Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 21 (23.5.1935)
- Date
- 1935-05-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jowoL/' ‘ ■ ' '1 Nr. 21 71^1 1. Beiblatt vj 23.Mai 1935 fie IHj!I£ä{ Von Hans Samter (Karlsruhe) Jüdische Wohlfahrt. Was früher aus dem alten Gesetz der Religion überkommene Verpflichtung war. aber dennoch mit Recht in einer oft ohne Verständnis dafür lebenden Umwelt Gegenstand unseres Stolzes, ist heute selbstverständliche Aus. gäbe für jeden, der materiell auch nur irgendwie in der Lage ist. Das besagt nicht, daß wir nicht auch aus die sozialen Leistungen deS deutschen Judentums in den letzten zwei Jahren sehr stolz sein dürfen, weil in ihnen tatsächlich weit mehr geschaffen wurde, als man jemals erwarten durfte, aber es führt dazu, daß eine richtige und gesunde Einstellung bei Gebendem und Nehmendem den Einrichtungen der Wohlfahrt gegenüber Platz greift. Wie der Inhalt wandelt sich unter dem Truck neuer Aufgaben auch die Form: noch ist sie im Fluß, oft suchend und tastend, aber mit der immer gleichen Ausrichtung, die vorhandenen Mittel und Möglichkeiten so zu handhaben, daß der größtmögliche Erfolg auch dort erzielt wird, U'v die äußeren Mittel nur beschränkt sind. Wenn hier ein Ausschnitt aus dem Schlachtfeld des sozialen .Kampfes gegeben werden soll, den jüdische Gesa ntheit heute für Einzelne führt, so unter der nnzn'eiselbarcn Voraussetzung,. daß eben wirklich nur ein ganz kleiner Bruchteil aus einem riesengroßen Arbeitsfeld gezeigt wird. Aber vielleicht fehlt gerade dieses Mosailsteinchcn in dem Bild, das in vielen deutschen Juden über die Form der Sozialarbeit ihrer Gemeinden und Organisationen besteht. Manchem. der an die durch viele Dcrösscnt. lichnngen bekannte Wohlfahrtstätigkcit der Großgemeinden, insbesondere Berlins, denkt, wird cs nicht so bedeutungsvoll Vorkommen, wie die Ausgestaltung dieser Arbeit in einem Bezirk sich vollzieht, der insgesamt nur 13 000 Juden umfaßt. (Es handelt sich um das Land Baden mit Ausnähme der Stadt Mannheim, die für ihren Bereich selbständig arbeitet.) Aber Zahlen besagen nicht viel: dreizehntauscnd Juden weniger, als in einem der dichter von Juden besiedelten Stadtteil in Berlin wohnen — im Land Baden sind sie aus ciuhundertzwanzig Gemeinden verteilt. Nur dreitausend von ihnen wohnen in der Hauptstadt Karlsruhe. Dort allerdings ist die Zentrale der Arbeit, und eben diese Zentralisierung ist das Eigentümliche an der äußeren Form der geleisteten Wohlfahrtstätigkcit, die hier so segensreich gewirkt hat, daß mau sie als Vorbild und Beispiel nehmen kann. Es handelt sich dabei nicht nur um eine örtliche Zusammenfassung, sondern auch eine materielle: der „Bund israelitischer Wohlfahrtsvereinigungen Badens" ist Träger der gesamten jüdischen Sozialarbeit, in Karlsruhe wie überall im Lande. Das Vorbildliche und Eigentümliche daran aber ist. daß öffentliche und private Wohlfahrt nicht, wie überall. Hand in Hand arbeiten, sondern persönliche Hilfstätigkcit und Wvhlfahrtsarbeit der Gemeinde bzw. des Oberrats der Israeliten miteinander verschmolzen sind. Der „Wohlfahrtsbund" lebt nicht nur von Mitgliedsbeitragen und freiwilligen Spenden, sondern er wird außerdem von Zuschüsicn der jüdischen Gemeinden unterhalten, denen er dafür ihre sozialen .Ausgaben abgenommen hat. Hier ist ein Weg gefunden, jeden Leerlauf zu vermeiden, alle vorhandenen Mittel gehen durch eine