Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 19 (9.5.1935)
- Date
- 1935-05-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ck AvMrmM ZkilSkAM, AaMWtrns und LvsAiZ Im Berner Prozeß erstattete der von den Angeklagten benannte Experte, Oberstleutnant a. D. Fleischhauer, sein Gutachten vom 30. April bis zum 6. Mai. Prosessor Baumgarten, dessen Gutachten wir in der vorigen Nummer inhaltlich zum Abdruck gebracht hatten, nahm im Anschluß an Fleischerner das Wort zu eingehenden Gegenaussührungen.. Wir geben im folgenden auszugSweise die Darlegungen Fleischhauers und Baumgartens wieder. Die Zwischentitel sind auch diesmal durch uns eingefügt. Müsse aus Drokeklor DmimgarKn Fleischhauer gab zunächst die Erklärung ab. k>ah er sich weitere Schritte gegen den Oberbegutochter E. A. Loosli Vorbehalte, weil dieser ihm in kinem Briefe vorgeworfen habe, sein (Fleischhmicr-i') Gutachten stifte Verwirrung. Sodann beschäftigte sich der Gutachter mit den Ausfüllungen Professor Dr. Baumgartens am ersten AerhandlungStag. Während er selbst dauernd in seinen Auffassungen über die Geschichte umgelernt habe. vermisse er bei Professor Baumgarten den guten Willen dazu. Er wandte sich hierauf dagegen, daß der Gutachter der Gegenseite sich weiterhin auf Bekundungen von Personen stütze, die als zweideutig fallen "gelassen werden sollten. Auch sei Professor Baumgarten nicht wie er selbst ein Talmud-Kenner. „Jüdische Weltherrschaftspläne" Fleischhauer führte sodann eine Reihe von Einzelheiten und Zitaten an. durch die bewiesen werden soll, daß vom Judentum geheime Umtriebe zur Erlangung der Weltherrschaft ausgchcn. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Bericht der Warschöner Zeitung ..Moment". In dieser Nummer sollen Besprechungen enthalten sein, die das französisch-englische Abkommen über den Luftpakt betreffen. Der Verfasser des Planes sei ein Glied der „berühmten Pvljakow Mischpoche". Auch der Autor desKellog-Paktes sei Jude gewesen. Der Kntachter greift sodann die jüdische Presse an, die er als „parasitär" bezeichnet. Die „Dialogues" von Joly Sodann behandelte der Gutachter die Persönlichkeit Achad Haam? und beschäftigte sich besonders ausführlich mit dem Verfasser der „Dialogues aur Eusers", Maurice Joly, dessen Schrift nach den bisherigen Feststellungen bekanntlich das Borbild der sogenannten „Protokolle" war. Nach Fleischhauers Meinung muß Joly ein Jude gewesen sein. Zwar habe sich der Herausgeber der Protokolle, Gottfried zur Beek, geirrt..als er dehauptetc, Joly habe eigentlich Moses Joel geheißen. Doch könne man an der jüdischen Abstam- -numg Jvlhs nicht zweifeln, wenn man nach Lichtbildern seine merkwürdige Achnlichkcit mit Karl Marx feststelle. Im weiteren Verkauf seiner Ausführungen er-' klärte der Gutachter, das Buch Jolhs habe sich nicht gegen die Diktaturgelüste Napoleon III. gerichtet. sondern enthalte die Grundzüge der von der jüdischen Freimaurerei ausgestellten Weltherrschastsplänc. Adolphe Erömieux. französischer Minister, wird von Fleischhauer beschuldigt, die .Dialogne" gewissermaßen als Leitfaden der jüdischeu Weltherrschastsbcstrebungcn in Auftrag gegeben zu haben. Der Gutachter erklärte, er könne dar zwar nicht gerichtsnotorisch machen, aber Anhaltspunkte besitze er dafür. Er wiederholte sodann die oft widerlegten Behauptungen von dem Manifest Erömieuxs, von den Zielen der Alliance Fsraölite Universelle nnd ähnliche in der antisemitischen Literatur übliche Behauptungen. Die Entdeckung des „Times"-Korrespondenten