Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1935-05-16 · 20 (16.5.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
20 (16.5.1935)
Date
1935-05-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2277379-2278097-2278117--09487-2290604
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

..Juden und Judensiämmlinge neben den Ariern in Deutschland ... . : c. linier 100 Einwohnern [G]'-bei Deutschen Reiches leben >--' 99 Arier 1 Jude bzw. Stämmling (genauer 98,9) (genauer 1,1) .; ' , 0 0. O O O O O O Q O 0 0 O O O © © O © O 0 Q © © O O 0 © G Q 0 © O © © O © © O O 0 O © © © © © 0 © ©-•; 0 O O © © O O O ©;© 0 O O O O O © O ' G O 0 © ' 0 © © © 0 O O O 0 0 O © © © Q O O O 0 Q O © O ©- O 0 O . © (Schätzung für Frühjahr 1035) Bild Z 0.7 lag. In den vorhergehenden Jahren lagen diese Zistern höher. wie die amtliche preußische Siatislik nachivcisi. Dennoch entsallcn auf eine jüdisch-christliche Vlischetze in den Jahren 1875—'18*0 . , „ , 1,7 Kinder „ „ „ iS!«)—umi * # . 1,5 „ „ „ „ .V'K>!— Jll(lt) . , . . 1,1 In diesen ivenigen Ziffern liegt der Beweis dafür, N'ie stark der «allgemeine Seluirtenrückgang gerade die Mischehen betroffen hat. Piese Beioeisführmig sei noeh durch einige letztjährige Iahten gestützt, di.e zeigen, wie stark die ZahEder -U in der in jüdischen Miscliehen gegeniiver den rein iüdisichen Ghen znrücktüeibt. Der gelaunte .Bevöllernng.ch'olilHer Dr. Bnrgdörser hat in seinem Buch „Bott ohne Jugend" zuiaunnengestIch, toieviel e!,el:che Kinder auf 100 0heschliestungen in dem Zeitraum von 1920 bi3!ü20 en!fallen: in den evanaelisclien l'llien . . . * . . . 103 Kinder liiniiiri'-'i'nllii'liirlini öchen .... 273 ri'aitiU'üiö] vöinii'.l)i.'aü]oL SNljg'.ehen 121 „ . ieinchdischen 0!,en.1 >>;* „ iiiNinh fijviiUiiiH'n 21Uschelien . . . 38 Ebenso wie die eva'ngelisch-laiholischen wiislcheheil stark verminderte Ialstewverte anslveisen. gilt die-? für die jüdisch-christlichen chiisäielseu, wobei sich, wenn man die ein'.elueu Provinzen In'ivmijtct, für die Stadt 4K'rlin selbslnersläudiitst die allergeringsten üstulhomh-zilsern nicht nur für die Mischehen, sondern amu slir alle anderen Kategorien ergeben, was bei dem schon öfter uachgennesenen chansalziisainmenhang zwischen lchrostst<idt und Irinchtbarleit nicht verwuuderlielj ist; zwischell Mischesten und strichtw.'ilillelien bestellt tjierin lein Nüierseljied. den letzten Jahren vor 1933 liegt die Quote der mhS . jüdisch-christlichen' Mischeljen hervorgegan-' geuen Kinder, die nicht . mehr in jüdischen Gtanbentzgrnndsästen erzogen worden sind, zweifellos noch über dem Anteil '. von 75 vom Hundert. Aber selbst wenn man von diesem Wert ausgeht. bleibt ein Gegen- wartSbcstand von etwa 3.5 000 bis -10 000 halbst"! di sch er Menschen als Deszendenten (erster Ordnung) jüdisch-christlicher Eltern. Diese Zahl ist jedoch mir von den seit 1870 geschlossenen Mischehen abgeleitet. ES leben jedoch ' auch noch Männer und' Kranen höherer Lebensalter. die aus vor dieser Zeit geschlossenen Mischehen becvorgcgangcn.sind. Bei der groben lleberalternng der jüdischen Bevölkerung Deutschlands wird mau diese Zahl nnl etwa 10 000 bis 12 