Hand, so kann sinnvoll und produktiver gearbeitet werden. Solche Zusammenfassung ist der Nahmen einer Arbeit, die unmöglich wäre, lvenn sie nicht einhcitlich geleitet würde. Denn sie erfaßt auf der einen Seite die mittlere Gemeinde einer Stadt» andererseits jüdische Menschen in einhundertzwanzig Gemeinden des ganzen Landes. Das ist nur dadurch möglich, daß der Wvhlfahrtsbund in jeder Gemeinde des Landes einen Vertrauensmann hat. der ihn dort vertritt. Für materielle Hilfe usw. ist der überwiegend selbst verantwortlich. und lvenn er Unterstützung in einem Einzelfall befürwortet, so wird der Fall zwar natürlich in der Zentrale noch nachgeprüft, aber der wcseiltliche Teil der Entscheidung ist bereits getroffen. Anders ist es mit wirtschaftlichen, juristischen und insbesondere mit Berufsumschichtungssragcn, weil hier dem Vertrauensmann ja meist die erforderliche Fachkenntnis fehlen wird. Hier gibt cs zwei Wege: den von Karlsruhe ins Land, und den vom Land nach Karlsruhe. Beide sind gangbar und werden begangen, in den Sprechstunden des Wohlsahrtsbuudes. finden sich regelmäßig Ratsuchende aus Landgemeinden und cs vergeht keine längere Zeit, ohne daß der juristische rmd berufsum-. schichtende Vertreter oder die Fürsorgerin dev Zentrale hinaus aufs Land fahren, um dringend notwendige Hilfe zu leisten oder sich einmal tim* Zusehen, ob irgendwo etwas getan werden muß. Materielle llnterstützung haben auf diesem Wege im letzten Jahr Menschen ans einhundcrtsechs von cinhundertzwanzig Gemeinden erhalten (wobei die Kleiderausgabe der Kleiderkammer nicht berücksichtigt wird, die von tausend Menschen beansprucht lvurdc), in der Stadt Karlsruhe wurden etwa achthundert von dreitausend Juden unterstützt. lvenn auch nur ein Teil davon fortlaufend. Die Bcrufslage ist hier sicher besser als in der Großstadt (Zuzug nach hier mit Arbeitsgenehmigung ist heute und solange die allgemeine Sperre besteht, natürlich auch nicht möglich), und der berufsumschichtende Mitarbeiter darf sich freuen, als er sagt, daß für bcrufstüchtige Menschen zlvischeu zwanzig und dreißig Jahren die Möglichkeitcn nicht gering sind. Selbstverständlich spielen die kaufmännischen Berufe die größte Rolle, aber auch im Handwerk sind manche zur Umschichtung und als Lehrlinge uutergebracht, wobei cs selbstverständlich ist, daß die vorhandenen jüdischen Handwerker bis zur Grenze des Mög- Fällen (Buchbinder, Bvdenleger) sind Lehrlinge auch Im Segelflugzeug von London nach Paris Ein neuer Erfolg Robert Kronfeld* Segelfliegen — jahrtausendealter Ikarus- Traum der Menschheit, ist säst Wirklichkeit geworden. Kein Motorgeknatter und kein Benzingestank wie bei den gewöhnlichen Flugapparaten können die Illusion zerstören, sich durch eigene Kraft in die Lüfte zu erheben und von den Stürmen davontragen zu lassen. Gibt es einen Sport, zu dem mehr Kühnheit, mehr Beschwingthcit im wörtlichsten Sinne gehört? Dreiundzwanzigjährig. kam der jüdische Sportler Robert Kronfeld. der auf Skiern die Hochalpen durchwandert und im Faltboot das Mittelmccr befahren hatte, 1927 auf die Segelflicgerschule nach Rossitten. Zwei Jahre später ging sein Name durch die gesamte Oefscntlichkcit; er war der Sieger des Wettbewerbs, den die „Grüne Post" für Langstrcckeuscgclflüge ausgeschrieben hatte. 