, in Antwerpen seien 50 deutsch.jüdische Rück- Wanderer ans Brasilien cingetroffen und die belgischen Behörden hätten ihnen die Landung verweigert, in jeder Beziehung unrichtig. Es ist über- Haupt kein Rückwandcrertransport ans Brasilien nach Belgien gekommen. Eharles Henry Gordon-Lennox, der achte in der Neihe der H e r z ö g c v v n R i ch m o n d a n d Gordon, starb am 7. Mai 1935. Die Familie ist eine der größten Grundeigentümerinncn in England. Mütterlicherseits ist der soeben verstorbene Herzog nichtarisch. Seine Mutter. Amy Ricardo, entstammt einer bekannten sephardischen Familie, die Anfang des 19. Jahrhunderts zum größteu Teil zum Ehristentum übergegangen ist. Ter hervorragendste Mann der Ricardos ivar der berühmte Nationalökonom David Ricardo (1772—1823), der bei Gelegenheit seiner Heirat mit einer Christin in jungen Jahren das Judentum verließ, ohne sich jedoch taufen zu lassen. 8. X. Ff u'/O ß (1/tS ll/QJ aminiii f&TfFfWlpM k-T-MMV —- [-— V tW Mukli a* Ll uUU Vi/ \d «4 Ü Um Bla - Vorm- Freu KScEcno föcycr HagencErsEse 30-47 / Telefon: H9 Schmargendorf 7751 Allerbcsto Verpflegung: wio anerkannt Ptreng klinische Ärztlich« Versorgung der Kranken. Moriernl*l«»rio clokfro-hydrotherapeutische Apparaturen. Kilntgre«-Untcrwiehtmgon.blnth©rini©,I£arzv?olIen,ClrundamsÄtzbcstimmungcn. Besondere Vereinbarungen wegen etwaiger Fnnschalluxren. Für Rekonvaleszenten evtl mit Pcnslonsabmachungon. Die Patienten sind ln der Wahl ihres Arztes völlig frei Hl ß h HESSLESt üu w) Berlin, Um BaiiniiolZaa K“Srs Tel.: Bi8m.8100-1S.Zimmer v. M Hotel Pension Waldesruh Ravcnsfcrück d. 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