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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-09 · 19 (9.5.1935) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Euer Vorhaben, das uns die Gruppenarbeit erleichtern wird ..(y.inc§ Tages, da kamen die Pimpfen und meldeten, daß -auch das letzte Etikett geklebt, das letzte .Kartothekblatt eingeordnct sei von allen 1260 — nnd das Verpacken konnte beginnen. Jetzt sind sie schon bei der letzten .Niste da nebenan und sogar ohne allzu viel Lärmen- Kurt Julius Riegncr. Tie 70 Bände der Büchereien bilden nur einen Anfang. Sie weisen zunächst .noch manche Lücke ans, von denen die eine oder die andere im Lause der Zeit ansgesüllt werden wird. Nicht berücksichtigt bei der Zusammenstellung wurde zunächst die deutsche Literatur, weil noch in jedem Haus deutscher Juden eine Bibliothek steht, die dem einzelnen nnd damit auch den Gruppen den notwendigen Lese- und Lernstoff gibt. Bei der jüdijcheu Literatur konnten. die größeren Geich ichtswerke unberücksichtigt bleiben. Gibt cs doch kaum eine mittlere Gemeinde, die nicht den Graetz oder den Dubnow besitzt. Das gleiche gilt für die großen Nachschlagewerke, wie zitm Beispiel das jüdische Lexikon. So waren es drei Hanptgebiete, denen bei der Auswahl der Bücher für die Büchereien besondere Bedeutung zufiel. S e l b st b e h a u P t u n g: Hier galt cs einzuseßen. Uns schien die manchmal berechtigte Abneigung gegen die ihr dienende Literatur in diesem Zusanunenhang falsch. Inmitten einer Flut von Behauptungen, denen der einzelne oft durch die Unkenntnis der Tinge wehrlos gegeuübersteht. schienen uns die Bücher, die wahre Zusammenhänge und Tatsächlichkeiten auszeigten, ihren Platz zu haben. Lebe n s g e st a l t u u g : Die Schriften Leo Baecls, 'Martin Puders nnd Franz Utosenzweigs sowie zahlreiche im „Morgens erschienene Aussätze geben dem einzelnen die Möglichkeit, seinen Standort ständig neu zu überprüfen, Probleme seiner Gristeuz zu erkennen, sich Klarheit zu verschaffen und seine A11 scha nun g so woi terzn en t;vicleln. E r l e b'n i s : Nur dem A'elteren kann durch Lektüre Klarheit gegeben werden. Bei den Jüngeren gilt es, vieles von dem, was die Generation der Zwanzigjährigen sich mütisam nrrd dnrcii Ueverlegnng erarbeiten nuisn erlebni-.-hast ohne jede Problematik bewußt in Erscheinung treten zu lassen. Nichts hast hier besser als das Lesen geeigneter Erzählungen ans den Heiinnaemnittagen und den Feiern, insbesondere dem Oneg Schabbat. Die liier vermittelten Eindrücke ergänzen in ihrer NaclNoiltigleit die Arbeit der (Gruppe nnd nnterstüT.en so den Grziehnngstoitlen des Bundes, dessen Blenschen keine Stoffsammlung vornehmen sollen, sondern die aus dem Gelernten nnd dem Grtebten ihr Lebensbild formen sollen. Zn diesen Büchereien wurde eine Ergänznng-.'büclierei gestellt, die einem weiteren Piaugel Avhilse schassen soll. In ihr stehen Liederbücher. Ansbildnngsheste ttnd eine Answalsl der vieleic ans der Jugendbewegung kontmenden Pfadfinder- und Jugendbücher. So wird das Fragen: Was sollen wir singen, was sollen wir spielen, was sollen wir bündische Ausbildung geben, was sollen wir vorlesen, verstummen, und der Bund kann hier die sreiwerdendc Kraft > anderen Ausgaben zuwenden. Ist auch in Anbetracht des Zweckes der Bücherei manches Aufgabengebiet vollständis -erschöpft, so bleibt doch eine gewisse (yv-- . gänzungsnotwendigkeit bestehen. Durch dal Ginstellen deutscher Anthologien znm Beispiel wird für die deutsche Bildungsarbcit eine neue Anregung gegeben werden können, tind insbesondere das Gebiet der künstlerischen Erziehung wird beim nächsten Ergänzungs- Versuch besondere Berücksichtigung finden. Neben' diesen Möglichkeiten stellen die Büchereien eine Anforderung pädagogischer Art an die Gruppen. 