102 Kilometer hatte Krouseld in seinem motorlosen Flugzeug zurückgelegt. Ermutigt durch diesen ersten Erfolg, arbeitete er unermüdlich an der Segelslugtcchnik weiter. Nach eigenen Angaben ließ er Flugzeuge konstruieren. mit denen er neue Weltrekorde ausstcllte. Im April 1931 schrieb die „Tailh Mail" einen Preis von 1000 englischen Pfund für denjenigen aus, dem es gelänge, den Acrmelkanal doppelt zu überqueren. Robert Kronfeld vollbrachte es. Kein Mißgeschick konnte ihn sc abschrccken. Als beim Rhön-Wettbewerb 1932 der Sturm plötzlich in 90p Meter Höhe den linken Flügel seines Apparates zerbrach, rettete sich Kronfeld durch Fallschirmabsprung. Bor wenigen Tagen berichtete die Presse von seinem neuesten glänzenden Flug. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Kilometer in der Stunde hatte er von bei uichtjüdischen Hnndtvcrkcru uutcrgckommen, entsprechend der von den Haudtoerlskauuneru grundsätzlich erteilten Genehmigung. Eine nur geringe Rolle spielt die eigentliche Jugendpflege und Jugendfürsorge. Gewiß kommen Vormundschaftsfälle und auch kriminelle Verfehlungen vor. aber es ist symptomatisch, wenn eine der maßgebenden öffentlichen Instanzen der Jugendpflege in Karlsruhe erklärte, daß die jüdische Kriminalität erheblich hinter der allgemeinen zurückbliebe und daß sie cs darum jedem jungen jüdischen Menschen besonders vcrüble, wenn er straffällig würde. Hier wie etwa auch in Ehcfrageu ist der ja gegenüber der Großstadt um so viel nähere Rabbiner erste und helfende Instanz, nicht die Organisation. Ihr bleibt dennoch genug Arbeit, und die Mitglieder des Vorstandes sind es nicht nur dem Namen nach, sondern haben vollauf damit zu tun: es sind Angehörige aller Berufe darin vertreten, damit in jedem Fall hier direkteste persönliche Hilfe und Beratung durch den Arzt, den Amvalt, den Großkanfmann, den Einzelkaufmann, den Handwerker usw. möglich ist. Selbstverständlich ist solche Arbeit individueller, als sie es in der Großstadt sein kann, und schließlich ist Wohlfahrtstätigkeit ja nur eines: bei aller Beachtung der großen Richtlinien jedem die Hilfe zu geben, die er notwendig hat. Tic Einteilung der Arbeit an dieser Folo-Diensl Arno Kikolcr neuem den Acrmelkanal überquert. Um 3 Uhr nachmittags stieg er ans dem Londoner Flughafen Eroydon ans, vier Stunden später landete er auf dem Pariser Flughafen Le Bourget. Krönselb hatte für diesen Flug einen kleinen Hilfsmotor von 5 PS an seinem Apparat angebracht: während der ganzen Strecke verbrauchte er nicht mehr als 17 Liter Brennstoff. Wie er berichtete, wurde seine Pilotcnfähigkeit durch Hagel-, Schnee- und Regenschauer über dem Kanal auf eine harte Probe gestellt. Aber trotzdem hat er's geschafft. Bit. Stelle ist ein Weg. e? wird auch andere geben, aber auch diesen soll man kennen. Die bayerischen Juden nach der Volkszählung von 1933 Zn den Zahlen über die bayerischen Juden nach der Volkszählung von 1933 nimmt Professor Arthur E 0 h e n in einem Artikel der „Bayerischen Israelitischen Gemeiudezeituug" Stellung. Nach den bereits bekannten Ziffern lebten 1933 in Bayern 41 939 Juden (o.:>r» v. H. der Gesamtbevölkeruug). Gegenüber 1927, betrug die Abuahme der Juden 720«; oder H.OO v. H. Die Abnahme ist neben Hamburg (14,7 v. H.) die größte im gesamten Reichsgebiet. Die relativ meisten Juden wohnten 1!