000 ausetzen dürfen. Dabei ist berücksichtigt, das; die Zahl der Mischehen vor 1870 viel niedriger war als später, wenn auch die durchschnittliche Kindcrzahl damals im allgemeinen und auch in den Mischehen weit größer >oar als beute. Die Zahl der halbsüdischeu 'Mischlinge nicht-, jüdischen Glaubens must weiter um diejenige Gruppe vermehrt werden, von denen die Eltern nicht in der Kategorie der Mischchcnpartncr gezählt werden, weil der eine Teil — gleichgültig, ob der jüdische oder der christliche — bereits vor der Eheschliestuug zu dem Glauben seines Ehcgaitcn übergetretcn ist, so das; diese Ehen alS rciu-jüdische bzw. rcin-christliche in der Statistik gezählt werden, was wohl nach der koufesstonellcn Seite znirisft,. nach der volktichen Herkunft im Sinne der Ariergesetzgebung jedoch nicht. Gerade die Rücksicht aus die jüdische Mentalität, die Rücksicht auf das zumeist euggeknüpste Band der Familie ans der einen Seite, ans der anderen Seite der Wunsch, den Kindern die religiöse Geschlossenheit des Elternhauses zu sichern, jci_ cs im jüdischen, sei cS im christlichen Milien, lässt vermuten, daß diese Gruppe der Mischlinge nicht gering ist. Leider liegen keine exakten Anhaltspunkte vor. Aber es lvird kaum zu niedrig sein, wenn man diese Gruppe ans 20 000 bis 27.000 Bl eu scheu schätzt. Die G e s a m t z a hl de t N ichtjudeir h albj ü d i s ch e r A b st a m m u u g in der Gegenwart dürfte unter Zusammenfassung dieser verschiedenen Quellen insgesamt bei 7 0 0 0 0 biS 75 000 liegen.. Die Graphik 2 verdeutlicht, das; noch den hier .k'.auieoeu uo,in)! uimii u'iii N!!ier,eiueo. I’.., -r. .-I ... " tzw ch 2r Gellt man von diesen Gruudtatsachen dlinhgesuhrieu Schatzungen^ rie ^ahl dcr aus, so darf mau auneimieu, das; die Zastl^;. ^älchndeli etwa uni ine -dolste hoüer ist als der Kinder, die aus den seit 1870 geschlossenen , '!uf.^ nl.0!) Rellgions- '■1)011 hervorgegaugeu sind, in einer Größenordnung von r.r, 00O bis 60 000 liegen wird. Bon ihnen dürsten etwa 15 000 bis 50 000 noch am Leben fein. Mindestens drei Viertel Hiervon sind nicht mehr der jüdischen Glanbensgcmeiuschast zngesührt worden. In Cb “ o n IL ( trinken nur den Kaffee, Cs&32]3 Haftes Grsüirö Veitreler werdon .noch iGG? i ce, Kakao der "slaroi S?eB32n .ingcstollf gemcinschast gehörigen Vvlljnden. 4. Die Nichtjuden viertel jüdischer - Abstammung Die Gruppe dieser nichtjüdischen 3tichG ' aricr ist größer als jede der anderen, vorher behandelten Splitter. Sie muß in der Ueberzahl ans den 3Rischehen der Großeltern der jetzt Lebenden abgeleitet werden. Die 'Zahl der lebenden Kinder aus Mischehen, die seit 1870 geschlossen worden sind, wurde vorstehend mit etwa 35 000 bis 40 000 angesctzt. Mr mindestens zwei Drittel dieser Personen wird, ihren Altersjahrgängen nach, ihre Bcr- , heiratung zu unterstellen sein. Ihre Ablmnm- > linge sind zu einem Viertel jüdischer Her- ■ suntt, sosern der Ehepartner bis ins zweite Glied nichtjüdischer Abstauunnug war oder ist. Bei der erheblich hoher liegenden Fruchtbarleitszisser in den. glaubensmäßig rein christlichen Ehen wird die heute lebende . Kindcrzahl dieser Personen bei etwa 65 