1200 Bücher gehen ans die Reise — IS Obleute werden dafür sorgen, daß sie 9000 Menschen neue Arbeitsmöglichkeiten, neue Anregungen nnd neues Wissen geben. Die Forderung an den einzelnen besteht darin, durch disziplinierte Jnnehaltnng der Benutzungsordnung nnd ordentliche Behandlung der Bücher dafür zu sorgen, das; nicht nur d i e B ü ch e r, s o n d c r n a u ch der Inhalt Gemeingut des Bundes' werde. Eunter IHieäl.'iinler. SArrrte örr S.Ä.ÄEMcheretes Pommern: Anita Wolfs, Stettin. Krvuprinzciistraße 25. Brandenburg: Gerb Vtagnrrs, Alagdcüurg, Kantsiraßc -l. Baden: Mar Gutinann, Karlsruhe, Ludwig- Willielinstraße 13. Grenzmark: Herbert Simonstein, Schneidemühl, Kleine Kirchenstraße 2. Hessen, Hessen-Nassau: Arthur Fröhlich, Frankfurt u. Nt., Bäekenvcg 54. Nordwcstdcutschland I: Wilhelm Hermann, Hambrirg. Esvlanade 40. Nordivestdeutschland II: Werner Lilienfeld,. Hamrover, Lortzingstraße 5. Linksrhcin: Paul Nkatthes, Köln, Mvltkestr. 01. Berlin 1: Friedl Blnmllotz, RO. 55, Naugarder Straße 10. Berlin II: Kreis Westen des Bundes Deutsch- Jüdischer Jugend, W. 50, Tanentzieustraße 10a. Württemberg: Centralverein, Stuttgart N., Friedrichstraßc 54. Ostpreußen: Lotte Altmann, Königsberg, Mozartstraße 6. Tie Obleute der Landesverbände Oberschlesien, Niederschlesien, Rheinland-Westfalen I und II und Mitteldeutschland werden noch benannt. Aus der C.- V.-Bewegung Sinfs'r&töi Tr. Hairs Iacobi (Köln) sprach in einer Bezirksversammlrrng vor den Orten Neuenohr/Heimersheim, Altenahr, Ahrweiler und Dernau ,zunr Thema ..Gegennmrtssragcn des deutschen Jndentinns. Nach dem Vortrag meldeten sich viele neue Mitglieder beim C.-V. an. Sitsreußen Ter Vorsitzende der Ortsgruppe Tilsit, Tr. Bruno S ch ö n f c l ö t, sprach am 20. Älpril auf Grund neuester Literatur über „Heine, seine Mitwelt und Umwelt" in der Synagogengemeinde E l b i n g. Ter Landesverbandssyndikus, Dr. A n g e r't h a l (Königsberg), leitete den Vortrag mit grundsätzlichen Ausführungen über den Sinn der Bildungsarbeit im E.-V. ein. SUcsüalcn Bor einer ü bersüllten Mitgliederversammlung sprach am 3. April Landesvcrbands'Syndikur Tr. Ernst Plaut- Esten, -ttc große Zahl der Freunde in Dortmund nmrde auch diesrnal wieder von der sachlich klaren und mit* reißenden Bortragsweise dieses ihr nachbarlich vertrauten Redners tief bewegt. Tie Versammlungsteilnehmer. viele wegen der Uebcrfüllnng stehend, folgten gespannt den Ausführungen. Dr. Plant gab. nach einer geschichtlichen Betrachtung der jüdischen Schicksalsgestaltug in Deutschland, nnd unter Wertung der Emanzipation, in die die Jndenhcit unabhängig vor: ihrem Willen und von ihrem Zutun im Zuge der Zcitströmnngen hincingestellt wurde, einen Ueberblick über: die jetzige Lage unter Aufzeigung der großen Arbeitsgebiete. innerhalb deren der E. V. im Nahmen der gesetzlichen Möglichkeiten sich ,zmn Wöhle der Judenlieit betätigt. Stürmische Zustimmung dankte dem Redner, der auch darin znm Ausdruck kam. daß verschiedene Amvcsende spontan ihren Beitritt erklärten. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Rechtsanwalt Dr. Koppel, forderte in seinen Schlußworten als- Gebot nnd Gegebenheit der Strinde eine Haltung des Vertrauens und Lebensmutes. Dr. L. K. MiMciMland In der letzten Veranstaltung der Treödencr Frauenarbeitsgemcinschaft in diesem Winter sprach . Frau EvaBüttiicr über „G c s ch i ch t e, A u f - bau und Sinn des klassischen Hauptgebetes der Juden, des Schemonee s s r e - G e b e t e s". Unter Benutzung Ter Forschungen auf diesem Gebiete von Professor Jsmar Ellbogen ging sie in kenntnisreichen, klaren Darlegungen auf die Entstehung der 18 sresp. 