in Konstantinopel. daß das Buch Jolhs einwandfrei die Quellenschrift für die gefälschten „Protokolle" ist, bczcichnete der Gutachter als eine von den Konstantinopcler Juden veranlaßte Lüge. Der Ursprung der Protokolle nicht festzustellen Der Experte äußerte verschiedene Mutmaßungen über den Ursprung der „Protokolle" und erklärte,, es sei bis heute nicht einwandfrei sestzustellen. wer - die Protokolle geschrieben habe. Als Verfasser kämen auch Achad Haam oder Herzl in Betracht. Er selbst allerdings glaube nicht, daß Herzl die ..Protokolle" versaßt habe. # Nachdem am 2. Mai zu Beginn der Verhandlungen der Anwalt der Beklagten, Ruef. eine Erklärung zu dem im Freiburger .^Alemanen" erschieueucn Artikel, in dem Terichtsprüsident Dr. Meyer u. a. als "I u d e n h ö r i g" bezeichnet worden war. ab- Mebcn hatte, fragte Prosessor Bamngarten. welche Zeit die Verhandlungen noch m An- Iprutf) nehmen würden, er wolle danach über serne Zeit disponieren. Der Präsident antwortete. er habe, wie es vor dem Richter mies demokratischen Staates selbstverständuch sei, Herrn Fleischhauer volle RedctrOlheit zngebilligt. Immerhin sei er der Ansicht gewesen, der Experte werde ungefähr ebenso lang reden wie Professor Baumgarten 7dessen Erposü drei Stunden dauerte — da -!a das Gesamtgutachten schriftlich vorliege. Aus die an Fleischhauer gerichtete Frage, ob er in der heutigen Sitzung mit der Expertise Zu Ende kommen werde, antwortete dieser, >eme Expertise gehe viel mehr in die Tiefe als diejenigen der anderen Herren. Er wisse Überhaupt nicht, wie lange er noch sprechen werde. Herzls Joe Levh soll Joly sein! cincm abermaligen scharfen Angriff gegen oen Obergutachter Loosli fetzte dann der Gut- : achter ferne Expertise fort. »sittlich hochstehenden, für sein Volk i Ätti« iü«a Zusammenhang zwischen Herzls Nomau „Altueuland" rnld den „Protokollen", indem er die Nomanfigur Joe Levh mit Maurice Joly, dem Verfasser der „vialo^uos mix Knfers cnlre Machiavcl et Montesquieu“ indeutifiziert. Lasse man in „Joe" das e und in Levh ev aus. so ergebe sich ohne weiteres der Name Joly. Die ausgelassenen Buchstaben hätten offenbar etwas Geheimes für die Juden zu bedeuten. Nachdem der Experte noch einige Ereignisse der Weltgeschichte nach seiner Methode gedeutet hat, stellt er eine Neihe von Fragen: „Wo ist das geheime Staatsarchiv der Inden?" — „Wollen dre Juden alle Dokumente sofort herarisgcben?" — „Wer ist heute der oberste offizielle Weise?" — „Wer ist heute der Kanzler des Judentums?" und fügt hinzu: „Das Judentum wird diese Fragen hier nicht beantworten." Nach einer Untersuchung betreffend die Ursache der „Protokolle" nnd die sogenannte „Fricdhofsrcde" in demGocdschcschcnHintertreppenroman „Biarritz", wobei der Gutachter die Ansicht ansspricht. Gvedsche müsse bei der Schilderung der nächtlichen Versammlung der „Aeltesten der Stämme Israels" aus dem Prager Jndensricdhof nach einer geschichtlichen Vorlage gearbeitet haben, werden bekannte Renegaten zitiert, die die Echtheit der „Protokolle anerkannt hätten, wie Brasmann, Briman, Weininger, Trcbitsch. (Meininger ist bereits 1903 gestorben. Die Schriftleitung.) Am Schluß der Borinittagsverhaiidlung des 5. Mai verlas der Präsident ein Tele- I gramm des im ersten Teil des Prozesses als 'Zeuge vernommenen Grafen du Chayla, in dem dieser empört gegen die von dem Gutachter Fleischhauer gegen ihn erhobenen Beschuldigungen protestiert und sich weitere Schritte vorbchält. Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung teilte Universitätsprofessor Dr. Baumgarten mit, er habe von einem gewissen Weinbrenner aus Straßburg einen Brief erhalten, in dem er und seine gutachtlichen Aussagen schwer beschimpft werden. Er würde diesen Brief einfach unter den Tisch geworfen haben, wolle aber nicht den Verdacht aufkommen lassen, als ob „Freimaurer" dahin gewirkt hätten, daß dieser „wichtige Brief" verschwinde. Der Briesschrerber sei ein törichter oder gewissenloser Mensch. In Zukunft aber lehne er es ab, sich mit jedem Dummkops, der ihn brieflich angreife, zu befassen. Die Parallelversammlung Der Gutachter Fleischhauer setzt sich sodann für die Einnahme ein. daß in Basel 1897 neben dem offiziellen Zionistenkougreß eine Geheimversammlung des Ordens Bne Brith stattgefunden habe, in der die in den „Protokollen" erwähnten Beschlüsse gefaßt wurden. Daß selbst Inden in unkontrollierten Augenblicken zngestehen. die „Protokolle" seien echt, erweise das Zeugnis eines gewissen Schächters Fleischmann in der Provinz Posen. Dieser habe einem polnischen Vizcstaatsanwalt Noskowicz ein solches Geständnis gemacht. Veranlassung hierzu habe die Schändung seiner Braut durch den Oberrabbiner Vcilchenfeld gegehen. (Der Posener Oberrabbiner Dr. Veilchen, seid, der sich bei Juden und Nichtjuden höchsten Ansehens erfreute, hatte zu der Zeit, die der Antisemit Noskowicz als die der „Schändung" angibt, das 73. Lebensjahr überschritten.) Der Experte geht hierauf zu einem allgemeinen Angriff auf das Judentum über, wobei er sich in äußerst herabsetzender Weise über den „jüdischen Gott" und die jüdische Religion äußert. Im Anschluß an die Ausführungen Fleischhauers ergriff Professor Baumgarten das Wort. Keine jüdische Geheimregierung Die entscheidende Frage sei. erklärte Prosessor Baumgarten, 'ob es eine jüdische Geheimregierung gäbe oder nicht. Er verneine diese Frage auf das entschiedenste, und in diesem Punkte.weiche seine Ansicht unüberbrückbar von der des Gutachters Fleischhauer ab. Das höchst komplizierte Problem der Krise, die die Welt auf allen Gebieten durch- Mächt, damit erklären zu. wollen, daß hinter allem eine jüdische Geheimregierung stecke, fei ein völlig, untauglicher Lösungsvcrsuch. Wie bei allen üblen Erscheinungen des Mittelalters wolle man das Judentum für die Krisen dieser Zeit verantwortlich machen. Aber die Bedrückungen der Juden helfen nicht um ein Jota über die Not hinweg. „Das jüdische Protokoll ist die Bibel" Das jüdische Volk, rief Professor Banmgartcn aus. soll diese abscheulichen „Protokolle" fabriziert haben! Ich kenne die kulturellen Leistlingen des . jüdischen Volkes seit grauen Zeiten. „Protokolle" hat das jüdische Volk hervorgcbracht. Solche Protokolle nämlich, die „Bibel" heißen. Ein Volk, in dessen Schoße die Bibel entstanden ist. könne nicht das Volk sein, das in dieser „Prvtokolle"-Ausgabe bezeichnet wird. Herr Fleischhauer stehe den Inden von jeher mit Mißtrauen gegenüber. Nur diejenigen Juden erkenne er als ehrliche Menschen an. die sich selbst gegen die Juden wenden. Was aber würde Herr Fleischhauer von einem Deutschen halten, der in entsprechender Weise über seine Landsleute lirtciTrit würde? Bei dem Giltachter Fleischhauer habe das Mißtrauen gegen die Inden einen derartigen Grad erreicht, daß er die gesamte Weltgeschichte nur unter dem Gesichtspunkt dieses Mißtrauens betrachtet nnd sich gegen alles, was jüdisch ist. wendet. Ich habe hier die unheilvolle Nolle jüdischer Aerzte geschildert. Wenn mau aber zum Beispiel wie er (Bamngarten) selbst, medizinische