000 liegen, die in erster Jieihe unter den Nrcht- . juden viertetjüdischer Abstammung anzu- . setzen sind. In dieser Ziffer treten die Abkömmlinge aller derjenigen uiehljüdischeu Gruppen, die vorher außerdem unter der halbjüdischcn Abstammung ansgeführt worden sind. Bei-der großen Aus-; strahluug dieses Pcrsvucnkreiscs wird man die Zahl ihrer Abkömmlinge kaum niedriger alS zwischen 65 000 und 70 000 einznsetzen haben. . ' Das bedeutet, - daß die G c s a m t z a h l der nichts ü d i s ch e n Deutschen ' v i e r t e l j ü d i s ch e r A b k u u s t zwischen 12 5 000 und 130 000 liegen dürfte. * Faßt man die durch die 'Ariergcsetzgebung abgcgrenztcn Stufen der nichtjüdischen Dcntsehen voll-, drciviertel-, halb- oder viertel-, jüdischer Abstammung zusammen, so kommt man ans eine G e s a in t z a h l von. 2 5 0 0 0 0 bis 2 60 000, die der Wirklichkeit weitgehend nahekommen dürste. Ob die Unter- oder Obergrcnze tatsächlich richtig ist oder ob sie nach der einen oder anderen' 'Richtung um ein weniges überschritten wird, kann leider aus keinem anderen Wege als '. auf dem einer statistischen Erhebung nach- - geprüft werden. Aber diese exakte Nachprüfung ist nicht von vordringlicher Bedeutung, weil die vorstehenden Angaben so weitgehend auf statistischen Unterlagen bc- . ruhen, wie es die schwierige Materie erlaubt; die Abweichungsmöglichkeitcn sind bei der/ großen Bedeutung, die gerade den Mischehen in diesem Fragenkomplex zukommt, meines. Erachtens nur relativ geringfügig. ■ Die Zahl der Atänner und Frauen jüdi-.. scheu Glaubens und der Nichtjnden von teilweise jüdischer Herkunst betrügt nach den vorstehenden Darlegungen . in Deutschland etlva 450 000 (geschätzte- Zahl der Juden in; Deutschland int Frühjahr 108,5) -r 260 000, das heißt zusammen 7 1 0 0 0 0 Pt ensche n. 710 000 innerhalb einer Gesamtbevölkernng Vonrund 66 000 000 Menschen, das bedeutet, prozentual gewertet, daß unter 10 00 in Deutschland lebenden Personen zwölf Menschen voll- oder teiljüdischer 2lbkunft sind oder daß etlva 7 3Rcnschen . v 0 l l j ü d i s ch e r und weitere -1 Nt e n - s ch e n teil; ü bischer Herkunft 080 A'rier.u' im Sinne der Ariergesetzgebung gegen ü b e r st e h e n. Dr. e. r—z. Aus den Familien Am 22. Mm feiert Louis Bl'iimcuthäl (Berlins früher Starcinrd, seinen 80. Gcburi8taa- Seit' Gründung deS Ecnlral-BereinS ist ronis Blumcn- ' thal Mitglied deS G.-V., stets Hot er sich init ganzer' Hingabe unserer Arbeit gewidmet und noch i,n hohen.- 'Jitter sich werbend für uns -eingesetzt. — B. Levy (Eberbach-Dadcn), ' Vorbeter der Gemeinde, begeht ain 16. Alai seinen 80. Geburtstag. — A. Bau m . (Grevenbroich). . Kantor und NeligionSlehrer, feiert .am 23. . Alai seinen 80. Geburtstag. — Georg ’• Schott (Bunzlau), das älteste Mitglied der Gemeinde. wird am 2!. Mast 90 Jahre alt. tunu Marianne Schuster . (Kplnz - wird -am .. ÖO Jahre alt. - Alerander Lind «nd ,aan r-ofir. . gcb. .best lBcrmutKmm-Lbcrhe.scnsticru anr 21 Mai ihre goldene -doch;eit. '— 7trau Lcria Sch m a l AlnZlcven-Nntcrsranken), daß älteste Mir- . gli'ed. der Gemeinde, stst am 22. Avril un!j<3. Lebensjahr gestorben. — Züdor Brcber Grrlun2u!