10) Benedlltioncn ein und vermittelte lebhast die zugrundeliegenden religiösen Gefühle und Lehren. Ter eindrucksvolle Vortrag wurde ergänzt durch einige von Kantor P a g l i n gesungene' Stücke: dem ergreifenden Tal-Nigun dc-Z 1. Segensspruches und der Kcduscha. G. 0. Keys juMr LsllMlllen Ten zähen nnd von allen leidigen innerjüdischen Streitigkeiten unbcirrtcn Bemühungen des Vorsitzenden Per Gemeinde Königsberg, Gehcimrats F a l k c n h e i n, ist es gelungen, eine jüdische Volksschule zu errichten. Zn ihrem Leiter wurde vom Vorstand und der Repräsentanz einstimmig Lehrer Franz K a e l t e r, Berlin, gewählt. Die Schule, deren weiterer Ausbau infolge des überaus regen Zuspruchs bereits znm Oktober dieses Jahres geplant ist. umfaßt zurzeit die ersten vier Jahrgänge mit insgesamt 85 Kindern, das sind gut zwei Drittel allen jüdischen Kinder dieser Altersstufen in Kvnigberg. Trägerin des Schnlwcrks ist. wie fast überall in Deutschland, die Gemeinde, die finanziell von dem Schulverein unterstützt wird. In Düsseldorf wurde eine jüdische Volksschule in Anwesenheit der Vertreter sämtlicher jüdischen Organisationen am Sonntag, dem 28. April, in feierlicher Form der Oessentlichkeit übergeben. Nach einführenden Worten des Vorsitzenden der Gemeinde, Erich Felsen thal, hielten Dr. .Uurt H e r z, der Leiter der Anstalt, und Rabbiner Dr. Siegfried Klei n die »Festansprachen. Der Gemischte Ehor unter Leitung von Erwin Palm umrahmte die würdige Feier mit dem Gesang einiger Psalmen. _ SneuRO dtö Allgemeinen RaMner-Verbündes Inn Mittelpunkt der letzten Tagung des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes, die — wie bereits berichtet wurde — durch einen Festvortrag des Vorsitzenden Dr. Baeck (Berlin) über „Das Rabbinische in der Persönlichkeit des Maimonides" eingeleitct wurde, standen Referate über die Tätigkeit des Rabbiners in der heutigen Zeit. Besonderer Beliebtheit erfreuen si.-hunscrcHcm.enscIdcnfürilcrr.n,« sMn'.jsiide -streift, 80 cm brt., p. K>r. von ML. 1.75 an, i,2 reiner Seide, hast farbig u. veiß,. ferner gc*ir. J & gemustert, vaschecbt. in re.chhe .gcr besoncers / I V-)preiswerter Auswahl, 80 cm br.; P- Mtr. v. 2.50 an - *h/ Muster nach ausu-Irrs kosten os Haimann, München Dr. Kaatz (Hindenburg) sprach über das Thema: „Ter Rabbiner in der. thevlognchen Arben . Unter Zugrundelegung des einschlägigen Ptalerials aus der jüdischen Tradittonsliteratur um'cyrieb er den Begriff der Osfcnbaruna in seiner zentralen Bedeutung für die jüdische Theologie. Das .Uvrreresrat zu diesem Thema hielt Dr. Hahn (Essen), der die eigenständige Aufgabe lüdncher Theologie in Abhebung gegen^die relsgionsphilosophischcn Anschauungen unserer Zeit umriß. Dr. Lazarus (Wiesbaden) referierte über das . Thema: „Der Rabbiner in der GerneindearbeitF wobei er die besondere Tätigkeit, die dem Rabbiner heute auf dem Gebiete der Seelsorge, der Erwachsenen-Bildung. der Wohlfahrtspflege nnd der geistigen Führung der Gemeinde zugesallen ist, im einzelnen darlcgte. In der sich anschließenden Diskussion wurden grundlegende theologische Begriffe durch Dr. Wiener (Berlin), Dr. Horo'vitz (Frankfurt a. M.), Tr. Hoff mann (Frankfurt a. M.), Tr. Baeck (Berlin) geklärt. . Die übrige Ansprache befaßte sich vor allein mit -Problemen der praktischen Arbeit des Rabbiners in unserer Zeit. — Die 