Beratungen jüdischer Aerzte erlebt habe, daun denke man über die Angriffe gegen jüdische Aerzte entgegengesetzt wie Herr Fleisch- Hauer. Wenn er (Baumgarten) sich die Juden vergegenwärtige, denen er im Leben begegnete, so müsse er bekennen, auf wie wundervolle Menschen er gestoßen und welch herrlichen Beispielen von Selbstlosigkeit er begegnet sei. Ein unabhängiges Gutachten Niemand, fuhr der Sachverständige fort, habe auf ihn Einfluß zu nehmen gesucht, als er sein Gutachten ausarbcitete. Hätte das Judentum so viel zu verbergen, daun hätte man wohl nicht gerade ihn als nichtjüdischen Gelehrten zum Sachverständigen bestellt. Gegenüber dem möglichen Einwand, er bringe nur persönliche Erfahrungen vor. müsse er darauf hinweiseil. daß letztlich unser aller Urteil auf diesen persönlichen Erfahrungen beruht. Diese seien viel eindringlicher und sicher beweiskräftiger als noch so viele Zitate ans Schriftstellern des Mittelalters oder späterer Zeit. Wollte man sich nur nach Zitaten richten, dann könnte man jedes Volk moralisch in Grund und Boden verurteilen: denn über alle Volker sei schon Schlechtes gesagt worden. Der Gutachter erklärt sodann, er halte sich zwar, wie er schon früher bemerkt habe, für Talmudstudien nicht für zuständig, wohl aber für die Beurteilung, wie man eine NcchtSguclle zu behandeln habe. Er könne aber weder Theodor Fritsch nocb der Frau Fry das Zeugnis ausstellen, daß diese den Talmud so behandelt hätten, wie tzs den Erforder- Nissen der Wissenschaft entspräche. Wer über den Talmud sachverständig urteilenwolle, dürfe hierzu nicht irgendwelche, von maßgebender Wissenschaft, licher Seite scharf angegriffene SchriftewzUyrunde legen. Allenfalls komme eS. wte tnt Falle von Professor Daumgarten, dem er zugesteht, er habe sein Gutachten nach bestem Wissen und Gewipen ausgearbeitct, läßt der Experte Fleischhauer durchblisten. daß Baumgarten seiner Meinung nach von den Dingen wenig verstehe. Der Redner besaßt sich sodann mit der Nasienlehre, die, wie dre Namen Gobineau und Ehamberlain beweisen,- nicht deutschen Ursprungs sei. Wir lehnen, sagte er, jede Nassenüberheblrchkcit ab, aber wir verlangen Rasscnbewußtsein. Wir alle wollen eme Internationale der Arier. Der Gutachter behauptet sodann, die Ueberheblichkeit der Juden beruhe auf einem Gebot' ihres Gottes. Trete jedoch eine solche Ueberheblichkeit einmal bei Ariern auf, so sei sie bloß die Entgleisung eines einzelnen. Während die Arier die Angehörigen anderer Nassen als Menschen anerkennen, wollten die Juden den anderen Menschen die Menschenrechte absprechen. Nachdem der Gutachter noch betont hatte. Profestor Bamngarten betrachte alles von einem subjektiven Standpunkt aus, während er selbst hier alle Geistesheroen zur Sprache gebracht habe, führte er einige äußere nnd zufällige Umstände an, die ihn zum Antisemiten gemacht hätten. Methode, Zitate aus dem Zusammenhang zn reißen, um die Moral des Talmuds zu beweisen, müsse verworfen werden. Professor Bamngarten erklärte wörtlich: „Das ist eine unsittliche Methvde. Bei einer objektiven Betrachtung, die zur Wahrheit führen soll, muß alles Hetzerische vermieden werden.". Deutung des Proiokollursprungs Der Gutachter wandte sich sodann der Entstehung der gefälschten „Protokolle" zu. Es -komme nicht gerade darauf.au, ob Ratschlowsky der Fälscher war; hinreichend belegt sei der Schluß, daß die russische Geheimpolizei an der Fälschung entscheidend mitgewirkt hat, und es sei auzmiehmen. daß sie die Fälschung Nilus in die