>^:- tclde-Lst) beging am 10. Alai fernen ,0. Geburtstag. — Der Vorsitzende der Ortsgruppe Tupeldorf des (5-V PH. Proust, begeht mit feiner Gattin o.rr ° 26. Mai das Fest der Silberhochzeit. : Paula Ollendorff Am 18. Mai wird' Paula Ollendorff (BreSlgli) 75 Jahr'alt' Sie gehört zll den Persönlichkeiten deS deutschen Judentums, die die Ideen de'5 C.-V. nicht-nur „vertreten^ sondern durch ihr Tun und Sein lebendig machen. Ihr Leben: das bedewet seit frühester Jugend ein Leben für andcre. Vor der Ehe als Erzieherin und Lehrerin, später, neben den Pflichten als Frari und Diultcr, ein Leben für ihre -Stadt/stlr ihre Gemeinde, für die jüdische Gemcinschast iimDeutschland — und über Deutschlands Grenzen hinaus. Dieses „Leben für andere" ist mit dem-Begriff.sozialer Arbeit nicht erschöpft, vbirwhl ihre Leistungen und speziell ihre schöpferischen Anregungen' auf diesem Gebiet ein Plenschenlcbcn anssüllen könnten. Aber die „andern" sind für -Paula Ovendorfs nichtnur - die Hilfsbedürftigen, und soziale -öilse mnfrstt nicht'die Fülle des Lebens. Dazu gehört die Welt des EeisicS, gehört die Kunst, gehört — ja: arm; ’ heute noch! — die Geselligkeit, die Freude am Ptcnschcn überhaupt. Diese „Fülle deS Lebens" strömt von der Fünsundsicbzigjährigen zur Jugend, zu den Sllcheilden und Woilendell mit immer neuen Forderungen und immer gleich. ' bleibender Güte. . ' - Ten Wünschen der jüdischen Gemcinschast für /weitere Jahre reichen Schaffens fügt der C.-B. seinen besonderen Tank für ihre stete Bereitschaft ' zum Dienst an seinen Zielen. ' .Gor» Berliner. Kulturarbeit in den Gemeinden-' . Immer lebendiger und intensiver ist die Knl-.'. turarbeit in den Gemeiudeg in der letzten Zeit; geworden. Wieviel aus diesem Gebiet selbst von - den kleinsten Gemeinden geleistet wird, das zeigt ' das Beispiel einer Klcingemeinde wie Laudes- I) u t in Schlesien, daS wirhier als eines für viele auführen wollen. In der Stadt Laudeshut. die 57 jüdische Gemeindemiiglieder zählt., von denen übrigens alle dem E.-B. augehoren, fanden seit August vorigen Jahres nicht nnmi' ger als 2-1 Gemeindeabcnde statt. Unter ander-u sprach Professor Grotte über „Kultur des Ofl'' . jndeutumS", Tr. 21 r c i t b a r t h , Breslau, über „Jüdische Figuren in den Avmanen dev Weltliteratur" und Dr. Sims n s 0 h n. Breslau, über „PlaimvnideS als GesctzeSlehrer". Die Bcr« anstaltungcu lvurden sämllich von Prediger Fa l> . - k e n st e i u. etubetufeu und gclcitel. .Berichtigung. Tie.Mitgliederversammlung in . ' Dortmund fand nicht, wie wir in unserer x letzten Nummer versehentlich berichteten, am 3. April, sondern am 3. Mar, statt. — Ter Ber- - sasser 'deS .2lnssatz.es '„Wie, half mau den auP geschalteten jüdischen Aerzten?". Nr. Ist der ,PB- - Zeitung" heißt nicht Tr. Alfred sondern Tr. - Adolf Metz. . Wann und wo finden Sie Rat? Kordivestucutsciilanij ( . Ilnunovor I Hüro des C.-V., ('.norRftr. H. . - | 21. Mai, 11—13 und 14—16;Ur.