2llahleu ergaben einstimmige Wiederwahl von Tr. Baeck (Berlin) znm Vorsitzenden, Tr. Horovitz (Frankfurt a. M.) zum stellvertretenden Vorsitzenden, Tr. Diene mann (Lfscnbach) zum Schriftführer des Verbandes. Lehrerausbildung für Palästina. Vom Hebräisehen Sprachverein, Breslau, werden Vorbercitungslurse für den Besuch der hebräischen Lehrer- und Lchrerinncn-Scminare in Palästina eingerichtet. Die Ausbildungszeit ist aus ctiva zwei Jahre berechnet. Znm (äintritt berechtigt das Zeugnis der mittleren Reise. Das Programm urnsaßt judaistische Disziplinen, allgemeine Schulsächer, fremdsprachlicher Unterricht inbegriffen, technische Schulung (Niusik, Zeichnen. Handferligleitsnnterricht, in Verbindung mit dem jüdischen Reformrealgymnasiiim) und spezielle pädagogische Ausbildung (Psychologie, Pädagogik, Vtcthodit). Dauer des ersten Semesters vom 2. Juni bis zum 15. September 1935. Anmeldungen und Anfragen an Seminarrabbiner Dr. I. Ra bin, Breslau, Wallstraße 14._ Arrs de» FüWllen ' Frau Isaak Kiefer (Rheindürkheim) wurde am 5. Ätai 9b Jahre alt. — Leopold M ehrländer (Kvnstadk. C.-L.). Vorstand der Gemeinde und Ehewra Kadische. feiert am 15. Mai seinen 8b. Gedurtsiag. — Jeuny LazaruS iFranksurt a. Dt.) vollendet am 22. Mai ihr 8b. Lebensjahr. Marc Grundmann, der Senior der Familie Grundmann in (isien. wurde am ä. V.'ai 85 Jahre. Gr erlebte diesen Tag in völliger körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Vewundcrc-wcrt an dem Jubilar ist sein Mitgehcn mit der Zeit und ihren Problemen. Vielleicht hat diese Frische darin ihren Grund, daß er heute noch in dem Unternehmen der Firma Grundmann unermüdlich tätig ist. Wir wünschen ihm, daß eö noch manche Jahre so bleibe. Rosalie Noscnthal. Ttd.--Hörde. begeht am 2b. Mai ihren 75. Gebtirtstag. Tie Jtibilarin. die noch jetzt täglich im Geschäft tätig ist, konnte vor kurzem ihr ülljähriges Jubiläum als Ghesin feiern. Durch ihr freundliches Wesen ist sic seit vielen Jahren in der Gegend bekannt und erfreut sich einer außerordentlichen Beliebtheit. Alfred Hcrzfeld, der verdienstvolle zweite Vorsitzende und langjährige Kassierer der Lrtsgruvpe TilsitJseS G.-V., intd seine Gattin feiern am 1b. Mai ihre Silberhochzeit. ✓ V-',,*v\ /T>~ Zum erstenmal hat nun anch der Frankfurter Kulturbund in einer an vier Abenden wiederholten Sondcrveranstaltlmg das Wagnis einer Operuausführulig gemacht. Der Erfolg gab den vielfachen Mühen, bei denen rnancherlei Schwierigleiten zu überwinden lvareu, recht. Mozarts köstliches Jugcndwerk ,.T i e Guts ü h r u n g a u S d c m Serai T, eines der ersten Singspiele und gelviß da-5 schönste, vermittelte vicleir hundert Hörern ein paar frohe Stunden rmd ein Kunsterlebcu. das nackihalleu ruird. Die Regie Leopold Sachs es mußte sich zluar der der sehr kleinen Bühne ans Andeutungen beschränken. Die dramatische Darstellung war nicht immer gelockert. Auch die szenischen Bilder, von Fritz S ch a m c s mit Geschmack entworfen, konnten nur das Wesentliche skizzieren. Trotzdem dürste der Gesamtberlauf der Vorstellung in hohem Maße befriedigen, um so mehr als sie im mulikalischeu Teil — unter Hans Wilhelm Steinb e r g s liebevoller und disziplinierter Leitung — echt künstlerisches Niveau erreichte. Ein besondere? Lob dem Orchester, das für den temperamentvoll gespielten Türkischen Vtarsch starken Beifall erntete. Das Solistengnartett )var glücklich zusammengestellt. Marianne Lanka, die zum erstenmal auf der Bühne stand, hat eine weiche, reine, sehr kultivierte Kvloraturstimmc und zeigte in Gesang und Gestik große-Z Stilgefühl. Edith