>33 in Mittel- und Unterfrankcn. Die größte Abnahme haben die Pfalz und Schwaben zu verzcict,ueu. A b s v l u t gesehen, ist mit I.VJ9 v. H. die Abnahme in Mittelfranlen sehr bedeutend. Nach Professor Eoheu lebten 1933 20,i> v. H. der jüdischen Bevölkerung auf dem Laude, dagegen 73,4 v. H. in den Städten. Noch l!»27, betrug das Verhältnis von Stadt und Land bei den Juden 71,8 v. H. zu 2N,°2 v. H. Es ist somit eine Verschiebung zuguusteu des Landes eiugetrete». Beinahe die Hälfte (49.18 p. H.) der bayerischen Juden wohnten in Großstädten (gegenüber rund 2«> v. H. der Gesamtbevölkcrung). Während bei der gesamten Beoölkernug ein Geburtenüberschuß von Käte Foerder Eine junge jüdische Schauspielerin ist gestorben, eine Berlinerin, die sich in Berlin, an Bühnen des Reiches und der Schweiz bereits bewährt hatte. Käte Foerder war besonders dem Berliner Phot. Herbert Sonnenfeld (Berlin) jüdischen Publikum bekannt, denn sie betrat als erste Darstellerin die Bühne deS Jüdischen KulturbundeS: in der Eröffnungsvorstellung von LessingS „Nathan der Weise" spielte sie die Necha. Dann sah man sie alS DeSdemona: leichtere Rollen gab sie in „Sonkin und der Haupt» treffer". in...Weekend", tn „Sturm tm Wasserglas". Daß sie später im Kulturbund -ntdjt metzr beschäftigt wurde, bereitete ihr viel Herzeleid. Während des letzten Winters trat sie in den großen Städten der Schweiz auf. Sickam nach Berlin zurück, um sich wegen cmcS Nierenleidens operieren zu lassen. Einige Wochen nach dieser Operation mußte sic die Rolle, die sie auf Erden zu spielen hatte, endgültig abgeben. Ihr Herz war zu schwach. Käte Foerder, ein schlankes, zarte« Wesen, dessen Gesicht ganz von den dunklen, leuchtenden Augen beherrscht wurde, war eine geistig leidenschaftliche. aber nach außen spröde und verhaltene Schauspielerin; ein sanfter Glanz deckte ihr Spiel. Ihre beste Nolle soll, neben der Necha, Shaws „Heilige Johanna" gewesen sein, die sie in Darmstadt, der Stadt ihrer stärksten Erfolge, darstcllte. Viel vom Wesen dieser Gestalt, wie Shaw sie sah. war in ihrem Wesen. Wer Käte Foerder persönlich kannte, staunte über die natürliche Klugheit ihres Urteils. Ihre Leidenschaft gehörte nicht nur den Rollen, sondern allen Dingen desTheaters und des geistigen Lebens. Mit jener gerade Jüdinnen oft eigenen Mischung ans Intuition und Intellekt sprach sie mit einer Reife, die weit über die Erfahrung ihrer Jahre' hinausging. Zum erstenmal sah ich sie im April 1933 im Theater „Die Komödie", als sie mit Kayßlcr in Björnsons „lieber unsere Kraft" die inbrünstig gläubige Tochter Rahe! mit demütiger Ergriffenheit spielte. Zum letztenmal hörte ich ihre Stimme am Telephon, an jenem Tage. aI8 sie sich inS Krankenhaus begeben wollte. Sie fragte nach der ' Telephonnummer eines jüdischen Dichters, den sie „noch einmal" anrufen wolle. „Wieso: noch einmal?" „Weil ich nicht weiß, ob ich wiederkonlme .. . Und vor allem dürfen meine Eltern nichts von der lebensgefährlichen Operation wisien; ich habe ihnen gesagt, .daß ich nur zur Beobachtung ein paar Tage ins Krankenhaus gehe." — Sie ist nicht wiedergekommen Wie sie sich alS Schauspielerin entwickelt hätte, wenn sie wiedergekommen wäre, ist schwer zu sagen. Zu sagen aber ist. daß mit' Vieser jungen Schauspielerin ein ausrechter, eigenwilliger echter Mensch erlosch. . *-'?