*. Konzerte und Vorträge in Berlin and isn Reich Unter dem Motto „Wir tanzen im Ntai" voran-'. sialtete die K ü n st l e r h i l s c der I ü d i s ch e n - >5 e m e i n d e im'Schubert-Saal in Berlin einen Tanzabend, an dem versehiedene Künstler, die mm - säum lange das Herz der Berliner j'üdiscl>eu Be- . volkerung erobert. haben, mituürlteu. Else. Tnblou zeigte goiedor itzr. großes .Können, die beschwingte Mnsilalität ilires Körpers.' itzrcu Dumnr und ilireii Bersland in Tänzen verscl,iedensteu iüenres. Sie riß das Publikum mit einem Gassenlmbentanz nacli jüdlicljen tzstülsineisen ebenso zur Begeislerung l,i» Pole mit der tieldurctzdactsteu '?>>eilestung ..Iüdijcl,e Tage" uacl, Musil von I. Gugel, in dem sie eine Idee monumental gestaltete. Null, A n s e l m zelebrierte zunächst eimm'balischeil- Teiuvellanz nacli einer Original-Gamelangplatte. vuüvtc daun wieder in der so meisterhaft diircl!- geiü!,rien Aefielie»-Nolle ans der „Setzießonde". >00 sie die seltsame Begegnung mit der jeistank gewall»eueu LtzUIetienje AÜ-lUi K i r l l, l,nt,'mit der -.nhiuum'u sie zum tü)iii|; südliche Tän.;e vor- >ü!,r!e. Es iß-eine Freude, z» st-heu'. wie die beiden Hingen Künstlerinnen im NlnsttzmuS ihres Tanzes und im Ilebermut ihres Geistes Zusammenwirken. Das; A'elM Hirth auch sehr ernsthaft sein kann, hatte sie vorher in einem IsiSDanz bewiesen. Erika Stvlzberg trug sclione -Kostüme von vcinz Evudell. Avis äst ah kam erst elegisch in einem ungarischen Volkslied und daun drastisch-komisch in einem Märchen, bei dem ihn Erika Stolzberg, der die leichte Muse vfsciibar mehr liegt als das PaUielische,-hilfreich zur Seile 'war. Seine Tänze sind - immer '.chvrevgrapl,isü) musterhaft durchgeführt, und er springt über die Gesetze der Schwerirast. mit beneideusiverter Grazie hinweg. Audi V e ii m n n n, Tr. Ltzeruer L i e b e n t h a l und Kurt Herweg, der auch die „seltsame Begegnung" komponiert hat, gaben an zwei Flügeln'die musikalische Untermalung zu den Tänzen. - Dr. M. E. DaS A b s ch i r'd S l v n zerl von Alexander K i P u i 8 im vollbesetzten Bach-Saal bildete noch - einmal einen Gipfel - in btzrsolistischen Veranstaltungen des jüdischen Vtnsitle.bens dieser Saison. Das Programm umfaßte" Arien und russische Bollslicder; doch ist bezeichnend^ daß eine Zugabe, nämlich Schumanns „Mondnacht", den künstlerischen Höhepunkt des-Abends bedeutete. Gerade bei Kipnis ist die Trennung der Arie von der. Operndükmc problematisch, weil der ivundcrvolt weiche „i/alienische" Bas; aus dem Podium ohne die suggestive Wirkung der ' Szcnerie^ betonte - Dramatik nicht restlos-zu improvisieren vermag. . Dagegen werden die , Berdi-Arien mit einer Leuchtkraft der Stimme vorgctragcu. einer so vornehmen Gesangsiveise mit feinsten Schattierungen, üüc sie in ähnlich vollendetem hol conto.heule schwerlich zu hören sind, und hinreißend mid) die humorvolle Eleganz .bei Lortzrng - oder der- Aegißcr-Arie. Die russischen Arien würde man im Konzertsaal lieber in der Ursprache hören, schon well die Abänderung am Schluß der Onegintzlrie reiclilicli theatralisch ist. Dazu kommt, daß Kipnis da>-> tztusßsch vorbildlich klangvoll spricht.' wie die Volkslieder ulleder zeigten: unter ihnen - die aufreizende ,.Dubiuusc!)ka", im Zarismus als revolutionär^ verboten, und der donnernde Ausbruch urwücihiger Kraft im Blolgalied