Elmer, deren hübscher Sopran und muntere Spielbegabung schon in der „Fledermaus" zutage getreten waren, gab dem Blondchen Koketterie nnd Anmut. Das busfone Element vertraten Encil Fischer als Osmin mit bärbeißigem Humor und klangvollem Daß, und Paul Schwarz als heiterer, gesanglich firmer Pedrillo. Max Lipmann (Belmonte). früher am Mannheimer Nativnalthcater, bewährte sich als feinempsindender Mozartsängcr. Den Selim Bassa sprach mit ruhiger Würde Rudolf Ganz. Eine herzliche Ovation für den Dirigenten und sein Orchester war am letzten Abend (vor dem dritten Akt) verdienter Tank für Idee und Durchführung dieser Opcrnaussührnng. Zuletzt ivurde auch der Regisseur Leopold S a ch s e mit Stcinbcrg uud den Künstlern mehrfach gerufen. Dr. Georg Schott. „Nabucco" im Berliner Kulturbund. Die große anspruchsvolle Partie der verun'iutliehen Königstochter Abigail sang an mehreren Abenden Teresa (5 c r s o n - D a n z i g e r. Sie besitzt einen klaren, durchdringenden Sopran, dem in der Höhe znweilen die nötige klangvolle llöeiehheit fehlt. In Vertretung von Generalmusikdirektor Joseph R'oscnftock leitete Berthold Sander die Auffüliriing sicher und straff. Sonst blieb eo bei dev glnvohistcn Besetzung. Die Leistung des Ehors, dem in „Rabneco" eine besonders große Aufgabe zufällt, sielen wiederum ganz besonders auf. E.G.L. in iesMü m Für den erkrankten Georg Bertram hatte seine hochbegabte Schülerin Lily Dymont den im Bechstcinsaal augesetzten Klavierabend übernommen. Tie junge Pianistin hat von ihrem Meister besonders die sorgliche Klangdissercnzicrung, die zivar noch manchinal von einem sprunghaft überschänmcnden Temperament zic etwas groben KontrastU'irknngen übcrtönt wird, durch den weichen, glutvollen Konzertton aber reiche Entfaltung zuläßt. Wenn in frischer Atusizierscligkcit auch manche Bezeichnung unbeachtet bleibt oder eigenwillig verschoben wird — so fiel bei Beethoven? 32 Bariativnen in E-moll das Staecato in der 30. kurzerhand fort —, bedeutet dieser lleberschwang heute keineswegs schon eine Gefahr; denn bei Chopin erkannte man in der reizenden spitzbübischen Freude am funkelnden Esprit der Etüden, im Durchschimmern der Btelodie durch das wiegende Rankenwcrk der Berceuse, die hohe geistige nnd künstlerische Veranlagung. Ebenso erhielt das Presto in Bachs Italienischem Konzert all seine prickelnde Geschmeidigkeit. Die elegante Technik, die nur hier uicd da durch die hervorragend ausgcbildete linke Hand in den Bässen überschattet, wird bei Lily Dymont, zunächst dank dem seingeistigen Lehrer, niemals Selbstzweck werden. Lai. Am 2. Mai fand der erste A n t o r e na b e n d des Vortrupp-Verlages statt. Nach einer kurzen Einführung voit Hans Joachim Scyocps las Ernst Horwitz ein Kapitel aus seinem unveröffentlichten Roman „Künder der Zeitenwende". Die Flucht eines jungen Menschen ans der kleinbürgerlichen Atmosphäre seiner Heimatstadt, seine erste Nacht bei srerndcu wrenschen in einem Bauernhaus — das ist der Stoff, den der junge Erzähler in dein Abschnitt behandelt, den er znm Vortrag bringt. Bei aller bsepslegt- Ijeit des Stils ist die Sprache von Horwitz nicht immer lebendig, in manchen Wendungen wirkt sie fast archaistisch, aber immer wieder ist man erstaunt über die starte Beobachtungsgabe, über die Kraft der inneren Schau, über die Fähigkeit, Details so darznstellen, daß Typisches ans ihnen ersichtbar wird. Im zweiten Teil sprach Erna Feld Verse anS dein soeben erschienenen Gedichtband des .im vergangenen Jahre verstorbenen Lyrikers George A. G o I d s ch l a g. Tie Veranstaltung wurde mit einer Vorlesung