Hände spielte. In der Tatsache, daß erhebliche Teile von Jolhs „Dialogues" wortwörtlich in den gefälschten „Protokollen" wiederzufinden sind, liege für den Gutachter der wichtigste Beweis der Fälschung. Es mäste aus das entschiedenste bestritten werden, daß. wie der Gutachter Fleischhauer dies behauptet habe. Jolys Schrift auf Napoleon gar keinen Bezug gehabt habe. Kein Geschichtsforscher sei bisher auf die Mutmaßung gekommen, die Schrift Jolys. die von Anfang bis zum Ende eine Satire auf die Diktaturpläne Napoleon III. darstellt, sei nicht gegen diesen, sondern mit Bezug auf eine jüdische Weltverschwörung geschrieben worden. Weder Achaad Haam noch Herzl sind die Verfasser Sodann behandelte der Gutachter ausführlich und mit besonderer Gründlichkeit die Frage der Urheberschaft Achad Haams an den „Protokollen". Er benutzte diese Teilfrage, um darzulegen, wie wahre wissenschaftliche Forschung an solche Probleme heranzugehen hat. wobei er zu dem Ergebnis kam. daß der edle Achad Haam als Verfasser dieser Fälschung nie in Frage kommen könne. Ter Gutachter zeigte hierauf an einem Beispiel die Zitierungsmethode der Frau Fry. ES wird nur der erste Teil einer Aeußerung wiedergegebeu, der für sich allein das Judentum in ungünstigem Licht erscheinen läßt, während der zweite Teil der Aeußerung. der dem Zitat erst den richtigen Sinn geben würde, einfach unter den Tisch fällt. Den Tagebüchern Herzls. die von dem Experten Fleischhauer so überaus heftig angegriffen worden seien, stehe auch er in manchem kritisch gegenüber. Man müste sich aber immer vor Augen halten, was Tagebücher sind, wollte man den Maßstab des Gutachters Fleischhauer an die Tagebücher anderer bekannter Persönlichkeiten anlegen. so würde mau noch weit Schlimmeres aus diesen Schriften herauslesen können. Die Auserwähltheit Schließlich befaßte sich Professor Baumgarten mit dem den Juden gemachten Vorwurf, daß sie sich als auserwähltes Volk bezeichnen. Gewiß habe das jüdische Volk einen stark religiös fundierten nationalen Stolz. Aber auch anderswo finde man die Erscheinung, daß Menschen eines bestimmten Typs allen anderen gegenüber gestellt und als unter diesem Jdealtyp stehend bezeichnet werden. MWaurrs EÄl!>hW§WruW2ir Am 6. Mai. nachmittags, erhielt Ulrich Fleisch. Hauer das Schlußwort. Er richtete scharfe Angriffe gegen die Glaubwürdigkeit der Prinzessin Radziwill und des Grafen du Chayla. Die Darlegungen des Gutachters zu diesem Punkt erweckten den Eindruck, daß die Tatsache, daß Graf du Chayla seinen früheren antisemitischen Stand- Punkt aufgegeben hat, ihm den Zeugen besonders bedenklich erscheinen läßt. Gegen du Chayla werden eine Reihe neuer Behauptungen vor» gebracht, wobei der Gutachter den Wunsch ausspricht, daß der Zeuge ihn verklage. Gegenübe; Nach dem Gutachten Fleischhauer nahm der gerichtlich bestellte Lbergutachter. E. A. Loosli, Schriftsteller in Bern-Bümpliz. das Wort. Die vom Gerichtspräsidenten an ihn gerichteten Hauptfragen: 1. Sind die eiugeklagten sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" echt, unecht oder gefälscht? 2. Bilden sie ein Plagiat, einen geistigen Diebstahl? 