ljeraus- ' ragten. Einzigartig war das Schumaim-Licd, das der Bassist in' fast rullrdiscl>cr, sternklarer tzü'inhei! sang, nllo überhaupt die -Stimme in PUano-tzlbsliifnirgen der höheren Lage unnachahmlichen Glanz ansstrahlt. Der seinnervigc Begleiter Kurt S a n d e r I i n g, in manchem etwaä zu behutsam, war zwar lein ebenbürtiger Partner, was sich besonders bei ^chnmann im klang, lich nicht geglückten Schluß erwic-Z, aber ein äußerst kultivierter Pianist von nicht gewohulicl,em Format, dem ein Anteil am triumphalen Erfolg des Abends zukommt. Daß esschwierig, fast unmöglich ist, die bedetltenden jüdischen Komponisten der letzten hundert Jahre nur ans Grund ihres Judentums " auf einen Generalnenner zu bringen, von dem ausgehend ihr Sä)assen - zu ana'lhsieren wäre, . unterstellte auch Antonie L i l-i e-n s e l d °L e w e-n z. ihrem Vortrag im' Jüdischen Frauenbund, (oie' gab demgemäß lediglich recht glücklich profilierte knappe Zeichnungen der hervorragenden jüdischen Musiker-Persönlichkeiten aus dem- Nahmen der -be-- stimmenden Umwelt-heraus. Toni Dasen, mit- Sorgsalt begleitet, von Fritz Wallender g^. interpretierte.u..a. .Nubiusteiu, Scl)ali.t, Milhaud - und bemühte sich klug um Fstnaneierung de8 HAns- .' drucks zur 'Unterstützung' der vorausgeschickten ' Eharatteristik. ' . . ' ' Antonie L i I i e n s e I d' leitete in.einer audc-, ren Bcranstaltung' einen KompostliouSabeud-. von Lena Stein- Sch neider ein, wobei sie betonte,, das; die zur Aufführung kommenden Lieder nicht für den Konzertsaal, sondern für bescheidene, häusliche Unterhaltung gedacht seien. In der ' Tat sind die meist in harmlosen Terzen oder'.'-. Quinten geschriebenen Lieder mit. Anklängen an. Mendelssohn, Grieg oder Tosti Und Tenza von einer anspruchslosen Gefälligkeit, die, trotz der freudigen - Zustimmung des Publikums, für ein größeres Auditorium nicht recht ausreichen will.. Die Sopranistin Erika Storni und der Bariton- Heinrich Korn verdienen dank der schönen Stim-. men amd der geschmackvollen Art des SiugenS alle Aufmerksamkeit. Vorzüglich, im sauberen Züsauuncntlang und in der reinen Intonation tvarcu. die Damen des neuen Nladrigal-Ehors geleitet von Dr. Ludwig Nti sll). Für Beethovens ks-f)ur-f)iO’ ' mauze setzte die Biolinistiu Lotte Pcclcr einen iveiclien vollen Ton ciill Tie Künstlerhilse hatte zwei Sprechern von ' stark ausgeprägter Eigenart und bewährter .Könuerschast einen AortragSabend vermittelt. Nose L i c ch t e ust c i n verleiht, ekstatischer Hhmnik einen erregenden dramatischel, Impuls, Berliaererr . oder etwa DeborahS Kampflied in BnberS Uebertragnng durciiglüht in il,rer Nezilativn ein' schwärmerisches Feuer. Georg John ist ein ' Meister in der Gestaltung leiser Ironie und' grotesker Satire, die Shtzlock-Szcuen wurden betörend eindringlich gesprochen, Mehrincks - tolle Geschichte vom „Löwen Alois" war ein kleines. Kabinettstück. Bei den italienischen. Gesängen, die Qberkantor Hanns John beisteuerte, war interessant in Ansatz und vielleicht auch in der nasalen Tongebung die. Einwirkung der kantoralen Tätigfeit zu beobachten. Paul L i ch t e n st e r n war hier ein guter Begleiter an einem schlechten Klavier.. : Kai. Im Jüdischen Kulturbund Rhein—Ruhr gastierte unter Joseph R 0 s e n st 0 ck s Leitung. ■ daS Orchester des Berliner.Kulturbundes... Rosenstock beseelte die Egmont-Ouvertüre mit aller Kraft seiner Persönlichkeit und gestaltete, die Ausführimg zu einem erschütternden Erlebnis. 