von Hans Joachim S ch o e p s aus seinem Essay über Jakob Bnrclhardt beendet. Ln. Dem Andenken des im vorigen Jahr verstorbenen großer) hebräischen Dichter? E h. tll. B i a l i k galt eine Ntatince des Berliner Kulturbundes, die trotz sonntäglichem Vtaienglan.z nnd trotz zcitlichent Zusammenfällen mit der Eröffnung der jüdischen Kunstausstellung noch stattlich besucht war. Ein stimmungsvoller nrusikalisther Auftakt — Franz Schuberts hymnischer Gesang „Tent Unendlichen" in der ausgezeichneten Wiedergabe durch Susänne Stein — leitete zu der Gedenkrede des jungen Theologen D r. Vt a x R u ß bau m über, der in straffen, sicheren Umrißlinien die dichterische Persönlichkeit Äialiks höchst lebendig und wie auL leidenschaftlichem Bckcnncrtum nachzeichnete. Der starke, durch spontanen Beifall bestätigte Eindruck seiner Ausführungen fand leider in der nachfolgenden Rezitation aus Bialikschcn Dichtungen nur ein schwaches Echo. Nicht nur. daß die Aus- - ivahl recht spärlich nnd in der Zusammenstellung kaum charakteristisch genug war — E d i t h E st e r Lorten, die den rezitatorischen Teil übernomnrcu hatte, ist noch zrr sehr im Sprachlichen befangen, um das Gesprochene in Gestaltetes ilurzusetzen; Wort und Ausdruck fallen Lei ihr noch weit auseinander, und die so entstandene Lücke vermag sie weder dynamisch noch gefühlsmäßig, weder vom ordnenden Intellekt, noch von der bewegenden Leidenschaft her individuell auszrifüllen. II. L. Das Wittenberg-Trio (Berlin) bestritt ein von der Dresdener Künstlerhilfe veranstaltetes Konzert. Das Brahmsche Il-ckur-Trio ließ das Znsammenspicl von Professor Alfred Wittenberg (Bioline). Paul B l u m c n s c l d (Vivloilccllv) und Walter Gold mann (Klavier) durch die lebensvolle Wiedergabe in sehr gutem Lichte erscheinen, während das „Geister-Trio" von Beethoven etwas farblos klang. Dvorak? Eellolvnzert wirkte in Blumenfelds Wiedergabe blühend. Bei der Dresdener Maimonidesfeier wurde eine Vertonung der 13 Glaubensartikel des Marmonides für Sologesang und Orgel vorgetragen als Einleitung zu dem Festvortrag, gehalten von Dozent Tr. Albert Lewkowitz (Breslau) über „Die geistcsgcschichtliche Bedeutung de? MainrvnidesJ Tie Komposition stammt von dem Berliner Lberkantor i. R. Musikdirektor Aron ,Friedmann. Er hat den Nigun des talmndischen Sprechgesangcs bei jedem einleitenden „Ani maainin" benutzt und fährt dann in freier kantoraler Weise fort, zu edlen Harmonien der Lrgelbegleitung einen melodisch einfachen, aber eindringlichen Gesang über den tiefgründigen Tert des Rambam zu bringen. Ter Dresdener Kantor Harry Paglin trug dos Werk eindriuglich vor. , Die Dresdener Künstlerhilse beschloß ihre dieswinterlichen Veranstaltungen mir einem stark besuchten Abend „Heitere Kleinkunst'. Else Dublo.n offenbarte in „Chassidischen Tänzen' das jüdische Wesen in naiver Innigkeit, anmutiger Schalkheit, aber auch in Wehmut, uird hatte außerordentlich großen Beifall Ihr Begleiter Rudi Lehmann mag an ihren Leistungen einen bedeutenden Anteil haben. Camilla Spira war leider durch starke stimmliche Indisposition behindert. Als Ansager wußte Mar Ehrlich die Beincher anzuregen und mit eigenen Schauspieler- Parodien viel zur Erheiterung beizutragen. Siegfried Lewinsky, der über 20 Jahre Schauspieler am Dresdener Staatstheater gewesen ist. gab einen Vortragsabend mit Geschichten von Perez Er wüßte die reiche, gemütvolle Welt des ostjüdischen Dichters, dessen Humor stets auch eine Träne enthält, mit warmem -um echten Nacherlebens zu gestalten. JE.B.

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