3. Fallen sie unter den Begriff der Schundlileratur? werden in dein schriftlich vorliegenden Gutachten Looslis ausführlich beantwortet. Ter Obergutachter bestreitet entschieden jeglichen angeblichen Zusammenhang der Protokolle mit der zionistischen Bewegung sowie die Urheberschaft Achad Haams oder Herzls. Er nimmt ausführlich zu der Bedeutung des Jolyschcn Buches und zur Entstehung der russischen Ausgabe der Protokolle Stellung. Auch nicht eine einzige Behauptung der Befürworter der Echtheit der „Protokolle" hält nach Auffassung Looslis einer unbefangenen, ernsthaften Prüfung stand. Ueberall. wo der Wahrheitsbeweis versucht wird, v.erwickeln sich die Bcwcisführer in Widersprüche. Die Urkunden, deren sich der Sachverständige bei den Gutachten bediente, bestehen einerseits ans mindestens zehn Jahre zurückliegenden Zeugenaussagen in Form von Veröfseutlichuugen anerkänntcr Persönlichkeiten, andererseits ans beglaitbigtcn Wiedergaben ans dem Zentral^ archiv der russischen Regierung und'MitteiUmgen hoher Beamter früherer Negierungen, namentlich der interimistischen Kerciiski-Regicrung. Kein Beurkuuder war von den Beiträgen der anderen unterrichtet. In seinen mündlichen Ausführungen verlasLoosli dieAussagc des englischen Journalisten Graves, der in der „Times" zuerst die Fälschung der „Protokolle" aufgedcckt habe. Grave bleibe bei seiner damals geäußerten Ansicht, daß die zionistischen „Protokolle" ein Plagiat und eine Fälschung seien, und habe diese Aussage vor einem öffentlichen Notar und vor einem Beamten der Schweizer Gesandtschaft in London beurkundet. Tie Nolle, die Fleischhauer dem jüdischen Journalisten Poliakoff als angeblichem Verfasser der englisch.französischen Abkommen zuschreibt, sei erfunden. Die Sachlage sei gegenwärtig die: wenn die Juden wegen der „Protokolle" Klage erhoben, so sei das. wie sich eine Zeitung ausgedrückt habe. „Theater". — klagten sic aber nicht, so lege man ihnen das Schweigen als Argument für die Echtheit der „Protokolle" aus. Ein Gutachten in dieser wichtigen Frage habe bis zur positiven Wahrheit durchzudringen und sich aus beweiskräftige Urkunden zu stützen. Nach Meinung detz Sachverständigen berücksichtigt das Gutachten der beklagten Partei diese Voraussetzung nicht genügcnd, es sei vielmehr eine antisemitische Kampfschrift. Die Frage, ob das offizielle Protokoll der -zionistischen Bewegung bloß auf eine rechtliche Heimstätte Palästina hin tendiere, beantwortete der Sachverständige mit Ja. Tie Verhandlungen des ersten Baseler Zionistenkongresses hätten in breiter Oeffenttictsteit stattgefunden. Achad Haam komme für die Verfassersct)aft an den Protokollen nicht in Frage. Ter jüdische Freimaurerlvngrcß der Buer Brith-Loge. auf dem die „Protokolle" beschlossen worden sein sollen, sei eine Erfindung und nicht durch Urkunden zu belegen. Der Sachverständige, von dem die beklagte Partei verlangt hate, daß er die ihm von der russischen Regierung übergebenen Akten ihr zur Durchsicht aushändige. lehnte das ab. da ihm von der russischen Regierung ganz bestimmte Bedingungen für die Ueberlassuug der Alten gestellt worden seien. Diese Bedingungen machten es ihm unmöglich, "die Urkunden außerhalb des Gerichtshofes zur Verfügung zu halten. (Fortsetzung der Tagesnachcichten 2. Beiblatt Uanptschrlttleiter: vr. AltredLirschherg: Stellvertr. vr. Margarete Edelheim. Beide in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Manuskripte ist Frelumschlag beizuffleen. Leiter der Anzelgen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Prledrleb Nathan, Berlin. DA I. Vj. 40 769. Verlag: Ccntralverein . deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V„ Berlin W 15. Emser. Strasse «2. Tel -Adr.i „Centralglauben Berlin“. Fcrnspr.J2Oliva8141-45. Postscheck: Berlin 30472 Druck der Buchnnd. Tiafdruck Gesellschaft mbH, Berlin SW 19. . 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