'Tie Sinfonie in 6-moll von Mozart hat-selt'en so beredt, so leidenschaftlich zu uns -gesprochen, wie-' dieses 3Nal; der Geist und daö Temperameut des Dirigenten übertrugen sich-auf das. Orchester,'bas herrlich spielte. Mit inbrünstiger -Hingabe durch. - drang Rvsenstock die „Siebente" von Schubert.. Wundervoll klangen die Hörner, zart ertönten Vit. Instrumente der Holzbläser.und. Streicher .iav traumhaft schönen, Pusztaluftatmenden ersten Satz. Genial in seiner Einfachheit das Idyll des slalvisch amnutenden zweiten: der Hnmor,^ die steasse Rhythmik des dritten Satzes als auch' das lodernde Feuer des .vierten, durchbrochen von bummelndem, österreichischem Schlendcrgang, alles wurde von Stabführer und Orchester in vollendeter Weise interpretiert. Al-s Zugabe bildere die anmutige und. deliziöses Ouvertüre, zu ,-,Fi'garoS Hochzeit" von Rio zart einen beglückenden Abschluß des-Abends. In tiefster Ergrisscnheit cr-. hobeu sich die Hörer von ihren' Plätzen — Bei-. fallsbezeugniigcn gestattete die Wellie des Raumes,' der Synagoge,-nicht — um' den Berliner Künst-p'. lern stumm zu 'danken.' Dank gebührt auch der s Leitung des Jüdischen'Kulturbimdes Rhein—Ruhr.'-', die rm-S die Bekanntschaft eines Pwseph ".lloseiutvck ' mit seinein e.rslrangigen Orchester vermittelte und ' UNS dadurch um einen hohen künstlerischen Genuß und einen tiefen musikilischen Eindruck bereicherte. DaS Konzert wurde in Köln, Aachen, Dortmund, Essen und Krefeld gegeben. — yo — In Essen brachte in dem stimmungsvollen Saale des Jugendheimes ein begabtes Kunslleclolleltiv einen Abend, der das Niveau der stow stigeu bunten Abende nbertraf. Geineinschastlicher Geist kaum durch die humorvolle Berslonference von Lotte Heine originell zum Ausdruck. Ter süddeutsche Darsteller westindischer Typen, Dr. Karl Ritter-Rosen selber, der seine hollän-.. dische Tournee für' diesen Abend unterbrocheuhatte,- zeigte sich dem Essener Publikum mit ernsten und heiteren Darbietungen und hat mit seiner eigenartigen Rote auch die Essener für sich' eingenommen. Die in Westdeutschland bestens be-.. kannte und . beliebte Bortragtzlünstlerin Kate Frohsinn (Eisen) überraschte mit einem neuen Programm.. - Ihre Stärke ist die Verbindung großer Eesangskunst mit ausgezeichneter Sprachtechnik.' Lotte Sommer (Krefelh) vereinigt in ihren eigenen Tanzschöpsunaen gut durchblldete - Körpertechnik mit großem mimischen Talent. Der - Opernsänger-Julius Reg-er (Köln) brachte nach., einigen. Opernarien Lieder -zur Laute in seiner'.-, menschlich heiteren und gefälligen- Art zu Vortragi, Die Begleitung lag, wie immer, in den bewährten -. Händen von Werner Schüler (Esten). E. & - .- Jüdischem Äultnibimd' Berlin.' nächste miete, die Operette „D i e Fledermaus' von Johann .Strauß, findet am 2: Jurii statt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.