• . Das „Hohe Lied“ von Bossi Zur bevorstehenden Aufführung in der Berliner Philharmonie Am 27. Mai führt Alerandcr Weinb a n m in der Philharmonie Enrico Bossis biblische Kantate „ C a n t i c 11 jn Canticoru m “, das Hoho Lied des Alten Testaments, in einer hebräischen Bearbeitung ans. Das Werk hatte vor 3.", Jahren bei der Uraufführung in Bachs Leipziger Thomastirche größten Erfolg und sicherte sich einen festen Platz nnter beit umfangreichen Chorwerken, die bevorstehende Wiedergabe ist also nicht nur des höchst interessanten sprachlichen Versuchs wegen von Bedeutung, sondern natürlich in erster Linie um des Komponisten willen. B 0 s s i. der vor zehn Jahren aus der lieberfahrt von Amerika in die Heimat gestorben ist. nimmt unter den modernen Komponisten Italiens als Meister der Orgel und des Oratoriums die erste Stelle ein. Da er zumeist in Deutschland gelernt hat und sein Schaffen demgemäß stark deutsch orientiert ist. wird er hier stets dankbare Aufnahme sinden. Das „Hohe Lied" vollends, oder wie es in Weinbaums Aufführung wieder heißt, „Schir Haschirim". ist von einer Farbenpracht. einem berauschenden Reichtum des Klanges und formaler Kunst, daß sich bei ihm derartige Begründung überhaupt erübrigt. Bossi hat diese seltsamste Dichtung der Bibel für Sopran- und Baritonsolv, Chor, großes Orchester und Orgel in Musik gesetzt; er faßte das viel umstrittene Stück dramatisch ans, teilte es in drei Akte und gab den Text an zwei redende Personen (ls sposa und lo sposo) und einen Chor der Gefährten. Ohne eine Erläuterung, wie sie der Komponist selbst einmal gegeben hat. ist das Werk trotz der wunderbar klaren musikalischen Durchführung nicht sofort zu verstehen. Bräutigam und Braut sind symbolisch - gedacht für Christus und-die Kirche, die nach schwersten Kämpfen aus der aithebräischen hervorgeht. Die Gegensätze zwischen Christentum und Hebräertum durchkreuzen das gesamte Werk in zwei Motiven, von denen Bossi das eine, christliche, einem alten feierlichen Choral „Kreo panis angplorunr* entnahm, während er für das hebräische eine eigenartige orientalische. nach feiner Meinung uralte hebräische Melodie verwandte. Sie ist durch die übermäßige Sekunde (es-fis) charakterisiert. Jn klanglich bestrickender und technischer Meisterschaft werden die Themen gegenübcrgestellt. im geistigen und räumlichen Mittelpunkt prallen sic 'in einem instrumentalen Intermezzo aufeinander. Ter üppig glühenden Klangsinnlichkeit und dem wundervollen lyrisch - melodischen Reichtum, die das dramatische Element überwuchern, kommt die Leidenschaft der Dichtung entgegen, die Liebesszcnen. die Pracht des Kvnigsein' zngcs sind betörend in ihren blühenden Farben: typisch für die Jusirrnnentation und ihre Wirkung ist der Schluß des Halleluja mit den tiefen Harfentönen, die „wie nächtliche Tautropfen in die tieien Sopranklänge hineinfallen, doppelt berauschend nach der kontrapnnktischen Strenge, mit der die christliche Kirche gezeichnet.wird". So schrieb nach den ersten Aufführungenin Deutschland ein begeisterter Musikschriftsteller. Ter Streit um den weltlichen oder religiös-mystischen Charakter des „Hohen Liedes Salomonis", der Bossi vermutlich zur Vertonung gereizt haben mag, ist in seiner Musik durch eine Phantasievolle Verschmelzung überbrückt worden, wissenschaftlich keineswegs, künstlerisch um so stärker fundiert. Die zweifellos mit erheblichen Schwierig, leiten verbundene hebräische Bearbeitung des ,ursprünglich lateinischen Textes stammt von dem Bruder des Dirigenten, Dr. Oskar Weinbäum. , Die gleiche Veranstaltung verspricht noch eine U r a u f f ü h r u n g für Deutschland, den Psalmus Hungaricus für Tenorsolo, Chor und Orchester von Zoltän KodLly, der